Leserstimmen zu
Die Farbe von Winterkirschen

Jackie Copleton

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Hardcover
€ 19,99 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)

Eine tragische Familiengeschichte im fernen Japan, eingebettet in die Gegenwart und das atomare Trauma Hiroshimas. Anderes Denken, andere Kultur und damit teils völlig andere Werte und Weltanschauungen als in Europa. Die Autorin hilft ihren Lesern die japanische Handlungs- und Denkweise ihrer Figuren zu verstehen: Jedes Kapitel enthält einen kurzen Prolog dazu und man tut gut daran diesen jeweils zu lesen. Es ist kein leicht zu lesendes Buch, aber eins, dass sich meiner Meinung nach zu lesen lohnt! Durch verschiedene Handlungsstränge ergibt sich eine Familiengeschichte von einerseits modern denkenden Mitgliedern, aber andererseits auch der älteren Generationen, die ihr traditionelles Wissen und Handeln mitbringen. So entstehen viele Streitereien und etliche Perspektiven. Im Zentrum stehen die Atombomben über Nagasaki und Hiroshima samt seiner Folgen, das Leben von Geishas, Japans Einmischung in den zweiten Weltkrieg und die Folgen der japanischen Gesellschaft im Kleinen und im Gesamten. Dies alles bringt die Autorin ihren Lesern auf manchmal verwirrende, aber immer sinnvoll zusammengesetzte Weise nahe. Der Sprachstil ist ausgefeilt, präzise und ein wenig distanziert. Dennoch fühlt man mit den Personen irgendwie mit und schafft es gut den Überblick über die einzelnen Ereignisse zu bewahren. Anspruchsvoll erzählt: ein starker Inhalt mit einem in sich runden Abgang.

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Es war eine emotionale Achterbahnfahrt, die sich jedoch an einigen Stellen sehr gezogen hat. Die Art und Weise, wie hier von Verlust, Trauer und deren Bewältigung geschrieben wird, ist wirklich greifbar und sehr echt. Obwohl die Protagonistin sich durchgehend Vorwürfe macht, ihre Schuldgefühle erwähnt und sich noch weitere Wiederholungen erlaubt, bekommt man aber nicht das Gefühl, dass sie selbstsüchtig oder falsch ist, wenn ihr versteht was ich meine. In dem Roman „Zehn Wünsche bis zum Horizont“ hat die Autorin diesen Punkt beispielsweise ziemlich arg verhauen und somit die ganze Geschichte ruiniert. Das war zum Glück hier nicht der Fall. Aber aufgrund dieser Wiederholungen hat sich die Geschichte, wie bereits erwähnt, an einigen Stellen mächtig gezogen und man hatte das Gefühl, am käme nicht so ganz vorwärts. Ein weiterer Pluspunkt für mich war die Wörterbuchgliederung. Der Titel des Romans lautet auf Englisch „A Dictionary of Mutual Understanding“, wo bereits von Anfang an dieser Wörterbuch-Charakter unterstrichen wird. Damit gemeint ist schlichtweg, dass man zu Anfang jedes Kapitels ein Wort aus dem japanischen gesagt bekommt, welches dann sinngemäß erklärt wird. Das fand ich wirklich sehr interessant und barg auch einige wertvolle Informationen über die japanische Kultur an sich. Dieses „Wörterbuch“ hat den Leser noch einmal sehr gut an die Hand genommen und durch die Geschichte geführt. Zuletzt lässt sich eigentlich nur noch sagen, dass der Roman eine wunderbare, bittersüße Atmosphäre geschaffen hat, die einem vor allem am Ende sehr stark mitgenommen hat. Dennoch reicht es für mich nicht ganz bis zu den fünf Sternen und ich gebe gut gemeinte vier Sterne.

