Leserstimmen zu
Machandel

Regina Scheer

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Von: Cornelia aus Santiago de Chile

23.09.2019

Ein bewegendes Buch zur deutsch-deutschen Geschichte mit sehr persönlichen Sichtweisen der ganz unterschiedlichen und starken Figuren dieses Romans. Bin selbst 61 in Mecklenburg geboren und dort zur Schule gegangen und habe so auch die regionale Stimmung mit gewisser Nostalgie tief empfinden können.

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Machandel - Reise durch die Zeit

Von: Sissi aus Göttingen

20.07.2019

Sehr gut geschriebenes Buch das mir als Reiselektüre hier in Mecklenburg Vorpommern hilft Land und Menschen und ihre Geschichte besser zu verstehen. Ein tiefgründiges Buch und sehr anregend um über unsere gemeinsame deutsche Geschichte zu reflektieren.

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Aus einem fünfstimmigen Potpourri besteht der Debütroman "Machandel" der 1950 geborenen Journalistin und Autorin Regina Scheer. In 25 Kapiteln kommen drei weibliche und zwei männliche Ich-Erzähler zu Wort, die wichtigste ist die Claras, der jedes zweite Kapitel gehört. Ein Personenverzeichnis mit Kurzbiografien am Ende des Romans hilft weiter, sollte man den Überblick verlieren, was jedoch kaum zu erwarten ist. 1960 in Ost-Berlin geboren, kommt Clara 1985 erstmals nach Machandel, einem fiktiven Dorf bei Güstrow in Mecklenburg. Sie und ihr Mann verlieben sich spontan in einen verfallenen Katen mit verwildertem Garten neben dem ehemaligen Gutshaus, den sie zunächst mieten, später kaufen und als Wochenendhaus renovieren. Clara schreibt dort an ihrer Doktorarbeit über das Grimmsche Märchen "Von dem Machandelboom", niederdeutsch für Wacholderbaum, in dem ein Mädchen die Knochen ihres toten Brüderchens unter den Machandelbaum legt und ein Vogel daraus wird, der ein Lied über seine mörderische Stiefmutter vorträgt. Was Clara in der vermeintlichen Idylle weit weg von Berlin zunächst nicht ahnt: Lüge, Verrat und Hoffnungslosigkeit gibt es auch in Machandel und hat es immer gegeben. Und so erfährt sie allmählich bei ihren Nachforschungen im Dorf, in dem nicht viel geredet wird, was sich hier seit den 1930er-Jahren zugetragen hat. Es sind Geschichten von Fremden, wie der Zwangsarbeiterin Natalja aus Smolensk, die nach dem Krieg mit ihrer Tochter Lena im Gutshaus geblieben ist, von Marlene, die mit ihren kleinen Geschwistern im Katen lebte und Opfer der Denunziation und der NS-Euthanasie wurde, von Emma, der ausgebombten Hamburgerin, die sich um die Kinder im Katen kümmerte, und von den Kriegsgefangenen. Doch sie stößt hier auch auf die Spuren ihrer eigenen Familie, denn Mutter und Großmutter kamen 1945 als Ostpreußen-Flüchtlinge ins Gutshaus, genau wie ihr Vater, der als Kommunist zehn Jahre im Zuchthaus und in KZs saß und nach dem Todesmarsch aus Sachsenhausen hier gesund gepflegt wurde. Ich habe diesen Roman über siebzig Jahre deutsche Geschichte, beginnend mit der NS-Zeit über die Gründung der DDR, den Prager Frühling, die Vor-Wendezeit, die Wiedervereinigung und die Jahre bis 2000, mit großer Begeisterung gelesen. Regina Scheer verknüpft die bewegenden Einzelschicksale sehr gekonnt und ohne Pathos, kommt immer wieder auf die Mythologie des Märchens zurück, lässt einzelne Ereignisse aus verschiedener Perspektive berichten und bettet alles in großartige Naturschilderungen Mecklenburgs ein, so dass ich nun diesen am dünnsten besiedelten deutschen Landstrich sehr gerne bereisen würde. Von enttäuschten Hoffnungen handelt der Roman, sei es bei Claras Mutter, deren Traum vom besseren Leben schließlich nicht über das Trauma der Flucht triumphieren kann, bei ihrem Vater, der mit seinem Traum von einem sozialistischen Staat scheitert und nach der Wende verstummt, aber auch von Claras in den Turbulenzen der Wende zerbrechender Ehe und das Scheitern des in ihrem Freundeskreis favorisierten „dritten Wegs“. Gleichzeitig entsteht aber auch Neues und vor allem die starken Frauenfiguren des Romans verhindern, dass es eine düstere Geschichte wird. Im März 2019 erscheint Regina Scheers zweiter Roman "Gott wohnt im Wedding", auf den ich mich jetzt schon sehr freue.

