Leserstimmen zu
Heldenflucht

Jan Kilman

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Jan Kilman hat mit Heldenflucht einen spannenden Roman geschrieben, der vor allem das Leben, der unter Entbehrung lebenden und leidenden Menschen beleuchtet, die sehnsüchtig auf die rückkehrenden Soldaten aus dem ersten Weltkrieg warten. Er gewährt tiefe Einblicke in die verletzten und überstrapazierten Psychen der Dorfbewohner und Kriegsrückkehrer und hält damit die Spannungskurve auf einem ansehnlichen Niveau. Zu Zeiten, als es noch keine Elektrizität gab und die Einwohner der Eifel ihre Höfe bewirtschafteten, um sich überhaupt noch ernähren zu können, blüht der Schwarzmarkt und mit ihm Kummeleien. Agnes Papen, ehemalige Kriegsberichterstatterin, kehrt in ihr Heimatdorf zurück. Sie pflegt ihren kranken Onkel, bis der spurlos verschwindet. Sie kümmert sich auch um einen französischen Soldaten, der in den Kriegsdramen zunächst seine Stimme verloren hat und den die Dorfgemeinde beinahe auf brutalste Weise aus dem Dorf vertrieben hätte. Agnes Papen wittert Geheimnisse und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. In Heldenflucht sind Elemente verarbeitet, die man einem Kriminalroman zuordnet, doch insgesamt und rückblickend betrachtet, wäre das Genre Roman hier doch zuträglicher kategorisiert. Jan Kilman mischt gut recherchierte, historische Geschichte mit Fiktion und baut seinen Roman chronologisch auf. Abwechslung bieten authentisch nachempfundene Briefe von der Front, in denen Soldaten ihren Alltag, die Schrecken des grausamen Krieges und ihre Vorfreude auf Heimat und Familie schildern. Doch die meisten dieser Soldaten werden noch fallen, obwohl die Nachkriegszeit bereits begonnen hat. In einem flüssigen Schreibstil und in einer einfach gehaltenen literarischen Sprache, liest sich dieser Roman in einem leichten Fluss. Es ist zwar hochspannend und wirklich interessant, tiefe Einblicke in die damalige Gesellschaft und ihre Entwicklung nach dem Krieg zu erhalten, doch leider wartet dieser Roman auch mit ein paar Längen auf, während hin und wieder szenenabhängig Dramatik und Action die Vorherrschaft übernehmen. Die Figuren spiegeln mit ihren Handlungen, ihren Gedanken und den gesprochenen Dialogen zwar gut und authentisch die damalige Zeit wieder und sie gestalten den Roman auf diese Weise besonders interessant und informativ, aber die meisten Charaktere bleiben doch weitestgehend blass. Eine intensivere, gleichbleibend gute Zeichnung der Charaktere und das Weglassen vieler Klischees, hätte dem Roman zu einer harmonischeren Gestaltung der Handlung verholfen. Einem Kriminalroman gerecht, wird Kilman, indem er einer Figur extrem brutales, verbrecherisches Handeln zuschreibt. Bis fast zuletzt bleibt der Leser im Unklaren, wer hier Täter und wer Opfer ist. Intelligent kaschiert durch Wendungen und Verstrickungen, löst sich die Story zum Ende hin nachvollziehbar lückenlos auf, nach dem die Psyche des Täters, die die Schrecken des Krieges widerspiegelt, wie ein offenes Buch vor dem Leser liegt. Fazit und Bewertung: Heldenflucht ist ein Nachkriegsdrama. Weniger ein Kriminalroman als ein Roman, aber dennoch mit einer gesunden Spannung ausgestattet, die den Leser in die historisch interessante Zeit nach dem ersten Weltkrieg führt. Der Fokus des komplexen Romans liegt eindeutig in der Geschichte der Menschen, die unter den Entbehrungen dieser Zeit psychisch und körperlich leiden. Leider bleiben die Charaktere dennoch ein wenig blass, aber der flüssige, einfach gehaltene Stil garantieren angenehme Lesestunden. Trotz der kritischen Anmerkungen, ist der Roman empfehlenswert. ©nisnis-buecherliebe

