Leserstimmen zu
Old School

John Niven

(21)
(16)
(1)
(0)
(0)
€ 10,99 [D] inkl. MwSt. | € 11,30 [A] | CHF 16,90* (* empf. VK-Preis)

Nach der Musikindustrie (Kill your Friends), Golf (Coma) und Gott (Gott bewahre) widmet sich John Niven in Old School den alten Leuten – hier kann also niemand sagen, Niven versucht nicht neue Themengebiete zu betreten. Herausgekommen ist eine typisch britische Mischung aus Krimi und Komödie. Die Hauptakteure des Buches sind nicht wirklich die typischen Charaktere die man so in Bücher findet. Man begleitet eine Rentner-Truppe nach ihrem <Achtung – kleiner Spoiler> mehr oder weniger erfolgreichem Banküberfall </Spoiler> auf der Flucht vor der Polizei. Die Charaktere selbst sind ziemlich verschieden. Da wäre Susan, die Witwe geworden ist, weil ihr Mann, ein kleinlicher Buchhalter, bei einem Prostituierten-Besuch an einem Herzinfarkt zu Tode gekommen ist (dabei spielte auch ein Riesendildo eine Rolle). Julie kann sich nur gerade so über Wasser halten, arbeitet als Aushilfe im Pflegeheim und wohnt in einer Sozialwohnung. Ethel, eine der Bewohnerinnen in Julies Heim, war früher Tänzerin und ist auch jetzt noch von arg derben Gemüt. Trotz ihres Alter sind ihre Gedanken doch noch ganz der wilden „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ Zeit anhängig. Das komplette Gegenteil ist die streng gläubige Jill – die von Ethels derben Kommentaren doch das ein oder andere mal arg in Verlegenheit gebracht wird. Trotz aller Verschiedenheit gelingt es Niven die Charaktere als rundum sympathischen Haufen rüberkommen zu lassen. Größtenteils schafft er es sogar, sie als recht glaubhaft und realistisch zu zeichnen – nur Ethel schlägt hier mit ihrer extrem vulgären Art doch das ein oder andere mal etwas über das Glaubhafte hinaus. Auch gönnt man ihnen ihr ergaunertes Geld – wahrscheinlich auch deshalb, weil der Roman sich im Kern doch mit einem Gesellschaftsproblem befasst: Armut und das Gefühl der „Nutzlosigkeit“ im Alter. Das Ganze als sozialkritisch zu bezeichnen wäre jetzt zwar Zuviel des Guten, aber über die verschiedenen Gründe nachzudenken, warum dieser Club der Alten zu Gaunern wird, kann sicher nicht schaden. Neben den Kapitel, die sich mit unserem Gauner-Club befassen gibt es auch Kapitel die sich „der anderen Seite“ – die der Polizei – widmen. Hier läuft alles unter der Führung von Sergant Boscombe, der nicht gerade Werbung für den Beruf des Polizisten betreibt. Diese Kapitel sind leider extrem flach und nach dem Humor-Prinzip „Holzhammer“ gestrickt. Das Verhalten Boscombes ist an Infantilität teilweise nicht zu überbieten – er gibt hier den typischen trotteligen Klischee-Polizisten. Hier wäre weniger, bzw. etwas feiner definierter Humor, vielleicht mehr gewesen. Was beim Lesen auffällt: Niven schafft es unheimlich gut, beim Leser Bilder im Kopf zu erzeugen. Im Prinzip hatte ich durchgehend den Eindruck, das Drehbuch eines Films zu lesen. Gefühlt könnte man das Buch so 1:1 verfilmen und es käme sicher etwas unterhaltsames dabei raus. Leider ist das vielleicht auch mit das Problem der Boscombe-Kapitel: Man hier hier den typischen vertrottelten Cartoon-Polizisten vor Augen – was im Kontext eines Buches halt einfach ab und an etwas zu viel des Guten ist. Trotz den paar angesprochene Problemen hab ich mich beim Lesen durchaus gut unterhalten gefühlt. Für Leser, die dem britischen Humor nicht abgeneigt sind, durchaus eine Lektüre wert. Einen wirklichen Grund das Buch unter dem Hardcore-Label von Heyne zu veröffentlichen hab ich allerdings nicht gefunden, außer das bis jetzt auch alle anderen Werke Nivens bis jetzt unter dem Hardcore-Label erschienen sind. Die paar derben Ausdrücke aus Ethels Mund machen das Buch noch lange nicht zu „Hardcore“. Inhaltlich hätte das Buch auch sehr gut in das ganz normale Heyne-Verlagsprogramm gepasst.

