Leserstimmen zu
Mit Träumen im Herzen

Giuseppe Catozzella

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Samia Yusuf Omar wurde 1991 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren. In dem Land tobt ein Bürgerkrieg, die 9-köpfige Familie lebt beengt in ärmlichen Verhältnissen, das Geld reicht kaum zum Nötigsten. Schon als Kind ist das Laufen Samias große Leidenschaft, und obwohl es nur unzulängliche Trainingsmöglichkeiten gibt, ist sie in lokalen Wettkämpfen stets schneller als alle anderen. So gut es geht, trainiert sie eisern in den Straßen ihres Viertels oder im desolaten heimischen Stadion - ohne professionellen Trainer, adäquate Ausrüstung und mangelernährt. Denn sie hat ein großes Ziel vor Augen: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Ihr großes Vorbild ist der ebenfalls in Somalia geborene und im Alter von 8 Jahren nach England ausgewanderte Läufer Mo Farah. Mit moralischer Unterstützung ihrer Eltern, aber gegen den Widerstand der islamischen Extremisten kämpft sie verbissen für ihren Traum und meistert auch extrem schwierige Situationen. Dabei hat sie immer den Rat ihres Vaters im Ohr, der einmal auf die Frage, ob er nicht Angst vor dem Krieg habe, antwortete: "Sag nicht, dass du Angst hast, kleine Samia. Niemals. Sonst fühlen die Dinge, vor denen du Angst hast, sich groß und glauben, sie könnten dich besiegen." (E-Reader, Pos. 407) Und tatsächlich: Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking trägt Samia Yusuf Omar stolz die Flagge ihres Landes. Obwohl sie im Vorlauf der 200-Meter-Frauen weit abgeschlagen als Letzte ausscheidet, spornt sie dieses Ergebnis an, noch härter zu trainieren. Denn ihr nächstes Ziel sind die Olympischen Spiele 2012 in London. Im Sommer 2011 reist sie durch Vermittlung des somalischen Olympischen Komitees nach Addis Abeba in Äthiopien, um beim dortigen Leichtathletik-Verband unter professioneller Betreuung zu trainieren. Daraus wird allerdings nichts, denn sie wartet viele Monate vergeblich auf die dazu erforderlichen Papiere der Regierung ihres Heimatlandes. Sie will sich schließlich nicht länger als zur Untätigkeit verdammte Illegale in Äthiopien aufhalten und entschließt sich mit Hilfe von skrupellosen Schleusern und finanzieller Unterstützung ihrer Familie zur Flucht nach Europa. Es ist der Beginn einer über ein halbes Jahr dauernden Odyssee, die sie im Dezember 2011 endlich total entkräftet nach Tripolis bringt. Von dort aus soll es im April 2012 in einem Boot zusammen mit zahlreichen anderen Flüchtlingen schließlich nach Lampedusa gehen. Doch kurz vorm Ziel havariert das Boot, erst nach endlosen Stunden kommt ein italienisches Rettungsboot, um die Flüchtlinge aufzunehmen. Samia ertrinkt bei dem Versuch, die Taue zu erreichen, die die Besatzung ausgeworfen hatte. Resümee: An Samias Geschichte ist schon oft erinnert worden, sei es in Youtube- oder anderen Gedenkvideos oder mit einem Comic des Berliner Zeichners Reinhard Kleist. Als der italienische Journalist Guiseppe Catozzella im Radio einen Bericht über Samia Yusuf Omar hörte, machte ihn das Geschilderte betroffen, und er wollte mehr über die unter so tragischen Umständen Verstorbene erfahren. Daher setzte er sich mit Samias 5 Jahre älterer, schon vor einigen Jahren nach Finnland ausgewanderter Schwester Hodan in Verbindung. In langen Gesprächen recherchierte er die Geschichte der nur 21 Jahre alt gewordenen Läuferin. Entstanden ist schließlich ein ebenso spannender wie berührender Roman, der mit ihrem 8. Lebensjahr beginnt. Er ist aus Samias Perspektive in der Ich-Form erzählt, was für Lebendigkeit und Authentizität sorgt: Man freut sich mit ihr über ihre kleinen und großen Erfolge, bewundert sie für ihr Durchhaltevermögen