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Absolut FESSELND geschrieben und historisch PERFEKT nachempfunden ist der im März 2017 im Heyne-Verlag veröffentlichte Roman "Heldenflucht" von Jan Kilman, Pseudonym eines "deutschen Spannungsautors". Es geht um die ersten Tage nach dem Ersten Weltkrieg in einem fiktiven Dorf in der Eifel. Es ist Dezember 1918, seit November ist Waffenstillstand. Deutschland befindet sich in einem Vakuum zwischen Krieg und Frieden, in einer Zeit des gesellschaftlichen und technischen Umbruchs – im Eifeldorf leuchten erstmals Glühbirnen in den Häusern, Autos gibt es keine im Dorf. Die ersten Kriegsheimkehrer treffen ein. "Die große Kunst des Erzählens liegt darin, auszusparen und fortzulassen", beginnt der Autor sein Nachwort. Trotzdem ist es ihm ausgezeichnet gelungen, die verschiedenen Aspekte des ersten industriellen Krieges mit seinen Vernichtungswaffen und den entsetzlichen Folgen an Leib und Seele der Kriegsheimkehrer in seinem Roman nacherlebbar zu machen. "Heldenflucht" ist in meinen Augen keineswegs ein Kriminalroman, wie es Klappentext und Cover vermuten lassen, sondern ein sehr seriöser Nach-/Kriegsroman – auch wenn Mordfälle eher zufällig aufgedeckt werden. Es geht im Roman nicht um die Morde, sondern um den Weltkrieg und seine Folgen für die Menschen - ganz ausgezeichnet geschilderte Charaktere von der Großbäuerin bis zum jüdischen Händler – in einem kleinen Dorf im deutschen Irgendwo. Dieser Roman ist unbedingt EMPFEHLENSWERT.

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Absolut FESSELND geschrieben und historisch PERFEKT nachempfunden ist der im März 2017 im Heyne-Verlag veröffentlichte Roman "Heldenflucht" von Jan Kilman, Pseudonym eines "deutschen Spannungsautors". Es geht um die ersten Tage nach dem Ersten Weltkrieg in einem fiktiven Dorf in der Eifel. Es ist Dezember 1918, seit November ist Waffenstillstand. Deutschland befindet sich in einem Vakuum zwischen Krieg und Frieden, in einer Zeit des gesellschaftlichen und technischen Umbruchs - im Eifeldorf leuchten erstmals Glühbirnen in den Häusern, Autos gibt es keine im Dorf. Die ersten Kriegsheimkehrer treffen ein. "Die große Kunst des Erzählens liegt darin, auszusparen und fortzulassen", beginnt der Autor sein Nachwort. Trotzdem ist es ihm ausgezeichnet gelungen, die verschiedenen Aspekte des ersten industriellen Krieges mit seinen Vernichtungswaffen und den entsetzlichen Folgen an Leib und Seele der Kriegsheimkehrer in seinem Roman nacherlebbar zu machen. "Heldenflucht" ist in meinen Augen keineswegs ein Kriminalroman, wie es Klappentext und Cover vermuten lassen, sondern ein sehr seriöser Nach-/Kriegsroman - auch wenn Mordfälle eher zufällig aufgedeckt werden. Es geht im Roman nicht um die Morde, sondern um den Weltkrieg und seine Folgen für die Menschen - ganz ausgezeichnet geschilderte Charaktere von der Großbäuerin bis zum jüdischen Händler - in einem kleinen Dorf im deutschen Irgendwo. Dieser Roman ist unbedingt EMPFEHLENSWERT.

