Leserstimmen zu
Die Mutter meiner Mutter

Sabine Rennefanz

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Hardcover
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Die Flüchtlingskrise ist aktueller denn je. All das gab es aber schon früher. Auch Deutsche mussten flüchten. Deutschland lag in Trümmern. Die Besatzungsmächte kamen, befreiten Deutschland. Und bis dahin? So viele Familien flohen, wurden zerissen, sahen sich niemals wieder. Sabine Rennefanz erzählt die Geschichte ihrer Großmutter, eine bewegende und wahre Geschichte. Wir, die Enkelgeneration, erfahren so wenig von dem, was unsere Großeltern erlebt haben und durchmachen mussten. Manche können nicht mehr antworten, wenn man sie fragt. Andere möchten es nicht. Es wird totgeschwiegen. So sitze ich hier mit all meinen übrig gebliebenen Fragen und denke an meinen Großvater... Die Story Es geht um Anna. Anna ist 14 Jahre alt, als der Krieg zu Ende war. Und doch beginnt erst jetzt der wahre Kampf für sie. Ihre Eltern sind nicht da. Die Mutter ist schon lange gestorben, der Vater irgendwo im Krieg. Die kleine Anna muss mit ihren noch kleineren Brüdern flüchten. Bis nach Kosakenberg. Sie kommen bei der Familie Wendler auf deren Hof unter. Anna muss dort hart schuften, aber sie dürfen bleiben. Ein fürchterliches Ereignis geschieht und infolgedessen muss die 14-jährige Anna den 20 Jahre älteren Friedrich heiraten, der aus seiner Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist. Aus der Ehe gehen drei Töchter hervor. Sabine Rennefanz erzählt die Geschichte ihrer Großmutter. Erst so viele Jahre später wird ein schreckliches Geheimnis aufgedeckt, dass die komplette Familiengeschichte umschreibt. Meine Meinung Es ist furchtbar, wie wenig wir teilweise über unsere Familien wissen. Was unsere Großeltern, oder Eltern durchmachen mussten. Was sie tun mussten. Unsereins kann sich das nicht mehr vorstellen. So viele schreckliche Dinge wurden gesehen, wurden gemacht. Fassungslos war ich nachdem ich fertig war mit diesem Buch. Es ergreift und man bekommt Mitleid. Ich habe tiefes Mitgefühl empfunden. Die Familiengeschichte umzuschreiben, die Wahrheit aufzudecken ist nicht leicht. Sabine Rennefanz hat mit ihrer Familie zu "kämpfen". Das, was selbstverständlich und normal war, ist nicht mehr. Die Geschichte wird neu aufgedeckt und verändert alles. Diesem Buch eine Wertung zu geben halte ich für sehr schwierig. Es ist eine wahre Geschichte. All das ist Geschehen. Daher möchte ich meine Meinung lediglich auf die Schreibweise beziehen. Rennefanz hat einen einfachen und leicht verständlichen Schreibstil. Sie springt zwischen den Zeiten umher, aber auch dies ist gut verständlich. Es tauchen sehr viele verschiedene Personen auf. Das Buch erfordert eine gewisse Konzentration, aber wer aufpasst, der versteht. Empfehlen kann ich das Buch allen, die sich für Nachkriegsgeschichten und wahre Erzählungen interessieren. Ich finde, dass es sehr viele Seiten dieser Zeiten beleuchtet. Für mich ein Schatz.

