Leserstimmen zu
Hausbesuche

Stephanie Quitterer

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Paperback
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Wie lernt man seine Nachbarn kennen? Die Autorin nutzte so ihre Elternteilzeit, backte Kuchen und klingelte sich durch ihre Berliner Nachbarschaft. Was sie alles erlebte, hat sie aufgeschrieben, nachdem sie eine paar hundert Klingeln gedrückt hatte. Treppauf, treppab, Tür auf Tür zu, mal freundlich, mal schroff, von Jung (13) bis Alt (87), wie eben die lieben Nachbarn so sind. Aber mit ihren Kuchen und ihrem Scharm hat sie alle um den Finger gewickelt. Aber lesen Sie selbst und probieren die 200 Rezepte. Es lohnt sich. Ralf Jacob

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Stephanie Quitterer berichtet offen und ehrlich und frisch, fromm, fröhlich, frei von der Leber weg über ihr Projekt, über ihr Leben, über ihre Gedanken und Gefühle … und das macht sooooo viel Spaß, aber es macht auch recht nachdenklich ...

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Die Autorin Stephanie Quitterer erzählt ihre persönliche Geschichte, wie sie ihre Nachbarn kennenlernte. Während ihrer Mutterzeit beschließt sie jeden Tag Kuchen zu backen und mit diesem einen ihrer Nachbarn zu besuchen. So läuft sie ihre Straße ab und klingelt an fremden Türen, in der Hoffnung nicht abgewiesen zu werden. Mit 200 Kuchen lernt sie nette, skurrile und gutherzige Menschen, Nachbarn und Freunde kennen. Die Autorin schreibt sehr sympathisch mit viel Witz. Das Buch ließ sich super lesen und ich kam in einem Rutsch durch. Stephanie erzählt detailliert und mit vielen Emotionen über ihre Hausbesuche die sie erlebt hat. Dabei finde ich sie wirklich toll, sie ist nicht perfekt, arbeitet aber im Laufe des Buches immer mehr an sich. Auch ihre Tochter ist schön im Buch eingebaut und bereitet Spaß beim lesen. Lediglich der Freund wird mir im Buch bis zum Schluss nicht sympathisch, so richtig gut kommt er allerdings auch nicht immer weg. Besonders toll finde ich das das Buch so authentisch ist und man das als Leser auch merkt. Die Hausbesuche waren ein wahres Herzensprojekt. Jedes der Kapitel enthält vorweg ein Kuchen- oder Gebäckrezept, welches jedoch mit dem typischen Steph-Witz geschrieben ist - also keine klassische Rezeptbeschreibung wie aus einem Backbuch - das macht die Autorin noch ein wenig mehr sympathisch. Der Titel sowie der Untertitel "Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarn eroberte" ist Programm - man erfährt also gleich was man vom Buch erwarten kann. Auch Das Cover, wo man Stephanie mit ihrem Korb klingeln sieht, passt zum Gesamtbuch. Insgesamt hat mir das Buch aus dem KNAUS-Verlag sehr gut gefallen. Außerdem erhält man 32 tolle Rezepte zum nachbacken. Es ist sehr authentisch und witzig. Eine klare Kaufempfehlung von mir.

