Leserstimmen zu
Der Gerechte

John Grisham

(1)
(0)
(2)
(0)
(0)
€ 9,99 [D] inkl. MwSt. | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empf. VK-Preis)

Gute Story, Sprechstimme naja

Von: Kühli aus Essen

31.12.2016

Das Buch ist spannend, leider ist beim Hörbuch die Sprechstimme eher langweilig...könnte auch ein Sachbuch vorlesen

Lesen Sie weiter

„Der Gerechte“ wirkt mehr wie eine verschriftliche Doku-Serie á la „Aus dem Leben eines Strafverteidigers“ denn als Thriller. Da der Hörer immer auf dem Stand des Anwalts ist, entfällt die spannende Tätersuche. Hier liegt das Hauptaugenmerk eindeutig auf dem Schauplatz des Gerichts, den Verfahren, dem schmutzigen Spiel um die Macht. Das, was zählt, ist der Sieg und dass die Gerechtigkeit da meist auf der Strecke bleibt, ist zwar plausibel, aber auch sehr traurig. Sebastian Rudd ist geschieden und hat einen Sohn, der bei seiner Mutter und ihrer Lebensgefährtin lebt. Da die beiden Elternteile sich nicht grün sind, darf sich Sebastian auch im Privatleben immer wieder mit von der Ex angezettelten Gerichtsverfahren herumplagen. Doch er sieht es mit Humor, da er meist am längeren Hebel sitzt. Auch wenn er im Beruf steht, ist ihm der Sieg hold, denn er ist einer der besten Strafverteidiger des Landes. Sebastian kennt durch seinen unorthodoxen Stil alle Tricks und Kniffe, weiß, wen man wie anpacken muss, um letztendlich die Geschworenen zum Wunschurteil zu führen, das im Idealfall „Freispruch“ lautet. Aber auch mit gravierenden Minderungen des ursprünglich von der Anklage angestrebten Strafmaßes ist Rudd zufrieden. Denn er tritt als Pflichtverteidiger für die sogenannten hoffnungslosen Fälle auf. Seine Klienten sind die, die sonst niemand will. Der „Abschaum“, diejenigen, denen man am liebsten keinen Prozess gewähren würde. Aber Rudd findet, dass auch Vorbestraften, Junkies, Mittellosen und anderen Randgruppen ein fairer Prozess zusteht – auch wenn er schon lange jedes Vertrauen in das amerikanische Rechtssystem verloren hat. Und so kämpft er mit Leib und Seele für seine Klienten. Sehr interessant, lebendig und fesselnd schildert Rudd aus seiner Sicht die Fälle, in die er involviert ist. Obwohl „Der Gerechte“ kein Thriller im herkömmlichen Sinne ist, spürte ich immer wieder Spannung und Aufregung, wenn ich den ausgeklügelten Verhandlungsführungen Rudds beiwohnte, in denen er die gegnerische Partei auseinanderpflückte und Beweise zwar nicht manipulierte, sie aber dermaßen aufbereitete und präsentierte, dass ihnen fast schon eine eigene Wahrheit innewohnte. Fair? Nein! Aber wer ist schon gerecht? Die Anklage jedenfalls nicht, auch sie verdreht die Tatsachen….aber Rudd ist ihnen immer eine Nasenlänge voraus. Um ab und zu mal verschnaufen zu können und aus dem Anzug des Anwalts herauszukommen, durchziehen die Geschichte immer wieder private Passagen, die sehr unterhaltsam und sympathisch dargeboten werden. Erschreckend, wie sehr die Gerechtigkeit aufs Abstellgleis gestellt und die Wahrheit vor den Zerrspegel gestellt wird. Leider werden alle Fälle so überzeugend geschildert, dass man an der Authentizität der Berichterstattung gar nicht rütteln mag und das Gefühl hat, über den Buchrand hinweg direkt in den Gerichtssaal zu spähen. Der Sprecher Charles Brauer ist eine Klasse für sich. Er mimt den großen Erzähler, dem man glatt abnimmt, der echte Rudd zu sein. Abgebrüht, schadenfroh und auch irgendwie unaufgeregt plaudert er aus dessen Berufs- und Privatleben und bescherte mir ein sehr unterhaltsames Hörvergnügen. Inhalt Sebastian Rudd ist kein typischer Anwalt. Seine Kanzlei ist ein Lieferwagen, eingerichtet mit Bar, Kühlschrank und Waffenschrank. Er arbeitet allein, sein einziger Vertrauter ist sein Fahrer, der zudem als Leibwächter und Golfcaddie fungiert. Sebastian Rudd verteidigt jene Menschen, die andere als den Bodensatz der Gesellschaft bezeichnen. Warum? Weil er Ungerechtigkeit verabscheut und überzeugt ist, dass jeder Mensch einen fairen Prozess verdient. Autor John Grisham hat 28 Romane, ein Sachbuch, einen Erzählband und fünf Jugendbücher veröffentlicht. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Er lebt in Virginia. Sprecher Charles Brauer, bekannt aus Film, Fernsehen und von der Bühne, wurde u.a. in seiner Rolle als „Tatort“-Kommissar Brockmöller populär. Er ist die Stimme der John-Grisham-Romane und hat alle Thriller des Autors für Random House Audio eingelesen. Quelle: Randomhouse

Lesen Sie weiter

In „Der Gerechte“ werden nacheinander einzelne Fälle erzählt. Diese sind zum Großteil abgeschlossen, aber auch Teil eines großen Ganzen. Der Streit um das Sorgerecht von Rudds Sohn zieht sich dabei durch das Buch wie ein roter Faden. Dass Rudd seinen Sohn zu einem Käfigkampf mitgenommen hat, stärkt dabei nicht seine Position. Ob Rudd mir sympathisch ist, nun ja, meine Meinung wechselte dazu immer mal wieder. Rudd ist auf jeden Fall ein unorthodoxer Anwalt. Seine Freude an Käfigkämpfen ist nur eine seiner Macken. Auf der anderen Seite ist er mit Leib und Seele bei der Sache, was ihm wieder einige Pluspunkte einbringt. So bringt er auch zum Schutz seines Mandaten den Richter so sehr auf die Palme, dass er freiwillig für kurze Zeit im Gefängnis einsitzt. Mittels eher unkonventioneller Methoden, setzt er sich für das Recht seiner Mandaten ein. Die Fälle sind recht abwechslungsreich: Mal hat sein Mandat einen Ringrichter nieder geschlagen, mal wird sein Mandat einer Entführung verdächtigt, mal hat jener auf ein SWAT-Team geschossen, welches unberechtigterweise die falsche Wohnung gestürmt hatte. Grundtenor aller Fälle ist Korruption, auf die man an jeder Ecke trifft. Da die Fälle ziemlich kurz gehalten sind, hatte ich ab und an Probleme, mich auf den neuen Fall einzustellen. Die Grundidee des Buches und der Charakter Sebastian Rudd haben mir gefallen, allerdings plätscherte das Geschehen eher vor sich hin. Da ich das Buch auf dem Weg zur Arbeit hörte, war das okay, ich weiß aber nicht, inwieweit ich das Buch zu Ende gelesen bzw. gehört hätte, wenn ich mich voll und ganz drauf konzentriert hätte. Die Spannung, die Grisham in seinen Fällen kreiert, und sich dann zum Schluss völlig entlädt, wie in „Die Jury“ oder „Die Akte“ fehlte mir in „Der Gerechte“ leider völlig. Aufgrund dieser fehlenden Spannung, kann ich nur drei Sterne vergeben.

Lesen Sie weiter