Leserstimmen zu
Alte Freunde

John Niven

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Meine Meinung Das nicht jeder unter dem Wort »Freundschaft« das gleich versteht, ist nichts Neues. Ab wann ist ein Freund wirklich ein Freund? John Niven hat sich in seinem neuen Roman ALTE FREUNDE intensiv und auf seine ganz eigene Art mit dem Thema Freundschaft beschäftigt. Er schreibt in dieser dunklen Komödie über die Erinnerung an eine längst vergangene Freundschaft zweier Männer, sowie deren Erfolge bzw. Misserfolge. Während Alan es als bekannter Restaurantkritiker und durch die Ehe mit einer wohlhabenden Frau in die englische High-Society geschafft hat, sich aus dem ehemals übermenschlich großen Schatten seines Freundes Craig zu lösen, ist dieser nach einem Hoch als Rockstar tief gefallen. Nachdem sich die beiden zufällig wiedersehen, steht für Alan fest, dass er seinem obdachlosen Kumpel etwas unter die Arme greifen möchte. Doch ist Craig wirklich so hilfsbedürftig, wie er allen weismachen will? Niven platziert die Geschehnisse mit Verweisen auf Social-Media-Seiten wie Twitter, Tumblr und Häme auf den überteuerten Londoner Wohnungsmarkt in der heutigen Zeit. In mancher Hinsicht machte sich Protagonist Alan mit seiner Schadenfreude gegenüber anderer Leute Fauxpas und der selbstgefälligen Attitüde, fast etwas unbeliebt. Gleichzeitig ertappte ich mich dabei, wie ich ihn bemitleidete, als sich das Blatt schleichend für ihn wendet. Er genießt zwar das sorgenfreie luxuriöse Leben, aber man spürt auch das die Zeit seine Spuren hinterlassen hat. Ich mochte Alan als Familienmenschen sehr. Bei all der Oberflächlichkeit bekam ich von ihm das Gefühl von wahrer Liebe für seine Frau und Kinder vermittelt. In Bezug auf Craig hielt sich meine Empathie jedoch in Grenzen. Aus ihm schlau wird man lange nicht. Das mag auch daran liegen, dass obgleich John Niven aus wechselnden Perspektiven erzählte, man von Craigs Charakter nur sehr wenig geboten bekommt. ALTE FREUNDE war mein erstes Buch des Autors. Die Erwartungshaltung war daher relativ niedrig. Was mich von Beginn angenehm überraschte, war der tiefschwarze Humor [für welchen Niven wohl auch sehr geschätzt wird]. So las sich die Handlung amüsant, triefend vor Sarkasmus und irgendwann auch untergründig böse. Es fühlte sich an, als ob ich mir eine englische TV-Satire ansah. Aber auch die Message hinter dem Roman gefiel mir. Das Alan und Craig keine ebenbürtig gebende Freundschaft verbindet, merkt man relativ schnell. Was mir nicht gefiel war das Ende. Hier hatte es sich, meinem Gefühl nach, der Autor doch zu einfach gemacht und die gesamte Handlung nochmal in Frage gestellt. Das fand ich doch etwas schade. Nichtsdestotrotz bin ich neugierig geworden und werde mir in Zukunft gerne ein weiteres Werk des Autors näher anschauen. Fazit Mein erstes Leseerlebnis mit John Niven war durchaus unterhaltend und amüsant, aber auch nachdenklich stimmend und zum Ende hin etwas enttäuschend. Zwischen all der Satire findet man einen ernsten Kern. Man macht sich unweigerlich Gedanken darüber, wie man selbst Freundschaft definiert und ob man einander wirklich gleichwertig zu schätzen weiß.

