Leserstimmen zu
Die Wölfin

Nate Blakeslee

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Die Wölfin 0-Six ist eine Legende. Geboren im Jahr 2006 wurde sie in Yellowstone zur Leitwölfin ihres Rudels, war fürsorgliche Mutter und geniale Kämpferin. Sie trotzte Gefahren und Krisen. Mit seinem Buch "Die Wölfin" hat Nate Blakeslee ihr nun ein Denkmal gesetzt. Dieses Buch ist so viel mehr als ein Tierfachbuch. Nate Blakeslee schreibt hier neutral über die Vor- und Nachteile der Wiederansiedlung der Wölfe in Yellowstone. Er beleuchtet die Bedeutung für die Wirtschaft ebenso wie für die Umwelt. Dabei berücksichtigt er die Ansichten sowohl der Wolfsgegner, als auch der Wolfsfreunde. Auf diese Weise kann sich jeder sein eigenes Bild der Situation machen und eine eigene Meinung bilden. Geschrieben ist das Buch eher wie eine Reportage als ein Fachbuch. Man könnte sich das Buch sehr gut als Textvorlage für eine Dokumentation vorstellen. Der entsprechende Film läuft während des Lesens vor dem inneren Auge genauestens ab. Worauf der Autor hinweist ist die Tatsache, daß dieses Buch nach wahren Beobachtungen und den daraus entstandenen Protokollen entstanden ist. Hier ist nichts erfunden, sondern es ist alles real geschehen. Ein weiterer Punkt, der dieses Buch positiv von anderen Büchern hervorhebt. Mit diesem Buch lernt man auf ganz selbstverständliche Art und Weise sehr viel über Wölfe. Ihr Verhalten, ihre Instinkte und vor allem ihr Leben im Rudel bekommen hier eine Plattform, die es jedem ermöglicht sich über diese wundervollen Tiere zu informieren. In der Mitte des Buches befindet sich ein Bildteil mit herrlichen Farbfotos. Dieser und die dem Buch vorangestellte Abstammungslinie von O-Six und der Karte des Lamar Valley runden das Buch perfekt ab.

