Leserstimmen zu
Ein ganzes Leben

Robert Seethaler

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„Er hatte niemanden, doch er hatte alles, was er brauchte, und das war genug.“ Andreas Egger, die Hauptfigur in Robert Seethalers Roman ist ein einfacher Mann. Einer, der nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Er hat keine Eltern, aber einen Onkel, der ihn aufnimmt. Er hat kein Geld, keinen Luxus, aber seine Berge. Und er hat Marie. Die sanfte Kellnerin, in die er sich unsterblich verliebt. Die, die nach Heu, Seife und ein bisschen nach Schweinebraten riecht. Eggers Leben scheint ab der Begegnung mit Marie perfekt zu sein. Die Arbeit als Tagelöhner im Bergbau, das Herstellen moderner Seilbahnen und seine große Liebe. Aber dann geht eine Lawine herunter und nimmt ihm die Frau. Die Natur ist stärker. Egger zieht in den Krieg, an die Ostfront. Er findet nichts Besseres. Aber er kehrt unversehrt in sein Heimatdorf zurück. Als einer der wenigen. Zurück an seine Berge. „Ein ganzes Leben“ ist ein kluges Buch. Ein Roman, der ein minimalistisches und zugleich lebenswertes Leben beschreibt. Mit kleinem Glück und großem Unglück. Ein Roman gegen die Globalisierung. Ein Roman für die große Liebe. Ein Roman, der hervorhebt: Leben und Tod bilden einen Kreislauf. Ohne große Worte schafft Robert Seethaler einprägsame Szenen, eine metaphorische Dichte, um eine Figur, mit der man Mitleid hat, die aber zeigt: Das Wenige ist so besonders.

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Düster und ziemlich morbid.

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Dieses dünne (und groß gedruckte) Buch beschreibt ein ganzes Leben, das des Andreas Eggers. An einem nicht genau bekannten Tag etwa 1898 wird er geboren und verbringt sein Leben fast ununterbrochen in einem österreichischen Bergdorf. Nach dem Tod der Eltern wächst er als Ziehsohn eines gewalttätigen Bauern auf. Das Erzähltempo dieses Romans ist langsam. Genauso langsam, wie Eggers Leben ereignisarm dahin geht. Sein Dasein ist zeitlebens von harter körperlicher Arbeit in der Natur geprägt. Doch Eggers ist anspruchslos und so stört es ihn nicht. Die diversen Schicksalsschläge, die ihn treffen, nimmt Eggers gleichmütig hin. Zwar legt sich irgendwann eine gewissen Traurigkeit über seine Seele. Aber im Großen und Ganzen ist er zufrieden mit der kargen Bergwelt und seinem Leben. "Ins Wirtshaus ging er selten und mehr als eine Mahlzeit und ein Glas Bier gönnte er sich nie. Er verbrachte kaum eine Nacht im Bett, meistens schlief er im Heu, auf Dachböden, in Kammern und Ställen neben dem Vieh. Manchmal, in lauen Sommernächten, breitete er irgendwo auf einer frisch gemähten Wiese eine Decke aus, legte sich auf den Rücken und blickte zum Sternenhimmel hinauf. Dann dachte er an seine Zukunft, die sich so unendlich weit vor ihm ausbreitete, gerade weil er nichts von ihr erwartete. Und manchmal, wenn er lange genug so dalag, hatte er das Gefühl, die Erde unter seinem Rücken würde sich ganz sachte heben und senken, und in diesen Momenten wusste er, dass die Berge atmeten." (S. 34) In seine Lebenszeit fallen diverse geschichtliche Ereignisse, etwa der zweite Weltkrieg, in dem er kämpft, oder die Mondlandung der Amerikaner. Aber diese Dinge scheinen Eggers nur am Rande zu streifen. Sie tangieren ihn kaum, solange er nur am Leben bleibt. Nicht alle um ihn herum haben dieses Glück. Zu sehr seltenen Gelegenheiten nimmt Eggers das Fernsehen zur Kenntnis, welches ihm die große Welt zeigen könnte. Aber mit Ausnahme der Mondlandung nimmt er diese Möglichkeit nicht wahr. Er braucht die große Welt nicht. Der Roman lässt die Leserin eintauchen in den gleichförmigen Gemütszustand des wortkargen, naturverbundenen Mannes. Unspektakulär wie sein Leben plätschert auch der Roman dahin. Das Buch lässt sich gut lesen, hinterlässt aber bei mir keinen großen Eindruck.

