Leserstimmen zu
Runas Schweigen

Vera Buck

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Vera Buck feierte mit Runa ihr Debüt im Limes Verlag. Jetzt ist die Geschichte um Runa als Taschenbuch im Blanvalet Verlag unter dem Titel Runas Schweigen erschienen. Für mich ein Glück, weil ich so auf das Buch aufmerksam wurde. Denn mich konnte das Buch überzeugen! Dabei lag es an einer Kreuzung zwischen dem Inhalt, der Realität der damaligen Forschung, und der Erzählweise der Autorin. Im Klappentext wird von Jori erzählt, weshalb ich dachte, dass es in erster Linie alleine um ihn gehen wird. Oh, wie falsch ich lag! Die Autorin hat ein regelrechtes Netz aus Personen und Erzählsträngen gewoben, womit sie den Leser regelrecht ans Buch fesselt. Was hat Person X mit Person A zu tun und wie passt L da rein? Man lernt so viele unterschiedliche Charaktere kennen, wo zumindest ich mich nicht entscheiden konnte, welchen ich am faszinierendsten fand. An der Stelle gebe ich euch mal einen Hinweis: Wenn ihr das Buch lest, achtet mal genau auf die Erzählweise der Personen. Und dann auch noch die Thematik im Allgemeinen. Dabei ist es eindeutig nichts für schwache Nerven. So kam ich beim Lesen an meine Grenzen, was sich in einigen Nächten tatsächlich in meinem Schlafverhalten wieder fand. Diejenigen von euch, die also nichts von der Salpêtrière und der allgemeinen Hysterieforschung der damaligen Zeit wissen – lest euch mal ein bisschen ein (dazu gibt die Autorin am Ende des Buches auch Literaturhinweise – thanks for that!). Wie mein Freund sagen würde: „Harter tobak.“ Dieses Buch ist eine Empfehlung an die ganz harten Thrillerfans hier. Diejenigen, die so richtig schön kranke Inhalte gerne lesen (und denen es nicht juckt, dass solche Dinge – wenn auch vielleicht nur im entferntesten – tatsächlich passiert sind).

