Leserstimmen zu
"Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden."

Jehuda Bacon, Manfred Lütz

(5)
(2)
(0)
(0)
(0)
€ 16,99 [D] inkl. MwSt. | € 17,50 [A] | CHF 23,90* (* empf. VK-Preis)

Ein Highlight

Von: Amber144

27.01.2019

Ich habe schon viele Erfahrungsberichte von Überlebenden und auch Berichte von deren Flucht oder Aufenthalten in Konzentrationslagern gelesen. Selten hatte ich so einen Kloß im Hals und war so beeindruckt wie bei diesem Buch. Das Buch ist als Interview geschrieben, womit ich nicht gerechnet habe. Als ich das Buch beendet hatte, erschien es mir aber genau die richtige Schreibweise um den Leser nachhaltig zu beeindrucken. Jehuda Bacon hat so viel schlimmes in seinem jungen Leben erlebt und geht so klar mit diesen Dingen um. Ich hatte vorher noch nichts von ihm gehört, aber nachdem ich das Buch beendet habe, habe ich mir seine Bilder angeschaut und konnte das Buch noch viel besser verstehen. Es ist schlimm, dass solche Bücher geschrieben werden müssen und Menschen solche Dinge erleben mussten. Tief beeindruckt hat mich, dass er immer probiert hat das Positive im Menschen zu sehen. Selbst in den Menschen, die ihn in Auschwitz gequält haben. Ich bin tief beeindruckt über Jehuda Bacon und seine Einstellung. Den Satz von Manfred Lütz unter dem Klappentext konnte ich erst nicht verstehen, Nach Beendigung kann ich es. Ein Buch, das viel mehr überall erscheinen müsste. Jehuda Bacon ist so ein weiser Mann und es kann jeder von seiner Einstellung zum Leben profitieren. Ich vergebe verdiente 5 Sterne und bin immer noch tief beeindruckt.

Lesen Sie weiter

Dieses Buch hat ein sehr wichtiges Thema unserer Geschichte im Fokus. Jehuda Bacon ist einer der letzten Überlebenden von Auschwitz. Dieses Buch ist ein Gespräch zwischen ihm und Manfred Lütz, einem Psychiater und Theologen. Es ist keine leichte Kost es zu lesen und trotzdem macht es Mut, dass Menschen solche Dinge überleben können ohne verbittert zu werden. Yehuda schildert seine Geschichte und wie er gelernt hat mit den Grauen die er erleben musste umzugehen. Der Titel des Buches trifft es sehr genau „Jeden Tag müssen wir uns entscheiden“. Wir müssen uns entscheiden wie wir uns verhalten, wie wir die Welt sehen, wie wir über sie denken. Für mich ist es ein sehr wichtiges Buch, das Licht auf einen Teil unserer dunklen Geschichte wirft und sich dabei trotzdem nicht nur in dem Schrecklichen verliert. Es gehört eine unglaubliche menschliche Größe dazu, sich dieses Denken zu bewahren, dass in jedem Menschen ein Funke Gutes ist. Wie gut würde es uns zu Gesicht stehen, wenn wir nur einen Bruchteil dessen in unser eigenes Leben übernehmen könnten. Lies dieses Buch. Es wird dich aufrütteln, es werden Tränen fließen und wir können daran wachsen.