gegen alle Widerstände und Unwägbarkeiten, hofft und leidet mit ihr. Ihre Geschichte steht stellvertretend für die zahlreicher afrikanischer Ausnahme-Sportler, die sich in Europa bessere Bedingungen erhoffen, um ihre Ziele zu erreichen. Es wird deutlich, wie schwer, ja fast unmöglich es für sie - und erst recht für Frauen - ist, in ihrem Heimatland zu trainieren: ganz auf sich allein gestellt, ohne finanzielle Mittel, professionelle Trainer, adäquate Ausrüstung und Bedingungen sowie entsprechende Ernährung. Viele engagierte Athleten sehen als einzige Möglichkeit, ihre Ziele zu erreichen, die Flucht nach Europa. Der Schluss macht betroffen, aber auch ratlos angesichts der scheinbaren Ausweglosigkeit und lässt den Leser nachdenklich zurück.

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Die Geschichte setzt ein, als Samia 10 Jahre alt ist und berichtet von dem Lebensumständen in ihrem Land. Man erlebt durch ihre Augen ihre Vorbereitung auf den Stadtlauf in Mogadischu zusammen mit ihrem besten Freund Ali und auch unter welchen schwierigen Umständen sie für ihr Ziel trainieren muss. Sie hat alte zerlaufene Schuhe und trägt zu große und durchlöcherte Sachen. Mit ihr macht sich der Leser auf eine Reise durch ihre Vergangenheit, erlebt mit ihr zusammen wie sie an verschiedenen Läufen teilnimmt, immer weiter trainiert und schließlich sogar an den Olympischen Spielen 2008 in Beijing teilnimmt. Doch ihre Geschichte geht weiter, denn nach ihre Teilnahme an den Spielen hat sie in Somalia noch viel größere Schwierigkeiten zu trainieren. In Laufe der Jahre haben die Islamisten die steht immer mehr unter ihre Kontrolle genommen. So müssen alle Frauen ihre Burka tragen und Samia ist dazu gezwungen auch mit ihr zu trainieren. Das letzte Drittel des Buches beschäftigt sich dann mit ihrer Flucht mit dem Endziel Italien und dem Wunsch einen Trainer in Europa zu finden und an den Olympischen Spielen 2012 in London teilzunehmen. Sehr detailliert wird ihre Reise beschrieben und auch die Umständen, mit denen die Flüchtlinge leben müssen, damit sie vielleicht eine Chance auf ein besseres Leben haben. Mehr als einmal hatte ich Tränen in den Augen und musste das Buch zur Seite legen, da diese Brutalität und die Unmenschlichkeit kaum auszuhalten war. Auch das Ende war wunderschön und traurig beschrieben und hat mich mal wieder zum Weinen gebracht. Sie hat ihr Leben auf Spiel gesetzt, um endlich ihren Traum leben zu können und hat es nicht geschafft. Dieses Buch ist ein wunderbares Gedenken an sie und all die Leute, die sich mit der Hoffnung auf ein besseres Leben auf diese lange und unmenschliche Flucht machen. Nun zum Schreibstil: ich habe sehr lange gebraucht, um mit dem Schreibstil klarzukommen. Rs ist zwar flüssig geschrieben, doch an manchen Stellen werden Sprünge in die Handlung eingebaut, die mich manchmal sehr verwirrt haben. Trotz allem ist der Schreibstil sehr emotional und man kann sich an sehr vielen Stellen in Samia reinversetzten Das Buch hat der Autor mithilfe von Recherchen und Interviews mit Freunden und Verwandten geschrieben und manchmal fragt man sich schon, ob das wirklich so gewesen ist oder ob es nur ergänzt wurde. Fazit Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen und es war sehr interessant zu lesen, wie ihr Leben oder auch das Leben der somalischen Bevölkerung in ihrem Land ist und mit welchen Schwierigkeiten oder Umständen sie Tag für Tag zu kämpfen haben. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, da es ein wunderschöner und sehr emotionaler Roman über Samias Leben ist, der einen zu Tränen rührt. Da ich Probleme mit dem Schreibstil hatte, ziehe ich einen Stern ab. Also vergebe ich für dieses Buch 4 von 5 Sternen.

