Leserstimmen zu
Gretchen

Einzlkind

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Darum geht’s: Gretchen Morgenthau ist eine Legende des Theaters, eine grantige und überhebliche noch dazu. Die Karriere als Intendantin hat sie beendet, den Gottesstatus aber behalten. Wegen einer Unachtsamkeit wird Gretchen zu vier Wochen auf einer Vulkaninsel bei Island verurteilt. Sie soll mit den Einheimischen ein Theaterstück aufführen. Und? Gut? Leider nein. Das Buch kommt eloquent daher, achtet sehr auf eine außergewöhnliche Sprache. Doch die Konzentration auf die Formulierung wirkt nach einem Drittel zunehmend bemüht, die eigentliche Geschichte kommt zu kurz. Warum Gretchen nach Island muss – ein Gerichtsurteil geht voraus -, erschließt sich nicht – es sei denn, man tut die Geschichte als Anarcho-Roman ab. Dafür aber ist das Buch nicht geeignet. Die Betonung darauf, die unnahbar und arrogant Gretchen ist, wird immer und immer wieder wiederholt. Das ermüdet. So eine Hauptfigur möchte ich nicht lange begleiten. Das Buch hat mich sehr an den Hundertjährigen erinnert, der aus dem Fenster stieg. Die Geschichte fand ich damals – auch wenn viele das Buch gerne gelesen haben – ebenfalls schnell nervig und platt. Wenn Sie also den Hundertjährigen gut fanden, wird Ihnen auch Gretchen gefallen. Das ist nicht negativ gemeint. Die Geschmäcker sind ja unterschiedlich.

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Zum Inhalt: Es geht in diesem Buch um die 75-jährige Titelfigur Gretchen, eine ehemalige Theaterregisseurin, die ihr Alter nicht so recht wahr haben möchte. So sind ihr zum Beispiel Männer in den Vierzigern schon viel zu alt für eine romantische Beziehung. Und auch sonst ist Gretchen ein ziemlich eigenwilliger Mensch, der mit seinen Allüren regelmäßig anderen vor den Kopf stößt. Doch irgendwann rächt sich ihr Verhalten und sie wird wegen Trunkenheit am Steuer zu einer unkonventionellen Strafe verurteilt: Sie muss auf eine kleine Insel im Atlantik reisen, um dort ein Theaterstück mit den Einheimischen zu inszenieren. Natürlich ist diese Einöde nichts für eine Frau von Welt wie Gretchen, jedoch muss sie schnell feststellen, dass sie wohl noch ihr blaues Wunder mit den Inselbewohnern erleben wird. Meine Meinung: Bei "Gretchen" muss man einfach den Humor mögen. Er ist schon ein bisschen gehobener und war leider einfach nichts meins. Die Geschichte an sich hat mir aber trotzdem gut gefallen, weshalb ich das Buch trotzdem nur empfehlen kann. Schließlich ist es mit seinen 239 Seiten ziemlich kurzweilig, lässt sich innerhalb weniger Stunden verschlingen und besticht durch die hochwertige Aufmachung und den relativ geringen Preis. Meiner Meinung nach macht man nichts falsch, wenn man zu "Gretchen" greift.