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0-Six

Von: thursdaynext

07.04.2020

„Weil alle Geschichten von Wölfen handeln. Jedenfalls alle, die was taugen. Alles andere ist sentimentales Geschwafel … Denk mal darüber nach.“ Margaret Atwood, Der blinde Mörder O-Six hieß die 2006 geborene Wölfin aus dem Yellowstone Nationalpark, die viele Wolf Watcher begeisterte, die das Glück hatten, ihr bei der Aufzucht ihrer Jungen, ihrem Sozial- und Jagdverhalten und ihrer wilden Schönheit zuschauen zu dürfen. Nate Blakeslee erzählt ihre Geschichte anhand unzähliger Aufzeichnungen und Beobachtungen in „Die Wölfin“ sehr differenziert. Er lässt Wolfsgegner, Jäger, Beobachter und Nationalparkbiologen und Verwalter zu Wort kommen. Auch die Einflüsse der Politik auf die 1995 erfolgte Wiederansiedlung der Wölfe in Yellowstone wird erzählt. Die Menschen, die Wapitis jagen und sich und ihre Familien von deren Fleisch ernähren und die Angst um ihre Versorgung haben, weil sie fürchten, die Wölfe würden ihnen nicht genug Beute übriglassen. Die Farmer, denen die Wiedereinsetzung der Wölfe, die ihre Vorfahren über mehr als sieben Jahrzehnte bekämpft haben Unbehagen bereitet. Auch jene, die davon leben, Outfitter genannt, dass sie Jagdlustige, die scharf darauf sind, sich mit Trophäen zu schmücken, am Rand, außerhalb des Parks, zu erfolgreichen Abschüssen führen können. Oder die Politiker, die ihre Wiederwahl erreichen möchten, indem sie die Wolfgegner ihrer Wählerschaft zufriedenstellen. Es ist kein leichtes Leben, das die großen Caniden im Yellowstone haben, auch wenn sie im Park nicht abgeschossen werden dürfen. Die Rudel kämpfen um Territorien, müssen ihre nicht selten wehrhafte Beute gegen Bären, Kojoten und fremde Wölfe verteidigen. Nein, die Wölfin ist kein Wohlfühlbuch, speziell nicht für Wolfsliebhaberinnen (Männer wie immer herzlich mitgemeint), denen der Name 0-Six bereits ein Begriff ist. Doch Nate Blakeslee verwebt all diese Menschen, ihre Überzeugungen und ihren Antrieb zu einer umfassenden Erzählung, die auch den Blick über die Grenze der eigenen Meinung erlaubt und befördert. Er berichtet über das Wolfsmanagement und die Gründe, weshalb die Rückkehr der Wölfe unabdingbar war. Ihren Nutzen für das Yellowstone Ökosystem. Er lässt aber die Leserinnen auch schwelgen in dieser rauen Schönheit der Natur, gewährt tiefe Einblicke in Wolfsleben und Verhalten und gönnt ihnen ein paar wunderbare Wolfsaufnahmen. In Deutschland ist das Thema Wolf mittlerweile ebenfalls ein Politikum und spaltet Gesellschaft und Familien. Ich bin Wolfs- und Naturliebhaberin, Tochter und Schwester von Jägern und einem gut zubereitetem Stück Wildschwein sehr zugetan. Besonders, weil wir alle mittlerweile wissen, wie unser Fleisch produziert wird, halte ich es für heuchlerisch, wenn um abgeschossene Wildtiere, die gegessen werden, getrauert wird und dann billigstproduziertes Qualfleisch auf dem Edelgrill landet. Machen wir uns nichts vor, fast jede Fleischproduktion ist Qualfleisch. Haltung, Transport und Schlachtung entspricht nicht dem, was wir in der Werbung vorgesetzt bekommen. Ich sehe aber auch, wie die schwachen Rehe und Hirsche von Jägern gehegt und mittels Winterfütterung gepäppelt werden, durch diesen als Fürsorge getarnten Eingriff in die Natur gibt es keine Auslese und eine Überzahl an Wild, das wiederum geschossen werden muss, um die Fauna und Ökologie nicht zu gefährden. Der Wolf in Deutschland wird als Gefahr dargestellt, denn die Jäger bangen um ihre Abschüsse. Zurecht bangen Schafhalter, die wichtige Landschaftspflege für kleines Geld betreiben, um ihre Tiere und Hundehalter, deren Hunde von Wölfen angegriffen werden, weil der Lebensraum für Wölfe im dichtbesiedelten Deutschland nicht groß genug ist, sind auch nicht begeistert. Ja, wir haben große Waldflächen, nur sind sie zerschnitten und Wölfe sind clever, wenn es leichte Beute gibt, dann wird sie auch genutzt. Eingezäunte Schafe sind ein Festmahl. Wir experimentieren in Deutschland mit der Wiederansiedlung des Wolfes, so wie sie im Yellowstone seit 1995 experimentieren, forschen und beobachten. Wie sich dies entwickelt und wie wir mit einheimischen Wölfen umgehen sollten, bleibt abzusehen. Veränderungen rufen bei einigen Menschen immer Verwerfungen und Abneigung hervor. Tierschützer, die sich darüber empören, wie brutal Wölfe beim Riss vorgehen, sollten bitte daran denken, dass Wölfe im Gegensatz zu Menschen keine Allesfresser, sondern reine Carnivoren sind. Raubtiere haben keine Alternative, Menschen schon. Wölfen das Existenzrecht abzusprechen, weil sie potentielle Konkurrenten sind oder nach ihrem Naturell handeln, halte ich für unethisch. Speziell Nichtveganer sollten diese Doppelmoral durchdenken. Die Wölfe im Yellowstone Nationalpark haben definitiv ein Anrecht auf ein Leben in Freiheit und sie bewahren die Ökologie. Nate Blakeslee gibt in seinem Buch einen angemessen unsentimentalen Blick auf sie und die Menschen, die mit ihnen leben müssen oder dürfen. Interessante Perspektiven, die zu einem fruchtbaren Diskurs beitragen können, auch in Deutschland.

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