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Ein Buch das tief bewegt

Von: Gaby aus Wien

02.02.2018

So bewegend und berührend, dass ich hier (auch an den Autor) schreiben MUSS . Weltschmerz und Erbarmen mit einer Menschenseele, einer scheinbar seelenlos funktionierende Kreatur. Vom Leben ungeliebt, aus dem nichts gekommen, da gewesen, wieder verschwunden aus dem Leben. Und dennoch: in der Einfachheit nichts und doch ALLES. So viel in einem kleinen Buch, das mich noch lange beschäftigt. DANKE

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"Eggers Aufgabe bestand darin, in einem Holzsessel sitzend, das nur mit einer Sicherungsleine und einem per Hand bremsbaren Rollmechanismus an den Stahlseinen befestigt war, langsam talwärts zu rutschen, die Seile und Trägergelenke von Staub, Eis oder verkrustetem Vogelmist zu befreien und sie anschließend mit frischem Öl zu schmieren. Niemand riss sich um diese Aufgabe, es hatte sich herumgesprochen, dass in den Jahren zuvor zwei Männer, beide erfahrene Kletterer, abgestürzt und zu Tode gekommen waren, sei es aus Unachtsamkeit oder wegen eines Materialfehlers oder einfach nur wegen des Windes, der die Stahlseile manchmal meterweit nach beiden Seiten schwingen ließ. Aber Egger hatte keine Angst. Er wusste, sein Leben hing an einer dünnen Schnur, doch sobald er einen Träger erklommen, den Rollmechanismus angebracht und die Sicherheitskarabiner eingehakt hatte, fühlte er, wie es in ihm ruhig wurde und wie sich die wirren und verzweifelten Gedanken, die sein Herz wie eine schwarze Wolke umhüllten, in der Bergluft nach und nach auflösten, bis nichts mehr übrig blieb als reine Traurigkeit." Am liebsten würde ich dir einfach nur zurufen: Kauf dieses Buch, es ist super; und du würdest es kaufen, lesen und genauso lieben wie ich. Aber ich versuche es mit einer kurzen Beschreibung. Eine Lebensgeschichte eines Mannes in den Bergen. Ein Mann, den wir auf den Stationen seines Lebens begleiten. Seine Herkunft, die einzige Liebe seines Leben, seine Arbeit und der Krieg, das Dasein in einem Dorf in den Bergen und auch die Entwicklung des modernen Lebens, wie er Einzug hält in einem Dorf. Es sind schwere Momente und ein paar wenige schöne. Sie prägen ihn und formen ihn zu dem alten Mann, aus dessen Perspektive man zurückschaut. Es ist ein Rasen im Eil(lese)tempo durch die Tage und Zeiten. So leicht auf nur knapp über 150 Seiten erzählt. Seethaler zeigt, dass das Leben vielleicht gar nicht so komplex ist, wie wir oft glauben. Manchmal aber kompliziert und gleichzeitig so einfach. Es sind Worte wie diese, die mich berühren: "Für einen Augenblick horchte er in den lautlos fallenden Schnell hinaus. Die Stille war vollkommen. Es war das Schweigen der Berge, das er so gut kannte und das doch immer noch imstande war, sein Herz mit Angst zu füllen. Dann dachte er an seine Zukunft, die sich so unendlich weit vor ihm ausbreitete, gerade weil er nichts von ihr erwartete. Und manchmal, wenn er lange genug so dalag, hatte er das Gefühl, die Erde unter seinem Rücken würde sich ganz sachte heben und senken, und in diesen Momenten wusste er, dass die Berge atmeten." Seethaler verpackt diese traurige Geschichte in einfache Worte und schafft damit eine Distanz zum Erlebten und eine Leichtigkeit, die im Kontrast zu dem Leben des Protagonisten steht. Es ließ mich hinterfragen, wie ich mein Leben gestalte und wie mein eigenes Konzept von Glück aussieht. "Egger nahm alle diese Veränderungen mit stiller Verwunderung hin. Nachts hörte er in der Ferne das metallische Knarren der Metallstreben entlang der Hänge, die jetzt Pisten hießen, und morgens wurde er oft vom Lärmen der Schulkinder hinter der Wand am Kopfende seines Bettes geweckt, das schlagartig abriss, sobald der Lehrer das Klassenzimmer betrat. Er erinnerte sich an seine eigene Kindheit, an die wenigen Schuljahre, die sich damals so unendlich lang vor ihm ausgebreitet hatten und die ihm jetzt kurz und flüchtig vorkamen wie Wimpernschläge. Überhaupt verwirrte ihn die Zeit. Die Vergangenheit schien sich in alle Richtungen zu krümmen und in der Erinnerung gerieten die Abläufe durcheinander beziehungsweise formten und gewichteten sich auf eigentümliche Weise immer wieder neu."