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Als der Krieg zu Ende war, fing für die vierzehnjährige Anna der Kampf erst an. Ihre Mutter war lange tot, ihr Vater von den Russen verhaftet worden, ihre Heimat verloren. Als Flüchtling machte sie sich mit ihren kleinen Brüdern allein auf den Weg nach Westen und fand in Kosakenberg, einem Dorf in der sowjetischen Besetzungszone, Unterschlupf. Am Hof der Familie Wendler kann sie als Magd härteste körperliche Arbeit leisten. 1949 kehrt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg zurück. Das Deutschland, das er verlassen hat, gibt es nicht mehr : seine Familie ist tot, sein Anwesen von Flüchtlingen besetzt, das Dorf voller Sowjet-Propaganda. Ein gebrochener Mann, zwanzig Jahre älter als Anna. Anna macht die Traurigkeit in seinen Augen vom ersten Tag an Angst. Trotzdem muss sie Friedrich heiraten. Über die Umstände wissen die drei Töchter, die aus der Ehe hervorgehen werden, lange nichts. Sie wundern sich über ihre Mutter, die so anders als andere Mütter sind. Erst zwanzig Jahre nach dem Tod des Vaters kommt ein Geheimnis ans Licht ... Sabine Rennefanz erzählt Anna Steins bewegende Geschichte aus der Perspektive der Enkelgeneration. Brutalität und Gewalt gab es nach dem Krieg in vielen Familien, sie wirkt in den Kindern und Enkeln immer noch nach. Und wie in Annas Fall wurde fast immer weggesehen und geschwiegen. Wow, was für ein Buch !! Der Satz "Ich habe etwas über deinen Großvater herausgefunden ..." ist der Einstieg in die Geschichte, die einen nicht mehr los lässt. Ich war beim Lesen total ergriffen und konnte das Buch einfach nicht weg legen. Das Schicksal von Anna und ihren Töchtern hat mich total in den Bann gezogen, obwohl ich manche Kapitel zwei mal lesen musste, um genau den Inhalt zu verstehen. Das lag wohl an dem ungewöhnlichen Schreibstil aus der Position der Enkelin. Sabine Rennefanz hat wirklich ein großartiges Buch geschrieben, um ein Thema das wohl auch heute noch seine Auswirkungen hat, jedoch immer noch gerne vertuscht bzw. totgeschwiegen wird. Sie hat es geschafft, ohne große Hochs und Tiefs das Buch spannend zu gestalten, so dass man einfach nicht aufhören konnte zu lesen. Ich bin froh, dass ich dieses Buch lesen durfte. Es gibt sehr schöne Einblicke in eine vergangene Zeit, die aber doch nicht vergessen ist. Das Buch machte mich sehr nachdenklich und es zeigt auf eines besondere Weise auf, was der Krieg aus den Menschen machen kann. Meine Bewertung : absolut lesenswert 5 von 5 möglichen Punkten Ich kann Euch dieses Buch wirklich wärmstens ans Herz legen. Das Buch ist es wert, gelesen zu werden.

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<em>Mit dem Satz "Ich habe etwas über deinen Großvater herausgefunden..." leitet die Journalistin Sabine Rennefanz eine autobiographisch angehauchte Reise in eine persönliche Vergangenheit ein. Die Geschichte einer Familie hat sich bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zugetragen. Jedoch sind die Folgen bis ins 21. Jahrhundert hinein zu spüren, wenngleich sie sich oft nicht artikulieren lassen.</em> <strong>Der Vergangenheit auf der Spur</strong> Die Hauptfigur des Romans ist Großmutter Anna. Sie musste im Alter von 14 Jahren mit ihrer ungeliebten Stiefmutter und drei Brüdern aus der polnischen Heimat in den Westen flüchten. Die historische Patchworkfamilie nahm in Kosakendorf, einem Flecken in der späteren DDR, Zuflucht. Anna fand eine Anstellung als Magd auf einem Bauernhof. Ihr Leben änderte sich schlagartig, als 1949 der 20 Jahre ältere Friedrich Stein aus der sowjetischen Gefangenschaft zurückkehrt. Er hatte zuvor auf dem Hof gearbeitet. Anna jedoch meidet den Mann, weil sie Angst vor seinen traurig wirkenden Augen hat. Trotzdem wird sie gezwungen, ihr Leben an seiner Seite zu verbringen: Er überfällt sie eines Nachts und vergewaltigt Anna, woraufhin diese schwanger wird. Die Dorfbevölkerung, die Anna Zeit ihres Lebens fremd sein wird, zwingt sie zur Heirat. Sie fügt sich und gebiert drei Töchter, vor denen sie ihr düsteres Geheimnis in jedem Fall verbergen möchte. <strong>Das Knäuel wird entwirrt</strong> Sabine Rennefanz erzählt