Leserstimmen zu
Ingrid Bergman

Thilo Wydra

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Hardcover
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Eine Biografie zu bewerten ist immer schwer. Aber hier kann ich sagen, dass Thilo Wyrda eine wirklich lesenswerte und spannende Biografie gelungen ist. Er hat das Leben von Ingrid Bergmann von Beginn an kenntnissreich und leidenschaftlich dargestellt. Und ich habe es mit viel Genuss gelesen, auch wenn es etwas länger gedauert hat, aber eine Biografie liest man ja auch nicht runter, wie einen Roman

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"Ingrid Bergman - Ein Leben" Thilo Wydra Verlag: DVA Format: Gebundene Ausgabe Seitenzahl: 750 ISBN: 978-3-421-04673-4 Erstausgabe: 25. April 2017 Preis: 28,00 Euro Klappentext: Ingrid Bergman (1915-1982) zählt zu den wenigen weiblichen Weltstars des Kinos. Zu ihren bekanntesten Filmen gehören Klassiker wie Berüchtigt von Alfred Hitchcock, Casablanca oder Herbstsonate, und im Lauf ihrer fast fünfzugjährigen Karriere erhielt sie drei Oscars. Doch das glanzvolle Schauspielerleben hatte auch eine brüchige Seite. Auf der Basis zahlreicher bisher unveröffentlichter Quellen sowie ausführlicher Gespräche mit der Familie und berühmten Weggefährten schildert Thilo Wydra in dieser ersten neuen Biographie seit vielen Jahren das beeindruckend vielfältige Schaffen und so leidenschaftliche wie selbstbestimmte Leben der großen Schauspielerin. Gestaltung des Buches: Das Buch ist schlicht und einfach gehalten. Ein so schönes Bild der Schauspielerin als Cover zu wählen war für mich sehr anziehbar als Leserin. Es zeigt eine freundlich Frau voller Wärme und Liebe. Das schwarz/weiß Foto mit roter Schrift ist ein wahrer Blickfang. Meine Bewertung: Es war meine erste Biographie die ich über Ingrid Bergman gelesen habe. Die berühmten Filme mit der Schauspielerin sind mir bekannt. Dieses Buch mit seinen 750 Seiten hat es insich, im positiven Sinne. Man lernt die Schauspielerin näher kennen und auch den Menschen, der Sie war. Der Autor hat einen sehr sehr angenehmen Schreibstil und das Wissen beim Schreiben der Biographie macht es umso angenehmer. Mit diesem Buch erhält man soviel mehr Kenntnisse über Frau Bergman und ist beeindruckt von dem Leben der Schauspielerin. Man leider mit der Schauspielerin im Buch mit, aber man erfreut sich auch an vielen Dingen aus Ihrem Leben. Der Autor hatte die Möglichkeit private Dinge über die Schauspielerin zu erfahren und zu lesen anhand der Notizbücher und bekam zudem auch Zugang zu den Nachlässen Frau Bergmans. Für jeden Filmliebhaber und Fan von Frau Bergman kann ich dieses Buch absolut empfehlen. Meine Bewertung: 5 von 5* Vielen Dank an das Bloggerportal und den DVA Verlag für die Zusendung dieses wundervollen Buches!