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Ein kurzes, sehr schönes Buch! „Ein ganzes Leben“ erzählt vom Leben des Andreas Egger, der in einem Tal in den Bergen Anfang des 20. Jahrhunderts lebt und dort, immer als Handlanger und Helfer unterwegs, zu einem Mann heranwächst. Er lernt seine große Liebe, Marie, kennen, schuftet sich wund, um ihr ein angenehmes Leben zu ermöglichen, und doch wird sie ihm eine Zeit später genommen. Egger meldet sich zum bis dahin bereits ausgebrochenen Krieg, verbringt Jahre in Russland, und als er wieder in sein Tal zurückkehrt, ist nichts mehr wie es war: Sein Dorf ist zu einem Touristen-Hotspot geworden und er mittlerweile zu alt, um mit all den Veränderungen mitzuhalten. "Egger nickte und der Prokurist seufzte. Und dann sagte er etwas, das Egger, obwohl er es in diesem Moment nicht verstand, sein Leben lang nicht mehr vergaß: „Man kann einem Mann seine Stunden abkaufen, man kann ihm seine Tage stehlen oder ihm sein ganzes Leben rauben. Aber niemand kann einem Mann auch nur einen einzigen Augenblick nehmen.“" Am Anfang hatte ich einige Schwierigkeiten, mich in der Welt von Andreas Egger zurecht zu finden, aber nach spätestens 50 Seiten ist man mittendrin. Robert Seethaler hat so eine wunderbare Sprache, die sich mir im Verlauf des Buches immer mehr offenbart hat. Egger ist ein genügsamer Mann, der nicht viel spricht und beim Arbeiten auch gern seine Ruhe hat, frei nach seinem Motto „Wer den Mund auf hat, dem gehen die Ohren zu“. Obwohl er in seinem Leben einige Steine in den Weg gelegt bekommt, schätzt er doch immer die kleinen Dinge. Da er so gut wie keine Schulbildung genossen hat, ist er auch nicht der Intelligenteste – dumm ist er aber auf keinen Fall! Egger hat durch seine lebenslange Arbeit und durch das Leben im Tal so viel an Weisheit gewonnen, dass man damit problemlos zwei Leben füllen könnte. Seethaler erzählt hier mit einem bildgewaltigen Erzählstil das Leben und Sterben eines Mannes, der den Wandel der Zeit miterleben durfte: von der Elektrizität und ersten Seilbahnen und seinem Tal bis hin zur Fernseh-Übertragung der ersten Mondlandung, Egger wird Zeuge des Fortschritts, zu dem er einst selbst noch beigetragen, für den er aber im Laufe seines Lebens nicht mehr viel übrig hat. Doch es geht nicht nur um den Fortschritt: es geht um ein erfülltes, ausgefülltes, und einfaches Leben, um Zufriedenheit und darum, dass jedes Leben, und sei es doch noch so karg und ereignislos, doch eine Erzählung wert ist. Ein tolles, kleines Buch, das ich eigentlich jedem ans Herz legen kann. Einzig wegen dem holprigen Start (der vermutlich an mir lag) gibt es Punktabzug (noch während ich die Zitate einpflege, habe ich die Bewertung von 3,5 auf 4 gehoben).

