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Robert Hültner: Lazare und der tote Mann am Strand

Lazare und der tote Mann am Strand Blick ins Buch

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-442-75660-5

Erschienen:  13.06.2017
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Robert Hültners "Lazare und der tote Mann am Strand" - Ein Frankreichkrimi ohne Postkartenidylle

Von: Simon Sperl Datum : 15.01.2018

zeichentonbild.wordpress.com

Nicht noch ein Frankreich-Krimi mag man denken, wenn einem "Lazare und der tote Mann am Strand" von Autor Robert Hültner in die Hände fällt. Doch der bei Randomhouse erschiene Krimi hat rein gar nichts von einem belanglosem Urlaubskrimi, sondern greift neben aktuellen Themen wie dem Erstarken der Rechtspopulisten und wirtschaflichen Veränderungen auch die deutsch-französisch Vergangenheit auf.
Zwei Morde, viele Verstrickungen

Ein junger Mann liegt tot am Strand von Sète, einer kleinen französischen Hafenstadt am Mittelmeer, und obwohl die örtliche Polizei diesen Mord für einen Routinefall hält, wird Commissaire Lazare hinzugezogen. Da der junge Pablo Fernandez ein Gitan ist, wie man Sinti und Roma in Frankreich nennt, und diese in Sète höchstens toleriert aber alles andere als gut behandelt werden, vermutet der Commissaire einen rassistischen Hintergrund. Lazare, der sonst in Montpellier arbeitet, stammt aus der Region und kümmert sich immer wieder um seinen hochbetagten und mittlerweile renitenten Onkel Jules. Er begibt sich auf die Spurensuche und ist dabei wenig zimperlich, hat er doch einen größeren Auftrag - der jedoch erst im weiteren Verlauf des Krimis an Klarheit gewinnt. Auch im Fall eines geflohenen Polizistinnenmörders aus Bayern greift Lazare in die Ermittlungen ein und versucht, nebenbei diesen Fall ebenfalls zu klären.

Fast zeitgleich kommt es in einem kleinen Ort in den Cevennen zu einem weiteren Mord - und dann noch einem: Hier ist es jedoch ein Bauer, der tot auf einer Weide aufgefunden wird. Scheint hier lange Zeit kein Zusammenhang zwischen beiden Morden zu bestehen, kristallisiert das Gegenteil heraus. Und auch hier muss Lazare all sein Können unter Beweis stellen. Denn die Bergbewohner und auch der eigentlich ermittelnde Kommissar sind ein schwieriger Menschenschlag, wie auch Lazares Onkel Siset. Der mit seinen 90 Jahren zwar altersstar ist, aber keinen Deut von seinen linken Ansichten abweicht.

Viele Fälle und ein Bild von Frankreich

Bevor Robert Hültner nun mit "Lazare und der tote Mann am Strand" auf die Literaturbildfläche zurückkehrte, erlangte über Bekanntschaft mit seiner Reihe um Inspektor Katejan, der aber vor vier Jahren ein Ende fand. Nun also Frankreich: Anders als es bei vielen anderen Frankreich-Krimis der Fall ist, ist dies kein Urlaubskrimi, der Kulinarisches in den Vordergrund stellt. Das würde diesen Krimi tatsächlich auch nicht gut zu Gesicht stehen.

Narcisco Lazare ist in seiner Figur als Commandant de Police und in seinem Rang als Offizier dominant, Befehle zu erteilen, ist für ihn ganz natürlich. Dabei agiert er zwar autoritär, aber nicht unsympathisch. Gleichzeitig hinterfragt er sich und die Ermittlungen ständig, sucht die Widersprüche - von denen Hültner einige im Werk untergebracht. Zahlreich sind ebenfalls die Themen: Angefangen von der Alltagsdiskriminierung der Sinti und Roma, dem Erstarken des Front National mit all seinen Folgen und noch dazu der deutsch-französischen Geschichte mit ihren Auswirkungen auf die Gegenwart. Dabei beident sich Hültner einer unaufdringlichen, aber zugleich pointierten Sprache. Ruhig und gelassen wird man als Leser (und Leserin) durch den Krimi geführt. All das ist keine leichte Kost, aber wunderbar be- und geschrieben. An den richtigen Stellen mit der nötigen Portion Ironie versehen. Mit der nötigen Zeit, denn die benötigt man aufgrund der Vielzahl an Personen udn Handlungssträngen, kommt man den Zusammenhängen auf die Spur und erhält ganz nebenbei ein sehr genaues Bild vom heutigen Frankreich.

Ein gelungener Serienauftakt

Von: Bücherserien.de Datum : 04.10.2017

www.buecherserien.de/rezension-robert-hueltner-lazare-und-der-tote-mann-am-strand/

„Lazare und der tote Mann am Strand“ ist der erste Teil einer neuen Krimireihe von Robert Hültner, die in Frankreich spielt.

Um was geht es in Robert Hültners „Lazare und der tote Mann am Strand“?