Lesen Sie weiter

JOHN NIVEN - Old School (Heyne Hardcore) - die Alten lassen es so richtig krachen - Susan Forbisher ist eine rundum abgesicherte Frau in den Ausklängen ihrer Fünfziger und mit dem Langweiler und beeideten Wirtschaftsprüfer Barry verheiratet. Sie bereitet gerade Kunstblut für ihre Laienspielgruppe „Die Wroxham Players“ vor und er sich Frühstück für einen großartigen Tag. Dass ihr heute noch gründlich das Lachen vergehen wird, ahnt Susan zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ihre Freundin Julie Wickham hingegen geht einer frustrierenden, von Pisse und Bleichmittel dominierten Putztätigkeit im Altersheim nach und bewohnt eine kleine (A-)Sozialwohnung. Einst war sie jung, sexy und gut betucht. Nun ist sie keines mehr davon, denn heute ist ihr 60. Geburtstag. Das verspricht ihr Frustration pur. Ethel Merriman, noch keine Neunzig, Altersheimbewohnerin, Gelegenheitsdiebin und Hobbyrollstuhlfahrerin hat es faustdick hinter den Ohren. Nicht nur ihr vulgäres Gebärden, sondern auch ihre freche, urkomische Art machen sie einfach sympathisch und zum Knuddeln liebenswert. Jill Worth wiederum ist 67. Sie gehört ebenfalls Susans' Laienspielgruppe an. Linda ist ihre 35-jährige Tochter, die mittlerweile aussieht wie 50. Lindas Sohn Jamie ist schwer krank und nimmt sie nahezu 24/7 in Beschlag. Jamie leidet am De-Havilland-Syndrom, einer seltenen Autoimmunerkrankung die das eigene Lungengewebe angreift. Eine OP, die weltweit nur ein Team in Chicago durchführen kann, würde 60.000 Pfund verschlingen. Geld das sie beide nicht haben. Das sind natürlich alles Probleme, die nicht einfach zu handeln sind. Die beinahe schon enthusiastisch erzählte Story des gebürtigen Schotten John Niven spielt zu Beginn in Wroxham einer kleinen Ortschaft in Norfolk, UK. Später geht es dann einmal quer durch Frankreich. Die Charaktere sind bunt ausgeschmückt, nur allzu lebhaft und des Scheiterns endgültig überdrüssig. Als sich dann auch noch ein, den Damen nur allzu bekannter Freier, einen sechzig Zentimeter langen und sechs Zentimeter im Durchmesser fassenden schwarzen Dildo von einer Domina tief in den Darm stoßen lässt, kann das nicht gut gehen...und das tut es auch nicht! (Zitat Seite 44 : "Er hatte praktisch die Größe von fünf aufeinandergestapelen Cola-Dosen). Voll schwarzen Humor erzählt Niven seine Geschichte der gescheiterten Existenzen, geläuterten Irrwege und unerreichten Ziele. Die coole Story ist zwar durchaus vorhersehbar, dennoch absolut lohnenswert und größtenteils „cozy“ geschrieben. Das Konglomerat aus Altersheim und frustrierten, gescheiterten Existenzen an der Schwelle zum Altwerden ist sympathisch gezeichnet, was es dem Leser ein leichtes macht, empathische Gedanken für die Protagonistinnen zu hegen. Nachdem ihnen ihre allgemeine