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Vera Buck vereint in ihrem Debütroman „Runa“ spannende Fiktion mit schockierender Realität, um die Abgründe der Wissenschaft anschaulich und authentisch darzustellen. Basierend auf historischen Fakten und Persönlichkeiten der Medizingeschichte, entführt sie den Leser an das Hôpital de la Salpêtrière in Paris, welches Ende des 19. Jahrhunderts als Europas berühmteste Nervenheilanstalt und Zentrum der modernen Neurologie galt. Die öffentlichen Vorlesungen des renommierten Neurologen Dr. Jean-Martin Charcot, in denen er Experimente an hysterischen Patientinnen durchführt und deren Anfälle zur Schau stellt, sind wahre Publikumsmagnete und das gesellschaftliche Ereignis in Fachkreisen. Als Leiter der Salpêtrière Klinik verfügt Dr. Charcot über eine unerschöpfliche Anzahl an Versuchspersonen, mit denen er seine Hypnose-Vorführungen inszenieren und fragwürdige Forschungsmethoden erproben kann. Als jedoch das neunjährige Mädchen Runa in einer von Charcots Vorlesungen den grausamen Behandlungsmethoden trotzt und völlig apathisch und regungslos bleibt, wittert der Schweizer Medizinstudent Jori seine Chance, an den begehrten Doktortitel zu gelangen. Runa wird ihm als Forschungsobjekt zur Verfügung gestellt, damit er ihr den Wahnsinn aus dem Gehirn operieren kann. Das dies die erste erfolgreiche Hirnoperation am lebenden Menschen in der Medizingeschichte sein könnte, spielt dabei für Jori keine Rolle. Der Erfolg des Eingriffs ist ihm in erster Linie aus privaten Gründen wichtig. Die Rahmenhandlung des Buches strickt sich um den jungen Medizinstudenten Jori, der sowohl sein berufliches als auch privates Ziel an der Salpêtrière zu finden hofft. Dort begegnet er vielen bekannten Persönlichkeiten, unter anderem Charcot, Bleuler, Babinski oder Tourette, die Vera Buck perfekt in Szene setzt. Dabei bleibt sie mit den Figuren immer dicht an wahren historischen Begebenheiten und ich hatte bei eigenen Recherchen zwischendurch oft die Angst, mich selbst mit dem einen oder anderen Artikel zu spoilern. Nebenbei laufen weitere Handlungsstränge mit fiktiven Figuren ab, deren Geschichten so unterschiedlich und belanglos auf die Haupthandlung erscheinen, dass ich das Buch fast abbrechen wollte und jedes Mal froh war, wenn die Geschichte rund um Jori fortgeführt wurde. Aber da hilft nur eins – unbedingt durchhalten! Denn auch wenn das Buch einen relativ langen Vorlauf braucht, verknüpft sich am Ende alles zu einem großen Ganzen und haut einen aus den Socken. Die Autorin haucht ihren Charakteren mit verschiedenen Redewendungen und Eigenarten soviel Leben ein, dass sie unglaublich authentisch wirken und kein Zweifel daran besteht, welcher Figur man nach einem Perspektivwechsel folgt. In diesem Zuge muss ich neben dem Protagonisten Jori, der mit dem näher rückenden Operationstermin von Runa eine fast brüderliche Beziehung zu ihr aufbaut und immer größer werdende Zweifel an der Wissenschaft hegt, besonders den ehemaligen Polizeiinspektor Lecoq hervorheben. Auf eigene Faust ermittelt er in einem mysteriösen Mordfall, obwohl er nach neuesten Erkenntnissen der Physiognomie eher zu einer Verbrecherkarriere neigt. Ein großartiger Charakter! Vera Buck kreiert mit Paris eine detailreiche und stimmungsvolle Kulisse, die im harten Kontrast zu der trostlosen Atmosphäre der überfüllten Krankensäle und kalten Operationsräume steht. Schonungslos beschreibt sie brutale Behandlungs- bzw. Foltermethoden, die im Dienste der Wissenschaft geschehen. Ihre Beschreibungen wirken weniger eklig, lassen den Leser aber schockiert und fassungslos zurück. "Man kam nicht her, um zu genesen, sondern um zu sterben." Im Endeffekt eine unglaublich gut recherchierte, stimmige und genreübergreifende Geschichte, die mich umgehauen hat. Die Handlungsstränge laufen am Ende so geschickt zusammen, dass ich über den langatmigen Vorlauf definitiv hinweg sehen kann. Eine klare Leseempfehlung und mein März-Highlight.

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Gänsehaut pur!

Von: Lesewahn

12.09.2017

Vera Buck schildert auf grauenhafte, aber authentische Art und Weise die Umstände während des 19.Jahrhunderts in einer Nervenheilanstalt. Interessierte Leser können problemlos online über die verschiedenen Charaktere recherchieren was das ganze noch echter macht - auf eine gänsehaut verursachende Art und Weise! Wer "Runa" lesen möchte braucht starke Nerven, aber wenn man sich dazu überwunden hat erwartet einen eine außergewöhnliche historische Geschichte.

