Leserstimmen zu
Still

Zoran Drvenkar

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Jahrelang verschwinden im Raum Berlin/ Brandenburg jeden Winter Kinder. Die ermittelnden Behörden konnten bisher weder belegen, dass die Taten in einem Zusammenhang stehen noch den oder die Täter dingfest machen. Mika Stellar, der dem Leser nur unter seiner neuen Identität bekannt gemacht wird, hat den Glauben an die Polizei verloren und ermittelt auf eigene Faust, um das Verschwinden seiner Tochter aufzuklären. Er geht davon aus, dass seine Tochter von einer Bande Pädophiler entführt wurde und begibt sich selbst in dieses Milieu. Während seiner Suche trifft er auf Lucia, ein Mädchen, das vor sechs Jahren entführt worden ist, als einzige der verschwundenen Kinder jedoch entkommen konnte. Seit diesem Zeitpunkt schweigt sie und lebt wie erstarrt in einem Pflegeheim. Mika versucht ihr zu helfen, um ihr Schweigen zu brechen, in der Hoffnung, etwas über die Täter und den Verbleib seiner Tochter zu erfahren. Der Thriller ist raffiniert aufgebaut und wird aus den Perspektiven ICH, DU, SIE erzählt. Zu Beginn tappt man als Leser im Dunkeln, wodurch von Anfang an Spannung aufgebaut wird, die sich bis zum Ende durchzieht. Nach und nach stellt sich heraus, wer sich dahinter verbirgt und welche grausame Geschichte sie erzählen. "Still" ist so kalt wie die Jahreszeit, in der er spielt: Kälte, Schnee und Eis prägen das Landschaftsbild in den Wäldern Brandenburgs. Zoran Drvenkar stellt die Brutalität der Verbrechen grausam subtil dar, was besonders beklemmend wirkt, da es sich bei den Opfern um Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren handelt, die mitunter selbst völlig verstört als Täter missbraucht werden. So entwickelt sich ein spannendes Katz- und Mausspiel von Jägern und Gejagten, die den Gegebenheiten der Natur unerbittlich trotzen müssen. Rachegelüste und der Wunsch nach Vergeltung prägen darüber hinaus das Verhalten von Mika, "ICH", der nichts mehr zu verlieren hat. "Hass ist, was bleibt, wenn dir alles genommen wurde." "Still" ist ein hochspannender, stilistisch außergewöhnlich geschriebener Thriller über den Abschaum der Gesellschaft, der zwar brutal ist, aber auf reißerische, quälende Details verzichtet.

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Rezension zu ,,Still" von Zoran Drvenkar ,,Still" ist als Taschenbuchausgabe mit 416 Seiten am 08.03 2016 im Heyne Verlag erschienen. Inhalt: Wenn es Winter wird und Schnee und Eis alle Spuren verwischen, erwacht in den einsamen Wäldern Brandenburgs das Böse. Über Nacht verschwinden auf mysteriöse Weise Jungen und Mädchen. Kein Kind wurde je wiedergesehen. Nur ein Mädchen taucht unerwartet und verstört wieder auf, ihre Lippen sind seitdem verschlossen. Erst als ein verzweifelter Vater auf eigene Faust zu ermitteln beginnt, bricht sie ihr Schweigen. Doch damit dreht sich die Spirale des Bösen nur noch schneller. (Klappentext) Cover: Das Cover verzichtet auf große Farben oder Motive und ist für einen Thriller passend schlicht. Die Winterlandschaft mit der Hütte im Hintergrund passt ebenso zum Inhalt des Buches. Charaktere: Das Buch dreht sich um einen verzweifelten Vater Mika Stellar, dessen Kind vor Jahren entführt wurde. Als Mika ein Muster von verschiedenen Entführungen erkennt, wird er trotz dessen von der Polizei abgewiesen, sodass er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Die Hauptperson handelt intelligent, auch wenn sein Vorgehen am Anfang echt verwirrend und undurchsichtig ist. ,,Ich bin nicht der, der ich sein wollte. Ich wurde zu dem, der ich bin, weil der Wind sich gedreht hat, weil ein Stern verlöscht ist oder irgendwo in Afrika ein Blatt vom Baum fiel. Ich weiß, es wird nicht ewig so weitergehen. Ich arbeite dran." S. 22 Eine wichtige Person ist Lucia, die vor vielen Jahren entführt wurde und es schaffte, auszubrechen. Seitdem lebt sie in einem