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Alan ist erfolgreicher Gourmetkritiker und läuft gerade nach einem Restaurantbesuch durch die Straßen und sucht nach den passenden Worten für seine vernichtende Kritik. Gedankenversunken steht er da und wird plötzlich von jemandem angesprochen, einem Obdachlosen, der sogar seinen Namen kennt und jetzt, macht es bei Alan klick. Es ist Craig, der ihn da anspricht, Craig sein alter Schulfreund, der Rockstar, der nun als Penner vor ihm steht. Alan ist mit der Situation überfordert, wie reagiert man, was macht man und wie kann er überhaupt helfen. So gehen die beiden erst mal was trinken, lassen alte Zeiten aufleben und dann nimmt Alan Craig einfach mit nach Hause. Es steht fest, Craig soll erst mal bei der Familie bleiben und er will ihm helfen, wo er kann. So nimmt Craig‘s Leben wieder Form an und läuft in eine gute Richtung, und während bei dem einen alles besser wird, strudelt Alans Leben einer Katastrophe entgegen. Was wird passieren? Wie stehen die beiden Schulfreunde zueinander? Und kann Craig der Obdachlosigkeit wirklich entfliehen? Ich hatte noch kein Buch von John Niven gelesen und ich bin ganz ehrlich, ich hätte dieses Buch auch nicht in die Hände genommen, wenn sich der Buchklub nicht dafür entschieden hätte. Obwohl das Cover allein schon recht stimmig ist, hätte ich es deswegen schon nicht in die Hand genommen, da lobe ich mir die englische Ausgabe, die ist da etwas unverfänglicher. Aber ich habe es gelesen, und wie es mir gefallen hat, erzähle ich euch nun. Alan war als Kind nicht der beliebteste Junge und eher ein geduldeter Mitläufer. In Schottland geborgen und immer mit dem Wunsch, der Enge und der sozialen Unterschicht zu entfliehen. Genau wie sein Freund der Rockstar. Aber schaut man Alan jetzt an, hat sich das Blatt gravierend geändert. Nun ist er der erfolgreiche Mann, verheiratet, drei Kinder und steht finanziell verdammt gut da. Durch die Heirat mit seiner Frau hat sich ihm auch die Oberschicht geöffnet und nun wandelt er auf ganz anderen Festen rum. Er ist angekommen und ist auch ein wenig stolz darauf. Als er nun Craig wieder trifft, ist er peinlich berührt, hilflos und irgendwie, weiß er nicht recht was er machen soll. Es ist eine verzwickte Situation, soll er ihn einfach wieder gehen lassen, sein Leben als Penner weiter zuführen, oder greift Alan ein. Er greift beherzt ein und sucht ganz blauäugig nach Lösungen um Craig zu helfen, denn sie sind doch Freunde. Alan ist ein wirklich gutmütiger Trottel, der durch günstige Wendungen in seinem Leben, endlich da ist, wo er immer hin wollte. Ein großes Haus, gute Absicherung, eine Familie und Anerkennung. Obwohl er es manchmal etwas übertreibt, nimmt man Alan sympathisch auf und begleitet ihn durch sein eigenes Chaos. Was mir als Erstes bei dieser Geschichte aufgefallen ist, geht es hier eigentlich wirklich um Freundschaft? Wie definieren die beiden Charakter ihre Freundschaft und was ist Freundschaft überhaupt für sie. Mit dieser, im Kopf schwirrenden Frage, habe ich das Buch gelesen und dabei entdeckt, das der Autor auch ein Spiegel auf unsere Gesellschaft geworfen hat. Schauen wir doch das Umfeld von Alan an, reiche und verwöhnte Statusmenschen, aber sind das, Freude? Ruft man diese in der Not? Aber was ist mit Craig, der unterm Dach wohnt. So richtig freundschaftlich gehen die beiden gar nicht miteinander um. Obwohl beider Lebenssituationen so unterschiedlich sind, spürt man sofort das unterschwellige Konkurrenzdenken. Dem einen ist es etwas unangenehm und den anderen nervt der Protz, der ihm unter die Nase gehalten wird. So spürt man die unausgeglichene Situation und fragt sich wohin wird das führen und ganz langsam erahnt man, wohin die Abwärtsspirale läuft. Ich muss sagen, mich hat diese Geschichte überrascht, mit solch einem realistischen Bild hatte ich nicht gerechnet und finde den Ansatz wirklich toll. Es ist eigentlich gar nicht so die Freundschaftsgeschichte an sich, sondern die eigenen Fragen, die man sich selbst danach stellt. Was ist Freundschaft für mich? Würde ich einen alten Schulfreund von der Straße mit nach Hause nehmen? Wie würde ich in einigen solcher Situation reagieren? Das finde ich, macht dieses Buch aus, das hat der Autor für mich geschickt gemacht. Allerdings fand ich einige ausschweifende Szenen wirklich zu viel ausgeschmückt und ein bisschen zu sehr in der fäkal Sprache gewälzt, das hätte für mich nicht sein gemusst, aber das scheint hier sein Humor zu sein. Der ganze Rest war allerdings gut zu lesen und wie gesagt, mit tollen Ansätzen und einigen Wendungen, die auch noch sehr unterhalten hatten. Für mich war das bestimmt nicht der letzte John Niven Roman, da er mich trotz meiner Ablehnung überzeugt und mir wirklich heiter Lesestunden beschert hat. Witzig, klug und zum Nachgrübeln.

