Leserstimmen zu
Artgerechte Haltung

Birgit Gegier Steiner

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Als sich vor nunmehr fast zehn Jahren doch noch der Nachwuchs bei uns ankündigte, war eine der Fragen, die ich mir als werdende Mutter stellte, ob das Geschlecht dieses bald unser Leben auf den Kopf stellenden kleinen Wesens etwas mit meiner Beziehung zu ihm oder ihr bzw. mit seiner / ihrer Erziehung zu tun haben würde. Meinem Mann war die Erleichterung darüber, dass wir einen Sohn und keine Tochter haben würden anzumerken. Allerdings nicht deshalb, weil er Mädchen bzw. Frauen als das schwächere Geschlecht sehen würde. Ganz im Gegenteil. Für ihn sind Frauen von Natur aus eher die einfühlsameren, klügeren Menschen. Der Grund für seine Erleichterung war eher der, dass er sich noch ganz genau erinnern konnte, wie es war, ein Junge zu sein. Jemand, der so unbedingt seinen Platz überall finden, meist erkämpfen musste, sich immer irgendwie beweisen muss und der sich einordnen muss innerhalb der Gruppe seiner Geschlechtsgenossen. Als Frau waren mir solche Gedanken bis zu diesem Zeitpunkt fremd. Wie es ist, ein Junge, später ein Mann in unserer Gesellschaft zu sein, hat mich nicht wirklich interessiert. Mein Interesse lag er daran, endlich mehr Gleichberechtigung – eigentlich einfach mehr für meine Geschlechtsgenossinnen zu erreichen. Dabei war mir letztendlich die Rolle der Männer dabei gleichgültig. Obwohl mir ganz klar bewusst war, dass die Emanzipation der Frau auch Einfluß auf die Männerwelt hat – es ist im Grunde ja ihr Kernanliegen, diese immer noch in den meisten Bereichen unserer Gesellschaft vorhandene männliche stärkere Präsenz zu ändern – war mir egal in welcher Weise. Hauptsache war mir, dass etwas für uns Frauen besser würde. Nachdem ich nun aber einen Sohn habe, hat sich mein Bild auf unsere Gesellschaft, wie wir mit Geschlechterrollen und deren Verteilung umgehen, grundlegend geändert. Mir wurde quasi eine Einladung überreicht, mich auf neue Gebiete vorzuwagen. Die Tür war auf, ob ich mich in die Gedanken- und Gefühlswelt meiner zwei Süßen tatsächlich hineinbegeben wollte, war meine Sache. Der erste Schritt folgte allerdings erst zu dem Zeitpunkt, zu dem ich wieder arbeiten ging und mein Mann unseren Lütten betreute. Und damit meine ich nicht zwei Monate in der Elternzeit, sondern immer. Unsere Kleinfamilie zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass ich quasi den Broterwerb übernommen habe, während mein Mann neben Haushalt und Kind, versucht, sich die Zeit freizuschaufeln für das, was ihm am Herzen liegt und was er tun muss: schreiben. Bis der Lütte sein drittes Lebensjahr erreicht hatte, war er also täglich komplett in der Obhut meines Mannes. Und dem Kind hat das sehr viel besser getan, als wenn ich mit ihm zuhause gewesen wäre. Wir leben in Berlin, wo man zumindest ab dem dritten Lebensjahr eines Kindes ein verbrieftes Anrecht auf einen Kitaplatz hat, der mit wenig Geld von elterlicher Seite bezuschusst werden muss. Das schuf meinen Mann zwar wieder etwas mehr Zeit, jedoch nicht wirklich genug. Kitaplätze sind in Berlin schon seit Jahren Mangelware. Zumindest in dem Bezirk, in dem wir leben. Immenser Zuzug von Jungfamilien, die voreilige Schließung mehrerer Kitas vor ein paar Jahren, führten dazu, dass meine Zwei täglich eine dreiviertel Stunde zur Kita und zurück absolvieren mussten. Die beiden verbrachten also nach wie vor viel Zeit miteinander. Eine Zeit, die mein Sohn mit mir sicher nicht so frei und viel zu behütet verbracht hätte. Ich selbst meine zwar nicht einer übervorsichtigen Mutter ausgesetzt gewesen zu sein, doch neige ich tatsächlich dazu, eher zur Vorsicht zu mahnen. Ein Wesenszug, der mir früher nie aufgefallen war. Immerhin fuhr ich eine 800er BMW als tägliches Fahrzeug, bis sich das Kind ankündigte. Aber plötzlich hörte ich mich auf dem Spielplatz am Klettergerüst mahnen, nicht zu hoch zu steigen, langsamer zu machen, nicht zu wild zu sein. Und hätte ich das jeden Tag getan, so oft sich die Möglichkeit dafür bot, so hätte ich meinem Sohn ein ureigenstes Bedürfnis vielleicht nicht ganz verweigert, aber dessen Erfüllung sicher eingeschränkt. Den Jungs wollen und müssen die Welt anders erkunden als ich es mir vorgestellt hatte: mit vollem Körpereinsatz und Forscherdrang. Birgit Gegier-Steiner ist seit vielen Jahren in verschiedenen