Leserstimmen zu
Kleine große Schritte

Jodi Picoult

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eBook
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Ich habe bereits zwei Bücher von Jodi Picoult gelesen und mag ihren Stil sowie die aktuellen Themen, die sie anspricht. So auch in dem Buch Kleine große Schritte. Das Buch handelt von der überzeugten Hebamme und Kinderkrankenschwester Ruth, die diesen Beruf seit mehr als 20 Jahre ausübt. Sie ist dunkelhäutig, was erst dann zum Problem wird, als ihr der Umgang mit dem Säugling David von seinen rassistischen Eltern untersagt wird. Eines Nachts ist Ruth alleine auf Station und David kommt in eine Notfallsituation an dessen Folgen er stirbt. Ruth wird verklagt und in Folge von der Anwältin Kennedy McQuarrie vertreten. Das Buch wird aus drei Perspektiven erzählt Kennedy, Ruth und Turk Bauer, der Vater von David. Dieser Erzählstil hat mir gut gefallen, da ich immer gerne Romane aus verschiedenen Perspektiven lese. Das Thema ist hochbrisant und toll verarbeitet, vor allem durch die verschiedenen Personen. Man wird stark zum Nachdenken angeregt, denn am Ende des Tages ist keiner immun gegen jeder rassistische Züge oder Gedanken. Das Buch ist für mich aber eindeutig zu lang und ausufernd, daher ist es mir schwer gefallen es in einem Rutsch durchzulesen und ich habe immer wieder Pausen gemacht.

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Seit 20 Jahren arbeitet Ruth Jefferson als Hebamme und Säuglingskrankenschwester im Mercy-West Haven Hospital. Als der Vater des Neugeborenen David sich beschwert, wird Ruth der Umgang mit dem Kind untersagt, da die rassistischen Eltern nicht wollen, dass eine Afroamerikanerin ihr Baby anfasst. Als Ruth Jefferson, aufgrund einer Krisensituation, mit David alleine ist und dieser, genau in diesem Moment, um sein Leben kämpft, gerät sie in einen Gewissenskonflikt. Soll sie ihren Job oder vielleicht, durch unterlassene Hilfeleistung, den Tod des Babys riskieren? David stirbt, obwohl Ruth eingreift, woraufhin diese als Mörderin angeklagt wird. In dem Buch "Kleine große Schritte" von Jodi Picoult, schildert nicht nur Ruth die Geschichte aus ihrer Sicht, sondern auch ihre Anwältin Kennedy und der Vater des Babys, Turk Bauer, kommen zu Wort. Dadurch beschreibt die Autorin sowohl die Gefühlslage aller 3 Protagonisten, als auch den Prozess, mit ihrem einzigartigem Schreibstil, sodass man die ganze Zeit mitfiebert und mitfühlt. Das Thema Rassismus ist, noch immer, aktuell und es ist erschreckend, wie realistisch die Geschichte des Buches ist. Vor allem der Alltagsrassismus, der innerhalb der Gerichtsverhandlung, unter den Teppich gekehrt werden soll, ist brisant und lässt einem beim Lesen immer wieder grübeln. "Kleine große Schritte" ist ein spannendes, hoch aktuelles Buch, welches einen, durch den Schreibstil von Jodi Picoult, von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Daher gibt es von mir eine definitive Leseempfehlung!