Geldnot und die damit verbundene ausweglose Situation mehr und mehr vor Augen gehalten wird, fassen die Damen einen irrwitzigen Plan. In ihrer Verzweiflung wenden sie sich an den 89-jährigen Nails, ein ehemaliger Liebhaber von Julie und landesweit bekannten Verbrecher a.D. Man trifft sich, findet sich sympathisch, schmiedet gemeinsame Pläne und schon kann die Sache steigen. In seinem hohen Alter ist Nails allerdings nicht immer so ganz bei der Sache, was er allerdings im denkbar ungünstigsten Moment durchblicken lässt. Und damit treten sie alle das pure Chaos los. Eine bunt ausstaffierte Flucht vor der Polizei und ihrer eigenen Vergangenheit beginnt. Eine Flucht voller Erlebnisse und Abenteuer. Die Alten lassen sich dabei auf die falschen Leute ein und obschon sie es tunlichst vermeiden sollten, streuen sie Spuren wie ein Straßenköter mit starkem Durchfall. Den beißend scharfen Geruch der Polizei stetig im Nacken, sind die Damen ihr doch immer einen entscheidenden Schritt voraus. Die Polizisten Boscombe und Wesley sind lebensecht, vielleicht ein bisschen trottelig, aber nicht wirklich überzeichnet. Das ein solcher, natürlich nicht ganz ernst gemeinter Thriller-Plot geradezu für Übertreibungen prädestiniert ist, dürfte nicht nur dem geübten Leser nur allzu klar sein. Die äußerst humorvolle und warmherzige Story ist ansonsten herrlich schön bekloppt und gehört in jedem Fall auf die Leinwand. Der, 1966 in Irvine, North Ayrshire im Südwesten Schottlands geborene und indes nach England übergesiedelte Autor John Niven wohnt mittlerweile in Buckinghamshire, welches nur knapp drei Auto-Stunden vom ersten Handlungsort Wroxham entfernt liegt. Er studierte bis 1991 Englische Literatur in Glasgow und war später im Marketing und als A&R Manager bei diversen Plattenfirmen (u.a. bei PolyGram) tätig. Als Manager bei London Records lehnte er im Jahre 1997 die Band COLDPLAY mit der Begründung ab, sie seien „Radiohead für Trottel“. Anfang 2002 widmete sich John Niven dem Schreiben und avancierte binnen kürzester Zeit zu einem weltbekannten Thriller- und Drehbuchautor. Sein überaus erfolgreiches Werk „Kill Your Friends“ wurde im November 2015 von Regisseur Owen Harris verfilmt. Nicholas Hoult (u.a. X-Men; Mad Max: Fury Road) spielt darin die Hauptrolle des A&R-Managers Steven Stelfox. Meine Wertung: 85/100 Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Buch/Old-School/John-Niven/Heyne-Hardcore/e460314.rhd Aus dem Englischen von Stephan Glietsch Originaltitel: Sunshine Cruise Company Originalverlag: Heineman Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 400 Seiten, 13,5 x 21,5 cm ISBN: 978-3-453-26945-3 € 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis) Verlag: Heyne Hardcore Erschienen: 09.11.2015 More Hard Stuff @ www.lackoflies.com

