Leserstimmen zu
Zeitfuge

Michael J. Sullivan

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eBook
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Ellis Rogers ist 58 Jahre alt. Dann erfährt er, dass er an einer tödlichen Lungenfibrose leidet und noch maximal ein Jahr zu leben hat. Er hat nichts mehr zu verlieren und entschließt sich, die Zeitmaschine in seinem Keller tatsächlich auszuprobieren. Entgegen seiner Erwartung funktioniert die Zeitmaschine tatsächlich. Allerdings etwas anders als zunächst gedacht. Denn ursprünglich wollte Rogers nicht weiter in die Zukunft reisen, als die Gründung der USA zurückliegt. Durch einen Fehler in der Berechnung wird er allerdings in das Jahr 4078 katapultiert. Mitten in eine Welt, die ganz und gar anders ist, als wir sie uns erträumt haben. Um den Spaß am Lesen nicht zu nehmen, beschränke ich mich inhaltlich wirklich auf den Anfang der Story. Ellis Rogers landet in einer Welt, die beinahe komplett von Wäldern bedeckt ist. Dann wird er unfreiwilliger Zeuge eines Mordes und findet sich bald darauf in „Hollow World“ wieder, einer fast schon idyllischen Welt unter der Erde. Die Menschen, die dort noch leben (schätzungsweise 123 Millionen) sind unsterblich und haben so gut wie alle Probleme unserer Welt gelöst. Es könnte das Paradies auf (bzw. unter) Erden sein. Doch auch die Idylle kennt ihre Grenzen. Wo Gewalt und Diskrimierung genauso wie jegliche Art von Autorität abgeschafft wurden, haben die Mensch ein ziemlich großes Problem: Sie basieren alle auf der selben genetisch perfektionierten Vorlage. Dieses Wissen sollte man im Hinterkopf haben, um später die Zusammenhänge in der Handlung besser verstehen zu können. Natürlich ist das noch nicht alles, was die knapp 400 Seiten der Story zu bieten haben. Nein. Denn Ellis Rogers wird feststellen, dass Hollow World nicht nur ein Paradies ist und dass man genau aufpassen sollte, wem man vertraut. Tiefgründige Hintergründe und ernste Themen. Sullivan schreibt in seinem Nachwort selbst, dass er den Roman Zeitfuge (im Original „Hollow World“) eigentlich gar nicht schreiben wollte und anschließend nicht mit einem solchen Erfolg gerechnet hätte. Der Autor ist eher für Fantasy bekannt und schreibt mit Zeitfuge seinen ersten Science-Fiction-Roman. Auch oder gerade weil der Autor nicht auf den Erfolgszug von Serien wie „Star Wars“ und „Halo“ aufspringt, hat Zeitfuge weit mehr als nur eine simple Zeitreise über 2000 Jahre in die Zukunft zu bieten. Natürlich hat sich die Welt verändert und doch werden durchaus ernste Themen angeschnitten. Freundschaft und Vertrauen sind dort genauso wichtig wie Individualismus. Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf Sullivans Leistung legen, knapp 2000 Jahre Weltgeschichte einfach mal nebenbei zu erzählen, ohne dass es jemals langweilig wird. Dadurch baut er eine stimmige Welt auf und achtet dabei auch darauf, dass die Ereignisse logisch an unsere Zeit anschließen. Wenn man die Figuren betrachtet, die wirklich gut ausgearbeitet sind, merkt man auch, warum sich die Welt bis ins Jahr 4078 so verändert hat, wie sie sich verändert hat. Insgesamt habe ich das Buch wirklich genossen. Das Versprechen „Die Zukunft beginnt jetzt“ auf dem Buchrücken wird mit jeder Seite eingehalten. Und: Der Roman bringt mich als Leser darüber ins Grübeln, was unsere Gegenwart wirklich falsch macht und warum Hollow World nicht perfekt aber doch ein guter Anfang ist.