die Familiengeschichte in der Ich-Perspektive aus der Sicht der Enkelin. Das wirkt in einigen Passagen etwas verwirrend, weil die Geschehnisse aus unterschiedlichen Zeiten oft parallel und in einer Rückblende geschildert werden. Die Autorin bedient sich in ihrer Erzählung jedoch eines sachlich neutralen, fast schon emotionsbefreiten Stils. Das wiederum bewirkt, dass die eigentliche Tragödie und deren Folgen umso eindrucksvoller erscheinen. <strong>Fazit</strong> Sabine Rennefanz ist ein grandioses Werk über die Folgen des verheerenden Krieges in Europa gelungen, die vermutlich in allzu vielen Familien bis in die Gegenwart hinein totgeschwiegen werden. Für manchen Leser kann das Werk Anregung sein, sich auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit zu machen. Wer jedoch einige Bruchstücke aus der Kriegsgeschichte der Großeltern kennt, die schreckliche Ereignisse vermuten lassen, entscheidet sich vielleicht eher dazu, endgültig mit der Vergangenheit abzuschließen. Wer Mut gefasst hat, dem sei die Trilogie zu Kriegskindern und Kriegsenkeln von Sabine Bode als Einstieg empfohlen. Harry Pfliegl, der Autor der Rezension, gehört zum Autorenpool von [Der Mann für den Text] Detlef M. Plaisier Leipzig.

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Meine Meinung Die Mutter meiner Mutter klingt schlicht, einfach, etwas dramatisch. Das Cover, mit seinen winterlichen Tannenzapfen und den bildenden Kreis um den Titel hat mir sehr gefallen. Ich hatte noch nie ein Buch von Luchterhand in der Hand. Und das wird auch nicht mein letztes sein! Ich habe das Buch angefragt, weil mir das Cover so gefiel, der Titel einfach klang und die Leseprobe vielversprechend war. Es geht um den zweiten Weltkrieg. Es gibt eine Erzählerin – deren Namen glaub ich unbekannt ist – und diese Person erzählt aus der Enkelperspektive über ihre Großmutter – Die Mutter ihrer Mutter. Sie erzählt über die Flucht der Familie, wie die Großmutter ihren Ehemann fand und wie ihr Leben verlief. Manchmal war es traurig; unvorstellbar in unserer Zeit. Manchmal war es mitfühlend und auch unverständlich. Was da alles in dieser Zeit abging – das wäre bei uns nun paradox. Die Erzählerin erläutert viele Kleinigkeiten, über die Freunde von Anna – der Großmutter – von ihrer Stiefmutter Hedwig, ihren Geschwistern und über die Wendlers. Somit ist das Buch eigentlich eine Biographie über der Erzählerin’s Großmutter aus der Sicht der Enkelin. “ Ich habe etwas über deinen Großvater herausgefunden (…) Mit diesem Satz beginnt das Buch und zieht uns mit hinein in eine Reise durch Kosakenberg, der Stadt Sorge und den Überlebenskämpfen- und Problemen einer Familie. Sehr tragende, leicht erzählte Geschichte, ein Hauch von Dramatik mit drin. Traurig an vielen Stellen, mitfühlend und auch Anregend zum Selbstnachdenken, was man von seinem eigenen Leben hat. Was man sich kaum vorstellen kann, ist, weil diese Geschichte mit unserer Zeit kollidiert. Wir haben nun auch viele Flüchtlinge in unserem Land – wie früher auch. Das zeigt somit auch, dass wir so tolerant sein müssten, um ihnen auch eine Chance zu bieten, wie damals… Das Buch des Schweigens hätte man es auch nennen können, denn viele Geheimnisse, Intrigen und Vorfälle, die von Generation zu Generation schweigend weitergegeben wurden und im Dunkeln bleiben. Die Familie schweigt über so vieles. Was ja irgendwie auch selbstverständlich war in dieser Zeit. Wie Annas Geschichte auf dem Dachboden… Das Buch ließ mich – klischeehaft – nicht mehr los. Eine einfache Sprache, keine unverständlichen Synonyme, zwar sehr lange Kapitel, dafür ein kurzes Buch. 251 Seiten beinhaltet es, und ich habe es auch rasch ausgelesen. Das Buch handelt mal nicht über Mord- und Todschlag. Ich wollte mal etwas besinnliches, etwas was zum Nachdenken anregt. Und habe es schlussendlich gefunden. Sehr sehr schöne Geschichte! Fazit Ein Buch, das es wert ist zu lesen. Eine sehr interessante Geschichte zum Lesen, die Einblicke in eine längst vergangene und vergessene Zeit gibt. Das Cover schlicht, dennoch sehr schön, und der Titel treffend. Die Mutter meiner Mutter ist ein Buch, das ich sehr zu empfehlen gestehe.

