Leserstimmen zu
Kühn hat zu tun

Jan Weiler

Kühn - Die Einzelbände (1)

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Martin Kühn ist Polizist. Er hat mit seinen 44 Jahren ein kleines Häuschen mit seiner Familie, zwei Kinder und ist durch und durch normal. Irgendwie zumindest. Seine Tochter wünscht sich zum sechsten Geburtstag ein Pferd, sein Sohn dagegen entfernt sich immer weiter von ihm. Für das Pferd könnte er dringend eine Beförderung vertragen, denn das monatliche Budget für außergewöhnliche familiäre Belastungen ist nicht gerade hoch. Bei seinem Sohn kann ihm aber vermutlich niemand mehr helfen. Und dann ist da noch die Arbeit. Er muss sich mit einem halbintelligenten Muskelprotz beschäftigen der vermutlich seinen Opa erschlagen hat. Und dann wird da noch eine brutal zugerichtete Leiche ausgerechnet im Gebüsch hinter seinem Garten gefunden. Martin Kühn muss in seinem unmittelbaren Umfeld ermitteln. Und dabei versucht er nach Möglichkeit so objektiv wie möglich vorzugehen. Seine Kollegen unterstützen ihn, und das obwohl er sogar unmittelbar von den radikaleren Bewohnern der Weberhöhe direkt angegriffen wird. Im Ermittlungsgefecht hat Martin Kühn aber noch ein ganz anderes Problem: irgendetwas rührt in seinem Kopf herum. Alles ist einfach ein bisschen viel. Er fühlt sich überfordert, fasst schon ausgebrannt. Aber vor allem weiß er nicht warum, und das gibt ihm zu denken. Jan Weilers erster Krimi ist ein echter Jan Weiler. Seit „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ hat sich der Autor einen Ruf für kurios komische Geschichten mit einem harten Bezug zur Realität erarbeitet. Der Krimi zeigt, dass der Autor seine skurrilen Geschichten auch mit einem Spannungsbogen versehen kann. Allerdings darf man keinen gewöhnlichen Krimi erwarten. Immer wieder schweift der Autor in die absurdesten Teile des Alltags seiner Protagonisten ab. Und keiner versteht es so gut wie Jan Weiler zu beschreiben, was passiert wenn man z.B. versehentlich das Video seiner Hochzeit mit einer proktologischen Operation überspielt. Auf der Suche nach Autorenlesungen im Krimi-/Thriller-Genre bin ich auf Martin Kühn gestoßen. Jan Weiler liest passend zu seinem Inhalt. Mal gleichmütig, mal mit einem Hauch Naivität. Man kann sich auf jeden Fall gut in die Geschichte und in die beschriebenen Situationen hineinversetzen. Dem Autor gelingt es schnell einen Bezug zu Martin Kühn, seinen Problemen und seinen Herausforderungen herzustellen. Man versteht den Polizisten manchmal nur zu gut. Manchmal aber auch gar nicht. Einen kleinen Schatten auf die Geschichte wirft die doch zu absurde Einbindung der Vergangenheit des Protagonisten in das Geschehen oder Kleinigkeiten wie z.B. der allzu überflüssige Cliffhanger am Ende des Buches. Das geht normalerweise nur einmal gut. Trotzdem arbeitet der Autor schon am zweiten Teils seiner Serie rund um Martin Kühn. Für Mai 2017 wurde „Kühn hat Ärger“ angekündigt. Hoffen wir, dass Jan Weiler seine Ideen nicht ausgehen und sein zweiter Krimi mit mindestens genauso hohem Unterhaltungswert folgt. Von mir erhält dieser Krimi durchaus eine Empfehlung. Wenn auch mehr für den unterhaltsamen Rahmen als für die kriminalistische Handlung. Besonders aber möchte ich dieses Hörbuch empfehlen: eine wirklich gelungene Autorenlesung.