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"Zeitfuge" wurde von Michael J. Sullivan geschrieben. Und wem der Name etwas sagt? Er ist ein bekannter Fantasy-Autor, berühmt geworden durch die "Ryria"-Reihe, die bei Klett Cotta erscheint. Dies ist sein erster Ausflug ins SciFi-Genre. Ellis Rogers hat nichts mehr zu verlieren. Er ist unheilbar an einer tödlichen Lungenkrankheit erkrankt. Seine Ehe ist zerrüttet, seit sein Sohn Selbstmord begangen hat. Und so beschließt er, in die Zukunft zu reisen. Zu diesem Zweck hat er eine Zeitmaschine gebaut. Doch etwas läuft schief. Statt 200 Jahre reist er 2000 Jahre in die Zukunft! Und die Welt hat sich radikal verändert. Sogar die Menschheit ist eine andere geworden. Doch ihm bleibt keine Zeit, all diese Veränderungen zu verarbeiten. Denn er wird in eine Morduntersuchung verwickelt. Was passiert, wenn ein bekannter Fantasy-Autor in ein anderes Genre wechselt? Wenn man Glück hat, ist der Schriftsteller so versiert in seinem Handwerk, dass er problemlos die literarische Kategorie wechseln kann, ohne dass es zu Qualitätsverlusten führt. Wenn man Pech hat, kommt so etwas wie "Zeitfuge" heraus. Das Problem ist, dass an diesem Buch nichts wirklich stimmt. Es wirkt wie ein Versatzstück des Autors, bestehend aus Plots der verschiedensten SciFi-Filme und -Bücher. Hinzu kommt auch noch, dass die Geschichte vom Leser ziemlich viel Gutglauben verlangt. Und das ist in diesem Fall eindeutig nicht gegeben. Das fängt schon damit an, dass der Protagonist in der Zukunft ankommt. Und auf ein Mal wird er in einem Mordfall verwickelt, weil die eigentlich für diese Aufgabe Verantwortlichen damit überfordert sind. Denn natürlich ist der Hauptcharakter in einer Utopie angelangt, wo es kein Verbrechen und damit auch keinen unnatürlichen Tod gibt. Und was macht er? Gibt auf ein Mal den perfekten Entwickler, weil er in der Lage ist, die Spuren am Körper des Toten so zu lesen, dass sie den Tathergang entschlüsseln können. Und das nur, weil er das im Fernsehen beobachtet hat. Unglaubwürdiger geht es nicht. Die Utopie, in der er landet, wurde bereits erwähnt. Und irgendwie wirken alle zukünftigen Bewohner von den Ereignissen überfordert. Und natürlich obliegt es an Ellis Rogers, dieser Utopie die nötige Brutalität sozusagen wieder beizubringen. Er ist quasi der Heilsbringer. Was einem schon nach kurzer Zeit auf die Nerven geht, da da wo der glänzt, alle anderen schwächeln. Und das ist durchgehend der Fall. Genauso nerven die Dialoge, die alle künstlich und gestelzt wirken. Es kommt kein Fluss auf. Stattdessen weiß man nicht, ob man bei den Wortwechseln lachen oder weinen soll, weil sie so peinlich klingen. Dabei kann das Michael J. Sullivan besser. Und natürlich reden alle Figuren Englisch. Und zwar auf eine Art und Weise, die erstaunlicherweise den Wechsel der Zeiten überstanden hat. Zwar wird auch dies von Michael J. Sullivan begründet. Aber auf eine unglaubwürdige und unlogische Art und Weise! Immerhin: Ab der Hälfte wird die Geschichte interessanter. Aber das ist für den Roman zu spät. Denn es fällt einem schwer, so lange durchzuhalten. Es fällt einem schwer, aber dieses Buch kann man nur mit einem "Keine Empfehlung" bewerten!