Lesen Sie weiter

Die Idee an sich fand ich schon witzig, die Umsetzung ist es umso mehr. John Niven erzählt äußerst kurzweilig und sehr amüsant. Die Kapitel sind knackig kurz und erinnerten mich sehr an filmisches Erzählen – kein Wunder, ist doch John Niven auch Regisseur, wie ich beim Lesen anderer Rezensionen feststellte. Der häufige Perspektivwechsel erhöht den schnellen Lesefluss, dennoch wird man nicht aus der Szenerie gerissen. Die eigentlich erwartete Handlung entwickelt sich zwar anfangs langsam, die Charaktere werden ausführlich eingeführt – allerdings las sich selbst der lange Beginn so flüssig, das es nur mäßig störte. Da sich die Handlungsstränge der einzelnen Figuren stark miteinander verflechten, hat man das permanente Gefühl kollidierender Handlung – ein bewusst gesetzter Effekt. Nicht nur die Alten selbst werden hier begleitet, auch der Gegenspieler in Form eines abgehalfterten alten Polizei Sergeant. Der eilt – immer einen Schritt zu langsam – den gesuchten vermeintlichen Schwerverbrechern hinterher. Mit Verstand, Frechheit und einer guten Portion Glück können diese sich ihm immer wieder im letzten Moment entziehen. Die Mischung der skurrilen Alten ist dabei sehr ausgewogen: Von der sehr nonnenhaften ältlichen Matrone bis zur mit Obszönitäten um sich werfenden ehemaligen Möchtegern-Berühmtheit ist alles dabei. Der Roman las sich wunderbar schnell, trotz meiner hausarbeitsstressigen Zeit. Die wilde Verfolgungsjagd über die Grenzen der Kleinstadtidylle hinweg war dabei wirklich grandios. Die Wendungen sind teils vorhersehbar, teils sehr, sehr überraschend, genau die richtige Mischung, um sich mitreißen zu lassen. Zudem muss man die etwas schrulligen Alten einfach ins Herz schließen. Eine spannende Geschichte, schrullige Charaktere, einen Schuss britischen Humor, was will man mehr? Fazit: Klare Leseempfehlung für humorvolle Stunden!

Lesen Sie weiter

Manche Autoren lassen sich einfach nicht in eine Schablone pressen – und in den allermeisten Fällen ist das auch gut so. John Niven zum Beispiel gehört eindeutig in diese Kategorie und, so viel sei vorweggenommen, mit »Old School« stellt er das ebenso gekonnt wie eindrucksvoll erneut unter Beweis Dabei beginnt der Roman eigentlich auf eine Art und Weise, die nicht unbedingt vielversprechend ist. Ein Dialog zwischen einem Ehepaar um die 60. Lediglich die Tatsache, dass die Dame des Hauses mit selbstgemischtem Kunstblut durch die Gegend schmaddert, gibt zumindest einen dezenten Hinweis darauf, dass man es hier zumindest nicht mit einem ganz typischen Eheleben zu tun hat. Aber dann … John Niven gibt nach dem ersten Kapitel Vollgas und lässt den Leser mit »Old School« durch eine Achterbahn der Unwahrscheinlichkeiten fahren – und zwar eine verflucht schnelle. In erster Linie zielt er dabei mit Brachialgewalt auf die Lachmuskeln ab, ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt bei einem Buch so häufig laut gelacht habe. Aber unter all dem Humor hat der Roman auch durchaus ernsthafte Seiten. Letzten Endes ist die Geschichte nichts anderes als eine ziemlich abgefahrene und bitterböse Auseinandersetzung mit dem Thema Altersarmut, versteckt in einem schwarzhumorigen Roadtrip der besonderen Art, bei dem der Leser bis zum Schluss mit den alten Ladys mitfiebert und sich nichts mehr wünscht, als dass sie mit ihrem Banküberfall durchkommen mögen. Womit wir auch direkt bei den Figuren angekommen wären. Diese sind, auch wenn es die reichlich bizarre Story vermuten lässt, sehr viel bodenständiger ausgefallen, als es den Eindruck macht. Im Grunde genommen ist das Quartett der reifen Damen sogar ziemlich realistisch ausgefallen, auch wenn sie natürlich alle ihre Ecken, Kanten und Macken haben. Etwas aus der Art schlägt da höchstens die Vertreterin der Ü-80-Mannschaft, Ethel, die tatsächlich schon sehr verschroben und skurril daherkommt – für mich aber gerade deswegen ein absolutes Highlight gewesen ist. An den Polizisten lässt »Old School« dagegen kaum ein gutes Haar, besonders Chefermittler Boscombe ist ein Trottel wie er im Buche steht und wird im Verlauf des Romans zu einem Ziel für so manchen Seitenhieb auf die Polizei als solches. Wäre er nicht so ein Arsch, könnte man hinsichtlich der Geschehnisse zwar Mitleid mit ihm haben, unter den gegebenen Umständen bleibt aber nur ein hämisches Grinsen übrig. Stilistisch ist Niven mit »Old School« wieder ganz weit vorn dabei. Das Buch liest sich supereingängig, legt ein wahnsinniges Tempo vor und wird schon früh zu einem absoluten Pageturner. Die Pointen sitzen, der mitunter brachiale Humor haut ordentlich rein und somit flutschen die vierhundert Seiten schnell durch. Die Übersetzung von Stephan Glietsch ist stimmig und macht Spaß. Was will man also mehr. Fazit: »Old School« war für mich ein absoluter Höhepunkt in John Nivens bisherigem Schaffen. Hier stimmt einfach alles. Fieser Humor lässt die berechtigte Sozialkritik nicht wie einen erhobenen Zeigefinger wirken, die tollen Figuren und das hohe Maß an Tempo sorgen dafür, dass man diesen Roadtrip der besonderen Art in einem Zug inhaliert und sich am Ende denkt »Schade, war es das schon?« Absolut gelungen und eine unbedingte Leseempfehlung.