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Machandel: Das ist der Name eines fiktiven mecklenburgischen Dorfes und des gleichnamigen Debutromans von Regina Scheer, der 2014, passend zum 25. Jahrestags des Falls der deutsch-deutschen Mauer, erschienen ist. Der Dorfame leitet sich vom niederdeutschen Wort für Wacholder ab, der rund um Machandel üppig wächst. Deutschland von den 1930er bis zu den 1990er Jahren So unbedeutend das winzige Dorf Machandel an sich ist, für die Hauptpersonen in Regina Scheers Roman ist es so etwas wie der Nabel ihres Lebens. Der russische Offizier Grigori strandet hier im 2. Weltkrieg für etwas mehr als ein Jahr ebenso wie die Arztwitwe Emma aus Hamburg, die es sich zur Aufgabe macht, sieben verwaiste Kinder großzuziehen, deren Mutter verstorben ist, deren Vater als Soldat im Krieg kämpft und deren älteste Schwester in einer Nervenklinik ist - nachdem sie vom Stallarbeiter und späteren Gefangenenaufseher Wilhelm Stüwe vergewaltigt und dann als schwachsinnig denunziert wurde, damit sie ihm nicht gefährlich werden kann. Doch im Mittelpunkt des Romans steht die 1960 geborene Clara. Wie die anderen Personen, die den Inhalt des Buches wesentlich prägen, spricht sie aus der Ich-Perspektive und zeigt ihre Sicht der Ereignisse. Sie ist die Schwester des 14 Jahre älteren Fotografen Jan Langner, der im Schloss von Machandel geboren wird und erst im Alter von sieben Jahren zu seinen Eltern nach Ost-Berlin zieht. Die beiden sind die Kinder des Kommunisten Hans Langner, der in der DDR verschiedene wichtige Positionen bis hin zum Minister inne hatte und sein Leben lang von einem kommunistischen Staat träumt. Er wird 1935 wie seine Lebensgefährtin Else als Mitglied der Kommunistischen Partei verhaftet und letztlich ab 1943 im KZ Sachsenhausen gefangen gehalten. Als die Rote Armee immer näher rückt, treibt die SS über 30.000 Häftlinge nach Nordwesten. Auf diesem Todesmarsch gelingt Hans Langner gemeinsam mit zwei tschechischen Gefangenen die Flucht und er erreicht schwer krank Machandel. Dort wird er von der jungen Johanna gesund gepflegt, die selbst zusammen mit ihrer Mutter als Flüchtling in das Dorf gelangt ist. Johanna und Hans werden ein Paar. Clara lernt Machandel erst 1985 kennen. Jan hat seine Ausreise aus der DDR beantragt, und sie wurde genehmigt. Kurz vor dem Abschied schlägt er vor, mit Clara und ihrem Mann Michael nach Machandel zu fahren und ihnen den Ort seiner frühen Kindheit zu zeigen. Ab diesem Zeitpunkt wird das Dorf für Clara zu einer Art Sehnsuchtsort: Sie und Michael kaufen die alte Kate, in der Emma etliche Jahre zuvor mit den sieben Kindern gelebt hat, und richten sie als Wochenendhaus her. Sie verbringen viel Zeit in Machandel, das gerade Clara wie eine Art Oase und Ruhepunkt erscheint. Doch im Laufe der Jahre erfährt sie immer mehr über die Bewohner - die früheren und die jetzigen - und die Geschichte des Dorfs. Flucht, Gewalt und Erniedrigung hat dieser Ort gesehen, aber auch Zusammenhalt und Liebe. Clara lernt im Laufe der Jahre auch immer mehr über ihre eigene Familie. In ihrem eigenen Leben geht es auf und ab, doch ein Wunsch begleitet sie immer: Sie würde gern ihren Bruder wiederfinden. Niemand aus der Familie oder von seinen Freunden hat Jan seit seiner Ausreise aus der DDR wiedergesehen. Doch es gibt Spuren, an die sich sein alter Freund Herbert heftet: Immer wieder werden seine Fotos in Zeitschriften veröffentlicht - aus Kuba, Nicaragua oder Bolivien. Aber die Fotos sind nicht mit seinem Namen gekennzeichnet: Unter jedem Bild steht einfach nur "Machandel". Lesen? Machandel ist ein äußerst vielschichtiger Roman, in den man förmlich eintaucht. Da es sich nicht um eine chronologische Handlung handelt, sondern die Personen nacheinander ihre Sicht auf die Vergangenheit erzählen, gelingt es sehr gut, sich in sie hineinzufühlen. Jeder hat ein Geheimnis oder leidet unter der Erinnerung an oft lange zurückliegende Ereignisse. Nur der Leser weiß, warum die Menschen auf die eine oder andere Art gehandelt haben. Wie wäre ihr Leben wohl verlaufen, wenn sie mehr miteinander geredet hätten? Regina Scheer wurde 1950 in Ost-Berlin geboren und hat die DDR auch dann nicht verlassen, als sich die Möglichkeit ergeben hatte. Der Osten Deutschlands und vor allem Berlin ist darum auch der Schwerpunkt ihres Buchs. Wer in der DDR aufgewachsen ist oder die Situation dort verfolgt hat, wird auch viele Namen von einst wichtigen Personen wiedererkennen; auch die, die nicht explizit genannt, sondern nur beschrieben werden.

