Leserstimmen zu
Die Mutter meiner Mutter

Sabine Rennefanz

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Hardcover
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Eine wahre Geschichte von Flucht, Überleben, Leben nach dem Krieg und ein Verbrechen, von dem viele wussten, aber schwiegen. Die Handlung zeigt, wie wenig Selbstbestimmung die Frauen in der damaligen Zeit hatten. Nicht sie, sondern andere haben oft darüber entschieden, wie ihr Leben verläuft. Vieles wurde gesehen, aber wenig darüber nachgedacht und schon gar nichts im Interesse der Betroffenen verändert. „Es war halt so- damals.“ Eine Geschichte, wie sie in vielen Familien so ähnlich gegeben haben könnte(oder noch geben kann). Die Geschichte zeigt auch, wie weit in spätere Generationen solche Geschehnisse hineinreichen können. Ein Buch zum “Ineinemrutschdurchlesen“. Schade, ich hätte gerne noch mehr davon gelesen. Das Buch hätte gut und gerne die doppelte Menge Seiten haben können. Zu verdanken ist das dem flüssigen Schreibstil von Sabine Rennefanz. Ich mag ihn. Sie schreibt manchmal nüchtern, dann emotional und sehr informativ. Dazwischen intensive emotionale Passagen. Ich freue mich auf weitere Bücher von ihr.

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Dieses Buch erzählt vom Krieg und von der Zeit danach und konnte mich mit einer schönen Sprache relativ gut fesseln. Womöglich eine sehr wichtige Geschichte für die Generation, die den Krieg nicht mehr miterlebt hat, aber die Nachwirkungen davon vielleicht in dem ein oder anderen Familienmitglied noch spürt oder erkennt. Man lernt die Hauptperson in der Geschichte gut kennen und auch sehr innig, das ganze Gefühlsleben wird vor dem Leser ausgebreitet, ein Detail, welches ich in Büchern unglaublich zu schätzen weiß. Das bringt mich dem Menschen, über den ich lese, einfach viel näher und ich kann mich sehr gut hineinversetzen. Ingesamt war es für mich ein schönes Buch, das ich gerne gelesen habe und das in manchen Hinblicken sicher noch nachwirken wird. Vor allem aber der Stil hatte es mir angetan und die Möglichkeit einmal in eine Familie dieser Zeit einzutauchen.

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Berührend

Von: Nicole Plath

25.09.2016

Es ist die wahre Geschichte von Anna. Erzählt wird sie aus der Perspektive der Enkeltochter. Sie ist die „Ich-Erzählerin“. Als 14-jährige flüchtet Anna mit ihrer Stiefmutter und ihren kleinen Brüdern in den Westen. Im Dorf Kosakenberg, welches in der sowjetischen Besatzungszone liegt, werden sie einquartiert. Auf dem Hof von Familie Wendler muss Anna als Magd zwar harte Arbeit verrichten, doch das kinderlose Paar wird für sie zu einer Art Ersatzfamilie. Dort lernt sie auch eines Tages Friedrich Stein kennen, der 1949 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück auf den Hof kommt. Der Krieg und die Gefangenschaft haben aus ihm einen gebrochenen Mann gemacht. Anna heiratet den 20 Jahre älteren Mann und bekommt mit ihm drei Töchter. Die älteste Tochter Monika ruft eines Tages bei ihrer eigenen Tochter – der „Ich-Erzählerin“ – an. Bis zu diesem Anruf war der Großvater für seine Enkeltochter ein liebevoller Mensch, doch nun, zwanzig Jahre nach seinem Tod, wird ein aufgedecktes Geheimnis alles verändern. Während sie ihren Großvater über alles liebte, spielte die Mutter ihrer Mutter kaum eine Rolle in ihrem Leben. Diese Frau war eine merkwürdige, gefühlskalte Frau. In Rückschauen erfährt der Leser, was Anna zu dieser Frau hat werden lassen. Dass die Erzählung auf einer wahren Geschichte beruht, bringt den Leser emotional noch näher an Anna heran. Es ist Annas Schicksal, welches selbst noch die Enkelgeneration beeinflussen wird. Das Lesen wird jedoch etwas erschwert, da die Erzählerin oft zwischen den Zeiten wechselt. Es gibt keine eindeutige Vergangenheits- oder Gegenwartserzählung. Sobald man sich in diese Erzählweise eingelesen hat, lernt man zusammen mit der Enkeltochter die Mutter ihrer Mutter verstehen. Ein Buch voller Emotionen und Spannung. Das Schicksal von Anna wird nicht das einzige dieser Art sein. Ihre Geschichte steht für mich daher beispielhaft für alle, denen das Schicksal so oder so ähnlich mitgespielt hat. Da ich eine wahre Geschichte nicht mit „gut“ oder „schlecht“ bewerten möchte, denn das Leben ist nie nur gut oder schlecht, gilt meine Bewertung eher der Art, wie die Geschichte erzählt wurde. Es ist nicht immer einfach, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden. Da ich oft verwirrt war und zurückblättern musste, gibt es einen Punkt Abzug. Denn auch, wenn es eine wahre Geschichte ist, kann ich das Lesegefühl nicht anders bewerten als bei ausgedachten Geschichten. Ich danke dem Bloggerportal und dem Luchterhand Literaturverlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplares.

