Leserstimmen zu
HERKUNFT

Saša Stanišić

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„Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“ stellt vor: „Herkunft“ von Saša Stanišić „HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.“ „HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache und Scham, Ankommen und Zurechtkommen, Glück und Tod.“ „HERKUNFT ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre.“ Fazit: Saša Stanišić erhielt 2019 den Deutschen Buchpreis für seinen Roman „Herkunft“ und bedankte sich bei seiner Rede mit scharfer Kritik an Nobelpreisträger Peter Handke, da dieser sich in seinen Texten wiederholt auf die Seite der Serben gestellt habe. „Ich hatte das Glück, dem zu entkommen, was Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt“. Stanišić wurde in Visegard (Jugoslawien) am 7. März 1978 geboren. Nach der Besetzung durch bosnisch-serbische Truppen flüchteten seine Eltern mit ihm im Jahre 1992 zu einem Onkel nach Heidelberg, der dort als Gastarbeiter tätig war. Der Autor hat erst mit 14 Jahren angefangen Deutsch zu lernen, schreibt all seine Bücher in Deutsch und nicht etwa in seiner Muttersprache; das finde ich schon sehr bemerkenswert. Aber auch, warum er überhaupt Schriftsteller geworden ist, kann man doch eher dem Glück oder dem Zufall zuordnen. Er verpflichtete sich seinerzeit ein Buch zu schreiben, andernfalls wäre seine Aufenthaltsgenehmigung erloschen. Und so erschien 2006 sein Debütroman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“. „Herkunft“ ist mittlerweile sein vierter Roman und der Autor verwebt hier seine Lebensgeschichte, die seiner Familie, vor allem seiner Großmutter mit Erzählungen und Mythen aus seiner bosnischen Heimat. „HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem die Bundesregierung die Grenzen nicht schloss und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.“ Stanišić erzählt eine sehr interessante Geschichte, -nein, eher viele Geschichten. Geschichten des Lebens, von Migration und Erinnerungen, von seiner Großmutter, aber auch Streifzüge von Fantasien, und Erwartungen. Geschichten, die mich oft zum Lachen brachten, ebenso aber auch zum Nachdenken. Nachdenken über meine eigene `Herkunft`. Hinzu kommt, dass er einen äußerst ungewöhnlichen Erzählstil hat. Ein paar Seiten habe ich erst einmal gebraucht um reinzukommen. Denn er erzählt einfach drauflos, springt von einem Thema zum nächsten, liefert kurze stakkatoartige Sätze, sodass mir beim Lesen fast die Luft wegblieb. Ein Hang zum Fabulieren kann man ihm durchaus attestieren. Oft hatte ich das Gefühl, er verliert komplett den Überblick, aber am Ende fügte sich dann doch alles gut und folgerichtig zusammen. Exakt diesen ganz anderen Erzählstil fand ich sehr interessant, erfrischend, ja faszinierend; diese Empathie ohne Bitterkeit, schon sehr erstaunlich. Ein Roman der sich dadurch deutlich von vielen anderen Roman abhebt und den Deutschen Buchpreis im letzten Jahr auf jeden Fall verdient hat. Ich kann nur sagen: „Herkunft,“ ist ein absolut lesenswertes Buch, dass ohne dieses unsägliche falsche Heimat-Pathos auskommt, das man bei diesem Titel durchaus vermuten konnte. Im September wird es als Taschenbuch erscheinen.