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Grundgedanken In Mit Träumen im Herzen erzählt Giuseppe Catozella die Lebensgeschichte einer jungen Frau, die durch ihr läuferisches Talent nicht nur in der Lage war, ihr Land bei den olympischen Spielen zu vertreten, sondern es auch als Chance nutzen konnte, den sich verschlimmernden Umständen in ihrem Heimat zu entkommen. Diese Flucht führte — wie der Klappentext und andere Hinweise auf dem Buch bereits verraten — zu ihrem Tod und gerade das macht die Tragik dieser posthum erschienenen Erzählung aus. Aufgrund des Ablebens der Hauptakteurin ergibt sich eine Besonderheit bei diesem biografisch angehauchten Roman: der Autor schlüpft, ohne auch nur einmal mit der realen Person gesprochen zu haben, in ihre Rolle und erzählt die Lebensgeschichte, als käme sie direkt aus der Tinte von Samia, eben jener somalischen Läuferin. Hierfür muss er fremde Menschen in einem noch fremderen Land beschreiben und das zu einer Zeit, in der kulturelle Verschiebungen nicht nur Somalia, sondern insbesondere die Leben der Bewohner maßgeblich veränderten. In einer Welt voller Clan-Rivalitäten und Gewalt wächst Samia innerhalb des Romans zu einer jungen Frau heran. Sie ist die Protagonistin, sowie Ich-Erzählerin und wird den Lesern hierbei in einer bewundernswert sympathischen, an vielen Stelle beinahe sanften, Form gezeigt. Sie ist mutig, lässt sich von Widrigkeiten nicht beirren, hält an ihren Träumen fest, reflektiert klug über die Geschehnisse um sie herum und gleichzeitig wirkt sie oftmals zerbrechlich, dass man sie als Leser schützen möchte. Am liebsten würde man ihr sogar den Weg aus ihrem immer weiter ins Chaos abdriftendem Land zeigen. Insbesondere als die Umstände gefährlicher werden, weil Islamisten die Freiheiten der Menschen, insbesondere der Frauen, stark einschränken und so auch Samias Traum einer Karriere als Läuferin zu gefährden drohen. Man fiebert mit ihr mit und das obwohl der Klappentext bereits das traurige Ende dieser Geschichte verrät. Das macht den Verlauf der Geschichte mit dem mit wachsender Seitenzahl immer näher kommenden Abgrund umso schmerzhafter. Struktur und Fokus des Romans Strukturell gesehen bietet dieser Roman reine Standardkost: die Erzählung beginnt an einer willkürlich erscheinenden Stelle in Samias Leben und folgt ihr dann bis zur letzten Seite. Hierbei werden unterschiedlichste Episoden und Etappen von Samias Leben aufgezeigt, die letztendlich die Grundlage dafür bilden, dass sie — wie es das Backcover bereits vorwegnimmt— zur Läuferin und später auch zum Flüchtling wird. Es findet eine aufeinander aufbauende Verkettung unterschiedlichster Ereignisse statt, denen man als Leser ohne Schwierigkeiten folgen kann. An manchen Stellen würde man sich sogar eher etwas mehr Abwechslung wünschen, um die Grenzen, die durch eine solch stringente Ich-Erzählung gegeben werden, etwas aufzulockern und etwas mehr Dynamik erhalten zu können. Dass dies jedoch nicht gewählt wurde, lässt sich nur schwer ankreiden, da ein biografischer Roman für derartige erzählerische Ausflüge nicht zwingend geeignet sein muss. Im Fokus dieses Romans liegt die Geschichte der jungen Läuferin