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„Die Schwedin Ingrid Bergman (1915–1982) zählt zu den wenigen weiblichen Weltstars des Kinos. Zu ihren bekanntesten Filmen gehören Klassiker wie „Berüchtigt“ von Alfred Hitchcock, „Das Haus der Lady Alquist“, „Casablanca“, „Wem die Stunde schlägt“, „Die Kaktusblüte“ oder „Herbstsonate“. Im Lauf ihrer fast 50-jährigen Karriere erhielt sie drei Oscars. Doch das glanzvolle Schauspielerleben hatte auch eine brüchige Seite.“ (Klappentext) Thilo Wydra (www.thilowydra.de) hat ein ergreifendes Buch zu einer großen Schauspielerin und eigensinnigen Frau geschrieben. Die sorgfältige Aufmachung des voluminösen Bandes kann sich sehen lassen. Ein klares Druckbild, roter Leineneinband, rotes Lesebändchen. Alle Seiten weisen im Kopf die jeweilige Kapitelüberschrift in bordeauxfarbener Schrift aus. Wie im Film gibt es einen Vor- und einen Abspann. Ausführliche Anmerkungen, eine Filmographie und ein Personenregister runden das spannend zu lesende Werk ab. Wie der Autor in einer persönlichen Nachbemerkung schreibt, war es gar nicht so einfach, überhaupt an Material über Ingrid Bergmann heranzukommen. Ihr Familie „verwehrte sich erst jeder Gesprächsanfrage“. Der gesammelte Nachlass liegt, nicht öffentlich zugänglich, in 187 Kisten in den „Wesleyan Cinema Archives„. Erst als der Autor den Kontakt zu ältesten Tochter Ingrid Bergmanns, Pia Lindström, fand, öffnete sich auch der Rest der Familie für Interviews und Gespräche – und natürlich auch die Kisten. Das Buch beginnt um 1900 mit der bezaubernden Liebe von Ingrids Eltern, die viel Geduld haben mussten, bis sie sich endlich haben durften. Die deutsche Friedel Adler und der schwedische Justus Bergmann hatten es sehr schwer, ihre Eltern für diese Verbindung zu erwärmen. Sieben Jahre dauerte das Werben und der Austausch von Postkarten, Telegrammen und Briefen bis die beiden 1907 endlich heiraten durften. Im August 1915 wurde Töchterchen Ingrid geboren. Drei Jahre später schon stirbt die Mutter an einer unheilbaren Gelbsucht. Ingrid hat keine eigenen Erinnerungen an sie. Mit 14 Jahren stirbt auch ihr Vater im Alter von nur 58 Jahren an Magenkrebs. Bis zur Volljährigkeit lebt Ingrid in Stockholm bei verschieden Verwandten, die Sommerferien verbringt sie immer in Hamburg im Hause der Großeltern mütterlicherseits. In der Schule und im Umgang mit anderen Menschen hat sie es schwer. „Ich war ein sehr scheues Mädchen, wahrscheinlich der scheueste Mensch auf der Welt. Wenn man mich nach meinem Namen fragte, wurde ich rot.“ Schon als Schulkind hat sie Freude an Rollenspielen. Sie malt, erfindet Kurzgeschichten und kleine Theaterstücke. Als sie mit 11 Jahren an der Hand ihres Vaters zum ersten Mal ins Theater geht, ist es um sie geschehen. „Da gab es erwachsene Leute, die das gleiche auf einer Bühne taten wie ich zu Hause ganz allein für mich, nur so zum Spaß. Und sie wurden sogar noch dafür bezahlt!“ Ihr Entschluss stand fest. Sie machte die Schule zu Ende und wechselte dann in die renommierte Schauspielschule „Dramaten“ in Stockholm. Seitdem spielt Ingrid Bergmann sich nach oben. Als wäre das Verkörpern anderer Charaktere ihre eigentliche Lebensform, scheint sie nur wirklich zu leben wenn sie spielt. Selbst schlechte Filme werden durch ihre Mitwirkung noch sehenswert. In den privaten Rollen, Geliebte, Ehefrau, Mutter, ist sie weniger geschickt und ungeduldig. „Ein Leben primär als Mutter tut ihr nicht gut, sie ist dafür nicht geeignet. Sie kann nicht damit umgehen, es überfordert sie, da es sie zugleich kreativ-künstlerisch unterfordert.“ So führt Wydras Biographie folgerichtig chronologisch durch die Filme, die auch inhaltlich besprochen werden, und bruch- und übergangslos durch Ingrid Bergmanns Privatleben. Ihre Ehen, ihre Beziehungen, ihre Lebensstationen Schweden, Deutschland, Amerika und Italien, Großbritannien … alles ist letztlich bestimmt durch die Filme, die sie drehen darf. Filmliebhaber kommen hier ebenso auf ihre Kosten, wie Menschen, die gerne Lebensbeschreibungen lesen. Außerdem spiegelt das Buch fast das ganze 20. Jahrhundert. Ein Leben – wie im Film. Dramatisch, tragisch, zuweilen glücklich, nie langweilig. Ingrid Bergmann : ein Leben / Thilo Wydra . – München: DVA, 2017. – 1. Aufl. – 751 S.; zahlr. Ill. – ISBN 9783421046734 fest geb. : 28 € Im Folgenden ein Interview mit Isabella Rossellini über die Arbeit des Wesleyan-Film-Archivs und der Ingrid Bergmann Collection: http://www.wesleyan.edu/cinema/video-bergman.html#part2