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Was war ich neugierig auf Herkunft von Saša Stanišić, der Roman, der 2019 mit den Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Die fiktionale Autobiografie, die den Anfang für dieses Buch als handschriftlicher Lebenslauf für die Ausländerbehörde nahm, erzählt von Saša Stanišić Flucht vom Balkankrieg in Jugoslawien nach Deutschland. Der erst 14-jährige Junge flieht mit seiner Mutter, eine bosnisch-muslimische Politologin, nach Heidelberg, wo sie zuerst bei einem Onkel unterkommen. Der Vater, ein serbischer Betriebswirt, kam später nach. Als Flüchtlinge bekommen seine Eltern Jobs, die weit unter ihrem Niveau sind. Die Mutter arbeitete als Wäscherin, der Vater fuhr in die ehemalige DDR um auf einer Großbaustelle Rohre zu verlegen. Die Angst abgeschoben zu werden, bereitet den Eltern permanent Kopfzerbrechen. Saša trifft sich währendessen mit anderen ausländischen Jungs an einer Tankstelle, die zum Jugendtreffpunkt wird. Der Wille, die deutsche Sprache perfekt zu erlernen, hilft dem Jungen nach dem Abitur eine Zulassung an die Uni zu erhalten. Ein verständiger Sacharbeiter bei der Ausländerbehörde erteilt ihm das Bleiberecht und in späterer Folge die deutsche Staatsbürgerschaft, während seinen Eltern diese später verwehrt wird und sie nach Bosnien zurückkehren müssen. Višegrad in Bosnien-Herzegowina, nur acht Kilometer von der serbischen Grenze entfernt, ist der Geburtstort des Autors und bleibt neben Heidelberg und Hamburg, wo es Saša Stanišić später hinführt, als Hauptsetting bestehen. Denn ein Besuch in seiner ehemalige Heimatstadt lässt den Autor wiederholt in Gedanken zurückkehren an den Ort an der Drina. Dabei gibt es immer wieder große Zeitsprünge. Manchmal weiß man nicht, in welcher Zeit man sich gerade befindet, was aber nur ganz kurz andauert. Es sind Momentaufnahmen. Stanišić vermischt dabei reale Begebenheiten mit fiktiven Visionen. Gedankensprünge aus dem Hier und Jetzt in die Vergangenheit und wieder zurück begleiten den Leser die ganzen 368 Seiten über. Darauf muss man sich einlassen können. Die innige Beziehung zu seiner Großmutter Kristina, die an Demenz leidet und auf die Rückkehr ihres bereits vor zwanzig Jahren verstorbenen Mannes wartet, half Saša Stanišić noch vor der Erkrankung bei der Erforschung seiner familiären Herkunft. Je mehr sie ihre Erinnerungen verliert, desto mehr muss er sie sammeln. Saša Stanišić fabuliert mit einer Liebe zur deutschen Sprache über seine Herkunft zu einem Land, das es nicht mehr gibt. Dabei spielt auch das Märchenhafte immer wieder eine Rolle. Kritisieren muss ich jedoch die oftmals fehlende Spannung. Der Start war für mich etwas zäh, aber sobald man in der Geschichte drinnen ist, möchte man gerne weiterlesen und mehr erfahren. Ich hatte allerdings nie den Drang unbedingt sofort weiterlesen zu müssen. Obwohl das Thema eher schwer ist, baut der Autor viele humorvolle Metapher ein. Unwillkürlich vergleicht man beim Lesen die Erzählungen und die Flüchtlingsproblematik von damals und heute und entdeckt leider nicht wirklich viel Unterschied. Die essentielle Frage "Nach welchen Kriterien lässt sich die Herkunft bestimmen?" ist dem Autor wichtig. “Jedes Zuhause ist ein zufälliges: Dort wirst du geboren, hierhin vertrieben, da drüben vermachst du deine Niere der Wissenschaft. Glück hat, wer den Zufall beeinflussen kann. Wer sein Zuhause nicht verlässt, weil er muss, sondern weil er will.” Doch Heimat ist nicht immer Herkunft. Für die letzten Kapitel bzw. den letzten Abschnitt, den er "Der Drachenhort" nennt, hat sich der Autor noch etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Er lässt den Leser zwischen verschiedenen fantastischen Erzählungen wählen, wie die Geschichte ausgehen soll. Diese Variation kenne ich nur aus einem Kinderbuch (Mats und die Wundersteine), bei dem sich die Kinder ihr eigenes Ende aussuchen dürfen. Ich bin nicht wirklich ein Freund davon und mochte diese Varianten schon beim Vorlesen der Kindergeschichte nicht....aber jeder wie er möchte. Schreibstil: Der Schreibstil ist sowohl poetisch und fließend, als auch stakkatomäßig. Der Autor baut viele humrvolle Methapher ein, einiges erscheint märchenhaft. Die Kapitel sind kurz gehalten. Fazit: Ein Roman, der viel Autobigraphisches enthält. Eine Ansammlung von Gedanken und Rückblienden, sowie der Frage nach Herkunft und Identität. Interessant und unterhaltsam, nachdenklich und leider auch mit einigen kleinen Längen versehen. Trotzdem bin ich froh das Buch gelesen zu haben

