Leserstimmen zu
Zartbittertod

Elisabeth Herrmann

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Hardcover
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Nun zu meiner Meinung / Mein Fazit: Der Roman erinnert atmosphärisch zunächst sehr an Chocolat. Roman aus dem Jahre 2001 von Joanne Harris: In diesem zieht Vianne mit ihrer kleinen Tochter Anouk in das französische Städtchen Lansquenet-sous-Tannes und eröffnet eine kleinen Laden, eine Chocolaterie; Sie verzaubert die Menschen mit ihren selbstgemachten Pralines und Schokoladenkreationen. In dem französischen Städtchen, in dem sie sich niederlässt. Der zur Besprechung vorliegende Roman kann als sehnsuchtsvoll „erwartete Erweiterung zu diesem angesehen werden. So gelingt es Herrmann mühelos eine Atmosphäre entstehen zu lassen, in der man mitfühlt, riecht und schmeckt. Die Charaktere und Atmosphäre sind dabei dicht, sympathisch, nachvollziehbar und bleiben gleichermaßen in ihren jeweiligen inneren Widersprüchen erkennbar. Es ist kein einfacher Roman, denn es geht um deutsch-afrikanische Kolonialgeschichte, aber ein schöner. Schlägt man dieses Buch zu, überkommt den Leser zum Einen eine historische Traurigkeit über ein Nichtwissen und über tagespolitisch-aktuelle Reflexe, eine weitere wie augenfällige Parallele zum Vergleichstitel, zum Anderen darüber, dass die erzählte Geschichte zu ende ist. Das darf sie in beiderlei Hinsicht nicht sein, Stichwort Bio-Anbau und Bewässerung. Ich wünsche mir sehnlichst einen Folgeband um Mia und Will und die Meißner Chocolateria. Eine absolute Leseempfehlung und für mich der bisher beste Jugend-Krimi der Elisabeth Herrmann.

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Mia möchte einen Artikel über ein altes Familienfoto schreiben. Welches würde da besser passen, als das mit dem riesigen Nashorn aus Schokolade und ihrem Vorfahr Jakob Arnholt drauf? Da muss doch eine spannende Story hinter stecken ! Sie beginnt Nachforschungen anzustellen und fragt auch ihre Mutter nach dem Bild. Die berichtet, dass Jakob in der Kolonialzeit aus Namibia nach Lüneburg gekommen ist. Zusammen mit seinem weißen Lehnsherrn hat der kleine schwarze Junge ein Schokoladengeschäft aufgemacht. Bis er irgendwann seine eigene Familie gründete, nach Meißen zog und dort seine eigene kleine Chocolaterie eröffnete. Das Geschäft führen heutzutage Mias Eltern, und auch sie selbst liebt die Schokolade über alles. Doch wer war dieser ominöse und unfreundlich dreinblickende Lehnsherr? Darüber hüllt sich ihre Mutter in Schweigen. Nur einen Namen erwähnt sie mit Abscheu: Herder. Dessen Nachkommen besitzen mittlerweile einen riesigen Schokoladenkonzern. Mit ein paar Fundstücken vom Dachboden im Gepäck, die einmal Jakob gehört haben, macht Mia sich auf den Weg nach Lüneburg, um Antworten auf ihre Fragen zu bekommen. Doch dort angekommen jagt ein Unglück das nächste, und Mia gerät immer mehr in Mittelpunkt der fragwürdigen Ereignisse. Welchem schrecklichen Familiengeheimnis ist sie da nur auf die Spur gekommen, dass derjenige, der es geheim halten will, sogar über Leichen geht? Meine Meinung: Dieses Buch ist nicht nur einfach ein Krimi, sondern auch eine tolle Aufarbeitung der Geschehnisse während der Kolonialzeit. Ich kann natürlich nicht beurteilen, inwiefern sich das alles historisch belegen lässt, aber das liegt unter anderem auch daran, dass man sich in der Schulzeit im Geschichtsunterricht kaum mit der Kolonialzeit beschäftigt. Zumindest nicht aus deutscher Perspektive. Es werden immer die großen Kolonialmächte Frankreich und England angeprangert und im Nebensatz wird erwähnt, dass Deutschland auch irgendwann mal nach Afrika gefahren ist. Das war´s. Dieses Buch zeigt, dass da deutlich mehr war — und dass die deutschen Soldaten teilweise ganze