Leserstimmen zu
Sag kein Wort

Raphael Montes

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"Sag kein Wort" von Raphael Montes lässt den Leser erschrecken und den Kopf schütteln. Was passiert, wenn der gesunde Menschenverstand verkümmert ist und die Liebe ins Herz sticht, wird hier in extremster Art und Weise beschrieben. Inhalt: Téo Avelar ist Medizinstudent. Gerade zum Semesterende lernt er auf einer Party die junge, kecke und weltoffene Clarice kennen. Offensichtlich flirtet sie ein wenig mit ihm. Er ist sofort von ihr hingerissen und setzt fortan alles daran, ihr Herz zu gewinnen. Das passt ja auch sehr gut, da er sich gerade von der geliebten Gertrudes, der Leiche auf dem Seziertisch, verabschieden musste. Um Clarice für sich zu gewinnen, nutzt er allerdings nicht seinen Charme, sondern ganz andere Methoden. Zunächst verfolgt er sie und macht ihr Geschenke. Er hat keinen anderen Gedanken mehr im Kopf als Clarice, die Frau seines Lebens. Nach einem Streit kommt es zu Handgreiflichkeiten. Téo entführt Clarice und hält sie gefangen. Mit einem Netz aus Lügen und extremsten Mitteln schottet er sich und Clarice von der Außenwelt ab. Téo schreckt vor Nichts und Niemanden mehr zurück, um Clarice für sich zu gewinnen. Mein Eindruck: Dieser Psychothriller ist nicht geeignet für zartbesaitete Menschen. Man wird mit einer sehr dunklen Seiten der menschlichen Seele konfrontiert, was sich zum Teil in unvermittelt auftretenden brutalen und menschenunwürdigen Szenen äußert. Téo als Charakter ist ziemlich extrem. Als Medizinstudent, der noch bei seiner pflegebedürftigen Mutter wohnt, hat er offenbar zu viel Zeit alleine verbracht. Er entwirft ein zutiefst krankes Gedanken- und Lügengerüst und ist absolut von sich un der Rechtmäßigkeit seines Tuns überzeugt. Die Enführung und Gefangennahme gehören noch zu den harmloseren Mitteln. Mitunter ist es schwierig, Téos Gedankenwelt zu folgen, da er sich deutlich vom gesunden Menschenverstandes verabschiedet hat. Raphael Montes gelingt es aber trotzdem durchgängig, Téo als Charakter in sich glaubwürdig und nachvollziehbar zu gestalten. Die Spannung lebt - neben Téos "kranken" Handlungen auch in seinem Gegenpol, der von Clarice verkörpert wird. Natürlich versucht sie in ihrem Rahmen Gegenwehr zu leisten und sich aus der Gefangenschaft zu befreien. Sie wählt hier gezwungenermaßen eine scheinbar ruhige und abwartende Taktik, doch lässt sie die ihr bietenden Gelegenheiten nicht aus. Clarice ist im Wesentlichen gut beschrieben, an einigen Stellen hätte ich mir ein wenig mehr Witz und Aktivitäten in ihrer Gegenwehr gewünscht. Die Beziehung zwischen Téo und Clarice erscheint sehr skurril und wartet mit unterschiedlichsten Facetten auf, was das Lesen durchaus abwechslungsreich gestaltet. Die immer wieder plötzlich auftauchenden Hindernisse, die Téos Plan gefährden könnten, erzeugen Spannung und Überraschungen. Mit Glück, seinem Lügengerüst und seinem Handeln gelingt es ihm jedoch meist diese Hindernisse kompromisslos zu umschiffen. Der Schreibstil ist sehr direkt. Der Autor versteht es vor allem die Handlungen und die dazugehörigen Rechtfertigungen zu beschreiben. Da die Geschichte von der Téos Perspektive lebt, kommen Clarice Gedanken- und Gefühle nur andeutungsweise heraus. Insgesamt aber haben mir die etwas ausführlichere Beschreibungen zu den Szenen gefehlt, die an vielen Stellen sicher möglich gewesen wären. Der Autor hält sich sehr an dem sehr konkreten Fortgang des Tuns und Denkens fest. Fazit: Insgesamt gesehen überzeugt der Thriller vor allem durch die extreme Grundgeschichte dieses extremen Charakters. Sie ist teilweise sehr brutal, was wie ein Stich ins Herz auf den Leser wirken kann.

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