Leserstimmen zu
Und die Eselin sah den Engel

Nick Cave

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Sprachlos

Von: Lana Alison

01.05.2015

Ihr kennt das sicherlich alle: Manchmal fehlen einem die Worte. Ja, manchmal weiß man einfach nicht, wie man etwas begreiflich machen, etwas erklären kann, ohne dabei lippenkauend immer wieder ins Stocken zu geraten. Denn das, von dem man berichten mag, ist so unglaublich, dass es sich einfach nicht für Außenstehende verständlich zusammenfassen lässt. „Und die Eselin sah den Engel“ ist so ein Fall, der mich nun schon seit Tagen ungemein beschäftigt und nicht losgelassen hat. Immer wieder habe ich nach dem Auslesen Rezensionen begonnen, um sie doch nur wieder frustriert seufzend und resigniert vom Rechner zu löschen. Denn so sehr ich mich auch bemüht habe, spätestens nach der dritten unveröffentlichten Bewertung, die im virtuellen Papierkorb landete, wurde mir bewusst: Es ist nahezu unmöglich, diesen Roman zu beschreiben. Beginnen wir mit kleinen Schritten, dem Grundlegendsten: mit Euchrid Eucrow, dem Hauptcharakter des großen Ganzen. Stumm wächst er im Tal eines fundamentalistischen Südstaatenkaffs auf, dass von einer wahrlich verblendeten und absolut abscheulichen Sekte regiert wird. Aufgrund seiner inzestuösen Herkunft und seiner Behinderung ist er ein Ausgestoßener, der Tag für Tag nicht nur von seiner Mutter, sondern auch von den Dorfbewohnern selbst geächtet und misshandelt wird. Doch trotz alldem – Euchrid ist niemand, mit dem man Mitleid hat, wie man später feststellen muss. Und hier beginnt sogleich das größte Problem und die Ursache meiner Erklärungsnot: In diesem Buch gibt es keinerlei Sympathie, keinerlei Hoffnungsschimmer, der auf ein gutes Ende hoffen lässt. Stattdessen stürzt uns Autor Nick Cave von einem düsteren und grausamen Erlebnis ins nächste, welches man wahrlich nur mit einem starken Magen verkraften kann. Doch wandert Cave damit nicht plump durch Meere voller Blut und Ekel, sondern weiß den Leser geschickt durch seinen definitiv einzigartigen Stil zu verzaubern. Was die genutzte Sprache betrifft, so ist „Und die Eselin sah den Engel“ ein grandioses Meisterwerk. Eigentlich. Denn nicht selten stehen sich Schreibstil und Inhalt im Wege genau wie in diesem Falle. So ist die Handlung stellenweise so ausweglos und trübselig, dass es sich zäh wie Kaugummi hinzieht und mich immer wieder in meinem Lesefluss stocken ließ. Wer sich jedoch von so viel Pessimismus und Hoffnungslosigkeit nicht abschrecken lässt – oh, und natürlich von allerhand brutalen Gewaltszenen -, der liegt mit „Und die Eselin sah den Engel“ goldrichtig. Und jetzt kommt genau das, was ich als Bloggerin so abgrundtief hasse: Die Bewertung. Denn wie bewertet man ein Buch, das voller Schmutz und Übelkeit nur so strotzt und dem Leser alles andere als ein künstliches Gute-Laune-Gefühl verschafft? Wie bereits zu Anfang erwähnt: Seinen Eindruck zu definieren ist an dieser Stelle einfach unmöglich. Nick Cave lässt mich schlichtweg sprachlos und mit einem peinlich berührten Schulterzucken zurück. „Und die Eselin sah den Engel“ kann man einfach nicht erklären – so blöde es auch klingen mag: man muss es wirklich selbst gelesen haben, um zu verstehen.

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PARALYSIERT

Von: deckchair

11.03.2015

"Und die Eselin sah den Engel" ist die sprachliche Phantasmagorie paralytischer Erscheinungen, die das Leben einer fundamentalistischen Gemeinschaft fixieren. Die Welt des Anti-Protagonisten, der ein unerträgliches Zufallsprodukt an der Peripherie der Eingemeindeten verkörpert, darf zwischen kurzen lichten Momenten und Wahnvorstellungen sich weniger als mehr unbehelligt wähnen bis der nächste gemeinschaftliche Anfall ein Ventil sucht, einen Anlass findet und ein Opfer inszeniert.

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