Leserstimmen zu
Widerrechtliche Inbesitznahme

Lena Andersson

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Der Roman Widerrechtliche Inbesitznahme von der Schwedin Lena Andersson erschien im Dezember 2016 im btb-Verlag. Die Autorin beschreibt darin die zunehmende Abhängigkeit einer jungen Frau von einem Mann. Anfangs fasziniert von seiner Kunst, verliert Ester innerhalb kurzer Zeit ihre Autonomie und Selbstachtung. Ester Nilsson ist Anfang dreißig, arbeitet als Dichterin und Essayistin und lebt in einer soliden Beziehung. Als sie beruflich mit dem Künstler Hugo Rask arbeitet, verändert das alles. Das erste private Treffen, das harmloser nicht beginnen könnte, hat für Ester Folgen. Sie ist von Hugo auf eine Weise fasziniert, die fern jeder Normalität scheint. Andersson bringt all die Qualen des Liebeskummers auf den Punkt und überführt ihre Leserinnen gekonnt mit eigenen Verhaltensmustern. Obwohl sie selbst sagt, der Roman sei ein Buch über die Liebe, so ist die Figur der Ester aus meiner Sicht eher ein wachrüttelndes, mahnendes Beispiel, was unglückliche Liebe anrichten kann. Andersson beschreibt auf beeindruckende Weise, wie Ester sich mehr und mehr von Hugo abhängig macht und so immer mehr von sich selbst verliert. Obwohl sich Ester und Hugo mehrfach treffen, zusammen essen und auch miteinander schlafen, will sich weder Intimität noch Beständigkeit einstellen. Hugos Verhalten Ester gegenüber ist ausweichend, fern und unpersönlich, während Ester sich dieser Verbindung immer mehr hingibt. Für die kalte, ablehnende Art Hugos erfindet Ester immer wieder Erklärungen. Sie liebt innig und verzweifelt, sodass sie sich bald in eine Abhängigkeit stürzt, die sie immer weiter erniedrigt. Hugo hingegen bleibt unzuverlässig, abweisend und säht doch immer wieder Hoffnung in Ester. Die Situation wird für die junge Frau immer auswegloser. Denn obwohl Hugo wesentlich älter ist als sie selbst und Ester eine andere Frau vermutet, hält sie an dem Glauben fest, er könnte ihre Zukunft sein. Der Erzählstil der Autorin ist brilliant. In jeder Zeile ist die tiefe Verbundenheit zu spüren, die Ester zu Hugo empfindet. Gleichsam wird ihre Zerrissenheit deutlich, die sie zwar hier und da grübeln lässt, aber nie zu einem ernsthaften Umdenken führt. Jeder, der schon einmal geliebt hat, jeder der weiß, wie sich unerwiderte Liebe anfühlt, wird sich in der Geschichte und in Ester wieder erkennen. Der Unterschied zu vielen anderen mag der sein, dass es Ester misslingt, sich von Hugo abzuwenden, der sich ihrer nie ernsthaft annehmen will. Der Freundinnenchor, wie Andersson Esters enges Umfeld nennt, versucht dieser klar zu machen, dass sie sich verrannt hat, dass sie auf sich selbst achten und sich schützen muss. Sie stoßen bei Ester auf taube Ohren, denn aus ihrer Sicht, haben die anderen keine Ahnung, was sie durchmacht, wie tief ihre Liebe und Zuneigung ist. Ester ist klug, vorausschauend und redegewandt und doch gerät sie in eine gefährliche Spirale aus Selbstverlust, Erniedrigung und blinder Abhängigkeit. Die Autorin versteht es, die Unerträglichkeit unerwiderter Liebe und den daraus resultierenden Schmerz in Worte zu verpacken. Schonungslos beschreibt sie Esters Widersprüchlichkeit, ihren Verzicht auf sich selbst und ihre Besessenheit von einem Mann, der sich nicht binden will. So gelingt es als Leser zwar, die Handlungen Esters mit Distanz zu betrachten und dennoch ihre Qualen erahnen zu können. Auf sprachlich hohem Niveau und in kunstvoller Weise, gelingt hier ein aussergewöhnlicher Roman über die fatalen Folgen von Liebeskummer.