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Gretchen Morgenthau, 75 Jahre jung, geboren in Wien, aufgewachsen überall, hat ein abwechslungsreiches Leben am Theater verbracht und lebt jetzt in einer bescheidenen 120 Quadratmeter großen Wohnung in ihrer Wahlheimat London. Ihre Tage sind entbehrungsreich und voller schwerer Entscheidungen — heute ein Kleid von Luis Vuitton oder doch lieber Christian Dior? Welches Täschchen passt dazu? Welches Buch mit einem farblich passenden Cover und intellektuell ansprechendem Inhalt könnte man sich dazu unter den Arm klemmen? Ganz aus Versehen wurde sie letztens dabei erwischt, wie sie nach nur sechs bis höchstens acht Gläsern Wein Auto gefahren ist. Eventuell hat sie dabei noch die Polizistin beleidigt und deren Dienstwagen angefahren und ist deshalb ziemlich außer sich, als das Gericht ihr eine Strafe aufbrummt: Aus rein erzieherischen Zwecken muss sie sich ein paar Wochen auf der Insel Gwynfaer bei Island aufhalten und dort im Dorftheater Regie führen. Gleich nach den ersten Zeilen wird klar, dass es sich bei der Protagonistin Gretchen Morgenthau um ein ganz besonderes Persönchen handelt. Eventuell auf ihre sehr spezielle Art sympathisch, aber im Grunde doch ein ziemliches Miststück und vor allem immer grundehrlich und direkt. Sie nimmt alles wörtlich, schlägt als Giftspritze ihre Gesprächspartner vor den Kopf, über- und untertreibt maßlos und kann sich ohne vor Sarkasmus triefenden Äußerungen gar nicht unterhalten. Obwohl ich mir sicher bin: Die meint das im tiefsten Inneren alles ernst. Fans von schwarzem Humor kommen hier auf jeden Fall nicht zu kurz, aber allzu sensibel sollte der Leser auch nicht sein. Einige Äußerungen könnten schon persönliche Grenzen überschreiten (siehe zum Beispiel Zitat 1 weiter unten). Für mich hat aber genau dieser Humor den Charme dieser Geschichte ausgemacht. Die Lektüre hat Spaß gemacht, hat mich an einigen Stellen sprachlos zurückgelassen oder vor Lachen gefährlich auf meinem Stuhl schwanken lassen. Doch es geht in diesem Buch, das zwar nach ihr benannt wurde, nicht ausschließlich um Gretchen. Es geht um Kultur, um Menschen, um Beziehungen. Auf der Vulkaninsel Gwynfaer lernen wir noch so einige weitere Persönlichkeiten kennen, die mit voller Wucht gegen unsere Frau Intendantin prallen, allen voran Kyell, der später von Gretchen zum persönlichen Assistenten auserkoren wird. Zu Beginn des Buches musste er noch den Kater Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, liebevoll auch Stalin genannt, kastrieren (ja, da gibt’s detailreiche Beschreibungen), weil der Inseltierarzt noch seinen Rausch ausschlief, später muss er Gretchen über die Insel führen, ihr Gepäck tragen und sie wieder gesund pflegen (schwerer Alkoholrausch). Es geht auch noch um Tule, ursprünglich mal Kyells Kumpel, jetzt Gretchens Regieassistent, der nun alle Plattitüden, die im Kulturbetrieb vorkommen könnten, in einem Satz nachplappert und jedes Stereotyp perfekt in sich vereint. Damit treibt er natürlich nicht nur Gretchen in den Wahnsinn, auch ich als Leser musste mich so unglaublich fremdschämen. So interessant die Charaktere hier auch sind, so froh bin ich, dass ich niemanden im echten Leben begegnen müsste. Das wäre garantiert nicht gut für den Blutdruck. Dazu kam leider noch ein kleiner Wermutstropfen: Zwar waren die Charaktere spannend und zugespitzt, aber leider auch ziemlich einseitig. Gretchen konnte zwar immer wieder überraschen, weil sie einfach total verrückt ist, doch ihr Sarkasmus war dann doch immer der Gleiche. Immerhin blieb sie sich bis zum Ende des Romans treu — und damit garantiert ein Charakter, der in Erinnerung bleibt.