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Jan Weiler, der vor allem für seine humorvollen Geschichten bekannt ist, zeigt diesmal eine düstere Seite. Es geht um den Leiter einer Mordkommission in München, der hinter seiner Gartenhecke die Leiche eines Rentners findet. Zeitgleich verschwindet ein Mädchen in einer modernen Neubausiedlung. Allein die Aufklärung dieser Fälle stellt für Kühn eine große Herausforderung dar. Der Mittvierziger ist aber auch noch als Familienvater stark gefordert und muss sich mit den Wünschen seiner Tochter, die seine finanziellen Mittel überschreiten, mit den politischen Ansichten seines Sohnes und den Bedürfnissen seiner Ehefrau auseinandersetzen. Jan Weiler hat eine ungewöhnliche Geschichte geschrieben, die eine kriminalistische Handlung mit Gesellschaftskritik verbindet. Nur die Zahl der Themen, denen er sich annimmt – von Flüchtlingsproblematik und Integration über Rassismus und Bürokratie bis hin zu Bausünden und Umweltverschmutzung – waren für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten. Die detaillierte plastische Darstellung des kleinbürgerlichen Lebens mit Weilers gewohnter Lakonie hätte ausgereicht. Angenehm überrascht war ich von der Hör-CD. Der Autor liest brillant mit viel Wärme und Mitgefühl.

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In diesem (Hör)Buch verbindet Jan Weiler viele Geschichten miteinander, plaudert besonders anfangs scheinbar ziellos daher, vermischt Historisches mit Alltäglichem und stellt mit Martin Kühn jemanden in den Vordergrund, der dem Leser/Hörer zuerst eher diffus erscheint, später dann als sehr durchschnittlich. Der Plauderton jedoch täuscht und lullt einen geradezu ein, so lange, bis das Finale ansteht und der eher harmlose 'Krimi' einen richtigen Psychopathen aufweisen kann. Ich weiß nicht, warum Jan Weiler dieses Genre benutzt, finde ich doch, dass seine Quaölitäten gerade in der Beschreibung des menschlichen Wesens liegen und es einen 'Knaller' gar nicht benötigt. Aber sei es drum, auch der Krimi/Thriller-Anteil ist wohldurchdacht und voller Abgründe, sodass man dem Autor diesen Exkurs gerne verzeiht. Schön war es auch einfach zu sehen, wie die Fäden zusammen laufen und ein rundes Gesamtbild ergeben. Ja, das hat seinen ganz eigenen Charme. Die Protagonisten sind in sich stimmig, wenn auch in ihrer 'Gewöhnlichkeit' manchmal langweilig. Dabei benutzt Jan Weiler nur bedingt Stereotypen, kann aber nicht anders, da er ja das alltägliche Leben darstellt. Sehr gut gefallen hat mir der leicht ironische Blick auf das Treiben der Menschen, der sich auch besonders deutlich durch den sehr gelungenen Vortrag des Autors erkennen lässt. Das ist einfcah der Vorteil, wenn der Autor selber liest: er weiß, wie er die Sätze gemeint hat und kann es (wenn er es denn kann) genauso vorlesen. Insgesamt aber war es mir persönlich ein wenig zu viel Drumherum für einen Krimi und zuviel Krimi für eine Geschichte um alltägliche, normale Menschen. Ja, es hätte mir besser gefallen, wenn der Autor auf die Morde verzichtet hätte. Keine Ahnung, warum das so ist, vielleicht liegt es einfach daran, dass ich mit einer ganz anderen Erwartung an dieses Hörbuch gegangen bin. Stilistisch bin ich völlig zufrieden, vorallem auch wegen der unterschwelligen Ironie und dem dementsprechenden Niveau. Auch liest Jan Weiler sehr professionell und man spürt die Liebe zum eigenen Wort und zu den Protagonisten. Als Hörbuch also überaus befriedigend. Fazit? Mir hat es gefallen, nur fehlte mir einfach das mitgerissen sein.

