Leserstimmen zu
Jenseits aller Grenzen

Erich Follath

(4)
(1)
(0)
(0)
(0)
€ 24,99 [D] inkl. MwSt. | € 25,70 [A] | CHF 34,90* (* empf. VK-Preis)

Ibn Battuta war ein Abenteurer, ein Reisender aus dem 14. Jahrhundert, der wesentlich weiter gereist ist und mehr gesehen hat als der in Europa viel bekanntere Marco Polo. Ibn Battuta stammt aus einer in Tanger ansässigen Berberfamilie. Er studiert islamisches Recht und bricht 1325 mit 21 Jahren zu einer Pilgerfahrt nach Mekka und Medina auf. Erst 25 Jahre später kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Drei Jahre nach seiner Rückkehr bricht er noch einmal zu einer großen Reise bis nach Timbuktu auf. Während seines bewegten Lebens beschäftigt er sich mit allen möglichen Professionen: Richter, Diplomat, Gelehrter, Makler und Kaufmann. Was sein Privatleben betrifft, so würde ich ihn nicht unbedingt als Sympathieträger bezeichnen. Er heiratete über ein halbes Dutzend Frauen und hatte zahllose Konkubinen und Sklavinnen, zeugte über 15 Kinder und verließ alle diese Frauen und Kinder wieder ohne Skrupel und Sentimentalitäten. Er liebte Macht und Geld, war aber auch ein Mensch mit großer Liebe zur Spiritualität. Nach der Rückkehr von seiner Rreise nach Timbuktu regt der einflußreichste Mann Marrokos, der Sultan von Fez, Abu Inan Faris an, Ibn Battuta möge doch einen Bericht über seine ausgedehnten Reisen schreiben. Dazu stellt er ihm eine Art Ghostwriter zur Seite, einen jungen andalusischen Schriftsteller. „Dieser Ibn Juzayy erweist sich als ein Segen und ein klein wenig auch als ein Fluch für das gemeinsame Werk. Als Dichter hochbegabt. gelingt es ihm, die sprudelnden Erinnerungen seines Gegenübers in eine ansprechende, ja literarische Form zu gießen. Aber Ibn Juzayys primäres Interesse gilt nicht einem genauen zeitlichen Ablauf der Ereignisse, und Ibn Battuta, der offensichtlich kein Tagebuch geführt hat, gerät gelegentlich bei seinen Erzählungen so aus dem Takt- und aus der Zeit-, dass jeder neuzeitliche Wissenschaftler oder Nachreisende vor einigen Passagen kopfschüttelnd konstatiert und kapituliert: Ganz so kann es nicht gewesen sein. (…) Trotz dieser kleinen Abstriche: dem Autorenpaar gelingt inhaltlich wie sprachlich, ein großer Wurf. Im Frühjahr 1355 vollenden sie das Werk“ p. 21 In diesem Buch beschreibt Erich Follath, Politikwissenschaftler und bekannter Sachbuchautor, der als diplomatischer Korrespondent für den SPIEGEL vor allem im Nahen Osten, Indien und Ostasien tätig war, eine Reise auf den Spuren Ibn Battutas. Follath erzählt von Ibn Battutas Reisen und Leben im 14. Jahrhundert und von seinen eigenen Eindrücken und Erfahrungen in den bereisten Ländern. Zwischen Mittelalter und 21. Jahrhundert reisen die Leser*innen an folgende Orte: Tanger, Ibn Battutas Geburtsstadt Kairo Damaskus Mekka, wohin er mehrere Male reiste, wohin ihm Erich Follath nicht folgen konnte; und sollte er es doch getan haben, kann er nicht in einem Buch darüber erzählen Shiraz Dubai, worüber hauptsächlich Follath berichtet, da zu Zeiten Ibn Battutas dort nicht viel mehr als Sand zu finden war Istanbul Samarkand Delhi Male, die Hauptstadt der Malediven Jakarta Hangzhou Granada An manchen Stationen fand ich die Berichte Ibn Battutas interessanter, an anderen die Berichte aus der Jetztzeit und immer die Verbindungen über 700 Jahre hinweg. Ein außerordentlich interessantes Buch, das man allerdings nicht schnell einmal an einem Nachmittag liest

Lesen Sie weiter

Lesenswert

Von: thomas patrick aus baden-baden

22.07.2018

Ein recht informatives, spannendes und gut geschriebenes Buch. Sieht man mal von dem einen oder anderen Fehler ab, aber das lässt sich ja bei der nächsten Auflage korrigieren, z.B. S. 49 der Taschenbuchausgabe: nicht Lauren Hutton (Schauspielerin), sondern Barbara Hutton war Woolworth-Erbin und eine Zeit lang in Tanger.

Lesen Sie weiter

Das Buch ist einfach großartig! Herzlichen Dank an Herrn Follath, der die Reisen des Ibn Battuta im Jahre 2015 nachvollzogen hat. Wie hat sich doch die Welt in den vergangenen 690 Jahren verändert, nicht immer zum Vorteil bzw. Nachteil, aber wir lernen doch wieder etwas über Toleranz, die uns heutigen Menschen irgendwie manchmal verloren gegangen ist. Ich möchte nur anmerken, daß ich vor vielen Jahren aus dem Hans Erdmann Verlag das Buch: Ibn Battuta- Reisen ans Ende der Welt 1325-1353, verschlungen habe. Schön, daß es jetzt ein Buch gibt, welches Bezüge zu der Gegenwart unserer ach so aufgeklärten Welt gibt...Nochmals meinen Respekt an Herrn Follath, der sich die Mühe und den Strapazen dieser Reise unterworfen hat und so ein klares Nachwort gefunden hat!