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„Ich habe etwas über deinen Großvater herausgefunden, flüstert meine Mutter.“ Ein Satz, der viele Fragen beantwortet, vieles erklärt, was zuvor undurchsichtig war, was Anna Stein, ihren Töchtern und ihrer Enkelin – der Protagonistin und Ich Erzählerin des Romans – ein Leben lang Rätsel aufgegeben hat. Etwas, das sie verfolgt und ihnen unbewusste Handlungsmuster auferlegt hat. Anna Stein ist eine schwierige Frau. Unnahbar für ihre Töchter und Enkel, oftmals entrückt, verbittert und fehl am Platz. Was keinem so richtig klar ist – sie ist ein Kriegsflüchtling. Hat die Heimat in Zeiten der Not verlassen, um überleben zu können. Doch im Krieg war es überall schwierig. Hier, wie da. Gewalt und Hass haben sich ausgebreitet, haben genommen, was sie kriegen konnten und sind auch Jahre später nicht abgezogen. Belasten die breite Masse, aber auch viele Einzelschicksale. Autorin Sabine Rennefanz verdeutlicht, wie diese untergehen im Schrecken, den die Vernichtung einer Glaubensrichtung, das Abschlachten von Menschen anderer Einstellung, Aussehen und Denkweise, mit sich bringt. „Erst jetzt verstehe ich, dass es ein Erbstück unserer Familie ist, diese Angst, die von einer Tochter zur nächsten vererbt wird.“ Ängste werden häufig von Generation zu Generation weiter getragen. Vor allem dann, wenn sie so tief sitzen, wie bei Anna Stein, die nicht nur den Krieg, sondern eine Person im besonderen fürchtet. Sie verändern Charakter, Verhalten und den Umgang mit anderen Menschen. Je enger die Verbindung desto stärker sind sie von den Handlungen ihrer Nahestehenden betroffen. Verlustängste und Bindungsschwierigkeiten gehen Hand in Hand. Verliert eine Generation ihre Wurzeln, hängen auch die folgenden Generationen in der Luft. Wie will man sich verankern, wenn es keinen Anker gibt, der einem die Hand reicht? Wie begegnet man der Scham, die sich seit Generationen manifestiert? „Dahinter steckt auch ein Abwehrmechanismus: Im Vergleich zum Holocaust erscheint die Brutalität in den Beziehungen zwischen Männern und Frauen nach dem Krieg harmlos.“ Sabine Rennefanz verdeutlicht auf anschauliche, sowie eindringliche Art, über wie viele Generationen hinweg der zweite Weltkrieg nachhallt. Das Schicksal von Anna Stein ist kein Einzelfall. Wie viele andere Frauen auch, ist sie Opfer von Gewalt geworden, hat versucht diese zu verharmlosen und die Schuld bei sich selbst gesucht. Hat versucht bei ihrer Tochter etwas gut zu machen, woran diese überhaupt keinen Anteil hat, und sie somit nur tiefer hineingezogen. Hat ihr Trauma zu dem der nachfolgenden Generationen gemacht. „Die Mutter meiner Mutter“ hat mich sehr bewegt, denn es zeigt, wie lange Gewalt nachwirkt. Wie viele noch heute an den Gräueltaten des zweiten Weltkriegs leiden, egal ob direkt oder indirekt betroffen. Aus meiner Arbeit weiß ich wie langwierig Traumata und Ängste bestehen, werde dort immer wieder damit konfrontiert, dass sich negative Erlebnisse wie Gewalt, Missbrauch, Alkoholkonsum über Generationen durchziehen, dass Verhaltensmuster von einer Generation zur Nächsten weiter gegeben werden. Sabine Rennefanz stellt diese Problematik in ihrem Roman so dar, dass sie auch für Psychologie Laien leicht verständlich ist. Verpackt sie zudem in einer Geschichte, die sich gut und gern lesen lässt, auch wenn sie teilweise bedrückend ist. Interessant geschrieben, ohne zu sehr in einen Sachbuchcharakter zu fallen. Lesenswert!

