Leserstimmen zu
Mittagsstunde

Dörte Hansen

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Hardcover
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Ingwer Feddersen, Archäologe und Hochschullehrer, lebt mit seinen fast 50 Jahren noch immer, wie vor 25 Jahren, in einer Kieler Wohngemeinschaft. Er beschließt eine Auszeit zu nehmen um seine Großeltern Ella und Sönke, die ihn wie einen Sohn aufgezogen haben, zu betreuen. Die beiden leben in dem fiktiven nordfriesischen Örtchen Brinkebüll. Ella vergisst langsam aber sicher ihr komplettes Leben und Sönke, der mit über 90 Jahren immer noch seinen Gasthof für einzelne Stammgäste bewirtschaftet, hat wohl ebenfalls seine besten Zeiten hinter sich. Ingwer erkennt die alte Heimat kaum wieder. Alles hat sich verändert. Es gibt keine Schule mehr, keinen Tante-Emma-Laden, keine Störche, keine Kühe … Selbst die heilige Mittagsstunde der Dorfbewohner wird nicht mehr wie früher eingehalten. Dörte Hansen hat nach ihrem Debüt „Altes Land“ wieder einen sehr gefühlvollen und berührenden Roman verfasst, der noch lange nachklingt. Die wenigen Worte, die unter den Brinkebüllern fallen schreibt die Autorin in Plattdeutsch. Anfangs habe ich mich damit etwas schwer getan und mein Lesen war etwas holprig, aber irgendwie macht das diese Geschichte sehr authentisch und lässt uns in das Dasein dieser Menschen regelrecht versinken. Außer dem Leben der Familie Feddersen werden uns von der Autorin die Schicksale einiger anderen Dorfbewohner sehr anschaulich und herzergreifend erzählt. Der Protagonist Ingwer war mir ungemein sympathisch. Er kümmert sich liebevoll um seine Großeltern, sorgt in seiner Kieler Wohngemeinschaft für Sauberkeit und Ordnung, hat Verständnis für seine Schüler an der Uni, denkt in vielen Lebenssituationen an bestimmte Schlagerlieder, die seine Mutter Marret immer vor sich hingesungen hat und zur Entspannung gönnt er sich ab und an etwas beruhigendes zum Rauchen. Er nennt sich selbst „die Hitparade auf zwei Beinen“, weil er ständig Lieder wie „Einsamkeit hat viele Namen“ … in seinem Kopf hat. Auch das Ehepaar Ella und Sönke hat mein Herz berührt. Nicht immer lief alles glatt in ihren gemeinsamen Jahren und auch die Vergesslichkeit von Ella macht ein Zusammenleben nicht leicht. Doch trotz ihrer Träumereien von alten Zeiten und trotz den blauen Flecken, die sie Sönke immer wieder zufügt, steht dieser zu ihr und plant ihre Gnadenhochzeit. 70 Jahre verheiratet. Ingwer kann durch sein Dasein Mudder und Vadder, wie er seine Großeltern nannte, etwas von der Liebe zurückgeben, die sie ihm all die Jahre geschenkt haben. „Dat is min Jung“ „Minsch warmt Minsch“ … Marret war selbst noch ein hilfloses junges Ding, als sie ihren Sohn Ingwer zur Welt brachte aber Sönke hat ihn stolz durchs alte Dorf getragen und Ella hat ihn behütet wie ihr eigenes Kind. Nun war das Vater-Mutter-Kind-Spiel umgedreht. Die Rollen wurden getauscht und Ingwer sorgt sich um seine alten, gebrechlichen Großeltern. Ein wundervoller, berührender Roman, den ich am liebsten gleich noch mal lesen würde, weil er einfach das ganz normale Leben mit Höhen und Tiefen, den Verlauf der Zeit und des Älterwerdens beschreibt. Alle Emotionen schleichen sich im Laufe des Lesens hoch. Schmunzeln, Lachen, Erschütterung und Traurigkeit …Erinnerungen an die eigene Kindheit und die Frage, was wird uns im Laufe der Jahre noch erwarten … alles gehört zur Mittagsstunde von Dörte Hansen. Ganz großes Gefühlskino! 5 Sterne

