Leserstimmen zu
Die Geschichte des Regens

Niall Williams

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Ein wunderbares Buch, mit unglaublicher Sprachgewalt und großer Bildhaftigkeit. Niall Williams beschreibt in „Die Geschichte des Regens“ eine irische Familiengeschichte aus Sicht eines leukämiekranken, bettlägrigen Mädchens: Ruth. Man lernt vordergründig Irland und seine schroffen, aber liebenswürdigen Bewohner kennen. Auch Ruth's große Liebe zu Büchern. Zwischen den Zeilen eröffnen sich allerdings viele kleine Überraschungen, die dazu führten, dass all meine Erwartungen an dieses Buch übertroffen wurden. Wenn man sich auf Williams' fulminanten Schreibstil und seine unglaubliche Tiefgründigkeit einlässt, entdeckt man gleich zu Anfang eine große Intensität und Vielfalt von Inhalten und gedanklichen Diskursen philosophischer und wissenschaftlicher Natur. Zudem gibt Niall Williams seiner Hauptprotagonistin Ruth ein mächtiges Stilmittel an die Hand, lässt sie aus ihrer Sicht wichtige Inhalte entgegen richtiger Rechtschreibung „groß“ schreiben, dadurch Elementares hervorheben. Die Sprache, Ruth's Blickwinkel, ist überwiegend frech, manchmal melancholisch, doch meistens sehr direkt. Ruth trotzt allem mit ihrem ganz eigenen Humor, was sich im gesamten Buch widerspiegelt. Trotzdem könnte man sagen, dass Williams mit seinem Stil etwas Magisches schafft. Fast liebevoll lässt er auf die Protagonisten und ihre Eigenschaften und Charaktere blicken. Ich war während des Lesens häufig berührt, musste dann aber auch wieder über Inhalte schmunzeln. Besonders erwähnenswert finde ich in diesem Kontext auch die außerordentliche Leistung der Übersetzerin Tanja Handels. Diesen Roman ins Deutsche zu übertragen erfordert meines Erachtens viel Können und Feingefühl für die sehr eigene Sprache Williams! Das Buch hat meiner Ansicht nach einen recht hohen Anspruch, man benötigt Ruhe und Zeit, um die Vielschichtigkeit verstehen zu können. Und es ist wohl eines dieser besonderen Bücher, die man entweder liebt oder hasst. Mir gefiel das Gesamtpaket einfach wahnsinnig gut und ich kann es jedem Liebhaber anspruchsvoller Literatur nur ans Herz legen! Ein wahrlich großartiger Roman!

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Sehr geehrte Herr Williams, Sprachlosigkeit ist der Zustand der mich beherrscht, wenn ich versuchen sollte, Zeilen zu ihrem Roman "Die Geschichte des Regens" zu verfassen. Zu reflektieren und gerade zu sagen, was ich von ihrem Werk halte. Es ist nicht möglich, es schnürt mir die Kehle zu und nimmt mir langsam und qualvoll die Luft zu atmen. Die Wasseroberfläche ist zum Greifen nahe, doch immer wieder, wenn ich meinen Arm nach vorne hinaus strecke, greife ich ins nichts. Jegliche Adjektive, Floskeln und Formulierungen werden ihrem Roman nicht gerecht, Herr Williams. Es tut mir Leid und im Herzen weh. Wir sind uns einig, am Erzähl - und Schreibstil gibt es nichts zu kritisieren. Diese Poesie, diese Leichtigkeit bei so einer schwerwiegenden Atmosphäre. Im Zimmer der Ruth Swain, die sterbenskrank ist und dennoch mit so einer positiven Ausstrahlung durchs Leben schreitet. Doch dazu später mehr. Ihre Worte, Herr Williams, fließen nur so dahin wie die Wassertropfen des Fluss Shannon durch Irland, durch Faha, dem Schauspielort dieses bezaubernden Werkes. Sie lassen Figuren und