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Worum es geht: Ein Tag, der alles zerstörte. Eine Mutter, die ihr Kind verlor. Und ihr Wunsch nach Vergebung, der nie verging – eine bewegende Geschichte um Liebe, Reue und Hoffnung. Sie verlor ihre Tochter an dem Tag, an dem die Bombe fiel. Ama hatte sich mit Yuko verabredet, um mit ihr über den Mann zu sprechen, den Yuko so liebte und Ama gleichermaßen verabscheute. Doch dazu kam es nie. Ama war zu spät – und ihre Tochter und ihr Enkel tot. Ama ließ Nagasaki hinter sich, wanderte nach Amerika aus, aber der Schmerz blieb. Nie konnte sie sich verzeihen, gab sich selbst die Schuld am Tod, ja sogar am Schicksal ihrer Tochter. Sie zog sich immer mehr zurück und lebte in ihrer eigenen Welt voll Trauer und Schmerz – bis ein junger Mann an ihre Tür klopft. Er sagt, er sei Hideo, ihr totgeglaubter Enkel. Zuerst will sie ihm nicht glauben, doch dann öffnet sie ihr Herz und lässt die Hoffnung herein … Meine Meinung: Als ich letzte Woche aus Japan heimkehrte ( Ja, ich werd das Thema wohl noch öfter anschneiden ;-) Ich vermisse das Land jetzt schon! ), erwartete mich erfreuliche Post. Das liebe @Bloggerportal versorgte mich mit Nachschub, um mein Fernweh zu kurieren. Hinter dem wunderschönen Cover birgt sich ein japanisches Familiendrama erster Güte. Jedes Kapitel beginnt mit einer kleinen japanischen Worterklärung, was den englischen Titel : A dictionary of mutual Understanding wunderbar passend erscheinen lässt. Der Leser lernt Amaterasu kennen ( Auch der Name der wichtigsten Shinto Göttin ), die seit Pikadon in Amerika lebt. Pikadon setzt sich zusammen aus Pika - helles Licht und Don - Knall, der Name den den Einwohner der Atombombe gegeben haben. Sie verliess Nagasaki kurz nach dem Bombenangriff als jede Hoffnung für ihre Tochter und Enkelsohn verloren war. Haragei: Der Begriff setzt sich zusammen aus hara ( Bauch) und gei ( Kunst) und bedeutet wörtlich übersetzt >Bauchkunst<. Die meisten Wörterbücher definieren es als die verbale und nonverbale Kommunikation, mit deren Hilfe jemand versucht, sein Gegenüber dazu zu bringen, mit vereinten Kräften ein gegenseitiges Problem zu lösen. Haragei befähigt die Menschen, Verständnis füreinander zu entwickeln, ohne dass es zu einer Auseinandersetzung kommt. Das Buch beginnt mit der Ankunft eines mittvierzig Jährigen japanischen Mannes, der behauptet ihr Enkel zu sein. Gemeinsam mit Ama begibt der Leser sich auf eine Reise durch die Zeit, zurück nach Nagasaki, 1945. Die Ankunft Hideos veranlasst Ama die Tagebücher ihrer Tochter zu lesen und so ihre Sicht der Dinge zu erfahren. Im Wechsel der beiden Perspektiven und den Reflexionen der Mutter entsteht hier ein schrecklich emotionales Buch, das zum großteils wenig zum Thema Bombe sagt. Es geht vordergründig um das Familiendrama und die Geheimnisse, die jeder zu haben schien. Bemängelt wird in einigen Rezensionen die allwissende Schreibweise, wenn es doch eine Ich-Erzählung ist, was mich persönlich zu keinem Moment gestört hat. Die Einträge aus dem Tagebuch sind passend platziert, der Rest von Ama dazu geschustert. Es ist Fiktion, es passt. Yuko's Geschichte hat es ordentlich in sich. Ama muss sich vielen ihrer Entscheidungen stellen, und mit sich ins Reine kommen, bevor sie Hideo in ihr Leben lassen kann. Die Autorin hat einen Hang dazu den Handlungsstrang ein wenig ins Melodramatische zu ziehen, was einigen Lesern vielleicht tatsächlich zu viel werden könnte. Das beste am Buch für mich, war tatsählich alles was mit Pikadon zu tun hatte. Wir waren vor 2 Wochen in Hiroshima und das bedrückende Gefühl bleibt lange haften. Hinomaru: Ein roter Kreis auf weissem Hintergrund stellt nicht nur die aufgehende Sonne dar, sondern ist auch das Motiv der japanischen Flagge. Offiziell wurde es 1870 von der meiji-Regierung ausgewählt, weil es eines der Symbole für die Auorität des vorangegangenen Tokugawa-Shogunats war. Jackie Copleton studierte Englisch an der Cambridge Universität, bevor sie das Land verließ, um in Japan, genauer gesagt in Sprachschulen in Nagasaki und Sapporo, Englisch zu unterrichten. Sie hat zudem als Zeitungsjournalistin in Großbritannien und dem Mittleren Osten gearbeitet. Dank ihres Aufenthaltes vor Ort, weiss sie wovon sie spricht! Des weiteren helfen die Begriffsklärungen um einen kleinen Eindruck in die wundervolle japanische Kultur zu erhaschen. Ich war besorgt, dass eine amerikanische Autorin die Essenz einer japanischen Frau nicht wirklich rüber bringen könnte, ich immer nur eine Amerikanerin sehen würde. Diese Sorge wurde schnell ausgewischt. Ein Buch, das sich hervorragend zu einem Buchklub eignet, da es für viel Gesprächsstoff sorgen wird. Wie Copleton ihren Roman beschreibt: "Eine zugleich herzzerreißende aber auch erbauende Geschichte über die innere Reise einer Mutter, die es endlich schafft, den Menschen zu vergeben, die ihre Tochter auf dem Gewissen haben. Sich selbst eingeschlossen."

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