Heim für Kranke, denn ihre Lippen sind verschlossen. Bis Mika es schafft, sie zum Reden zu bringen um so mehr über die Entführer zu erfahren. ,,Und wann immer Schnee fällt, stirbst du ein bisschen mehr. Du bist eine Tote, die atmet. Du bist eine Tote, die wartet." S.17 Die Jäger, die Antagonisten der Geschichte, und ihre Handlungen sind erschreckend zu lesen. Sie jagen stets bei Winter ... und nicht Kaninchen oder Wild... Kranke Persönlichkeiten, mit der gleichen widerlichen Vorliebe. Meine Meinung: ,,Sechs Jahre später sitzt du auf einem Stuhl und dein Bruder und deine Eltern sind nicht mehr. Ihre Namen, ihre Worte, ihre Gedanken. Die Erinnerung an sie befindet sich an einem verschlossenen Zimmer, vom dem niemand weiß, dass es existiert. Deine Erinnerung ruht dort und auch du ruhst. Ohne Bewusstsein, ohne Gedanken. Du kannst dieses Zimmer nicht betreten, denn du bist in dir selbst gefangen. Dein Bewusstsein ist ein zerbombtes Dorf, aus dem alle Bewohner geflohen sind." S.17 Das Buch ist nicht wie jedes Buch - das sieht man schon an der vom Autor gewünschten altdeutschen Rechtschreibung, den Gedankenstrichen anstatt Gänsefüßchen und der Schreibweise des Autors. Das Buch wird aus drei verschiedenen Sichten oder eher Erzählperspektiven erzählt. Das Geschehen von Mika wird in der Ich-Perspektive, das Geschehen rund um Lucia in der Du-Perspektive und das Geschehen der Jäger in der Sie-Perspektive geschrieben. Das wirkt erfrischend und die kurzen Kapitel machen das Lesen noch angenehmer. Ich bin persönlich ja immer ein Fan kurzer Kapitel. ,,Treten sie einen Schritt zurück und lassen Sie die Polizei ihre Arbeit machen. Auch wenn wir nicht immer sofort ein Ergebnis erzielen, wissen wir, was wir tun. Sie können da in etwas hineingeraten, das Sie nicht mehr kontrollieren können. Überlassen Sie uns die Suche. Ich garantiere Ihnen, keiner von uns wird Ihre Tochter vergessen. -Danke, sagte ich, Das ist beruhigend." S.145 Dies ist nicht mein erstes Buch von Zoran Drvenkar, das war ,,Sag mir, was du siehst" und so kannte ich den leicht abgedrehten aber zugleich völlig literarischen Stil von dem Autor schon. Viele Metaphern nutzt er und zugleich wirken manche Sätze schon poetisch. Total interessant in Kombination mit der beklemmenden Story. ,,Der Winter ist die beste Zeit für die Jagd. Im Winter ist der Mensch in Not, denn die Kälte ist gnadenlos, es gibt nur Schnee und das Eis, und jeden Tag wird ums Überleben gekämpft. Der Winter war schon immer die Zeit des Jägers. " S.219 Wie man den anderen Rezensionen und dem Klappentext schon vielleicht entnehmen kann, geht es hier um Kindesentführung und Pädophile. Das an sich schockiert und ist vielleicht für manche ,,zu viel" in einem Thriller. Auch geht es um Gewalt von Kindern untereinander, die gegenseitig kämpfen und dabei über Leichen gehen müssen. Das Thema ist auf jeden Fall ganz schön erschreckend, allein schon die Schilderung, wie die Jäger die Kinder Nachts im Winter, wenn die Eltern weg sind, kidnappen und keine Spuren hinterlassen. Ich muss auch sagen, dass mir diese Rezension nicht einfach fällt. Ich denke, den Autor muss man einfach ausprobieren. Wenn es einem gefällt, hat man definitiv bei allen seiner Bücher einen großen Thriller-Lesespaß. ,,Die Soldaten ritten in den Wald und dachten, sie würden ein leichtes Spiel haben. Sie konnten nicht wissen, dass die elf Kinder das Sterben ihres Dorfes aus dem Schutz der Bäume heraus beobachtet hatten. Sie konnten auch nicht wissen, dass diese Kinder von klein auf darauf vorbereitet wurden, jedem Feind zu trotzen. Ob Wildschwein oder Wolf, ob Bär oder Mensch." S.306 Fazit: Dieser Thriller haut einen um. Erschreckende Story, hochwertiger Schreibstil, kein 08/15 Kram und viel Spannung - für mich ein Highlight in Sachen Thriller. ,,Sag mir, was du siehst" kann ich ebenfalls weiterempfehlen auch wenn ich ,,Still" noch mal weit aus besser fand.