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Nachdem mir Sabine Rennefanz in ihrem Debüt “Eisenkinder” von ihrem eigenen Leben erzählt hat, schreibt sie in “Die Mutter meiner Mutter” über eben diese, bzw. über die zwei Frauengenerationen vor ihr. Ausgelöst wird ihre Schreib- und Recherchewut von einer unbequemen Wahrheit über die Beziehung ihrer Großeltern mütterlicherseits, die schon seit deren Eheschließung im Raum schwebte und die Eheleute Stein über Jahrzehnte nicht zur Ruhe kommen ließ. Diese Wahrheit kommt nach langen Jahren des Schweigens nahezu zufällig ans Licht und trübt das Bild der heilen Familie, das die Töchter- und die Enkelgeneration in ihren Kindheitserinnerungen wie einen Schatz hüten. Das dunkle Geheimnis selbst, das seinen roten Faden über drei Generationen durch die Geschichte der Familie spannt, werde ich an dieser Stelle allerdings für mich behalten. Sabine Rennefanz braucht übrigens auch ewig, bis sie endlich damit heraus rückt, was ihre Mutter meinte als sie völlig verstört bei ihr anrief und sagte: “Ich habe etwas über deinen Großvater heraus gefunden…” Ein bisschen ahne ich es schon, ein bisschen befürchte ich auf der richtigen Spur zu sein, doch bin ich mir lange nicht sicher. Denn bevor das Geheimnis vom Anruf am Anfang des Buchs gelüftet und anschließend in die Chronologie der Familie eingegliedert wird, erzählt Sabine Rennefanz davon wie alles begann. Noch bevor sich die Eheleute Stein zum ersten Mal auf einer Tanzveranstaltung im Ostdeutschen Kosakenberg begegneten, wuchs die Großmutter in einem kleinen preußischen Dorf namens Sorge auf. Der Vater war Bahnhofsvorsteher und die Mutter früh verstorben. Hier wird Großmutter Anna vom Holocaust gestreift, von hier wird sie vertrieben. In Kosakenberg freut man sich nicht gerade über die Flüchtlinge aus dem heutigen Polen, Hunger und Wohnungsnot sind Teil des Alltags. Großmutter Anna findet Arbeit als Magd, doch auch Jahre nach ihrer Ankunft ist sie immer noch ein Fremdkörper im Dorfgeschehen. Das wird sich auch nie so ganz ändern, nicht nach der Ausrufung des neuen Staates, nicht nach Annas Heirat mit einem Alteingesessenen, nicht einmal nach dessen Tod. Über die Geschichte von Großmutter Anna nähert Sabine Rennefanz sich dem Schicksal der Vertriebenen an. Gezwungen ihre Heimat hinter sich zu lassen, auf der Flucht teils schwer traumatisiert, im neuen Deutschland nie richtig angekommen. So wird die späte Reise ins Dorf ihrer Kindheit zu einem fast kathartischen Erlebnis für Großmutter Anna und ihre drei Töchter in denen das Trauma der Flucht weiter lebt. Sabine Rennefanz erzählt die Geschichte der Mutter ihrer Mutter nicht streng chronologisch, springt immer wieder zurück in die Gegenwart, besonders zu diesem einen Moment, dem Moment des Anrufs ihrer Mutter, der das Verständnis der Autorin auf die eigenen Erinnerungen für immer veränderte. Das gibt dem Buch auf der einen Seite eine Spannung, die ich als Leserin sonst nur von Romanen kenne, auf der anderen Seite sorgt das ständige Hin und Her jedoch auch für Verwirrung. Dass die Autorin einmal von der Mutter ihrer Mutter spricht, dann wieder von der Großmutter und im nächsten Satz nur ihren Vornamen verwendet, ja geradezu mit Namen um sich schmeißt ohne deren Beziehung zueinander zu klären, führt dazu, dass ich immer wieder kurz inne halten muss, um mir ins Gedächtnis zu rufen, über wen hier genau gesprochen wird. Auch die Geburtenfolge der drei Töchter von Großmutter Anna ist bis fast zuletzt etwas schwammig, ist für das Verständnis