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Der Verrat an der Liebe

Von: Tanja Jeschke aus Stuttgart

02.06.2016

Rezension Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter. Luchterhand Verlag 2015. 252 Seiten Von Tanja Jeschke Der Verrat an der Liebe „Die Mutter meiner Mutter“, das neue Buch von Sabine Rennefanz, ist kein Roman, liest sich aber wie einer. Spannend erzählt, sehr gut beobachtet, sprachlich schnörkellos, klar und dicht. Die Figuren gleichen hervorragend ausgedachten Romanfiguren, sie haben die brisanten Charaktere derjenigen, die eine Handlung tragen, sie weisen über sich selbst hinaus zum Großen, Ganzen des Lebens, sie tragen etwas bei zu einem Bild, das der Roman malt. Aber es ist ja keiner. Es ist ein literarisches Protokoll über die eigene Herkunft, aufgezeichnet anhand einzelner Fakten und Erlebnisse, die Sabine Rennefanz nach und nach herausfindet. Dabei geht es um die Mutter ihrer Mutter, Anna, die als Flüchtlingsmädchen im 2. Weltkrieg nach Kosakenberg kommt und mit dem Mann verheiratet wird, von dem sie ein Kind erwartet. Wie Anna zu diesem Kind kommt, verschlägt einem den Atem. Es ist die Beschreibung des Verlusts von Unschuld anhand einer Vergewaltigung, aber gleichzeitig geht Anna, das Opfer, selbst hinein in die Gefahr, sie sucht die Bedrohung, denn es ist in ihr selbst, was ihr von außen zustößt. Das Meiden des eigenen Willens, das ihr Lebenskonzept ist, spiegelt sich in ihrem Leben vor und nach dem Geschehen wider. In der starken Bildhaftigkeit der dörflichen Rituale und Gebräuche beim Schlachtfest und in der Schilderung des Blutvergießens zeigt Rennefanz eindrücklich den naturhaft sich gebärdenden Organismus aus Dorfbeziehungen und Nachkriegszeit, in den das junge Mädchenleben unwillkürlich hineingerät. Und immer geht es dabei um den Verrat an der Liebe. Liebe ist nicht möglich. Es gibt sie nirgends in den Beziehungen, schon gar nicht, wenn ein Kind entsteht. Ein grober Klotz aus tiefer Schuld scheint davorgerammt zu sein. Das Hochinteressante dabei ist, dass diese Schuld mit dem gerade vergangenen Krieg nichts zu tun hat, sondern unabhängig davon wirkt. Friedrich, der Klotz, der Anna schwängert, kommt aus dem Krieg unverändert und wohlauf zurück. Er hat kräftig rote Wangen, hat alles gut überstanden, während Anna das blutleere Opfer bleibt, dem alles Blut geraubt wurde. Dem Krieg kann man nicht die Schuld geben – so sagt das Buch, es ist der Mensch. Und doch bleibt Friedrich immer auch der vertraute Großvater, von allen ringsum geachtet und verehrt. Die Tat, die er einst begangen hat, erscheint wie etwas Brutal-Bedrohliches, das im Verfremdeten belassen bleibt, zum Schutz auch für all die, die mit Friedrich lebten. Die Enkelin Rennefanz deckt auf und deckt auch wieder zu. Ausgezeichnet gemacht!