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Auf dieses Buch bin ich durch eine YouTuberin gestoßen, die einen grandiosen, sogar den besten Thriller überhaupt, versprach. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen und sogar auf einen anfangs gewöhnungsbedürftigen Schreibstil stellte ich mich ein. Ich bekam genau das, was mir versprochen wurde und mehr, ein Meisterwerk! Ich möchte nicht auf den Inhalt eingehen, da ich finde, dass man dieses Buch ganz jungfräulich entdecken sollte, denn auch der Klappentext hält sich hier enorm zurück und verrät außer den groben Zügen, nichts über den Inhalt und genau das sollte so bleiben. Ich kann aber sagen, dass mir persönlich die Thematik bzw. die unterschiedlichen Thematiken in diesem Roman äußerst gut gefallen, ich sie sehr interessant fand und diese so auch nicht erwartet hätte. Die geschaffene Atmosphäre passt ungemein zum Inhalt. Sie ist düster und beklemmend, gleichzeitig ist sie erschreckend und lässt einen schwitzen vor Unsicherheit, vor Respekt, teilweise vor Angst und immer unterschwellig ist das Angespannte und das Ungewisse, welches. Kurz gesagt: Die Atmosphäre ist abgrundtief hammer und unglaublich gut ausgearbeitet. Die Geschichte ist in 3 unterschiedliche Erzählperspektiven gespalten, einmal „Sie“, „Du“ & „Ich“. Für mich war dies das erste mal, dass ich als Leser persönlich, also mit „Du“, angesprochen wurde. Auch wenn man am Anfang keinen Ahnung hat, wer dieses „Du“ ist, wird man in die Rolle eines Opfers gedrängt, aus der man bis zur letzten Seite nicht mehr entfliehen kann, man ist also hautnah dabei. Wer „Sie“ sind, bleibt übrigens ebenfalls unklar. Gerade dieses überschneiden der Perspektiven, die die Geschichte sinnvoll voran gebracht haben und eine grandiose Abwechslung darboten, haben mir unglaublich gut gefallen, denn ich, als ahnungsloser Leser, wurde immer wieder durch diese Erzählweise auf's neue verwirrt und habe mir den Kopf zerbrochen, wer denn nun „Du“ & „Sie“ seien, obwohl ich mir so sicher war, sie endlich entlarvt zu haben. Mindestens genauso umwerfend ist Zoran Drvenkar's Schreibstil. Ja, am Anfang muss man sich kurz dran gewöhnen, aber anschließen wird man von ihm erfasst wie ein Adler der seine Krallen ihn die Haut einer Maus schlägt und sie bis zum bitteren Ende nicht mehr loslässt. Und genau dieses fesselnde ist essenziell für einen wirklich guten Thriller! Außerdem kann dieser Mann mit Worten umgehen, dagegen sind andere Autoren ein Witz. Der Schreibstil, also die Formulieren, die Art & Weise, wie die Worte gewählt werden, die Länge der Sätze, war perfekt passend, teilweise sogar poetisch und hat mir ein unglaublich gutes Gefühl beim Lesen gegeben. Die Geschichte mag zwar gerade die ersten 200 Seiten aus wenig bis gar keiner Action und blutigen Gewaltszenen bestehen, aber dennoch ist die Handlung und das Geschehen so fesselnd, mitreißend, verwirrend und einvernehmend, dass mir auf keiner einzigen Seite langweilig war. Ich bin durch's Buch geflogen wie Aladin auf seinem fliegenden Teppich. Auch, wenn ich an manchen Stellen schon das ein oder andere geahnt habe, so war ich mir nie vollkommen sicher, da mich Zoran Drvenkar gekonnt ausgespielt hat, indem er mich immer weiter durch die simple und einfache Schilderung einer Tatsache in menschliche Abgründe führte, bei denen ich vor Entsetzten am liebsten das Buch zugeklappt hätte. Und glaubt mir, meine Fassungslosigkeit war in meiner Mimik deutlich zu erkennen und mich wirft so schnell nichts aus der Bahn. Alle in allem war dieses Buch genau wie prophezeit: ein Meisterwerk seines Genres. Ohne unnötige Action, Gewalt oder schlechte, vorhersehbare Twists, fesselt dieses Buch seinen Leser auf jeder einzelnen Seite und lässt ihn verwirrt zurück, während er immer weiter in die menschlichen Abgründe geführt wird, um ihn dann mit einem unglaublich intensiven Gefühl einer paradoxen Melancholie zurückzulassen.