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Zeitfuge

Von: Lesetiger

03.03.2016

Achtung Spoiler! Ellis Rogers, ein Mann mittleren Alters, hat viele Schicksalsschläge zu verkraften. Nach dem Tod seines Sohnes bekommt er die Diagnose, einer tödlichen Lungenkrankheit. Er hat somit nur noch wenige Tage zu leben. Da greift er auf einen riskanten Plan zurück: Er hat sich im Schuppen eine Zeitmaschine gebaut, und möchte damit in die Zukunft reisen, um ein Heilmittel für seine Krankheit zu finden. Doch wo er dann ankommt, hat nichts mehr mit unser heutigen Welt zu tun. Er landet im Jahr 4078, in dem alle Menschen gleich aussehen. Eine spannende Reise beginnt. Zeitfuge von Michael J. Sullivan ist ein Science-Fiction Roman. Er ist am 8. September 2015 im Heyne Verlag erschienen und kostet als Taschenbuch 9,99 Euro. Die Kindle Edition kostet 8,99 Euro. Das Buch hat 448 Seiten. Zeitfuge ist ein sehr gelungener Zeitreise Roman. Er ist aus der Sicht von Ellis Rogers geschrieben. Sehr gut gefallen hat mir der Schreibstil von Michael J. Sullivan. Ich habe wirklich geglaubt, dass das, was in dem Buch beschrieben wird, (Der große Sturm oder die Kathastrophen) echt passieren könnten. Am gelungensten fand ich aber die Tatsache, die meiner Meinung nach ein richtig guter Zeitreise Roman erfüllen muss: Er muss dich über die Zukunft nachdenken lassen. Und das hat Zeitfuge wirklich geschafft! Ich habe an manchen Stellen des Buches wirklich einen kurzen Stopp gemacht, und überlegt, ob das wirklich mal passieren könnte. Der Roman hat mich zum Nachdenken angeregt. Das ist ein Grund, warum ich das Buch sehr gelungen fand. Ein anderer Grund ist die Geschichte, die dahinter steckt. Es ist einfach eine wahnsinnig tolle Story, aber dazu will ich jetzt garnicht zu viel verraten. Außerdem war das Buch, bis zum Schluss, spannend. Fazit: Mir hat das Buch wirklich sehr gut gefallen. Es ist eine wirklich tolle Geschichte über unsere Zukunft. Es ist aber nicht mein absolutes Lieblingsbuch. Deshalb: Vier Sterne von mir!! Anmerkung: Vielen Dank Irmi Keis und Heyne für das Rezensionsexemplar. Ich habe mich RIESIG gefreut. Danke!!

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~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~* Achtung: Ich werde den Plot nicht spoilern, aber ich werde in meiner Rezension auf den Zukunftsentwurf eingehen. Wer nicht wissen will, wann Protagonist Ellis landet und was ihn da erwartet, der liest besser nicht weiter. ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~* Als Ellis Roger erfährt, dass er totkrank ist und nur noch sechs Monate zu leben hat, lacht er. Der Arzt schaut ihn sorgenvoll an, doch er weiß nicht, was Ellis weiß: dass in dessen Garage eine Zeitmaschine steht, die nur darauf wartet, ausprobiert zu werden. In dieser Zeit hält Ellis nichts mehr. Es gibt kein Heilmittel, sein Sohn ist tot und mit seiner Frau hat er sich auseinander gelebt. Auch die Trinkabende mit seinem Freund seit Highschooltagen - Warren - verschaffen ihm keine Befriedigung mehr. Dies ist seine Chance, die Machine auszuprobieren. Seine Reisetasche steht schon parat, die Berechnungen für eine Reise 200 Jahre in die Zukunft