Samia Yusuf Omar, die durch die Geschicke ihres Lebens führt. Hierbei stehen vor allem die Geschehnisse der jeweiligen Etappen im Vordergrund, ohne aber zu viele Zeitsprünge in früherer Vergangenheit zu nutzen. Auch die anderen Figuren erhalten meist nur eine Identität durch die Ich-Erzählerin beziehungsweise der Interaktion mit ihr. Hierdurch gelingt es dem Autor die einzelnen Veränderungen im Land wie Gewehrkugeln ins Herz der Leser zu schießen, da man den schleichenden Prozess der Veränderung eben nicht wie Samia am eigenen Leib erfährt, sondern nur dann davon erzählt bekommt, wenn es die Ich-Erzählerin für wichtig hält. In der Geschichte können Wochen oder Monate vergehen und man erfährt erst in einem Nebensatz, welche großen Einschnitte die Veränderungen im Machtgefüge bedeuten und welche neuen Vorschriften das Leben der Bewohner Somalias einschränken. Gerne würde man Samia auch manchmal in ihrem Erzählfluss stoppen, um Nachfragen über Ungeheuerlichkeiten im Alltag und der neuen Ordnung zu stellen, aber die Geschichte wird unerbittlich weitererzählt. Möglicherweise zeichnet sich hier der Autor verantwortlich, der nur mit der Schwester und einigen Bekannten Samias sprach, die kulturellen und strukturellen Veränderungen aber nicht am eigenen Leib erfahren hat. Sie wirken deshalb meist wie kurze Abstecher, werden aber leider selten auf mehreren Seiten vertieft. Sprache Der Großteil dieses Romans ist eine in schlichter Sprache gehaltene Erzählung, die stringent von Punkt A nach Z führt. Die Sätze variieren, sind meist aber eher von kürzerer Natur, ohne sonderlich kompliziert zu sein. Und dennoch hat die Sprache einen besonderen Charme, da sie eine gewisse Distanz zum Geschehen besitzt. Die Erzählung, selbst wenn sie von einer Ich-Erzählerin angetrieben wird, wirkt oft neutral und hat nicht den Anspruch, Leser mit einfachen Mitteln emotional zu lenken. Sie überlässt vielmehr den Ereignissen und der Geschichte genug Raum und verhält sich dabei zurückhaltend. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass Gefühle meist nur kurz benannt, aber von der Ich-Erzählerin nicht offen ausgelebt werden. Verfällt Samia beispielsweise mal in eine traurige Stimmung, würde sie eher sagen, dass sie traurig war, anstatt es über mehrere Seiten zu präsentieren. Die eigentliche Handlung ist daher eher im Zentrum der Sprache als die Atmosphäre an sich. Die eher sporadisch auftretenden und gerade deshalb zum Weiterlesen verführenden Dialoge helfen dabei zusätzlich, Akzente zu setzen, die sich dann wiederum von der zurückgenommenen Ausprägung an Emotionalität abheben. Lesegefühl Vor dem Buch stand die Frage im Raum, ob die Geschichte einer jungen Olympionikin, deren Leben ein negatives Ende nahm, wirklich genug Stoff bieten könnte, um einen ganzen Roman damit zu füllen. Diese leisen Zweifel wurden jedoch bereits nach den ersten Seiten begraben, in denen man in eine ferne Welt hineingesogen wird und sich emotional an die Geschicke der jungen Ich-Erzählerin bindet. Wohlwissend, dass diese Bindung im weiteren Verlauf unweigerlich ebenso in den Abgrund führen wird. Mit Träumen im Herzen macht nicht den Fehler, wie eine langatmige Biografie