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Persönliche Meinung: Der Klappentext sagt alles, was es zu diesem Roman zu sagen gibt. Jedes weitere Wort wäre definitiv zu viel! Die ganze Geschichte ist wirklich heftig. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob ich überhaupt in der Lage bin sie zu lesen. Der Schreibstil ist leicht, flüssig und trotzdem sehr, sehr eindringlich. Es gibt drei Perspektiven. Ich, Du und Sie. Man versteht trotzdem relativ schnell, welcher Gedanke dahinter steckt. "Ein verzweifelter Vater beginnt auf eigene Faust zu ermitteln" wenn man das liest, denkt man direkt, dass man die Geschichte und den Verlauf wahrscheinlich sowieso schon kennt und weiß, wie alles endet, ohne das Buch gelesen zu haben. Doch HIER ist das wirklich nicht der Fall!! In diesem Roman steht der Spannungsbogen bereits nach der ersten Seite ganz oben und bleibt dauerhaft bestehen, weil es keine Stelle gibt, an der es keine Bewegung gibt, Im Gegenteil! Es kommen Wendungen vor, mit denen ich nicht gerechnet habe! "Ein dunkles Meisterwerk" steht auf dem Cover. Diese Aussage würde ich blind unterschreiben. Still ist das dritte Buch, das es dieses Jahr auf meine TOP-Liste 2016 geschafft hat! Ein absolutes Muss für jeden Thriller-Fan!!

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Inhalt: Jedes Jahr in den Wintermonaten werden Kinder entführt und tauchen nie wieder auf. Bislang ist es nur einem Mädchen gelungen, ihren Peinigern zu entkommen, aber Lucia redet seitdem kein einziges Wort, sondern sitzt seit sechs Jahren wie versteinert in einer psychiatrischen Anstalt, starrt mit ausgestreckter Hand aus dem Fenster und scheint auf etwas zu warten. Ein Vater, dessen Tochter ebenfalls auf mysteriöse Weise verschwunden ist, ermittelt auf eigene Faust, legt sich eine neue Identität zu und versucht unter dem Namen Mika Stellar, in den Kreis der Männer aufgenommen zu werden, die er für die Entführung seiner Tochter verantwortlich macht. Vier Männer treffen sich, einer langen und bestialischen Tradition folgend, jeden Winter in einer einsamen Hütte im Wald, um ihren Hunger zu stillen. Mika Stellar setzt alles daran, ihr Vertrauen zu gewinnen, um endlich Rache für den Verlust seiner Tochter zu üben, auch wenn er dabei in die tiefsten Abgründe menschlicher Grausamkeit blicken muss. Meine persönliche Meinung: Was Thriller anbelangt, bin ich wirklich viel gewohnt und eigentlich durch nichts so leicht zu erschüttern, aber mit "Still" hat es Zoran Drvenkar tatsächlich geschafft, selbst mich noch zu schockieren, aber gleichzeitig auch zu faszinieren. Das Buch wird aus drei verschiedenen Erzähl – und Zeitperspektiven erzählt und ist in Kapitel, die mit „Ich“, „Du“ und „Sie“ betitelt sind, untergliedert. „Ich“ wird aus der Perspektive des verzweifelten Vaters erzählt, der sich auf einen Rachefeldzug begibt, um die Entführer seiner Tochter ihrer gerechten Strafe zuzuführen. In den Kapiteln, die mit „Du“ überschrieben sind, erfährt der Leser Stück für Stück, was Lucia, dem Mädchen, das den Entführern entkommen konnte, widerfahren ist, welche unvorstellbar traumatischen Erlebnisse dazu führten, dass sie wie erstarrt am Fenster einer psychiatrischen Anstalt sitzt