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Dass der Medizinthriller „Runa“ ein sehr gut recherchierter Roman ist, bemerkt man von der ersten Seite an. In ihrem Debüt baut Vera Bruck eine vielschichtige Story um den jungen Medizinstudenten Jori auf, der sich im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts und damit im damaligen Zentrum von abendländischer Medizin, Hysterieforschung und Psychiatrie aufhält. Aus der Sicht ihrer unterschiedlichen Figuren erzählt sie „Runa“ in verschiedenen Handlungssträngen und verwebt dabei historische Fakten mit einer fiktionalen Handlung. Sie gibt einen treffenden Einblick in die Frühzeit der Neurochirurgie und zeigt, wie hilflos, brutal und menschenverachtend die Doktoren wenige Jahre vor Sigmund Freuds bahnbrechenden Erkenntnissen mit ihren Patientinnen umgingen. Natürlich bleibt die Spannung nicht an allen Stellen des über das 600 starken Werkes gleich hoch, doch Brucks Schilderung der damaligen “Heilungs”-Methoden und des Umgangs mit den psychisch kranken Menschen sind so packend, dass sich der Griff zu „Runa“ auf alle Fälle lohnt.

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Lange habe ich mit der Rezension zum Buch "Runa" gewartet, denn ich wollte einfach noch wissen was meine Oma dazu sagt. Die Charaktere und die Geschichte sind gut ausgearbeitet und es ist schockierend was in der damaligen Zeit passiert ist. Mich hat die Geschichte leider nicht so gefesselt, meine Oma hingegen schon! Sie war total begeistert und hatte das Buch innerhalb zwei Tagen durch. Da kommen eben wieder die verschiedenen Geschmäcker zum Vorschein, was auch gut so ist! Ich weiß nicht genau woran es lag, dass mich Runa nicht ganz in seinen Bann ziehen konnte, da das Thema wirklich interessant ist aber umgehauen hat es mich eben leider nicht. Nichtsdestotrotz kann ich es empfehlen, denn wie schon gesagt, das Thema ist spannend und der Schreibstil ist flüssig. Letztendlich ist es für alle was die gerne historisch lesen und sich auch mal mit der früheren Medizin und vor allem der menschlichen Psyche befassen möchten!

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Leseerlebnis: Bei historischen Nervenheilanstalten kann ich nicht anders als gleich an American Horror Story Asylum zu denken. Zu sehr hat sich dieses Bild von den armen „Verrückten“ gebrannt die ohne die Möglichkeit sich zur Wehr zu setzen für die Medizin ausgenutzt worden sind. Und auch als ich den Klappentext zu Runa gelesen habe, hatte ich gleich dieses Bild im Kopf. Weswegen ich mehr al gespannt auf dieses Buch gewesen bin. Leider ist der Anfang des Buches ein wenig zäh, es wird zunächst ziemlich viel beschrieben und mit Medizinischem Vokabularium sich geworfen von dem ich nur wenig verstehe und persönlich auch nicht gebraucht hätte. Diese Einführung zieht sich leider auch etwas in