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Mit diesem autobiographischen Roman nimmt die Autorin uns mit auf Spurensuche in ihrer Familiengeschichte. Sie führt zur Aufdeckung eines schrecklichen Familiengeheimnisses, das ihre Mutter nach sechzig Jahren erfahren hat und dass den Großvater und die Großmutter der Autorin betrifft. Es fällt der Autorin schwer zu glauben, dass ihr Großvater etwas Schreckliches getan haben soll, denn für sie ist es ihr Kinderheld, der immer für die Familie da war, der sie vor allen Gefahren des Lebens beschützt hat. Ganz anders hat sie ihre Großmutter erlebt. Sie zeigt nie Gefühle, man sieht sie nie lachen, Berührungen weicht sie aus....Die Großeltern reden sich nie mit Vornamen an. Aber die Großmutter kümmert sich gut um ihre drei Töchter, besonders sorgt sie sich um die Erstgeborene, Sabines Mutter....Diese erzählt in einem Telefonat ihrer Tochter von der schrecklichen Entdeckung - der grausamen Tat, die der Großvater begangen haben soll. Wie konnte es dazu kommen und wieso verschwiegen die Mitwissenden diese Tat über die vielen Jahre. Die Spurensuche führt Sabine auf den schicksalshaften Lebenweg ihrer Großmutter, die eine glückliche Kindheit in einem polnischen Dorf erlebt hat. Als in den letzten Kriegsmonaten russische Soldaten ihren Vater festnahmen, musste diese, 14jährig, mit ihrer Stiefmutter und ihren kleinen Brüdern flüchten. Ihr Weg führte sie in ein ostdeutsches Dorf, wo sie die Stelle als Magd bei einer Bauernfamilie annahm. Dort begegnete dem Mädchen der Kriegsheimkehrer Friedrich Stein. Obwohl seine Anwesenheit ihr immer Angst machte, heirateten die beiden eines Tages - warum ? Die Erzählung hat mich sehr berührt. In ihrer schon fast dokumentarischen Erzählweise bringt die Autorin die psychische Kälte rüber, von der ihre Großmutter in ihrem Leben umgeben war. Man erfährt beim Lesen, wie der Krieg das Leben von Generationen von Menschen beeinflusst und verändert hat. Ich glaube jeder, der das Buch liest, wird darüber nachdenken, ob es nicht sehr wichtig ist, mehr von den Großeltern oder Eltern zu erfahren, die selbst den 2. Weltkrieg oder die Nachkriegszeit erlebt haben. Dieses Wissen würde sicher das Verständnis der jungen Generation gegenüber der älteren verbessern und das Miteinander in den Familien verstärken. Die Erzählung ist auch Mahnung an alle, dass die Geschichte nicht vergessen werden darf, damit auch die künftigen Generationen daraus lernen können und mit dafür einstehen, Kriege zu verhindern. Besonders in der heutigen Zeit, wo die Flüchtlingskrise in Europa zum größten Problem geworden ist, ist dieses Buch sehr aktuell. Mir hat die Erzählweise der Autorin sehr gefallen, mich fesselte die Geschichte und ich konnte kaum erwarten den Ausgang zu erfahren. Persönlich hat mich diese Geschichte sehr berührt, da meine Mutter auch ein Flüchtlingskind aus den Ostgebieten war, die gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem damals 4 Monate alten Bruder im Winter 1945 nach Ostdeutschland kam... Die verschiedenen Erzählstränge, z.B. aus der Sicht der Enkelin, die Geschichte ihrer Großmutter und ihrer Mutter, sowie deren Schwestern belebten die Handlung. Sehr gefallen hat mir der Bericht von der gemeinsamen Fahrt in die alte polnische Heimat der Großmutter und deren persönliche Wandlung beim Besuch ihres Elternhauses. Ein Buch, das berührt, zum Nachdenken anregt. Für alle Leser, die historische autobiographische Erzählungen lieben.

