VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü
  • facebook
  • google+
  • whatsapp
  • twitter
  • add this

Leserstimmen (19)

Stephanie Quitterer: Hausbesuche

Hausbesuche Blick ins Buch

Bestellen Sie mit einem Klick

oder kaufen Sie direkt vor Ort bei Ihrem Buchhändler.

€ 16,99 [D] inkl. MwSt.
€ 17,50 [A] | CHF 22,90*
(* empf. VK-Preis)

Paperback, Klappenbroschur ISBN: 978-3-8135-0685-3

Erschienen: 21.03.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: eBook (epub)

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Anmeldung

Kundenrezensionen

5 Sterne
(17)
4 Sterne
(2)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)

Ihre Bewertung

Leserstimme abgeben

Voransicht

"Hausbesuche - Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte" ... Herrlich!!!

Von: Rita Datum : 20.09.2017

https://www.mein-gluecksleseletter.de

Stephanie Quitterer berichtet offen und ehrlich und frisch, fromm, fröhlich, frei von der Leber weg über ihr Projekt, über ihr Leben, über ihre Gedanken und Gefühle … und das macht sooooo viel Spaß, aber es macht auch recht nachdenklich ...

Die Erfahrung mit der Nachbarschaft

Von: Kristina Datum : 25.08.2017

https://lesemottesecke.wordpress.com/

Die Autorin Stephanie Quitterer erzählt ihre persönliche Geschichte, wie sie ihre Nachbarn kennenlernte. Während ihrer Mutterzeit beschließt sie jeden Tag Kuchen zu backen und mit diesem einen ihrer Nachbarn zu besuchen. So läuft sie ihre Straße ab und klingelt an fremden Türen, in der Hoffnung nicht abgewiesen zu werden. Mit 200 Kuchen lernt sie nette, skurrile und gutherzige Menschen, Nachbarn und Freunde kennen.

Die Autorin schreibt sehr sympathisch mit viel Witz. Das Buch ließ sich super lesen und ich kam in einem Rutsch durch. Stephanie erzählt detailliert und mit vielen Emotionen über ihre Hausbesuche die sie erlebt hat. Dabei finde ich sie wirklich toll, sie ist nicht perfekt, arbeitet aber im Laufe des Buches immer mehr an sich. Auch ihre Tochter ist schön im Buch eingebaut und bereitet Spaß beim lesen. Lediglich der Freund wird mir im Buch bis zum Schluss nicht sympathisch, so richtig gut kommt er allerdings auch nicht immer weg. Besonders toll finde ich das das Buch so authentisch ist und man das als Leser auch merkt. Die Hausbesuche waren ein wahres Herzensprojekt. Jedes der Kapitel enthält vorweg ein Kuchen- oder Gebäckrezept, welches jedoch mit dem typischen Steph-Witz geschrieben ist - also keine klassische Rezeptbeschreibung wie aus einem Backbuch - das macht die Autorin noch ein wenig mehr sympathisch. Der Titel sowie der Untertitel "Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarn eroberte" ist Programm - man erfährt also gleich was man vom Buch erwarten kann. Auch Das Cover, wo man Stephanie mit ihrem Korb klingeln sieht, passt zum Gesamtbuch.

Insgesamt hat mir das Buch aus dem KNAUS-Verlag sehr gut gefallen. Außerdem erhält man 32 tolle Rezepte zum nachbacken. Es ist sehr authentisch und witzig. Eine klare Kaufempfehlung von mir.

✎ Stephanie Quitterer - Hausbesuche

Von: Mademoiselle Cake Datum : 10.06.2017

mademoiselle-cake-liest.blogspot.it/

Ja, ich gebe zu, ich lese Biographien & Erfahrungen & Tatsachen, weil ich am echten Leben anderer interessiert bin und nicht unbedingt immer das abtriften in fiktive Welten benötige.

Hier jedoch wurde ich auch von der Tatsache angezogen, dass die Autorin Kuchen gebacken hat und mit diesen einfach vor fremden Menschen stand und um Einlass bat.

Ich war gespannt, wie Stephanie Quitterer das Projekt aufzieht, was für ein Mensch sie vor und auch hinterher war, ob all die fremden Menschen sie verändert haben - und wie es überhaupt dazu kam, dass dieses Buch nun vor mir liegt.

"Hier bin ich! Und das ist mein Projekt!
Und wenn du es doof findest, ist das deine Sache,
weil es mir völlig reicht, wenn nur ich an mich glaube [...]" (S. 72)

Im locker-leichten Schreibstil, ja Plauderton, nimmt uns Frau Quitterer mit auf die Reise durch ihre Nachbarschaft. Sie lässt uns innehalten, lachen, bangen. Und sie vermittelt eine ganz wichtige Botschaft:

"Ich will üben, jeden Menschen erst kennenzulernen, bevor ich ihn einteile." (S. 40/41)

"Eine Abrissbirne muss her, für meine Mauern im Kopf." (S. 111)

Aufgelockert haben die Erzählungen einige Statistiken. Die waren interessant und ließen noch mehr hinter die Fassade blicken, denn alles kann man in dieser Lektüre nicht unterbringen, ohne langweilig daherzukommen.

Meinen Respekt hat die Verfasserin, denn auch nach dem Lesen kann ich mir nicht vorstellen, ein ähnliches Vorhaben in die Tat umzusetzen, obwohl ich in Gedanken bereits heftig am Planen bin, welche Kuchen es denn werden sollen.

Ein Hinweis sei noch gegeben: Es sind nicht wirklich (viele) ernstzunehmende Rezepte im Buch enthalten - zumindest ich als Backjunkie würde ihr wahrscheinlich auch lieber eine Postkarte mit einer Einladung schreiben, auf der vermerkt ist, dass ich den Kuchen auftische.

©2017

weitere Zitate:

"Bei manchen Dialekten leide ich an Assimilierungszwang vor lauter Sympathie." (S. 87)

"»[...] durch die Chemo habe ich vierzig Kilo zugenommen. [...] Aber wenn sie es so aufregt, dass ich so aussehe, wie ich aussehe - warum kommt dann nicht mal einer und fragt, warum es so ist?«" (S. 89)

"Ich liebe meine Wette. Meine Lupe, mein Kaleidoskop. Ich liebe es, dass jeden Tag, für genau die Dauer eines Tages, ein anderer Mensch, mit einer anderen, eigenen Geschichte, im Mittelpunkt steht." (S. 120)

"Wann nur, wann endlich habe ich mein Oberstübchen von diesen Schubladen entrümpelt?!" (S. 161)

"Es gibt immer etwas zu tun, [...], darf nicht vergessen werden und verträgt auch keine Relativierung. Aber mit »meiner« Welt anzufangen, [...] finde ich einen durchaus akzeptablen ersten Schritt." (S. 221)

Kein Schubladendenken mehr!

Von: Sarah von Fashion-Library Datum : 06.11.2016

Endlich mal wieder ein tolles Sachbuch gelesen. Mutig, neu, ideenreich.

Eines Tages fasst die Autorin sich ein Herz und geht mit sich selbst eine Wette ein: sie will während ihrer Elternzeit an 200 fremden Türen in ihrer Straße klingeln und sich selbst einladen. Im Gepäck immer etwas Gebäck. Selbstgemacht versteht sich. Dazu alles was ein Kaffekränzchen so braucht.

Doch die ersten Schritte sind nicht leicht und Unterstützung von ihrem Mann, einem alt eingesessenen Musiker in Berlin, kann sie auch nicht erwarten. Dieser sieht ihr Projekt anfangs sehr sekptisch. Hat Angst um sie, es könne ihr was passieren. Schubladendenken eben. Stepha selbst ist am Theater, doch scheut sie privat den Kontakt zu fremden Menschen. Aber ihr Drang herauszufinden, wer hinter dieser Vielzahl an Türen lebt, hilft ihr, sich mit Sack und Pack und manchmal auch mit Baby auf dem Weg zu machen.
Jeden Tag soll es ein Kaffeetrinken sein, jeden Tag einen neuen Menschen kennenlernen.
Der Klingelmaraton beginnt. Abweisungen folgen, Erklärungen werden gesucht, bis sie plötzlich doch jemand hereinlässt.