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"Heldenflucht" ist der erste historische Roman aus der Feder des Autoren. Da er bisher Krimis und Thriller der Gegenwart geschrieben hat, hat er das Pseudonym gewählt, um seine Leserschaft nicht zu verwirren. Ich habe mich gefragt, ob es meine Meinung zum Buch beeinflusst hat, dass ich das weiß, aber ich bin mir sicher, dass meine Wahrnehmung ansonsten ebenso gewesen wäre. Als erstes möchte ich festhalten, dass nach dem Lesen des Buches einmal mehr deutlich wird, dass man Klappentexten nicht immer trauen darf. Zuerst einmal ist das Dorf des Geschehens nicht Agnes' Heimatdorf, sie hat in ihrer Kindheit dort oft die Ferien bei ihrem Onkel verbracht. Weniger spitzfindig ist die Feststellung, dass Agnes sich mitnichten auf die "Suche nach der Wahrheit" macht. Dies impliziert, dass wir es hier mit einer Miss Marple oder einer Agatha Raisin zu tun bekommen. Richtig ist aber, dass sich Agnes ganz gegen Ende des Buches auf den Weg zu einem Bekannten macht, weil ihr etwas Ungereimtes aufgefallen ist. Weder sucht sie nach verschwundenen Personen, noch versucht sie, die Identität von Leichen zu klären... Aber weg vom Klappentext, hin zum eigentlich Buch: Ich ziehe meinen Hut vor der Rechercheleistung des Autors! Denn dass er viel Zeit, Sorgfalt und Mühe auf die zeitliche und inhaltliche Authentizität verwandt hat, wird im ganzen Buch deutlich. Allerdings führt wohl auch genau dieser Wille zur Authentizität dazu, dass es ins Übertriebene abdriftet. Nicht die immer wieder eingestreuten Briefe der Kriegsteilnehmer des Dorfes, die in den einzelnen Schlachten gefallen sind - diese erzeugen eine Menge Atmosphäre. Aber dass die Handvoll Rückkehrer derart viele ausgeprägte Kriegstraumata auf sich vereint, war nicht wirklich glaubwürdig. Der eigentlichen Handlung um Agnes, Herrmann und den anderen fehlte es mitunter an Drive. Nicht, dass es langweilig wurde, aber man hatte in weiten Teilen den Eindruck, ein wenig auf der Stelle zu treten. Die einzelnen Handlungsstränge wirkten mitunter als nebeneinander laufend, statt zusammen, mir fehlte eine gewisse Homogenität, ein Zusammenspiel. Auf den letzten 50 Seiten kommt dann der Thrillerautor durch, es geht hoch her im beschaulichen Dörfchen, mit greifbarer Spannung und Gänsehaut. Insgesamt kann der Autor auch im historischen Bereich bestehen, es ist allerdings noch Luft nach oben.

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Mit Heldenflucht legt der Autor ein sehr beeindruckendes Debüt nun auch im historischen Genre vor. Bislang veröffentlichte er als Rudi Jagusch recht erfolgreich mehrere Kriminalromane die in seiner Heimat der Eifel spielen, diese sind bei Emons erschienen. Dazu noch zwei Thriller die beide im Heyne Verlag erschienen sind. Dezember 1918, der große Krieg (1. Weltkrieg) ist seit wenigen Wochen beendet und die Versorgungslage ist nach wie vor schlecht. Viele Soldaten sind noch nicht nach Hause zurückgekehrt. Vor diesem Hintergrund spielt dieser historische Kriminalroman. Es gelingt Jan Kilman aufs Beste die düstere Stimmung der ersten Wochen nach dem Ende des Krieges einzufangen. Die Verzweiflung der Menschen aber auch die Hoffnung dass es nun besser werden wird. Für mich ein besonderes Highlight die vom Autor erdachten „Feldpostbriefe“ an die lieben zuhause und ihr Schicksal. Figuren und Schauplätze, des in mehreren Handlungsebenen spielenden Romans, wirken durchweg sehr gut durchdacht und authentisch. Die Hauptebene spielt direkt nach Kriegsende in einem Dörfchen in der Eifel. Weitere Ebenen spielen im Krieg an der Westfront in Frankreich. Die Handlungsebene im Dorf spiegelt auch sehr gut den Hass wider der kurz nach Kriegsende auf den Kriegsgegner Frankreich noch immer in den Herzen der Menschen wütet. Sehr interessante Dialoge lassen die ganze Geschichte noch interessanter wirken Dank der sehr schönen Schreibweise erscheint es einem so als wenn man kein Buch Lesen würde sondern eher einen farbenfrohen Film sehen würde. Die Schreibweise des Autors lässt das Kopfkino schnell in Gang kommen. Besonders die Szenen an der Westfront erinnern gefühlsmäßig an den Klassiker „In Westen Nichts neues“. Das ist ganz großes Kino und ich wurde aufs beste unterhalten. Für das historische Debüt von Jan Kilman vergebe ich glasklare 5 von 5 Sternen, sowie eine Kauf- und Leseempfehlung.