Lesen Sie weiter

John Nivens "Old School" wirkt nicht nur auf den ersten Blick wie ein Buch gewordener Film und begeistert als unterhaltsame Krimi-Komödie durchaus, auch wenn der Humor manchmal etwas flach und die Ereignisse zunehmend überzogen sein mögen, doch ist es weit mehr die suggerierte Ernsthaftigkeit, der sich hier als störendes Element offenbart, denn Fäkalhumor und teils tieftragische Begebenheiten gehen selten gut Hand in Hand und das gilt auch in diesem Fall. Unterhaltsam ist die aberwitzige Geschichte dennoch und in ihren besten Momenten herrlich frisch und witzig inszeniert, allerdings eben nur mit leichten Abstrichen zu genießen.

Lesen Sie weiter

Die Figuren sind wirklich traumhaft charakterisiert. Wir haben hier: Julie, die durch den Betrug ihres Ehemannes alles verloren hat und nun im Altenheim "Pisse aufwischen" muss und in einer kleinen Sozialwohnung lebt. Ihre Freundin Susan, führt da noch ein ausschweifendes Leben, da ihr Ehemann als Wirtschaftsprüfer richtig gut verdient. Das ändert sich leider mit seinem Ableben. Er erleidet einen Herzinfakt bei einer...nun sagen wir mal "sexuellen Handlung" mit einer Prostiturierten in einem hmm "Liebeskeller" der ihm gehört. Leider hat er nicht nur viel Geld in die reichhaltige Ausstattung des Liebeskellers gesteckt sondern auch in die Prostituierten, wie zahlreiche Beweißfotos belegen. Er hinterlässt Susan somit in Scham und mit Schulden. Jill ist die Oma eines schwer kranken Kindes. Der kleine Jamie hat eine schlimme Lungenerkrankung und nur eine OP kann ihn retten. Leider kostet die Geld....viel Geld.... ganze 60.000 Pfund, wovon die Familie schon durch Spenden 30.000 Pfund zusammen hat. Leider geht es dem kleinen Jamie zusehens schlechter und das Geld kann nicht so schnell aufgetrieben werden, wie er die Operation benötigt. Ethel, mit dem Aufkleber "Kein Schwanz ist so hart wie das Leben" auf ihrem Rollstuhl. Hat eine (auf Wienerisch:) "Goschn wia a Schwert" und kennt sich mit Waffen aller Art aus. War mal richtig berühmt und hat geschauspielert und wohnt jetzt im Altersheim, wo Julie arbeitet. Mit ihrem Greifarm, holt sie sich bevorzugt Bullenklöten.... Alle Frauen haben eins gemeinsam, sie sind alt und arm und haben nix mehr zu verlieren. Dann kommen sie auf die Idee einfach mal eine Bank zu überfallen. Julie bittet ihren Exfreund Nails ihr zu helfen und dieser plant den Überfall und soll mit dem Fluchtauto auf die Frauen warten, die in der Zwischenzeit die Bank überfallen. Doch leider kommt es anders als geplant... Die Aussprache (vor allem von Ethel) ist wirklich derb und nix für schwache Gemüter, dennoch ist es nicht so schlimm wie bspw. ein Irvine Welsh Roman. Also dagegen ist dieser Roman regelrecht gesittet.