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Als Autor von 'Coma' und 'Straight White Male' hat sich John Niven als sehr direkter und zum Teil sehr brutaler Schriftsteller empfohlen. Wer 'Alte Freunde' mit dieser Erwartung liest, wird leider zutiefst enttäuscht. Worum gehts es? Zwei Schulfreunde treffen sich zufällig in London. Der damals Unauffälligere der Beiden hat erfolgreich geheiratet und ist jetzt Teil der High Society. Der Andere, damals sehr erfolgreich bei den Frauen und als Musiker durchgestartet, ist vergessen und lebt obdachlos auf der Straße. Sehr vorhersehbar kommt es zu einem Zusammenstoß der Beiden. Der Erfolgreiche hilft nun dem Gescheitertem. Leider ist auch der Rest sehr vorhersehbar. Es gibt ein paar (wirklich sehr wenige) Situationen, die den Alten 'Niven-Stil' erkennen lassen. Und diese Momente machen wieder wirklich Spaß. Bei dem Rest hat man das Gefühl, dass Niven einfach keine Lust auf dieses Buch hatte. Es ist zu einfach geschrieben, die Charaktere können nicht wirklich überzeugen und alles ist viel zu plakativ und offensichtlich. Keine Überraschungen, leider sehr enttäuschend.

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„Nichts ist widerwärtiger als das Glück anderer Leute.“ F. Scott Fitzgerald Alan Grainger ist Ende vierzig und als renommierter Restaurantkritiker überaus erfolgreich. Er lebt mit seiner Familie in einem gediegenen Londoner Vorort ein Leben im sorgenfreien Wohlstand. Eines Tages trifft er zufälligerweise auf seinen alten Schulfreund Craig Carmichael, der seinerzeit zwar der lässigste Junge der Schule war, dem eine blühende Karriere als Rockstar offenstand. Doch sein Blatt hatte sich dramatisch gewendet, lebt Craig mittlerweile als Obdachloser mittellos auf der Straße. Da der Winter ansteht, beschließt Alan der alten Freundschaft Willen, Craig für ein paar Tage bei sich aufzunehmen… „Keine gute Tat bleibt ungesühnt“ altes Sprichwort Aufgeteilt in die Abschnitte „Winter“ und „Frühling“, ist Alte Freunde ein Roman, der sich auf die gewohnte Niven-Art spitzzüngig mit den Gepflogenheiten der Upper-Class auseinandersetzt und dessen Herz eher bei den Underdogs schlägt. Gewohnt leichtfüßig seziert er dabei Macken und Marotten der aus seiner Sicht eher weltfremden wohlhabenden Gesellschaft, wobei unterschwellig deutlich wird, dass der Autor mit zunehmendem Erfolg seinem Protagonisten Alan Grainger ziemlich nahezustehen scheint. Alte Freunde ist in seinem inhaltlichen wie stilistischen Aufbau leicht lesbar, was ihn zu einem wohltuenden Unterhaltungsroman macht, den man mit viel Spaß lesen kann. Doch mir persönlich fehlt etwas die gesellschaftskritische Ernsthaftigkeit früherer Werke, die seinen Geschichten immer das gewisse Quäntchen Tiefe spendiert hatte. So ist aus dem im Gespräch vor zwei Jahren angedeuteten ernsthaften Gesellschaftsroman ein humorvoller, mit einigen derben Spitzen gespickter Roman geworden, bei dem nur stellenweise der pointierte scharfe Blick aufblitzt. Alte Freunde (Originaltitel: No Good Deeds, UK 2017) erscheint als gebundenes Hardcover in einer Übersetzung aus dem schottischen Englisch von Stephan Glietsch bei Heyne Hardcore (352 Seiten, €20,00). Alte Freunde ist eine unterhaltsame, humorvolle Geschichte über Freundschaft. Gut beobachtet, treffsicher und pointiert beschrieben, haben wir hier einen inhaltlich etwas vorhersehbaren, aber durchweg gut lesbaren Roman. Christian Funke