des zentralen Konfliktes jedoch von großer Bedeutung. So ist mein Eindruck von Sabine Rennefanz zweitem Buch eher durchwachsener Natur. Das Buch ist eingängig und auf seine ganz eigene Art und Weise auch informativ, bzw. aufrüttelnd. Denn man kann als Leserin vom Mikrokosmos der Familie Stein auf andere Schicksale vertriebener Familien schließen. Ein Kapitel deutscher Geschichte, das ich mir vor der Lektüre von “Die Mutter meiner Mutter” nie wirklich bewusst gemacht habe. Die Autorin schafft es mir das Trauma der Betroffenen, ihr Gefühl des Fremdseins im eigenen Land verbunden mit der Trauer um die verlorene Heimat, glaubhaft zu vermitteln. “Die Mutter meiner Mutter” erhebt dabei keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, gibt lediglich den Anstoß sich eingehender mit dem Thema Vertreibung auseinander zu setzen. Nicht immer gefiel mir die sprunghafte Erzählstruktur, doch ist dies nur ein kleines Manko innerhalb einer ansonsten interessanten, wenn auch oft schwer verdaulichen Familiengeschichte.

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Vor einiger Zeit hatte ich ein Sachbuch namens “Die vergessene Generation: Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen” gelesen. In dem Zusammenhang dachte ich, dass “Die Mutter meine Mutter” ein interessantes Buch wäre, denn es geht um die Geschichte einer jungen Frau im und kurz nach dem 2. Weltkrieg – das traf aber nur begrenzt zu. Am Ende ist es ein Buch, in dem nie ganz klar wird: ist das nun autobiografisch, oder nicht? Die Gestalten der Erzählerin und der Mutter der Erzählerin sind zwar irgendwie wohl wichtig, bleiben aber sehr schwammig, hauptsächlich geht es um die Lebensgeschichte – eben, der Mutter der Mutter. Immer wieder wird angedeutet, dass sich deren Erlebnisse auch in den Kindern und Kindeskindern widerspiegeln, das bleibt aber alles irgendwie am Rande. Und die, natürlich!, tragische Geschichte der Großmutter bleibt auch etwas im Schatten, vieles ist nur fragmentarisch oder unklar, weil angeblich nichts bekannt ist. Im Großen und Ganzen: spannendes Thema, aber leider bleibt das Buch nur am Rande des Möglichen.

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Die 1974 geborene Journalistin Sabine Rennefanz studierte Politologie. Seit 1993 arbeitet sie als Journalistin, seit 2001 als Redakteurin für die Berliner Zeitung, für die sie mehrere Jahre aus London schrieb. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Ihr 2013 erschienenes erstes Buch “Eisenkinder” stand mehrere Wochen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Am 14. September 2015 erschien ihr neues Werk mit dem Titel “Die Mutter meiner Mutter” im Luchterhand Verlag. Dunkles Familiengeheimnis Als Anna vierzehn Jahre alt ist, endet der Zweite Weltkrieg, doch für das junge Mädchen beginnt damit ihr ganz persönlicher Krieg. Als Flüchtling schlägt sie sich ohne ihre Eltern mit ihren zwei jüngeren Brüdern bis nach Kosakenberg durch. Leider überlebt ihr kleiner Bruder die Flucht nicht. In dem kleinen Dorf in der sowjetischen Besatzungszone findet sie auf dem Hof der Familie Wendler eine Anstellung als Magd. 1949 kommt Friedrich Stein aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Kosakenberg zurück. Seine Familie lebt nicht mehr und das Anwesen der Familie wird jetzt von Flüchtlingen bewohnt. Als Anna den zwanzig Jahre älteren Friedrich kennenlernt, sind ihr seine traurigen Augen unheimlich. Eines Tages überfällt der traumatisierte Mann das junge Mädchen. Anna wird schwanger und bringt im Alter von 18 