Eingeborenen-Stämme ausgelöscht haben. Ich finde, die Autorin schildert das sehr eindrucksvoll, denn sie hat ihre Geschichte mit Zitaten aus echten Briefen aus dieser Zeit gespickt, die die Mentalität der damaligen Deutschen widerspiegelt. Das Gute an dem Buch ist, dass es trotz der historischen Hintergründe ein Jugendkrimi bleibt, der sehr spannend erzählt ist. Die Geschichte ist gleichermaßen unterhaltend und bildend. Diese beiden Aspekte haben mir wirklich gut gefallen. Der fesselnde Schreibstil der Autorin hat das Ganze nur noch spannender gemacht und die gute Komposition der beiden Elemente – Thriller und Historie – unterstützt. Dennoch ist mir ein Aspekt etwas zu kurz gekommen. Es gibt nämlich einen männlichen Charakter, der Mias Interesse weckt. Doch diese Liebesstory ist nicht wirklich authentisch und hätte meiner Meinung nach auch weggelassen werden können. Denn es war irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Trotz des kleinen Kritikpunkts hat mich der Roman von Elisabeth Hermann überzeugt und ich kann ihn jedem weiterempfehlen, der ein bisschen was Neues (und Erschreckendes) über die deutsche Geschichte lernen will und dabei gut von einem Krimi unterhalten werden möchte. Carolin Wallraven, 19 Jahre

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GANZE REZENSION: https://annasalvatoresbuchblog.blogspot.com/2018/07/eine-familiengeschichte-die-kein.html MEINUNG So, dann fangen wir mal an. Ich muss mit dem folgenden Kritikpunkt anfangen, da er sich leider bis zum Ende durch die Geschichte zog. Es war für mich kein richtiger Thriller. Es war eine Mischung aus Detektivspielen und Familiengeheimnisse aufdecken, vielleicht eine Art Familienkrimi - aber erst zum Ende hin kam ein Twist und endlich entsprechende Spannung auf. Und das habe ich nach meinem ersten super spannenden Buch der Autorin einfach schlichtweg nicht erwartet, sodass schon mal meine Erwartungen enttäuscht wurden. Spannung war für mich kaum vorhanden und es war etwas einschläfernd. Blöde Wortwahl, ich weiß, aber die Handlung kam einfach nicht in die Potte. Zwar finde ich die gewählten Themen zum einen mit der Schokolade, zum anderen mit dem Aufarbeiten der Kolonialzeit, sehr gut gewählt. In der Tat stimme ich auch den Aussagen zu, dass die Kolonialzeit Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts praktisch in der Schule/Medien/Gesellschaft kaum erwähnt wird. Daher finde ich es wirklich toll, dass Herrmann dieses Thema gekonnt in die Geschichte eingeflochten hat. Nur leider ändert das nichts an dem Unterhaltungsfaktor, der für mich leider gegen 0 ging - kurz gesagt: Der Lesespaß fehlte mir. Natürlich gibt es nicht nur Negatives - der Stil der Autorin ist schlicht und gut zu lesen. Die Figuren sind teilweise sehr interessant, und auch dass es immer wieder Einwürfe aus anderen Blickwinkeln gab, fand ich gut. Zudem fand ich den (kurzen) Showdown sehr spannend, die Auflösung bzw. der Twist konnte mich definitiv überraschen. Nachdem ich das Ende wirklich gut fand, kam dann leider der Epilog, der mir mit diesem Klischee - was mit dem Roman und den Themen nichts zu tun hatte - für mich einen faden Beigeschmack mitgegeben hat. Schade. FAZIT Die Figuren, der Schreibstil sowie die Themen, um die es ging, fand ich gut. Mal etwas Neues. Genre meiner Meinung nach zwar komplett verfehlt, aber gut. Nur leider hat dies nicht die fehlende Spannung noch die 'langweilige' Handlung für mich aufgewogen, sodass ich auf ein recht mittelmäßiges und leider nicht überzeugendes Leseerlebnis zurückblicke. - 2,5 von 5 Feenfaltern - Vielen Dank an den cbj Verlag für das Rezensionsexemplar. © Anna Salvatore's Bücherreich