Vergangenheiten auferstehen und vor unserem Auge Gestalt annehmen, lassen sie verweilen und wenn es an der Zeit ist, auch wieder verschwinden. Hinterlassen mit einer leicht melancholischen Stimmung sitzen wir neben Ruth auf ihrem Bett und lauschen gespannt. Erwarten sehnsüchtig die nächste Anekdote. Wer hier Aufregung, Abenteuer und Spannung erwartet, wird enttäuscht. Es gibt keine großen Eregnisse, Höhepunkt oder Wendungen, die Geschichte plätschert hinfort, wie der Fluss vor dem Haus. Dies ist kein negativer Ausdruck, verstehen sie mich nicht falsch. Sie haben einen guten Job geleistet, Herr Williams. Ruth, oh Ruth. Du starke und vor Lebenslust strotzende Frau. Auch wenn du an dein Bett gefesselt bist, widersetzt du dich deiner Krankheit und strahlst nur immerzu. Erzählst uns von deiner Familie, deiner Umgebung, Irland, der Welt und Faha. Nur wenig erfahren wir über dich, aber das ist nicht schlimm, ich kenne dich. Umgeben von zahlreichen Büchern, der ehrlichen Literatur, lehrst du mir das Leben, zeigst worauf es ankommt. Du bist direkt und nimmst kein Blatt vor den Mund, so gefällst du mir. Du zerbrichst nicht an dem was Gott dir aufgebürden hat und dafür bewundere ich dich. Du kannst nicht anders, als du selbst zu sein. Ich freue mich, dass ich dich kennenlernen durfte. Liebster Herr Williams, es war mir eine Ehre ihr Werk "Die Geschichte des Regens" lesen und darin abtauchen zu dürfen, ich habe keine einzelne Sekunde bereut. Ich habe tief unten im Meer einen wahren Schatz gefunden und bedanke mich für diese einzigartige Möglichkeit, die mein Leben nachhaltig beeinflusst hat. Mit allerherzlichsten Grüßen Giv.

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Dieses Buch ist, um es mit den Worten des amazon-Nutzers wandablue zu formulieren, “Rosa. Dünn. Für Mädchen.” So weit die These. Und jetzt werde ich euch zeigen, warum dieses Buch eins der besten war, das ich je gelesen habe. Rosa: Es ist eindeutig blau, wie der Himmel und das Meer und der Shannon und der Regen. Dünn: Es hat etwas mehr als 400 Seiten, ist also gerade an der Schwelle zum dicken Buch. Und wenn es um die Story geht: Ich habe noch nie ein Buch gehabt, das so viel sagt, indem es nichts sagt. Für Mädchen: Entschuldigung, Emanzipation?! Und außerdem kenne ich auch Jungs, denen “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” gefallen und sie zu Tränen gerührt hat. Und doch ist dieses Buch viel mehr. Es ist das heutige Irland, von dem man denkt, es wäre stehengeblieben. Es ist eine Hommage an die Werke vieler bekannter und unbekannter Autoren, ja eine Hommage an die Literatur selbst. Das Cover ist wunderschön und endlich ist eine Story mal nicht vorhersehbar! Juchu! Die Charaktere sind interessant, da ich als Dorfkind irgendwie immer jemanden darin wiedererkenne. Am Ende des Buchs hat man das Gefühl, dass alles einen Sinn ergibt und sich die kleinenLiteraturpuzzleteile zu einem Ganzen zusammenfügen. “Die Geschichte des Regens” ist wie das Leben selbst, unerwartet, voller Überraschungen, manchmal langatmig, manchmal so spannend, dass man es nicht glauben kann. Ich kann nur sagen: Lest es und denkt über euer Leben nach. Ich möchte hier niemanden verletzen oder in seiner Meinungsfreiheit einschränken. Deshalb ist das Widerlegen der Rezensionsmeinung von wandablue bitte als gestalterisches Mittel zu sehen.