Im Laufe der Zeit erfährt Quitterer mehr und mehr über die Straße, doch dies ist längst Nebensache geworden. Die Menschen sind es , für die sie sich interessiert, die sich ihr, im wahrsten Sinne des Wortes, öffnen. Von jung bis alt, Wessi bis Ossi, Personen mit Migrationshintergrund, Familien und Einsamen bis zu den fabelhaftesten Geschichten: jede Schublade wird aufgemacht und danach für immer verschlossen.

Jeder neue Nachbar, jede Geschichte und Situation stellen sie auf die Probe. Und aus der einsamen Jungmutter wird plötzlich die Freundin der Straße. Doch der wichtigste Punkt im ganzen Buch, ist die innere Reife, die die Autorin durch ihr Experiment gewinnt.

SPOILER
"(...) Nein, man steht nicht allein auf weiter Flur, als Flirter. Da sind noch andere. Andere mit einem Zwinkern in den Augen und Verständnis in freundlichen Worten, andere, die die gleichen Dinge beobachten. Es ist ein Geheimbund, bei dem jeder mitmachen darf. " (S. 123)
SPOILER ENDE

Jeden ihrer Hausbesuche hält sie damals in ihrem Blog fest. Das Buch ist aus dem Blog zusammengestrickt worden, wie die Autorin selber sagt. In vielen kleinen Kapiteln werden einige Wohnungsbesuche nacherzählt.
Doch neben ihren Klingelmännchen backt sie auch täglich Kuchen. Von Apfelkuchen über Mamorkuchen bis Bananenkuchen ist alles dabei. Das Beste daran ist: mit Beginn eines neuen Kapitels stellt sie ein Kuchenrezept zur Verfügung.
Außerdem fügt sie dem Buch über, immer mal wieder Statisiken ihrer Besuche bei.
So erfährt man dann, wieviel Leute in der Straße leben, wieviele die Türen geöffnet haben, wieviel Leute Ausreden haben usw.

Mich persönlich hat die ein oder andere Geschichte immer wieder begeistert oder berührt. Die Gastfreundschaft und Emotionen einiger Personen schwappen auch beim Lesen über. So wird über den redseligen Herrn Schwarz berichtet oder einer Frau, dessen Sohn aus dem Fenster gesprungen ist. Man erfährt etwas über einen Swingerclub oder warum ein junger Mann in einer Müllbude lebt.

Der Leser bekommt ein Gefühl davon, wie es ist, wenn man Vorurteile hat, denn nichts ist wie es scheint. Die Autorin vermittelt das Gefühl des Hinterfragens. Sie lässt den Leser in ein andere Welt blicken.

Und auch allen anderen kann ich nur empfehlen "Hausbesuche" zu lesen, denn es ist ein einzigartiger Bericht über Freundschaft und Nachbarschaft und ein Beispiel für jede Straße in der wir leben. Das Buch hat zwar kein Hardcover und ist mit seinen kanpp 17 € also recht teuer, aber es ist gut gemacht und auch der Umschlag hochwertig verarbeitet. Und wer kein Bock auf die Gesichte hat, hat zumindest ein wertvolles Backbuch.
Mehr dazu auf meinem Blog Fashion-Library.

Hausbesuche

Von: ShalimaMoon Datum : 14.09.2016

https://shalimasfilmweltenkritik.wordpress.com/

Beim Stöbern auf dem Blog meiner lieben Inkunabel-Mädels fiel mir Carmens Beitrag über „Hausbesuche – Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte“ ins Auge und konnte nichts anders, als es mir sofort selbst zuzulegen.

Stephanie Quitterer ist Regieassistentin in Berlin und nach der Geburt ihrer Tochter in Elternzeit. Diese will sie nutzen, um endlich einmal ihre Nachbarschaft näher kennenzulernen. Also backt sie Kuchen und alle anderen wichtigen Sachen für einen Kaffeeklatsch ein und klingelt einfach bei ihren Nachbarn.

Jetzt einmal Hand aufs Herz an alle Menschen, die in der Großstadt wohnen: Wie viele eurer Nachbarn kennt ihr denn wirklich? Also nicht nur vom aneinander vorbeidrängeln im Treppenhaus, sondern wirklich mit Namen? Selbst in der Kleinstadt kennt man nicht immer seine Nachbarn. Nur auf dem Dorf scheint noch jeder von jedem alles zu wissen. Aber wann genau ist es denn aus der Mode gekommen, sich beim Einzug bei seinen Nachbarn vorzustellen? Ähnliche Fragen stellte sich auch Stephanie Quitterer, die Autorin von Hausbesuche. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann Tom und ihrer neugeborenen Tochter Marie in Berlin. Doch in ihrem Viertel scheint sie das Feindbild zu sein, schließlich ist sie Mutter. Auch sie trägt viele Vorurteile und Ängste mit sich herum, aber auch einen großen Traum. Sie wüsste gerne, was auf der anderen Seite der geschlossenen Türen in der Nachbarschaft ist. Wie gut, dass sie in ihrer Elternzeit endlich einmal Zeit hat (und ihr Partner Tom Musiker ist und von zu Hause arbeitet und daher auch auf Marie aufpassen kann). Doch zunächst muss noch der innere Schweinehund überwunden werden. Denn die Angst vor der Reaktion der Nachbarn ist allgegenwärtig. Doch eines Tages nimmt Stephanie all ihren Mut zusammen und klingelt an den ersten Wohnungen. Ihre Erfahrungen, ihre Kuchenrezepte und ihre Statistiken sind in ihrem Buch Hausbesuche zusammengefasst.
Hausbesuche ist ein Buch, das sich herrlich leicht und locker an zwei Tagen verschlingen lässt. Der Schreibstil ist sehr flüssig und teilweise herrlich selbstironisch. Am Anfang jedes Kapitels gibt es ein Kuchenrezept, das vor allem für Backanfänger geschrieben ist – Frau Quitterer ist auch noch Backneuling – und mit nützlichen Tipps, was man nicht machen sollte beim backen, versehen. Darauf folgt dann wieder eine neue Begegnung, die der Autorin nachträglich im Kopf blieb und ihre Gedanken zu ihrem Viertel, den Abbau ihrer Vorurteile und ihre aufkeimende Weltoffenheit. So wird in jedem Kapitel nicht nur stupide ein Treffen beschrieben, sondern das Buch trumpft auch mit einem Funken sozialkritischer Philosophie. Diese ist aber in keinem Fall aufdringlich oder dominiert in irgendeiner Weise. Es sind lediglich die Gedanken, die bei so einem Projekt einen durch den Kopf schwirren können. Am Ende jedes Kapitels gibt es eine kleine Statistik über die besuchten Nachbarn, sei es wie sie ihren Kaffee trinken, oder welche Ausreden am häufigsten benutzt wurden, um Stephanie nicht herein zu lassen.
Das Buch macht einfach nur Spaß zu lesen und regt dabei zum nachdenken an. Schon wünscht man sich, die Türklingel würde klingeln und ein Nachbar würde sich selbst zum Kaffeeklatsch einladen. Oder man ertappt sich dabei, wie man in der Küche steht und überlegt, was man selbst für so ein projekt mitnehmen und backen würde. Gegen Ende des Buches nehmen leider die tatsächlich beschriebenen Begegnungen immer mehr ab und wird immer mehr Stephanies eigene Wandlung beschrieben. Das ist etwas schade, denn man brennt auf noch mehr „Abenteuer“ aus der Nachbarschaftsfront, andererseits ist auch diese Entwicklung interessant zu beobachten. Am Ende des Buches bleibt eine Menge positiver Input gepaart mit einer Leere – wie nach jedem guten Buch/Film/Serie – und große Lust in die Welt hinauszurennen und die eigenen Nachbarn kennenzulernen. Aber wer hat schon so viel Mut, wie Stephanie Quitterer?