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Inhalt (in eigenen Worten): Ruth Jefferson ist ein großartige Hebamme, die seit 20 Jahren im gleichen Krankenhaus arbeitet. Eines Tages wird ihr der Umgang mit dem Neugeborenen Davis Bauer untersagt. Der Grund: sie ist Afroamerikerin - und Davis' Eltern Rassisten. Durch einen unglücklichen Zufall gelangt der Junge doch in ihre Obhut und in eine Notfallsituation. Ruth handelt trotz Verbot. Davis stirbt und die Eltern haben eine Schuldige: Ruth Jefferson, der der Umgang mit ihrem Sohn versagt wurde. Meine Meinung: Allein den Inhalt dieses Buches zusammenzufassen, verursacht einen Kloß in meinem Hals. Rassismus in den USA ist noch ein allgegenwärtiges Thema, das mich sehr interessiert. Als ich durch eine Rezension bei Kleinbrina erfahren habe, dass sich Jodi Picoult des Themas angenommen hat, war mir klar, dass ich das Buch lesen musste. Rassismus ist ein Thema, zu dem ich klar Stellung beziehe und trotzdem zieht es mich in Buchform magisch an, besonders, wenn es möglich ist, die Beweggründe der einzelnen Menschen zu erfahren. Picoult tut dies und taucht tief in die Welt dreier Personen ein: Ruth Jefferson ist eine Afroamerikanerin, die sich ein normales Leben wünscht, Turk Bauer ein Rassist, der den Rassismus nicht mit der Muttermilch aufgesogen hat und schließlich die Anwältin Kennedy McQuarrie, die glaubt, keine Rassisistin zu sein. Man erfährt den Werdegang jeder Person, was ich besonders bei Turk Bauer sehr interessant fand. Wie wird man zum Rassisten? Wie kommt man dazu, Menschen zu hassen, nur weil sie einen anderen kulturellen Hintergrund haben? Was im Falle der Afroamerikaner in den Staaten ja nicht einmal der Fall ist. Sie werden nur gehasst, weil sie anders aussehen. Für die Geschichten unserer Vorfahren können wir alle nichts. Bei Turk sind es viele kleine Begebenheiten, Umstände, Kleinigkeiten. Seine Geschichte fand ich besonders fesselnd. Doch besonders mitgenommen hat mich die Sichtweise von Kennedy, Ruths Anwältin, die fest davon überzeugt ist, keine Rassistin zu sein. Doch dabei ist sie es. Und wenn man es als Spiegel der Gesellschaft sieht, sind wir es alle. In unserem Denken, in unserem Handeln. Ruth zeigt Kennedy, wie ihr Leben ist. Ich möchte nicht behaupten, dass das Leben jeder "andersfarbigen" (ist das nicht auch Rassismus?) Person so ist - aber ich kann mir gut vorstellen, dass es einem Großteil so geht. Dass Afroamerikaner, Asiaten, was weiß ich alles, in einem weißen Land dazu neigen, eher kontrolliert zu werden. Eher mit skeptischen Blicken verfolgt zu werden, als wären sie krimineller als alle anderen. Und das in vielen weiteren kleinen Dingen in ihrem, unserem Alltag. Dabei vielleicht oft ganz unabsichtlich. Unterbewusst. Und das brachte mich zum Nachdenken: Bin ich genauso? Wenn wir ehrlich sind, stecken wir viele Menschen in Schubladen, sei es durch die Kleidung, ihr Aussehen, ihre Handlungen - vermutlich auch wirklich durch die Hautfarbe. Und ist es nicht wirklich so, dass wir weniger kämpfen müssen als Menschen anderen Ursprungs in unserem Land? Bin ich dadurch nicht schon blind und auch irgendwo rassistisch? Denn mir fällt eine Freiheit zu, nur weil ich eine bestimmte Hautfarbe habe, einer gewissen Nationalität angehöre und in "meinem" Land lebe. Doch wäre es nicht ebenso andersherum, wenn ICH in der Minderheit in einem anderen Land wäre? Wäre ich dort vielleicht nicht auch das Opfer und andere die Täter? Herrscht also nicht überall auf der Welt der tägliche Rassismus in den kleinen Dingen? Nach all den Jahren und den Kriegen? Können wir den Rassismus überhaupt besiegen? Ihr seht, Kleine große Schritte von Jodi Picoult hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Und genau das ist die Stärke dieser Autorin: Sie schreibt nicht nur eine unheimlich fesselnde Geschichte so flüssig, als würde man sie miterleben. Sie hält einen nicht nur auf Trab und überrascht einen mit vielen kleinen Dingen. Nein, sie nimmt einen an die Hand und zeigt einem ihre Sicht der Dinge und regt zum Nachdenken an. Jodi Picoults Bücher lassen einen nicht so schnell los. So auch dieses. Nun merkt man, dass Ruth Jefferson in dieser Rezension etwas untergeht. Und das ist auch im Buch so. Ruth ist eher die doch unwichtige Person. Die, die sich an ein Leben klammert, das sie eigentlich gar nicht führt. Auch sie wacht langsam auf - so, wie der Leser auch.