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Ja, ich gebe zu, ich lese Biographien & Erfahrungen & Tatsachen, weil ich am echten Leben anderer interessiert bin und nicht unbedingt immer das abtriften in fiktive Welten benötige. Hier jedoch wurde ich auch von der Tatsache angezogen, dass die Autorin Kuchen gebacken hat und mit diesen einfach vor fremden Menschen stand und um Einlass bat. Ich war gespannt, wie Stephanie Quitterer das Projekt aufzieht, was für ein Mensch sie vor und auch hinterher war, ob all die fremden Menschen sie verändert haben - und wie es überhaupt dazu kam, dass dieses Buch nun vor mir liegt. "Hier bin ich! Und das ist mein Projekt! Und wenn du es doof findest, ist das deine Sache, weil es mir völlig reicht, wenn nur ich an mich glaube [...]" (S. 72) Im locker-leichten Schreibstil, ja Plauderton, nimmt uns Frau Quitterer mit auf die Reise durch ihre Nachbarschaft. Sie lässt uns innehalten, lachen, bangen. Und sie vermittelt eine ganz wichtige Botschaft: "Ich will üben, jeden Menschen erst kennenzulernen, bevor ich ihn einteile." (S. 40/41) "Eine Abrissbirne muss her, für meine Mauern im Kopf." (S. 111) Aufgelockert haben die Erzählungen einige Statistiken. Die waren interessant und ließen noch mehr hinter die Fassade blicken, denn alles kann man in dieser Lektüre nicht unterbringen, ohne langweilig daherzukommen. Meinen Respekt hat die Verfasserin, denn auch nach dem Lesen kann ich mir nicht vorstellen, ein ähnliches Vorhaben in die Tat umzusetzen, obwohl ich in Gedanken bereits heftig am Planen bin, welche Kuchen es denn werden sollen. Ein Hinweis sei noch gegeben: Es sind nicht wirklich (viele) ernstzunehmende Rezepte im Buch enthalten - zumindest ich als Backjunkie würde ihr wahrscheinlich auch lieber eine Postkarte mit einer Einladung schreiben, auf der vermerkt ist, dass ich den Kuchen auftische. ©2017 weitere Zitate: "Bei manchen Dialekten leide ich an Assimilierungszwang vor lauter Sympathie." (S. 87) "»[...] durch die Chemo habe ich vierzig Kilo zugenommen. [...] Aber wenn sie es so aufregt, dass ich so aussehe, wie ich aussehe - warum kommt dann nicht mal einer und fragt, warum es so ist?«" (S. 89) "Ich liebe meine Wette. Meine Lupe, mein Kaleidoskop. Ich liebe es, dass jeden Tag, für genau die Dauer eines Tages, ein anderer Mensch, mit einer anderen, eigenen Geschichte, im Mittelpunkt steht." (S. 120) "Wann nur, wann endlich habe ich mein Oberstübchen von diesen Schubladen entrümpelt?!" (S. 161) "Es gibt immer etwas zu tun, [...], darf nicht vergessen werden und verträgt auch keine Relativierung. Aber mit »meiner« Welt anzufangen, [...] finde ich einen durchaus akzeptablen ersten Schritt." (S. 221)