Ein liebevoll verfasstes Buch über ein großartiges Projekt

Von: Saskia Datum : 13.09.2016

fraeulein-zauberwort.blogspot.de

Stephanie ist in Elternzeit, will in dieser Zeit aber nicht nur das Muttersein genießen, sondern auch persönlich vorwärts kommen. Sie backt also einen Kuchen nach dem anderen, nimmt sich immer wieder vor, damit endlich zu ihren Nachbarn zu gehen, aber letztendlich scheitert es doch immer an ihrer Scheu davor, auf fremde Menschen zuzugehen. Doch irgendwann überwindet sie sich und geht, mit Kaffeepulver, Tee und Kuchen im Gepäck in der Nachbarschaft klingen - bei völlig Fremden. Nach ein paar weniger erfolgreichen Versuchen, wird sie tatsächlich hineingelassen.

Und damit beginnt ein wunderschönes Projekt, das der Großstadt-Anonymität die Stirn bieten will. Stephanie fängt an, einen Blog darüber zu schreiben, wie sie sich in 200 Tagen bei 200 Fremden zu Kaffee und Kuchen einladen will.

Das Buch ist sehr schön aufgeteilt, jedes Kapitel beginnt mit einem kleinen Rezept, das sehr humorvoll beschrieben wird. Danach wird von einem Hausbesuch erzählt und darauf folgen meist noch ein paar abschließende Gedanken, Erzählungen aus dem Alltag und ab und zu auch noch eine kleine Statistik. Das Buch liest sich wirklich sehr leicht, es hat zwar keine wirklichen Höhepunkte, sondern plätschert eher gemütlich dahin, aber gerade das macht es so angenehm es zu lesen.

Man wird als Leser mit Vorurteilen und Schubladen-Denkweisen konfrontiert, die wir alle haben - obwohl die meisten von uns (und da schließe ich mich mit ein) sich eigentlich als tolerant und offen beschreiben würden. Aber das sind wir eben meist nur innerhalb unserer kleinen Komfortzone. Wenn wir jemanden sehen, den wir für »asozial« oder ähnliches halten, dann vergessen wir diese Toleranz und Offenheit gern sehr schnell. Und daraus ergibt sich bei vielen automatisch auch eine Angst davor, dass man von anderen Menschen ebenso kritisch betrachtet wird.


»Wenn ich will, dass andere von mir nichts denken, sollte ich vielleicht als Erstes anfangen, von ihnen nichts zu denken.« (Stephanie Quitterer, Hausbesuche, Seite 89)


Wir sollten viel öfter andere Menschen anlächeln, uns auf ein spontanes Gespräch einlassen und dabei einfach mal vergessen, dass wir so distanziert wie möglich wirken wollen, wenn wir in der Öffentlichkeit unterwegs sind. Und dafür sollten wir aufhören, Menschen nach dem ersten Eindruck zu beurteilen und sie zwanghaft in irgendeine Schublade einordnen zu wollen.
Das ist es, was dieses Buch dem Leser mitteilen möchte, jedoch kommt Stephanie Quitterer dabei vollkommen ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger aus. Ich fühle mich, nachdem ich das Buch nun gelesen habe nicht belehrt, als hätte ich etwas Schreckliches getan und müsste nun dringend an mir arbeiten, ich habe einfach nur das Gefühl, einen sehr gut gemeinten Ratschlag mitgenommen zu haben, den ich mir sicher zu Herzen nehmen werde. Denn die Autorin macht immer wieder deutlich, wie schwer es auch ihr fällt, Menschen nicht zu beurteilen, sondern sie einfach nur unvoreingenommen kennenzulernen. Sich keine Meinung zu bilden, bevor sie überhaupt irgendwelche Fakten kennt. Sie erwischt sich häufig dabei, wie sie die Menschen, die ihr die Tür öffnen, kritisch betrachtet und sich bewusst dazu ermahnen muss, offener und »schubladenfrei« zu sein.


»Eine Übung: Jeder, den ich besuche, hat recht. Stepha beiseite. Versuchen, in fremde Schuhe zu schlüpfen - sieh an: Auch in ihnen kann man laufen.« (Stephanie Quitterer, Hausbesuche, Seite 100)


Hinzu kommt noch der sehr charmante und humorvolle Schreibstil, der mich voll und ganz überzeugt hat. Manchmal muss man einfach schmunzeln. Es ist aber trotzdem nicht übertrieben, es wirkt nicht, als hätte die Autorin versucht, unbedingt in jeden so-und-sovielten Satz einen Witz zu verpacken. Das Buch ist einfach sehr liebevoll geschrieben und nebenbei auch niedlich gestaltet, sowohl außen als auch innen. Ich hatte wirklich sehr viel Spaß dabei, es zu lesen und Stephanie Quitterer bei ihrem Projekt zu begleiten und ich habe nichts daran auszusetzen, wie man wahrscheinlich schon an der Bewertung erkannt hat. Ich kann das Buch wirklich uneingeschränkt jedem ans Herz legen!


»Möge das Leben so gut zu dir sein, dass du keine Schubladen brauchst.« (Stephanie Quitterer, Hausbesuche, Seite 204)


Und an dieser Stelle nochmal lieben Dank an den Knaus-Verlag beziehungsweise an die Verlagsgruppe Random House, die mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben!

Darf ich dich besuchen? Ich spendier´ den Kuchen!

Von: Carmen Datum : 30.08.2016

www.inkunabel.wordpress.com

Mal wieder hat mir meine Tochter quasi ein anderes Genre aufgedrängelt! In einer Facebook-Gruppe war ihr das Sachbuch Hausbesuche – Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft erorberte aufgefallen und mir wurde die Ehre zuteil, es zu lesen. Bereut habe ich es nicht. Vielmehr wurde ich köstlich unterhalten. Die Autorin war mir völlig unbekannt und so ging ich völlig frei von Vorurteilen an die Sache heran.

Stephanie ist Maskenbildnerin in Berlin und befindet sich gerade in Elternzeit. Nicht so ganz ausgelastet, droht sie in Depressionen zu versinken. Auch ihr Mann Tom, ein Musiker, ist ihr keine große Hilfe, da er sich in seine Arbeit flüchtet. Wie soll sie dem tristen Alltag entfliehen? Von Haus aus eher schüchtern und nicht gerade kontaktfreudig, beschließt Stephanie ihre Nachbarschaft kennen zu lernen. Aber wie soll sie das anstellen? Kurzerhand wettet sie mit ihrem skeptischen Ehemann, sich in 200 Tagen bei genau so vielen Leuten mit selbstgebackenem Kuchen zum Kaffee einzuladen. Neben dem Drang sich selbst zu beweisen, kommt auch eine gewisse Neugier zum Tragen: Wie sehen die anderen Wohnungen aus und wer wohnt darin? Aber aller Anfang ist schwer! Mit ironischen Bemerkungen ihres Mannes Tom (keine große Hilfe) und Schweineohren im Gepäck macht sie sich auf den Weg – und wird gleich an der ersten Klingel für eine Perverse gehalten! Stephanie lässt sich aber nicht abschrecken, selbst wenn ihr Göttergatte ihr so manches Horrorszenario ausmalt. Doch so schlimm sind die Nachbarn gar nicht, selbst wenn nicht jeder sie in die Wohnung lässt oder sie schon mal glaubt, einem Serienmörder in die Falle zu gehen. Um ihre Wette nicht aus den Augen zu verlieren, schreibt Stephanie in einem Blog über ihre täglichen Erlebnisse. Prompt hat sie dadurch wieder Kontakt mit ihrer Schwester, der nach ihrem Umzug nach Berlin völlig eingeschlafen war.