stehen. Es kann losgehen. Ellis hätte nie damit gerechnet, dass die Maschine tatsächlich funktioniert und er diese Reise auch überlebt. Noch weniger gerechnet hätte er allerdings mit der Zeit, in der er landet. So hat er sich die Zukunft ganz sicher nicht vorgestellt. Statt 200 Jahre ist er nahezu 2000 Jahre weit gereist. Dort, wo früher Detroit war, hat sich die Natur alles zurückgeholt. Er fürchtet schon, der letzte Mensch auf Erden zu sein, als er ein Dorf sieht. Ein Dorf, in dem er nackte, haarlose Menschen ohne Genitalien sieht. Menschen, die alle gleich aussehen. Menschen, die durch ein Portal verschwinden. Menschen, deren Leben nicht mehr auf der Erdoberfläche stattfindet. Michael J. Sullivan hat in Zeitfuge eine Utopie entworfen. Menschen wurden durch Gentechnik so weit verändert, dass scheinbar alle Probleme der Menschheit gelöst wurden: das Y-Chromosom wurde entfernt, um Aggressionen auszumerzen, es gibt keine Nationen mehr, keine Religionen, nichts, was die Menschen unterscheidet. Keine Geschlechtermerkmale, nicht einmal mehr den Tod. Sie sind alle anhand einer Vorlage erschaffen wurden und unsterblich. Nachdem Unwetterkatastrophen einen Großteil der Menschheit vernichtet hat, sind die Überlebenden unter die Erde gezogen und haben dort Hollow World errichtet. Alles, was sie zum Leben brauchen, kommt aus Maschinen, und sie verändern ihre Umgebung via Knopfdruck. Ellis Rogers, ein sogenannter Darwin, ist eine Faszination für sie. Doch mit Ellis kam noch etwas anderes in ihre Zeit, eine Bedrohung, die sie alle vernichten könnte. Zeitfuge ist keine wissenschaftliche Sci-Fi, wie Sullivan in einem Vorwort betont. Es geht ihm mehr um diese utopische Welt an sich als um die Technik, mit der sie funktioniert - was genau meinen Geschmack trifft. Anfangs hatte ich so meine Probleme mit der Geschichte. Die Dialoge zwischen Ellis und dem Arzt oder Ellis und Warren lesen sich wie schlechte Gespräche aus einem low-budget Horrorfilm. Sie sind so grausig schlecht, dass sie schon wieder unfreiwillig komisch sind. Die ersten hundert Seiten über hatte ich das Gefühl, eine Parodie vor mir zu haben. Das wurde erst besser, als Ellis anfing, sich an die neue Zukunft zu gewöhnen. Wirklich gut wurden die Dialoge nie, sie bleiben immer etwas zu pathetisch, zu kitschig, zu unecht, aber sie sind nicht mehr so furchtbar schlecht wie am Anfang. Was mich an der Geschichte fasziniert hat, war der Zukunftsentwurf und die später eingeführte Bedrohung dieser Welt. Wie Ellis reagierte auch ich mit einem "Das kann doch nicht wahr sein!". Zeitfuge bietet einen spannenden Zukunftsentwurf, der uns darüber nachdenken lässt, worauf wir gegenwärtig eigentlich hinarbeiten, bedient dabei aber haufenweise Klischees. Sprachlich ist er okay, die Dialoge sind ziemlich unbeholfen und manche Szenen sind zu pathetisch, um sie ernst nehmen zu können (oder anders: sie sind typisch Hollywood). Die Figuren sind ebenfalls recht stereotypisch und nicht besonders sympathisch, dazu kommt das endlose Philosophieren über Gott und den Sinn den Lebens. Trotzdem hat Zeitfuge mich gut unterhalten, zeitweise sogar gefesselt, und immer wieder all die Makel vergessen lassen.

