Leserstimmen zu
Und so kam es

Maren Uthaug

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Und so kam es hat mich besonders mit seiner Thematik gelockt: Eine Samin, die aus der Reihe tanzt, weil sie einen von den Samen verachteten Norweger heiratet. Und ein Mädchen, das mit diesem Konflikt ringen muss. Das Buch hat viel Magisches. Es hat mich in eine Welt entführt, die zu dem herannahenden Winter passt. Zum Inhalt: Risten lebt gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn in Kopenhagen, sie steht kurz vor ihrer ersten Reise zurück nach Norwegen, wo sie endlich ihre Mutter Rhitta wiedersehen wird – die alte Frau, die dicke Scheiben Käse in ihren Kaffee tunkt, den sie literweise trinkt. Und die Risten so sehr an ihre Großmutter erinnert, eine alte Samin, die sie vor den gefährlichen Wesen der Unterwelt gewarnt hat, die ihre Enkelin ihr ganzes Leben lang verfolgen werden. Von ihrer Mutter will die Tochter nun wissen, was damals geschehen ist, als ihr Vater mit ihr abgehauen ist, in ein neues Land, zu einer neuen Frau, in ein neues Leben. Warum hat sie sie einfach gehen lassen? (Quelle: Random House Bloggerportal) Meine Meinung: Ich bin sehr froh darüber, dieses Buch gelesen zu haben. Nicht nur habe ich viele Erkenntnisse über ein Volk gewonnen, dass vielen gar nicht bekannt ist, sondern merke ich auch, dass ich immer noch über die Geschichte nachdenke. Und das heißt für mich, dass mich die Geschichte entweder bereichert oder erschrocken hat. Ich denke, dass eher ersteres der Fall ist, auch wenn ich stellenweise schon schockiert war. Uthaug erzählt ohne Scham. Es werden auch Themen angesprochen, mit denen eigentlich nicht so offen umgegangen wird. Auch die Figuren zeugen von Besonderheit. Jede Figur ist speziell und hat gute sowie schlechte Seiten – was sie sehr authentisch erscheinen lässt. Während mir zwischendurch kurz etwas langweilig wurde, kam gegen Ende der große Gau. Die letzten 50 Seiten sind spannend und unerwartet. Sie stellen die ganze Geschichte auf den Kopf und lassen uns das Gelesene wieder reflektieren. 20. Satz: Er wollte Silvester so feiern, wie er es von zu Hause in Oslo kannte. Kurz und knapp: #Familiensaga #Skandinavien #Samen #Lebensgeschichte Für 9,99 Euro beim btb-Verlag erhältich.

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Und so kam es

Von: tination

08.11.2017

Das Buch: Kirsten lebt mit ihrem Vater und Stiefmutter in Dänemark. Doch so richtig wohlbehütet wächst sie nicht auf: denn sie muss immer an den Ort ihrer frühen Kindheit denken. Irgendwo im Norden, wo man Angst vor den Nordlichtern hat. Doch warum durfte sie nicht mehr dort leben? Etwa wegen den Geistern? Davor sollte sie sich immer in Acht nehmen – am besten mit viel Silber. Das Fazit: Es tut mir leid, eigentlich kann ich hier nur schwärmen. Und ich habe die Vermutung, es ist kein Buch für jedermann. Es ist ein ruhiges Buch, was von den (tragischen) Erlebnissen lebt. Es sind die einzelnen Charaktere, die mal mehr mal weniger ausführlich daherkommen – aber der Leser möchte wissen, wie es mit denen über die Jahre weiterging. Und so kam es halt. Es ist die Erzählung, wie es kam, wie sich alle fügte, dass Kirsten ihre Heimat verlassen musste und warum ihre Mutter so gar nichts von ihr wissen wollte. Es geht nicht, was daraus geworden ist. Dies hätte durchaus in zwei, drei weiteren Kapiteln beschrieben werden können. Aber es wird mit dem Titel schon alles gesagt: wie es passierte. Mehr nicht. Man merkt, es werden Fäden und Geschichten gesponnen, die irgendwann anfingen und mit Kirstens Rückkehr enden. Und mit diesem ruhigen Erzähltempo (was aber keinesfalls als langweilig genannt werden kann), schafft die Autorin die richtige mystische Atmosphäre. Ein Buch typisch für lange, kalte Nächte. Und der Bezug zu den Samen, zu den nordischen Mythen ist Die Protagonistin Kirsten ist durchweg klar nachvollziehbar. Mal möchte man sie einfach nur in den Arm nehmen. Mal möchte man sie einfach nur schütteln. Aber nie handelt sie voreilig oder unbegründet. Sie geht ihren Weg. Und es ist schön, sie auf der Suche nach der eigenen Identität zu begleiten. Zusammenfassend ist es eine schöne Familiengeschichte mit vielen Geheimnissen. Einigen wird die Geschichte wohl doch zu ruhig sein. Doch wer sich für eine nordische Familiensaga interessiert, mit Drama, Missverständnissen und doch nah an der Realität, wird hier seine Freude finden.