Stephanies Tag ist jetzt fast zu kurz, da zuerst immer ein Kuchen gebacken werden muss. Dabei ist sie eigentlich keine besonders begabte Bäckerin. Zu allem entschlossen geht die Klingeltour trotzdem los. Mit dabei hat sie stets diverse Kaffeesorten, Teebeutel, Sahne und Zucker. Ihre Gastgeber müssen nur das Wasser beisteuern und natürlich ihre Geschichten. Auf diese Weise schafft sie meist einen Besuch pro Tag. Immer mutiger wird sie, als sie merkt, dass auch ihr Blog positiv ankommt und Leute sie in ihrem Ansinnen bestärken. So kommt Stephanie schließlich selbst in den Genuss von Einladungen – nicht unbedingt aus Ihrer Straße, sondern aus ganz Berlin. Als sich Tom eines Tages weigert, auf ihre knapp einjährige Tochter Marie aufzupassen, nimmt sie diese kurzerhand mit. Entgegen Toms Misstrauen öffnet sich nun wie durch Zauberhand so manche verschlossene Tür. Als Stephanie krank wird und nicht zum Kaffeekränzchen gehen kann, retten bereits Besuchte ihre Wette und machen Gegenbesuche oder stehen ihrerseits bei fremden Nachbarn auf der Matte. Das Ende der Wette – gibt es denn eines? Stephanie kennt inzwischen den Großteil ihrer Nachbarn, weiß wie diese wohnen und ist bekannt bei den Leuten in ihrer Umgebung. Ob sie ihre Wette wohl gewonnen hat?

Dieses Sachbuch habe ich in nur wenigen Stunden runtergelesen! Der Schreibstil ist flüssig, häufig mit einem Augenzwinkern verfasst und vor allem eines: menschlich. Natürlich haben einige Besuche einen tieferen Eindruck bei der Autorin hinterlassen als andere, sodass ausgewählte Episoden geschildert werden. Manchen Erlebnissen widmet sie nur einige kurze Sätze, andere Situationen wiederum sind sehr detailliert beschrieben. Langeweile kommt jedenfalls nicht auf, denn die 30 Kapitel sind genauso abwechslungsreich, wie die dazugehörigen Kuchenrezepte. Hier finden sich auch einige Verlegenheitskuchen, in die alles hineingerührt wird, was die Autorin zu dem Zeitpunkt gerade in ihren Küchenschränken hatte. Stephanie selbst war mir von Anfang an sympathisch, denn sie wirkt stets bodenständig und glaubwürdig. Obwohl sie anfangs nur ungern auf fremde Menschen zugeht, wird sie im Laufe der Zeit wesentlich unbeschwerter und forscher.

Hausbesuche – Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft erorberte ist eine genauso kurzweilige, wie nachdenklich machende Lektüre. Die Geschichten der einzelnen Personen regen häufig zum Grübeln an. Wer von uns weiß schon, was der nächste Nachbar so alles treibt? Manchmal täuscht der erste Eindruck oder man denkt zu sehr in alt vertrauten Schubladen. Vielleicht stellt sich ja der bullige, gefährlich aussehende Typ von Nebenan als Teddybär mit Sammeltick heraus? Diese etwas anderen Hausbesuche laden jedenfalls auf herzliche Weise dazu ein, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Das Buch ist ein realistisches, aus dem Leben gegriffenes Lesevergnügen für Zwischendurch, das ohne großes Drama auskommt. Fast wäre mir übrigens beim Schmökern ein Fehler unterlaufen: ich wollte die Rezepte am Anfang jeden Kapitels überlesen. Gott sei Dank habe ich noch rechtzeitig gemerkt, dass hier sehr viel Humor und Selbstironie versteckt waren. Denn Stephanie hat so ihre Probleme mit dem Backen. Und die kamen mir teilweise äußerst bekannt vor. Kuchen angekokelt? Kein Problem: einfach das Schwarze abschneiden und Schokoladenguss darüber geben!

Die Hausbesuche der Protagonistin sind zugegeben eine sehr gewöhnungsbedürftige Variante, seine Nachbarn kennen zu lernen. Erzählt wird das von der Kuchenbäckerin aber auf eine so natürlich-charmante Art, dass es einen reizt, es ihr gleich zu tun. Vielleicht ist ja ein solches Experiment in der heutigen Zeit und vor allem in Großstädten die einzige Möglichkeit zu erfahren, wer mit einem Tür an Tür wohnt? Nach dem Lesen fragte ich mich unwillkürlich, ob ich selbst den Mut hätte, bei fremden Leuten anzuklopfen. Vielleicht wäre es tatsächlich einen Versuch wert – auf jeden Fall würde es sicher für einige Überraschungen sorgen!

Carmen, www.inkunabel.wordpress.com

Autorin: Stephanie Quitterer
Buchtitel: Hausbesuche – Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft erorberte
Verlag: Knaus Verlag

Führt die Anonymität der Großstadt an der Nase herum - bis zum Kuchen

Von: Eva-Maria Obermann Datum : 15.08.2016

Stephanie ist in Elternzeit und lebt in Berlin. Als Mutter gehört sie plötzlich zum Feindbild. Als eine alte Freundin ihres Mannes sie als „auch eine von denen“ beschimpft, plant sie, Vorurteilen den Kampf anzusagen. Bewaffnet mit Kuchen, Kaffeepulver und Teesortimenten klingelt sie sich die Finger wund. Und wird tatsächlich eingelassen.
Neben vielen Muttersein-wasnun-Büchern ist dieses erholsam. Denn Stephanie Quitterer kommt nicht nur mit einer eigentlich traditionellen und darum so innovativen Idee daher, sie hat auch auf vieles einen anderen Blickwinkel. Erstens lebt sie eben nicht in einem jener Berliner Viertel, in denen der Kinderwagen zum guten Ton gehört. Vielmehr begegnet ihr als Mutter Argwohn. Und dann auch noch eine Zugezogene. Zweitens ist sie gerade nicht der extrovertierte Typ, der leicht auf fremde Menschen zugeht. An Türen klingeln ist für sie nicht Selbsterfüllung, sondern Überwindung.
Herrlich ehrlich, bisweilen ironisch, oft aber einfach nur nachdenklich und erfrischen klar ist ihr Blick. Die Angst vor der Festung, dem Nobel-Wohnhaus der Straße. Die Überraschung, eingelassen zu werden. Das Kennenlernen – oder auch nur flüchtiger Erhaschen eines Blicks. Mit Neugier für Mensch und Wohnraum geht die junge Mutter ans Werk. Und ist vieles, aber keine Freizeit-Bäckerin.
Dabei geht die Autorin nicht nur auf die Frage nach der Gentrifizierung Berlins ein, sondern lässt Raum für persönliche Schicksale. Wie den Mann, in dessen Wohnung nicht mehr als eine Matratze ist. Oder die Frau, deren Sohn mit 12 tödlich verunglückte, und die einfach nicht wegziehen kann. Aber auch das schwule Pärchen mit den zwei Töchtern oder der betriebsame Arzt. Alle wohnen sie in einem Viertel, manchmal Tür an Tür. Ohne den anderen zu kennen.
Sinnbild dieser Frage nach dem Nachbarn ist Astrid, bei der Stephanie mit Kuchen am Tisch saß, die ihrerseits Neugierig auf den eigenen Nachbarn ist. Die Anonymität der Großstadt wird auf skurrile Weise zur Schau gestellt und an der Nase herumgeführt. Bis sie vor einem Kuchen anlangt, der gegessen werden soll. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.
Bisweilen ist dann auch die Tochter dabei, begeistert über fremde Menschen, neue Gesichter, Eindrücke und Ablenkung. Doch natürlich ist nicht alles Friede Freude Eierkuchen. Viele Türen bleiben geschlossen. Stephanie muss mit Ablehnung und Zurückweisungen umgehen. Sie wird angeschrien und nicht zuletzt ausgelacht – vom eigenen Mann. Der schwankt zwischen Spott und extremer Besorgnis. Nicht nur die Faszination des Fremden hinter der nächsten Tür ist da, auch die Angst davor. Und selbst Stephanie kennt sie, will die Fremden, die nun auch sie besuchen, gar nicht reinlassen. Ein Paradox der Selbsterkenntnis.
Das entstandene Buch ist nicht etwa eine Sammlung von Blogbeiträgen, sondern sorgfältig ausgewählt und mit einem roten Faden versehen. Jedem Kapitel ist ein Rezept vorangestellt, dass es mich in den Fingern juckt, den Backofen anzuschmeißen. Vom Entstehen der Wette mit sich selbst, bis zum letzten Hausbesuch, denkwürdig, vollkommen vielleicht. Dazwischen aber auch Mußetage, innere Überlegungen und die Entwicklung des Blogs parallel zu dem der Kuchenwette. So wird Hausbesuche auch zu einem Buch über das Bloggen, über das Leben an sich. Über Streitereien, lange Nächte, neue Dinge. Mit einem denkwürdigen Ergebnis. Eine Nachbarschaft ist entstanden.

