Leserstimmen zu
Ausgerechnet Kabul

Ronja von Wurmb-Seibel

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Ich bin ganz schrecklich beeindruckt. Von dem Buch und auch von der Autorin. Dank meiner Vorbehalte käme ich nie auf die Idee nach Afghanistan zu reisen. Dass Ronja von Wurmb-Seibel diesen Schritt gewagt hat, finde ich bewundernswert. Mit all den tragischen Geschichten ist mir das Buch sehr nahe gegangen. Es ist nicht einfach die trockene Schilderung eines Journalisten aus der Ferne. Man sitzt auch als Leser mittendrin. Mehrfach habe ich vom Buch aufgeblickt, weil ich nach dem Gelesenen erst mal durchatmen musste. Und habe dann auch erst einmal wieder in die Realität finden müssen. Dass ich nicht im auf dem staubigen Boden sitze und mich mit drei Schwestern vor einem Soldatencamp unterhalte oder mit Nabi, dem Wächter, durch den Garten laufe und mir die Pflanzen erklären lasse. Meine bisherige Literatur zum Krieg in Afghanistan bestand lediglich aus Büchern, die (ehemalige) Soldaten geschrieben haben. Nun die Seite der Zivilisten kennenzulernen, ist überwältigend. Ein ganz wichtiges Buch, aus dem ersichtlich ist, wie dramatisch die Lage dort nach wie vor ist. Und vor allem, dass dort Menschen leben – nicht pauschal Terroristen. Ronja von Wurmb-Seibel schreibt ohne Effekthascherei, schnörkellos und verständlich. Insbesondere die örtliche Konstellation aus Machthabern und den verschiedenen religiösen Gruppen wird verständlich erklärt. Die Geschichten der vielen verschiedenen Menschen berühren den Leser. Klingt vielleicht unpassend, aber das Buch ist spannend, überaus interessant und ich konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Ganz großes Kino. Ich habe aus der Lektüre einiges gelernt. Und sollte ich zum Ende des Jahres hin eine Top-Ten-Liste 2015 erstellen, ist dieses Buch ganz sicher mit dabei. Jeder, der sich auch nur halbwegs für andere Menschen interessiert, sollte das Buch lesen.