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Ein normaler Mann aus unserer Zeit (zugegeben, ein normaler, aber intelligenter Mann) zimmert sich in seinem Werkzeugschuppen eine Zeitmaschine, traut sich aber nicht diese zu nutzen. Anders als angenommen sind Zeitreisen weder unmöglich noch vergangenheitsgerichtet. Reisen kann man nur in die Zukunft und wenn man dies einmal tut, dann ist dies endgültig. Es gibt kein zurück mehr, ebenso, wie es keine Garantie für ein Gelingen gibt. Ellis Rogers ist jedoch verzweifelt. Er erfährt von seiner tödlichen Lungenerkrankung, die ihn binnen kurzer Zeit dahinraffen wird – ohne die geringste Chance auf Heilung. Als dann auch noch etwas in seinem privaten Bereich passiert, was seine Welt vollends aus den Fugen geraten lässt, sind Ellis die Konsequenzen egal. Er steigt in seine Zeitmaschine ein und wagt den Schritt, der vor ihm noch von niemandem gegangen wurde. Wenn in seiner Welt schon alles düster und schwarz aussieht, so bietet vielleicht wenigstens die Zukunft eine Chance auf Heilung. Was Ellis Rogers jedoch nach seiner Reise erwartet ist für ihn unvorstellbar. Die Welt, wie er sie kannte, hat sich nicht weiterentwickelt - sie existiert nicht mehr und er muss sich in einem Gefüge zurechtfinden, dass sich gänzlich von unseren Werten und Vorstellungen unterscheidet. Dies ist das erste Buch von Michael J. Sullivan, welches ich gelesen habe. Anders als in Zeitfuge bewegt er sich ansonsten wohl eher im Bereich der High Fantasy. Wie auch von ihm in einem Vorwort gesagt ist dieses Buch nun kein Faktenmeer für Hardboiled-SciFi-Fans, die alle beschriebenen Techniken logisch nachvollziehbar dargestellt haben wollen. Die Zeitreise in diesem Buch dient vielmehr als Mittel zum Zweck um einen Menschen aus unserer Zeit in eine zukünftige Utopie zu katapultieren und diese Welten aufeinanderprallen zu lassen. Der Protagonist Rogers erscheint in dieser neuen Welt wie ein altes Artefakt und ist doch zugleich so einzigartig, dass sein Auftauchen den gesamten Planeten bewegt. Seine Wertvorstellungen, die doch teilweise recht konservativ amerikanisch anzusehen sind, kollidieren mit denen der neuen Gesellschaft in Hollow World. Fast wertefrei werden beide Seiten von Sullivan beleuchtet, so dass man als Leser selbst nachdenklich wird und darüber sinniert, wohin unser eigenes Verhalten uns noch führen wird, wohin wir möchten und wohin auf gar keinen Fall. “Zeitfuge” beinhaltet zudem auch einen kleinen Kriminalfall, den Ellis und sein baldiger Weggefährte Pax gemeinsam bestreiten müssen. Michael J. Sullivan hat mit diesem Buch nun das Rad nicht neu erfunden. Seine Geschichte ist dennoch gut durchdacht, Wendungen sind teilweise relativ leicht durchschaubar, aber trotzdem interessant. Er schildert die Story in einem flüssigen Schreibstil. Der Spannungsbogen war für mich ungewöhnlich, da er zu Beginn sehr stark angespannt ist und im weiteren Verlauf abflacht, da sich der Augenmerk der Geschichte auf eine philosophische Betrachtung der Situation konzentriert. Was mich teilweise etwas störte war die Naivität, mit der alle handelnden Personen Situationen betrachtet und angegangen haben. Für einen Roman, der sich hauptsächlich mit einer philosophischen Betrachtung einer zukünftigen Utopie in Vergleich zu unserer heutigen Zeit beschäftigt war mir dies etwas zu einfach und simpel gestrickt. Ich hätte mir mehr Raffinesse gewünscht. “Zeitfuge” ist definitiv ein lesenswertes Buch aus dem Genre Science-Fiction, das schon alleine aufgrund der Tatsache, dass der Leser das eigene Nachdenken anfängt, weiterzuempfehlen ist. Erzählt wird eine spannende Geschichte von einer ungewöhnlichen Zukunft, in der es um Werteverständnis, um Individualität und Freundschaft geht, ebenso wie um alte Sünden und deren Bewältigung. Die Story hat auch ihre Schwächen, welche sich aber gewiss auch daraus erklären lassen, dass der Autor für ihn Genrefremd schreibt. Alles in allem wird hier eine Geschichte erzählt, die durchaus lesenswert ist, aber auch noch etwas Luft nach oben offen lässt.