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unbedingt lesen

Von: Eva

27.05.2015

Es gibt Bücher, die faszinieren mich noch ehe ich sie angefangen habe zu lesen. Nicht mal wegen des ersten Blicks, sondern weil ich erahne, was hinter ihnen steckt, welche Abgründe sich auftun können und welche Wortzaubereien mich gefangen nehmen können. So war das auch bei Gretchen von einzelkind, erschienen im November 2014 bei Heyne mit 240 Seiten. Gretchen Morgenthau ist die Frau Intendantin, im Ruhestand. Sie beherrscht die Welt, ob die Welt das nun will oder weiß - ist auch egal. Als sie es mal wieder zu bunt treibt wird sie kurzerhand in die Einöde verbannt, wo sie ein Theaterstück inszenieren soll. Dort trifft sie auf einen schleimenden Bürgermeister, einen überengagierten Pseudo-Kulturellen und einem Assistenten, der eigentlich nur eines will. Seine Ruhe. Ruhe ist es aber, was Gretchen auf den Tod nicht ausstehen kann. Und so ist eines vorprogrammiert: Jede Menge Theater. Der Autor einzelkind schafft mit seinem Pseudonym schon eine Inszenierung seiner Person. Auch Gretchen inszeniert vor allem eines: sich selbst. Von Theater hat sie gar nicht mal so viel Ahnung, wie zu vermuten wäre. Vom Leben auch nicht. Und doch ist das Buch ein grandioses Schauspiel in Prosa, eine Hommage an das Leben und die besonderen Figuren, die sich eigentlich kaum jemand ausdenken kann. Grandios ist auch der Stil, der zwischen knallharter Realität und unglaublichem Humor schwankt. Tränen, Lachen, Staunen, Erfahren. Absolut unsympathisch kommt Gretchen daher, ein Phänomen. Vielleicht will der Leser nur wissen, was auf sie zukommt, welche Hürden es gibt und welches Ende geschrieben ist. Ein Aufruf auch an unsere globale Welt, die so zusammengerückt ist. Immerhin ist auch das Inselchen, auf das Gretchen kommt, keineswegs vom Internet abgeschnitten. Nur die Menschen ticken noch anders – manche sogar total. Motivisch ist das Buch hoch interessant und eine wahre Freude für Literaturwissenschaftler wie mich. Mode ist da so ein Thema, großartig ausgearbeitet, immer mit dem Hauch des Paradoxen versehen. Oder die Vögel der Insel, von denen Gretchen einen rettet, pflegt und verhätschelt. Und natürlich das große Finale, der letzte Akt, auf den alles hinausläuft. Unbedingt lesen!

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Inhalt: Gretchen, Intendantin des Theaters, ist 75 Jahre alt. Allerdings verhält und fühlt sie sich um einige jünger. Durch ein kleines Missgeschick wird sie auf eine Insel geschickt, um dort mit den Inselbewohnern ein Theaterstück auf die Beine zu stellen. Das Cover ist recht schlicht. Im ersten Moment hat es mich etwas an Mary Poppins erinnert, aber davon ist die Geschichte natürlich um einiges entfernt. Gretchen ist eine ältere Dame, die vor fiesen Kommentaren und Hochnäsigkeit strotzt. Wie sehr sie Rosinen im Käsekuchen hasst, merkt man als Leser und vor allem das Cafe sehr schnell. Auch ein „Einbrecher“ lässt sie ziemlich kalt. Obendrein erhält dieser noch Tipps, wie er den Überfall besser gestalten könnte. Auf der Insel wird sie natürlich nicht sympathischer oder freundlicher. Die Einwohner sind alle zu dumm, bis auf vielleicht die ein oder andere Ausnahme. Zu viel möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, denn Gretchen ist schon einmalig in ihrer Art. Sprachlich konnte mich das Buch nur teilweise überzeugen. Der Schreibstil machte es mir unglaublich schwer, in das Buch hinein zu finden. Auch empfand ich die beiden Handlungsstränge, Gretchen und Inselbewohner, etwas holprig. Fazit: Bissige Kommentare, die die Menschen wahnsinnig machen und eine etwas hochnäsige alte Dame. Wer diesen Humor mag, ist bei diesem Buch genau richtig.