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Der Kampf um Gerechtigkeit… Ruth Jefferson arbeitet seit zwanzig Jahren im Mercy-West Haven Hospital in Connecticut und ist eine erfahrene Hebamme und Säuglingsschwester. Jeden Tag hilft sie Babys auf die Welt und kümmert sich liebevoll um Mutter und Kind. Doch eines Morgens ist plötzlich alles anders: Als Ruth ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt – die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihr Kind berührt. Einige Zeit später ist sie durch Zufall allein mit dem Kind, das plötzlich zum Notfall wird – doch jede Hilfe kommt zu spät: Der Junge verstirbt. Voller Wut beschuldigt der Vater Ruth – sie sei schuld an dessen Tod und verklagt sie. Zusammen mit einem nervenaufreibenen Verfahren beginnt gleichzeitig eine Hetzjagd und macht eines wieder ganz deutlich: Der unterschwellige, alltägliche Rassismus, den es leider nach wie vor gibt… „Aber ich wurde an jenem Tag Zeugin eines viel größeren Wunders. Als Christina meine Hand hielt und Ms. Mina die Hand meiner Mutter hielt, gab es einen Moment – einen Herzschlag, einen Atemzug lang -, in dem alle Unterschiede in Ausbildung, Vermögen und Hautfarbe verpufften wie Luftspiegelungen in der Wüste. Wo alle gleich waren und es nur eine Frau gab, die einer anderen half.“ – Seite 12, eBook Dieses Buch gehört mit zu den aufwühlensten, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Jodi Picoult spricht hier ein Thema an, das nach wie vor aktuell ist: Rassismus. Hier geht es um die Hebamme Ruth Jefferson, die aufgrund ihrer Hautfarbe schon ein Leben lang mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Nun wird ihr nach zwanzig Jahren als Hebamme vorgeworfen, Schuld an dem Tod eines Babys zu sein – die Eltern des Kindes gehören einer rechtsradikalen Gruppierung an. Doch Ruth setzt sich zur Wehr und hofft auf Gegerchtigkeit… Das Buch ist aus drei Blickwinkeln geschrieben: Aus Sicht von Ruth Jefferson, ihrer Anwältin Kennedy McQuarrie und Turk Bauer, der Vater des verstorbenen Kindes. Alles aus der Ich-Perspektive der jeweiligen Person betrachtet, bekommt man einen besonders detaillierten, nahen und manchmal erschütternden Einblick in deren so unterschiedliche Leben. Es gibt immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit: Bei Ruth wird klar, wie sie stets mit Vorurteilen kämpfen musste – es ist sehr traurig, wie sie oftmals behandelt wurde/wird. Turk Bauers Abschnitte haben mich sehr schockiert – allein sein Denken und Handeln haben mich zutiefst erschüttert. Jodi Picoult beschönigt in diesem Roman nichts – der Schreibstil ist klar, direkt und schonungslos. Leider gibt es nach dem ersten starken Drittel eine kleine Durststrecke, alles zieht sich etwas in die Länge. Doch im letzten Drittel hat mich das Buch von Neuem gepackt, denn hier findet der Prozess statt, der unheimlich spannend zu verfolgen ist. Und man stellt sich die ganze Zeit die Frage: Wie geht es aus? Und gerade hier passiert etwas, mit dem man so nie gerechnet hat… Sehr interessant und lesenswert ist hier auch das Nachwort, in dem die Autorin beschreibt, wie dieser Roman entstanden ist und berichtet von ihrer Recherche. Ich schlinge die Arme um seine Taille und halte ihn fest, presse mein Gesicht an seine Schulter, damit er die Tränen in meinen Augen nicht sieht. „Wofür ist das?“ „Weil“, murmele ich, „durch dich die Welt zu einem besseren Ort wird.“ – Seite 133, eBook Mein Fazit: „Kleine große Schritte“ war mein erstes Buch von Jodi Picoult und wird nicht mein letztes sein. Es ist ein sehr wichtiges Buch, das sich mit einem ernsten Thema auseinandersetzt. Es ist aufwühlend, ergreifend und hat mit Ruth Jefferson eine starke Hauptfigur. Der Schreibstil ist klar, flüssig und sehr direkt. Bis auf kleinere Längen im Mittelteil ist dieses Buch sehr gelungen.