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Endlich mal wieder ein tolles Sachbuch gelesen. Mutig, neu, ideenreich. Eines Tages fasst die Autorin sich ein Herz und geht mit sich selbst eine Wette ein: sie will während ihrer Elternzeit an 200 fremden Türen in ihrer Straße klingeln und sich selbst einladen. Im Gepäck immer etwas Gebäck. Selbstgemacht versteht sich. Dazu alles was ein Kaffekränzchen so braucht. Doch die ersten Schritte sind nicht leicht und Unterstützung von ihrem Mann, einem alt eingesessenen Musiker in Berlin, kann sie auch nicht erwarten. Dieser sieht ihr Projekt anfangs sehr sekptisch. Hat Angst um sie, es könne ihr was passieren. Schubladendenken eben. Stepha selbst ist am Theater, doch scheut sie privat den Kontakt zu fremden Menschen. Aber ihr Drang herauszufinden, wer hinter dieser Vielzahl an Türen lebt, hilft ihr, sich mit Sack und Pack und manchmal auch mit Baby auf dem Weg zu machen. Jeden Tag soll es ein Kaffeetrinken sein, jeden Tag einen neuen Menschen kennenlernen. Der Klingelmaraton beginnt. Abweisungen folgen, Erklärungen werden gesucht, bis sie plötzlich doch jemand hereinlässt. Im Laufe der Zeit erfährt Quitterer mehr und mehr über die Straße, doch dies ist längst Nebensache geworden. Die Menschen sind es , für die sie sich interessiert, die sich ihr, im wahrsten Sinne des Wortes, öffnen. Von jung bis alt, Wessi bis Ossi, Personen mit Migrationshintergrund, Familien und Einsamen bis zu den fabelhaftesten Geschichten: jede Schublade wird aufgemacht und danach für immer verschlossen. Jeder neue Nachbar, jede Geschichte und Situation stellen sie auf die Probe. Und aus der einsamen Jungmutter wird plötzlich die Freundin der Straße. Doch der wichtigste Punkt im ganzen Buch, ist die innere Reife, die die Autorin durch ihr Experiment gewinnt. SPOILER "(...) Nein, man steht nicht allein auf weiter Flur, als Flirter. Da sind noch andere. Andere mit einem Zwinkern in den Augen und Verständnis in freundlichen Worten, andere, die die gleichen Dinge beobachten. Es ist ein Geheimbund, bei dem jeder mitmachen darf. " (S. 123) SPOILER ENDE Jeden ihrer Hausbesuche hält sie damals in ihrem Blog fest. Das Buch ist aus dem Blog zusammengestrickt worden, wie die Autorin selber sagt. In vielen kleinen Kapiteln werden einige Wohnungsbesuche nacherzählt. Doch neben ihren Klingelmännchen backt sie auch täglich Kuchen. Von Apfelkuchen über Mamorkuchen bis Bananenkuchen ist alles dabei. Das Beste daran ist: mit Beginn eines neuen Kapitels stellt sie ein Kuchenrezept zur Verfügung. Außerdem fügt sie dem Buch über, immer mal wieder Statisiken ihrer Besuche bei. So erfährt man dann, wieviel Leute in der Straße leben, wieviele die Türen geöffnet haben, wieviel Leute Ausreden haben usw. Mich persönlich hat die ein oder andere Geschichte immer wieder begeistert oder berührt. Die Gastfreundschaft und Emotionen einiger Personen schwappen auch beim Lesen über. So wird über den redseligen Herrn Schwarz berichtet oder einer Frau, dessen Sohn aus dem Fenster gesprungen ist. Man erfährt etwas über einen Swingerclub oder warum ein junger Mann in einer Müllbude lebt. Der Leser bekommt ein Gefühl davon, wie es ist, wenn man Vorurteile hat, denn nichts ist wie es scheint. Die Autorin vermittelt das Gefühl des Hinterfragens. Sie lässt den Leser in ein andere Welt blicken. Und auch allen anderen kann ich nur empfehlen "Hausbesuche" zu lesen, denn es ist ein einzigartiger Bericht über Freundschaft und Nachbarschaft und ein Beispiel für jede Straße in der wir leben. Das Buch hat zwar kein Hardcover und ist mit seinen kanpp 17 € also recht teuer, aber es ist gut gemacht und auch der Umschlag hochwertig verarbeitet. Und wer kein Bock auf die Gesichte hat, hat zumindest ein wertvolles Backbuch. Mehr dazu auf meinem Blog Fashion-Library.