daherzukommen, sondern verwebt geschickt reale Ereignisse, die der Autor Catozzella durch Gespräche mit Angehörigen erfahren hat, mit fiktiven, erzählerischen Elementen, die ans Herz gehen. Eine junge Frau, die stark, selbst bewusst und unabhängig ist, lebt in einem Land, das vom Krieg unterschiedlicher Clans gebeutelt wurde und dann sogar noch vom Islamismus überfallen wird. Das alleine sind bereits Kernelemente, die der Klappentext bewusst vorenthielt, die aber eine erhebliche Brisanz in den Roman bringen. Man möchte unbedingt erfahren, wie sich die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern, welche Auswirkungen das auf Samia und ihre Familie hat und zumeist sind diese Dinge spannender als die eigentlichen Passagen über das Laufen. Dazu gesellt sich eine Flüchtlingsgeschichte, die in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen verwendet werden sollte, um Menschen dafür zu sensibilisieren, was es bedeutet, aus Angst sein Zuhause verlassen und in eine unbekannte Welt fliehen zu müssen. Die einzelnen Stationen dieser Flucht sind an manchen Stellen nur schwer zu ertragen, während gleichzeitig eine Bewunderung für Samia wächst, wie sie diese Strapazen und folterähnlichen Zustände überstehen konnte. Das Gefühl, während man Samia und ihre Karriere wachsen sieht, steht hierbei in Kontrast mit dem der Zustände unter denen der Islamisten und der anschließenden Flucht. Ist man zu Beginn noch voller Begeisterung für dieses junge Mädchen und fiebert mit ihren Erfolgen mit, ziehen immer wieder Gewitterwolken auf, die meist aber nur wenige Sätze andauern. Später hingegen rückt das Laufen in den Hintergrund und es geht nur noch ums Überleben, sowie Samias Hoffnung auf ein Ende des Leids. Das ist spannend, bedrückend, berührend und aufwühlend zugleich präsentiert. Diese beiden Hälften des Buches wären für sich genommen nichts Besonderes, aber in der Kombination führen sie zu einem außergewöhnlich bewegenden Lesererlebnis!

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Anmerkung: Bei mir gab es kurzzeitig Verwirrung, da ich das Buch »Mit Träumen im Herzen« gelesen habe, dann jedoch in einigen Plattformen nur »Sag nicht, dass du Angst hast« erschien beim Eingeben des Buches. Das Buch ist dasselbe, jedoch unter unterschiedlichen Titeln erschienen. Der Originaltitel ist ein italienischer, »Non dirmi che hai paura« was so viel bedeutet wie »Sag nicht, dass du Angst hast«, dieser Titel ist folglich dem Original nachempfunden. Inhaltlich finde ich jedoch »Mit Träumen im Herzen« treffender. Das Buch wurde geschrieben von Giuseppe Catozzella, einem italienischen Journalisten, der unter anderem Samias große Schwester und Samias Mitbewohnerin mit großen Übersetzungsmühen befragt hat. Einen Informationsteil, wer alles zu den Quellen über Samias Leben gehört, steht hinten im Buch. Ich bin folglich davon ausgegangen, dass die Quellen zuverlässig sind und die Kunst des Schreibens auf die Dramaturgie dieser Geschichte ausgelegt wurde. Der Schreibstil: Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus Samias Sicht erzählt. Es ist teilweise detailliert beschrieben, so wie man es beispielweise in Werken der orientalischen