Positionen im pädagogischen Bereich tätig und seit 2006 Leiterin einer Grundschule mit sport- und bewegungsorientiertem Profil. Sie hat selbst einen Sohn und eine Tochter und durch eine erneute Heirat drei Stiefsöhne. Man kann als Leser*in also getrost davon ausgehen, dass Frau Gegier weiß, wovon sie spricht. Das Buch selbst hatte mich wegen seines frechen Covers und dem provokanten Titel angesprochen. Ich wollte wissen, wie ich mit einer „artgerechten“ Erziehung dazu beitragen konnte, dass mein Sohn ein glücklicher Mensch werden kann. Was mir Frau Gegier mit ihrem empathischen, persönlichen und interessant zu lesenden Buch leichter gemacht hat. Sie hat mir erklärt, weshalb ich manchmal nicht nachvollziehen kann, was mein Sohn tut. Nicht nur, dass er erst einmal viele Dinge für sich selbst erfahren muss, die ich seit Jahren schon weiß, sondern auch, dass er es ganz sicher anders tun muss, als ich es mir manchmal wünsche und er das nicht tut, weil er mich ärgern will, sondern weil er es für sich als natürlich erachtet. Aus welchen Gründen auch immer das so ist – ich mag mich nicht an den Gedanken hängen, dass gewisse Verhaltensweisen typisch sind für Jungs und andere für Mädchen, weil ich quasi am lebenden Objekt jeden Tag sehen kann, dass mein Sohn in vielen Dingen sicherlich ein typischer Junge ist, in vielen anderen jedoch nicht. Und das liegt sicher nicht alleine an biologischen oder genetischen Voraussetzungen. Frau Gegier gelingt es in ihrem fundierten, mit praktischen Beispielen angereicherten Buch sehr gut aufzuzeigen, dass die Versuche, Mädchen in eine bessere gesellschaftliche Stellung zu bringen, zumindest was den Schulalltag und damit die Zukunftsvoraussetzungen angeht, in gewisser Weise Jungen benachteiligt. Mädchen sind im allgemeinen besser fähig, sich an Gegebenheiten anzupassen, ohne dabei selbst zu weit zurückzutreten. Sie fügen sich leichter in Systeme, die ihre eigene Aktivität einschränken. Ein Frontalunterricht ist für sie leichter zu ertragen, als für Jungen, die bei dieser Art der Unterrichtsgestaltung unter der eingeschränkten eigenen Aktivität leiden. Will man von einem Jungen etwas erfahren, so hilft es nicht alleine, mit ihm zu sprechen, man muss mit ihm zusammen aktiv werden. Irgendwann sprudelt es dann nur so aus ihm heraus und wenn der Schuh drückt, dann wird auch die entsprechende Stelle gefunden. Mädchen kommunizieren im großen und ganzen anders und freimütiger. Wenn also ein Junge auffällig wird und zum Beispiel den Unterricht massiv stört, so ist das meist ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Entweder hat er ein persönliches Problem, das er alleine nicht lösen kann oder mit dem Unterricht stimmt etwas nicht so ganz. Vielleicht sucht er auch nach wie vor nach der Stelle, an der er sich im Klassenverband einordnen kann. Denn was Jungen tatsächlich brauchen – und das wird mir in letzter Zeit auch in der Familie immer bewusster – ist Aktion, eine gewisse Freiheit, Dinge erforschen zu können, ein wirkliches Miteinander, eine gewisse Führung, Grenzen, die sie sehr gerne ausloten und aufrichtige Zuwendung. Seitdem ich mich durch das Buch nicht immer wieder frage, was genau mein Sohn mit seinem Handeln bezweckt, ihn einfach erst mal machen lasse – denn in den letzten Jahren konnte ich schon feststellen, dass er im Prinzip ein recht vernünftiger Zeitgenosse ist – und mir dann das meist recht gelungene Endergebnis ansehe, geht es mir richtig gut. Ich bin gelassener. Im Allgemeinen und ihm gegenüber. Ich habe viel über mich selbst gelernt und darüber, wie Jungs und ihre Väter ticken. Darüber, dass sie ein ganz spezielles Verhältnis zueinander haben, das ab und an auch von Konkurrenz geprägt ist. Und darüber, dass ich mich nicht immer einmischen muss, damit es keine Konflikte gibt. Denn Konflikte sind wichtig, sich müssen nur fair und sachlich ausgetragen werden. Artgerechte Haltung für Jungs ist gar nicht so schwer, wie ich dachte und hilft auch dem weiblichen Geschlecht, vieles besser zu verstehen. Und je besser wir Frauen unsere Jungs verstehen lernen, je mehr wir sie in unsere weibliche Weltsicht einlassen, desto näher bewegen wir uns aufeinander zu und desto besser stehen die Chancen für alle, sich auf Augenhöhe begegnen zu können. Von mir eine absolute Leseempfehlung für dieses unprätentiöse, informative und interessante Buch.