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Von Jan Weiler habe ich schon mehrere Hörbücher gehört und Bücher gelesen. Alle Hörbücher haben mir ausgesprochen gut gefallen, allerdings handelte es sich da mehr um humoristische Geschichten. Jetzt habe ich mir diesen Krimi vom Autor selbst „vorlesen“ lassen. Beschreibung des Hörbuches: Jan Weiler liest seinen ersten Krimi. Das Hörbuch besteht aus 7 CD und ist 8 Stunden und 28 Minuten lang. Auf dem Titelbild sind auf blauem Hintergrund Gebäude zu sehen. Im Vordergrund läuft eine Person, die Feuerwerksraketen in rot/weiß, angeordnet wie ein Blumenstrauß, in den Himmel aufsteigen lässt. Das Titelbild lässt zunächst keinen Rückschluss auf einen Krimi zu. Kurze Zusammenfassung: Jan Weiler liest in seiner bekannten Art den Krimi vor. Kommissar Kühn wohnt mit seiner Familie in einer Neubausiedlung in der Nähe Münchens. Er hat ein recht konservatives Familienleben mit zwei Kindern und Frau. Der pubertierende Sohn macht ihm zu schaffen. Die Nachbarschaft ist skurril. Eines Tages wird ein Toter in der Siedlung, keine 30 Meter von seinem Garten entfernt, gefunden. Kühn muss sich auf die Aufklärung des Falles konzentrieren, dabei schweifen seine Gedanken ständig ab… Mein Höreindruck: Der Krimi beginnt mit einem Nebenschauplatz. Zunächst ist nicht klar, was die vermutliche Verseuchung der Bausiedlung, in der Kühn und seine Familie wohnen, mit einem Mordfall zu tun haben könnte. Jan Weiler berichtet von der Entstehung der Wohnsiedlung, er führt die verschiedenen Protagonisten nach und nach mit einer genauen Beschreibung ihrer Charaktere ein. Seine Beschreibungen sind detailliert, manchmal leicht überzogen, aber auch mit Ironie durchzogen, wie man das von seinen anderen Hörbüchern kennt. Seine Vortragsweise ist sehr angenehm, seine Ausdrucksweise sehr akzentuiert. Im Laufe des Krimis stellt man fest, dass es hier weniger um die Aufklärung als um den Menschen Kühn mit seinem eher spießigen Leben, seinen verworrenen Gedankengängen, die oftmals Bilder der Vergangenheit hervorrufen, und seinem in Bürokratie gefangenem Arbeitsleben geht. Jan Weiler hat ein vielschichtiges Bild der Bewohner der Münchner Fantasiesiedlung gezeichnet. Die Vernehmungen der Mitbewohner zeigen ein Abbild der Gesellschaft mit all ihren Problemen, da wird der Tote zur Nebensache. Ich habe das Hörbuch nur über mehrere Etappen hören können, dabei fiel es mir schwer, mich auf diesen Krimi einzulassen. Aus dem Zusammenhang gerissen, wirkt er eher wie ein gesellschaftskritischer Roman. Fazit Der Krimi, der nicht eindeutig nur ein Krimi ist, ist abwechslungsreich, mit Ironie gespickt, gesellschaftskritisch aber nicht unbedingt spannend. Wer hier also einen typischen Krimi erwartet hat, der wird enttäuscht sein. Ich fühlte mich alles in allem durch die Vortragsweise gut unterhalten.

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10 / 10 Punkten "Genial!" (hoerbuch-test.info) Bewertung: Martin Kühn hat in dem vorliegenden Gesellschaftsroman für die Ohren ein enormes Problem mit seinen Gedankenströmen. Er hat als Polizist in München Teil der Gesellschaft, der ja eigentlich einen Mord aufklären soll, aber dabei ein Problem hat, wie fast jeder von uns. Er kann sich nicht mehr richtig auf eine Sache konzentrieren - ständig wird er von seinen Gedankenströmen abgelenkt und beeinflusst und kommt damit sowohl an sein gewohntes Potential nicht mehr heran, als auch dass er seinen festen Platz als Teil der Gesellschaft verliert. ... Sehr schön stellt Weiler die tiefe Krise seines Protagonisten dar. Einzigartig ist auch der Umstand, dass der Autor sein Werk selber vorträgt und ihm dies dabei noch besser gelingt, als man es von so manch anderem Sprecher kennt! Der Leser darf hoffen und gespannt sein, ob es eine Fortsetzung von dieser genialen Story gibt. Denn obwohl der Zuhörer über 8:28 Stunden an seinem Leben teilhaben kann, so sind doch noch einige Punkte offen gelassen und nicht auserzählt worden. Kritikpunkte: Keine! http://test-bericht.info/hoerbuch/jan-weiler-kuehn-hat-zu-tun/