Kultur vorfindet, was bei mir den Eindruck hinterlässt, dass der Autor sich sehr gut in Samia als Person eingefunden hat und dies somit auch vermitteln konnte. Ich hatte sofort das Gefühl mit Samia eine junge Frau aus einer fremden Kultur Bekanntschaft zu machen. Der Schreibstil ähnelt dem beispielsweise von Khaled Husseini, wobei der Autor nicht ganz so sehr ausholt, die Wege des Ausschwenkens folglich nicht ganz so groß sind. Ich kam sehr gut mit dem Schreibstil zurecht, eine einfache Sprache, die detailliert beschreibt und mit viel Gefühl hinterlegt ist. Die Geschichte: Die Geschichte ist die von Samia. Man erhält Einblicke in ihre Welt. Ihre Eltern, ihre Vergangenheit und ihr Weg, hinter einer uns so fremden Kulisse. Mich hat es definitiv gereizt dieses Buch zu lesen, da es das Potenzial hat, Welten zu öffnen. Die Geschichte berichtet über dieses starke Mädchen, das die Freiheit leben möchte und zwar in ihrem eigenen Land- nicht irgendwo anders. Deren Kampf vergeblich ist wegen eines für mich vollkommen sinnfreien Umstands, nämlich dem, dass sie mit dem Flüchtlingsboot nach Europa wollte. Der Informationsgehalt über den Krieg in Somalia und den Ablauf einer Flucht waren dabei auch noch sehr detailliert und haben mir die Augen geöffnet. Mir war zum Beispiel nicht bewusst, dass im Krieg geborene Kinder, keine Pässe bekommen. Sie sind somit Gefangene in ihrem eigenen Land. Das Ende ist sehr gut gelöst, ich möchte es allerdings nicht verraten, nur, dass es mir gut gefallen hat, verrate ich euch ;-) . Die Charaktere: Samia ist die Protagonistin des Buches. Sie ist von vornherein eine Person, die ihre Ziele kennt und um diese kämpft. Sie hat eine starke Persönlichkeit, die von ihren Eltern, insbesondere dem Vater, immer gefordert wurde. Samia glaubt an Bildung, an Frauenrechte und an die Stärke der Frau, wofür ich sie als Charakter unglaublich lieb gewonnen habe. Sie ist für mich eine Heldin, leider eine Tragische, was mich während des gesamten Buches stark frustriert hat. Meine Gedanken gingen in die Richtung, wie schlimm es doch ist, dass wir so unterhaltungssüchtig sind und dafür unser Geld ausgeben, dass ungebildete Menschen, die nichts für unsere Gesellschaft tun, prominent sind (nicht alle!) und unsere Unterstützung erhalten, indem wir ihre Fans sind. Und da ist dann so ein junges Mädchen mit Potenzial. Eine Olympionistin...meine Güte, sie hat in der Burka nachts üben müssen, wegen der Umstände im Land- und diese, die Unterstützung gebraucht hätte, die die Welt hätte bewegen können, die Kampfgeist und Talent hatte- ja genau diese Person stirbt, weil kein Mensch ihr helfen konnte. Kein Talentscout, der ihr die Pforten öffnen konnte...niemand. Das gibt mir Grund mich ohnmächtig zu fühlen gegenüber dieser ungerechten Welt. Samia hat für ihre Sache gekämpft, und es hätte keine Edlere geben können. Quelle: http://www.aljazeera.com/ Diese Persönlichkeit hat für mich die allergrößte Hochachtung verdient. Damit bleibt mir nur noch zu sagen: Lauf, Samia, lauf! Lauf, als wärst du frei und niemand würde dich verfolgen! Ich habe nichts mehr zu sagen, sonst muss ich gleich wieder weinen. Volle Punktzahlfür dieses wunderbare Werk.