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Ein Buch, das in der Nachkriegszeit spielt. Die vierzehnjährige Anna hat einige Schicksalsschläge hinter sich, doch das ist erst der Anfang. Sie landet in Kosakenberg, einem Dorf in der sowjetischen Besatzungszone, und findet dort Unterschlupf. 1949 kehrt Friedrich Stein aus seiner Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg zurück. Und das Schicksal der beiden Menschen verknüpft sich, bis es sich nicht mehr trennen lässt. Sabine Rennefanz bringt uns in diesem Buch näher, wie sehr der Krieg auch Jahre und Jahrzehnte später die Menschen verändert hat. Die Überlebenden müssen Dinge verarbeiten, die wir uns nur schwer vorstellen können. Und die Nachfahren wissen oft nicht, was ihren Eltern und Grosseltern wiederfahren ist. Sie zeigt auf, wie viel Leid und Schmerz in die Zukunft mitgenommen wird und wie es einen Charakter und das Leben eines Menschen verändern kann. In 'Die Mutter meiner Mutter' erfahren wir durch die Erzählung einer Enkelin das Schicksal ihrer Grossmutter und ihrer Mutter und den beiden Tanten. Auf nüchterne Weise wird aufgezeigt, dass auch nach dem 2. Weltkrieg Dinge passiert sind, die oft totgeschwiegen werden. Dabei sollte man genau diese Grausamkeit, auch die der Nachkriegszeit, aufzeigen. Nur so können wir lernen und hoffentlich verhindern, dass dies wieder geschieht - oder zumindest das Leid mindern und so gut wie möglich verhindern. Es gab eine Szene, die mich ein wenig gestört hat: Als ein Hund umgebracht wird. Diese Szene hätte man auch weglassen können. Ich bin mir sicher, das hätte die Botschaft des Buches nicht geschmälert. Und dieses Buch hat mehr als eine Botschaft und ich finde, dass jeder sich dieses Buch zu Gemüte führen sollte. Es regt zum Nachdenken an und berührt einen auf eine Art, die man schlecht in Worte fassen kann. Der Aufbau der Geschichte war für mich manchmal etwas schwierig; ab und an wusste ich nicht, wessen Geschichte nun weiter erzählt wird, da sich mehrere Stränge zu einem entwickeln. Der Schreistbil der Autorin selbst hat mir aber gut gefallen. Die Aufmachung des Buches finde ich klasse und das Cover passt sehr gut zur Geschichte. Fazit Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und das man gelesen haben muss. Es bekommt 4 Sterne von mir.