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Wir kennen das vom „Tatort“: Ein Kriminalfall soll erzählt und gelöst werden, doch fünfzig Prozent der Story wird darauf verwandt, die per­sönliche Befindlichkeit des Ermittlers vorzuführen. So auch in Jan Wei­lers neuem Roman „Kühn hat zu tun“, dem Krimi-Debüt des sprachge­waltigen Kolumnisten (ehemals für das SZ-Magazin, den stern, dann für die Welt am Sonntag und die Sonntagsbeilage auf Bayern 2), der seit sei­nem Romanerstling „Maria, ihm schmeckt´s nicht!“ dauerhaft zu den Bestsellerautoren der gehobenen Unterhaltungsliteratur im deutschspra­chigen Raum gehört. Kühn hat zu tun. Und zwar sehr viel. Folglich bekommen auch wir Leser­Innen bzw. Hörbuch-ZuhörerInnen es hier mit sehr Vielem zu tun: Na­zis und Neonazis, Burn-out und Midlife crisis, Verschuldung, Alters­eins­amkeit, Traumatisierungen, Umweltskandal, ambitioniertem Klein­bürger­t­um, Ehe-, Familien und Geldproblemen – ein bunter The­men­strauß, gebunden um die Mord- und anderen Delikte eines Serientä­ters, der ein gefährliches Spiel mit Kommissar Kühn treibt. Der Roman beginnt mit einer furiosen Geschichte am Ende des 2. Welt­krieges, die ob ihrer Besonderheit und Genauigkeit eine starke Verflech­tung mit der in der Gegenwart spielenden Romanhandlung erwarten lässt. Doch letztlich ist nur ein einziges Motiv – die Kontaminierung des Bo­dens – konsequent in die Geschichte um Kühn eingearbeitet. Hätte Wei­ler weitere Motive des Eingangsszenarios – Zwangsarbeiter, Reputation von Rupert Baptist Weber – stärker einbezogen und dafür den bunten Themenstrauß etwas ausgedünnt, wäre vom Erzählaufbau gewiss eine runde(rer) Sache daraus geworden. Jan Weiler kann sehr genau beobachten und in kleinsten Anmerkungen Befindlichkeiten exakt und wie beiläufig auf den Punkt bzw. Begriff bringen: Als Kühn mit seinem pubertierenden Sohn, der bis gerade noch ganz auf Distanz zum Vater war, eine Geburtstagskarte für Tochter Alina am PC entwirft, heißt es z.B.: „Kühn sah auf die Finger seines Sohnes und stellte fasziniert fest, dass er keine Kinderhände mehr hatte.“ Weiler schildert Milieus und Alltagssituationen mit soziologischer Genauigkeit. Es ist immer eine Freude, wenn er in sein Erinnerungsarchiv der 70er, 80er und 90er Jahre greift und einen mit alten Musiktiteln, Kassettenre­kordern, Moden, Gepflogenheiten, „Tri Top“ und „Capri“-Eis auf die Spur der eigenen Erinnerungen bringt. Der Plot der des Krimis ist ungewöhnlich, bedarf allerdings auch einiger „Unwahrscheinlichkeiten“ (Wiedererkennen und Nicht-Wiedererkennen, plötzlicher Erinnerungsdurchbruch), um vorangetrieben zu werden. Weiler legt ein paar gute falsche Fährten und vereitelt, dass allzu früh klar ist, „wie der Hase läuft.“ Dass zum Schluß mit dem Hinweis auf notwendige Perspektivwechsel viele der zuvor lang und breit entfalteten Probleme (Ehe und Familie, Beförderungschancen, Hausschäden, Geldsorgen, Anzeigen) gleichsam in Luft aufgelöst werden, verfängt und überzeugt wenig. Immer wieder wird die Vorlesekunst von Jan Weiler hoch gelobt. Zu recht. Klare Artikulation, feine zurückhaltende Modulation. Beim Hörbuch „Kühn hat zu tun“ hatte ich den Eindruck, Weilers Vortragsweise changiere ein wenig gewollt zwischen der von Christian Brückner und Max Goldt (und das sage ich nicht des Reimes wegen). Außerdem höre ich mitunter Häme und Besserwissertum im Tonfall, wenn es darum geht, Kleinbürgerlichkeit und political correctness vorzuführen. Das hätte Weiler nicht nötig. Sein Text reicht vollkommen aus, die ironischen Brüche aufzuzeigen. Weniger wäre mehr gewesen.