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Hausbesuche

Von: ShalimaMoon

14.09.2016

Beim Stöbern auf dem Blog meiner lieben Inkunabel-Mädels fiel mir Carmens Beitrag über „Hausbesuche – Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte“ ins Auge und konnte nichts anders, als es mir sofort selbst zuzulegen. Stephanie Quitterer ist Regieassistentin in Berlin und nach der Geburt ihrer Tochter in Elternzeit. Diese will sie nutzen, um endlich einmal ihre Nachbarschaft näher kennenzulernen. Also backt sie Kuchen und alle anderen wichtigen Sachen für einen Kaffeeklatsch ein und klingelt einfach bei ihren Nachbarn. Jetzt einmal Hand aufs Herz an alle Menschen, die in der Großstadt wohnen: Wie viele eurer Nachbarn kennt ihr denn wirklich? Also nicht nur vom aneinander vorbeidrängeln im Treppenhaus, sondern wirklich mit Namen? Selbst in der Kleinstadt kennt man nicht immer seine Nachbarn. Nur auf dem Dorf scheint noch jeder von jedem alles zu wissen. Aber wann genau ist es denn aus der Mode gekommen, sich beim Einzug bei seinen Nachbarn vorzustellen? Ähnliche Fragen stellte sich auch Stephanie Quitterer, die Autorin von Hausbesuche. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann Tom und ihrer neugeborenen Tochter Marie in Berlin. Doch in ihrem Viertel scheint sie das Feindbild zu sein, schließlich ist sie Mutter. Auch sie trägt viele Vorurteile und Ängste mit sich herum, aber auch einen großen Traum. Sie wüsste gerne, was auf der anderen Seite der geschlossenen Türen in der Nachbarschaft ist. Wie gut, dass sie in ihrer Elternzeit endlich einmal Zeit hat (und ihr Partner Tom Musiker ist und von zu Hause arbeitet und daher auch auf Marie aufpassen kann). Doch zunächst muss noch der innere Schweinehund überwunden werden. Denn die Angst vor der Reaktion der Nachbarn ist allgegenwärtig. Doch eines Tages nimmt Stephanie all ihren Mut zusammen und klingelt an den ersten Wohnungen. Ihre Erfahrungen, ihre Kuchenrezepte und ihre Statistiken sind in ihrem Buch Hausbesuche zusammengefasst. Hausbesuche ist ein Buch, das sich herrlich leicht und locker an zwei Tagen verschlingen lässt. Der Schreibstil ist sehr flüssig und teilweise herrlich selbstironisch. Am Anfang jedes Kapitels gibt es ein Kuchenrezept, das vor allem für Backanfänger geschrieben ist – Frau Quitterer ist auch noch Backneuling – und mit nützlichen Tipps, was man nicht machen sollte beim backen, versehen. Darauf folgt dann wieder eine neue Begegnung, die der Autorin nachträglich im Kopf blieb und ihre Gedanken zu ihrem Viertel, den Abbau ihrer Vorurteile und ihre aufkeimende Weltoffenheit. So wird in jedem Kapitel nicht nur stupide ein Treffen beschrieben, sondern das Buch trumpft auch mit einem Funken sozialkritischer Philosophie. Diese ist aber in keinem Fall aufdringlich oder dominiert in irgendeiner Weise. Es sind lediglich die Gedanken, die bei so einem Projekt einen durch den Kopf schwirren können. Am Ende jedes Kapitels gibt es eine kleine Statistik über die besuchten Nachbarn, sei es wie sie ihren Kaffee trinken, oder welche Ausreden am häufigsten benutzt wurden, um Stephanie nicht herein zu lassen. Das Buch macht einfach nur Spaß zu lesen und regt dabei zum nachdenken an. Schon wünscht man sich, die Türklingel würde klingeln und ein Nachbar würde sich selbst zum Kaffeeklatsch einladen. Oder man ertappt sich dabei, wie man in der Küche steht und überlegt, was man selbst für so ein projekt mitnehmen und backen würde. Gegen Ende des Buches nehmen leider die tatsächlich beschriebenen Begegnungen immer mehr ab und wird immer mehr Stephanies eigene Wandlung beschrieben. Das ist etwas schade, denn man brennt auf noch mehr „Abenteuer“ aus der Nachbarschaftsfront, andererseits ist auch diese Entwicklung interessant zu beobachten. Am Ende des Buches bleibt eine Menge positiver Input gepaart mit einer Leere – wie nach jedem guten Buch/Film/Serie – und große Lust in die Welt hinauszurennen und die eigenen Nachbarn kennenzulernen. Aber wer hat schon so viel Mut, wie Stephanie Quitterer?