Jahren eine Tochter zur Welt. Obwohl sie über die Vergewaltigung schweigt, zwingt man sie, Friedrich Stein zu heiraten. Insgesamt drei Töchter bekommt das Paar und niemand darf über die Umstände der Hochzeit sprechen. So wird das Familiengeheimnis seit vielen Jahrzehnten bewahrt. Die Familie Stein wird zu einer fleißigen und erfolgreichen Familie. Und als Annas Enkelin schließlich in Berlin studiert, ist die Familie am Ziel ihrer Träume angekommen. Eines Tages erhält die Enkelin einen Anruf ihrer Mutter, die sie bittet, nach Hause zu kommen, denn sie hat etwas über den Großvater herausgefunden. Als zwanzig Jahre nach dem Tod des Großvaters sein schreckliches Geheimnis gelüftet wird, ändert sich damit auch die Sichtweise der Enkelin auf ihre eigene Familie. Ihr Großvater war ihr immer ein Vorbild und stellte das Glück seiner Familie stets in den Vordergrund. Die schockierenden Enthüllungen über ihren Großvater erklären im Nachhinein viele Verhaltensweisen ihrer Großmutter und auch an sich selbst entdeckt die Enkelin Charakterzüge, die eindeutig von ihrem Großvater vererbt wurden. Fazit Dieses autobiografisch gefärbte Buch macht nachdenklich und betroffen. Die schmerzhafte Spurensuche der Enkelin nach der Wahrheit über ihren Großvater enthüllt schließlich Unglaubliches. Und bei ihrer Suche nach der Wahrheit findet die Enkelin auch Erklärungen für das seltsame Verhalten ihrer Großmutter Anna, die für ihre Töchter und Enkelin unnahbar ist. Körperkontakt lehnt Anna kategorisch ab und oft sieht man sie teilnahmslos vor sich hinstarren. Töchter und Enkelin spüren, das irgendetwas zwischen Großmutter und Großvater nicht stimmt, forschen aber nicht weiter nach – bis zu dem Tag, als die Enkelin einen Anruf von ihrer Mutter bekommt. “Die Mutter meiner Mutter” ist ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte, um es richtig zu begreifen. Ein Buch, das zeigt, was der Krieg aus den Menschen machte und welche Auswirkungen er immer noch auf nachfolgende Generationen hat. Absolut lesenswert! Das puristische Cover passt pefekt zum Inhalt – nichts lenkt vom Titel ab. “Die Mutter meiner Mutter” von Sabine Rennefanz, erschienen am 15. September 2015 im Luchterhand Literaturverlag, gebunden, 256 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3630874548 Herzlichen Dank an den Luchterhand Literatur Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar. Bildnachweis: copyright Luchterhand Literaturverlag

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„Die Mutter meiner Mutter“ ist ein sehr nachdenklich machendes Buch, was man nicht mal eben so „zwischendurch“ liest. Sensibel und ruhig zeichnet Sabine Rennefanz aus dem Blickwinkel der Enkelin den Mikrokosmos einer Familie, in der die Nachwehen des zweiten Weltkrieges noch immer schlummern und mit den geflüsterten Worten „Ich hab da was über deinen Großvater heraus gefunden“ der Mutter jäh zurück in`s Hier und Jetzt befördert werden. Mit diesem Satz beginnt das Buch. Der Leser lernt zunächst Friedrich Stein kennen, von dem seine Enkelin viel erzählen kann, an den sich sich gut erinnert, obwohl er starb, als sie gerade mal 12 Jahre alt war. Friedrich war der Opa, auf dessen Schoß sie saß , der auf 4 Fingern Lieder pfeifen konnte, dessen karierte Flanellhemden würzig nach Zimt und Holz rochen und der die Enkelin, kaum dass sie laufen konnte mit in den Stall zu den Pferden nahm…auf dem Rücken der Stute Grete brachte Opa sie in die Schule, während alle anderen Kinder laufen mußten. „Meinen Großvater bewunderte ich, über meine Großmutter wunderte ich mich nur.