die Länge, so dass die eigentliche Handlung ein wenig auf sich warten lässt. Kurz um, ich habe wirklich lange gebraucht um in dieses Buch rein zu kommen, und war kurz davor es abzubrechen. Aber die Neugierde war dann doch größer und so habe ich weiter gelesen und was dann kam, hat mich zugleich abgestoßen als auch fasziniert. Die Geschichte besteht aus verschiedenen Erzählsträngen, welche sich nach und nach immer mehr verbinden und ein einheitliches Bild ergeben. So wird einem im Verlauf des Buches einiges klarer, obwohl es immer wieder verwirrende Momente gibt und man denkt man verliert die Übersicht. Erzählt wird dieses aus verschiedenen Perspektiven, so dass man als Leser einen guten Eindruck von den verschiedenen Charakteren bekommt, aber auch immer leicht verunsichert ist, welche Sicht jetzt die richtige ist, wer wie viel weiß und wer eventuell nicht die Wahrheit sagt oder denkt. Die Hauptcharaktere sind zum einen Jori, ein Medizin Student aus der Schweiz, welcher für seine Desertation nach Paris an die Salpêtrière-Klinik kommt um sich die Forschungen des berühmten Dr. anzusehen und zum Bestandteil seiner Arbeit zu machen. Nach und nach wird er immer selbstsicherer und das obwohl ihm besonders Runa, eine Patientin welche er besonders unter Beobachtung hat und als Versuchsobjekt benutzt ihm mehr oder weniger Probleme bereitet. Runa ist anders als die anderen Patienten in der Klinik und sie macht den Angestellten mit ihrer Art Angst. Zusätzlich scheint sie alles Mögliche zu wissen und weiß dieses Wissen auch einzusetzen. Eine weitere Hauptperson ist der ehemalige Inspektor Monsieur Lecoq, welcher sich nun selbst als Verbrecher versucht und dabei auf seine Erfahrungen als Jäger des Verbrechens zurückgreift. Er ist der festen Überzeugung er könne einer Person direkt ansehen, ob sie einen drang zum Schlechten hat. Auf eigene Faust beginnt er dann zu ermitteln, als es zu einem Mordfall kommt. Der Schreibstil ist zunächst gewöhnungsbedürftig, wird aber nach und nach, wenn man sich daran gewöhnt hat immer flüssiger. Dabei werden auch die Beschreibungen immer detaillierter und gerade wenn es um einige Patienten und „Behandlungs-Methoden“ in der Klinik geht ist dies manchmal nicht von Vorteil. Da braucht man dann selbst gute Nerven und einen starken Magen. Fazit: Wenn man es schafft sich durch den Anfang des buches zu lesen und sich auf diesen etwas anderen historischen Roman einlässt, dann wird man für seine Mühen definitiv belohnt. Das Buch ist dunkel und Geheimnisvoll und umso mehr man in die Geschichte eintaucht, umso mehr möchte man erfahren, auch wenn man hinter eventuell einige Dinge lieber nicht gelesen hätte. Dieses Buch ist dabei eindeutig keine seichte Kost und nichts was man mal zwischendurch zur Unterhaltung liest. Nein dieses Buch erfordert durchhalte vermögen und Konzentration.