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Worum geht's? 1918 - Der Krieg ist vorbei, das Land gezeichnet. Hunger, Krankheit, Angst und das Warten auf die Kriegsrückkehrer. Agnes Papen kehrt in ihr Heimatdorf in der Eifel zurück und sieht bald, dass der Krieg seine Spuren auch dort hinterlassen hat. Aber man arrangiert sich. Als eines Tages plötzlich ein stummer französischer Soldat von den Bewohnern entdeckt wird, ändert sich einiges. Viele trauen dem geschwächten Soldaten nicht über den Weg und wollen ihn am liebsten gleich wieder los werden. Doch man nimmt sich seiner an und versorgt ihn. Trotzdem scheint sich mit der Ankunft des Fremden etwas geändert zu haben. Menschen verschwinden und eine Leiche wird gefunden... Meine Meinung: Mich hat dieser Roman sehr mitgerissen. Die Stimmung ist einfach so unglaublich gut dargestellt, dass man das Gefühl hat, dabei zu sein. Man kann die Emotionen der Menschen wirklich schnell nachvollziehen. Der Krieg ist zwar vorbei, doch noch lange ist nicht alles gut. Es kommt ein Neuanfang auf die Menschen zu, aber auch der ist nicht mal eben gemacht. Immer noch beherrscht der Krieg alles. Und dann dieses furchtbare Bangen und Hoffen, dass Väter, Söhne, Ehemänner aus dem Krieg zurückkehren. Kein Wunder, dass die Menschen da immer noch misstrauisch sind. Der fremde Soldat sorgt für viel Aufsehen. Schnell werden die ersten Urteile gefällt und viele wollen den Fremden am liebsten gleich wieder los werden. Agnes Papen geht da etwas behutsamer vor. Ruben Lieberstock, der Krämer, und sie kümmern sich um den Soldaten und versuchen, die Lage zu entschärfen. Agnes selbst weiß es, in solchen Situationen die Ruhe zu bewahren. Sie arbeitet lange als Kriegsreporterin. Für Frauen zu dieser Zeit eigentlich nicht vorstellbar. Kein Wunder, das manch einer ihr gegenüber Vorurteile hat. Noch dazu trägt diese Frau immerzu nur Hosen! Undenkbar! ;-) Mir war Agnes gleich sympathisch. Sie ist eine Frau, die selbstbewusst durchs Leben geht und sich Problemen und schwierigen Situationen stellt. Sie ist tapfer, zäh und clever. Außerdem mag ich ihre Hartnäckigkeit. Sie hat schon eine sehr fortschrittliche Art und Weise zu denken und zu leben im Gegensatz zu anderen Frauen des Dorfes. Die anderen Charaktere haben mir größtenteils auch gefallen. Es ist wirklich von allem etwas dabei. ;-) Man bekommt Einblicke in die unterschiedlichsten Familien aus den unterschiedlichsten Schichten. Doch mit den Folgen des Krieges müssen sie alle fertig werden. Jeder ist davon betroffen. Unsympathische Personen, wie die Intzes, sind natürlich auch dabei. Gerade Frau Intze konnte ich gar nicht ausstehen. Eine raue und derbe Frau, die teilweise durch ihr plumpes Verhalten schon dumm rüberkommt. Sie gehört zu der Sorte Mensch, die schnell über andere urteilt, aber lieber vor ihrer eigenen Haustüre kehren sollte. In ihrem Hause ereignet sich auch noch ein schreckliches Unglück, ich will aber nicht zu viel verraten. Sprachlich hat mir der Roman auch gefallen. Heldenflucht ließ sich sehr gut lesen und nimmt einen mit. Es kommen schon einige Personen zusammen, dennoch verliert man den Überblick nicht. Für meinen Geschmack taucht der