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Elisabeth Herrmann ist mir natürlich von ihren Büchern für Erwachsene ein Begriff und auch mit dem Jugendbuch "Seefeuer" konnte sie mich begeistern, so dass ich gespannt mit der Lektüre startete. In der Geschichte geht es um Mia, die für ihre Bewerbung an der Journalistenschule eine knallhart recherchierte Story benötigt. Was würde sich da besser eignen als die ominöse Herkunftsgeschichte ihres Urgroßvaters, der einst aus Namibia unter mysteriösen Umständen nach Deutschland kam? Bei der Recherche stößt Mia auf ein Geheimnis und plötzlich stirbt jemand. Doch bald ist auch ihr Leben in Gefahr, was nur geht da vor? Die spannende Handlung wird uns über einen Erzähler nahe gebracht, der alle handelnden Protagonisten etwas näher beleuchtet. Hier ist vor allem die Hauptakteurin Mia im Vordergrund. Mia hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Auf eine sympathische Art ist sie selbstbewusst, aber nicht zu übertrieben. Zudem ist sie nicht an ihrem eigenen Vorteil interessiert, sondern wirklich nur daran die Geschichte ihrer Vorfahren zu lüften und die hat es wirklich in sich. Doch auch Will, den man als Sohn reicher Eltern erstmal argwöhnisch betrachtet, konnte im Verlauf der Geschehnisse meine Sympathie gewinnen. Mich hat nicht gestört, dass sich da zwischendurch etwas anbahnt zwischen ihm und unserer zukünftigen Journalistin. Mir gefällt gut, dass die Autorin die Geschichte der Herero und die Kolionalisierung Namibias durch die Deutschen thematisiert, denn ich muss gestehen, dass ich davon wenig bis gar nichts wusste und dieses Kapitel deutscher Geschichte im schulischen Geschichtsunterricht nie Gegenstand war, so dass man als Leser in jedem Fall noch dazu lernt. Die dargestellte Geschichte startet noch recht gemächlich und wird mit der Zeit immer spannender. Die Dramatik der Geschichte spitzt sich immer mehr zu und je mehr man liest, desto mehr bekommt man Herzklopfen. Zum Schluss liest man wirklich atemlos, denn man möchte endlich das Geheimnis lüften und zudem wissen, wer denn nun hinter allem steckt. Die Auflösung kam für mich dann doch sehr überraschend, hatte ich als Täter jemanden von der Familie Herder selbst im Visier. Besonders gern gelesen und regelrecht herbeigesehnt habe ich die Textauszüge aus Briefen und den Schriftstücken aus der Zeit um 1904. Hier wurde sehr deutlich, was die Kolonisten von den Farbigen hielten. Einziger Nachteil am Buch: wenn man dauernd von den Leckereien liest, die Mia und ihre Familie so zaubern können, da musste die ein oder andere Tafel Schokolade beim Lesen dran glauben. Fazit: Ein Jugendroman, der seinesgleichen sucht. Wer Spannung liebt und Geschichte etwas abgewinnen kann, der wird hier wie ich absolut begeistert sein. Klare Leseempfehlung, klasse!

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Bereits nach ein paar Seiten war ich direkt in der Geschichte drin. Insgesamt war die Handlung teilweise echt spannend, auch wenn einige Ereignisse vorhersehbar waren. Sehr spannend fand ich persönlich, wenn es um die Vergangenheit ging. Im Prinzip ist das Buch ein Thriller, gemixt mit einem geschichtlichen Hintergrund und einer kleinen Liebesgeschichte, die allerdings im Hintergrund steht, was auch nicht weiter schlimm ist. Ab und zu habe ich mich richtig gegruselt (ich sage nur: Maskenmann) . Das Nachwort von Elisabeth Herrmann hat mich nochmal richtig nachdenklich gemacht, denn der Name des Buches lässt ja schon vermuten, dass es in dem Buch unter anderem um Schokolade geht. Natürlich nicht nur darum allein, das ist klar, aber als Nebenaspekt geht es in dem Buch auch darum, unter welchen Bedingungen Schokolade hergestellt wird. Insgesamt ist es ein gelungenes Buch, auch wenn ich mich mit Thrillern und Krimis nicht allzu sehr auskenne... Wer ein interessantes und gleichzeitig spannendes Buch sucht, der sollte sich überlegen "Zartbittertod" zu lesen!