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Machandel- Melodien

Von: Antje aus Schwerin

13.11.2017

Ein wunderbares Buch. Zeichnet das Mecklenburg der Nachkriegszeit bis and Ende des Jahrtausends. Klare, poetische Sprache. Klare Figuren. Zeitenbrüche. Elend und Glück. Aus der Perspektive des heute so oft romantisierten "ländlichen Raums". Sorgfältige Recherche. Plattdeutsche Bezüge. Wunderbar zu lesen. Als wäre man dabei! Danke!!

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Machandel

Von: Dr. Kurt Schröder aus Hamburg

29.10.2017

s.o. großartig, Ein Heimatbuch. Erschließet die Gedanken und Ideen der Aktiven der damaligen Zeit.

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Was für ein großartiger Roman. Ich habe ihn gern gelesen. Ab und an musste ich ihn beiseite legen und darüber nachdenken. Die vielen verschiedenen Erzählperspektiven, die verschiedenen Zeiten und die verschiedenen Staatsformen machen dieses Buch interessant und bringen dem Leser die deutsche Geschichte so nah. Wer keine Lust auf Sachbücher hat, sollte dieses Buch lesen. Regina Scheer hat Figuren geschaffen, die beeindrucken, aufwühlen und aufregen. Man ist mittendrin und fühlt und denkt und erlebt mit. Vieles erkannte ich wieder, einiges war mir neu und manches konnte ich nicht so richtig nachvollziehen, weil ich es anders erlebt habe, aber genau das machte das Buch für mich spannend. Es gibt am Ende des Buches ein Personenregister. Dieses sollte man (aus meiner Sicht) vorab schon einmal lesen, dann kann man die Figuren besser auseinanderhalten. Die Sprünge sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber mit der Zeit gehören sie einfach zur Geschichte. Ein sehr gutes Buch, welches zum Nachdenken anregt und Geschichte greifbar macht.

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„Ein großer Familienroman über die DDR und wie sie unterging" ... meine Gefühle beim Lesen des Buches entwickelten sich sehr „zweigeteilt". Ich habe sehr lange daran gelesen - es beschäftigte mich sehr. Stellenweise musste ich sogar mit mir kämpfen, denn das DDR-Bild, welches die Autorin wachsen lässt, widerspricht meinen eigenen Erinnerungen manchmal, erscheint mir einseitig und für mich stellenweise sehr befremdlich. Clara, die Hauptfigur, ist Jahrgang 1960 und da ich nur ein paar Jahre älter bin, kann ich ihre Figur gut nachvollziehen. 13 der 25 Kapitel sind aus der Perspektive von Clara erzählt. Die weiteren Ich-Erzähler sorgen für eine breitgefächerte Sichtweise des Geschehens über eine Zeitspanne von den 1930er bis in die 1990er Jahren. Im Fokus der Handlung steht MACHANDEL, ein kleines Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Am Schicksal verschiedener Zeitzeugen und der Hauptperson Clara wird die Geschichte erzählt. Ihre Eltern lernten sich in Machandel kennen. Claras 14 Jahre älterer Bruder wuchs bei den Großeltern in Machandel auf, bevor ihn der Vater in eine Kadettenschule schickte. Mit diesem aufgezwungenen Regime kommt er nicht zurecht und verschwindet. Clara kehrte mit ihrem Mann Michael und ihren beiden Töchtern im Sommer 1985 nach Machandel zurück und sie kauften sich einen kleinen Katen. (Kate ist die Bezeichnung für ein einzelnes einfaches Wohnhaus in oder nahe einer dörflichen Gemeinschaft.) Fasziniert von der Dorf-Geschichte interessiert sie sich immer mehr für die Geschehnisse. Sie lernt Emma und Natalja kennen. Machandel wird für Clara zum Ort der Begegnung – mit sich selbst, mit der eigenen Familiengeschichte, mit der deutsch-deutschen Vergangenheit, mit ihren Opfern. Doch auch Claras Ehe leidet unter den Geschehnissen vor dem Zusammenbruch der DDR – Illusionen zerbrechen. Ihr Mann verliert seinen Arbeitsplatz und nimmt eine Stelle in der Schweiz an. Nach dem Ende der Partnerschaft bleibt Clara mit den Töchtern in Berlin und kümmert sich nach dem Tod der Mutter um den pflegebedürftigen Vater. Auf dessen Beerdigung erfährt sie, dass ihr Mann eine neue Partnerin in der Schweiz hat – sie lassen sich scheiden. Auch Machandel verändert sich nach der Wende und es zieht sie immer seltener dort hin – aber den Katen verkauft sie nicht. Wehmut und Hoffnung treffen und vereinen sich in den individuellen Schicksalen der Geschichte: Machandel – das Wissen um das Geheimnis der Erlösung durch Erinnerung. Am Ende des Buches findet man kurz zusammengefasste Angaben zu den wichtigsten Personen … das hat mir sehr geholfen, den Überblick nicht zu verlieren. Die sachliche, nüchterne Erzählsprache lässt zwar die wirkliche Geschichte im Mittelpunkt stehen, aber das Genre „Roman" tritt für mich in den Hintergrund.

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