Ein toter Zigeuner am Strand: Das ist eigentlich kein besonders ungewöhnliches Ereignis im südfranzösischen Sète, wo man Probleme mit den Gitanes gewohnt ist. Vor allem, weil es auch ein Unfall gewesen sein könnte – kein Wunder also, dass bei der hiesigen Polizei keine große Freude aufkommt, als Kommissar Lazare von der Kripo Montpellier hinzugezogen wird.

Der glaubt an einen Mord aus rassistischen Motiven, zumal es bald darauf weitere Tote gibt. Der Kommissar wird in ein gewaltiges Komplott verwickelt. Ob Gitanes, Rechtsextreme, Konzerne oder gar die Polizei: Jeder hat hier Dreck am Stecken, und der Kommissar ist fest entschlossen, sich darum zu kümmern …

Robert Hültner liefert mit „Lazare und der tote Mann am Strand“ einen sehr aktuellen, politischen Kriminalroman ab, der sich komplexen Themen widmet. Es sind derer vielleicht sogar ein bisschen zu viel auf den weniger als 400 Seiten, in denen der deutsche Schriftsteller seine Geschichte in immerhin über 80 knackig-kurzen Kapiteln erzählt. Es ist nicht leicht, in einem einzigen Roman – der ja immer auch Krimi bleiben soll – die Front National, das „Zigeuner-Problem“, ein millionenschweres Bauprojekt, Zwangsprostitution, organisierte Kriminalität und schließlich noch die Intrigen und Verflechtungen in der südfranzösischen Region abzuhandeln.

Darum verlangt „Lazare und der tote Mann am Strand“ einiges an Aufmerksamkeit von seinen Lesern. Robert Hültner hat keinen gemütlichen „Whodunnit“ verfasst, sondern einen spannenden Roman, den er in zügigem Tempo vorantreibt. Die Hauptfigur weist gewisse Ähnlichkeiten auf mit Hültners bekanntesten Ermittler, Inspektor Kajetan, doch ist er in „Lazare und der tote Mann am Strand“ noch zu wenig konturiert, um tatsächlich mit diesem verglichen werden zu können. Ein Einzelgänger aber ist auch Kommissar Lazare, ein Skeptiker gleichermaßen. Er ist einer, der den Kollegen über den Mund fährt und auch mit Zeugen nicht eben zimperlich umgeht. Seine Gründe dafür bleiben noch etwas im Dunkeln. Es bleibt spannend zu sehen, was Robert Hültner mit diesem Kommissar in Zukunft noch vorhat.

Mein Fazit zu dem Roman „Lazare und der tote Mann am Strand“:
„Lazare und der tote Mann am Strand“ ist der Auftakt zu einer neuen Reihe, die der Schriftsteller nach längerer Abstinenz vom Kriminalroman wieder an den Schreibtisch brachte. Zum Glück des Lesers, muss man sagen, denn trotz des äußerst verwickelten und nicht ganz einfach zu durchschauenden Plots, der mehrere Fälle gleichzeitig behandelt, ist „Lazare und der tote Mann am Strand“ ein sehr guter Kriminalroman.

Robert Hültner schildert ein Südfrankreich abseits schöner Landschaftsbilder, auch wenn das Cover anderes suggeriert. Sein Roman ist ein Lokalkrimi ohne ausufernde Landschaftsbeschreibungen, der aber sehr gelungen die Mentalität der Bevölkerung einfängt. Dass sich Hültner in „Lazare und der tote Mann am Strand“ gleich so vielen Themen auf einmal widmet, sei ihm verziehen: Er tut es mit so viel erzählerischem Können und solcher kriminalistischer Präzision, dass der Roman viel Lust auf die neue Krimireihe macht.

Ein Niveau, das seinesgleichen sucht!

Von: Elke Heid-Paulus Datum : 31.08.2017

www.lovelybooks.de/mitglied/Havers/rezensionen/

Robert Hültner, Krimilesern bestens bekannt durch seine mehrfach ausgezeichneten Inspektor-Kajetan-Romane, hat mit seinem neuesten Roman „Lazare und der tote Mann am Strand“ zwar nicht das Genre, aber sowohl die Hauptfigur als auch Region gewechselt. Südfrankreich an Stelle von Bayern - aber keine Angst, den Leser erwartet keiner dieser üblichen Urlaubskrimis, die sich mehr um Land, Leute und Kulinarik als um einen ausfeilten Plot kümmern. Doch dafür ist Hültner viel zu politisch, als dass er in diese Falle tappen würde.

Narciso Lazare, der Commissaire aus Montpellier, ermittelt in Sète, der Hafenstadt im französischen Midi und der umliegenden Region. Vordergründig zur Verstärkung entsandt, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen. Diese sind etwas konsterniert, denn ein ertrunkener Roma erfordert ihrer Meinung nach nicht den Einsatz der Kavallerie. Kommt in dieser Gegend öfter vor, ist halt Routine. In Wirklichkeit ist Lazare aber einer viel größeren Sache auf der Spur, und dort eingesetzt, weil er die Gegend wie seine Westentasche kennt. Glücklicherweise ist er für Ermittlungen vor Ort, denn der tote Gitan wird nicht die einzige Leiche bleiben.