Lesen Sie weiter

Julie Wickham hat Geburtstag. Sie wird 60 Jahre alt, feiert aber nur in kleinstem Kreis. Ihre Freundin Susan wartet beim besten Italiener Wroxhams "La Taverna" auf sie, wo sie schließlich verspätet eintrifft. Parkplatzprobleme gibt sie als Grund vor, doch leider klemmt es an ganz anderer Stelle. Julies Leben als erfolgreiche Unternehmerin erfuhr eine bittere Wende, als ihr Lebensgefährte und Geschäftspartner mit dem Firmenvermögen durchbrannte und fortan nicht mehr gesehen wurde. Seither lebt sie in einer Sozialwohnung und ist als Aushilfe in einem Pflegeheim tätig. Dort lernt sie die resolute Ethel kennen, die mit ihren 87 Jahren nicht daran denkt, sich irgendwelchem Reglement anzupassen, schon gar nicht, mit ihrem Rollstuhl für irgend jemand zu bremsen. Die gemeinsame Freundin Jill Worth hat ebenfalls größere Probleme. Ihre Tochter Linda hat ein schwerkrankes Kind. Jamie leidet an einer seltenen Lungenkrankheit und die einzige Klinik der Welt, die dieses Leiden beenden könnte, ist in Chicago. Die aufwendige Operation würde allerdings 60.000 Pfund kosten, was sich die junge Familie nicht leisten kann. Susan ahnt nicht, dass auch sie sehr bald vor einem Scherbenhaufen stehen wird. Ihr langjähriger Ehemann, ein ebenso spröder wie vereidigter Wirtschaftsprüfer, hat nach seinem hässlichen Ableben ein paar bizarre Überraschungen auf Lager. Die versammelten Damen aber auch. Es werden Pläne geschmiedet ... Nach "Coma" (2009) legt John Niven mit "Old School" eine weitere Thriller-Komödie vor, jedoch unter gänzlich anderen Vorzeichen. Diesmal sind die "Alten" an der Reihe und sie brauchen sich keineswegs zu verstecken. Ganz im Gegenteil, denn je älter sie sind, desto mehr machen sie ihren jüngeren Zeitgenossen vor, allen voran Ethel, die insbesondere ihr Mundwerk als Waffe zu benutzen weiß. Einmal mehr glänzt der schottische Autor mit einer ganzen Vielzahl von liebenswert-derben Unverschämtheiten in alle Himmelsrichtungen und mit brachialer Situationskomik, welche die Existenz der Grenze des guten Geschmacks leugnet. Insbesondere seine älteste Protagonistin besticht als verbale Dreckschleuder auf Rang eins. Mit der englischen Polizei steht der Autor wohl auf Kriegsfuß oder zumindest in kritischer Distanz. Anders kann man sich seine Figur des Detectice Sergeant Hugh Boscombe, einem Trottel vor dem Herrn, nicht vorstellen. Allerdings haben wir diesem Einfaltspinsel, dem kein Fettnapf zu groß zu sein scheint, eine ganze Reihe von herrlich schräger Action zu verdanken, beispielsweise die sicherlich skurrilste Verfolgungsjagd, die Hollywood noch nicht verfilmt hat! Auch im Zusammenhang mit diesem Werk, sollten Leserinnen und Leser, zum weiteren Verständnis der Lektüre, dem Sarkasmus nicht abgeneigt sowie in der Lage sein, sich an einem gerüttelt Maß Schadenfreude zu ergötzen. Spannender, lustiger, derber und unverschämter kann ein Thriller nicht sein. Schräg. Hart. Derb. Niven.