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Der renommierte Restaurantkritiker und Buchautor Alan Grainger ist am Nachmittag gerade auf der Suche nach einer ruhigen Ecke im Soho House oder Groucho, wo er die Rezension über den Pop-up-Store, den er gerade besucht hat, zu schreiben plant, als ihm an einer Straßenkreuzung ein Penner mit schottischem Akzent anspricht. Wie sich nach einem kurzen Wortwechsel herausstellt, sitzt da ausgerechnet sein alter Schulfreund Craig Carmichael auf einem Stück Pappkarton. Bei einem Bierchen in einem nicht so noblen Laden tauschen sie Erinnerungen und Lebensgeschichten aus. Zuletzt hatten sich Alan und Craig bei einem Konzert von Craigs Band The Rakes im Jahre 1993 gesehen, nachdem die Band von einer erfolgreichen Tour durch Amerika zurückgekehrt war, und als Headliner im QM in Glasgow den Start ihrer UK-Tour absolvierte. Alan hatte zu Jugendzeiten immer zu dem teuflisch talentierten Gitarristen Craig aufgesehen, durfte in der Anfangszeit der Band auch mal den Bass zupfen, doch als Craig ein echter Star im Rockzirkus wurde, hatte er ihn aus den Augen verloren. In der Zwischenzeit ist Craig allerdings fürchterlich abgestürzt: schon das zweite Album floppte, Craig ging pleite und verfing sich im Drogensumpf und kehrte nach London zurück. Währenddessen lernte Alan die aus wohlhabendem Hause stammende Katie kennen, mit der er zwei Töchter und einen Sohn hat und in einem großen Haus außerhalb Londons lebt. Alan quartiert seinen alten Freund zunächst im Gästezimmer ein, will ihm wieder auf die Beine helfen. Tatsächlich erreicht er, dass Craig noch 32.000 Pfund an Tantiemen ausgezahlt bekommt, sich eine eigene Wohnung und neue Zähne leisten kann, ja sogar seine musikalische Karriere wieder in Schwung bringt. Dagegen häufen sich bei Alan die Unglücksfälle. Zunächst erhält Katie ein Handyvideo, auf dem zu sehen ist, wie Alan von einer Unbekannten im eigenen Haus einen Blowjob genießt, so dass er ausziehen muss, dann sitzt ihm das Finanzamt mit einer Untersuchung im Nacken und sperrt ihm die Konten und Kreditkarten. In wenigen Wochen befindet sich Alan genau dort, wo er Craig vor einigen Monaten gefunden hatte … „Was war passiert? Eben noch hatte er eine wundervolle Frau, eine wundervolle Familie und ein wundervolles Zuhause, und nur eine Minute später war er mittellos und hauste in einem beschissenen Billighotel. Sein Leben war wie eines dieser GIFs auf Hold My Beer. Er war der Typ, der im Lagerhaus einen Gabelstapler wendet. Erst ist alles bestens, aber dann stößt er gegen ein Regal, und zwei Sekunden später sieht es aus, als hätte jemand eine Bombe gezündet. Wie Ground Zero.“ (S. 296) Der schottische Bestsellerautor John Niven („Old School“, „Gott bewahre“) erweist sich auch in seinem neuen Werk als feiner Kenner der Materie, über die er schreibt. Als ehemaliger A&R-Manager bei einer Plattenfirma fällt es ihm nicht schwer, den rasanten Auf- und ebenso schnellen Abstieg von Alans Freund Craig authentisch zu skizzieren. Humorvoll ist aber vor allem Alans Alltag und Lebensumfeld beschrieben. Dabei gelingt es ihm, Alan zwar nicht als Supersympathisant zu zeichnen, aber eben als aufrechten Mann, der seine Berufung in dem Schreiben von Kochbüchern mit ausgefallenen Themen und Restaurantkritiken gefunden hat und durch seine wohlhabende Frau keine finanziellen Sorgen kennt, ohne aber auf dicke Hose zu machen. Niven hat sichtlich Spaß daran, den Hype um neue Restaurants mit überteuerten Gerichten und langen Wartezeiten durch den Kakao zu ziehen, aber auch die Kolumnentätigkeit seiner Frau wird in einer herrlichen Persiflage auf den Wohlfühl- und Gesundheitswahn wunderbar kommentiert. So richtig derben Humor präsentiert Niven seinen Fans