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"Meistens schwieg Egger während seiner Touren. "Wem das Maul aufgeht, dem gehen die Ohren zu", hatte Thomas Mattl immer gesagt, und Egger teilte diese Ansicht." In den letzten Tagen habe ich ein kleines, zartes, und doch die ganze Welt enthaltendes Buch Seite für Seite gelesen. Ich habe versucht, dabei behutsam vorzugehen und keinen Buchstaben zu übersehen, wirklich jeden Satz mit Respekt und Achtsamkeit zu lesen. So wie Robert Seethaler, der Autor, in Ein ganzes Leben, das Leben des einfachen Mannes Andreas Egger mit außergewöhnlichem Respekt und großer Hochachtung dem Leser ans Herz gelegt hat. Heute möchte eigentlich fast jeder, den ich kenne (ich selbst natürlich auch!), etwas besonderes sein. Es ist wie so ein Mantra der heutigen Zeit, dass man besonderes leisten muss, auffallen sollte, auf gar keinen Fall ein normales und einfaches Leben führen darf. Normal ist das neue gescheitert! Je älter ich werde, desto bewusster wird mir, wie hohl dieser Anspruch ist. Er geht an so vielem, das wesentlich ist, vorbei. Die Lektüre dieses kleinen Buches, das auf nur 185 Seiten so viel Leben entfaltet und würdigt, hat mich mit so etwas wie Demut erfüllt, Achtung auch, vor jedem einzelnen Leben. Andreas Egger kommt als vierjähriger in ein Bergdorf. Wir schreiben den Anfang des 20. Jahrhunderts. Er kommt zu einem Bauern, der ihn, den Sohn einer Schwägerin, nur aufnimmt, weil er einen Beutel mit ein paar Geldscheinen um den Hals trägt. Seine Kindheit ist von brutalen Schlägen und harter Arbeit gekennzeichnet. Sie zeigt aber auch schon, wie stark dieser Andreas Egger ist, der sich sein Leben lang von nichts und niemandem wird beugen lassen. Als er alt genug ist, verlässt er den Hof und heuert bei einer Firma an, die Seilbahnen baut. Die Arbeit ist hart und gefährlich. Er baut sich ein eigenes kleines Häuschen oben am Berg. Er lernt Marie kennen, und heiratet sie. Er wird eingezogen und muss in den Kaukasus, an die Ostfront, wo er noch viele Jahre nach dem Krieg in russischer Gefangenschaft verbringt. Er kehrt zurück in sein Dorf und wird Bergführer für Touristen. Am Ende seines Lebens wohnt er in einer Art Höhlenbau oben am Berg, mit Blick aufs Tal, und ist zufrieden, trotz der vielen Schicksalsschläge, obwohl sein Leben ein entbehrungsreiches und hartes gewesen ist. Es gab auch die Glücksmomente. Er wusste jeden einzelnen zu schätzen. Er haderte nicht mit dem Schicksal. Er nahm das Leben an, wie es sich ihm präsentierte, ohne auch nur einmal zu glauben, es stünde ihm etwas Besseres zu. Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich habe das Gefühl, aus einer Generation zu kommen, in der wir alle denken, es stünde uns immer etwas Besseres zu, eventuell sogar das Beste. Nichts ist gut genug, beglückend genug für uns. Die Sehnsucht nach einem tollen einem besonderen Leben ist gierig und kennt im Grunde keine Befriedigung. Wie viele zufriedene Menschen kenne ich? So richtig viele fallen mir nicht ein. Die Tatsache, das jedes Leben wertvoll ist, wurde in meiner Lebenszeit immer mehr interpretiert als: mir steht ein perfektes Leben zu. Andreas Egger war irgendwie zufrieden, gemeint hier als: im Frieden mit sich und der Welt, obwohl sein Leben nach heutigen Maßstäben hart war und er nicht viel erreicht hat. „Für seine Begriffe jedoch hatte er es irgendwie geschafft und dementsprechend allen Grund, zufrieden zu sein. Von dem Geld aus seiner Zeit als Fremdenführer würde er noch eine Weile gut leben können, er hatte ein Dach über dem Kopf, schlief in seinem eigenen Bett, und wenn er sich mit seinem kleinen Hocker vor die Tür setzte, konnte er seinen Blick so lange schweifen lassen, bis ihm die Augen zufielen und das Kinn auf die Brust kippte. Wie alle Menschen hatte auch er in seinem Leben Vorstellungen und Träume in sich getragen. Manches davon hatte er sich selbst erfüllt, manches war ihm geschenkt worden. Vieles war unerreichbar geblieben oder war ihm, kaum erreicht, wieder aus den Händen gerissen worden. Aber er war immer noch da.