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"Als der Krieg zu Ende war, fing für die vierzehnjährige Anna der Kampf erst an. Ihre Mutter war lange tot, ihr Vater von den Russen verhaftet worden, ihre Heimat verloren. Als Flüchtling machte sie sich mit ihren kleinen Brüdern allein auf den Weg nach Westen und fand in Kosakenberg, einem Dorf in der sowjetischen Besatzungszone, Unterschlupf. Am Hof der Familie Wendler kann sie als Magd härteste körperliche Arbeit leisten. 1949 kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg zurück. Das Deutschland, das er verlassen hat, gibt es nicht mehr: seine Familie ist tot, sein Anwesen von Flüchtlingen besetzt, das Dorf voller Sowjet-Propaganda. Ein gebrochener Mann, zwanzig Jahre älter als Anna. Anna macht die Traurigkeit in seinen Augen vom ersten Tag an Angst." "Ich habe etwas herausgefunden über deinen Großvater..." Ich, ein Kriegsenkel, weiß wenig über das Leben und die Gefühle meiner Großeltern. Meine Großeltern mütterlicherseits leben noch. Die Mama meines Papas ist 2009 gestorben, ihr Mann ist nie aus dem Krieg zurückgekommen. Ich habe meinen Opa also nie kennengelernt. Meine Oma redet ab und zu über den Krieg, mein Opa will davon nichts wissen.Ich weiß, dass meine Oma auch für eine Familie gearbeitet hat und da sehr schlecht behandelt wurde. Meine Uroma hat sie da daraufhin wieder nach hause geholt. Andere hatten vielleicht nicht soviel Glück. Meine Uroma hatte 7 Kinder, die alle in der Kriegszeit Essen und Kleidung bekommen mussten. Meine Uroma arbeitete hart. Und die Kinder mussten auch schon hart arbeiten. Die wenigen Informationen, die ich bekommen habe aus der Zeit des Krieges schaffen es nicht, dass ich richtig fühlen kann wie es den Menschen im Krieg erging. Von Gewalt, Angst und das eigene Zuhause verlassen müssen kann man hören, aber man fühlt nicht, weil man es nicht selbst erlebt hat. Wir können oft noch nicht einmal erahnen wie es ist Menschen, die man liebt zu verlieren durch den Krieg. Wir wissen nicht wie es ist zu hungern, wo wir doch unserem Hungergefühl manchmal keine 10 Minuten stand halten können und sofort zum gefüllten Kühlschrank rennen. Wir wissen nicht wie es ist sein Kind zu beerdigen, irgendwo in einem Wald, auf der Flucht. Flucht, damals Thema, heute wieder Thema.Die Flüchtlinge damals wurden schlecht behandelt. Die Flüchtlinge heute werden schlecht behandelt. Hat Deutschland dazugelernt frage ich mich? Ich glaube nein. Die Kriegsgenerationen haben Narben, die immernoch schmerzen können. Unsere Großeltern haben es nicht gelernt über Schmerz zu reden. Bloß nicht jammern ist die Devise. Vieles wird totgeschwiegen, oder schlechtes gut geredet. Vieles können wir nicht verstehen, aber wir müssten mehr Nachsicht haben. Vielleicht auch nachfragen. Viele würden vielleicht reden, wenn sie gefragt würden. Das Buch zu lesen macht nachdenklich. Das Thema Krieg wird in Deutschland noch lange aktuell bleiben, tagtäglich laufen Dokumentationen im Fernsehen. Trotzdem sind wir gefühlsmäßig weit weg von dem Thema. Was wissen wir über die eigene Familie? Wo kommen wir her? Wie haben unsere Großeltern den Krieg erlebt und überlebt? Welche Tragödien haben sie erlebt? Und was hat das aus Ihnen gemacht? Welche Menschen wären sie gewesen ohne den Krieg? Und wie hat das alle kommenden Generationen geprägt? Wer sich damit noch nicht beschäftigt hat, die Kriegsgenerationen haben ihre Ängste und Traumata weitergegeben an ihre Kinder, und diese an ihre Kinder.Es dauert lange bis ein Krieg wirklich zu Ende ist. Das Buch macht traurig und weckt viel Mitgefühl.Unsere Großeltern und Eltern haben schlimmes erlebt. Manche sind nie glücklich gewesen. Ich sehe meine Kinder durchs Haus flitzen, spielend und glücklich. Und bin froh, dass sie es sein dürfen.

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