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Meine Gedanken zum Buch Es geht also um Ellis Rogers, einen einfachen Mann, der ein offensichtlich schönes Leben führt. Er ist verheiratet, hat einen guten Job und einen besten Freund namens Warren, dessen Leben seit jeher einer holprigen Berg- und Talbahn gleicht. Doch so rosig, wie Ellis‘ Leben aussieht, ist es nicht. Die Ehe ist mehr oder weniger eine Zweckgemeinschaft, woran Ellis nicht unschuldig ist, und jetzt erfährt er nicht nur, dass er nur noch wenige Monate zu leben, sondern auch, dass seine Frau ihn betrogen hat. Da er seiner Ansicht nach nun nichts mehr zu verlieren hat, beschließt er die Zeitmaschine auszuprobieren, die er in seiner Garage nach bestem Wissen und gängigen Theorien zusammengebastelt hat. Er stellt sie so ein, dass sie in 200 Jahre und acht Monate in die Zukunft bringen soll – schließlich will er ja im Sommer ankommen und nicht im Herbst – und drückt den Knopf. Dummerweise läuft nicht alles so, wie es geplant war, und so landet Ellis erst im vermeintlichen Nichts und dann dann mitten in einem Mordfall, aber definitiv nicht dort, wo er landen wollte. Da es aber kein Zurück mehr gibt, bleibt ihm nichts anders übrig, als mit seiner neuen Situation klarzukommen und sich an die so furchtbar fremde Welt und ihre eigenwilligen Bewohner anzupassen. Ich liebe Bücher, in denen es um Zeitreisen geht, nur leider können die selten bei mir punkten. Das liegt meist nicht an den Geschichte, sondern daran, dass die Zeitreisen selbst vollkommen humbugig dargestellt werden, unlogisch sind und mir die kreierten Paradoxa Knoten im Hirn verursachen. Bei Zeitfuge war es genau anders herum. Die Zeitreise selbst war intelligent gelöst, leider hat mich dafür die Story nicht ganz überzeugen können. Der Einstieg in die Geschichte war nicht wirklich gelungen, war weder sonderlich interessant noch packend und die Protagonisten haben es in nur zwei Kapiteln tatsächlich geschafft, mir richtig unsympathisch zu werden. Das ist schon eine Leistung für sich. Aber Schwamm drüber, immerhin dauert dieses ganze Vorgeplänkel nicht lang und was danach kommt, entschädigt für den schwachen Anfang. Denn sobald die Story in Schwung kommt bzw. man richtig in Ellis‘ neues Abenteuer einsteigt und die neue Welt kennenlernt, wird‘s gut. Richtig gut. (Erstmal jedenfalls…) Der Weltentwurf, den Sullivan in für Zeitfuge geschaffen hat, ist – ich kann es nicht anders sagen – genial. Nicht nur die Bewohner dieser Welt sind unglaublich spannend und interessant und besonders, auch die Welt selbst sprüht vor Einfallsreichtum und großartigen Ideen wie an Holodecks erinnernde Umgebungen, in Häuser installierte KI Systeme mit eigener Persönlichkeit oder Replikatoren, die alles herstellen, was man so braucht – aus einem Material, das so verrückt und doch irgendwie logisch klingt. Sullivan hat einen neuen Lebensraum, eine neue Lebensart geschaffen, eben eine ganz neue Welt kreiert, die neben aller Genialität auch noch nahezu perfekt durchdacht und absolut glaubwürdig ist. Bei der Technik bin ich mir nicht ganz sicher, aber Gesellschaftsstruktur und Lebensart könnte mich mir durchaus irgendwann in ferner Zukunft vorstellen. Mehr sage ich an dieser Stelle nicht, weil ich finde, dass das Erfahren und Entdecken dieser Welt den wichtigsten Teil der Geschichte ausmacht und das Ganze totzubeschreiben nur spoilern und den Spaß an der Sache nehmen würde. Bis hierhin war ich echt begeistert – mein innerer SciFi- und Wordbuilding-Geek durfte sich freuen und storytechnisch konnte ich mich auch nicht beklagen. Denn neben dem Erkunden der Welt nimmt auch die Handlung an Fahrt auf, sorgt mit Todesfällen, rätselhaften Botschaften und einer sich