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Die an Leukämie erkrankte Ruth liest, Ruth liest sich die Büchersammlung ihres Vaters, um genau dies zu tun, ihren Vater zu finden und zu verstehen. Denn die Swains sind anders, sind Anhänger des ‘Unmöglich Hohen Anspruches’ an sich selbst und ihr Leben und damit ist ihr Scheitern vorprogrammiert, seien es nun der Reverend oder dessen Sohn Abraham, der Großvater Ruths, und schlußendlich fällt auch ihr Vater Virgil, Virgil der Bauer, Virgil der Dichter diesem Verdikt zum Opfer. Auf über vierhundert Seiten präsentiert Williams mit der Geschichte des Regens eine pralle Familiensaga, die sich die belesene und phantasiebegabte Ruth in den einsamen Stunden in ihrer Mansarde zurechtlegt. Eine Familiensaga, eingebettet in die Geschichte der Menschen von Faha, die traurig sein kann und tragisch, die komisch und skurril sind, eine Geschichte der Swains und der MacCarrolls, dieser Vermählung von Zunge und Papier, der Vermählung des Unwahrscheinlichen mit dem Unmöglichen. Eine Familiensaga, in der auch die Romane und Bücher, die Figuren und Dichter, deren Werke Ruth förmlich in sich einsaugt, Pate stehen und Ruth durch diesen “Trick” auch ihre Eltern, zuvörderst ihren Vater, zu einer Art literarischen Figur werden läßt: "Genauso macht es Charles Dickens in Martin Chuzzlewit (Buch 180, Penguin Classics), wo er im Ersten Kapitel die Chuzzlewits bis zu Adam und Eva zurückverfolgt. Die MacCarrolls gehen noch weiter zurück". Und: "Wenn ich als meinen Vater als Virgil Swain denke, wird er für mich zur Geschichte. Ich halte ihn für meine eigene Erfindung…." "Ist das auch wirklich wahr, Ruth? frage Mrs Quinty mit aufgerissenen Augen und erhobenen Brauen und verfehlte damit völlig den Zweck aller Geschichten." Das Buch spielt am Fluss, dem Shannon, die Geschichte ist ein Fluss. Ein Erzählfluss, mäandernd, ausschweifend, mitnehmend, fesselnd, tragend, strömend... es ist ein Leseerlebnis, in diese fantasievolle Welt der Ruth Swain einzutauchen, die bei aller Tragik nie die Lust am Leben verliert. (http://wp.me/paXPe-8EY)

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Ruth Swain, leidet mit gerade mal 19 Jahren an Leukämie und hat strikte Bettruhe verordnet bekommen. Gesellschaft leisten ihr die dreitausendneunhundertfünfundachtzig Bücher die ihr Vater Virgil Swain ihr hinterlassen hat und auch sie selbst ist dabei ihre ganz eigene Geschichte niederzuschreiben. Dabei lässt sie ihre Vorfahren noch einmal aufleben und erzählt von ihrem Urgroßvater Absalom bis hinzu sich selbst, den Verlauf ihrer Familie und auch Irland selbst und vor allem die Dorfgemeinde Faha, lässt sie dabei aufleben... Gestaltung: Ich persönlich mag das Cover sehr gerne, zumal sich im Buch auch ein direkten Bezug zum Fluss und zu Lachsen herstellen lässt, ganz besonders verzaubert mich hier allerdings auch der Titel, der hat mich sofort neugierig werden lassen. Meinung: Bei diesem Buch musste ich nur den Klappentext lesen und hatte gleich ein äußerst positives Gefühl, bedenken, dass mir dieses Buch nicht gefallen würde hatte ich keine. Und tatsächlich merkte ich auch beim Lesen sehr schnell, dass dies ein besonderes Buch ist. Das liegt vor allem daran, dass die Familie Swain ziemlich eigen ist. Ich hab es wirklich schön gefunden Ruths Erzählungen über ihre Familie zu lauschen, sie geht sehr weit zurück und erzählt von Erlebnissen ihrer Vorfahren, die sie selbst nie miterlebt hat und erzählt auch um deren Emotionen. Sie dringt selbst sehr tief in ihre Vorfahren hinein und formt deren Persönlichkeiten. Als Leserin konnte ich nie mit Sicherheit sagen ob all das wahr ist, aber ich hab es als gegeben hingenommen und hab mich fortan einfach von den Persönlichkeiten ihrer Familie leiten lassen. Das schöne war wirklich, dass sie alle einzigartig sind und nicht alles an ihnen ist positiv, aber die Erzählungen von Ruth haben mir durchaus das Bedürfnis