Leserstimmen zu
Großherzigkeit

Kösel-Verlag Verlagsgruppe Random House GmbH

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Ob in Form von Poesie oder ganz prosaisch (wie im kurzen Text von Harald Martenstein), gerade zu Beginn eines Jahres, wenn schon die Sache mit den guten Vorsätzen immer schon wenig wirklich gute Aussichten hatte, ist es ein guter Zeitpunkt, sich an die Grundlage jener Werte zu erinnern, die in der Gegenwart so sehr beschworen werden. In einer Welt und einem System, in dem „Nehmen deutlich seliger als Geben ist“, in dem die aufgeputschten Pseudo-Idole einer materialistischen Welt sogar deutlich eher von „Raffen“ sprechen würden als vom einfachen „Nehmen“. Ob im Materiellen oder im Zwischenmenschlichen, ob in der äußeren Welt oder im inneren Empfinden, wohltuend ist es, auf die Großherzigkeit zu blicken, auf das innere sich und den anderen entfalten, auf eine gnädige Haltung zueinander, den Versuch, des Verständnisses und der Solidarität mitsamt einem sichtbaren und dinglichen Teilen von Ressourcen. „Großzügige Menschen geben etwas, auch wenn sie gar nichts dafür bekommen“ und weichen unter Umständen sogar aus, selbst wenn sie im Recht wären. So formuliert es Martenstein. Wie Nietzsche die Güte des Menschen und das „Geben ohne nehmen zu wollen“ griffig betontund Schnitzler, der darauf verweist, dass es die Seele am „schnellsten abnutzt“, jenes „Vergeben ohne zu Vergessen“. Goethe, Schiller, Teichert, Aristoteles, meist kurze Sentenzen neben hier und da längeren Texten (wie aus der „Entführung aus dem Serail“) kreisen in vielfacher Form um das Thema der Großherzigkeit, der Vergebung, des Gebens, des „vornehmen Menschens“ und lassen den Leser ein um das andere Mal innehalten. In durchaus kritischer Reflexion zum eigenen Handeln und in ebensolcher Reflexion dessen, ob es nicht wichtig und gut wäre, gegen den „Mainstream“ Zeichen zu setzen und zumindest im Denken gnädiger zu werden. Mit den andren, aber auch mit sich selbst. Eine anregende, schöne, nachdenklich zurücklassende Sammlung von Gedanken und Worten zu einem der wichtigsten Themen.

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