Leserstimmen zu
Dietrich Bonhoeffer

Charles Marsh

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Gibt es überhaupt etwas Neues zu erzählen über Dietrich Bonhoeffer, nach der opulenten Biographie seines Freundes Eberhard Bethge von 1967?? Ja! Eine gute Biografie, die Sie ergreifen und fordern wird. Sie werden Dinge über sich selbst erfahren und auch darüber, was Sie gerne sein möchten. Charles Marsh schreibt mehr als das Offensichtliche. Er geht in die Tiefe Wir lernen nicht nur in 14 chronologischen Kapiteln das Leben, die Entwicklungsabschnitte von Dietrich Bonhoeffer kennen. Bonhoeffer, verwöhntes Kind, faul für körperliche Arbeit, ein Liebhaber ausgedehnter Reisen, ein Mann mit Temperament, seine akademischen Beschäftigungen werden zusammen verwoben in einer mächtigen Prosa, die uns zeigt, wie ein Mensch das wird, was er wird. Hier erleben wir einen Bonhoeffer, einen Menschen, einen Mann, dessen Liebe zur Natur und einem feinen Smoking nicht im Widerspruch zu seinen Überzeugungen, die auf Kant, Hegel, Barth und anderen fußen, steht. Sie bekommen ein vollständiges, facettenreiches Bild, dieses charismatischen Pfarrers, brillanten Theologen, engagierten Ökumeniker, Dissidenten und Anti-Nazi-Verschwörer, dessen Tod im Alter von neununddreißig ein Leben beendete, das viel versprochen hätte. Für meinen Begriff die einzige Schwachstelle: zahlreich Spekulationen über die Art Bonhoeffers Beziehung zu Eberhard Bethge, sein Freund und im Prinzip Empfänger seiner theologischen Briefe aus dem Gefängnis. Charles Marsh zeigt eines ganz deutlich: der "echte" Bonhoeffer war wesentlich komplexer als viele frühere Biographien es erkennen lassen. Er zeigt die theologischen und ethischen Spannungen von Dietrich Bonhoeffer und hilft uns, seine christliche Berufung besser zu verstehen. Das Leben von Bonhoeffer ist tiefgründig. Er war brillant, er war leidenschaftlich, er war treu, er hatte überzeugt. Aber wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel gefordert. Charles Marsh stellt Dietrich Bonhoeffer anhand seiner im Nachlass lagernden Tagebücher, Fotos und Unterlagen als Suchenden und Zweifelnden dar. So entsteht eine detailreiche, lebendige Lebensbeschreibung Dies ist eine hervorragende Arbeit. Nicht nur vom Inhalt her, sondern auch vom Schreibstil. Charles Marsh hat eine solch erzählende Qualität, dass es ein Vergnügen ist, dieses Buch zu lesen. Die Erzählung bewegt sich in einem rasanten Tempo und ist immer überzeugend. Sie liest sich fast wie ein Roman. Für alle, die wirklich echte Biographien bevorzugen, Biographien, die ungefiltert das Leben eines Menschen mit menschlichen Schwächen und Sehnsüchten darstellen.

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Autsch

Von: G. Hanser aus Berlin

13.04.2015

Das wird dem einen oder anderen aber gar nicht gefallen. Bonhoeffer als "möglicherweise schwul" zu bezeichnen, ist schon ein starkes Stück für alles, was wir bisher an Glorifizierung angenommen haben. Aber für alle, denen jetzt erschreckt die Haare zu Berge stehen: Marsh hat das was er hier schreibt, nie als neues Dogma hingestellt, sondern als eine neue Sichtweise, die uns heute klarer und denkbarer erscheint als noch vor einigen Jahren. Auch, schreibt Marsh, dass die Beziehung zwischen Bethge und Bonhoeffer nie über eine Männerfreundschaft hinaus gegangen sei, was dann ja viele Leserinnen und Leser hoffentlich wieder mit dem Gedanken versöhnt, dass Bonhoeffer nicht nur der strahlende Held gewesen ist ... und das die große Liebe zu der viel jüngeren Maria von Wedemeyer vielleicht nur der Ersatz für etwas nicht Erreichbares war oder ggf. nur aus Pflichtgefühl oder Konsequenz entstand ... Mein Fazit: Ich habe es gerne gelesen und fand die neuen Ansätze spannend und nachvollziehbar ...

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