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Wenn ich an alte Hollywood-Filme denke, fallen mir eine ganze Reihe von bildschönen Schauspielerinnen ein. Ingrid Bergman gehört ganz sicher dazu – sie war jedoch nicht nur schön und talentiert, sondern hatte etwas ganz Besonderes an sich, was sie von ihren Kolleginnen unterschied. Diesem ‚Phänomen namens Bergman‘ geht der deutsche Autor und Journalist Thilo Wydra in dieser 750 Seiten starken Biografie auf den Grund und zeigt uns, wie einzigartig nicht nur ihre Persönlichkeit und ihr Ruhm, sondern auch ihr Lebensweg war. Schon in jungen Jahren verlor Ingrid Bergman ihre deutsche Mutter und schwedischen Vater und wuchs bei Onkel und Tante auf, wo sie sich ausgegrenzt fühlte. Sie sehnte sich nach Liebe und Geborgenheit, aber auch nach Künsten und dem Schauspiel als Lebensersatz. Sicher wäre sie noch eine Weile bei der UFA in Berlin geblieben, hätte David O. Selznick sie nicht entdeckt. Der ehrgeizige amerikanische Filmproduzent holte sie nach Hollywood, um neben Vivien Leigh, Joan Fontaine und Jennifer Jones auch aus ihr einen großen Star zu machen. Er nahm sogar in Kauf, dass Ingrid sich nicht dem Schönheitsideal unterwarf, sondern ihr natürliches Aussehen behalten und auch einmal böse Rollen spielen wollte. Was für ein Glück, dass Thilo Wydra Zugang zum Nachlass der Schauspielerin hatte, darunter ihre ‚Acting Diaries‘ und Notizhefte. So erleben wir hautnah wichtige Stationen ihres Lebens wie die Überfahrt nach Hollywood, die erste Begegnung mit Hemingway in San Francisco, ihre Liebschaft mit Gary Cooper oder die Entstehungsgeschichte von Casablanca. Der Biograf setzt ihre Zitate sowie Kommentare von Ingrids Tochter Pia oder Daniel Selznick, dem Sohn des Filmproduzenten, sprachlich und dramaturgisch elegant zusammen, so dass wir Ingrids Leben aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und verfolgen können. Besonders gut gefiel mir, dass der Autor seinen Fokus darauf richtet, die Beweggründe der Schauspielerin zu vermitteln und ihr Verhalten begreiflich zu machen, das in der Öffentlichkeit höchst umstritten war: zum Beispiel, dass sie ihre Familie in Schweden zurückließ, um in Hollywood „etwas Bedeutsames“ zu schaffen, oder dass sie Hollywood den Rücken kehrte, um mit ihrer großen Liebe Roberto Rossellini in Italien neu anzufangen. Der internationale Weltstar spielte nicht nur im Film gern unangepasste Rollen, sie setzte auch im wahren Leben ihren Kopf durch, egal was die Leute über sie redeten. Immer wieder stürzte sie sich in die Arbeit – sie war ihr Lebenselixier. Dass sie so offen war für neue ungewöhnliche Stilmittel wie die surrealen Arbeiten von Dalí in Hitchcocks „Ich kämpfe um dich“ – einem meiner Lieblingsfilme – macht sie für mich sehr sympathisch. Die Kenntnisse des Autors über die Filmszene und Akteure vor und hinter der Kamera sind beeindruckend. Wydra gibt viele Filme inhaltlich wieder und stellt dabei die darstellerische Leistung Bergmans detailliert heraus. Der Kontrast zwischen dem perfekt durchstrukturierten Studiosystem Hollywoods und dem dokumentarischen und improvisierenden Stil Rossellinis muss für die Schauspielerin extrem gewesen sein. Doch Extreme waren ein Markenzeichen ihres Lebens – zwischen sakraler Erhöhung durch Medien und Publikum und moralischem Fall, zwischen Schüchternheit im Privatleben und Durchsetzungsvermögen im Beruf. Vom Umfang der Biografie war ich anfangs leicht abgeschreckt, doch ich habe jede Zeile dieses Buches genossen und bin dankbar, dass mir das ‚Phänomen namens Bergman‘ so spannend und emotional ergreifend nahegebracht wurde.