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Saša Stanišić hat mit seinem Buch "Herkunft" versucht, eine Antwort auf die Frage "Wo kommst du her?" zu finden. Dass diese Antwort darauf nicht immer einfach ist, hat er damit gezeigt, dass er darüber ein ganzes Buch schreiben konnte. Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er in Bosnien, der Jugoslawienkrieg Anfang der 90er Jahre veranlasste die Familie nach Deutschland zu flüchten. Ab da wurde die Frage für ihn kompliziert. Das Buch ist Aufarbeitung der Vergangenheit, Familiengeschichte und (in kleinen Teilen) Biografie zugleich. Vor einer Woche wurde es im Rahmen der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. In kurzen Anekdoten erzählt Stanišić von seinem Leben. Dies macht er stellenweise mit sehr viel Humor, bleibt aber dadurch auch sehr an der Oberfläche und es wirkt sehr sprunghaft. Die einzelnen Geschichten - manche echt, manche Fiktion - verbinden sich mit der Zeit, auch wenn auf mehreren Ebenen erzählt wird. Vor allem der Anfang ist geprägt von einem ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart und das fand ich sehr verwirrend und auch nervig, vor allem als Einstieg. Da war für mich keine Ordnung drin und ich wusste nicht immer worum es ging. Irgendwann wurde das aber um einiges besser und ich konnte seinem Lebenslauf einfacher folgen. Im Buch geht es ganz viel um Erinnerungen, um Großeltern, um eine demente Großmutter, um das Erlernen einer neuen Sprache, um das Finden einer Heimat in einem anderen Land. Das Ganze hat der Autor literarisch verpackt. Er schreibt stellenweise sehr poetisch, aber mit einfacher Sprache, manchmal emotionslos, aber mit einer Wichtigkeit in den Sätzen, die einzufangen versuchen, was es heißt, einen Krieg zu erleben und vor ihm zu flüchten. Dann wird es auch mal sehr ausschweifend und hin und wieder auch langweilig. Trotz allem hat mir "Herkunft" sehr gut gefallen. Es ist eine Annäherung an den Begriff "Heimat" und was damit zusammenhängt. Dass es eigentlich eine Summe aus den Geschichten ist, die man selbst erlebt und überhaupt nicht leicht zu definieren ist. Das Buch endet mit einer Entscheidungsgeschichte, also man kann während des Lesens immer wieder selbst entscheiden, wie es weitergehen soll, was ich sehr spannend fand und so noch nicht wirklich selbst gelesen hatte. Fazit Herkunft ist kein klassischer Roman, auch keine klassische Biografie mAn. Es sind viele kurze Geschichten, die sich irgendwann verbinden und so versuchen, eine Antwort auf die Frage "Wo kommst du her?" zu geben. Denn Stanišić' Herkunft ist viel: Familie, Kultur, Land, Beziehungen, Erinnerungen.