Tolle Situationskomik

Von: Isa Datum : 08.08.2016

wwwbookwoman.blogspot.com

Allein die Idee, mit selbst gebackenem Kuchen an fremde Wohnungstüren zu klopfen, ist so lustig, das man dieses Buch einfach lesen muss. Es ist eine sehr kurzweilige humorvolle und interessante Geschichte, die hier anhand von kleinen Anekdoten und Begegnungen erzählt wird. Wie ein roter Faden läuft die Autorin selbst durch die Seiten hindurch und besticht durch genaues Hinsehen und Situationskomik. Für mich eine klare Kaufempfehlung! Tipp: mit kleinem Küchlein lieben Freunden oder Nachbarn schenken....

Nachbarschaftsverständigung mit Kuchen

Von: Madame Flamusse Datum : 23.07.2016

https://reingelesen.wordpress.com/

Ich habe mir für zwischendurch und vorm einschlafen Abends ein leichtes Buch gewünscht als mir "Hausbesuche" ins Auge fiel. Ich kannte das Projekt aus einer Frauenzeitschrift, und dachte gleich, wie cool das es jetzt ein Buch gibt!

Ihr wißt ja ich liebe biografisches und ich erwartete mir so einige Geschichte, den im Buch geht es um ein Projekt welches darin besteht sich mit Kuchen bei den Nachbarn der Staße zum Kaffeetrinken einzuladen. Fand ich genial die Idee.

Auf der ersten Seite hatte ich dann aber so meine Zweifel ob das Buch das halten kann was ich mir versprochen habe, denn hier spielte der motzende Ehemann eine größere Rolle, was ich ziemlich nervig fand. Doch danach wurde es immer besser und übertraf meine Erwartungen bei weitem.

Erstmal geht es um Kuchen, und als alter Kuchenfan hat man mich damit schon ziemlich eingenommen :-D das tollste viele tolle Rezepte, damit hatte ich gar nicht gerechnet.

Und dann geht es natürlich um de Nachbarschaft die Steph, auch Rotkäppchen genannt, so nach und nach erkundet. Wunderbare Geschichte, von hexen, Typen, anderen Muttis, Neinsagern, Zweitfamilien und wilden Studenten. Die ganze Bandbreite eben. Einfach herrlich. Es liest sich wunderbar und ist sehr unterhaltsam. Nicht nur lustig, aber das aufjedenfall auch, sondern auch tiefsinnig und bewegend.

Und dann ist da eben noch Stephanie, die sich das Projekt ausgedacht hat. Als Zugezogene in einem fremden Viertel, und frisch gebackene Mama die sich ganz schön überwinden muß Ihre idee Wirklichkeit werden zu lassen. Es fällt Ihr eigentlich nämlich ziemlich schwer bei fremden Leuten zu klingeln und Sie anzusprechen. Ganz bezaubernd erzählt Sie immer wieder zwischendurch wie das Projekt Sie verändert, Ihr Umfeld verändert und überhaupt das ganze Leben ein anderes wird. So schön. Echt ein tolles Buch - alles dabei.

Und wenn ich so auf die Welt schaue und was alles zur Zeit wieder passiert bekomme ich richtig Lust auch mal die Leute in meiner Straße besser kennen zu lernen. Ich glaube das braucht die Welt, das Wir uns alle wieder ein bisschen näher kommen, die Menschen hinter den Fassaden kennenlernen, mehr Gemeinsamkeiten entdecken und Freundschaft geschlossen wird. Einfach mal die Schubladen durcheinander bringen so wie Rotkapi.

Ehrgeiziges und amüsantes Projekt

Von: Schatz ich will ein Buch von dir! - Der Bücherblog Datum : 01.07.2016

schatzichwilleinbuchvondir.blogspot.de/

In 200 Tagen 200 Nachbarn mit 200 Kuchen zu beglücken ist ein sportliches Ziel und klingt nach einer sehr schönen Idee. Allerdings dachte ich mir beim Lesen des Klappentextes, dass Stephanie Quitterer bestimmt eine dieser hochambitionierten Hausfrauen ist, die den ganzen Tag wunderschöne Desserts und Kuchen zaubern und furchtbar gesellig einen riesigen Freundes- und Bekanntenkreis bedienen. Solch einer Frau dürfte es ja nicht allzu schwer fallen, in ihrer bestimmt besser betuchten ländlichen Nachbarschaft zu klingeln und sich in Vorstadtvillen zum Kaffee im gepflegten Garten einzuladen.

Wie angenehm überrascht wurde ich, dass ich völlig falsch lag. Die Autorin ist nämlich ganz furchtbar schüchtern und hat regelrecht Angst vor dem Kontakt mit Fremden. Bei ihren zahlreichen ihr unbekannten, teils griesgrämigen Berliner Nachbarn zu klingeln kostet sie viel Überwindung, weshalb sie das Projekt auch erst monatelang vor sich herschiebt. Dass ihr Mann sie auch noch mit ihrem Projekt aufzieht, statt sie zu motivieren, tut natürlich sein Übriges.

Zudem wohnt sie in der anonymen Großstadt Berlin in einem "Problemviertel" mit mehreren 100 Nachbarn und klingelt sich sowohl durch Luxus-Penthousewohnungen als auch durch windschiefe Altbauten. Zu guter Letzt kommt noch erschwerend hinzu, dass Stephanie Quitterer eigentlich gar nicht so richtig backen kann. Was da den Nachbarn manchmal angeboten wird, ist nicht immer uneingeschränkt genießbar - aber immer mit viel Liebe hergestellt (oder auch mal gekauft).

Das Buch enthält zahlreiche Episoden über die verschiedenen Besuche bei ganz verschiedenen Menschen. Singles, Familien, Einheimische, Zugereiste, Arme, Reiche,... Die Autorin trifft wirklich Gott und die Welt. Manche Begegnungen sind ganz lustig, manche herzerwärmend oder auch mal ein wenig verstörend. Aber die anfängliche Angst, in unangenehme oder gar gefährliche Situationen zu kommen, stellt sich zum Glück als unbegründet heraus. Im Gegenteil: Mit jedem Besuch scheint das Viertel einen Farbtupfer mehr zu erhalten, der aus der grauen anonymen Masse auftaucht.

Jedem Kapitel ist ein Backrezept vorangestellt - ob ich davon mal etwas nachbacken werde, weiß ich nicht. Gerade am Anfang ist es eher ein "Gemansche", bei dem das Ergebnis dem Zufallsprinzip überlassen wird, aber die Autorin steigert ihre Backfähigkeiten mit der Anzahl ihrer Besuche. Die Beschreibungen ihrer oft missglückten Backaktionen sind wirklich zum Schmunzeln und machen sie gleich nochmal sympathischer.