Soldat, der schon im Klappentext erwähnt wird, im Roman erst ziemlich spät auf. Bis dahin passiert nicht sehr viel. Trotzdem ist es mitreißend und spannend, denn man bekommt ein Gefühl von der Stimmung im Dorf. Obwohl das Tempo des Romans also größtenteils eher gemütlich ist, habe ich Heldenflucht nicht als langatmig empfunden. Zwischen den Kapiteln werden manchmal Briefe von Soldaten eingeschoben, die von der Front schreiben. Dadurch wirkt alles noch persönlicher und die einzelnen Schicksale werden einem nochmal vor Augen geführt. Außerdem werden zwischendurch auch ein paar Infos zur damals aktuellen Lage eingeschoben. Ich kann Euch diesen Roman also wirklich empfehlen. Mal was anderes!

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Deutschland 1918: Der Erste Weltkrieg ist vorbei. Während die Daheimgebliebenen im aufkommenden Winter um das tägliche Überleben kämpfen, kehren erste Soldaten von der Front zurück. Eines Tages findet ein Junge in einem Wald nahe dem Dorf Kirchbach in der Eifel eine Leiche. Kurz darauf ist sie verschwunden. Als wenig später ein stummer französischer Soldat in Kirchbach auftaucht, kocht die Stimmung hoch ... Erst einmal vorweg: "Heldenfluch" ist ein klassisches Beispiel dafür, dass man dem Klappentext nicht immer trauen sollte. Teile der Handlung, die dort erwähnt werden, finden erst im letzten Viertel des Buches statt - und dann auch nicht so, wie dort angeteasert wird. Auch dem Cover sollte man nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken: Es sieht gut aus, hat aber weder mit der Handlung, noch dem Handlungsort etwas zu tun. Die Geschichte selbst hat zunächst einmal wenig mit einem historischen Krimi zu tun. Ich gehöre zu den Klappentext-Lesern. Daher bin ich von vornherein mit einer gewissen Erwartung an das Buch herangegangen - und wurde nach dem Prolog enttäuscht. "Heldenfluch" ist eher ein historischer Roman. Um die Aufklärung eines Todesfalls geht es nur ab und an am Rande. Zentrum der Handlung ist etwas ganz anderes: Das Leben der Menschen. Wie gingen die Daheimgebliebenen mit der Situation um? Wie lebten die Menschen auf dem Land, als die Industrialisierung langsam Einzug in ihr Leben hielt? Welche Sorgen, Nöte und Ängste beherrschten das Leben? Und wie erging es den Kriegsrückkehrern, die zum Teil mit Problemen zu kämpfen hatten, von denen die Medizin bis dato noch nicht einmal etwas gewusst hatte? Diese und weitere Fragen bestimmen die Geschichte, die aus der Sicht verschiedener Personen erzählt wird. Die Protagonistin ist Agnes Papen, die es zwar zur Kriegsberichterstatterin gebracht hat, nun aber arbeitslos ist, weil ihr als Frau nichts zugetraut wird. Neben ihr kommen eine ganze Reihe weiterer Figuren zu Wort, die an ihrem Schicksal teilhaben lassen und es mir ermöglichten, ein umfangreiches Bild von der Situation in Kirchbach zu entwickeln. Die meisten Figuren waren mir schnell sympathisch und ich habe gern ihre Geschichte verfolgt - trotz falscher Erwartungen. Der erzählerische Teil wird einerseits ergänzt von Feldbriefen, die von der Situation an der Front berichten und in ihrer Art echter Feldpost nachempfunden sind. Sie haben mir manches Mal eine Gänsehaut beschert