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„Mit Träumen im Herzen“ ist die Lebensgeschichte der somalischen Athletin Samia Yusuf Omar, die auf der Flucht aus ihrer Heimat quer durch Afrika nach Europa im Alter von 21 Jahren 2012 im Mittelmeer ertrank. Der Autor Guiseppe Catozzella orientiert sich im Roman an seiner Recherche und Erzählungen von Freunden und Familie der jungen Frau. Nicht ohne Grund trägt das Buch den Untertitel „Nach einer wahren Geschichte“, denn vieles an der Handlung ist fiktiv und dient der reinen Unterhaltung des Lesers. Die Bilder der damals 16-jährigen Samia gingen um die Welt: 2008 nimmt sie an den Olympischen Spielen in Peking teil, um nach einem kurzen Wettkampf im 200 Meter-Lauf bereits wieder auszuscheiden. Doch die Willenskraft und der Mut der jungen Athletin, die damals erstmals ihr vom jahrzehntelangen Krieg geplagtes Heimatland verließ, kennen keine Grenzen. London 2012 will sie wieder starten und dieses Mal siegen. Um jeden Preis hält sie an ihrem Traum fest und ist dafür auch bereit, ihr Leben auf der gefährlichen Flucht von Somalia nach Italien aufs Spiel zu setzen. Dieser starke Wunsch wird in „Mit Träumen im Herzen“ immer wieder hervorgehoben und realistisch dargestellt. Leider ist dies auch das einzige, was mich am Roman wirklich überzeugen konnte, denn Catozzella pusht seine schon so sehr tragische Geschichte mit Details und Schicksalsschlägen, die seiner reinen Fantasie entspringen. Ich habe mich bewusst vor dem Lesen nicht über Samia informiert, um ganz in die Erzählung fallen zu können, doch schon während der ersten hundert Seiten war für mich klar, dass dieser Roman zu viel Geheimnisse und Begebenheiten offenbart, die durch den frühen Tod Samias so nicht dokumentiert werden konnten und dass die diversen Zeitungsartikel über das Schicksal der jungen Frau für mich aussagekräftiger gewesen wären, als das Buch zu lesen. Wann fängt Fiktion an und wie weit darf diese bei real existierenden Personen gehen? „Nach einer wahren Geschichte“ impliziert nicht nur in Romanen sofort, dass hier sehr viel künstlerische Freiheit am Werk war – dies sei allen Autoren erlaubt und „verziehen“ – dennoch hätte ich mir bei dem vorliegenden Buch gewünscht, die doch sehr wenigen Seiten nicht nur mit ausgedachten tragischen Ereignissen zu füllen, sondern auch reflektiert über die Geschichte Somalias zu schreiben und wie es zu dem Bürgerkrieg in diesem kleinen Land kam. Ich gehe hierbei sehr hart mit dem Roman ins Gericht, möchte allerdings auch nicht außer Acht lassen, dass ich mich habe fehlleiten lassen und definitiv nicht zur Zielgruppe gehöre. Als „Einsteigerbuch“ in die Flüchtlingsthematik ist „Mit Träumen im Herzen“ sicher sehr gut geeignet, führt es doch die furchtbare und gefährliche Reise, die viele auf sich nehmen, um nach Europa zu kommen, sehr detailliert und authentisch vor Augen, dennoch hätte ich mir in allem ein wenig mehr Tiefgang erhofft. Samias Geschichte wäre in diesem Rahmen nicht unbedingt von Nöten gewesen, jede komplett fiktive Figur hätte ebenfalls gut in den Roman gepasst, um die Situation der vielen Menschen widerzuspiegeln, die ihre Heimat verlassen wollen und/oder müssen. „Mit Träumen im Herzen“ macht aufmerksam und braucht sich nicht zu verstecken. Für mich beinhaltete der Roman etwas zu viel fiktives Drama, dass dem Roman viel Spannung und Authentizität nimmt, wenn es um das persönliche Schicksal Samias geht, dennoch gibt der Roman vielen Opfern eine Stimme und verfehlt, als reiner fiktiver Text gesehen, definitiv nicht seine Wirkung. Positiv hervorheben möchte ich auch die leider viel zu kurzen Einblicke in das Leben der Somalier, deren Leben vom Bürgerkrieg bestimmt wird und unter denen eine komplette Generation aufwächst, die keinen Frieden kennen. Catozzella beweist mit diesen Passagen, dass er durchaus mehr Seiten über die Konflikte des Landes hätte füllen können.

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