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Die Meinungen zu Mittagsstunde von Dörte Hansen, die ich bisher gelesen hatte, waren durchweg positiv und so war ich extrem gespannt auf das Buch. Wir befinden uns im norddeutschen Brinkebüll, wo der knapp 50-jährige Ingwer aufwuchs, bevor er für sein Studium aus dem Dorf in die Stadt zog und blieb. Nun kehrt er zurück, um seine Eltern zu pflegen, die dort einen Gasthof besitzen, und eigentlich gar nicht seine Eltern, sondern seine Großeltern sind. Jeder weiß das, keiner spricht es aus - ein Motiv, das sich durch das Buch zieht. Ganz wunderbar - und stellenweise erschreckend - zeichnet die Autorin ein Bild über das Dorf und die Bewohner, und jedes Dorfkind findet wohl massig Situationen und Charaktere wieder, die es aus der eigenen Jugend kennt. Es sei ein stilles Buch, und doch sprachlich und inhaltlich packend, habe ich im Vorfeld gelesen - und kann dem zustimmen. Ich muss jedoch sagen, dass es mich emotional nur an vereinzelten Stellen wirklich "gekriegt" hat. Meist dann, wenn es um die Beziehung zwischen Ingwer und seinen Eltern geht; beispielsweise um Jahrzente zurückliegende, eigentlich nichtige, zwischenmenschliche Episoden, die einem Sohn/Tochter noch als Erwachsener in Form eines schlechten Gewissens im Magen liegen können. Dennoch habe ich mich sehr gern in Brinkebüll befunden, fand die Charaktere authentisch und, das finde ich extrem wichtig, nicht immer nur schwarz/weiß. Eine klare, schöne Sprache, die gut zur Geschichte passte, die Entwicklung eines Dorfes, das gezwungen ist sich modernen Gegebenheiten anzupassen, und sich vereinzelt doch erfolgreich wehrt - all das werde ich positiv in Erinnerung behalten.

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Ingwer Feddersen, Archäologe und Hochschullehrer, kehrt seinem Kieler Domizil, den Rücken, um nach 25 Jahren in sein nordfriesisches Heimatdorf Brinkebüll zurückzukehren. Seine Großeltern benötigen seine Hilfe. Die Großmutter Ella ist demenziell erkrankt und der Großvater Söhnke, versucht in seinem hohen Alter noch die Stellung in seinem verlebten Gasthof zu halten. Ingwer selbst hat das Sabbatical gewählt, schon um seinen Großeltern bei zu stehn, aber auch um in verschiedenen Angelegenheiten seines Lebens eine klarere Sicht zu erlangen. Er wohnt seit vielen Jahren in einer WG, mit Ragnhild, mit ihr führt er eine langjährige Beziehung, und mit Claudius. Die Luft ist raus. Doch was nun ? Brinkebüll hat sich sehr verändert, der Fortschritt hat auch hier nicht halt gemacht. Es gibt keine Schule mehr im Dorf, keinen Bäcker und keinen Kaufmann. Auf den Feldern keine Kühe, nur noch Mais und Wind. Doch noch immer steht Söhnke Feddersen hinter seinem Tresen. Mit großer Geduld umsorgt Ingwer seine Großeltern, die ihn wie ihren Sohn aufzogen, da seiner Mutter, dies nicht möglich war. Viele Geheimnisse werden im Dorf gehütet, nur ab und an wollen sie an die Oberfläche, um sie dann wieder für lange Zeit zu ignorieren. > Es gab in Brinkebüll viel Ungesagtes, manches schwebte jahrzehntelang durchs Dorf, von Haus zu Haus, von Hof zu Hof. Mal landete es kurz, wenn jemand ein paar Worte fallen ließ, betrunken meistens, nicht sehr treffsicher. Dann trieb es weiter, Angehauchtes und Vermutetes und Unaussprechliches und halb Vergessenes.< Dörte Hansen hat ein ruhiges Buch geschrieben, ein sehr ruhiges Buch! In wunderschönen Worten, wie eine liebevoll gehäkelte Spitzeborte, führt sie uns nach Brinkebüll. Sie erzählt von der Gegend und den Menschen, sie sagt aber nichts. Der Plot ist im wahrsten Sinne – platt! Klar, gibt es auch gelungene Geschehnisse, doch die sind leider für die 319 Seiten einfach zu wenig. Mittagsstunde hat mich in einem Moment getroffen, an dem ich nicht sehr empfänglich für in die Länge gezogene Beschreibungen war. Schade ! 3 von 5