Das Projekt wurde damals "live" in Quitterers Blog vorgestellt und hatte bald zahlreiche Fans. So wurde sie nach einiger Zeit sogar aktiv in Haushalte - nicht nur in ihrer direkten Nachbarschaft - eingeladen. Was natürlich nicht heißt, dass sie nicht trotzdem noch weiterhin versuchte, die Nachbarn zu knacken, die ihr nur widerwillig oder gar nicht die Türe öffnen wollten.

Quitterers Buch ist unterhaltsam und erfrischend. Sie schreibt sehr bildlich mit vielen Metaphern und Vergleichen, mal humorvoll, mal nachdenklich. Die verschiedenen Episoden sind mal mehr, mal weniger interessant, aber auf jeden Fall abwechslungsreich. Es ist auch schön zu sehen, wie die Autorin, die anfänglich ja noch sehr schüchtern ist und eine regelrechte Sozialphobie hat, immer mutiger wird, sich von Klischees verabschiedet und immer mehr Menschen in ihr Leben lässt. Nebenbei beschäfigt sie sich noch mit ihrer Rolle als frischgebackene Mutter, was vielleicht für Gleichgesinnte ebenfalls interessant sein dürfte.

Am Ende besteht Quitterers Nachbarschaft nicht mehr aus anonym hinter Gardinen lebenden Schatten, sondern aus einem kunterbunten Haufen liebenswerter Menschen, die auf der Straße stets für ein spontantes Pläuschchen innehalten.

Ein unterhaltsames und amüsantes Plädoyer für das Einreißen von Mauern und das Beenden des Schubladendenkens.

Weg mit den Vorurteilen - Lernt die Nachbarschaft kennen!

Von: Jasmin Datum : 08.06.2016

buch-leben.blogspot.de

Zuerst hat mich das Cover und vor allem der Titel neugierig gemacht: Mit 200 Kuchen die Nachbarschaft beglücken? Hut ab! Also wollte dieses Buch gelesen werden.

Worum geht's?

"Stephanie Quitterer backt Tag für Tag Kuchen und klingelt an fremden Wohnungstüren. Sie wettet, dass sie endlich ihre Nachbarn kennenlernt.
Ein ansteckendes Experiment mit 200 Kuchen und eine charmante Geschichte über Fremdwohnungssehnsucht, Nachbarschaft und Freundschaft." (Quelle)

Das Buch ist bei Knaus erschienen und für 16,99 € u. a. hier erhältlich.

Weg mit den Vorurteilen - Lernt die Nachbarschaft kennen!

Das ist die Hauptaussage des Buches, die ich zu 100% unterschreibe. Wer kennt es nicht? Man zieht in eine neue Wohnung, weiß aber gar nicht, wer seine Nachbarn sind. Man sieht sie mal im Treppenhaus, den gepiercten jungen Mann oder die alte griesgrämig dreinschauende Dame, und schon hat man sie in eine bestimmte Schublade gesteckt.

Stephanie Quitterer hatte auch dieses Schubladendenken. In ihrer Elternzeit kommt ihr - zuerst mehr aus Jux - die Idee, einfach mit einem Kuchen und allen anderen Zutaten, die man so für ein Kaffekränzchen braucht, bei ihren Nachbarn zu klingeln und sich selbst einzuladen. 200 Tage lag - 200 Besuche.

Die Autorin beschreibt erfrischend ihre positiven und negativen Erfahrungen während dieses Experiments. Nicht immer wird sie hereingelassen und klingelt sich an manchen Tagen einen Wolf - aber wenn sie erstmal drin ist, entdeckt sie, wie wunderbar verschieden und einzigartig die Menschen sind. Und wir herzlich sie aufgenommen wird.

Ich fand es einfach wunderbar, wie ehrlich Stephanie Quitterer auch sich selbst und ihre Reaktionen beschreibt. Dabei regt sie sehr zum nachdenken an, auch über sein eigenes Verhalten. Trotzdem schreibt sie mit so viel Witz und Humor, dass ich mehr als einmal schmunzeln musste.

Während ihres Projekts beginnt sie einen Blog, indem sie über ihre täglichen Hausbesuche berichtet. Dieser existiert noch, ihr könnt gerne mal hier einen Blick drauf werfen :)

Das Buch beinhaltet aber nicht nur die Beschreibungen von den Hausbesuchen. Die Autorin führt beispielsweise witzige Statistiken, in denen sie aufzählt, an wie vielen Türen sie geklingelt hat, wie viele Ossis, Wessis bzw. Menschen mit Migrationshintergrund die Tür aufgemacht haben, in welchem Stock ihr wie viele Türen geöffnet wurden etc. Das ist immer ein interessanter Einschub. Außerdem hebt sie Highlights wie die schönsten Wohnungen oder die schönsten Kommentare auf ihrem Blog hervor.
Außerdem gibt sie herrlich selbstironisch einige Rezepte ihrer Kuchen an, die sie in der Zeit gebacken habt. Aber nicht wie in einem Backbuch, sondern herrlich ehrlich. Ich habe zwar noch keins ausprobiert, die Lust aufs Backen ist aber auf jeden Fall gestiegen.

Obwohl ich das Buch in zwei Tagen durchgelesen habe (ich konnte es nicht mehr weglegen), eignet es sich auch super aufgrund seines Aufbaus für das Lesen in kleinen Häppchen. Man ist - auch nach einer Pause - wieder schnell in der Geschichte drin.

Fazit: Ein tolles Buch, das auf eine charmante Weise deutlich macht, dass man doch auch mal seinen Nachbarn kennenlernen sollte - weg mit dem Schubladendenken und den Vorurteilen. Von mir gibt es 5 Sterne!

Toller Erfahrungsbericht einer gelungenen Nachbarschafts-Aktion

Von: sommerlese Datum : 29.05.2016

sommerlese.blogspot.de/

"*Hausbesuche Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte*" ist ein Sachbuch von "*Stephanie Quitterer*" und erscheint im "*Knaus Verlag*".

Stephanie Quitterer wohnt in Berlin, ist nach der Geburt ihrer Tochter Marie in Elternzeit und kommt auf die Idee, ihre vielen "annonymen" Nachbarn kennen zu lernen. Dazu kreuzt sie bei den Nachbarn mit Kaffee und selbst gebackenem Kuchen im Gepäck unangemeldet auf und lädt sich zum Klönschnack und Schmausen ein. So entstehen neue Kontakte, sie erfährt Interessantes über ihr Viertel und kommt vielen unbekannten Mitmenschen näher. Wer ihr alles die Tür öffnet und wen sie alles mit ihren Kuchen begeistern kann, kann man hier in ihrem Buch auf liebenswürdige Art und Weise erfahren.


Dieses Buch ist in gewisser Weise eine Auseinandersetzung mit dem modernen Thema "Gentrifizierung", dem aktuellen sozioökonomischen Strukturwandel, der sich in den Städten vollzieht und Alteingesessene und Zugezogene am Beispiel Berlins näher beleuchtet.

Stephanie Quitterer ist Zugezogene in ihrem neuen Wohnviertel und wird häufig komisch beäugt. Dabei möchte sie doch gern neue Kontakte schliessen und ihr Projekt: "200 Kuchen in 200 Tagen" soll ihr Türen und Herzen der Mitbewohner öffnen. Sie klingelt und lädt sich mit Selbstgebackenem bei den Nachbarn ein. Die Ergebnisse hält sie schriftlich auf ihrem Blog fest und lernt auch darüber neue Leute kennen.

Eine tolle Idee, bei der sie nicht nur Vorurteile ablegt, sondern den Mitmenschen in ihre Wohnungen schaut und Freunde gewinnt. Was anfangs nach einer abgedrehten Idee klingt, wird mit der Zeit ein fabelhaftes Projekt.