und worauf sie wartet. Wer „Sie“ sind und von welch unbegreiflichen Beweggründen und Trieben der geheimnisvolle Männerbund geleitet wird, um Kindern solche abscheulichen Dinge anzutun, bleibt lange unklar. Durch den ständigen Perspektivwechsel erhält der Leser nicht nur Einblick in die Gefühle und Gedanken der Opfer, sondern auch in die der Täter. Besonders die Kapitel, die mit „Sie“ überschrieben sind, haben mich teilweise sehr schockiert und bei mir so viel Ekel und Abscheu hervorgerufen, dass ich manchmal geneigt war, das Buch zur Seite zu legen, denn in die Gedankenwelt pädophiler Männer einzutauchen, brachte mich häufig an die Grenzen dessen, was ich ertragen kann, zumal ich ständig im Hinterkopf hatte, dass es tatsächlich Menschen gibt, die beim Missbrauch von Kindern Freude empfinden und sogar noch in der Lage sind, dabei von „Liebe“ zu sprechen. Gleichzeitig gelingt es dem Autor aber auch, die Gefühle und das Leid der Opfer sehr eindrücklich zu schildern, sodass man tief in ihre zerstörten Seelen blicken und all die Trauer, Wut und Verzweiflung nachvollziehen und -fühlen kann. Die Sprache, deren sich Drvenkar bedient, ist schlicht und poetisch zugleich. Mit kurzen, knappen Sätzen erzeugt der Autor eine beklemmende und verstörende Atmosphäre, die den Leser vollkommen in ihren Bann zieht. Er verzichtet nahezu auf blutige Details, aber gerade durch das, was nicht gesagt, sondern nur angedeutet wird, entstehen sehr starke Emotionen, eindrückliche Bilder und eine sehr düstere Stimmung. Drvenkar ist ein wirklicher Meister der Erzählkunst, der es versteht, den Leser mit einem geschickten Perspektivwechsel, gut ausgearbeiteten Charakteren und einer nüchternen und gleichzeitig poetischen Sprache in einen Sog zu ziehen, dem er sich nur schwer entziehen kann. Besonders sympathisch war mir, dass der Autor beharrlich an der alten Rechtschreibung festhält – das gefällt mir. Dass die Dialoge mit Spiegelstrichen statt mit Anführungszeichen gekennzeichnet sind, finde ich persönlich jedoch etwas gewöhnungsbedürftig, aber das ist eine formale Geschmackssache. Sprachlich und erzähltechnisch ist "Still" jedenfalls ein absolutes Meisterwerk, wie man es im Thriller-Genre leider nur sehr selten findet. Allerdings konnte mich der Plot nicht so recht überzeugen, denn auch wenn der Roman mit zahlreichen unvorhersehbaren Wendungen aufwartet, die die Spannung steigern, ist die Story an manchen Stellen ziemlich unglaubwürdig und haarsträubend. Das Ende war zwar schlüssig, aber dennoch enttäuschend, denn ich hätte mir einfach einen anderen Ausgang der Geschichte gewünscht (was zugegebenermaßen recht infantil ist, denn nicht alles endet so, wie man es gerne hätte). Dennoch kann ich Zoran Drvenkars Thriller nur weiterempfehlen, denn er beweist, dass man auch bei einem Genre, das als trivial gilt, von Literatur sprechen kann. Außerdem lässt sich das Buch flüssig lesen und ist durchgehend spannend. Für sensible Gemüter ist es vermutlich nicht geeignet, denn so manchem Leser werden die Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele, die auch bei mir mitunter Abscheu und Entsetzen hervorgerufen haben, vielleicht zu viel sein.

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