Lesen Sie weiter

Das Buch ist überragend, und doch zäh zu lesen. Mehr als zwei Städte am Tag konnte ich nicht lesen. Was nicht an dem Schreibstil liegt, sondern daran, dass die Vorstellung der 13 Städte wie Tanger, Kairo, Mekka, Damaskus, Shiraz, Samarkand, Delhi, Male, Jakarta, Hangzou, Granada; irgendwann redundant wirkt. Die Vorstellung ist zweigeteilt: Erst wird der historische Reisebericht zu Stadt zitiert (Vollständig erhältlich in der Edition Erdmann), dann berichtet der Autor über den heutigen Zustand und das heutige Zusammenleben der verschiedenen Kulturen - solange es zugelassen wird. Dabei fächert sich die ganze Bandbreite auf, wie der Islam gelebt werden kann - vom angsterfüllten, fast reaktionären Dasein in Saudi-Arabien bis zum toleranten Islam Indonesiens. Ein wenig arg kitschig fiel die Beschreibung des andalusischen Islams aus - alle haben sich lieb, Spannungen gibt es keine. Erstaunlich ist, wie wenig Ibn Battuta in der islamischen Welt präsent und bekannt ist. Eine Shopping Mall in Dubai ist nach ihm benannt, die immerhin Themenwelten zu ihm bietet. Aber sonst? Man stelle sich vor, dass Marco Polo in Europa kein Begriff wäre! Fazit Ein Buch, welches die Vielfalt der islamischen Welt aufzeigt.

Lesen Sie weiter

„Ibn Battuta ist ein Abenteurer vor dem Herrn par excellence“. Eier, dem die heimische Welt schon früh zu eng erscheint. Einer, der sich aufmacht, das Leben zu sehen, die Orte zu besuchen, den Horizont zu weiten, das Abenteuer zu erleben. Ein „Nicht-Sesshafter“ im positivsten Sinn des Wortes. Einer, der aus einer einfachen, dem Moslem bis heute bekannten und wichtigen Reise einen Startpunkt für eine „weltumspannende“ Entdeckung der islamischen Welt gesetzt hat. Und dass zu Anfang des 14. Jahrhunderts im bunten, schillernden, vielfältigen Orient. Und, vor allem, einer, der seine Erlebnisse und Eindrücke bereits damals festgehalten hat, so dass aufgrund dieses Reisetagebuches heute die weiten Wege Battutas nachvollzogen werden können. Und mehr noch, der Spiegel.Nahost-Experte Erich Follath setzt diesen „alten“ Erfahrungen je Aktualisierungen hinzu. Hat die Route in Teilen in der Gegenwart nachvollzogen und kann so den damaligen Eindrücken der besonderen Atmosphären seine eigenen, aktuellen Schlagworte ergänzend hinzufügen. Womit auch nahe liegt, und auch das findet sich im Buch, flüssig verfasst und hervorragend zu lesen, wieder, Verbindungen zu ziehen von A nach B, vom 14. Jahrhundert in die Gegenwart. Verbindungen, die aufzeigen, was denn in diesen Jahrhunderten dazwischen an Entwicklung geschehen ist, die zum gegenwärtigen Stand führte. Für Battuta verband sich so unter anderem mit seinen Erfahrungen in Anatolien und Istanbul der Begriff „zukunftsweisend“. Schon bei der Annäherung an die Stadt fallen die vielen unverschleierten, „modernen“ Frauen auf, welche „genauso viel Rechte genössen wie Männer“. Er selbst wird zu einem „Beschützer“ für eine Prinzessin, was ihm einen direkten Weg in die Metropole eröffnet. Faszinierend sind diese Reiseeindrücke und die ganz besondere Persönlichkeit Battutas zu lesen, erschreckend fast vergleicht man diese reiche, tolerante und offene Kultur mit der zunehmenden sich verengenden Kultur der heutigen Tage. „Es ist nicht das als Krankheit empfundene Leiden eines Einzelnen, sondern der millionenfach erlebte Verlust von Kultur und Atmosphäre, „Was im „Museum der Unschuld“ gegenwärtig an vielen kleinen Dingen anzuschauen ist. Oder welch umgekehrte Entwicklung Dubai genommen hat. Die Battuta als „die dreckigste, stinkendste und unerfreulichchste vorstellbare Stadt der ganzen Welt“ bezeichnet, während in der Gegenwart von 2013 zu 2014 dort die Immobilienpreise um 40 Prozent gestiegen sind und eine der modernsten Sädte der Welt nun dort zu finden ist. In der im Jahr 2020 die erste Weltausstellung überhaupt in einer Stadt des Nahen Ostens ausgerichtet werden wird. Tanger, Kairo, Mekka, Damaskus, Shiraz, Samarkand, Delhi, Male, Jakarta, Hangzou, Granada, vielfach und verschiedenen sind die Hauptknotenpunkte der damaligen „kulturellen Entdeckungsreise“ des wagemutigen Lebemanns, die bis heute nichts von ihrem Reiz verloren haben und die durch die sehr lebendige Darstellung Follaths mitsamt der gegenwärtigen Eindrücke ein wunderbares Bild von Entwicklungen über lange Zeiträume hinweg vermittelt. Und eine ebenso interessant Darstellung des aktuellen Status Quo der Vielfalt der islamischen Welt.

Lesen Sie weiter