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ist Zeit für eine jungengerechte Erziehung Was für ein provozierender Titel und damit Grund genug, das Buch von Birgit Gegier Steiner in die Hand zu nehmen! In kurzen, übersichtlichen Kapiteln wird eindrucksvoll beschrieben, was kleine Jungenseelen brauchen und dass diese doch anders ticken als weibliche. Mit klarer und prägnanter Sprache teilt uns die Autorin mit, wo in unserem Gesellschaftssystem die Fallstricke für Jungs zu finden sind, wie man diese erkennt und umgehen kann. Ihre authentisch geschilderten Erlebnisse sind von mir nachvollziehbar, so manches davon habe ich auch schon so oder so ähnlich erlebt. Ich fühle mich durch ihr Buch gestärkt, meinen Sohn, Sohn sein zu lassen und ihm die Freiheiten einzuräumen, die er braucht, egal, wie viel Wind mir seitens anderer Mütter oder der Lehrerinnen entgegenschlägt! Mir schenkt es Kraft und Zuversicht. Ein Buch, welches ohne erhobenen Zeigefinger auskommt. Die Erkenntnis darf in einem selbst heranreifen. Ein wunderbares Werk für alle Mütter, die Söhne haben!

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Von: Doris Wegert, Erzieherin aus 78267 Aach

01.05.2016

Frau Gegier Steiner stellte bei uns in der Kita ihr Buch "Artgerechte Haltung - Es ist Zeit für eine jungengerechte Erziehung" vor. Es war ein sehr ansprechender, informativer Abend. Nicht nur für die Mitarbeiter der Kita, sondern für alle Beteiligten, Eltern von Jungen und Mädchen. Frau Gegier Steiner gestaltete ihre Vorlesung sehr abwechslungsreich: mit Interaktion, Wissensvermittlung und ihren persönlichen Geschichten. Wenn sie aus ihrem Buch vorlas, klebte man förmlich an ihren Lippen. Sie strahlt selbst so viel Weiblichkeit, Charisma und Leidenschaft aus, dass alles, was sie sagt, authentisch beim Zuhörer ankommt.