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Das Chocolaterie-Geschäft ihrer Eltern in Meißen soll eines Tages der große Bruder übernehmen. Also sucht Mia nach beruflichen Alternativen und entscheidet sich, Journalismus zu studieren. Für die Aufnahmeprüfung soll ein Familienfoto recherchiert werden. Dies ist schnell gefunden, denn schon immer hängt im Laden das Bild von einem riesengroßen Nashorn aus Schokolade, dazu Gottlob Herder aus Lüneburg und der kleine Jakob Arnholt, Mias Urgroßvater. Jakob ist schwarz und einst aus der Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ ins Land gekommen. Mia interessiert sich brennend für seine Geschichte und macht sich auf den Weg nach Lüneburg, wo die Nachkommen von Gottlob Herder noch immer eine große Schokoladenfabrik führen. Ein Mord und mehrere Anschläge auf ihr Leben zeigen, dass sie einem Geheimnis auf der Spur ist, das keinesfalls ans Tageslicht dringen soll. Meine Meinung: Der neue Jugendroman von Elisabeth Herrmann hat mich wirklich begeistert. Es mag weniger Thriller drin sein als in dem letzten, den ich von ihr gelesen habe – „Die Mühle“. Dieser erschien mir aber auch für die Altersgruppe fast zu heftig. Die Schokoladenherstellung bildet für den Roman nur die Rahmenhandlung, Hauptthema ist die wenig rühmliche Rolle Deutschlands in der Kolonialzeit, die nach wie vor ein Tabuthema zu sein scheint, obwohl die Vernichtung der Herero inzwischen als Völkermord anerkannt wurde. Ich zumindest hatte zu dem Thema bisher so gut wie noch gar nichts gelesen oder auch von der Schule her behalten, weshalb ich auch immer wieder begeistert bin, wie toll die Autorin geschichtlich brisantes Material mit einer spannenden Story zu verknüpfen vermag. Der Roman ist wirklich keine Minute langweilig und es macht großen Spaß gemeinsam mit Mia die verworrenen Rätsel einer längst vergangenen Zeit aufzudecken. Sie ist eine tolle Hauptfigur, mit der ich mich sofort identifizieren konnte. Ein Mord und mehrere Anschläge auf das Leben halten die Spannung auch enorm hoch, es werden einige Spuren gelegt, um schließlich dann doch bei einem von mir nicht vermuteten Täter zu landen. Auch eine kleine Liebesgeschichte bahnt sich an, die aber absolut nicht überhand, jedoch ein süßes Ende nimmt. Der Schreibstil von Elisabeth Herrmann ist einfach großartig, flüssig zu lesen, immer auf dem Punkt und von mitreißender Qualität. Das Buch ist kein splattermäßiger Thriller, sondern bietet nebenbei auch noch Einblick in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte, vor dem wir auch heute noch keinesfalls die Augen verschließen sollten. Absolut überzeugend und definitiv zu empfehlen für den anspruchsvollen jungen, aber auch älteren Leser.

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Liebes Zartbittertod, eigentlich hatte ich eine handelsübliche Rezension schreiben wollen, doch verlangt meine Enttäuschung nach einem Brief. Voller Herzschmerz, latenter Genervtheit und auch ein bisschen Schuld. Denn obwohl ich es wirklich wollte, dich zu mögen, obwohl ich deine Absichten ehrenhaft finde und das Thema, das du besprichst, hochinteressant, so hätte ich dich doch am liebsten in die Ecke geworfen. Mehrmals. Und noch Hulk gerufen, damit er – lassen wir das. Lass uns einen kurzen Blick auf deinen Anfang werfen. Dorthin, wo die Protagonistin Mia im Schoße ihrer Chocolatiers-Familie sitzt und ahnungslos über Schokolade und ein EinNashorn aus eben jenen dunklen Goldes sinniert, das auf einem uralten Familienfoto prangt. Um die Aufnahmeprüfung einer Journalistenschule mit Bravour zu bestehen, hängt sie sich an das Schokoladentier, um dessen Geschichte zu ergründen. Und die führt tief hinab in unschöne Familiengeheimnisse und hin zu einer anderen Chocolatiers-Familie, die sich