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Die letzte Szene des Films Casablanca ist, bis heute, eine der unvergesslichen Abschiedsszenen der Filmgeschichte, wie der gesamte Film aufgrund der darstellerischen Leistungen vor allem der beiden Hauptdarsteller im besten Sinne „zeitlose Kunst“ darstellt. Und nicht zufällig hatte Ingrid Bergmann eine der beiden tragenden Rollen. Eine Frau, in der sich Schönheit, Talent und schauspielerische Kraft nicht aus dem Nichts heraus entwickelt haben, sondern die starke, standhafte, durch einiges an Krisen gehende Persönlichkeit niederschlägt. Und doch, wie so oft in der Kunst, wäre es beinahe zu dieser Besetzung nicht gekommen. Und, ebenso wie so oft, war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten nicht klar, was für ein Juwel dort entstanden war. „Während der Dreharbeiten hatten wir absolut kein Vertrauen in den Film, weil das Drehbuch so schlecht war“. Ein Vorgang, der in dieser Betonung ein wichtiger Schlüssel zur Person Ingrid Bergmann ist. Denn mit Humphrey Bogart zusammen hat sie letztendlich den gesamten Film getragen und erst dadurch Zitate und Szenen ikonographisch gesetzt. Darin spiegelt sich durchaus ein wichtiger Teil ihrer Persönlichkeit. Und das war bei weitem nicht der letzte oder einzige Film von Weltruf, den diese ausdrucksstarke Persönlichkeit mit vielfachem Nachruhm mitgestaltet hat. Eine zu ihrer Zeit Vorreiterin. Eine selbstbestimmte, im klassischen Sinne des Wortes emanzipierte Frau, die Beziehungen auch zu starken Männern auf Augenhöhe führte, die ins schwierigen Zeiten zur „Weltbürgerin“ heranreifte, die nicht zu reduzieren ist auf Rollen, deren Stärke aber immer wieder auch in diesen zu spüren War. Nicht nur durch den „Kuss der Filmgeschichte“ mit Gary Grant, sondern auch an der Seite Hitchcocks diesen gegen die damalige „Sitten-Zensur“ durchsetzte. Mit Empathie, teils leidenschaftlich, immer gut und flüssig zu lesen spürt Wydra diesem Weltstar privat und beruflich nach und versteht es, aufzuzeigen, dass die Karriere und Person von Beginn an nicht auf Rosen gebettet war. Die Mutter gestorben, als Ingrid Bergmann ein Kleinkind noch war, der Vater stirbt, als sie dreizehn ist. Mit einem darauffolgenden Pendeln und einer inneren Zerrissenheit zwischen dem deutschen Teil der Familie in Hamburg und dem Rest des Jahres in Stockholm. Eine Zeit, die nicht geeignet ist, innere Sicherheit zu entfalten, ein Verweis durchaus auf die spätere Stärke der gewachsenen Person, dieses innere hin- und her nicht mehr erleben zu wollen. Und eine ebenso frühe Klarheit für den künstlerischen Weg, den sie stringent verfolgte. Stationen, die Wydra lebhaft schildert, für die er vielfache Gespräche auch mit der engsten Familie Ingrid Bergmanns führte. Stationen, die für ein Leben lang den roten Faden setzten, einerseits in der Arbeit als Schauspielerin zu leben, von dieser Arbeit auch seelisch „Nahrung“ zu beziehen und, natürlich, für diese Arbeit zu leben. Eine Haltung, der nicht alles, aber doch vieles „eingeordnet“ wurde, was ansonsten bedeutsam in ihrem Leben war. Und das war auch im privaten Teil nicht wenig. Auch