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Die Inhaltsangabe lasse ich mal weg. Die findet sich leicht. Lieber meine Gedanken. Das Buch ist gut, einfach gut. Chapeau, Dörte Hansen. Völlig stimmig in Sprache und den Bildern, die sie zeichnet. Immer wieder hielt ich inne, dachte, ja, so ist das, so war das, alles wahr. Altes Land habe ich (noch) nicht gelesen, das Thema sprang mich nicht so an. Dieses hier schon eher. Reingelesen, weitergelesen, auch wenn das, was da kommen mag, am Anfang ein wenig zerfahren scheint. Es wird sich fügen. Und selbst im etwas zähen Beginn finden sich schon Sätze, die einen staunen, lächeln machen. Und ein wenig glücklich. Ein Buch das so viele Bilder in den Kopf zaubert. Ein Buch, in dem die Autorin streckenweise, so empfand ich es für meinen Lesestil, fast lyrisch textet und jedes Wort passt und trifft und berührt. Neben Robert Seethalers "Ein ganzes Leben" für mich eines der schönsten Bücher der vergangenen Jahre. Sechs Sterne!

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Drei Jahre mussten wir auf den zweiten Roman von Dörte Hansen (54) warten, deren Debüt „Altes Land“ auf Platz 1 der Jahresbestsellerliste 2015 geschafft hatte. Im Oktober erschien nun ihre „Mittagsstunde“ und verspricht, ein ähnlich großer Erfolgsroman zu werden. Hatte Hansen im „Alten Land“ die Landflucht der Großstädter zum Thema, die das Landleben zum Bauerntheater verkommen lassen, so nimmt Hansen in ihrem Folgeroman das Thema erneut auf, schildert hier aber die Flucht – oder ist es eher eine Vertreibung? – der Dorfbewohner in die Stadt. Die Bewohner von Brinkebüll, die im Dorf ihrer Vorfahren keine Zukunft sehen, geben ihre angestammte Heimat auf, um in der Stadt neues Glück zu suchen. „Es war so still im Dorf, kein Hund, kein Hahn. Kein Schleifen aus der Tischlerei, kein Hämmern mehr auf Haye Nissens Amboss. …. Man hörte keine Tiere mehr. Auch nicht die Stimmen, die die Tiere riefen, laut genug, um große Felder zu beschallen.“ Der große Umbruch kam Mitte der sechziger Jahre mit der Flurbereinigung. Haine, Hecken und Knicks am Rand jener kleinbäuerlichen Felder, die ihre Vorväter über Jahrhunderte beackert hatten, waren verschwunden. Sogar den riesigen Findling, der Jahrtausende an derselben Stelle mitten im Acker gelegen hatte, wurde, als Denkmal für die Flurbereinigung missbraucht, an die Ortseinfahrt verbracht. Nichts blieb wie früher, die alte Ordnung der Dörfler war zerstört. Wie sich das kleinbäuerliche und dörfliche Leben im nordfriesischen Geestdorf über Jahrhunderte nach ungeschriebenen Regeln abgespielt hatte, zeigt Hansen in lebendigen, prallen Bildern und atmosphärisch stimmiger Sprache mit plattdeutschen Einschüben. Voller Mitgefühl beschreibt sie ihre teilweise skurrilen Charaktere voller Ecken und Kanten. Als Leser liebt und leidet man mit diesen Dörflern. Doch trotz aller Empathie schafft es die Autorin, durch die Augen ihres vor Jahrzehnten ausgewanderten Protagonisten Ingwer Feddersen, Archäologe an der Universität Kiel, den objektiven Blick auf die eingeborenen „Dörpsminschen“ mit ihren Ecken und Kanten zu halten. An keiner Stelle ihres Romans läuft sie Gefahr, „die gute alte Zeit“ zu verherrlichen. Denn gut war die alte Zeit auf dem Land sicherlich nicht – einer der Gründe für den dörflichen Wandel. In den Erinnerungen ihrer Hauptfigur spult Hansen fünf und mehr Jahrzehnte zurück und zeigt diesen Wandel ländlichen Lebens. Der knapp 50-jährige Ingwer Feddersen hat sich in Kiel eine einjährige Auszeit genommen, um seine 90-jährigen Großeltern Sönke und Ella in seinem Heimatdorf zu pflegen. Ella leidet an zunehmender Demenz, aber Sturkopf Sönke steht sogar mit Rollator noch tagtäglich am Tresen seines Dorfkrugs. Doch längst bleiben die Gäste aus. Erst verschwanden die Hecken, dann die Störche. Die alten Kastanien am Straßenrand wurden gefällt, die Chaussee verbreitert, begradigt und asphaltiert. Die von den Bewohner früher stets eingehaltene Mittagsruhe wird jetzt gestört. Wenige Höfe wachsen, die Nebenerwerbshöfe werden aufgegeben. Städter kaufen die leerstehenden Hofgebäude und zimmern sich ihre eigene, unwirkliche Landidylle. In detailreichen und mit Humor geschilderten Episoden, die sich kapitelweise wie ein Puzzle zu einem farbigen Gesamtbild erschließen, erfahren wir einiges aus dem Dorfleben – auch manches, worüber dort niemand spricht: Nicht einmal Ingwer Feddersen kennt seinen Vater. Auch dass nicht Großvater Sönke, sondern Dorflehrer Steensen der leibliche Vater seiner schrulligen Mutter ist, wissen zwar alle, aber man spricht nicht drüber. Hansen beschreibt das Dorfleben als hartes, oft erbarmungsloses und tragisches Dasein. Doch die Dörfler hatten sich immer klaglos in ihr Schicksal gefügt: Nur drei Käsesorten im kleinen Laden, „mehr bruukt wull keen normale Minsch!“ Auch den Dorfladen gibt es längst nicht mehr. Dörte Hansens Roman „Mittagsstunde“ ist ein ausgezeichnetes und unbedingt lesenswertes Stück Heimatkunde.