abzeichnenden Verschwörung für Spannung und einen hohen Unterhaltungsfaktor. Leider verliert sich dieser, je weiter die Geschichte fortschreitet. Viel zu schnell setzt eine Art Entmystifizierungsprozess ein, viel zu schnell wird klar, wer hinter den Morden steckt. Die Gründe dahinter sind für mein Empfinden nicht überzeugend, und nicht mal die Frage, wie der Drahtzieher hinter der ganzen Verschwörung tatsächlich der Drahtzieher sein kann, kommt mit einem Knaller daher, sondern ist imo viel zu simpel und viel zu unglaubwürdig beantwortet worden. Mit der Entmystifizierung wandelt sich auch der weitere Verlauf der Handlung, versucht tiefgründig zu werden, konzentriert sich auf Themen wie Politik, Religion, Glaube, Liebe, Geschlechterrollen, Hierarchie, Unterdrückung oder die menschliche Natur – und das nicht auf angenehme, sondern auf bevormundende Art und Weise, sodass aus einer anfänglich gelungenen SciFi Story ein moralisierendes Trauerspiel wird. Auch die Protagonisten haben es mir schwer gemacht. Hauptfigur Ellis hätte interessant sein können, zumal er nicht den gängigen Buchheldtypen entspricht. Leider bin ich mit ihm bis zum Schluss nicht warm geworden, er war mir weder sympathisch noch hat er mich auf irgendeine Weise emotional angesprochen, dank leichter Charakterentwicklung samt Lernkurve war bei ihm zum Glück nicht ganz Hopfen und Malz verloren. Der Bösewicht war einfach nur ein langweiliger, verbohrter Idiot. Und Pax, Ellis‘ Kumpel und „Tour Guide“ durch die neue Welt, war anfangs noch annehmbar, hat sich aber immer mehr zu einer weinerlichen Mary Sue entwickelt. Die restlichen Charaktere waren nur schmückendes Beiwerk und dementsprechend blass sind sie auch geblieben. Einzig Alva, die KI in Pax‘ Haus fand ich sehr gelungen. Cover Sowohl das deutsche als auch das originale Cover finde ich optisch sehr gelungen. Beide passen sehr gut zum Buchinhalt, beziehen sich lediglich auf andere Aspekte der Story. Vor dem Lesen hat mir die deutsche Version besser gefallen, irgendwie zeitreisiger (ja, das ist ab sofort ein offizielles Wort) auf mich gewirkt. Nach dem Lesen liegt allerdings das Originalcover vorn, weil es die Dinge widerspiegelt, die das Besondere der Geschichte ausmachen. All in all Es stimmt mich ein bisschen traurig, dass Zeitfuge mich nicht ganz überzeugen konnte. Das Buch hat alle Voraussetzungen mitgebracht, um ein Megakracher zu werden. Es ist clever, bietet einen tollen Weltentwurf und interessante Gesellschaftsstrukturen. Leider hat es immer mehr auf die falschen Schwerpunkte gesetzt und sich in der in oder anderen Abstrusität verloren, was der eigentlich genialen Geschichte nicht gut getan hat. Insgesamt trotzdem ein für Genrefans empfehlenswertes Buch, das vor allem eins gut kann: zum Nachdenken anregen.

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"Zeitfuge" ist der erste richtiger Science Fiction Roman mit dem ich mich diesem Genre genähert habe und der mich absolut überzeugen konnte. Im Mittelpunkt steht der todkranke Ellis Roger. Schon vor Jahren hat er die richtige Formel zum Bau einer Zeitmaschine geknackt und wartet seitdem nur noch auf den richtigen Moment diese auszutesten. Als er von seiner Ärztin endgültig erfährt innerhalb der nächsten Monate sterben zu müssen, ist Ellis bereit das Wagnis einzugehen. Was hat ein Mann, der dem Tod geweiht ist, schon zu verlieren? Und so sehr kann sich die Menschheit innerhalb von 200 Jahren doch gar nicht verändert haben...dachte er. Die Welt, in der Ellis Roger landet, hat nichts mehr mit der unseren gemein- und genau das fand ich beim Lesen so faszinierend. Es gibt normalerweise genau zwei unterschiedliche Zukunftsvisionen der Menschheit: Die absolute Apokalypse oder