Leserstimmen zu
"Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden."

Jehuda Bacon, Manfred Lütz

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Jehuda Bacon ist mir bereits in dem Buch "Mich hat Auschwitz nie verlassen" aufgefallen. Ich weiß nicht genau warum, aber irgendetwas an ihm hat mich direkt berührt. Schon in seinem Vorwort spricht Dr. Manfred Lütz eben dieses Empfinden an. Er beschreibt Jehuda als einen "kleinen freundlichen weißhaarigen Mann mit ungemein lebendigen Augen" und dass das was er sagt so berührend ist. Vor allem für jemanden, der so unfassbares Leid erfahren musste. Etwas, dass mich in diesem Zusammenhang auch so berührt hat war, dass Jehuda sagt, das jeder Mensch so ist wie man selber. Wir sind alle gleich, ganz gleich, ob wir in Armut oder Reichtum aufwachsen, ob wir ein Mann sind oder eine Frau. Wir sind alles einfach nur Menschen. Er spricht immer wieder von dem unauslöschlichen Funken in jedem und das dieser selbst im grausamsten SS-Offizier aufblitzte. Im Verlauf des Interviews erwähnt Jehuda auch immer wieder wichtige Begegnungen in seinem Leben und von Menschen, die ihn in seinem Glauben und seiner Entwicklung unterstützt und bestärkt haben. Zu diesen Außergewöhnlichen gehört unter anderem der Heimleiter Pitter, der ihn in sein Waisenhaus aufnahm und ihm half, seinen Glauben an das Gute im Menschen wieder zu finden. Es ist wirklich verrückt, dass es manchmal Bücher gibt, die auf den ersten Blick so unscheinbar erscheinen, die einen dann einfach nicht mehr loslassen und erst wieder in die Freiheit entlassen, wenn man auch wirklich die letzte Seite zuende gelesen hat. Dieses kleine Buch ist so eines. Und wie es am Anfang des Buches bereits heißt, dieses Buch ist kein Buch über Auschwitz. Gleich vorweg soll gesagt sein, dass dieses Buch nur aus einem langem Interview besteht und auf keinem Fall ein Roman ist. Mich hat das nicht gestört, viel mehr fand ich es sogar sehr angenehm, denn beide Interviewpartner erscheinen sehr ruhig und entspannt, was sich auch auf den Leser überträgt. Desweiteren ist es in äußerst interessante Kapitel gegliedert, in denen unter anderen auf die Erlebnisse von Jehuda während seiner Zeit in den Konzentrationslagern sowie Gewaltmärschen beschrieben wird und zum anderen wie man dem Bösen, dass einem begegnet, umgehen kann und sich mit Hilfe von Gott und seinem Glauben immer wieder dagegen entscheiden kann. Alleine schon das Vorwort hat mich sehr berührt. Im später folgenden Interview geht Manfred Lütz vor allem der Frage nach, wie es möglich sein kann, wie ein Mensch so viel Schrecken und Schikane ertragen kann und dennoch ein gesundes Mensch-vertrauen hat. Jehuda Bacon hat so unendlich viel erlebt, was er schon während des Krieges mit zeichnen zu verarbeiten versuchte. Viele Bilder gingen leider während des Krieges verloren. Der Schrecken (Tod von Bekannten, Freunden, seinem Vater sowie von Fremden) aber auch die glücklichen Momente leben in seinem Gedächtnis weiter. Ich war immer wieder erstaunt, wie Jehuda selbst in schlechten Erinnerungen positives finden konnte und nie die Hoffnung aufgegeben hat. Ich knie mich nieder vor so viel Optimismus, der mir selber in so vielen, insbesondere lächerlichen Situationen fehlt. Für mich ist Jehuda ein Vorbild. Ein unsagbar positives Vorbild.

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Der Theologe und Psychiater Manfred Lütz lernte während einer Israel-Reise durch Zufall den Künstler und Auschwitz- Überlebenden Jehuda Bacon kennen. Tief beeindruckt von dem Mann, fragte er ihn bei seiner Abreise, ob er bereit sei, seine Erlebnisse in Buchform zu veröffentlichen. Kurz darauf flog Manfred Lütz erneut nach Israel und verbrachte vier Tage mit Jehuda Bacon. Aus den intensiven Gesprächen in Form eines Interviews niedergeschrieben, entstand dieses Buch. Ich habe schon viel über das Thema Auschwitz gelesen und finde es immer wieder grausam, die Erlebnisse eines Zeitzeugen zu hören. Zuerst lebte Jehuda noch in Theresienstadt, das damals als Vorzeige- KZ galt, weil dort öfters Inspektionen durch das Deutsche Rote Kreuz durchgeführt wurden. Dort ging es den Häftlingen noch halbwegs gut. Das änderte sich schlagartig, als Jehuda nach Auschwitz deportiert wurde. Wir schrecklich muss es sein, die ganze Familie sterben zu sehen und selbst zu überleben? Gänsehaut bekam ich, als ich las, dass Jehuda Bacon in einem seiner Bilder das Krematorium von Auschwitz gemalt hat, und in dem aufsteigenden Rauch das Gesicht seines ermordeten Vaters. Nachdem Jehuda als 15jähriger befreit wurde, hatte er das Glück, in ein Kinderheim zu kommen, in dem ein bemerkenswerter Pädagoge ihm den Glauben an die Menschheit zurückgab. Trotz seiner schrecklichen Erlebnisse ist Jehuda Bacon kein verbitterter alter Mann, sondern Manfred Lütz beschreibt ihn als freundlich, bescheiden und zuweilen heiter. Was mir nicht so gut gefallen hat, ist die Form, in der das Buch geschrieben ist. Manfred Lütz stellt Fragen, die Jehuda Bacon beantwortet. Dadurch empfand ich den Lesefluss immer wieder unterbrochen und die Erzählung konnte mich nicht ganz so einnehmen, wie sie es verdient hätte. Trotzdem ist es ein sehr lesenswertes Buch, das man sicher nicht so schnell vergessen kann.

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