in einer seitenlang beschriebenen Episode darüber, wie Alan mit seinem problematischen Stuhlgang der Sanitäranlage in dem uralten Landsitz von Katies Eltern den Rest gibt und damit die feine Gesellschaft im Speisesaal in die Flucht schlägt. Überhaupt zählen die Szenen, in denen die High Society auf das Elend trifft, das zunächst Craig, dann auch Alain verkörpern, zu den gelungensten in „Alte Freunde“, weil Niven auf ebenso humorvolle wie pointiert treffsichere Weise die dem Roman vorangestellten Sprichwort „Keine gute Tat bleibt ungesühnt“ und F. Scott Fitzgeralds Zitat „Nichts ist widerwärtiger als das Glück anderer Leute“ auf literarische Weise zum Leben erweckt. Dabei berührt er auch Fragen nach dem Ursprung und dem Wesen von (Männer-)Freundschaften, nach Glück, Dankbarkeit und Neid sowie der Bedeutung von materiellem Reichtum. Selten wurde eine Achterbahnfahrt durch das Leben so leichtfüßig, gut beobachtet und dabei so unglaublich witzig beschrieben.

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Alan, Ende vierzig, ist Restaurantkritiker mit eigener wöchentlicher Kolumne und sich gut verkaufenden Kochbüchern. Seinen schottischen Akzent hat er schon vor Jahren geglättet, lebt er doch in der Nähe von London und will auch dort verstanden werden. Mit seiner Frau Katie, selbst Kolumnistin mit hoher Affinität zu den verschiedensten Internet-Kanälen, und ihren drei gemeinsamen Kindern, die ohne große nennenswerte Schwierigkeiten aufwachsen, lebt er außerhalb Londons auf dem Land. Zu Geld kommen mussten sie nicht wirklich, entstammt Katie doch einer reichen und angesehenen englischen Familie, die sogar einen riesigen Landsitz ihr eigen nennen darf. Dass dieser jedoch auch so seine Tücken hat - das Dach leckt, die Sanitärleitungen sind mehr als marode und die Mehrzahl der Zimmer meist nicht bewohnt - tut dem äußeren Schein keinen Abbruch. Um solche Besitztümer zu halten, werden schließlich auch andernorts Besucher eingelassen. Man kann also getrost sagen: Alan lebt ein äußerst privilegiertes Leben. Sympathisch an ihm ist, dass er sich dessen durchaus bewusst ist und sich glücklich schätzt. Ab und an denkt er an seine Jugend in Schottland zurück. Ein wenig wehmütig vielleicht an die kurze Zeit, in der er Mitglied einer Band war. Sein damals bester Kumpel Craig war der Kopf der Band und schaffte es mit ihr und der gemeinsamen Musik sogar bis in die USA, bevor er dann mehr oder wenig sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand. [Weiterlesen ...] Doch wie sagt man so schön? Man trifft sich im Leben immer zweimal. Allerdings erkennt Alan Craig nicht auf Anhieb, als ihn dieser mitten in London auf einem Pappkarton sitzend anspricht. Nach der ersten Überraschung lädt Alan Craig natürlich auf ein Bier ein, bei dem es ebenso natürlich nicht bleibt. Nach einem Zug um die durchaus nobleren Häuser bringt Alan es nicht fertig, Craig wieder zu seinem Schlafplatz auf der Straße zurückkehren zu lassen. Denn Craig ist tatsächlich obdachlos. Ein Penner. Nach kurzer Absprache mit Katie nimmt Alan Craig mit nach Hause zu seiner Familie und quartiert ihn, trotz eines gewissen inneren Unwohlseins, im Gästezimmer ein. Nur für ein paar Tage soll es sein, doch wie es so oft ist, kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. In seinem neuesten Buch - im englischen trägt es den Titel No good deeds, der wiederum an das chinesische Sprichwort "No good deed goes unpunished" erinnert, das besagt, dass keine gute Tat unbestraft bleibt - führt John Niven seine Leser*innen wieder einmal gekonnt unspektakulär mit viel