gegeben mehr über sie erfahren zu wollen und ich spürte zu ihnen auch eine sehr starke Verbindung, auch wenn diese ebenfalls mit negativen Gefühlen behaftet sein konnten, zumindest teilweise. Jeder ihrer Vorfahren, des Familienzweigs Swain macht eigene Erfahrungen und viel wird ihr Verhalten von der Erziehung ihres Vaters geprägt. Das fand ich auch sehr interessant mitzuerleben wie über die Generationen hinweg jeder sich von seinem Vater distanziert hat und einen ganz eigenen Weg gegangen ist, das fand ich sehr wertvoll und hat für Vielfalt zwischen den Geschichten gesorgt. Während Abalom, Ruths Urgroßvater, ein Reverend der Gemeinde war, hat sich sein Sohn Abraham dazu entschlossen der Kirche seinen Rücken zuzukehren und seinen Sohn Virgil, Ruth Vater, von der Kirche fernzuhalten. Defizite gab es bei ihm allerdings in der Zuschaustellung von Gefühlen, so dass Virgil umso mehr seine Liebe an seine Kinder weitergab.. Es ist eine tolle Entwicklungskette, wie ich finde uns sehr interessant, natürlich spielt auch das voranschreitene Zeitalter damit hinein. Besonders mochte ich von allen Charakteren Virgil, Virgil hab ich als sehr still empfunden und so manches Mal hat er bei mir das Bedürfnis hervorgerufen ihn in den Arm nehmen zu wollen, denn Virgil ist jemand der wirklich alles gitb und alles versucht und dabei immer scheitert. Und das hat bei mir für so viele verschiedene Momente gesorgt, es hat mich bedrückt, weil der Kummer zu spüren war, aber es hat mich auch zum lachen gebracht oder hat ganz einfach mein Herz erwärmt. Für mich ist Virgil das Herzstück des Buches gewesen und ich hab jeden Moment mit ihm genossen. Was ich insgesamt ein bisschen schade fand war, dass überwiegend über Ruths männliche Vorfahren berichtet wurde und ja es ging natürlich vorläufig um den Zweig der Swains, aber die Frauen eben dieser Familie kamen für mich viel zu kurz. Besonders schade fand ich auch, dass Ruths Sicht sehr von sexistischen Ansichten geprägt sind, für sie funktionieren Männer so und Frauen so und allein das fand ich für mich schon ziemlich unerträglich, aber dann hatte ich ebenso das gefühl, dass sie das männliche Geschlecht heroisiert, das ging für mich dann doch zu weit. Vor allem weil es immer als Fakt dargestellt wurde und nicht als eigene Meinung, besonders lustig ist es dann wenn sie die Literatur als Beleg für solche Behauptungen hernimmt. Vielen wird das vielleicht gar nicht stören, aber mich hat das an einigen Stellen wirklich die Nerven geraubt und Ruth wurde mir dadurch auch weitaus weniger sympathisch. Dabei ist ihre gesamte Figur durchaus liebenswert. Ansonsten mochte ich es gerade, dass das Buch direkten Bezug zur Literatur nimmt und sich zeigt welche Bücher für Ruth aber auch ihrer Familie bedeutsam sind und Ruths Erzählungen sprühen nur so vor Liebe zur Literatur und auch das finde ich immer unglaublich schön in Büchern. Neben den eigentlichen Familienkern, lebt aber auch das ganze Dorf auf, jeder Bewohner wird mit seinen eigenen Mermalen vorgestellt und auch diesen Aspekt fand ich schön, weil es auch hier ein paar schrullige Charaktere gibt, die für schöne Momente gesorgt haben. Ansonsten ist dieses Buch emotional doch sehr aufwühlend gewesen, denn die Erzählungen rund um ihre Familie sind nicht nur freudig, auch die schlimmen Momente kommen zu Tage und die haben auch bei mir Spuren hinterlassen, sehr wertvoll ist es aber, dass niemand hier sein Mut verliert und die Hoffnung sie stets umhüllt. :) Geschrieben ist das Buch außergewöhnlich schön, es ist eine tolle fließende Sprache die alles von einer gewissen Distanz betrachtet und es doch schafft einen mitten hinein zu befördern. Es finden sich viele wunderbare Sätze und Gedanken dadrinnen und die habe ich als sehr wertvoll empfunden. Fazit: Eigentlich hätte dieses Buch die volle Punktzahl verdient, dadurch, dass es aber doch häufiger mal vor Sexismus trieft, kann ich das mit mir nicht ganz vereinbaren. Dennoch gibt es von mir eine klare Leseempfehlung, denn hier stecken besondere Charaktere drinnen, die was besonderes zu erzählen haben und das ist für mich ein wunderschönes Erlebnis gewesen, dass ich in mein Herz geschlossen habe. :)