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Liebeskummer. Unerträglich. Warum also ein Buch darüber lesen, wenn man derzeit zum Glück nicht davon betroffen ist und auch nicht daran denken möchte, dass man es vielleicht irgendwann wieder sein könnte. Weil Lena Andersson den Liebeskummer schonunglos auf den Punkt bringt und mir durch ihr Buch eine Möglichkeit eröffnet hat, ihn mit Distanz zu betrachten. Mit Distanz und dennoch mit aller Wucht. Bisher hatte ich mich dem Thema Liebeskummer entweder durch mein eigenes Erleben oder die Begleitung von FreundInnen durch eine Liebeskummerepisode genähert. Durch die Romanfigur Ester konnte ich zum ersten Mal einer Frau beim Liebeskummer "zusehen". Der Kopf hat bei diesem Thema wenig zu melden, das beweist Ester durch ihre völlige Hingabe zu einem Mann, der sie nicht will. Ihre Unfähigkeit, das zu erkennen und zu akzeptieren, war während des Lesens schwer auszuhalten. Liebekummer ist ein Phänomen, welches uns Dinge tun oder denken lässt, die im Nachhinein nur schwer nachzuvollziehen sind. Das Gute ist: Er geht vorbei - ganz sicher.

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Inhalt: Wer verlässt, spürt keinen Schmerz. Wer verlässt, braucht nicht zu reden. Wer verlässt, ist fertig. Das ist der große Schmerz. Wer verlassen wird, muss dagegen bis in alle Ewigkeit reden. Und dieses ganze Gerede ist nur der Versuch, dem anderen zu sagen, dass er sich geirrt hat. Wenn er nur einsähe, wie die Dinge wirklich liegen, würde er sich nicht so verhalten, dann würde er den anderen lieben. Bei dem Gerede geht es nicht darum, sich Klarheit zu verschaffen, was der Redende behauptet, sondern darum, zu überzeugen und zu überreden.« Ester Nilsson ist 31 Jahre alt. Sie ist Dichterin und Essayistin, eine vernünftige Person mit einer vernünftigen Beziehung. Eines Tages erhält sie den Auftrag, einen Vortrag über den Künstler Hugo Rask zu halten. Im Publikum sitzt der Meister höchstpersönlich, und danach treffen sie sich zum ersten Mal. Dieser Augenblick verändert alles. Eine auf den ersten Blick völlig harmlose, unverbindliche Kommunikation nimmt ihren Anfang, in deren Verlauf es zu einer Kette von Ereignissen kommt, die katastrophal für die liebesblinde Ester enden. Meine Meinung: Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil der mir besonders gut gefallen hat. Sie beschreibt die Momente in ihrer ganz eigenen poetischen und unverbrauchten Sprache auf literarisch sehr hohem Niveau. Das Buch hat zwar knappe 200 Seiten jedoch ließ ich mich komplett in die Geschichte hineinfallen und habe diesen schönen Schreibstil genossen und extra jeden Satz langsam gelesen, um alles auf mich wirken zu lassen. Ich konnte mich mit der Protagonistin Ester teilweise infizieren. Ich fand sie recht sympatisch und hätte an ihrer Stelle genauso gehandelt, was das Thema Liebe betrifft. Als sie sich eingestehen will, dass sie doch für Hugo Gefühle hat und sie sich immer näherkommen und die erste gemeinsame Nacht verbringen, verhält er sich sehr rätselhaft, verschwindet oft für mehrere Tage, meldet sich dann nicht bei ihr und vertröstet sie immer wieder. Ich an Esters Stelle würde genau so skeptisch sein und darüber nachdenken, was mein Partner wohl machen mag, nachdem er sich Tage lang nicht mehr gemeldet hat. Jedoch ist sie abhängig von Hugo trotz seines Verhaltens. Ihr Dasein besteht ausschließlich aus dem sehnsüchtigen Warten auf eine Nachricht.Sie hofft sehr, dass er ihre Gefühle genau so erwidert. Hugo fand ich vom Charakter am Anfang etwas merkwürdig. Er entspricht diesem typischen Männerbild, der es genießt von Ester vergöttert zu werden, hält sich für was besseres, da er von Ester so sehr bewundert wird, aber mit ihren Gefühlen spielt. Diese Story hat mich richtig packen können, und gezeigt, dass wir Menschen voller Gefühle sind, und man gegen seine Gefühle einfach nicht ankämpfen kann, auch wenn man es versuchen mag, oder sich dagegen wehrt. Ich bin komplett in diese Geschichte abgetaucht. Es war wunderbar, und ich werde das Buch definitiv noch einmal lesen wollen. Ich kann dieses Buch nur den Leuten ans Herz legen, die Liebesgeschichten mögen, verliebt sind oder in einer ähnlichen Situation wie Ester sind oder waren. Fazit:Ein wunderschöner Liebesroman. Ich kann ihn wirklich nur weiter empfehlen.

