Leserstimmen zu
K - Kidnapped

Chelsea Cain

Kick Lannigan (1)

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Sie hatte in ihrem Leben schon viele Namen. Geboren wurde sie als "Kathleen" Lannigan. "Kit" war ihr Spitzname im Kindergarten und in der Grundschule, bis zu dem verhängnisvollen Tag, als sie zu dem netten fremden Mann ins Auto stieg. "Beth" war der Name, den ihr Entführer ihr gab, und so hieß sie fünf lange Jahre, in denen sie mit "Daddy" Mel zusammenlebte und mit ihm und seinen Freunden geheime Filme in versteckten Kellern drehen musste. "Kick" nannte sie sich schließlich selber nach ihrer Befreiung. Die Themen dieses Thrillers sind so schockierend wie (leider) realistisch: Menschenhandel, organisierter Kindesmissbrauch und Kinderpornographie. Kleine Kinder werden gehalten wie Tiere, verkauft und getauscht und zum Sex gezwungen. Ich rechne der Autorin hoch an, dass sie nichts davon explizit beschreibt. Es gibt keine Szenen, in denen Kinder geschlagen, gequält oder vergewaltigt werden. Die Themen sind auch so bedrückend genug, ohne dass der Leser zum Voyeur der sexuellen Gewalt gemacht wird. Kann man bei so einem Buch eigentlich die Originalität bewerten? Leider könnte viel der Handlung direkt aus dem Leben gegriffen sein, denn so etwas passiert wirklich, jeden Tag und überall. Aber dennoch ist die Geschichte, die die Autorin aus diesen Splittern Realität zusammensetzt, einfallsreich, spannend und überraschend. Kick Lannigan ist eine ungewöhnliche Heldin. Ihre schrecklichen Erlebnisse haben sie natürlich geprägt - so betreibt sie diverse Kampfsportarten und kann mit den verschiedensten Waffen umgehen, um sich wenigstens halbwegs sicher zu fühlen. Sie muss Tag für Tag mit dem Wissen leben, dass die "Beth-Movies", die Filme, die mit ihr gedreht wurden, immer noch die beliebtesten und am häufigsten heruntergeladenen Kinderpornos sind, auch noch viele Jahre nach ihrer Befreiung. Trotzdem lässt sie sich nicht in die Opferrolle drängen - auch nicht von ihrer Mutter, die aus ihrem Status als "Kidnap Mom" eine Karriere gemacht hat, immer noch regelmäßig Interviews gibt und Privatfotos von Kick an Zeitungen und Fernsehstationen verkauft. Aber dennoch lebt irgendwo in Kick immer noch die kleine Beth, die sich erschreckenderweise nach "Daddy" Mel sehnt und ihn vermisst, trotz allem, was er ihr angetan hat... Mir war Kick sehr sympathisch und ich fand ihren Mut und ihre Entschlossenheit bewundernswert. Sie ist ein komplexer Charakter, mit Abgründen und Schwächen, Ängsten und völlig verqueren Gefühlen. Sie trifft Entscheidungen, die schwer nachzuvollziehen sind, die ich aber aufgrund ihrer Hintergrundgeschichte dennoch glaubhaft fand. Stockholm-Syndrom, posttraumatischer Stress? Sie ist mehr als nur die Summe ihrer Diagnosen. Ich habe sehr gerne über sie gelesen und fand sie authentisch, lebendig und überzeugend. John Bishop, der Kick in seine Ermittlungen hineinzieht, ist erstmal ein großes Rätsel. Reich, attraktiv, offensichtlich mächtig, aber auch arrogant, bestimmend und immer bereit, mit jeder willigen Frau ins Bett zu steigen. Also genau die Art Mann, die ich in Büchern normalerweise furchtbar finde! Aber auch er hat Abgründe in seiner Vergangenheit und daher seine ganz eigene Motivation, nach vermissten Kindern zu suchen. Im Laufe des Buches zeigt auch er, dass er weitaus komplexer ist, als er auf den ersten Blick zu sein scheint, und er wurde mir tatsächlich doch noch sympathisch! Ich fand die Geschichte sehr spannend und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Zum einen geht es darum, dass Kick und Bishop den kleinen Adam suchen, der vielleicht von den gleichen Leuten entführt wurde wie damals Kick. Fast noch spannender als die Frage, ob sie Adam rechtzeitig finden werden oder nicht, fand ich allerdings, wie Kick damit umgeht, dass sie durch die Ermittlungen mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen und mich direkt in die Geschichte hineingezogen. Sie wird in der dritten Person erzählt, bleibt aber dennoch ganz nahe dran an Kicks Gedanken und Gefühlen. Fazit: Organisierter Kindesmissbrauch und Kinderpornographie: ein schreckliches Thema, dass die Autorin als Grundlage für einen ungewöhnlichen Thriller mit einer ungewöhnlichen Heldin nimmt. Die Gewalttaten an Kindern werden dabei niemals explizit beschrieben, was ich sehr gut fand - das wäre mir wie geschmacklose Sensationsgier vorgekommen! Ich fand die Geschichte spannend und originell, die Protagonistin interessant und glaubhaft und auch den Schreibstil wunderbar und packend zu lesen.

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