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„Ausgerechnet Kabul!?“ - das war die Reaktion von Ronja von Wurmb-Seibels Familie und Freunden, als die junge Journalistin 2013 verkündet, in die afghanische Hauptstadt ziehen zu wollen. Seit ihrem ersten Besuch hat sie dieses faszinierende Land gepackt, und trotz der Gefahr wird Kabul für mehr als ein Jahr ihre neue Heimat. In diesem Buch erzählt die Autorin nun von ihren Erlebnissen in diesem Land, über die Menschen, die sie kennen- und schätzen gelernt hat, aber auch über die Hintergründe der Einsätze westlicher Truppen. Sie begleitet einerseits die Bundeswehr und trifft sich andererseits mit vielen Einheimischen. Die Autorin hat großen Respekt für das Land und seine Menschen, sie stellt nicht sich und ihre journalistische Arbeit in den Vordergrund, sondern die Menschen, über die sie erzählt. Sie lernt die Landessprache Dari, bewegt sich fernab der Sicherheitszonen und mischt sich unter das einheimische Volk. Das Buch ist in drei Hauptteile gegliedert: In „Wir und Die“ erzählt sie von den Afghanen, von den Unterschieden zwischen Einheimischen und Ausländern, die in Afghanistan arbeiten. In „Wir Gehen“ dreht sich vieles um den Einsatz der NATO-Truppen und der Bundeswehr. Ein Kapitel z. B. dreht sich um die besondere Freundschaft zwischen einem deutschen Soldaten und seinem afghanischen Übersetzer. In „Die bleiben“ geht es um die Einheimischen, wie es ihnen nach dem Rückzug der westlichen Truppen ergeht, was sie tun, um ihr Land in den Frieden zu führen. Um ehemalige Auswanderer, die nun wieder nach Afghanistan zurückkehren, um ihrem Land zu helfen. Ronja von Wurmb-Seibel gibt Gespräche und Interviews so weit wie möglich in der direkten Rede wieder, so dass sie die Leute für sich sprechen lässt. Sie selbst versucht relativ neutral zu schreiben, so dass die Erzählungen nie zu weinerlich oder rührig daherkommen. Emotional wird es bei der Autorin vor allem dann, wenn sie von ihrer Faszination und Liebe zu diesem Land spricht. Ich denke, es tut dem Buch nur gut, dass die Verfasserin so viele positive Gefühle für Afghanistan hegt und dadurch dem Leser auch die schönen Seiten eines Landes aufzeigt, das wir aus den Nachrichten nur als kaputtes, terrorisiertes Kriegsgebiet kennenlernen. Sie will klarmachen, dass die Afghanen nicht prima mit dem Krieg klarkommen, wie es viele unwissende Westler unterstellen, denn es kann ja nicht anders sein, wo sich die Einheimischen ja schon längst daran gewöhnt haben. Der Unterschied ist einfach: Die Afghanen haben genauso Angst vor Terror und Tod wie wir, doch irgendwie müssen sie damit klarkommen, denn bei ihnen ist das Alltag. Kein Einheimischer, den die Autorin trifft, der nicht schon ein Familienmitglied oder einen Freund verloren hat oder zumindest Augenzeuge eines Anschlags geworden ist. Sie will aufklären, dass die NATO und die Bundeswehr den Menschen in diesem Land nicht nur helfen. Ich wusste z. B. nicht, dass die Deutschen (und auch die Heere anderer Länder) nach ihrem Abzug Tausende von Minen einfach liegen gelassen haben und sich nun aus der Verantwortung ziehen für die zahlreichen Minenopfer, unter ihnen vor allem Kinder. Ich habe viel von diesem Buch gelernt, und habe mit der Autorin viele interessante Persönlichkeiten getroffen. Durch die Autobiographie „Sie konnten mich nicht töten.Als Afghanin im Einsatz für die Bundeswehr“ von Soraya Alekozei habe ich schon einiges über das Land Afghanistan und die Hintergründe zu dem langjährigen Krieg gelesen. „Ausgerechnet Kabul“ hat mein Wissen über Afghanistan nun erweitert und mir die Einheimischen und ihre Lebensumstände noch näher gebracht. Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen, vor allem denjenigen, die über Afghanistan nichts oder nur sehr wenig wissen. Denjenigen, die sich für Zeitgeschichte, Politik und fremde Länder interessieren. Und ich lege es vor allem den Menschen ans Herz, die dagegen sind, dass der Westen Flüchtlinge aus Kriegsgebieten wie Afghanistan aufnimmt, da es ja uns in Deutschland auch nicht soooo dolle geht und die Leute sich „da drüben“ doch eh schon an den Krieg gewöhnt haben...

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Mit "Ausgerechnet Kabul" ist ein außergewöhnliches Buch entstanden. In den Nachrichten gewinnt man häufig den Eindruck, den auch viele Soldaten in ihre Lager treibt. Afghanen sind gefährlich, dreckig und ungebildet. Da sich die junge Frau aufgrund ihres Daseins als Ausländerin, die die Kultur aber akzeptiert und ohne Restriktionen der sogenannten White List bewegen kann, erlebt sie ein anderes Afghanistan - sie porträtiert Menschen zwischen Stolz und Verletzlichkeit, zwischen Stärke und Schmerz. Beinahe jeder, den sie kennenlernt, hat Menschen im Krieg verloren, viele haben schon das Chaos nach dem Abzug der Sowjets vor beinahe 30 Jahren erlebt. Dabei schreibt sie von Menschen und Geschichten, die sie selbst getroffen und erlebt hat. Über all den Geschichten steht die Frage "Was bleibt, wenn der Krieg für uns vorbei ist?" Und die Antwort ist nicht ganz einfach. Gebracht hat es - wie man am Aufkeimen der IS-Bewegung sieht - nicht allzu viel. Statt Alkaida sind es eben jetzt andere, die die Menschen in der Gegend terrorisieren. Ein wirklich bewegendes Porträt von Menschen im Krieg, was sie bewegt und wie der Krieg das Leben dort verändert hat. Ein Buch, das man gelesen haben sollte!

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