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Runa

Von: Hauntedcupcake

30.12.2015

Inhalt: Paris 1884: In der Nervenheilanstalt Salpêtrière führt der renommierte Arzt Dr. Charcot Experimente an den geistig verwirrten Insassinnen durch und hält gut besuchte Vorträge. Zu seinen treusten Anhängern gehört auch der junge Schweizer Medizinstudent Jori. Dann wird ein ganz besonders krankes Mädchen, Runa, eingeliefert und Jori wittert seine Chance, endlich seinen Doktortitel zu erhalten. Unter Charcot's Fuchtel und mit Hilfe des Neurologen Dr. Luys will er wagen, was bisher noch niemand gewagt hat: er will das Mädchen heilen, indem er ihm am Hirn die Teile wegoperiert, die es so aggressiv und geisteskrank machen. Meine Meinung: Was lange währt, wird endlich gut. Oder: Wie ich Ewigkeiten brauchte, mich in die Geschichte einzufinden und dann einfach ohne Vorwarnung von ihr mitgerissen wurde. Vornweg sei erwähnt, dass dieses Buch eine Art medizinisch-historischer Psychothriller ist, also ganz und gar nicht das Genre, das ich sonst lese. Dennoch hat mich die Inhaltsangabe ganz besonders gelockt und so habe ich mich an "Runa" versucht. "Runa" braucht etwas, bis man mit ihm warm wird, aber dann nimmt es einen vollkommen gefangen. Der Schreibstil der Autorin ist aussergewöhnlich, bildhaft, gewaltig. Wo mich andernorts lange Sätze oft ärgern oder einen faden Nachgeschmack der Verwirrung hinterlassen, sind sie hier perfekt platziert und sorgen dafür, dass der Leser gefesselt wird. Die Geschichte beginnt langsam, seicht, plätschert etwas vor sich hin und schmeisst erst mal mit medizinischen Fakten um sich. Für Interessierte sicherlich auch spannende Passagen, allen anderen wird es hier wohl schon ablöschen. Nach und nach entwickelt sich dann aber eine Story die Richtung Krimi ja gar Psychothriller geht, immer verbunden mit der Geschichte der Medizin. Geschrieben aus verschiedenen Perspektiven halten mal kürzere, mal längere Kapitel den Lesefluss am laufen. Mal wird hier eine Szene beleuchtet, mal da, zu Beginn wirkt dies etwas verwirrend, doch am Ende führt alles zusammen. Nach und nach werden die Abgründe der medizinischen Forschung erkundet, äusserst gekonnt schafft die Autorin hier einen ganz besonderen Spannungsbogen, der einen über Kapitel hinweg zum Höhepunkt leitet. Dieser hat mich dann nicht ganz so umgehauen, wie erwartet, dennoch hinterlässt "Runa" bleibenden Eindruck. Charaktere: Die Kapitel werden abwechslungsweise aus verschiedenen Perspektiven geschrieben. Hier seien die Wichtigsten genannt: Johann Richard Hell, genannt Jori, Schweizer Medizinstudent auf der Suche nach dem perfekten Thema für seine Doktorarbeit und nach Heilung für seine heimliche Liebe, die ebenfalls wegen Hysterie in Behandlung ist. Er entwickelt sich vom unsicheren Jungen, vom Mitläufer und Mauerblümchen zu einem selbstbewussten Mann. Diese Entwicklung ist der Autorin sehr gut gelungen. Wo mir Jori zu Beginn nicht sehr sympathisch war - sei es weil er kaum Rückgrat hatet oder weil er die Wahrheit nicht sehen mochte - ist er gegen Ende zu meinem Lieblingscharakter geworden. Monsieur Lecoq, ehemals Kommissar und nun Verbrecher von Beruf. Ein heruntergekommener Zeitgenosse, der zu viel raucht und trinkt und überzeugt ist, dass er seit Geburt zum Verbrecher prädestiniert ist. Er beginnt mit den Ermittlungen in einem Mordfall und wir dabei scharf beobachtet von der Polizei und kommt schneller voran, als gut für ihn ist. Runa, deren wahrer Name und Herkunft unbekannt ist. Sie ist die neuste und auch jüngste Patientin in der Nervenheilanstalt Salpêtrière und Versuchsobjekt von Jori. Doch Runa ist anders, so viel anders, und die Leute - Insassen der Anstalt wie auch Angestellte und Besucher - beginnen eine ausgewachsenen Angst vor dem dürren Mädchen zu entwickeln. Die Geschichte trumpft mit ganz besonderen Charakteren auf. Neben den oben genannten sind weitere, tiefgründige Personen erwähnt sowie auch wichtige Persönlichkeiten aus der Medizingeschichte anzutreffen, Dr. Charcot, Dr. Luys, Dr. Burq, alle führende Ärzte auf ihren Fachgebieten. Alle auf ihre eigene Art und Weise wichtig für diese Geschichte. Setting: Die Geschichte spielt rund um und im Paris von 1884. Armut ist vorherrschend, Missgunst und Misstrauen sind ständig und überall anzutreffen. Der Autorin ist es wirklich gelungen, überall diese ganz besondere Stimmung heraufzubeschwören. Dieses Düstere, das über dem ganzen Setting hängt. In der Nervenheilanstalt Salpêtrière kommt Beklommenheit auf, auf den Strassen von Paris fühlt man sich beobachtet und in den Katakomben stockt einem fast der Atem. Fazit: Die eine oder andere Länge hat mich hier beim Lesen etwas behindert, aber im Grossen und Ganzen bin ich wirklich überzeugt worden. Vor allem weil ich mich für medizinische Themen interessiere und auch viel Freude an einem guten Thriller habe. Die Einsicht in die damals üblichen medizinischen Methoden waren gleichermassen faszinierend wie auch abstossend und schockierend. Manchmal musste ich das Buch tagelang zur Seite legen, weil ich nicht mit dem Inhalt klar kam. "Runa" ist ein durch und durch gelungenes Werk, aber definitiv nichts für schwache Nerven und sanfte Gemüter!