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Es gab eine Zeit, da war das Wort „Migrationsliteratur“ in aller Munde. Ich selbst hatte damals sogar eine einjährige Lesereihe dazu veranstaltet, denn die Gesellschaft sehnte sich zu diesem Zeitpunkt nach dem Verstehen des Anderen, nach einer ernsten Annäherung an das, was einem Fremd war, aber nicht fremd bleiben sollte. Die öffentlichen Diskussionen, die hier entstanden, erreichten ziemlich bald ihren Höhepunkt – nämlich mit etlichen AutorInnen, die sich endlich berufen sahen, mit Erzählungen zu Wort zu kommen, die vom Ursprung, von Abstammung und allen dazugehörenden Gefühlen berichteten –, sodass ich nur noch zusammenfassend sagen konnte: Das Feld der Migrationsliteratur ist „abgegrast“. Immerzu ging es um das Nicht-Gänzlich-Angekommen-Sein, um Darstellungen emotionalen Changierens, um Identitätskrisen und –Findungen, um wichtig bis lapidar witzige Geschichten darüber, was es bedeutet, irgendwo noch-auf-der-Suche zu sein und um das, was man erlebt hatte und nun verarbeiten musste. Ich muss gestehen, ich war schwer genervt davon. Denn es waren identische Erzählungen (ok, MigrantInnen fühlen ziemlich ähnlich), die literarisch gesehen kaum voneinander abzugrenzen zu sein schienen. Und dann verkündete auch noch Feridun Zaimoglu, er wolle nicht mehr unter dem Titel „Migrationsliteratur“ lesen. Er tat alles richtig. Dann kam Saša Stanišić. Und lehrte uns, wie über den Begriff der „Herkunft“ zu sprechen sei, wie es sich wirklich anfühle, etwas in Worte zu fassen, das vollends kaum zu verstehen war. Saša Stanišić hatte früh begriffen, dass Literatur kein Ort einfacher Darstellung von Sachverhalten und Themen war, sondern ein Instrument der Analyse, ein Analogon von Gedankenprozessen. Literatur war die Möglichkeit der Ordnung eines realen Chaos’, war zugleich Raum für Verwirrung und Entwirrung, war Beichtstuhl und politisches Werkzeug. Literatur erwies sich für Stanišić als Tagebuchführung, als begrenzter Einblick in eine Seele. Mein Gott – ja, ich kippe hier ins unprofessionell Emotionale –, selten war eine Geschichte so berührend und schmerzlich, so glasklar und wirr, so ehrlich und friedensstiftend wie Saša Stanišićs „Herkunft“. Ihm ist gelungen, was viele Schreiberlinge nicht begriffen haben und die Literaturwissenschaft mit Vehemenz zu lehren sucht: Inhalt und Form ineinander zu bringen. Hier ist pure Konstruktion offengelegt zugunsten der Projektion eines persönlichen Wahrnehmungsvorgangs. Anders gesagt: Die Bestimmung von Herkunft beruht bei Stanišić auf demselben Puzzle-Prinzip wie die Wahrnehmung von Leben, Realität und Erinnerung. Es ist ein Spiel mit Phantasien, eine Auseinandersetzung mit Gefühlen, ein fortlaufendes Unterfangen desjenigen, der wissen will, woher man kommt und was Leben alles sein kann. Stanišić ist ein Meisterwerk geglückt, gar keine Frage. Eine solche tiefgründige Verschwisterung mit Kunst hat es bisher nur selten gegeben. Ehrenwort! „Mein Widerstreben richtete sich gegen die Fetischisierung von Herkunft“, schreibt Stanišić, „und gegen das Phantasma nationaler Identität. Ich war für das Dazugehören. Überall, wo man mich haben und wo ich sein wollte. Kleinsten gemeinsamen Nenner finden, genügte.“ Bestimmte Worte für eine ganz bestimmte Zeit: das Jetzt.

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Großartig

Von: Buchlieblich

27.01.2020

Ich hab das alles erlebt. Habe die gleichen Erfahrungen gemacht, die gleiche Geschichte. All das erlebt.... Stand mit meiner Mutter an der gleichen Kasse. Und sie verstand Gott sei dank nicht immer was andere Menschen sagten. Das gleiche Leben. Nur ein bisschen anders. Ich kenne die Ängste, ich habe sie selbst durchgemacht. Ich erinnere mich an einen Tag, kurz vor den Sommerferien. Wir planten Urlaub bei meiner Tante. Meine Mama saß auf dem Balkon. Ich merkte immer sofort, dass ihr was fehlte. „Sie wurden abgeschoben“ war alles was sie sagte. Meine Tante und mein Onkel samt der Kinder. In einer Nacht und Nebelaktion mit dem letzten Flieger der noch in den Kosovo flog. Ich mache mir Gedanken über die Zufälle und das Glück, dass ihnen nichts passiert ist. Das ich dieses Silvester mit ihnen verbringen durfte. Das sie danach zum Geburtsort von meinen Cousinen gefahren sind. Hier in Deutschland... Herkunft !?.“ Heute leben sie in Frankreich. Eigentlich sollte dies eine Rezension werden aber ich bin Abgeschweift. 5/5 ⭐️ für diese „Biografie“ der besonderen Art, für diesen einmalig guten Schreibstil, für den Autor der all das mit uns teilt. Sein Schreibstil ist kein Einheitsbrei und ich habe genossen. Mal keine klare streng perfekte Literatur. Staniśić hält sich an keine Regeln. Werde im Satzbau noch in der Art zu erzählen. Wenn er abschweifen will schweift er ab. Wenn er grad in der Gegenwart erzählt und ihm fällt was ein, dann springt er auch einfach kurz in die Vergangenheit so wie es ihm passt... Mir gefällt das. Ich finde es großartig. Einmalig. Berührend. • ...Und am Ende erwarten dich vielleicht Drachen. Je nachdem für welchen Weg du dich entscheidest. 🖤

