Leserstimmen zu
Die Holunderschwestern

Teresa Simon

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Katharina Raith betreibt eine Werkstatt als Möbelrestauratorin gemeinsam mit ihrer Kollegin Isi. Sie entstammt einer Linie stolzer Frauen, am bekanntesten die Urgroßmutter Fanny von der alle mit großer Hochachtung sprechen und deren Erbe noch immer in der Familie spürbar ist. Als plötzlich ein charmanter Engländer vor Katharinas‘ Tür steht und ihr verschollene Tagebücher ihrer Urgroßmutter übergibt, droht das hohe Podest der Urgroßmutter zu bröckeln. Katharina erfährt durch die Tagebücher die ungeahnte Geschichte einer Frau, die in den „zerrissenen Jahren“ – den Jahren zwischen den großen Kriegen jung war und ihr Leben versuchte zu meistern. Ihre Partnerin Isi hat ein Talent überteuerte Möbelruinen anzuschleppen, aber als sie eine Ladenzeile aus den 1920er Jahren auftut ahnen beide Frauen noch nicht wie eng ihr Schicksal mit dieser verwoben sein wird… Teresa Simon verzauberte uns vor einem Jahr mit ihrem Debütroman „Die Rosenblütenvilla“. Ihr zweiter Roman ist ungefähr in der gleichen Zeitepoche angesiedelt und wieder geht es um eine Familiengeschichte, die ihre Schatten von der Mitte des vergangenen Jahrhunderts bis weit in die Gegenwart zu werfen vermag. Liebevoll ausgearbeitete Charaktere bewegen sich in einer hervorragend recherchierten Umgebung. Vergangenheit und Gegenwart fließen völlig natürlich ineinander. Katharina ging in ihren eigenen Weg aus dem Schatten einer überkritischen Mutter heraus, die wie sich später herausstellt, durch übertriebenen Ehrgeiz ihre Unsicherheit und Selbstzweifel besiegen wollte, dass dabei die Beziehung zur einzigen Tochter auf der Strecke bleibt, stellen die beiden Frauen beinahe zu spät fest. Interessant ist auch die Verbindung von Fanny und Fritzi den ungleichen Zwillingsschwestern. Während Fanny sich dem Leben stellt und ihm mit Kraft und Durchhaltevermögen begegnet, scheint Fritzi wie ein Blättchen im Wind vom Schicksal durchgewirbelt zu werden. Was die Schwestern verbindet, scheint sie auch zu trennen, denn sie neiden einander die Eigenschaften der jeweils anderen. Die zerrissenen Jahre, also die Zeit zwischen den zwei großen Kriegen, werden erschreckend gut dargestellt, die aufkeimende Hoffnung der Menschen nach Ende des ersten Weltkrieges sowie die bittere Enttäuschung dieser Hoffnungen lässt die Leserinnen oft erdrückt innehalten. Mehr als einmal wünscht man sich einen alternativen Ausgang als die steile Karriere Hitlers, die mit seiner Machtergreifung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Was Simon vor allem im letzten Drittel des Buches fehlt, ist eine klare Linie, die sie verfolgt um offene Erzählstränge zu einem stimmigen Ende zu bringen. Der Ausgang verschiedener Teilgeschichten bleibt völlig im Dunkeln. Zwar mutmaßen die ProtagonistInnen zu einigen Ereignissen über einen möglichen Ausgang, aber auch das wird nur halbherzig verfolgt. Der obligatorische Kitsch-Schluss, den offensichtlich alle Frauenromane haben müssen hilft da leider auch nicht um die Leserin befriedigt zurück zu lassen. Trotzdem für Regenstunden oder einen Tag am Strand ein durchaus geeigneter und sehr schöner Roman.

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