Als ich dieses Buch gelesen habe, fragte ich mich, ob ich Stephanie wohl ebenfalls herein gebeten hätte, wenn sie mit ihrem Kuchen vor meiner Tür gestanden hätte.
Ja, hätte ich und das mit großem Interesse! Denn es ist ein mutiger Schritt, bei Unbekannten zu klingeln.
Sie hat bei dieser Aktion viele Leute kennen gelernt und Vorurteile abgebaut. Dadurch gewinnt sie ein offeneres Verhältnis zu ihren Mitmenschen und erhält ein ganz anderes selbstbewusstes Auftreten.
Man könnte sagen, ihr Projekt ist Lebenserfahrung und Sozialstudie in einem und ermöglicht neue Kontakte! Das ist ein echter Gewinn im Leben eines Menschen, der sich lohnt!

Dieses Buch hat mich erfreut, gut unterhalten und mit humorvollen Szenen erheitert. Der Erzählstil ist locker und frech und gefällt mir prima, die beigefügten Rezepte klingen gut und nicht zu schwer nachzubacken und scheinen geschmeckt zu haben. Besonders ihre selbstironische Art gefällt mir gut, sie hat einen Humor, dem man sich nicht entziehen kann und den sie sogar in ihre Rezepte einbringt.

Interessant sind auch die eingefügten Informationen zu allerlei Themen wie: - die am meisten gebackenen Kuchen, - die häufigsten Ausreden/Gründe der Nichteinlassenden, - die Anzahl der Türen mit Aufkleber usw.

Stephanie stellt sich den Unbekannten, ob einzeln lebender Herr mit unbekannten Absichten oder Jungschnöselbande, sie behauptet sich und traut sich einzutreten in die heimischen Gefilde fremder Menschen.
Die Autorin baut Vorurteile ab, wird offener und geht schliesslich viel selbstbewusster auf ihre Mitmenschen zu, sie lernt verschiedene Lebensarten und Charaktere kennen und sieht die Wohnungen fremder Menschen mit offenen Augen.
Man muss auf seine Mitmenschen zugehen, dann öffnen sie sich einem und nur so lernt man neue Leute kennen.


Eine interessantes Buch über eine ungewöhnliche Nachbarschafts-Aktion, die ich mit Freude gelesen habe und gern weiter empfehle. So charmant kann man die Herzen der Mitbewohner gewinnen!

[Rezension] „Hausbesuche“ von Stephanie Quitterer

Von: Lesefeuer Datum : 26.05.2016

lesefeuer.blogspot.com

„Hausbesuche – Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte“ ist ein Sachbuch von Stephanie Quitterer und erschien 2016 im Albrecht Knaus Verlag.

Stephanie Quitterer backt fast täglich Kuchen und klingelt damit an fremden Wohnungstüren. Sie wettet, dass sie endlich ihre Nachbarn kennenlernt.

Meine Meinung:
Stephanie Quitterer wettet mit ihrem Mann, dass sie endlich ihre Nachbarn kennenlernt und lädt sich somit Tag für Tag bei ihnen zu Kaffee und Kuchen ein. Ich finde das mutig! Ich mag auch gerne meine Nachbarn kennen, wenn auch nur vom Begrüßen auf der Straße, aber würde ich mich gleich in jede x-beliebige Wohnung einladen? Vermutlich nicht. Ich hätte wohl doch Angst. Aber auch ich schaue gerne wie andere Menschen leben. Stephanie Quitterer beschreibt ihren Lesern auf humorvolle Art und Weise wie die Leute in ihrem Kiez in unserer Hauptstadt wohnen. Für alle, die gerne einen Blick in fremde Wohnungen wagen, sei dieses Buch einfach nur sehr zu empfehlen. Also Bonus gibt es dann auch noch Rezepte in jedem Kapitel. Ein tolles Buch, in moderner und offener Schreib- und Sprachweise.

Das Cover gefällt mir gut. Es ist einfach gehalten, zeigt aber offensichtlich Stephanie Quitterer, wie sie mit ihrem Kuchen und Kaffee bei einem ihrer Nachbarn klingelt.

Stephanie Quitterer wurde 1982in Niederbayern geboren. Sie lebte in Rio de Janeiro, studierte in Berlin, Kairo und München und war Regieassistentin am Deutschen Theater in Berlin. Das Projekt „Nachbarn kennenlernen“ führte sie 2011 während ihrer Elternzeit durch.

Fazit: 5 Sterne.

Ich möchte mich recht herzlich bei der Randomhouse Verlagsgruppe bedanken, die mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Ein spannendes Projekt, toll erzählt

Von: Becky Datum : 15.05.2016

https://beckysdiner.wordpress.com/

Stephanie Quitterer merkte nach der Geburt ihrer Tochter etwas, was wohl viele frischgebackenen Mütter kennen: Eine komische Leere im Leben. Natürlich ist einem nie wirklich langweilig und man hat immer etwas zu tun. Aber wenn man aus seinem „alten, normalen Leben“ herausgeschleudert wird und plötzlich im Mütterkosmos landet, kann das schon sehr viel durcheinanderrütteln und man hat manchmal das Gefühl, man bräuchte eine Aufgabe. Bei Stephanie kam nun noch hinzu, dass sie mit viel Argwohn auf der Straße als „eine von diesen entkoffenierten Kaffee-Muttis“ abgestempelt wurde und sich nicht wirklich wohl fühlte. Also fällte sie eine Entscheidung und wettete mit sich selbst, in 200 Tagen 200 Kuchen zu backen und in 200 Wohnungen ihrer Nachbarschaft gelassen zu werden.
Ein schönes Buch, das sich gut lesen lässt und ein spannendes Thema hat! Kennt ihr eure Nachbarn? Ich hatte ehrlich gesagt schon ein paar Mal ähnliches vor, beispielsweise wollte ich einer ganz frischgebackenen Mutter in der Nachbarschaft ein paar Kekse bringen – wenn man ewig das Baby stillt oder schuckeln muss, kann so ein Keks wahre Wunder wirken, das weiß ich aus Erfahrung...

Die komplette Rezension kann auf meinem Blog nachgelesen werden.

Mensch, Nachbar!

Von: Chrissi66 Datum : 07.05.2016

chrissisbuntelesecouch.wordpress.com

Der Titel und das Titelbild hatten es mir angetan…

Beschreibung des Buches:
„Hausbesuche“ von Stephanie Quitterer ist im 2016 im Knaus-Verlag als Taschenbuch mit 229 Seiten erschienen.
Auf einem pastell-mintfarbenem Hintergrund ist eine Frau in roter Kleidung mit Korb abgebildet. In Sprechblasen sieht man Kuchenstücke und eine Tasse dampfender Kaffee/Tee. Die Frau wirkt auf mich wie Rotkäppchen.

Kurze Zusammenfassung:
Die Autorin ist Regieassistentin und hat in ihrer Elternzeit zahlreiche Nachbarn mit Kaffee und Kuchen überrascht. Diese Geschichten über ihre Besuche hat sie in diesem Buch (und auch auf einem eigenen Blog) aufgeschrieben. Sie hatte eine Wette (gegen sich selbst) laufen: 200 Nachbarschaftsbesuche in 200 Tagen…
Jedes Kapitel beginnt mit einem Kuchenrezept, am Ende des Buches gibt es eine Rezeptauflistung.

Mein Leseeindruck:
Stephanie Quitterer erzählt in der Ich-Form über ihre Wette und die zahlreichen Besuche bei Nachbarn. Bepackt mit einem Korb, gefüllt mit Kuchen, Kaffee und Tee macht sie sich tagaus tagein, mal mit, mal ohne Töchterchen auf den Weg zu ihren Nachbarn in einem Berliner Stadtteil. Sie ist in Elternzeit, neu zum Vater ihrer Tochter gezogen und kennt so gut wie niemanden um die Ecke.
Ihre Gedanken und Gefühle erzählt sie hautnah in diesem Buch. Die Vorurteile, die sie und auch die anderen gegenseitig haben, die überraschenden „Einladungen“ in die Wohnungen, die Ablehnungen, die netten, manchmal auch sehr skurrilen Hausbewohner, aus allem zusammen wird aus diesen Erlebnissen ein wunderbares Buch über Menschlichkeit und Freundschaft.
Hat Stephanie am Anfang der Geschichten noch Skrupel einfach so bei wildfremden Menschen zu klingeln, so wird sie von Begegnung zu Begegnung „mutiger“. Auch wenn nicht jeder von ihrem Besuch begeistert ist. Die meisten Menschen haben etwas zu erzählen, Stephanie hört zu, freut sich über jede neue Begegnung und wächst/reift mit jedem neuen Tag.