und den Blick für das Grauen des Krieges noch weiter geschärft. Andererseits gibt es zu jedem Tag, der erzählerisch behandelt wird, eine Übersicht wichtiger Ereignisse im Nachkriegsdeutschland. Sie ermöglichten zwar eine interessante historische Einordnung, hatten aber, im Vergleich zu den Briefen, nichts mit der Handlung zu tun. Dadurch wirkten sie auf mich wie nettes, aber überflüssiges Beiwerk. Ansätze eines Krimis, wie ich ihn erwartet hatte, habe ich schlussendlich im letzten Viertel gefunden. Während die Geschichte zuvor, interessant aber meist eher ruhig verlief, zog hier die Spannung deutlich an. Auf wenigen Seiten passierte - gefühlt - mehr als im ganzen bisherigen Buch. Tatsächlich konnte ich dann auch verstehen, was mit der Gewaltspirale im Klappentext gemeint war, auch wenn sie so plötzlich da war, dass sie mir zu gekünstelt erschien. Mehr Andeutungen im Vorfeld oder eine langsamere Steigerung der Dramatik hin zum Finale hätten mir besser gefallen. Fazit: Krimi gesucht - Nachkriegsroman gefunden. Wer sich einmal vom Klappentext verabschiedet (oder ihn gar nicht erst gelesen) hat, findet in "Heldenfluch" eine spannende, menschennahe Geschichte aus einer Zeit, die im Allgemeinen wenig thematisiert wird. Dennoch mangelte es mir zum einen an der Umsetzung. Zum anderen fand ich das Ende nicht ganz gelungen.

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Da ich seit Langem schon neugierig bin auf historische Krimis, wollte ich diesen Roman, welcher im Jahre 1918 handelt, unbedingt lesen und war auch bereits nach wenigen Seiten gefesselt. Dennoch dauerte es etwas, bis mich die Geschichte richtig packen konnte, da die vielen Perspektivwechsel anfangs eher störten und auch vom Aufbau her, war dieses Buch nicht vergleichbar mit typischen Krimis. Erzählt wird die Handlung aus sehr vielen verschiedenen Sichten, sodass man die Einwohner zwar schnell kennenlernt, aber als Leser fand ich Agnes Papen schlichtweg am interessantesten, weshalb mich die anderen Charaktere zuerst mal kaum interessierten. Schnell wurde jedoch klar, dass auch diese eine wichtige Rolle einnehmen und je mehr man nach und nach über sie erfuhr, desto spannender wurde auch dieses Buch und desto mehr konnte man auch die bedrückende Stimmung der damaligen Zeit nachempfinden. Die abgedruckten Feldpostbriefe am Ende jeden Kapitels taten ihr Übriges dazu. Den ruhigen sowie bildhaften Schreibstil fand ich sehr angenehm. Man konnte sich sowohl dieses kleine Dorf, als auch die beschriebenen Charaktere allesamt gut vorstellen und nachdem ich mich durch die ersten etwas zähen Kapitel erstmal durchgearbeitet hatte, begann mich die Story auch richtig zu packen. Dennoch würde ich das Buch nicht unbedingt als Kriminalroman einordnen, da es vordergründig um die verschiedenen Schicksale der Bewohner geht und erst zum Ende hin, nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung ein, die mich erstmal sprachlos zurückließ. Ich hatte mit diesem Schluss so gar nicht gerechnet, fand ihn jedoch heftig und hätte mir auch in den vorherigen Kapiteln im Nachhinein etwas mehr Nervenkitzel in dieser Form gewünscht.

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