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Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf das Kennenlernen von Rhitta und Knut Anfang der 70er-Jahre. Anschließend folgt eine Szene im Jahr 2007 mit Risten als Erwachsene in Kopenhagen, bis der Roman ihre Kindheit in Norwegen und Dänemark erzählt. Risten wächst in den 70er-Jahren bei ihren Eltern Knut und Rhitta sowie ihrer Áhkku (Großmutter) in Norwegen auf und verbringt ihre Zeit völlig in sich gekehrt mit dem Malen von Bildern. Sie setzt sich allerdings gern zu Àhkku in den Schaukelstuhl, die ihr Schauermärchen von den Unterirdischen erzählt, gegen die sich Risten mit Silber schützen soll. Als Samin wurde die Hochzeit der Tochter mit einem Norweger von ihr nie gutgeheißen, weshalb Knut in ihren Augen ein "Stallutroll" (Menschenfresser) ist, was sie auch frei gegenüber der Enkeltochter behauptet. Rhitta selbst hat Knut aber offensichtlich auch nur geheiratet, um ihre Mutter zu ärgern, weshalb die Ehe nach neun Jahren nicht nur an Leidenschaft, sondern auch an Respekt verloren hat. Knut wendet sich sodann der Dänin Grethe zu und zieht zusammen mit Risten zu ihr nach Südjütland. Rhitta hatte ihre Tochter gehen lassen, nachdem diese von ihren wahnsinnigen Geschwistern, die in einer Höhle in den Bergen wohnen, bedroht worden ist. In Dänemark fühlt sich Risten fremd, heißt auf Wunsch von Grethe von nun an Kirsten und findet in dem "Vietnamesen-Niels", der als elternloser Flüchtling im Keller von Grethe aufwächst, ihren einzigen Freund. Ihm erzählt sie die Geschichten von Àhkku und so verschanzen sie sich beide mit Silberschmuck, den sie von Grethe stehlen, im Schuppen im Garten. Dies geht so lange gut, bis der drei Jahre ältere Niels seine Sexualität entdeckt und von Grethe zum Schutz von Kirsten weggebracht wird. Die beiden sollen sich erst Jahre später, als Kirsten Architektur in Kopenhagen studiert, wiedersehen. Der Roman der norwegischen Autorin ist mit einer Reihe an eigenwilligen Charakteren sehr skurril. Auch wenn sich Grethe sichtlich um Kirsten bemüht, ist sie selbst komplett neben der Spur und das Zusammenleben mit ihr anstrengend. Der Vater Knut ist Zeit seines Lebens, bis auf die Flucht von Norwegen nach Dänemark, passiv und lässt sich von den Frauen gängeln. Risten wächst mit Schauermärchen, Sagen und Gebeten der norwegischen Minderheiten Samen und Kvenen auf, die sie bis ins Erwachsenenalter prägen. 2007, als Risten selbst bereits Mutter ist, kehrt sie nach über 20 Jahren nach Norwegen zurück, um ihre Mutter nach all den Jahren wiederzusehen. Sie möchte endlich wissen, warum Rhitta nie versucht hat, einen Kontakt zu ihrer einzigen Tochter herzustellen. Aufgrund der außergewöhnlichen Charaktere, der zum Teil haarsträubenden Episoden aus Ristens Kindheit - sei es das unverantwortliche Mästen der Hunde mit Käse durch Grethe, das regelmäßige (unfreiwillig gemeinschaftliche) Onanieren von Knut und Niels oder das Hausen von Risten in einem Schuppen im Garten bei frostigen Temperaturen - ist der Roman erfrischend anders. Auch wenn die Kindheit von Risten objektiv betrachtet alles andere als einfach war, hat man nie das Gefühl, dass sie darunter leidet oder daran zerbrechen könnte. Für sie erscheint das Leben völlig normal, weil sie auch kein anderes kennt - in Anlehnung an den Titel frei nach der Losung "Und so ist es". Risten ist eine Einzelkämpferin, die dann erst als Erwachsene erfährt, was es mit der offensichtlichen Gleichgültigkeit von Rhitta auf sich hat.

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