von ehrenhafter Schokoladenkunst entfernt und sich der Massenware verschrieben hat. Im Zuge ihrer Recherchen taumelt sie in einen Sog aus finsterer Geschichte, detscher Kolonialzeit, Völkermorden der Vergangenheit und hinterrücksen Morden der Gegenwart. Die Prämisse hätte den Beginn einer wunderbaren Freundschaft markieren können. Zwar war ich auch da bereits von deinem Schreibstil nicht sonderlich überzeugt, zu spärlich gehst du mit atmosphärischen Beschreibungen um, zu simpel ist die Sprache. Doch hey, du bist ein Jugendbuch, da ist das wohl okay. Aber interessant finde ich Familienarchäologie durchaus und auch die da noch zarten Hinweise auf afrikanische Geschichte hatten es mir schnell angetan. Doch je mehr Seiten ich umblätterte, desto häufiger stolperte ich über Dinge, die mir nicht gefielen. Die Protagonistin ist mir selten unsympathisch. Ein typischer Fall „rotzige Teenagerin eines Jugendbuches“, die das Herz zwar irgendwie am rechten Fleck trägt, aber dennoch derart dreist durch das Leben schreitet, als gehöre ihr die Welt. Ihre Recherchen in allen Ehren, doch sich in ein Haus einer fremden Familie drängen, während dessen Vater/Großvater gerade in einem Sarg abtransportiert wird, ist an Dreistigkeit bereits kaum zu überbieten. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie Aufmerksamkeit und Hilfe – wohlgemerkt anfangs lediglich für eine Aufnahmeprüfung, es ging weder um wenige Tage, noch um Mord und Totschlag – fordert, sucht ihresgleichen. Fortan nimmt sie sich alles raus, was irgendwie geht, fordert von jemandem, dessen Betrieb vielleicht pleite ist, dass er ihr Essen bezahlt und richtet sich im Gästezimmer häuslich ein. Kostenlos, natürlich. Sie ist ja die Protagonistin. Herzlichen Glückwunsch, Mia, hiermit bist du in meiner imaginären Rangliste der „Protagonisten, die ich furchtbar finde“ auf einen hohen Platz eingestiegen. Der Plot zieht sich, klebt schwer am Gaumen wie billige Schokolade. Die ersten 250 Seiten geschieht kaum etwas, auch die Nachforschungen gestalten sich in zähen Wiederholungen. Es ist frustrierend, ständig alte Informationen erneut vorgesetzt zu bekommen. Ebenso ist es schade, dass es schlichtweg nicht voran geht. Der Roman nennt sich „Thriller“ und das einzige, was ich beim Lesen spannend fand, war meine innerliche Frage nach meiner nächsten Mahlzeit. Atmosphärisch tut sich nicht viel. Spärlich nur werden Umgebungen und Figuren beschrieben, sodass kaum ein Bild in meinem Kopf entstand. Ich erwarte keine jahrelangen Ausführungen a’la Karl May oder J.R.R. Tolkien, doch kann denn atmosphärisches Schreiben schaden? In einem Roman, der zumindest ab und an ein paar unheimliche Momente haben soll? Bis zu deiner Mitte also las ich mit einem Gesichtsausdruck, der zwischen „Stein“ und „genervter Teenagerin“ schwankte. „Ob da noch was kommt?“, fragte ich mich und erinnerte an das Versprechen. „Die deutsche Kolonialgeschichte wird aufgearbeitet!“ etwa. Oder „Man wird sich beim Lesen der Herkunft der Schokolade bewusst und dass dort nicht alles mit rechten Dingen abläuft!“. Ich hatte mir gehofft, dass inhatlich mehr kommen würde. Das tat es auch. In drögen Diskussionen fabulieren die Figuren über eben jene Hintergründe. Der Herero-Aufstand wird in Erinnerung gerufen, politische Streitgespräche entbrennen und man erfährt tatsächlich das ein oder andere über die geschichtlichen Fakten. Eingebettet in ein Jugendbuch ist das eine wunderbare Idee, denn im Geschichtsunterricht wird lieber jahrelang das selbe Thema behandelt, als auch andere Kapitel aufzuschlagen, weshalb auch die geschichtliche Verbindung Deutschlands zu Afrika gerne unter den Tisch fällt. Durch Romane wird ein Bewusstsein dafür geschärft und man wird dazu angehalten, selbst weiter zu recherchieren und darüber