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Das Cover ist nett gestaltet. Ich habe es gesehen und dachte ‘Irgendwie typisch Jodi Picoult‘. Unter 'Zum Buch' kann man sich bereits einen kurzen aber dennoch recht guten ersten Eindruck vom Buch holen. Der Roman ist in fünf größere Kapitel mit Titeln und Zitaten von bekannten Personen gegliedert. Diese Zitate fand ich toll gewählt, sie passen super zum jeweiligen Teil des Buches. In diesen großen Kapiteln wiederum wird von bzw. durch verschiedene Figuren erzählt. Diese Erzählmethode finde ich sehr abwechslungsreich und gut gelungen – eine tolle Darstellung der Ereignisse aus Sicht von allen Beteiligten, denn so erfährt man dass es nicht ‘nur eine Wahrheit‘ sondern viele gibt – es hängt eben auch immer vom jeweiligen Blickwinkel ab. Der Einstieg, mit dem Zitat von Benjamin Franklin, ist finde ich gut gelungen. Es passt sehr gut und schafft außerdem von Anfang an die richtige Atmosphäre für den Roman 'Kleine große Schritte' von Jodi Picoult. Der Schreibstil ist wie immer angenehm und es ist interessant die Entwicklung der Geschichte bzw. der Figuren aus den verschiedenen Perspektiven zu sehen. Zum einen erzählt Ruth Jefferson – Afroamerikanerin, Turk – Rassist und Kennedy – Anwältin. Fazit: Tolles Buch über Rassismus und die Ungerechtigkeit des Lebens. Definitiv sehr lesenswert, das Buch hat mich noch einige Zeit nach dem Lesen beschäftigt und zum Nachdenken angeregt - ich denke es wird auch anderen so ergehen. Jodi Picoult hat mich mit ihrem fesselnden und emotionalen Schreibstil ein weiteres Mal überzeugt - ihr Bücher sind toll und dieses hier steht ihren früheren Werken in nichts nach!

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Mit Jodi Picoult habe ich nicht wirklich gute Erfahrungen gemacht. Meist waren mir ihre Schilderungen zu ausufernd und realitätsfern, sodass ich mit ihren Geschichten nicht wirklich etwas anfangen konnte, obwohl sie gute Themen wählt. Da ich seit 2011 jedoch kein Buch der Autorin mehr in die Hand genommen habe und das vorliegende sehr interessant klang, gab ich ihr nochmals eine Chance. Zuerst habe ich mich an der Kurzgeschichte 'Das Mädchen mit den roten Schuhen' versucht, welche die Vorgeschichte darstellt. Schon diese hat mir sehr gut gefallen, weil da wichtige Punkte angesprochen werden. Für mich ist sie jedoch nicht wichtig. Man kann sie auch weglassen. 'Kleine große Schritte' beginnt dann schon sehr gewaltig. Von Anfang an hatte mich die Geschichte in ihren Bann. Die Schriftstellerin verwendet in diesem Roman einen leicht zu lesenden Schreibstil, der jedoch nicht plump daherkommt. Man kann super allem folgen und manche Bilder, die entstehen, prägten sich bei mir so sehr ein, dass ich sie die ganze Geschichte über mitnahm. "[...] riss ihm den Kopf hoch und schlug ihn mit voller Wucht auf den Asphalt. [...]" (S. 167) Das erinnerte mich zugleich an den Film 'American History X'. Ich habe ihn vor Jahr(zehnt)en gesehen und noch heute erinnere ich mich an ihn. Dieses Buch könnte genauso werden. Die Figuren sind gut gewählt. Manch einer ist sicher geneigt, sich direkt auf eine Seite zu stellen. Ich persönlich war nicht so. Es gab an allen Charakteren etwas, das ich nicht mochte - und das machte sie menschlich für mich. Ich muss die Einstellungen der einzelnen Figuren nicht (immer) gutheißen, nicht immer tolerieren, akzeptieren, aber ich muss es so hinnehmen - genau wie im richtigen Leben. Man kann nicht mit allem einverstanden sein. Anfangs hat mich ein wenig gestört, dass die gleiche Situation manchmal aus verschiedenen Perspektiven dargestellt wurde, man jedoch nichts, wirklich gar nichts Neues erfuhr. Die Autorin hat dies jedoch sehr schnell sein lassen, sodass es tatsächlich nur zu Beginn störend war. Was mich sehr interessierte, für andere jedoch vielleicht zu viel sein könnte, sind die vielen medizinischen Begriffe, die verwendet und teilweise nicht erklärt wurden. Ich hatte mir viele Notizen dazu gemacht, um hinterher immer ein wenig zu forschen. Mit 'Kleine große Schritte' hat Jodi Picoult mir gezeigt, dass sie es doch drauf hat. Dass sie weiß, wie man gute Geschichten schreibt, die das Leben erzählt, ohne auf Stilmittel zurückzugreifen, mit denen sich viele nicht identifizieren können. Kleine Schwächen machen das Buch nicht perfekt - aber nahezu. Von mir gibt es an dieser Stelle eine ganz klare Leseempfehlung. ©2017 weitere Zitate: "»Vorurteile sind keine Einbahnstraße, wissen Sie. Es gibt Menschen, die darunter leiden, und es gibt Menschen, die davon profitieren. [...]«" (S. 406) "»[...] Du musst ihnen zeigen, dass du kein schwarzes Mädchen bist. Du bist Ruth Brooks.«" (S. 54) "»[...] Gleichheit bedeutet, jeden gleich zu behandeln. Aber Gerechtigkeit berücksichtigt Unterschiede, sodass jeder eine Chance auf Erfolg hat.«" (S. 425) "[...] damit sie mit eigenen Augen sah, dass Liebe nichts mit dem zu tun hat, worauf man blickt, sondern es nur darum geht, wer darauf blickt." (S. 16)