Insiderwissen sowohl in das Leben der englischen Upper Class als auch die geschäftlichen Gepflogenheiten der Foodblogger und Restaurantkritiker ein. Staunend liest man von Unsummen, die erwirtschaftet und wieder ausgegeben werden, ebenso unglaublich erscheint der sagenhafte Alkoholkonsum, der gesellschaftlich jedoch komplett anerkannt ist, ganz zu schweigen von anderen Substanzen, die den Weg in den menschlichen Organismus finden. Dabei frühstückt er locker leicht alle, aber auch wirklich alle Bereiche unserer modernen Gesellschaft ab, die uns früher oder später in die Bredouille bringen werden, weil viele Menschen aufgrund ihrer Erziehung so etwas wie Lebenstüchtigkeit nicht mehr kennen werden. Häufiges Kopfnicken meinerseits begleitete also die bissige, aber durchaus amüsante Lektüre. Alan ist mir mitsamt Familie, trotz des finanziellen und damit gesellschaftlichen Unterschieds, nicht unsympathisch, stammt er doch selbst aus Arbeiterverhältnissen und ist nicht wirklich ein Snob. Ein Genießer, ja, Snob jedoch ist er in meinen Augen nicht. Auch einige der Verhaltensweisen heutiger Eltern, die er völlig zu Recht in Frage stellt, beobachte ich tagtäglich mit Staunen. " Sie hatten sich in der langen Autoschlange vor der Schule eingereiht, die sich dort jeden Morgen bildete, um zu verhindern, dass der kostbare Nachwuchs am hellichten Tag in Begleitung Dutzender anderer Kinder und in Sichtweite zahlreicher Passanten und Autofahrer, ein paar hundert Meter zu Fuß zurücklegen musste." Kurz nur mal btw: Die Klassenfahrt meines Sohnes nächstes Jahr steht noch in den Sternen, da die Lehrerinnen auf dem letzten Wandertag entsetzt feststellen mussten, dass viele der Kinder bereits nach einigen hundert Metern ernsthaft darüber klagten, nicht mehr laufen zu können. Mittlerweile sehe ich diese Autoschlangen glücklicherweise nicht mehr vor der Schule, da unser Sohn seinen Schulweg alleine bestreitet und das sehr gerne. Während man als Leser*in also den Alltag der englischen Upper Class verfolgt, der durchaus auch seine situationskomischen Momente bereithält, schleicht sich sehr subtil, aber dennoch deutlich das Gefühl ein, dass hier großes Ungemach lauert. Auch die Richtung, aus der es wohl kommen mag, lässt sich erahnen, wobei Niven uns den Spaß lässt, selbst mitzudenken. Die Route, auf die er uns schickt, ist zwar nicht immer bestens ausgeleuchtet, aber dafür gibt er uns eben die kleine Taschenlampe, sprich kleinste Andeutung, die er Brotkrumen gleich fallen lässt, mit auf die Reise. Das macht richtig Freude. Und so kommt es, wie es kommen muss: Das Bösartige erhält seinen Auftritt, und gäbe es nicht wirklich loyale Freunde, die kühlen Kopf bewahren, gäbe es nicht den Einfluß gewisser Menschen, so wäre am Schluß wohl alles anders. Nivens Ende macht aber auch sehr deutlich, dass nichts im Leben als garantiert oder selbstverständlich gelten sollte. Der Meister der scharfen Beobachtung zerlegt uns, unsere Gewohnheiten und Beziehungen, gesellschaftliche Gepflogenheiten und Missstände präzise und undogmatisch. Und so ganz nebenbei macht er uns klar, dass manche Verhältnisse sich niemals ändern und eine gut gemeinte Tat nicht gut getan sein muss. " Das Kräfteverhältnis zwischen Männern ist schon früh eine ausgemachte Sache. Es spielte keine Rolle, wie viel Geld und wie viel Erfolg Alan hatte. Es war völlig egal, ob er einen Anzug aus reinem Gold trug und Craig nackt in der Gosse lag. Alan würde immer versuchen, Craig zu beeindrucken. Und Craig würde Alan immer dafür verachten."

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