wenn oder gerade, weil ihre drei Ehen, Versuche auch, dauerhafte Stabilität im Leben zu erleben, jeweils scheiterten. Mitsamt den Folgen für die Beziehung zwischen ihr und ihren vier Kindern und mitsamt der Reibung zwischen dem Mutter-Sein und zugleich als Vollblutschauspielerin leben. Eine mit drei Oscars gekörnte Karriere, ein schwieriger Beginn, eine lange und oft sich selbst suchende, aber immer kämpferische und nie aufsteckende Person (was auch ihre letzten Jahre im Kampf gegen die Krankheit zeigen) und eine Person, die ihre innere Füllung und Erfüllung künstlerisch gefunden und nie wieder losgelassen hat. Was sich bestens im Buch liest, chronologisch aufeinander aufbaut und in den Tiefen der Person Ingrid Bergmanns von Wydra erfasst und empathisch mitgeteilt wird. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre, nicht nur für Filmliebhaber.

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Als ich die neue Biografie über Ingrid Bergman zum ersten Mal in Händen hielt, bin ich zunächst erschrocken: 750 Seiten, davon 100 Seiten Anhang mit Anmerkungen, Zeittafel, Filmographie, Biographie, Personen- und Filmtitelregister, und über ein Kilogramm schwer – war das nicht ein bisschen übertrieben? Doch schon nach wenigen Seiten war ich im Bergman-Fieber, denn was und wie der freie Autor und Journalist Thilo Wydra, der in Mainz und Dijon Komparatistik, Germanistik, Kunstgeschichte und Filmwissenschaft studiert hat, über Ingrid Bergmans Berufs- und Privatleben fein austariert zu berichten weiß, hat mich in den letzten zehn Tagen vollauf begeistert. Neben der Lektüre habe ich mir ein paar ihrer Filme, die ich meist bereits kannte, angeschaut, und hier liegt vielleicht der größte Gewinn für mich. Da Thilo Wydra sich nicht auf die Wiedergabe von Filminhalten beschränkt, sondern die Geschichten hinter den Verfilmungen und kleinste Details bis hin zu Mimik und Gesten hochspannend erklärt, habe ich die Filme mit ganz anderen Augen gesehen, konnte die Leistungen von Regie, Schauspielern und Drehbuchautoren besser würdigen und hatte insgesamt einen deutlich höheren Genuss. Ingrid Bergman wurde am 29.08.1915 in Stockholm geboren. Die deutsche Mutter starb bereits 1918, ihr schwedischer Vater 1929. Schon als Kind stand als Berufswunsch Schauspielerin fest. Nach einem kurzen Intermezzo an der Schauspielschule des Kungliga Dramatiska Teatern in Stockholm avancierte sie schnell zu Schwedens beliebtestem Filmstar. 1938 drehte die zeitlebens unpolitische Ingrid Bergman in Berlin ihren einzigen UFA-Film und ging anschließend 1939, bereits verheiratet mit dem schwedischen Zahnarzt Dr. Petter Lindström und der kleinen Tochter Pia in die USA, wo sie unter Vertrag des Produzenten David O. Selznick ihre erfolgreichste Dekade erlebte. Filme wie „Casablanca“ (1942), „Wem die Stunde schlägt“ (1943) „Das Haus der Lady Alquist“ (1944), die drei Hitchcock-Verfilmungen „Ich kämpfe um dich“ (1945), „Berüchtigt“ (1946) und „Sklavin des Herzens“ (1949) sowie „Johanna von Orléans“ (1948), ihre lebenslange Traumrolle, machten sie in den USA nicht nur zum Star, sondern auch zur überirdischen