Lesen Sie weiter

Frauenpower! Frauenpower? Nun, zunächst ist davon ehrlich gesagt nicht viel zu bemerken. Denn eigentlich leben die vier Frauen, die hier eine wesentliche Rolle spielen, ein ganz normales Leben, woran John Niven den Leser bzw. Hörer zu Beginn auch ausgiebig teilhaben lässt. - Da wäre zum einen Susan, eine bodenständige Frau, die zeitlebens Hausfrau und Mutter war und sich um Geld keine Sorgen zu machen braucht, denn ihr Mann hat schließlich einen sicheren Posten und sorgt stets für eine ausreichende Deckung der Kreditkarte. - Ihre Freundin Julie ist da schon schlechter dran - alleinstehend und ohne großartige Rücklagen lebt sie in einer winzigen Wohnung und arbeitet regelmäßig in einem Altersheim, um überhaupt über die Runden zu kommen. - In diesem Altersheim verbringt sie ihre Zigarettenpausen immer wieder mit einer 87jährigen Bewohnerin, Ethel, einer skurrilen Alten, die grundsätzlich kein Blatt vor den Mund nimmt und sich geschickt kleine Vorteile zu verschaffen weiß. 'Kein Schwanz ist so hart wie das Leben' - dieser Wahlspruch ziert als Aufkleber Ethels Rollstuhl und zeigt schon, wes Geistes Kind sie ist. - Und die Vierte im Bunde ist die sorgengeplagte Jill, eine zurückhaltende Frau, die sich große Gedanken um ihren kleinen Enkel macht. Dieser benötigt dringend eine lebensnotwendige Operation, doch die Familie kann das erforderliche Geld dafür nicht auftreiben. Alles steuert auf eine traurige Katstrophe zu. Doch die eigentliche Katastrophe überkommt unerwartet ausgerechnet Susan, deren gutsituiertes Leben sich plötzlich als windiges Kartenhaus entpuppt und damit alles Bisherige infrage stellt. Als ihr Mann Barry unter ungeahnten Umständen ums Leben kommt (eine wirklich ausgesprochen skurrile Situation), kommt Unglaubliches ans Tageslicht - und Susan hat plötzlich mehr Schulden an der Backe als die Bank für gut heißen kann. Und schon ist sie ihr Häuschen los, ihre Kreditkarte ebenso und gleichzeitg alles, was ihr bislang so selbstverständlich erschien. In ihrer Verzweiflung schmiedet sie mit ihrer Freundin einen verwegenen Plan - und plötzlich befinden sich die vier Frauen in dem Abenteuer ihres Lebens... Mehr möchte ich zu dem Inhalt nicht erzählen, denn das würde potentielle Leser / Hörer um das Vergnügen bringen, die chaotisch-schräge Handlung selbst zu entdecken. Ab hier wird nämlich zunehmend verständlich, weshalb das (Hör-)Buch so gute Wertungen erhält. Liebevoll-schrullige Charaktere verleihen dem Roadtrip der Oldies eine ganz eigene Würze, und selbst die Polizisten kommen hier zu ihrem Recht auf ihren Status als Hauptcharakter - und zu so manchem Youtube-Auftritt. Kaum scheint die Geschichte endlich wieder in ruhigerem Fahrwasser zu dümpeln, kommt die nächste Misere um die Ecke und fordert dem Einfallsreichtum der vier Frauen so einiges ab. Frauenpower eben! Ja, hier ist sie... Durch den sehr bedächtigen Beginn der Erzählung, dazu noch sehr ruhig vorgetragen von Gerd Köster, brauchte ich ehrlich gesagt mehrere Anläufe, bis mich das Hörbuch wirklich packen konnte. Dann aber ließ es mich kaum noch los, ich fühlte mich prächtig unterhalten, und die blidhaften Szenen ließen mich oftmals laut loslachen. Auch dem Sprecher machten Figuren wie Situationen offenbar zunehmend mehr Spaß, denn die Charaktere gewannen nicht zuletzt durch die stimmliche Nuancierung um einiges an Farbe und Lebendigkeit hinzu. Schräg, chaotisch, liebenswert - ein Hörspaß, der sich einstellt, sobald der ruhige Anfang überwunden ist. Dranbleiben lohnt sich! © Parden

Lesen Sie weiter