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"Jungs sind die Bildungsverlierer der Nation! Die Pädagogik ist einseitig geworden, weil sie auf die Bedürfnisse von Mädchen fixiert ist. Immer weniger Menschen scheinen das Geheimnis glücklicher Jungs zu kennen: Sobald ein Junge seine Grenzen austesten will, sind wir mit ihm überfordert. Wir müssen umdenken, damit Jungs wieder Jungs sein dürfen: anstrengend, energiegeladen und bewegungsfreudig.Birgit Gegier Steiner fordert in ihrem Buch eine jungengerechte Erziehung für Kindergarten, Schule und Zuhause, die die Bedürfnisse von Jungen berücksichtigt und sie ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechend fördert und fordert. Birgit Steiner verrät außerdem, was Fußball mit Erziehung zu tun hat: Es wird Zeit für das »fußballdidaktische Prinzip" Ich habe das Buch "Artgerechte Haltung - Es ist Zeit für eine jungengerechte Erziehung" gelesen, da ich selbst zwei Jungs im Alter von 5 und 6 Jahren habe. Meine Jungs sind nie müde zu kriegen, selbst nach 4 Stunden wandern bergauf und bergab sind sie zuhause wieder am Rennen und Balgen. Die Finger und der Mund ständig in Bewegung und das Gehirn immer auf Hochtouren. Das ist manchmal ganz schön anstrengend, wenn man sich einfach mal nur nach Ruhe sehnt. Wer den Titel liest mag vielleicht denken, dass es hier nur Klischephrasen zu lesen gibt. Ich habe das Buch sehr begeistert gelesen von Anfang bis Ende.Und ich muss sagen ich verstehe die Bedürfnisse meiner Jungs besser und lasse sie jetzt öfters ihr Temperament ausleben. Gerade Jungsmüttern wird doch oft vermittelt, dass der Sohn zu wild, zu frech und zu unkonzentriert ist. Wie schnell denkt man darüber nach, ob man was falsch macht oder ob mit dem eigenen Kind etwas nicht stimmt. Wenn das so ist dann kann ich nur empfehlen dieses Buch zu lesen. Ich selbst bin nun ruhiger, gelassenener auf der einen Seite, aber konsequenter auf der anderen Seite. Bei uns gibt es nun die gelbe Karte und danach gleich die Rote. Und ich muss sagen, es funktioniert. Das schöne ist, dass die Autorin Birgit Gegier Steiner weiß wovon sie schreibt. denn sie selbst ist Lehrerin. "Birgit Gegier Steiner, geboren 1960, wuchs in Süddeutschland auf. Sie selbst hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Drei weitere Söhne brachte ihr Mann mit in die Ehe. Nach ihrem Studium unterrichtete sie an verschiedenen Grund- und Hauptschulen. Seit 1995 war sie als pädagogische Fachberaterin am Schulamt Nürtingen sowie als Fachleiterin für das Europalehramt und übergreifende Projekte am Seminar für Lehrerbildung und Didaktik in Nürtingen tätig. Ihre ersten Veröffentlichungen im Schul- und Fachbuchsektor erschienen 2002. Seit 2004 ist sie als Referentin zu didaktischen Fragen für den Klett-Verlag tätig. Weitere Fortbildungsaufträge folgten, zuletzt an der PH Thurgau in Kreuzlingen. Seit 2006 leitet sie eine Grundschule mit sport- und bewegungsorientiertem Profil im Kreis Konstanz. Birgit Gegier Steiner wohnt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in der Schweiz." Birgit Gegier Steiner hat einen Schreibstil, der mich mitgerissen hat ohne den Finger zu heben. Und sie hat viele Begebenheit aus der Praxis beschrieben, was mir sehr geholfen hat zu verstehen. Wer also wissen möchte wie Jungs sind, warum sie so sind und was wir ihnen geben können, um sich zu entfalten der sollte dieses wunderbare Buch lesen. Aus dem Buch: Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen. Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern. Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen. Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein; Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist. Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931

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*Artgerechte Haltung* Es ist Zeit für eine jungengerechte Erziehung – so nennt sich das Buch von Birgit Gegier Steiner – Gütersloher Verlagshaus. Es werden deutlich die Unterschiede im Lernen und Entwickeln zwischen Jungen und Mädchen beschrieben, die jede Mama wohl kennt. Jungs sind Hibbelig, immer in Bewegung und müssen alles erfühlen und anfassen um es zu begreifen. Sehr schöne Denkanstöße und Ideen für Schule und Familienalltag Dass besonders Bewegung und Sport ein Ausgleich zum Schulalltag und zu Hause ist und so Burschen mehr Spaß am Lernen haben zeigt sie durch viele Experimente und Versuche in ihrer Arbeit als Lehrerin in einer Schule. Ein tolles Buch für alle Eltern, Lehrer und Erzieher! Herzlichen Dank an den Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar!