eine friedvolle Welt. Sullivan bedient sich keiner dieser beiden Klischees, sondern schafft seine ganz eigene Vision, die in sich schlüssig ist. Dabei greift er Problematiken unserer Gesellschaft auf und spinnt diese weiter. "Zeitfuge" hat genau das geschafft, was ein Zeitreiseroman meiner Meinung nach beim Leser bewirken sollte: Ein Flektieren über die Gegenwart. Genau von dieser Konfrontation mit der verwerflichen Moral der Jetztzeit lebt dieser Roman. Die Zeitreise ist in diesem Fall nur der Schlüssel, aber nicht das zentrale Motiv von Sullivans Werk. Seine Zukunftsvision steht vielmehr als mahnender Zeigefinger im Mittelpunkt. Stark und eindrücklich wird dem Leser ein Spiegel vorgehalten. Besonders schön in diesem Zusammenhang hat mir ein Gespräch zwischen Ellis Roger und der ältesten Frau der Welt gefallen. Sehr tiefgründig sprechen sie über Gott und was es ist, das die Menschen zusammenhält. Neben der Tiefgründigkeit hat "Zeitfuge" gleichzeitig auch eindeutig einen hohen Unterhaltungswert. Der Schreibstil ist locker und der Roman damit wirklich schnell gelesen. Ich habe ihn innerhalb eines Tages verschlungen. Für diesen interessanten Science Fiction Roman vergebe ich mit Freude fünf von fünf Schmetterlinge und bedanke mich gleichzeitig noch beim Heyne Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars:

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INHALT Detroit, USA, 2014. Ellis Rogers ist todkrank, seine Ehe ist seit dem Tod seines Sohnes am Ende und sein bester Freund hat ihn mit seiner Frau betrogen. Das ist alles zu viel. Ellis beschließt die Zeitmaschine zu nutzen, die er in den letzten Jahren gebaut hat. Er setzt sich in den Stuhl, schließt die Augen, betätigt den Knopf und… … macht seine Augen in einem Wald wieder auf. Nach seinem anfänglichen Irrglauben, die Menschheit sei Untergegangen, entdeckt Ellis die ersten Menschen und wird Zeuge eines Mordes. Sein Auftauchen im Jahr 4078 löst einigen Trubel aus, die Gesellschaft hat sich geändert, Gewalt gibt es eigentlich keine mehr – Individualität aber auch nicht. Daher sind der Mord und Ellis ein Highlight. Zusammen mit dem Schlichter Pax macht sich Ellis auf die Suche nach dem Mörder. Dabei finden sie nicht nur eine kleine Verschwörung und eine große Bedrohung für die Menschheit, sondern auch ein Überbleibsel aus Ellis’ Vergangenheit. Können Pax und Ellis die Menschen aus dem Jahr 4078 vor ihrer Vernichtung bewahren? FAZIT Im “Zeitfuge” zeichnet Michael J. Sullivan ein Utopia. Die Menschen, alle genverändert, alle gleich, streben nach Individualität. Krankheiten, den Tod, Gewalt, Geld und vieles anderes gibt es nicht mehr. Damit gehört “Zeitfuge” zu den wenigen Büchern des Genres, dass eine quasi perfekte Zukunft zeigt, das Paradies auf Erden. Aber Sullivan stellt auf spannende Weise heraus, dass auch etwas vermeintlich Perfektes nicht perfekt ist. Im letzten drittel des Buches hat mich der Autor trotz seines fesselndes Schreibstils etwas verloren. Aus der geschriebenen Dokumentation einer fernen Zukunft, in der die Menschen nicht noch grausamer sind als heute und die Erde kein Müllhaufen ist, wird ein klassischer und absehbarer Kampf zwischen Gut und Böse – mir einer fast schon klischeehaften Liebesgeschichte, die vermittelt: “Es ist egal, wen du liebst”. Dennoch hat mir “Zeitfuge” sehr gut gefallen. Michael J. Sullivan hat mir ein Utopia gezeigt, dessen Grundzüge für eine bessere Gesellschaft geeignet sind und hat dabei viele Logikfehler aus Zeitreiseromanen ausgelassen. “Zeitfuge” ist eine klare Leseempfehlung für Fans von Zeitreisen. “Hardcore Science-Fiction”-Fans werden hier aber wohl nicht auf ihre Kosten kommen.

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