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Drei Jahre mussten wir auf den zweiten Roman von Dörte Hansen (54) warten, deren Debüt „Altes Land“ auf Platz 1 der Jahresbestsellerliste 2015 geschafft hatte. Im Oktober erschien nun ihre „Mittagsstunde“ und verspricht, ein ähnlich großer Erfolgsroman zu werden. Hatte Hansen im „Alten Land“ die Landflucht der Großstädter zum Thema, die das Landleben zum Bauerntheater verkommen lassen, so nimmt Hansen in ihrem Folgeroman das Thema erneut auf, schildert hier aber die Flucht – oder ist es eher eine Vertreibung? – der Dorfbewohner in die Stadt. Die Bewohner von Brinkebüll, die im Dorf ihrer Vorfahren keine Zukunft sehen, geben ihre angestammte Heimat auf, um in der Stadt neues Glück zu suchen. „Es war so still im Dorf, kein Hund, kein Hahn. Kein Schleifen aus der Tischlerei, kein Hämmern mehr auf Haye Nissens Amboss. …. Man hörte keine Tiere mehr. Auch nicht die Stimmen, die die Tiere riefen, laut genug, um große Felder zu beschallen.“ Der große Umbruch kam Mitte der sechziger Jahre mit der Flurbereinigung. Haine, Hecken und Knicks am Rand jener kleinbäuerlichen Felder, die ihre Vorväter über Jahrhunderte beackert hatten, waren verschwunden. Sogar den riesigen Findling, der Jahrtausende an derselben Stelle mitten im Acker gelegen hatte, wurde, als Denkmal für die Flurbereinigung missbraucht, an die Ortseinfahrt verbracht. Nichts blieb wie früher, die alte Ordnung der Dörfler war zerstört. Wie sich das kleinbäuerliche und dörfliche Leben im nordfriesischen Geestdorf über Jahrhunderte nach ungeschriebenen Regeln abgespielt hatte, zeigt Hansen in lebendigen, prallen Bildern und atmosphärisch stimmiger Sprache mit plattdeutschen Einschüben. Voller Mitgefühl beschreibt sie ihre teilweise skurrilen Charaktere voller Ecken und Kanten. Als Leser liebt und leidet man mit diesen Dörflern. Doch trotz aller Empathie schafft es die Autorin, durch die Augen ihres vor Jahrzehnten ausgewanderten Protagonisten Ingwer Feddersen, Archäologe an der Universität Kiel, den objektiven Blick auf die eingeborenen „Dörpsminschen“ mit ihren Ecken und Kanten zu halten. An keiner Stelle ihres Romans läuft sie Gefahr, „die gute alte Zeit“ zu verherrlichen. Denn gut war die alte Zeit auf dem Land sicherlich nicht – einer der Gründe für den dörflichen Wandel. In den Erinnerungen ihrer Hauptfigur spult Hansen fünf und mehr Jahrzehnte zurück und zeigt diesen Wandel ländlichen Lebens. Der knapp 50-jährige Ingwer Feddersen hat sich in Kiel eine einjährige Auszeit genommen, um seine 90-jährigen Großeltern Sönke und Ella in seinem Heimatdorf zu pflegen. Ella leidet an zunehmender Demenz, aber Sturkopf Sönke steht sogar mit Rollator noch tagtäglich am Tresen seines Dorfkrugs. Doch längst bleiben die Gäste aus. Erst verschwanden die Hecken, dann die Störche. Die alten Kastanien am Straßenrand wurden gefällt, die Chaussee verbreitert, begradigt und asphaltiert. Die von den Bewohner früher stets eingehaltene Mittagsruhe wird jetzt gestört. Wenige Höfe wachsen, die Nebenerwerbshöfe werden aufgegeben. Städter kaufen die leerstehenden Hofgebäude und zimmern sich ihre eigene, unwirkliche Landidylle. In detailreichen und mit Humor geschilderten Episoden, die sich kapitelweise wie ein Puzzle zu einem farbigen Gesamtbild erschließen, erfahren wir einiges aus dem Dorfleben – auch manches, worüber dort niemand spricht: Nicht einmal Ingwer Feddersen kennt seinen Vater. Auch dass nicht Großvater Sönke, sondern Dorflehrer Steensen der leibliche Vater seiner schrulligen Mutter ist, wissen zwar alle, aber man spricht nicht drüber. Hansen beschreibt das Dorfleben als hartes, oft erbarmungsloses und tragisches Dasein. Doch die Dörfler hatten sich immer klaglos in ihr Schicksal gefügt: Nur drei Käsesorten im kleinen Laden, „mehr bruukt wull keen normale Minsch!“ Auch den Dorfladen gibt es längst nicht mehr. Dörte Hansens Roman „Mittagsstunde“ ist ein wunderbares und unbedingt lesenswertes Stück Heimatkunde.

