Leserstimmen zu
Dein letzter Tag

A. J. Rich

(2)
(9)
(2)
(4)
(0)
€ 8,99 [D] inkl. MwSt. | € 8,99 [A] | CHF 11,00* (* empf. VK-Preis)

Als die Psychologiestudentin Morgan Prager in ihre New Yorker Wohnung kommt, erwartet sie ein furchtbarer Anblick: Ihr Verlobter Bennett liegt bis zur Unkenntlichkeit zugerichtet in ihrem Schlafzimmer, Morgans drei Hunde sitzen mit blutverschmierten Schnauzen daneben. Alles deutet darauf hin, dass die Hunde ihn zu Tode gebissen haben. In den nächsten Tagen wird Morgans Schock noch vergrößert, denn es stellt sich heraus, dass offenbar nichts, was Bennett ihr von seinem Leben erzählte, der Wahrheit entspricht. In seiner angeblichen Heimatstadt gibt es keinen Hinweis auf ihn oder seine Eltern, die Adresse seines Noch-Wohnsitzes existiert nicht, auch seine Arbeitsstelle ist erfunden. Da kein Ausweis bei seiner Leiche gefunden wurde, kann niemand sagen, wer Bennett tatsächlich war. Schließlich stößt Morgan im Internet auf eine weitere Verlobte Bennetts, die sich mit ihr treffen will. Doch am Treffpunkt erfährt Morgan, dass die Frau bereits vor Wochen unter mysteriösen Umständen gestorben ist. Und sie ist nicht die Einzige aus seinem Umfeld, die plötzlich verstirbt. Morgen ahnt, dass sie das Rätsel um Bennett lösen muss, ehe sie selbst zum Opfer wird ... Bewertung: Das Autorenduo wählt einen im Thrillergenre beliebten und vielversprechenden Ausgangspunkt: Die Protagonistin verliert ihren Partner und stellt in den nächsten Tagen und Wochen mit wachsendem Entsetzen fest, dass er ein ganz anderer war, als er vorgegeben hat. In diesem Fall weiß Morgan nicht einmal den richtigen Namen ihres verstorbenen Verlobten, da sie weder gemeinsame Freunde haben noch seine Familie zu finden ist noch seine DNA gespeichert ist. Die Handlung ist durchweg spannend und kurzweilig. Auf Nebenstränge wird verzichtet, es geht immer nur darum, aus Morgans Sicht zu erleben, was sie als Nächstes über "Bennett" aufdeckt. Den Tod ihres Verlobten durch ihre eigenen Hunde zu verkraften ist schon schwer genug für die Ich-Erzählerin. Dann aber zu erfahren, dass er sie nach Strich und Faden belogen hat und parallel noch andere Beziehungen führte, macht es noch einmal schlimmer. Als sich herausstellt, dass eine andere Exverlobte offenbar ein paar Wochen vor seinem Tod ermordet wurde, muss Morgan sogar fürchten, dass Bennett ein Mörder war. Als weitere Morde geschehen, steht sie vor der Frage, ob diese auch etwas mit ihm zu tun haben - und wenn ja, wer dahintersteckt. Verdächtig kommt Morgan Bennetts wirre Freundin Samantha vor, die darauf beharrt, dass er noch leben würde, da sie regelmäßig E-Mails von ihm erhält. Denkbar ist aber auch, dass Samantha tatsächlich E-Mails von jemanden erhält, der sich für Bennett ausgibt. Es ist kein Werk, das erst auf den allerletzten Seiten die Auflösung präsentiert, mit etwas Feingefühl erahnt der Leser die Hintergründe schon etwas vorzeitig, aber dennoch hält der Roman gut in Atem. Morgan informiert zwar regelmäßig die Polizei über ihre Erkenntnisse, stellt aber auch eigene Nachforschungen an. Es ist sehr fesselnd, ihre Entdeckungen mitzuverfolgen - sei es, dass sie nach Kanada reist, um Bennetts angebliche Wohnung zu finden, dass sie seine anderen Exverlobten ausfindig macht und seine Exfrau trifft oder dass sie eine Hackerin beauftragt, Bennetts Mailkonto zu knacken. Daneben ist es auch reizvoll, die Entwicklung zwischen Morgan und McKenzie zu beobachten, dem auf Tierrecht spezialisierten Anwalt, der sich für Morgans Hunde einsetzt und den Morgan mehr als sympathisch findet. Auch wenn ihre Pyrenäenberghündin Cloud und die beiden Pitbull-Mischlinge George und Chester Bennett getötet haben sollen, vertraut Morgan ihnen weiterhin und möchte sie unbedingt vor dem Einschläfern bewahren. Der Tierschutz liegt Morgan am Herzen; während die sanftmütige Cloud seit dem Welpenalter bei ihr lebt, hat Morgan Chester und George erst vor wenigen Monaten aus einer Tötungsstation gerettet. Dieser Hingabe für ihre Tiere macht Morgan von Beginn an sympathisch, auch wenn sie ansonsten ein wenig zu blass bleibt. Ein kleines Manko des Romans ist daher der etwas spärliche Einblick in Morgans Emotionen. Zwar reagiert sie grundsätzlich natürlich geschockt und entsetzt auf die Enthüllungen, aber es bleibt bei eher oberflächlichen Erwähnungen dieser Gefühle, statt sie den Leser intensiv durch Gedanken und Handlungen spüren zu lassen. Morgan kommt einem dadurch als Charakter nicht ganz so nah, wie angesichts ihrer Lage möglich wäre; sie erscheint phasenweise fast wie eine Außenstehende zu erzählen, und man leidet nicht ganz so sehr mit ihr mit, wie zu erwarten wäre. Das dramatische Finale hat zudem ein, zwei konstruierte Szenen, die sich aber in Grenzen halten, sodass keines der Mankos den Lesegenuss erheblich schmälern würde. Fazit: Spannender und kurzweiliger Thriller mit interessanter Ausgangslage, der durchweg gut unterhält. Die Hauptfigur hätte zwar noch lebendiger gestaltet werden können, trotzdem ergibt sich unterm Strich ein sehr unterhaltsamer Roman für Freunde des Genres.

Lesen Sie weiter