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Vierzehn Jahre alt war Sasa Stanisic, als er mit seinen Eltern von Jugoslawien nach Deutschland floh. Er musste viel zurücklassen, Freunde, Familie, liebgewonnene Gewohnheiten. Was er dafür bekommen würde, lag im Ungewissen. „Herkunft sind die süßbitteren Zufälle, die uns hierhin, dorthin getragen haben. Herkunft ist Zugehörigkeit, zu der man gar nichts beigesteuert hat.“ In „Herkunft“ schreibt der Autor leidenschaftlich über seine Herkunft, über seine Vergangenheit, seine ersten Gehversuche in Deutschland und darüber, wie er immer besser Fuß fassen konnte. Er teilt teils sehr emotional viele bewegende Erinnerungen mit seinen Lesern und Hörern. Vor allem seiner geliebten Großmutter, die er Stück für Stück verloren hat, widmet er regelmäßig Raum. Ich folgte gern seinen Worten, denn sowohl der Stil seines Schreibens als auch seines Lesens waren mir sehr sympathisch. Er kommt sehr authentisch rüber, ehrlich, intensiv, beschönigt nicht, beschreibt einfach nur – coloriert mit den Farben seiner eigenen Empfindungen und ohne zu werten - manchmal bekam ich Gänsehaut dabei und Mitgefühl breitete sich in mir aus. „Herkunft“ ist eine großartige Autobiographie, die mit Realität und ein wenig Fiktion spielt, in der Stanisic bewegend und nicht-chronologisch aus seinem Leben erzählt. Sein altes Leben zurückzulassen und in Deutschland ein neues aufzubauen, erforderte großen Mut und war nicht immer einfach. Aber er hat es geschafft und macht an vielen Stellen deutlich, dass Integration nur dann funktionieren kann, wenn beide Seiten es wollen und fördern – die Bewohner des Landes, die Flüchtlinge aufnehmen, aber auch die Heimatsuchenden selbst. Bei Sasa Stanisic hat dies eindrucksvoll funktioniert. Seine Herkunft wird immer Jugoslawien bleiben, aber es fühlt sich so an, als habe er in Deutschland eine neue Heimat gefunden. Ich gratuliere dem Autor von Herzen zum gewonnenen Deutschen Buchpreis 2019 und wünsche ihm alles Gute für die Zukunft. Inhalt In HERKUNFT geht es um Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Es geht um den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart oft auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh. Autor und Sprecher Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Seine Erzählungen und Romane wurden in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Saša Stanišić erhielt u.a. den Preis der Leipziger Buchmesse für »Vor dem Fest« und zuletzt für »Herkunft« den Deutschen Buchpreis 2019 sowie den Eichendorff-Literaturpreis und den Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster. Er lebt und arbeitet in Hamburg. Quelle: Randomhouse

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Von: Jozo Garic aus Hamburg

14.12.2019

Poštovani pišče! Čitajući Vašu knjigu „Herkunft“, stekao sam utisak da je ispred mene hrpa crno-bijelih fotografija jednog vremena te da ih nasumice izvlačim i da mi svaka ispriča ponešto što se preko tanke niti međusobno kalemi te u vijencu izdiže na „Vijarac“ i nudi mi čas odgovor, a čas otvara pitanje. Istini za volju, valjda što mi sudbina liči onoj od tvojih roditelja, čitajući sam ponekad zaustio nešto da dodam, a onda sam sa osmjehom na nekoj stranici pročitao. Neka Vas hvali netko drugi, umješniji, mene je ganulo i to mi je dovoljno. Hamburg i Višegrad leže uz rijeke različitog karaktera što se ni slivom ne dotiču, a mi ljudi naše miješamo, voljom ili nevoljom i to na svim meridijanima. S toga je Vaša priča kako domaćinu tako i došljaku, kako prognaniku tako i progonitelju, odlična platforma i poziv za akceptiranje različitih pečata, a u interesu trajnog i istinskog suživljavanja, a mi ga u vremenu globalizma trebamo više nego ikada.