Die Kuchenrezepte sind abwechslungsreich, wenn auch manchmal etwas improvisiert und dadurch sonderbar. Einzelne regen aber durchaus zum nachbacken an: Schokotarte mit weichem Kern und der legendäre Marmorkuchen, den die Autorin am Ende des Projektes nicht mehr „sehen kann“….

Fazit:
Dieses Buch ist ein Plädoyer für Menschlichkeit, Toleranz und gegen Schubladen-Denken. Natürlich gelingt das einem nicht immer im Leben, aber die Überraschung ist groß, wenn man den ersten Schritt macht, auf die Menschen zugeht, das Gespräch sucht. Wie viel schöner könnte es sein, wenn man die erste Begegnung mit den neuen Nachbarn bei einem netten Kaffeeplausch beginnt. Man möchte rufen: Los – backt einen Kuchen, kocht Kaffee, packt euren Korb und geht hinaus, die Menschen warten auf Euch!

Hausbesuche: Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte

Von: fraeulein_lovingbooks Datum : 25.03.2016

https://fraeuleinlovingbooks.wordpress.com/

Inhalt

Stephanie Quitterer backt Tag für Tag Kuchen und klingelt an fremden Wohnungstüren. Sie wettet, dass sie endlich ihre Nachbarn kennenlernt.
Ein ansteckendes Experiment mit 200 Kuchen und eine charmante Geschichte über Fremdwohnungssehnsucht, Nachbarschaft und Freundschaft.
(Quelle: Bloggerportal )

Meine Meinung

Zuerst möchte ich mich beim Knaus Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar bedanken.

Stephanie Quitterer lebt mit ihrem Freund und der gemeinsamen Tochter im “Kiez” von Berlin. Sie ist nur der Liebe wegen in diese Gegend gezogen – der Freund ist Musiker und hat endlich eine Wohnung gefunden, in dem Wohnkomplex sich keiner über seine Musik beschwert. Die Autorin ist nicht sehr begeistert – sie selbst ist junge Mutter und junge Mütter sind in diesem Viertel sind sie so beliebt wie die Pest. Außerdem gibt es eine unterschwellige Feinbild-Stimmung auf den Straßen. Jeder der hier nicht geboren ist, ist ein Feind, somit auch Stephanie.
Doch sie schmiedet einen Plan: sie möchte in fremde Wohnungen und mit den Bewohnern einen Kuchen essen. Sie möchte hinter die Kulissen schauen und erfahren, wer wirklich in den Häuser lebt und welche Geschichte die einzelnen Personen haben.
Anfangs ist eine Wette mit sich selbst, doch schnell wird die Autorin süchtig und eröffnet einen Blog, auf dem sie ihre Erlebnisse wiedergibt.
Mit jedem Besuch vergrößert sich ihr Horizont und mit jedem Kuchen werden ihre Backfähigkeiten besser. Auch die Tochter, die bei einigen Besuchen mit dabei ist, verändert sich. Das Fremdeln, das bei vielen kleinen Kindern vorkommt, hat sie übersprungen und begegnet jeden aufgeschlossen und freundlich.

Manchmal tat mir die Autorin wirklich leid, denn ihr Freund schien meistens von der Idee überhaupt nicht angetan und man hatte oft das Gefühl, das er ihr ein paar kleine Steinchen in den Weg legt. Doch zum Glück hat sie sich nicht beirren lassen und ist ihren Weg in die verschiedenen Wohnungen gegangen.
Es war auch schön zu lesen, das auch Stephanie Quitterer ein paar Vorurteile hat und diese auch im Buch aufgreift und sie widerlegt. Klasse.

Ich habe mich so sehr auf dieses Buch gefreut und wurde nicht enttäuscht, nein, es hat sogar meine Erwartungen übertroffen! Ein klasse Buch, das jeder einmal gelesen haben muss, was natürlich auch an den Rezepten liegt, mit denen jedes Kapitel beginnt :)

Klare Lese- und Kaufempfehlung!!!

Schönstes Zitat

“Probier es aus! Und wenn Du auf die Schnauze fliegst, stehst Du wieder auf und probierst es nochmal! Und wenn Du wieder auf die Schnauze fällst, stehst Du eben wieder auf und probierst es noch einmal! Und das machst Du so lange, bis zu entweder stirbst, oder keine Lust mehr fast – oder den unwiderlegbaren Beweis dafür, dass das, was Du dir ausgedacht hast, nicht funktioniert!”
(Stephanie, S. 192)

���������� Sterne

Plädoyer gegen Vorurteile

Von: Melissa R. Datum : 20.03.2016

mellis-produkttests.blogspot.de/

Die kurze Beschreibung, die für dieses Buch zur Verfügung stand, hat sofort meine Neugierde geweckt und ich hatte das Glück, ein Exemplar vor dem Erscheinungstermin lesen und rezensieren zu dürfen. "Hausbesuche" ist mehr als eine Sammlung von Kaffeekränzchen und ich freue mich, es genauer vorstellen zu dürfen.
Die Autorin, Stephanie Quitterer, zieht nach der Geburt der ersten Tochter zusammen mit ihrem Mann in ein berliner Viertel, das schon seit langem von der Gentrifizierung geprägt ist. Von den "Vollblut-Berlinern" wird die Veränderung ihrer geliebten Straßen und das Zuziehen von Wahlberlinern verächtlich beäugt. Besonders junge Mütter haben mit kritischen Blicken zu kämpfen. Um den eigenen Wänden mal entfliehen zu können, fasst Stephanie den Entschluss, eine Wette abzuschließen: In 200 Tagen will sie sich selbst in 200 Wohnungen zum Kaffeekränzchen einladen und dabei Vorurteile bekämpfen - die der Wohnungsbesitzer, aber auch ihre eigenen. Aus dieser leicht verrückten Idee wird schließlich ein großartiges Projekt.

Das Buch beinhaltet nicht nur einige der besten Hausbesuche, sondern auch viel behind-the-scenes-content. Der Leser begleitet die junge, sympathische Frau auf ihrem Weg der Umsetzung einer Idee. Mit jedem Kapitel kann man die Entwicklung der Wette, aber auch ihrer Persönlichkeit mitverfolgen. Auch ihre back-technischen Fähigkeiten steigern sich im Verlauf des Buches, was durch die Rezepte, die den Anfang jedes Kapitels schmücken, deutlich wird.
Mit jeder neuen Wohnung, jedem neuen Gastgeber und jeder neuen Erfahrung schafft Stephanie es, Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen und gewinnt nicht nur neue Freunde hinzu, sondern ändert auch ihre eigene Einstellung gegenüber allen Mitmenschen und dem Leben selbst.
Der Gentrifizierung steht nur eine untergeordnete Rolle zu, sie wird aber immer wieder in den Gesprächen mit den Bewohnern der Straße thematisiert. "Hausbesuche" ist keine Fachliteratur zu diesem Thema, sondern ein realer Einblick in das Leben der Menschen, das sich hinter der Wohnungstür abspielt. Die Autorin hat ihre Erlebnisse interessant und unglaublich humorvoll zu einem tollen Buch verschnürt und teilt ihre Gedanken und ihr Privatleben mit jedem, der bereit ist, sich mit ihr auf die Reise in fremde Küchen zu wagen.