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Mittagsstunde ist eine Reise in die Vergangenheit, humorvoll und einfühlsam erzählt. Dörthe Hansen beschreibt die Landschaft Nordfrieslands und die besondere, manchmal auch skurrile Art der Menschen sehr detailliert und einfühlsam. Die Charaktere sind ganz wunderbar gezeichnet und die Autorin weiß, mit einer sehr ruhigen und undramatischen Geschichte zu bezaubern. Mittagsstunde ist ein sehr empfehlenswertes Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann ziehen konnte.

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So authentisch!

Von: Ursula

23.01.2019

Ingwer Feddersen, 47 und Professor für Archäologie in Kiel, nimmt sich ein Sabbatjahr und kehrt in sein Heimatdorf Brinkebüll zurück, um sich um seine Großeltern zu kümmern. Doch in den letzten Jahren hat sich viel verändert: Es gibt keine Schule, keinen Kaufmann und fast keine Bauern mehr und selbst die Störche scheinen nicht mehr auf den Dächern zu sitzen. Doch wann haben die Veränderungen begonnen? Und warum? Beim Versuch, Bilanz zu ziehen, hat Ingwer am Ende eine ernüchternde Erkenntnis. Die Kapitel werden abwechselnd aus den Perspektiven Vergangenheit und Gegenwart erzählt - die Geschichte verschmilzt so nach und nach ineinander. Nach ein paar wenigen Kapiteln war ich voll im Geschehen drin, konnte mich vollkommen fallen und in das Dorf versetzen lassen. Dörte Hansens Sprache hat mich wieder vollkommen überzeugt, denn sie schafft es wie kein anderer, das Geschriebene so authentisch wirken zu lassen: Jeder Stein, jedes Haus, jeder Windzug ist so nah am Leser, wie wohl in kaum einem anderen Buch. Dabei hat sie einen Roman erschaffen, der sich mit dem Niedergang der bäuerlich-dörflichen Welt, mit dem Leben und mit dem Tod befasst und damit, was eigentlich am Ende bleibt. Im Gegensatz zu "Altes Land" fand ich "Mittagsstunde" allerdings ein kleines bisschen zu erinnerungsträchtig - die Erkenntnis am Ende wiegt das allerdings meiner Meinung nach wieder auf. Also bitte unbedingt lesen! ❤️

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