“ Anna Stein wird von ihrer Enkelin als Kind als seltsam unnahbar-verschrobenes Wesen wahr genommen. Traurig wirkt sie, die Anna und manchmal sitzt sie nur da und starrt den Küchenschrank an. Hat die Enkelin Hunger, kocht sie ihr ein Ei. Auch sie selbst lebt nur von Eiern, trockenem Brot und jeder Menge Knoblauch, sie schläft mit Kopftuch und Pullover auf dem Sofa, Körperkontakt zu Töchtern und Enkelin in Form von liebevollen Umarmungen o.ä. gibt es nicht. Intuitiv spürt die Enkelin, dass zwischen den Großeltern nicht alles so ist, wie es sein sollte. Lange nachdem die Enkelin die Enge des heimatlichen Dorfes verlassen hat und ihren eigenen Weg geht, wird sie durch den in`s Telefon geflüsterten Satz ihrer Mutter zurück geholt in die Welt von Anna und Friedrich Stein, in die Welt der durch dieses seltsame Elternpaar belasteten Töchter, die unabhängig voneinander als Erwachsene mit Ängsten zu kämpfen haben. Sie wollen nicht auf Spurensuche gehen wie die Enkelin, wollen das, was sich an Familiengeschichte offenbart, nicht wahr haben, nicht darüber reden und sie entfernen sich eher voneinander statt näher zusammen zu rücken. Puzzleteil für Puzzleteil trägt die Enkelin zusammen und erzählt in bewegender Weise die Geschichte von Anna Stein, die Hölle von Flucht und Nachkriegszeit bis hin zu dem Tag, über den ihre Mutter viele Jahre später sagen wird: „Ich hab da was über deinen Großvater heraus gefunden“. Der Tag, der Annas weiteres Leben in dieser Dorfgemeinschaft zum ewigen Spießrutenlauf machen wird und dem sie als völlig Entwurzelte doch nicht entfliehen kann, denn wo sollte sie hin? Und obwohl Annas Töchter schon Ursachenforschung bezüglich der eigenen Ängste betreiben, mögen sie sich den Vater nicht vom Sockel stoßen lassen, sind eher geneigt ihm, dem längst Verstorbenen, zu glauben als der noch lebenden, so unnahbaren Mutter und noch lebenden Zeitzeugen. Der Brückenschlag zu Anna bleibt ihrer Enkelin überlassen. Inwieweit das Buch autobiografisch ist, weiß ich nicht. Wenn nicht oder nur teilweise, ist es gut recherchiert. Vieles, was in Bezug zu Flüchtlingen des 2. Weltkrieges erzählt wird, kenne ich genauso aus den Erzählungen in meiner eigenen Familie. Auch meine Großmutter musste flüchten, meine Mutter wurde 1945 auf ebendieser Flucht geboren und war in ihrer Kindheit ein „Umsiedlerkind“. Die Baracken, in denen sie nach dem Krieg als Umsiedler lebten, standen noch in meiner Kindheit und wurden auch Mitte der 70er von den Einheimischen -wiewohl mittlerweile völlig anders genutzt- noch immer als „das Lager“ bezeichnet. Ich erinnere mich detailliert an die Kriegsgeschichten meines Großvaters (wie bei Annas Enkelin waren es immer die gleichen), die eine eigenartige Faszination auf mich ausübten. Von der Flucht meiner Großmutter weiß ich nur, dass ihr die für meine Mutter gedachten Babysachen unterwegs komplett gestohlen wurden und dass sie auf dieser Flucht „ihren Glauben an Gott verloren hat“. Wissen wir wirklich mehr von der männlichen Kriegsgeneration als von der weiblichen? Für mein Empfinden füllt Sabine Rennefanz hier eine Lücke. Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt, es sensibilisiert für die eigene Familiengeschichte und -ganz aktuell- auch die anderer. Auch die Auswirkungen und das Erleben heutiger Flüchtlingsströme werden unabhängig von richtiger oder falscher Politik, unabhängig von Hass oder „welcome refugees“ in den Folgegenerationen ALLER weiter leben.

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