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Ich bin seit Jahren Fan von Jodi Picoult, habe all ihre Bücher verschlungen, nur das letzte hat mir nicht so gefallen. Nun war ich gespannt, was mich bei `Kleine große Schritte` erwarten würde. Und ich muss sagen: Jodi Picoult hat wieder zu ihrer alten Form zurückgefunden!! Ruth Jefferson arbeitet seit zwanzig Jahren als Hebamme im Mercy- West Haven Hospital. Sie hilft, Kinder auf die Welt zu bringen, kümmert sich um Neugeborene, assistiert bei OPs und geht ganz in ihrem Beruf auf. Dass sie schwarz ist, war bisher nie ein Problem, bis der Vater eines Säuglings ihr untersagt, sein weißes Baby anzufassen. Ruth bekommt von der Stationsschwester die Anweisung, den kleinen David nicht zu behandeln, sich von ihm komplett fernzuhalten. Als David jedoch um sein Leben kämpft und niemand außer Ruth da ist, gerät sie in Gewissenskonflikt. Kann sie verantworten, das Baby durch Unterlassung eventuell sterben zu lassen oder soll sie ihren Job riskieren und ihn behandeln? Trotz aller Maßnahmen stirbt das Baby! Die bisher völlig unbescholtene Ruth wird wegen Mordes angeklagt und natürlich verändert das ihr ganzes Leben. Jodi Picoult lässt uns, wie immer, die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Ruth, ihre Anwältin Kennedy und Turk, der Vater des Jungen schildern alles aus ihrer Sicht. Turk ist total rassistisch, betreibt eine eigene Website, die sich intensiv mit dem Thema `Nichtarier` beschäftigt. Der Prozess beginnt und es war wieder mal höchst interessant zu lesen, wie sich der Charakter der Menschen verändern kann. Früher mochten alle Kollegen Ruth sehr gerne und waren auch tlw. mit ihr befreundet, doch davon ist nach der Anklage nicht mehr viel geblieben. Das Krankenhaus, dem sie zwanzig Jahre treu gedient hat, wirft sie den Löwen zum Fraß vor, nur damit niemand auf die Idee kommt, das Krankenhaus zu verklagen. Erschütternd zu lesen, dass Schwarze in USA heute immer noch in vielen Dingen des alltäglichen Lebens diskriminiert werden. Einfach nur, weil sie eine andere Hautfarbe haben. Das war auch der Anwältin Kennedy nicht bewusst, erst als sie sich näher damit befasst, versteht sie es und versteht auch Ruths Wut, die seit Jahren in ihr schwelt. Jodi Picoult beschreibt den Prozess, aber auch die Gefühlslage der drei Protagonisten in ihrem unverwechselbaren Schreibstil. In den anderen ihrer Romane konnte ich meist jede der Handlungsweisen verstehen, wenn sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt wurde. Hier war das allerdings anders. Turk Bauer war mir direkt unsympathisch aufgrund seiner Einstellung. Sein Hass richtete sich ja generell gegen jeden Schwarzen, Asiaten oder Schwulen. Jeder, der nicht arisch war, fiel durch. Egal, ob er irgendetwas getan hatte oder nicht. Einfach dadurch, das er lebte. Die ganze Zeit fieberte ich mit, wie die Geschworenen sich am Ende des Prozesses entscheiden werden, denn Kennedy hat manche Dinge herausgefunden, die sie in ihren Befragungen der Zeugen gut anbringt. Als es schon sehr gut aussieht, gibt gerade Ruth durch ihre Aussage der Sache eine ganz neue Wendung und man fragt sich, was das soll. Jodi Picoult hält eine Menge Überraschungen für den Leser bereit, die das Ganze in ein anderes Licht tauchen. `Kleine große Schritte` hat mir wieder sehr gut gefallen! Ein aktuelles Thema, spannend umgesetzt und trotz der knapp 600 Seiten hatte ich das Buch schnell durch, weil es mich von Anfang bis Ende gefesselt hat.

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