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Dieses Buch hat mich in vielerlei Hinsicht beeindruckt, weil es meine Erwartungen übertroffen und vorab angestellte Befürchtungen nicht bestätigt hat. Der Autor Niall Williams schafft es, in seinem Werk besondere Charaktere mit einem atmosphärischen Schauplatz und tragisch-lustigen Handlungssträngen zu verbinden. Dabei sind der Regen und der Fluss zentrale Elemente, die im Laufe des Buches immer wieder in die Handlung und Erzählung miteinfließen. Neben dieser inhaltlich interessanten Konstellation, zeichnet sich dieses Buch durch einen außergewöhnlichen Schreibstil aus, der mir in dieser Form noch nicht begegnet ist. Gerade Letzteres hat mir jedoch die Lektüre zu Beginn ein wenig erschwert. Der schon poetische Schreibstil des Autors- bzw. die Erzählweise von Ruth- ist außerdem gekennzeichnet durch zahlreiche Anspielungen, eine Portion trockenen Humors und Ironie. Zudem verweist die belesene und literaturfanatische Ruth in ihren Erzählungen immer wieder auf Werke und Autoren, die ihr in der jeweiligen Situation in den Sinn kommen. Diese sprachlichen Besonderheiten haben mir den Einstieg in das Buch erschwert, zumal ich die meisten angesprochenen Werke nicht kenne. Deshalb ist es für mich definitiv kein Buch, das sich schnell durchlesen lässt. Im Gegenteil: Man muss durchaus konzentriert sein, um alle sprachlichen sowie inhaltlichen Feinheiten erfassen zu können. Nach dem ersten Drittel des Buches hatte ich mich dann aber an die Sprache gewöhnt und war sehr angetan von dieser ganz anderen Art der Erzählung. Noch einmal zurück zu den Figuren: Es ist wunderbar zu lesen, wie einmalig und detailgenau die Charaktere anhand von Momentaufnahmen und Rückblicken der Hauptprotagonistin Ruth gezeichnet sind. Der Leser wird dadurch nicht nur mit den Figuren, sondern auch mit der irischen Mentalität und den Verhaltensweisen vertraut gemacht. Auch wenn nicht alle Charaktere in gleicher Intensität beschrieben werden - der Schwerpunkt liegt meiner Meinung nach auf Ruths Vater - konnte ich als Leser sofort mit allen Beteiligten mitfühlen und ihre Handlungen nachvollziehen. Meine zuvor eher mageren Kenntnisse über die Charakterzüge und Lebensweise der Iren haben sich in jedem Fall erweitert. Dieses Buch punktet vor allem durch den einzigartigen Schreibstil, einer melancholisch-lustigen Stimmung und der wunderbaren Darstellung der Personen. Ich kann es jedem empfehlen, der von den zahlreichen Standardgeschichten gelangweilt und auf der Suche nach einer ruhigen aber mitreißenden Geschichte ist.

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Ruth lebt in der Welt ihrer gut dreitausend Bücher, ein wenig lebt sie zwar auch am Ufer des Shannon in Irland, doch die reale Welt ist ihr nicht halb so lieb, wie gute Geschichten. Das kommt auch daher, dass Ruth, von Leukämie geschwächt, ihr Bett nicht verlassen kann und sich (umgeben von den Büchern ihres Vaters) in andere Welten flieht. Doch unabhängig von ihrer Erkrankung liebt Ruth diese Bücher und spürt ihrem, ebenfalls äußerst literarischen, Vater zwischen den Seiten nach. Die Protagonistin erzählt ihre eigene Geschichte und hat dabei eine so besondere Stimme, dass man sich völlig in den wunderschönen Sätzen, den humorvollen Szenen und den atmosphärischen Beschreibungen verlieren kann. Zwar sagt Ruth: „Mrs. Quinty meint, ich litte an Stilistischer Überfülle und müsse mich zügeln.“ Ich sehe das aber ganz anders! Gut, dass sich die Erzählstimme des Buches nicht bremst oder zügelt. So entsteht eine wunderschöne Geschichte die mich mit ihrer beinahe traumartigen Atmosphäre ganz umsponnen hat. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist die Angewohnheit durch Großschreibung besonders wichtige Elemente eines Satzes zu betonen. Sobald man sich darauf einlässt, entsteht dadurch jedoch ein ganz besonderer Rhythmus in der Geschichte. Die Handlung von „Die Geschichte des Regens“ zu umschreiben ist nicht ganz einfach. Denn sie entwickelt sich weniger linear, als dass sie sich vielmehr flussartig durch das Buch mäandert. Mal werden Einschübe in die Geschichte der Familie oder des Örtchens eingesetzt, mal Abschweifungen in wunderschöne Naturbeobachtungen unternommen. Zwar bleibt als dominierendes Thema immer Ruths Suche nach dem wahren Wesen ihres Vaters, nach seinen Spuren, doch auch dieses Thema wird wiederholt unterbrochen. Auch andere wiederholende Themen und Motive (wie der Regen, der Fluss und die Lachse) tauchen immer wieder in verschiedenem Zusammenhang auf. „An Tagen wie diesem ist das ganze Haus im Fluss. Die Felder sind in weihe graue Wettertücher gehüllt. Man kann nichts sehen, doch man hört das Wasser immerzu fließen, als würde das ganze Land an uns vorbeigeschwemmt.“ Besonders begeistert hat mich die Beschreibung der irischen Seele, der kauzigen Dorfbewohner und der beeindruckenden Landschaft. Jede Figur und sei sie noch so unbedeutend für die weitere Handlung, wird mit viel Liebe zum Detail und schönsten Beschreibungen vorgestellt. So bildet sich aus Ruths Beschreibungen und dem ruhigen dahinfließen der Geschichte bald eine eigene Welt, der man sich nicht entziehen kann. Trotz aller traurigen Abschnitte und tragischen Begebenheiten in der Handlung hat mich „Die Geschichte des Regens“ damit durchgehend glücklich gemacht. Ich wollte dieses Buch am liebsten nicht mehr beenden, sondern immer weiter durch die Handlung treiben. Ich möchte “Die Geschichte des Regens” allen Lesern ans Herz legen, die einen Sin für fein formulierte, ruhige Geschichten mit einer leisen Melancholie haben. Jeder passionierte Leser wird sich in Ruth wiederfinden und vielleicht geht es euch wie mir, und ihr verliebt euch ein wenig in diese tolle Protagonistin.

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Hin und weg. Anders kann ich es nicht beschreiben: ich bin hin und weg von diesem Buch. Woran das genau liegt? Eigentlich an allem, denn in "Die Geschichte des Regens" stimmte für mich durchweg jeder Punkt. Lasst euch vom Klappentext nicht zu früh täuschen und erwartet keinen Roman über ein totkrankes Mädchen. Ruth ist zwar die Erzählerin dieser Geschichte, doch geht es in ihrem Buch vielmehr um das Leben ihres Vaters, um Irland und um viel viel mehr. Sprachlich ist dieses Werk eine gewaltige Welle, der ich mich kein einziges Mal entziehen konnte. Man erkannte an Ruths Wortwahl, der Länge der Sätze und der metaphorischen Sprache ihre und Williams' Liebe zur Literatur, welche man als Leser an vielen Stellen nur teilen kann. Und dennoch ist der Text so randvoll von Zitaten und Hinweisen auf (englische) Klassiker, dass man während des Lesens nur noch mehr Lust bekommt zu lesen; dass man sich sogar fragt, warum man nicht den ganzen Tag nur dieser Leidenschaft nachgeht und sich neben Ruth und besonders ihrem Vater wie ein unwissendes Ding vorkommt, was noch sehr viele Seiten umzublättern hat. Trotzdem ist dieses Buch, gerade durch seine Besonderheit und einer eher dahintröpfelnden, kaum chronologisch geordneten Handlung, nicht für jeden geeignet. Was ich anziehend und mitreißend fand, würde andere Leser womöglich langweilen oder verwirren. Deswegen möchte ich diesen außergewöhnlichen Roman all jenen ans Herz legen, die vor verschachtelten Sätzen nicht zurückschrecken, auch stillen Büchern etwas abgewinnen können und - das ist wohl das Wichtigste - Literatur und Sprache lieben, wie man sie nicht in jedem Werk findet. In meinen Augen ist "Die Geschichte des Regens" zeitlos und ein absolutes Lesehighlight für dieses Jahr.

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