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Klappentext "Man kam nicht her, um zu genesen, sondern um zu sterben." Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis … Normalerweise greife ich nur sehr, sehr selten zu historischen Romanen. "Runa" machte mich jedoch neuierig. Das geheimnisvolle Cover gefällt mir ausgesprochen gut und erregte sofort meine Aufmerksamkeit. Nicht anders ging es mir mit dem Klappentext. Auch diesen finde ich, besonders im Zusammenspiel mit dem Cover, sehr gelungen. Schnell war für mich klar: Dieses Buch muss ich lesen. Ich merkte bereits auf den ersten Seiten, dass ich ein besonderes Buch in den Händen hielt. Das Buch zog mich sogleich in seinen Bann, seine Atmosphäre umfasste mich schlagartig und so dauerte es nur wenige Seiten, bevor ich das erste Mal eine Gänsehaut bekam. Vera Buck hat einen unglaublichen Schreibstil und setzt diesen auch geschickt zur Zeichnung von Orten und Personen ein. Je nach Perspektive änderte sich auch der Schreibstil, wodurch man die verschiedenen Handlungssträge sehr gut auseinanderhalten kann. Dazu gefiel mir auch die Sprache sehr, sehr gut und ich konnte kaum glauben, dass es sich bei Runa um einen Debütroman handelte. Die Charaktere konnten mich vor allem deshalb begeistern, weil sie weder gut noch böse waren. Dies trifft zumindest auf Jori und Lecoq (mein Favorit in diesem Buch!) zu. Die Charaktere sind unglaublich vielschichtig und wirken daher auch besonders authentisch. Jori, der Protagonist, war mir zu Beginn nicht besonders sympathisch. Er vergötterte im Stillen den grausamen Nervenarzt Charcot und hinterfragte dessen Handeln nicht. Doch während des Buches macht Jori eine sehr spannende Entwicklung durch, in welcher er zu Hinterfragen beginnt. Wie bereits erwähnt konnte mich das Buch von der ersten Seite packen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Begeisterung nach ca. 80 Seiten ein wenig nachlies. Zu Beginn gab einfach vieles (gewollt!) keinen Sinn. Ich las von verschiedenen Charakteren, wobei Joris Geschichte den größten Platz einnahm, die auf den ersten Blick rein gar nichts miteinander zu tun hatten. Ich fragte mich, wann diese sich endlich über den Weg laufen würden. Nach und nach wurden die Geschichten geschickt miteinander verwoben und ab der Hälfte konnte mich "Runa" wieder begeistern. Das Ende von "Runa" lies mich ein wenig enttäuscht zurück, denn eine "Sache" blieb zum Schluss offen. Gerne hätte ich noch mehr über die verschiedenen Charaktere erfahren. Zum Genre: Da ich nun schon öfter gelesen habe, dass jemand sich fragte, ob das Buch auch für ihn geeignet sei, möchte ich gerade zu diesem "gefürchteten Grusel" und dem Genre ein paar Sätze los werden. Ich lese Krimis, ich lese Thriller. Wer nur schwer von Gewalt lesen kann, sollte von "Runa" die Finger lassen. Nur, weil die Geschichte um "Runa" Fiktion ist, gilt dies leider nicht für die medizinischen Gebräuche des späten 19. Jahrhunderts. Und diese Gewissheit war für mich der wahre Grusel: Das Wissen, das ein "Sex Baton" oder eine "Ovarienpressen" nicht der Fantasie der Autorin entsprungen sind. Fazit: Ein Buch, das mich während des Lesens zum Nachdenken brachte. Selbst jetzt, drei Wochen nach der Beendung des Buches, bin ich immer noch fasziniert von der Geschichte.

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