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Stephanie ist in Elternzeit, will in dieser Zeit aber nicht nur das Muttersein genießen, sondern auch persönlich vorwärts kommen. Sie backt also einen Kuchen nach dem anderen, nimmt sich immer wieder vor, damit endlich zu ihren Nachbarn zu gehen, aber letztendlich scheitert es doch immer an ihrer Scheu davor, auf fremde Menschen zuzugehen. Doch irgendwann überwindet sie sich und geht, mit Kaffeepulver, Tee und Kuchen im Gepäck in der Nachbarschaft klingen - bei völlig Fremden. Nach ein paar weniger erfolgreichen Versuchen, wird sie tatsächlich hineingelassen. Und damit beginnt ein wunderschönes Projekt, das der Großstadt-Anonymität die Stirn bieten will. Stephanie fängt an, einen Blog darüber zu schreiben, wie sie sich in 200 Tagen bei 200 Fremden zu Kaffee und Kuchen einladen will. Das Buch ist sehr schön aufgeteilt, jedes Kapitel beginnt mit einem kleinen Rezept, das sehr humorvoll beschrieben wird. Danach wird von einem Hausbesuch erzählt und darauf folgen meist noch ein paar abschließende Gedanken, Erzählungen aus dem Alltag und ab und zu auch noch eine kleine Statistik. Das Buch liest sich wirklich sehr leicht, es hat zwar keine wirklichen Höhepunkte, sondern plätschert eher gemütlich dahin, aber gerade das macht es so angenehm es zu lesen. Man wird als Leser mit Vorurteilen und Schubladen-Denkweisen konfrontiert, die wir alle haben - obwohl die meisten von uns (und da schließe ich mich mit ein) sich eigentlich als tolerant und offen beschreiben würden. Aber das sind wir eben meist nur innerhalb unserer kleinen Komfortzone. Wenn wir jemanden sehen, den wir für »asozial« oder ähnliches halten, dann vergessen wir diese Toleranz und Offenheit gern sehr schnell. Und daraus ergibt sich bei vielen automatisch auch eine Angst davor, dass man von anderen Menschen ebenso kritisch betrachtet wird. »Wenn ich will, dass andere von mir nichts denken, sollte ich vielleicht als Erstes anfangen, von ihnen nichts zu denken.« (Stephanie Quitterer, Hausbesuche, Seite 89) Wir sollten viel öfter andere Menschen anlächeln, uns auf ein spontanes Gespräch einlassen und dabei einfach mal vergessen, dass wir so distanziert wie möglich wirken wollen, wenn wir in der Öffentlichkeit unterwegs sind. Und dafür sollten wir aufhören, Menschen nach dem ersten Eindruck zu beurteilen und sie zwanghaft in irgendeine Schublade einordnen zu wollen. Das ist es, was dieses Buch dem Leser mitteilen möchte, jedoch kommt Stephanie Quitterer dabei vollkommen ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger aus. Ich fühle mich, nachdem ich das Buch nun gelesen habe nicht belehrt, als hätte ich etwas Schreckliches getan und müsste nun dringend an mir arbeiten, ich habe einfach nur das Gefühl, einen sehr gut gemeinten Ratschlag mitgenommen zu haben, den ich mir sicher zu Herzen nehmen werde. Denn die Autorin macht immer wieder deutlich, wie schwer es auch ihr fällt, Menschen nicht zu beurteilen, sondern sie einfach nur unvoreingenommen kennenzulernen. Sich keine Meinung zu bilden, bevor sie überhaupt irgendwelche Fakten kennt. Sie erwischt sich häufig dabei, wie sie die Menschen, die ihr die Tür öffnen, kritisch betrachtet und sich bewusst dazu ermahnen muss, offener und »schubladenfrei« zu sein. »Eine Übung: Jeder, den ich besuche, hat recht. Stepha beiseite. Versuchen, in fremde Schuhe zu schlüpfen - sieh an: Auch in ihnen kann man laufen.« (Stephanie Quitterer, Hausbesuche, Seite 100) Hinzu kommt noch der sehr charmante und humorvolle Schreibstil, der mich voll und ganz überzeugt hat. Manchmal muss man einfach schmunzeln. Es ist aber trotzdem nicht übertrieben, es wirkt nicht, als hätte die Autorin versucht, unbedingt in jeden so-und-sovielten Satz einen Witz zu verpacken. Das Buch ist einfach sehr liebevoll geschrieben und nebenbei auch niedlich gestaltet, sowohl außen als auch innen. Ich hatte wirklich sehr viel Spaß dabei, es zu lesen und Stephanie Quitterer bei ihrem Projekt zu begleiten und ich habe nichts daran auszusetzen, wie man wahrscheinlich schon an der Bewertung erkannt hat. Ich kann das Buch wirklich uneingeschränkt jedem ans Herz legen! »Möge das Leben so gut zu dir sein, dass du keine Schubladen brauchst.« (Stephanie Quitterer, Hausbesuche, Seite 204) Und an dieser Stelle nochmal lieben Dank an den Knaus-Verlag beziehungsweise an die Verlagsgruppe Random House, die mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben!