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Ich bin eine Jungs-Mama und habe auch immer gedacht, dass ich die geborene Jungs-Mama sein muss, denn rosa Kitsch, Teestuben und Glitzerponys sind so gar nicht meine Welt. Und ich als Erzieherin weiß, wovon ich spreche... Schon in der Ausbildung hat einer meiner Lehrer immer wieder betont, wie wichtig es ist, dass wir endlich mal umdenken, denn unser ganzes Handeln ist doch mehr mädchenorientiert. Aber erst seit ich selber Mutter eines Jungen (und eines kleinen Mädchens) bin, weiß ich was er meint: Jungs ticken einfach anders! Und sie brauchen andere Dinge als ein Mädchen! Und ich war echt überzeugt, dass das läuft - tut es aber nicht. Denn mein Lehrer hatte Recht: wir sind mädchenorientiert. Dieses Buch spricht mir also wirklich aus der Seele. Hey, ich bin nicht alleine! Und nein, mein Sohn ist nicht "unnormal" und "unangepasst" - er ist einfach nur ein ganz normaler Junge. Und dafür müssen wir ihm den nötigen Raum bieten und lassen. Wie man am besten mit diesen energiegeladenen Wirbelwinden umgehen kann, erfahren wir unter anderem in diesem wirklich wunderbaren Buch. Ein Blick hinein lohnt sich wirklich :-)