nachzudenken. Leider verpasst du, Zartbittertod, die Gelegenheit, das Thema emotional in die Geschichte einzuflechten. Es bleiben Fakten, die zwar an sich löblich zu erwähnen sind, aber auch geschickter hätten eingewoben werden können. So, dass die direkte Verbindung hergestellt wird. Durch Emotionen kann eine Bindung zum Thema hergestellt werden. Bei mir hast du es nicht erreicht. Es bleibt flach, eher an der Oberfläche und lässt das Thema zu einem schmückenden Beiwerk verkommen. Nun bin ich vielleicht zu streng. Ich hatte von Anfang an hohe Erwartungen, die auch durch die auffallend positiven Bewertungen, die man im Netz finden kann, geschürt worden sind. Erwartungen, die du einfach nicht einhalten kannst. Ich will nicht sagen, dass du das schlechteste Buch bist, das ich in letzter zeit gelesen habe. Oh, da gibt es noch ganz andere Kandidaten. Aber du verschenkst unglaublich viel Potential, bleibst dabei flach und nicht spannend genug, als dass ich gerne die Seiten umgeblättert hätte. Elisabeth Herrmann möchte ich an dieser Stelle dennoch meinen Dank aussprechen: Das Thema ist großartig gewählt und auch das Nachwort liest sich hervorragend und hochsympathisch. Aber du, Zartbittertod, bist einfach nicht mein Fall.

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Mia entstammt einer Chocolatiersfamilie, die ein kleines Geschäft in Meißen betreibt und versucht, im Kampf gegen die marktführenden Großkonzerne mit ihren Billigprodukten nicht unterzugehen. Da ihr älterer Bruder dafür vorgesehen ist, den Familienbetrieb zu übernehmen, bleibt für Mia nur Plan B: ein Journalistik-Studium. Als Aufnahmeprüfung soll sie die Geschichte eines Fotos recherchieren. Mia entscheidet sich für das im Klappentext bereits beschriebene Familienfoto und nimmt Kontakt zu Familie Herder auf, die ein Schokoladenimperium in Lüneburg leitet. Die Geschichte hinter der Fotografie wird schnell aufgeklärt. Mias Urgroßvater Jakob stammte ursprünglich aus Namibia und kam mit Gottlob Herder nach Deutschland, der sein Lehrherr wurde. Doch warum nahm Gottlob den kleinen, schwarzen Jungen überhaupt mit sich? Warum ruft der Name Herder in Mias Familie so viel Ablehnung hervor? Und was hat es mit Jakobs hinterlassenen Fundstücken vom Dachboden auf sich? ‚Zartbittertod‘ behandelt weniger die Herstellung feinster Pralinen. In Wahrheit rückt das Thema Schokolade zügig in den Hintergrund und bildet allenfalls eine grobe Rahmenhandlung. Vordergründig wird ein weitgehend unbeachtetes Kapitel deutscher Geschichte thematisiert. Die Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika findet im Lehrplan unserer Schulen allgemein wenig Platz. Umso positiver finde ich, dass Elisabeth Herrmann keinen Bogen um dieses gern totgeschwiegene Kapitel macht und anhand von Tagebucheinträgen und Zitaten die Geschichte aufleben lässt. Es entsteht ein wirklich grausames Bild von Krieg, Rassenhass und Völkermord. Mia Arnholt und Will Herder – Nachfahren zweier Zeitzeugen – ergründen ihre gemeinsame Familiengeschichte anhand von Fotos und alten, scheinbar wertlosen Erbstücken. Das Fortschreiten ihrer Nachforschungen liest sich zwar spannend, doch nicht so packend, dass das Gefühl aufkommt, man könnte das Buch nicht mal aus der Hand legen. Um die Handlung herum hat die Autorin eine Reihe von Morden und Übergriffen angesiedelt, sogar ein unheimlicher Maskenmann taucht auf. All diese Elemente steigern die Spannung zwar, doch am Ende brachte die Auflösung all dessen nicht den gewünschten Effekt. Sie ließ mich sogar eher ein bisschen enttäuscht zurück, weil sie etwas zu banal erscheint und einige Fragen offen lässt. Insgesamt ist ‚Zartbittertod‘ eine lesenswerte Lektüre, vor allem wegen des geschichtlichen Hintergrunds und Frau Herrmanns solider