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Jan Weiler serviert mit seinem Roman „Kühn hat zu tun“ ein gelungenes Potpourri aktueller und historischer deutscher Befindlichkeiten. Das Faszinierendste an diesem Gesellschaftsroman im Krimigewand sind die einfühlsamen Minimilieustudien, die überzeugende tragik-komische psychologische Dramaturgie sowie die schonungslose historische und gesellschaftskritische Selbstironie – eine Humorfacette, die in Deutschland ein eher seltenes Pflänzchen ist. Wir lernen den sympathischen Kühn bei der Arbeit kennen, er hat ein feines kriminalistisches Gespür und verfügt über eine sehr geschickte Vernehmungstaktik. Erinnerungsrückblenden illustrieren seinen psychischen und sozialen Werdegang. Kühn reflektiert gelegentlich über die wechselseitige Spiegelung von Gesetzeshütern und Gesetzesbrechern, und er hat Humor. Doch Kühn hat seit kurzem Konzentrationsschwierigkeiten; während einer Vernehmung liest er eine SMS seiner Frau, die ihm einen Einkaufszettel geschickt hat, und rätselt dabei, was denn „Schnippikäse“ sei. Dann fällt ihm auf, daß er zwar wildfremde Menschen zu Geständnissen bewegen kann, aber zwischen ihm und seinem pubertierenden Sohn herrscht in der letzten Zeit eine schmerzliche Kommunikationsblockade. Eines Tages hat er einen kurzen Weg zum Tatort, denn nur 30 Meter hinter seinem Garten liegt ein Mordopfer. Die eigenartige man könnte sagen - „künstlerische Handschrift“ - dieses Mordes läßt auf einen Serienmörder schließen… Kühn und seine Kollegen führen eine umfangreiche Befragung der Nachbarschaft durch und es ergeben sich interessante und glaubwürdige Einblicke in diverse Soziotope, Mülltrennungsdramen, sexuelle Spezialitäten, Rosenkriege und Klassenkämpfe. Aber auch die kollegialen Verhältnisse, Hierarchien und Bedingungen von Mordkommission und Justiz lassen durchaus in bürokratische Abgründe blicken und bieten Raum für beeindruckende zwischenmenschliche Psychogramme und schichtspezifische Vorurteile. Im Verlauf der weiteren Ermittlungen verliert Kühn immer mehr den Faden, Gedankenbilder überlagern sich, sein Denken macht unübersichtliche, assoziative Sprünge und die emotionalen Herausforderungen seines Berufes irritieren und überfordern ihn plötzlich. Liederstrophenrefrains, Haushaltsplanberechnungen, Karrierespekulationen, Werbesprüche, biographische Nachbesinnungen, zusammenhanglose Erinnerungspuzzleteilchen aus alten Kriminalfällen, Kindheitserlebnissen, Nachbarschaftsklatsch, siedlungstypische Bepflanzungsregeln – alles vermischt sich zu „Milchreis in seinem Kopf“, wie er selbstironisch bemerkt. Trotz der kriminalistischen Handlung konzentriert sich der zentrale Spannungsbogen nicht auf die Entlarvung des gesuchten Serienmörders, sondern auf die Figur von Polizeihauptkommissar Martin Kühn und seinen Kampf um gedankliche Klarheit. Der Autor Jan Weiler liest seinen Roman ganz ausgezeichnet - lebendig und mit passgenauer stimmlicher Charakterisierung. Die vollständige Rezension (dies hier ist nur ein Auszug) befindet sich unter flogendem Link auf meinem Buchbesprechungs-Blog: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/06/kuhn-hat-zu-tun/

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