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Mal wieder hat mir meine Tochter quasi ein anderes Genre aufgedrängelt! In einer Facebook-Gruppe war ihr das Sachbuch Hausbesuche – Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft erorberte aufgefallen und mir wurde die Ehre zuteil, es zu lesen. Bereut habe ich es nicht. Vielmehr wurde ich köstlich unterhalten. Die Autorin war mir völlig unbekannt und so ging ich völlig frei von Vorurteilen an die Sache heran. Stephanie ist Maskenbildnerin in Berlin und befindet sich gerade in Elternzeit. Nicht so ganz ausgelastet, droht sie in Depressionen zu versinken. Auch ihr Mann Tom, ein Musiker, ist ihr keine große Hilfe, da er sich in seine Arbeit flüchtet. Wie soll sie dem tristen Alltag entfliehen? Von Haus aus eher schüchtern und nicht gerade kontaktfreudig, beschließt Stephanie ihre Nachbarschaft kennen zu lernen. Aber wie soll sie das anstellen? Kurzerhand wettet sie mit ihrem skeptischen Ehemann, sich in 200 Tagen bei genau so vielen Leuten mit selbstgebackenem Kuchen zum Kaffee einzuladen. Neben dem Drang sich selbst zu beweisen, kommt auch eine gewisse Neugier zum Tragen: Wie sehen die anderen Wohnungen aus und wer wohnt darin? Aber aller Anfang ist schwer! Mit ironischen Bemerkungen ihres Mannes Tom (keine große Hilfe) und Schweineohren im Gepäck macht sie sich auf den Weg – und wird gleich an der ersten Klingel für eine Perverse gehalten! Stephanie lässt sich aber nicht abschrecken, selbst wenn ihr Göttergatte ihr so manches Horrorszenario ausmalt. Doch so schlimm sind die Nachbarn gar nicht, selbst wenn nicht jeder sie in die Wohnung lässt oder sie schon mal glaubt, einem Serienmörder in die Falle zu gehen. Um ihre Wette nicht aus den Augen zu verlieren, schreibt Stephanie in einem Blog über ihre täglichen Erlebnisse. Prompt hat sie dadurch wieder Kontakt mit ihrer Schwester, der nach ihrem Umzug nach Berlin völlig eingeschlafen war. Stephanies Tag ist jetzt fast zu kurz, da zuerst immer ein Kuchen gebacken werden muss. Dabei ist sie eigentlich keine besonders begabte Bäckerin. Zu allem entschlossen geht die Klingeltour trotzdem los. Mit dabei hat sie stets diverse Kaffeesorten, Teebeutel, Sahne und Zucker. Ihre Gastgeber müssen nur das Wasser beisteuern und natürlich ihre Geschichten. Auf diese Weise schafft sie meist einen Besuch pro Tag. Immer mutiger wird sie, als sie merkt, dass auch ihr Blog positiv ankommt und Leute sie in ihrem Ansinnen bestärken. So kommt Stephanie schließlich selbst in den Genuss von Einladungen – nicht unbedingt aus Ihrer Straße, sondern aus ganz Berlin. Als sich Tom eines Tages weigert, auf ihre knapp einjährige Tochter Marie aufzupassen, nimmt sie diese kurzerhand mit. Entgegen Toms Misstrauen öffnet sich nun wie durch Zauberhand so manche verschlossene Tür. Als Stephanie krank wird und nicht zum Kaffeekränzchen gehen kann, retten bereits Besuchte ihre Wette und machen Gegenbesuche oder stehen ihrerseits bei fremden Nachbarn auf der Matte. Das Ende der Wette – gibt es denn eines? Stephanie kennt inzwischen den Großteil ihrer