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„Du solltest mit deinem Sohn vielleicht doch mal zum Arzt gehen – normal ist dieses Verhalten bestimmt nicht.“ Ich fiel aus allen Wolken, als eine andere Mutter genau diesen Satz zu mir sagte. Natürlich fragte ich sie, was sie damit meinte und selbstverständlich hörte ich nicht auf ihren sicher gut gemeinten Rat. Aber dieser Satz saß und säte tatsächlich ein wenig Zweifel. War mein damals 3jähriger Erstgeborener wirklich „krankhaft anders“ oder einfach nur wild? Im Vergleich zum Sohn der anderen Mutter war er schon extrem, denn während das andere, gleichaltrige Kind ruhig und still in der Ecke spielte, tobte, sprang und schrie meiner wild durch den Garten. Aber ihn krankhaft zu nennen, ging mir dann doch entschieden zu weit. Rund 3 Jahre ist dieses Gespräch nun her und mein großer Sohn ist heute noch genauso wild wie damals. Regeln hasst er genauso wie Haare waschen und Grenzen sind für ihn prinzipiell dazu da, um so weit wie möglich übertreten zu werden. Er liebt es, sich zu bewegen und draußen zu sein und ist halt einfach ein wenig wilder als eben dieses andere Kind. Wie froh war ich damals, als wir bei einem seiner Kindergartenkumpel zu Besuch waren und sich eben dieser Kumpel genauso wie mein Sohn verhielt! So unsicher, wie ich damals war, so weiß ich doch heute, dass er völlig richtig so ist, wie er eben ist. Er mag anstrengend sein und laut, aber er ist deshalb weder krank, noch benötigt er ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe. Auch glaube (oder hoffe?) ich nicht, dass er an ADHS leidet. An der echten Erkrankung. Nicht der durch Eltern lauter Kinder selbst diagnostizierte. Birgit Gegier Steiner schreibt in ihrem noch recht neuen Erziehungsratgeber genau über dieses Thema und stellt dabei eine recht provokante These auf. Sie sagt, dass wir unsere Jungen die ganzen Jahre über in bestimmten Bereichen der Erziehung sträflich vernachlässigt haben und sie eigentlich in einem gewissen Rahmen verziehen. Das wir die Mädchen all die Jahre bevorzugt haben und es inzwischen nicht mehr so ist, dass die Mädchen herangeholt werden müssen, sondern eher, dass man sich wieder an die Eigenheiten der Jungs erinnern müsse. Das sie eben einen viel größeren Bewegungsdrang haben als Mädchen und auch ein völlig anderes Lernverhalten. Statt dies jedoch zu berücksichtigen, würden Jungs lieber zum stillsitzen und ruhig sein verdonnert. Aber welcher Jungs kann das schon? Wenn wir hier zu Hause an den oft recht umfangreichen Hausaufgaben sitzen, muss mein 6jähriger alle 15-20min. ein paar Runden durch Wohn- und Esszimmer rennen, um sich dann wieder konzentriert hinzusetzen. Für ihn ist das prima, für das andere, ruhige Kind von damals sicher keine Option. Die Ansätze und vor allem die Denkanstöße, die die Leiterin einer Grundschule aus dem Kreis Konstanz in ihrem Buch gibt, rennen bei mir durchaus offene Türen ein. Fairerweise muss ich allerdings auch sagen, dass sie in ihrem Buch alle Jungs immer wieder über einen Kamm schert. Natürlich ist es einfacher, immer von allen Jungs zu sprechen, jedoch gibt es eben auch ruhige Exemplare, die eben nicht laut oder wild sind. Eltern dieser Kinder werden mit diesem Buch sicher wenig anfangen können, denn um sie geht es schlicht und einfach nicht. Statt dessen empfehle ich dieses Buch allen Eltern, die ihre Kinder als laut, wild oder draufgängerisch bezeichnen würden. Grundsätzlich sind die Dinge, die sie sagt, nicht neu. Es geht um für Kinder nachvollziehbares Verhalten, um Strenge und Konsequenz, aber auch die Liebe und Freiheit, die Kinder benötigen. Sicher wurden viele Dinge davon auch in hunderten anderer Ratgeber geschrieben, die ich allerdings nie gelesen habe. Überhaupt habe ich bisher keinen anderen Erziehungsratgeber gelesen und hätte dieser hier nicht so einen neugierig machenden Titel und zwei Jungs auf dem Cover, die sich genauso wie meine beiden benehmen, dann diesen wohl auch nicht. Das Buch beginnt eher langatmig, zum großen Teil wiederholt sie sich gerade am Anfang auch immer wieder. Hat man den ersten, theoretischen Teil allerdings hinter sich gelassen, wird es entspannter und es folgen viele Beispiele aus ihrer jahrelangen Praxis. In sehr vielen Dingen habe ich meinen Großen wiedergefunden und eigentlich war ich beim Lesen immer wieder dabei, auch mich selbst zu überprüfen. Was könnte ich anders machen, was vielleicht besser? Wo war ich zu streng, ließ ich ihm die Freiheit, die Frau Gegier Steiner für nötig hält und die vielleicht ja wirklich genau das ist, was er braucht? Es regt zum Nachdenken an, gibt aber gerade auch unsicheren Eltern eine gewisse Sicherheit, das Jungs eben wilder und völlig anders als Mädchen sind. Sie spielen anders, sie lernen anders. Körperbezogener, lauter, aber trotzdem nicht bösartiger. Sie lieben Gruppen (um mal den Bogen zum fußballdidaktischen System zu schlagen ….) und bringen sich sehr gern ein. Warum also auch zu Hause nicht ein Team sein? Ich werde auf jeden Fall einiges umsetzen – allen voran das Haushaltsputz-Team am Wochenende. Auch übe ich mich darin, entspannter zu sein und die beiden einfach machen zu lassen, zumindest in einem gewissen kontrollierten Rahmen. Was soll schon passieren? Als Mutter einer der typischen Jungen die sie beschreibt, finde ich dieses Buch großartig. Mal von den Startschwierigkeiten abgesehen liest es sich flüssig und ist informativ, ohne den Zeigefinger zu erheben oder sich über Eltern zu stellen. Zumindest lese ich es so ;) . Auch wenn ihre Ansichten oder Erkenntnisse nicht unbedingt neu sind, so lohnt es sich meiner Meinung nach trotzdem, das Buch zu lesen. Vielleicht schenke ich es ja auch ganz provokant meiner Schwiegermutter zu Weihnachten? Die beiden erklären uns nämlich regelmäßig, wie laut und anstrengend unsere Jungs sind ….

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