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Als ich "Herkunft" im September las, stand das Buch auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2019. Für mich war es der erste Roman von Saša Stanišić und eine große Entdeckung. Dann hörte ich ihn nach der Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse bei einer Lesung – er las das Kapitel über den schlesischen Zahnarzt Dr. Heimat – und begriff, dass es hier noch eine Steigerung zur Lektüre gibt: das von ihm selbst gelesene Hörbuch. Zwar beinhalten die fünf CDs mit einer Gesamtlaufzeit von gut fünfeinhalb Stunden nur ausgewählte Texte des Romans, aber ich habe sicher dreimal solange gebraucht, so oft habe ich einzelne Tracks wiederholt und immer wieder Neues entdeckt. „Jedes Zuhause ist ein zufälliges. Glück hat, wer den Zufall beeinflussen kann.“ Herkunft war für Saša Stanišić kein Thema, bis seine bosnische Großmutter ihn mit in das Heimatdorf seiner Vorfahren und auf den dortigen Friedhof nahm. Und auch dann war ihm das Thema zunächst eher peinlich, denn die „Herkunftsfolklore“ und der „Zugehörigkeitskitsch“ waren Ursache dafür, dass es Jugoslawien, das Land, in dem er geboren wurde, heute nicht mehr gibt. Die Flucht vor dem Balkankrieg nach Heidelberg, das Ankommen in Deutschland, der Erwerb der deutschen Sprache, die Freunde von der Aral-Tankstelle, die Scham über die prekären Lebensumstände, die Angst vor der Abschiebung, die erste Liebe und schließlich das Glück, in Deutschland bleiben zu können, während die Eltern trotz aller Anstrengungen das Land wieder verlassen mussten, bildet den einen Teil des Romans. Den anderen Teil widmet Saša Stanišić der Erinnerung an die Kindheit in Bosnien, dem Ende des Vielvölkerstaats, als Herkunft plötzlich eine immer größere Rolle spielte und selbst die Identifikation mit dem Fußballclub Roter Stern Belgrad die verschiedenen Nationalitäten nicht mehr verband, und der in Višegrad zurückgebliebene Großmutter, der mit zunehmender Demenz die Erinnerungen abhandenkamen. Der ganz eigene Charme von Stanišićs Lesung Verfügt der Roman bereits über eine große emotionale Bandbreite von der Melancholie bis zur blanken Komik, so kamen alle diese Gefühle für mich beim Zuhören noch deutlich stärker zum Tragen. Saša Stanišić liest seine Texte so engagiert und pointiert, mit so viel Dynamik, Betonung, Gefühl und dem passenden Akzent, dass ich ständig zwischen Lachen und Traurigkeit schwankte. Ein ausgebildeter Schauspieler hätte sie zwar mit größerer Perfektion, aber niemals mit vergleichbarer Intensität vortragen können. Hatte mich beim Lesen das Ankommen in Deutschland noch mehr bewegt als die Geschichten aus Bosnien, so waren die beiden Aspekte beim Hören mindestens gleichwertig, die Trauer über die Erkrankung der Großmutter und die spürbare Betroffenheit und Hilflosigkeit des Enkels sogar berührender. Auch das Spiel mit der Sprache, das den Roman neben den inhaltlichen Aspekten für mich so ganz besonders macht, war beim Zuhören eine Quelle der Freude. Der genau richtige Gewinner des Deutschen Buchpreises 2019 Noch nie war ich mit der Jury des Deutschen Buchpreises so einer Meinung wie in diesem Jahr. "Herkunft" ist ein berührendes, kluges, hochaktuelles Buch, das ich eigentlich jedem ans Herz legen möchte, am besten zuerst als Lektüre und danach als Lesung.

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