Nachbarn, weiß wie diese wohnen und ist bekannt bei den Leuten in ihrer Umgebung. Ob sie ihre Wette wohl gewonnen hat? Dieses Sachbuch habe ich in nur wenigen Stunden runtergelesen! Der Schreibstil ist flüssig, häufig mit einem Augenzwinkern verfasst und vor allem eines: menschlich. Natürlich haben einige Besuche einen tieferen Eindruck bei der Autorin hinterlassen als andere, sodass ausgewählte Episoden geschildert werden. Manchen Erlebnissen widmet sie nur einige kurze Sätze, andere Situationen wiederum sind sehr detailliert beschrieben. Langeweile kommt jedenfalls nicht auf, denn die 30 Kapitel sind genauso abwechslungsreich, wie die dazugehörigen Kuchenrezepte. Hier finden sich auch einige Verlegenheitskuchen, in die alles hineingerührt wird, was die Autorin zu dem Zeitpunkt gerade in ihren Küchenschränken hatte. Stephanie selbst war mir von Anfang an sympathisch, denn sie wirkt stets bodenständig und glaubwürdig. Obwohl sie anfangs nur ungern auf fremde Menschen zugeht, wird sie im Laufe der Zeit wesentlich unbeschwerter und forscher. Hausbesuche – Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft erorberte ist eine genauso kurzweilige, wie nachdenklich machende Lektüre. Die Geschichten der einzelnen Personen regen häufig zum Grübeln an. Wer von uns weiß schon, was der nächste Nachbar so alles treibt? Manchmal täuscht der erste Eindruck oder man denkt zu sehr in alt vertrauten Schubladen. Vielleicht stellt sich ja der bullige, gefährlich aussehende Typ von Nebenan als Teddybär mit Sammeltick heraus? Diese etwas anderen Hausbesuche laden jedenfalls auf herzliche Weise dazu ein, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Das Buch ist ein realistisches, aus dem Leben gegriffenes Lesevergnügen für Zwischendurch, das ohne großes Drama auskommt. Fast wäre mir übrigens beim Schmökern ein Fehler unterlaufen: ich wollte die Rezepte am Anfang jeden Kapitels überlesen. Gott sei Dank habe ich noch rechtzeitig gemerkt, dass hier sehr viel Humor und Selbstironie versteckt waren. Denn Stephanie hat so ihre Probleme mit dem Backen. Und die kamen mir teilweise äußerst bekannt vor. Kuchen angekokelt? Kein Problem: einfach das Schwarze abschneiden und Schokoladenguss darüber geben! Die Hausbesuche der Protagonistin sind zugegeben eine sehr gewöhnungsbedürftige Variante, seine Nachbarn kennen zu lernen. Erzählt wird das von der Kuchenbäckerin aber auf eine so natürlich-charmante Art, dass es einen reizt, es ihr gleich zu tun. Vielleicht ist ja ein solches Experiment in der heutigen Zeit und vor allem in Großstädten die einzige Möglichkeit zu erfahren, wer mit einem Tür an Tür wohnt? Nach dem Lesen fragte ich mich unwillkürlich, ob ich selbst den Mut hätte, bei fremden Leuten anzuklopfen. Vielleicht wäre es tatsächlich einen Versuch wert – auf jeden Fall würde es sicher für einige Überraschungen sorgen! Carmen, www.inkunabel.wordpress.com Autorin: Stephanie Quitterer Buchtitel: Hausbesuche – Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft erorberte Verlag: Knaus Verlag

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