Leserstimmen zu
Der Turm der Ketzerin

Deana Zinßmeister

Die Hugenotten (2)

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Spannende Reise in die Zeit der Glaubenskriege

Von: Jess_Ne aus Essen

10.02.2018

Ich muss zugeben, dass ich zu Beginn nur relativ schwer einen Draht zur Geschichte entwickeln konnte. Als Leser fühlte ich eine relativ große Distanz zu den Charakteren, besonders zu Pierre, auf den der Roman sich hauptsächlich fokussiert. Für mich haben dies die vielen anderen Charaktere aber mehr als wett gemacht, besonders mit den weiblichen Figuren wie Magali und Florence habe ich oft mitgefiebert und mitgelitten.Die Erzählung lässt sich troz Startschwierigkeiten angenehm lesen und nach einigen Kapitel konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen und wollte unbedingt wissen, wie das ganze für Pierre und Co. ausgeht. Der angenehme Schreibstil und die detaillierten Beschreibungen zeichnen ein lebendiges Bild des spätmittelalterlichen Frankreichs und der verheerenden Glaubenskriege. Es handelt sich hier um einen fundierten, historischen (Liebes-) Roman, den ich sehr gerne gelesen habe und fast etwas traurig zurückblieb, als ich die letzte Seite aufgeschlagen hatte.Man kann diesen Band unabhängig vom Vorgänger 'Das Lied der Hugenotten' lesen. Allgemein würde ich denjenigen, die sich für gut recherchierte historische Romane mit einer guten Liebesgeschichte interessieren dennoch empfehlen, zunächst Band 1 zu lesen, da dieser die Vorgeschichte zu 'Der Turm der Ketzerin' enthält

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In diesem zweiten Teil der Hugenottenreihe tauchen wir tiefer in den damaligen Glauben der Hugenotten ein und lernen ihre Gebräuche und Ansichten kennen. Immer noch müssen die Figuren mit den schrecklichen Ereignissen der Bartholomäusnacht zurechtzukommen und trotz widriger Umstände versuchen, ein Auskommen zu haben und eine Familie zu gründen. Wie immer bleibt die Autorin sehr dicht an ihren Protagonisten, hautnah erleben wir ihre Beweggründe und Entscheidungen, die nicht einfach zu verkraften sind. Jacon, den wir schon aus „Das Lied der Hugenotten“ kennen, will sich endlich zu seinem Glauben bekennen und seine Kinder Magali und Pierre nicht mehr katholisch erziehen. Beide sind längst erwachsen. Zu Beginn des Romans wartet Pierre in La Rochelle auf Florence, in die er sich verliebt hat. Bald wird er enttäuscht, doch er gibt nicht auf. Magali, als Frau des Glasbläsers Olivier, kämpft um ihr Recht auf Anerkennung. Anhand einiger Schicksale mehr, erleben wir die Wirren des 16. Jahrhundert. Doch dann spitzen sich die Ereignisse zu und Florence, wird als Ketzerin in einem Turm verbannt, in den sie mit einem Seil um den Leib hochgezogen wird. Kann ihr Liebster das Lösegeld aufbringen, um sie zu befreien? Hochspannend bis zur letzten Seite, historisch fundiert und detailgenau beweist Deana Zinßmeister erneut, was große Erzählkunst ist.

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Mich hat der flüssige, bildhaft beschreibende und gut zu verfolgende Schreibstil wunderbar durch das Buch getragen. Die Darstellung von alltäglichem Leben, Informationen über das Glasmachen, die düstere und tragische Einkerkerung von Frauen wegen ihres Glaubens ist der Autorin gut gelungen und sie sorgen für unterhaltsame Lesezeit. Ich war bis zum Schluss gefesselt und wollte sehen, wie es meinen Lieblingscharakteren ergeht. Natürlich spielen hier die Gegensätze von Guten und Bösen eine große Rolle und lassen den Spannungsbogen auch kontinuierlich steigen. Besonders die Informationen über die bescheiden lebenden Calvinisten haben mich sehr interessiert. Ihr Leben wird anders als bei den Katholiken ohne Prunk gelebt, sie halten sich an viele Regeln, sind in schlichte schwarze Gewänder gekleidet und verzichten auf Feste, Wein und Wohlstandsannehmlichkeiten. Wie es um die eingekerkerten Hugenottenfrauen im Ketzerturm bestellt ist, erfährt man anschaulich erzählt. Die Frauen mussten ohne Sonnenlicht und schlechter Versorgung mit ihren Kindern im Halbdunkel vor sich hinvegetieren. Diese Schicksale berühren und stellen in Frage, ob die Katholiken wirklich christliche Grundsätze gelebt haben. Der Turm der Ketzerin hat mich von Beginn an mitgerissen und ich konnte tief eintauchen in diese Zeit. Auch die beschriebenen Schauplätze in Paris, La Rochelle und Aigues-Mortes erscheinen lebendig, anschaulich und wirken glaubwürdig. Man wird beim Lesen Teil der Handlung und ist überall bildhaft mit dabei. Auch die emotionale Ebene kommt nicht zu kurz, hier wird die Liebe in feinen Tönen skizziert und nicht in derben Szenen gezeigt wie so oft in mittelalterlichen Romanen. Über besondere Themen wie das Glasmachen, die Salzgewinnung und die theologischen Dispute bringt Deana Zinßmeister nähere Informationen an ihre Leser, ohne sich darin zu verlieren. Die Menge ist angenehm wohltuend und man bekommt auch historisch einige Fakten an die Hand, wird aber nicht von Informationen erschlagen. Dem Buch vorangestellt ist ein Personenregister, das die Figuren den Orten zuordnet und an dem man sich bei Namensproblemen gut orientieren kann. So etwas hilft beim Lesen immer sehr. Im Anhang findet sich ein Nachwort der Autorin mit historischen Ergänzungen. Mich hat der Roman begeistert und mitgerissen und ich bin gespannt auf den dritten Teil der Reihe. Ein anschauliches Buch über die Glaubenskriege in Frankeich und ein spannender Schmöker für alle Historienleser.

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