Lesen Sie weiter

Jehudaa Bacon, Maler, Überlebender von Auschwitz, Zeuge bei Eichmann-Prozess in Jerusalem (1961) und beim Auschwitz-Prozess in Frankfurt ( 1964) wurde von Dr. Manfred Lütz in einem langen Gespräch über sein Leben in und nach Auschwitz befragt. Bacon berichtet über seinen starken Glauben an Gott und den unauslöschlichen göttlichen Funken in jedem, erzählt von dem Aufenthalt seiner Familie, als er 13 Jahre alt war, im Musterghetto Theresienstadt, dem Vorzeigemodell für das internationale Rote Kreuz und dem in Auschwitz. Immer wieder erzählt er die Erlebnisse im Präsens, so sehr hat er noch alles vor Augen. Immer wieder fällt auf, das aus der Perspektive von Kinderaugen erzählt wird, die Schlimmes sehen, was allmählich zum Alltag wird – und auch dort gibt es immer wieder Momente, in denen Aufseher und Leute der SS gerade diesen göttlichen Funken in sich haben und helfen. Ferner erzählt Bacon von zwei Todesmärschen und wichtigen Begegnungen in seinem Leben, z. B. dem Heimleiter Pitter, der ihn im Waisenhaus aufnahm und ihm den Glauben an das Gute im Menschen wiedergab. Er erzählt von seinem weiteren Lebensweg, von Menschen, die ihm auf seinem Weg weitergeholfen haben... Tief beeindruckend fand ich seine Schilderungen des Alltags in Auschwitz, diese Form von „Alltag“ und genau diesen zu überleben, z.B. die Beschreibungen von Solidarität oder, wie sich alte Bekannte veränderten, nachdem sie eine „Position“ innehatten; oder die Beschreibungen, mit sich selber zu ringen und nicht von seinem Weg abzukommen, Wissen, was genau dort passierte und sich irgendwie damit zu arrangieren. Gerade solche „Nebensächlichkeiten“, über die man sich sonst noch gar keine Gedanken gemacht hat, wie z.B. das Streuen der Wege mit Asche aus dem Krematorium oder die Abschiedsszene mit seinem Vater, fand ich sehr bewegend. Abschließend stellt er fest, dass er keinen Groll auf Hitler hat, dass selbst dieser den göttlichen Funken in sich trug, z.B. als er einem Freund die Ausreise ermöglichte und, das Hitler seinen Hass nicht bekommt – eine Feststellung, die auch in der heutigen Zeit wieder ganz aktuell ist... Das im Buch niedergeschriebene Interview finde ich faszinierend; es wurde in äußerst interessante Kapitel gegliedert, in denen neben den authentischen Beschreibungen und Aussagen erörtert wird, wie man dem Bösen begegnet und sich zeitlebens mit Glauben und göttlicher Hilfe dagegen entscheiden kann.

Lesen Sie weiter

Dieses Mal spare ich mir eine Inhaltsbeschreibung, weil „Leben nach Auschwitz“ eigentlich schon hindeutet, wohin das Buch geht, aber es geht auch noch viele anderen Wege, die es schwer machen, wirklich Worte zu finden, aber ich versuch es. Im Prinzip ist das Buch ein langes Interview – Manfred Lütz stellt Fragen, die der jüdische KZ-Überlebende und Künstler Jehuda Bacon beantwortet. So viel wusste ich vor der Lektüre und habe erwartet, es ginge wirklich vordergründig um Auschwitz und ja, ich war neugierig zu erfahren, wie die Menschen, die damals dorthin deportiert wurden, gelebt haben. Wir wissen, dass es schreckliche Zustände waren, doch nur durch Augenzeugen bekommen wir ein wirkliches Bild und die Sache ist, die Augenzeugen werden immer weniger, weshalb es umso wichtiger ist, dass jetzt, wo wir noch die Chance haben, etwas festgehalten wird. Irgendwie ist es aber auch kein Buch über Auschwitz, es ist ein Buch über den Glauben. Manfred Lütz ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Nervenarzt aber auch Theologe. Mir war deswegen schon klar, dass der Glaube eine Rolle in dem Buch spielen würde. Prinzipiell habe ich damit kein Problem, es ist auch so, dass ich eher ein wenig neidisch auf die Menschen bin, die wirklich einen tiefen Glauben haben, mir mag es nicht so gelingen. Nun ja, es wird also viel über Gott geredet, was interessant ist, durchaus, allerdings für mich so extrem schwer nachvollziehbar. Wie kann man Gott noch lieben, wenn er einem Auschwitz aufgelastet hat? Ich habe Jehudas Worte gelesen, sie sind voller Überzeugung, aber mir war dieser tiefe Glaube einfach fremd. Es freut mich, dass er seinen Glauben so tief verwurzelt hat, sagt er doch auch selbst, dass es Überlebende gibt, die Gott die Schuld geben, die eben nicht diesen Halt haben, an der Vergangenheit zerbrechen. Es ist also irgendwie kein Buch über Auschwitz, sondern viel mehr ein Buch über das Leben von Jehuda Bacon – der so viel mehr ist, als ein KZ-Überlebender. Er erzählt von seiner Kunst, von seinem Glauben, aber auch davon, dass die Erinnerungen bleiben, an das Schlechte. Nur weil er seine Vergangenheit angenommen hat, ist sie nicht vergessen, es ist sein Leben, welches er sich jedoch wieder zurückgeholt hat, nachdem es ihm gestohlen wurde. Für mich war es ein interessantes Buch, allerdings gebe ich eine vorsichtige Empfehlung, sicherlich tut man sich mit den Worten leichter, wenn man ebenfalls einen tiefen Glauben besitzt. Hier hab ich mir doch ab und an schwer getan, zu verstehen, wie es ein Mensch schafft, Gott zu lieben, trotz allem.