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Ironisch, snobistisch und schwarz

Von: Freya

21.05.2015

🎬Gretchen| einzelkind🎬 👉Inhalt Gretchen Morgenthau ist vielleicht schon in die Jahre gekommen aber das ist kein Grund um ihre snobistische und herrische Art abzulegen. Doch durch ein Missgeschick landet sie plötzlich zwischen Vulkanen und Schneehaufen in einem Dorf in Island und das nicht genug darf sie als ehemalige Theaterlegende mit den Bewohnern auch noch ein Stück einstudieren, dabei steht ihrem scharfen Mundwerk der elternlose Kyell zur Seite 👉Meinung Mit jeder Seite lacht man mehr über den herrlich zynischen und selbstironischen Schreibstil. Obwohl an manchen Stellen wohl übertrieben wurde, gehört es doch zu den wenigen Büchern, die noch einen eigenen "Charm" haben 👉Bewertung Buchcover ⭐⭐ 2|6 Schreibstil ⭐⭐⭐⭐⭐⭐ 6|6 Inhal ⭐⭐⭐⭐⭐ 5|6 Gesamt ⭐⭐⭐⭐ 4|6 ➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖➖

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Gretchen ist ganz wunderbar böse, sarkastisch und scharfzüngig. Wer den leicht bissigen Humor nicht verträgt und vor allem nicht versteht, sollte sich einem anderen Buch zuwenden. Alle anderen können es genießen, wie eine ältere Dame aus der Theaterwelt sich durch das Leben mit dem einfachen Volk „kämpft“. Ihre Kommentare sind trocken, arrogant, versnobt und dabei sehr unterhaltsam. Neben der Frau Intendantin gibt es noch die Inselbewohner von Gwynfear. Ein recht eigenwilliges, aber sehr interessantes Völkchen, die sich die Welt eher von außen anschaut und davon lernt. Jedoch hat es nicht das Bedürfnis in diesem Weltgeschehen mitzumischen. Diese zwei Handlungsstränge werden nun durch einen Richterspruch miteinander verbunden und so packt eine Frau Intendantin ihre Koffer, um den Inselbewohnern das Theaterspielen zu lehren. Einzlkind hat einen sehr unterhaltsamen und stark überspitzten Roman geschrieben. Mehrfach verwendet er Gegebenheiten aus der realen Welt und zeigt sie in überdeutlicher Form bzw. öffnet die Augen für einen andere Perspektive. Häufig wird die Welt des Theaters, der Show und dem Medienbusiness auf das Korn genommen. Es lohnt sich die Diskussionen zwischen den einzelnen Charakteren zum Thema Bühnenstück zu lesen. Herrlich überspitzt und doch so real. Es macht Spaß die Frau Intendantin zu begleiten und ihren Humor bis auf die letzte Seite auszukosten. Das Ende hat mich etwas überrascht, aber irgendwie war es auch schon wieder passend. Danke, an Einzlkind für die gute Unterhaltung…bis zum nächsten Buch.

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Aller Anfang ist schwer. Besonders, wenn man mit einer derartigen Fabulierkunst konfrontiert wird. Ehrlich, anfangs kam ich mir ein wenig überfordert vor, nicht nur wegen des intellektuellen Anspruchs, sondern auch, weil ich erst nicht verstand, worum es geht. Doch der Vorhang hebt sich, die Geschichte tritt auf die Bühne - und kam mir dann doch sehr bekannt vor. Gab es da nicht einen Film? Egal. Denn neben der Handlung lebt dieses Buch von den Charakteren, oder doch von der Sprache, die ebendiese zeichnet und mit Leben füllt. Wobei jeder Satz voller Ironie und Humor ist und ein Dauerlächeln hervorruft. Das Ende, nun, logisch ist es, aber nicht unbedingt... Es gibt Autoren, die beherrschen und benutzen Sprache auf eine Art, die ich zutiefst beeindruckt. Sie erzählen nicht unbedingt die besten Geschichten, manchmal sehr verkopft und weniger unterhaltsam oder phantasievoll, aber so überwältigend ausdrucksstark, dass es für wunderbare Lesestunden sorgt. Aber in 'Gretchen' gelingt es dem Autor durchaus, eine eher leichte Geschichte in ein Haute Couture Kleid zu stecken und mit einem leichten Duft zu parfümieren. Es hat einfach Spaß gemacht! Fazit? Ein Meisterwerk, das Sprache perfekt einsetzt

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