Leinwandheiligen. Umso heftiger wurde der totale Bruch 1949 aufgenommen, als sie dem Studio-Hollywood und ihrer Familie den Rücken kehrte für ein Leben mit dem italienischen Filmregisseur Roberto Rossellini. Nach der zunächst unehelichen Geburt des Sohnes war das Echo verheerend: Im US-Senat beschimpfte man sie für die „sittenwidrige Affäre“ als „grauenvolle Vertreterin des weiblichen Geschlechts“, sie wurde geächtet und alle sechs Filme, die sie zwischen 1949 und 1955 mit Rossellini drehte, wurden finanzielle Flops und fielen bei der Kritik durch. Aus der 1957 geschiedenen Ehe gingen neben dem Sohn Robertino auch die Zwillinge Isabella und Ingrid Isotta Rossellini hervor. Erst nach der Trennung konnte Ingrid Berman wieder Filme mit anderen Regisseuren drehen, darunter „Anastasia“ (1956), ihre Wiederauferstehung in den USA, „Lieben Sie Brahms“ (1961), „Die Kaktusblüte“ (1969) und 1974, als sie bereits die Diagnose Brustkrebs erhalten hatte, „Mord im Orientexpress“. 1967 konnte sie erstmals nach acht Jahren ihre Tochter Pia wiedersehen, 1968 heiratete sie den schwedischen Theaterproduzenten Lars Schmidt und ließ sich mit ihm bei Paris nieder. Die letzten Lebensjahre verbrachte sie nach ihrer dritten Scheidung in London, spielte mehr denn je Theater und drehte 1978 unter Ingmar Bergman und mit Liv Ullmann ihren letzten Kinofilm: „Herbstsonate“. Die sehr kurze, „persönliche Nachbemerkung“, die ganz zur vollkommen zurückgenommenen und uneitlen Schreibweise des Autors passt, führt seine Quellen auf: persönliche Gespräche mit drei der zunächst ablehnend gestimmten Bergman-Kinder (Pia, Ingrid Isotta und Isabella) und dem Stiefsohn Renzo Rossellini sowie ein unbeschränkter Zugang zum nicht-öffentlichen Nachlass, der in 187 Kisten in den Wesleyan Cinema Archives lagert. Thilo Wydra hat daraus eine uneingeschränkt empfehlenswerte Biografie gemacht, die den Star Ingrid Bergman nicht überhöht. Er würdigt ihre Stärken wie Natürlichkeit, Schönheit, Geradlinigkeit, ihre Kunst der Mimik mit sparsamen Mitteln, ihren Humor, ihr Sprachtalent, ihre nie ermüdende Produktivität und die Treue zu ihren Freunden wie Ernest Hemingway, Alfred Hitchcock, Jean Renoir oder Cary Grant und verschweigt ihre Affären, ihre Unruhe, ihre Zerrissenheit zwischen der stets im Vordergrund stehenden Schauspielerei und der Familie sowie ihre Unsicherheit in privaten Dingen nicht. So kann ich abschließend sagen, dass diese Biografie keine Seite zu lang und kein Gramm zu schwer ausgefallen ist und das absolut schlicht gehaltene Cover und der unspektakuläre Titel Ingrid Bergmans Charakter, so wie Thilo Wydra sie schildert, absolut gerecht werden.

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Wie bereits erwähnt, zeichnet Thilo Wydra ein äußerst genaues Bild der Künstlerin, sowohl als Privatperson als auch als Schauspielerin, wobei er, vor allem bei den Gesprächen mit Pia Lindström und Isabella Rossellini, einer ihrer Zwillingstöchter und selber eine bekannte Schauspielerin, feststellen musste, dass sie konträre Ansichten in Bezug auf ihre Mutter vertreten...

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