Leserstimmen zu
Apple und Rain

Sarah Crossan

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Inhalt Apple hat kaum Erinnerungen an ihre Mutter. Nur an das Weihnachten, an dem sie sie verließ kann sie sich erinnern. Seitdem lebt sie bei ihrer Großmutter und wartet darauf, dass ihre Mutter vielleicht doch eines Tages zurück kommt. Und tatsächlich: Als sie schon nicht mehr daran glaubt taucht sie auf und Apple ergreift die Chance und zieht zu ihr. Doch sie muss feststellen, dass ihre Mutter nicht allein lebt. Apple hat eine Schwester: Rain. Und Apple muss sich bald eingestehen, dass ihre Mutter sie nicht völlig uneigennützig bei sich aufgenommen hat... Meine Meinung Bei diesem Buch waren es das schlichte aber dennoch auffällige Cover und der ungewöhnliche Titel, die mich neugierig machten. Ein kurzer Blick auf die Inhaltsangabe und mir war klar: das ist ein Buch nach meinem Geschmack. Seit elf Jahren wartet die vierzehnjährige Apple vergeblich darauf, dass ihre Mutter aus Amerika zurück kommt und sie wieder zu sich nimmt. Es ist für Außenstehende nur schwer vorstellbar, sich vorzustellen, was das mit einem Kind macht, welche Ängste und Selbstvorwürfe es Tag für Tag mit sich herum schleppt. Crossan ist es jedoch sehr gut gelungen, diese teils widersprüchlichen Gefühle und Ängste auf Papier zu bringen, die Apple bisweilen lähmen, die sie jedoch keinem einzugestehen wagt. Ihr neuer Englischlehrer schafft es dann schließlich, dass Apple sich langsam öffnet - zumindest sich selbst. Er verlangt Texte oder Gedichte zu verschiedenen Themen, die wiederum den sechs Teilen entsprechen, in die das Buch aufgeteilt ist: Einsamkeit, Angst, Krieg, Liebe, Enttäuschung und Poesie. Schnell stellt sich heraus, dass Apple wahres Talent für's Schreiben hat, doch sie traut sich nie, den richtigen Text abzugeben. Stattdessen schreibt sie stets einen zweiten, der von Banalitäten wie Fußball oder dem Gassigehen mit dem Hund handelt, was mich sehr nachdenklich gemacht hat. Wie viele Menschen verhalten sich nach außen hin fröhlich und unbeschwert, obwohl sie innerlich einen schweren Klotz mit sich herumschleppen? Als Apples großer Traum wahr wird und sie zu ihrer Mutter zieht, geht sie immer seltener zur Schule. Ihre Englischhausaufgaben erledigt sie jedoch weiterhin und sie animieren sie immer wieder, selbst zu dichten. Für Apple scheint das einzige Ventil für ihre Gefühle zu sein. Denn obwohl sie jetzt wieder eine Mutter hat - wirklich reden kann sie mit ihr nicht. Auch nicht mit ihrer kleinen Schwester Rain, von deren Existenz sie nichts ahnte und die mit sich selbst genug zu kämpfen hat. Erst, als ich die kleine verstörte Rain näher kennenlernte wurde mir klar, dass in diesem Roman im Grunde nur tragische Figuren leben. Jede, sowohl die Mutter als auch die beiden Töchter, hat ihr Päckchen zu tragen und jede hat Schwierigkeiten damit, sich in der Welt zurecht zu finden. Dass Rain genau das hat, was Apple sich wünscht, und dennoch nicht glücklich ist - schlimmer noch, sogar fast daran zerbricht - hat mir ebenfalls sehr zu denken gegeben, denn irgendwie befindet sich wohl jeder von uns mal an einem Punkt, an dem man sein Leben gerne mit dem eines anderen tauschen würde. Ihr seht also, der Roman bietet jede Menge Stoff zum Nachdenken. Er behandelt auf wenigen Seiten so viele verschiedene Themen, dass man völlig überwältigt zurück bleibt. Doch trotz aller Tragik und Dramatik liest sich die Geschichte leicht, ist tiefgründig, ohne zu beschweren, und lässt einen mit einem Lächeln auf den Lippen und dem Gefühl, dass immer alles irgendwie wieder gut wird, zurück. Es handelt sich tatsächlich um "eine Geschichte, die gebrochene Herzen heilt", wie das Cover verheißt. Ich vergebe 5 von 5 Wolken für dieses bezaubernde Jugendbuch. Vielen herzlichen Dank an den Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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