“ An noch etwas ließ mich dieses Buch sehr oft denken: an meinen Großvater, den ich hier einmal namentlich nennen möchte, weil er ein so wunderbarer Mensch gewesen ist, der ebenfalls ein hartes und entbehrungsreiches Leben geführt hat, der dabei immer ein offenes Herz behielt. Theodor Boddenberg, der mich gelehrt hat, ohne Worte, allein durch sein Tun, dass jedes menschliche Leben gleich viel Wert hat, egal, wie jemand aussieht, was jemand besitzt, woran er glaubt oder woher er kommt. Diese Lektion wurde nie ausgesprochen, aber sie wurde tagtäglich von ihm gelebt. Schon in den 60er und 70er Jahren war unser Haus immer offen für jeden, der neu ins Dorf kam oder schon ewig dort lebte. An unserem Küchentisch bekam der erste Portugiese genauso Kaffee, wie Nesme, die erste Türkin der Straße, in deren Hof am Feuer ich als Kind jahrelang täglich mit ihren kleinen Söhnen spielte und ich liebte es, dass sie den Hof mit einem Reisigbesen fegte, dass sie mehrere Röcke übereinander trug, dass sie aufgeregt schon am frühen Morgen an unsere Tür klopfte und weinend erzählte, wie in der Nacht eine riesige Ratte sie angefallen habe. Als Kind saß ich immer unter dem Küchentisch und spielte, während die Besucher, tagtäglich, Geschichten erzählten, oft mit Händen und Füßen, und Hilfe jeder Art bekamen: ein Stück Land, um endlich ein Haus bauen zu können, einen Job, Geld, einen Sack Kohlen für mau. Ich lernte, dass jedes Leben wertvoll ist. Ich ging niemals davon aus, das sich einmal in einer Zeit leben würde, in der das nicht mehr Konsens sein würde in Europa und den USA. Die letzten anderthalb Jahre haben mich diesbezüglich aufgeweckt. Vielleicht fällt mir deshalb mein Großvater so oft ein. Vielleicht wird mir deshalb erst jetzt diese seine große Lebenslektion so bewusst, dass ich sie in Worte fassen und ihn dafür ausdrücklich würdigen kann: Jeder Mensch ist wertvoll! Aber auch: Es ist wichtig, sich nichts zuschulden kommen zu lassen. Man hat die Verantwortung dafür, ein guter Mensch zu sein. Was das ist, da gibt es eigentlich wenig Diskussionsspielraum. Die zehn Gebote sind beispielsweise, geht man nach meinem Großvater, ein ganz guter Maßstab. Weil ich mich plötzlich in einer Welt wieder finde, in der der Wert eines menschlichen Lebens inflationär abnimmt, hier, wo ich lebe, bekomme ich manchmal Angst. Ein Buch wie das von Seethaler macht mir wieder Mut. So wie mir auch der Gedanke an meinemnen Großvater, der ebenfalls lange in Russland war, der viele Jahre gegen den Krebs gekämpft hat, der vieles von sei Hab und Gut an andere gegeben hat, der nicht einen Tag schlecht gelaunt war, der jedem geholfen hat, mir Mut macht. Jeder Mensch ist wertvoll! Ich möchte die Gelegenheit noch nutzen, ein weiteres Buch von Robert Seethaler zu empfehlen, welches ich im letzten Jahr gelesen habe: DerTrafikant. Leider kam ich nie dazu, es zu besprechen. Aber es ist ebenso wunderbar. Robert Seethaler ist für mich ein Meister darin, das Leben schreibend zu würdigen und die kleinen Dinge, die so leicht unbemerkt bleiben, aber im Grunde das Leben und seinen Verlauf bestimmen, in wunderschöne, noch lange in einem nachhallende Worte zu fassen. (c) Susanne Becker

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Mir fällt es gar nicht leicht, über dieses Buch zu schreiben, weil es so anders ist als das, was ich sonst gern lese. Es hat mich in seiner unaufgeregten, ja fast sachlich geschilderten Erzählform sehr beeindruckt und es war mit seinen 192 Seiten in 3-4 Happen aufgelesen. Der Hauptdarsteller beeindruckt durch seine Demut. Eine schwere Kindheit ohne Zuneigung, dafür umso mehr körperliche Misshandlung, harte körperliche Arbeit, Krieg, langjährige Gefangenschaft, der frühe Verlust seiner Frau, niemals das, was wir Wohlstand oder Luxus nennen, nimmt er scheinbar klaglos hin und hadert nicht mit seinem Schicksal. Was braucht´s zum Glücklichsein? Fazit: Lesen!

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