Rechercheleistung. Leider zieht aufgrund dessen die Kriminalgeschichte den Kürzeren. Der Umfang der historischen Fakten überwiegt im Verhältnis zu den Krimi-Elementen. Dort hätte ich mir mehr Ausgewogenheit gewünscht. Die Charaktere sind zwar sehr vielseitig, insbesondere Will und Mia sind zwei sehr sympathische Protagonisten, obwohl ihre Handlungen nicht immer nachvollziehbar sind. Doch gerade die vielen wichtigen Nebencharaktere hätten tiefgründiger sein können, um auch der Handlung mehr Tiefgang zu verleihen. Zum Schluss noch einen lieben Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!,Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte. Mia entstammt einer Chocolatiersfamilie, die ein kleines Geschäft in Meißen betreibt und versucht, im Kampf gegen die marktführenden Großkonzerne mit ihren Billigprodukten nicht unterzugehen. Da ihr älterer Bruder dafür vorgesehen ist, den Familienbetrieb zu übernehmen, bleibt für Mia nur Plan B: ein Journalistik-Studium. Als Aufnahmeprüfung soll sie die Geschichte eines Fotos recherchieren. Mia entscheidet sich für das im Klappentext bereits beschriebene Familienfoto und nimmt Kontakt zu Familie Herder auf, die ein Schokoladenimperium in Lüneburg leitet. Die Geschichte hinter der Fotografie wird schnell aufgeklärt. Mias Urgroßvater Jakob stammte ursprünglich aus Namibia und kam mit Gottlob Herder nach Deutschland, der sein Lehrherr wurde. Doch warum nahm Gottlob den kleinen, schwarzen Jungen überhaupt mit sich? Warum ruft der Name Herder in Mias Familie so viel Ablehnung hervor? Und was hat es mit Jakobs hinterlassenen Fundstücken vom Dachboden auf sich? ‚Zartbittertod‘ behandelt weniger die Herstellung feinster Pralinen. In Wahrheit rückt das Thema Schokolade zügig in den Hintergrund und bildet allenfalls eine grobe Rahmenhandlung. Vordergründig wird ein weitgehend unbeachtetes Kapitel deutscher Geschichte thematisiert. Die Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika findet im Lehrplan unserer Schulen allgemein wenig Platz. Umso positiver finde ich, dass Elisabeth Herrmann keinen Bogen um dieses gern totgeschwiegene Kapitel macht und anhand von Tagebucheinträgen und Zitaten die Geschichte aufleben lässt. Es entsteht ein wirklich grausames Bild von Krieg, Rassenhass und Völkermord. Mia Arnholt und Will Herder – Nachfahren zweier Zeitzeugen – ergründen ihre gemeinsame Familiengeschichte anhand von Fotos und alten, scheinbar wertlosen Erbstücken. Das Fortschreiten ihrer Nachforschungen liest sich zwar spannend, doch nicht so packend, dass das Gefühl aufkommt, man könnte das Buch nicht mal aus der Hand legen. Um die Handlung herum hat die Autorin eine Reihe von Morden und Übergriffen angesiedelt, sogar ein unheimlicher Maskenmann taucht auf. All diese Elemente steigern die Spannung zwar, doch am Ende brachte die Auflösung all dessen nicht den gewünschten Effekt. Sie ließ mich sogar eher ein bisschen enttäuscht zurück, weil sie etwas zu banal erscheint und einige Fragen offen lässt. Insgesamt ist ‚Zartbittertod‘ eine lesenswerte Lektüre, vor allem wegen des geschichtlichen Hintergrunds und Frau Herrmanns solider Rechercheleistung. Leider zieht aufgrund dessen die Kriminalgeschichte den Kürzeren. Der Umfang der historischen Fakten überwiegt im Verhältnis zu den Krimi-Elementen. Dort hätte ich mir mehr Ausgewogenheit gewünscht. Die Charaktere sind zwar sehr vielseitig, insbesondere Will und Mia sind zwei sehr sympathische Protagonisten, obwohl ihre Handlungen nicht immer nachvollziehbar sind. Doch gerade die vielen wichtigen Nebencharaktere hätten tiefgründiger sein können, um auch der Handlung mehr Tiefgang zu verleihen. Zum Schluss noch einen lieben Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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