Wie so oft geht es um Geld, um Besitz, aber auch um rechtspopulistische Umtriebe, um Fremdenfeindlichkeit, Prostitution, um politisch höchst Brisantes aus der jüngsten deutsch-französischen Vergangenheit und Gegenwart. Jedenfalls sind die örtlichen Saubermänner eifrig bemüht, ihre schmutzigen Geheimnisse für sich zu behalten, denn sie wollen mit aller Macht verhindern, dass ihre betrügerischen Mauscheleien publik werden.

Verpackt in eine spannende Story und mit Blick fürs Detail zeigt uns Robert Hültner anhand dieser südfranzösischen Region, welchen Einfluss scheinbar kleine Veränderungen auf eine Gesellschaft nehmen. Dazu gehören neben den politischen natürlich auch die ökonomischen Faktoren, die sich auf den direkten Umgang der Menschen mit- und gegeneinander auswirken. Und das nicht nur in Frankreich, sondern ebenso bei uns. Der Autor beobachtet genau, was sich nicht nur in seinen Milieuschilderungen sondern auch in seinen Personencharakterisierungen zeigt. Sachlich exakt, oft ironisch und sprachlich immer sehr elegant – Hültner schreibt auf einem Niveau, das seinesgleichen sucht. Ein stimmiger, fein komponierter Kriminalroman, dem ich viele Leser wünsche!

Mit Ecken und Kanten in Form und Inhalt

Von: Michael Lehmann-Pape Datum : 04.07.2017

www.rezensions-seite.de

Wie die dahingeworfene „Gitan“ Wohnsiedlung hinter dem Fundort der Leiche, wie in den dunklen Gassen und mancherorts ebenso dunklen Diskotheken und Clubs, so lässt Hültner im neuen Fall seines Kommissars Lazare auch bei den handelnden Personen keineswegs die „dunklen Ecken“, die Unfreundlichkeiten, die Rivalitäten aus.

Ein eleganter Sympathieträger, dem alles leicht von der Hand zu gehen scheint, das ist Lazare wahrlich nicht. Dem manchmal, wie in der Berghütte mit dem starrsinnigen Alten, nicht die richtigen Worte findet, der selber Ecken und Kanten hat, der aber auch keine Zurückhaltung kennt, sich die Finger selbst schmutzig zu machen, wenn es den Ermittlungen dient.

Da passt sogar das gewählte Fahrzeug zu diesem Kommissar wie die Faust aufs Auge.

Schon zu Anfang derselben, als er alleine mitten im Gitan-Gebiet steht, wohlwissend, dass ein kleiner Wink des alten Anführers dort dafür sorgen würde, dass seine Leiche nie entdeckt werden würde, führt den Leser bestens ein in die dunkle, gefährliche Atmosphäre der „Rückseite“ jener Touristengegend um Sete und Montpellier.

Nicht umsonst gilt eigentlich die strikte Anordnung, dass kein Polizist alleine dieses Gebiet betreten soll. Denn die Bewohner hatten und haben keinen Respekt vor Uniformen, eher im Gegenteil.

„Zerbrechen sie sich nicht den darüber den Kopf, was uns interessieren sollte, Monsieur le commisaire. Gehen sie jetzt, sonst kann ich nicht für ihren Schutz garantieren“.

Ein Lazare aber lässt sich nicht abschütteln, auch wenn der Fall ein immer größeres Ausmaß annimmt und wie ein Sumpf von allen Seiten droht, ihn hinunter zu zerren.

„Sie gehören einfach nicht hierher. Sie stinken, sie schleimen rum, graben unsere Mädchen an, sie klauen, sie…:“
Was alles durchaus zutrifft. Was aber nicht davon ablenken sollte, dass in diesem düsteren Szenario noch ganz andere Kräfte mitmischen und nicht jede als Saubermann erscheinende Person nicht auch Dreck am Stecken haben könnte.

Das Lazare überhaupt zu den Ermittlungen abgeordnet wurde, auch das wird zu Beginn des Romans deutlich, hat Gründe. Die im Dunklen liegen, die aber im Lauf der Ereignisse für Tempo und Gefahr sorgen werden. Auch wenn er dabei internationale Polizeibehörden hinhalten wird und mehr und mehr alleine seine Ermittlungen vorantreibt.

Und ganz abseits dieser offiziellen Ermittlungen wird im Hinterland ebenfalls eine grauenhaft zugerichtete Leiche gefunden. Und schnell zeigt sich, dass der Weisezaun nicht mit dem üblichen Niederstrom „geladen“ war, sondern „unter vollem Saft“ stand.

Was zunächst überhaupt nicht in den eigentlichen Fall zu passen scheint und doch verbunden sein wird. Wobei allein schon die direkte und klare Schilderung Hültners, der bei der Beschreibung von Leichen und Todesursachen kein Blatt vor den Mund nimmt, den Leser unmittelbar mitten hinein in all diese Ereignisse nimmt.

Überraschende Wendungen, zunächst viele Fragezeichen, eine klare, direkte Sprache und eine in Teilen gut getroffene, schmierig zu nennende Atmosphäre bilden insgesamt eine spannende Lektüre mit einem etwas anderen Ermittler.