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Zum Inhalt: Die 31-jährige Protagonistin Ester Nilsson ist intelligent, lebt in Schweden und arbeitet dort als Dichterin und Essayistin. Sie analysiert ihre Umwelt sowie die Menschen in ihrem Leben sachlich und präzise und macht es sich zur Aufgabe, das Leben in all seinen Feinheiten zu erfassen und mit den richtigen Worten zu beschreiben. Doch dann erhält sie den Auftrag einen Vortrag über den schwedischen Künstler Hugo Rask zu halten und beschäftigt sich daraufhin intensiv mit dessen Leben und Schaffen. Als Hugo dann am Tag des Vortrags persönlich anwesend ist und sie für ihren hervorragenden Vortrag lobt, verliebt sich Ester Hals über Kopf in den faszinierenden Hugo und gerät in eine ganz unglückliche Liebe. Meine Meinung zum Buch: Im Normalfall kann ich mit reinen Liebesgeschichten, also Büchern in denen eine Liebesbeziehung im Zentrum der Geschichte steht, nicht viel anfangen. Auch klingt der Plot in diesem Buch nicht besonders innovativ und dennoch konnte mich dieses Buch unheimlich begeistern und wird mit großer Sicherheit ein Lesehighlight 2017. Die Autorin legt den Fokus auf die genaue Analyse und Beschreibung der Gedanken- und Gefühlswelt von Ester. Sie seziert die Situation der unglücklich Verliebten geradezu, ist dabei wertfrei und schonungslos. Der Schreibstil ist entsprechend nüchtern und erschreckend präzise. Jeder der selbst einmal in dieser Situation war oder jemanden kennt, wird die typischen Verhaltensweisen erkennen. Trotz Esters Intelligenz und Vernunft ist sie gegen ihre Gefühle machtlos und manövriert sich immer tiefer in das Leid zwischen Hoffnung und Angst. Dabei ist es fast grausam, dass Ester ihre Schwäche und Irrationalität in vollem Umfang begreift und es trotzdem nicht schafft dieser Abhängigkeit zu entkommen und sich stattdessen immer mehr verliert. Fazit: Eine schonungslose Analyse der Liebe und ihrer Auswirkungen auf Menschen. Mit sprachlicher Präzision und Finesse aber ganz ohne Kitsch und Romantik beschreibt Lena Andersson das ganze Leid der Gedanken und Gefühle einer unglücklich Verliebten. Eine Situation in der Intelligenz und Vernunft machtlos sind. Eine absolute Leseempfehlung!

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