Lesen Sie weiter

„Seit ich Jehuda Bacon begegnet bin lebe ich anders, mein Leben ist heller geworden“ – das sagte der bekannte Bestsellerautor und Kölner Chefarzt Manfred Lütz bei seiner zweiten diesjährigen Lesung im Bamberger Medienhaus Hübscher, zu der zahlreiche Interessenten erschienen sind. Im Januar 2016 interviewte Lütz in Jerusalem den Auschwitz-Überlebenden und bekannten israelitischen Künstler Jehuda Bacon und gab nun darüber ein Gesprächsbuch heraus. Der 62-jährige hält dies für sein wichtigstes und ihm am meisten am Herzen liegendes Buch. Sein vorheriges Buch über Glück und Gelingen ließ noch die Frage offen, wie mitten im Leid ohne Zynismus von Glück überhaupt die Rede sein kann. Ein lebendiger und positiv wirkender Zeuge hat darauf nun Antworten gegeben, ohne die negativen Eindrücke irgendwie zu bagatellisieren. Jehuda Bacon wurde 1929 in Mährisch-Ostrau geboren, und 1943 nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert. Seine ganze Familie wurde ermordet. Als 15-Jähriger aus dem KZ befreit kam er in das Waisenhaus des tschechischen Pädagogen Premysl Pitter, dessen aufbauende Fürsorge ihm den Glauben an das Gute im Menschen zurückgab. Seit 1946 in Israel begegnete er dort u.a. Marin Buber und ließ sich von ihm prägen. Bacons Kunstwerke hängen heute weltweit in großen Museen, auch in Yad Vashem. Das Würzburger „Museum am Dom“ widmete ihm 2008 eine Ausstellung. Das Gespräch mit Lütz dreht sich neben erschütternden biographischen Erlebnissen vor allem um die in Auschwitz sich aufdrängende Frage nach der Herkunft und dem Wesen des Bösen. Wie Thomas von Aquin und Buber sieht Bacon es in einem Mangel an Sein, letztlich als Nichts. Atheismus löst bei ihm gerade angesichts des geschilderten Grauens eher ein Lächeln aus. Auch in bösen Menschen gibt es einen göttlichen Funken des Guten, der gelegentlich zum Leuchten kommt. Bacon schildert dazu konkrete Beispiele, lehnt jede Rache und pauschale Anklage ab, würde aber einem KZ-Arzt wie Mengele die Frage stellen: „Wie schlafen Sie nachts?“. Gutsein ist nicht an Bildung gebunden, auch das hat er erfahren. Viele Sätze und Schilderungen wären hier noch zu erwähnen. Es ist ein mit sich, mit Gott und mit der Welt versöhntes und geradezu heilsames Auschwitz-Buch, das der wachsam nachfragende Manfred Lütz uns und Jehuda Bacon geschenkt hat. Einige Passagen sind einfach schön, manche sogar von tiefgründigem Humor geprägt. Trotzdem wird nichts beschönigt, die Frage nach dem Bösen und seiner Bekämpfung durch das Gute bleibt in ihrem ganzen Ernst weiter gestellt, denn „solange wir leben, müssen wir uns entscheiden“. Jehuda Bacon ist ein Zeuge des Holocausts, der Deutschen und Israelis viel zu sagen hat.

Lesen Sie weiter