Leserstimmen zu
Ich war Hitlers Trauzeuge

Peter Keglevic

(0)
(3)
(0)
(0)
(0)
€ 10,00 [D] inkl. MwSt. | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empf. VK-Preis)

Die Beschreibung „Ein rasanter Schelmenroman“ (Der Tagesspiegel) bringt es auf den Punkt – ein Buch, das dieses Etikett tatsächlich zu Recht trägt! Es liest sich wie eine irrwitzige Fahrt in der Achterbahn auf dem Jahrmarkt. Man weiß nicht genau, welcher Wahnsinn einen nach der nächsten Ecke oder Kurve erwartet. Geht es weiter bergauf oder urplötzlich wieder – man weiß ja, dass es auch mal kommen muss – doch bergab? Natürlich kommt bei einem Schelmenroman grundsätzlich das aberwitzige Quäntchen Glück hinzu, das meist in unrealistischer Häufung auftritt – so auch hier. Oder wie heißt es bei Wikipedia zur Begriffserläuterung so schön und treffend: „Der Held hat keinen Einfluss auf die Geschehnisse um ihn herum, schafft es aber immer wieder, sich aus allen brenzligen Situationen zu retten. “ Richtig! So ergeht es auch Harry. Er hat keine Ahnung, was ihm ständig so rasant widerfährt, aber er hat unfassbar viel Chuzpe. Harry Freudenthal, wie der Protagonist hieß, bevor er verschiedenste Namen annahm, um vor den Nazis versteckt und unerkannt zu bleiben, hat so unverschämt viel Glück, dass man manchmal schon nur noch genervt kichernd die Augen gen Himmel verdrehen kann, so unrealistisch ist das. Aber natürlich wirkt die Story nur so: durch Überzeichnung. Wer seinen Roman schon „Ich war Hitlers Trauzeuge“ betitelt, will provozieren. Das ist klar. Peter Keglevic ist ein in Österreich geborener Regisseur, der schon einiges an Preisen abgesahnt hat, so den renommierten Grimme-Preis, aber auch den Deutschen Fernsehpreis. Mit diesem Roman legt er sein erstes Buch vor – und hat dafür aber auch gebührend lange gearbeitet und recherchiert: angeblich seit über 20 Jahren. So dick aufgetragen die Geschichte an manchen Stellen auch ist (Harrys Vater, ein jüdischer Zahnarzt, muss eines Tages, mitten im Zweiten Weltkrieg, aufgrund hanebüchenster Verwirrungen und Zufälle Hitler behandeln, der unter scheußlichen Zahnschmerzen leidet. Seine Familie kann nicht fassen, dass er, statt dem Führer die Todesspritze zu verpassen, ihn tatsächlich effektiv behandelt und anschließend wieder nach Hause trottet! Wie viele Chancen hat man in seinem Leben für so eine weltbewegende Aktion?!), sie geht ins Detail und man merkt ihr vom ersten Moment an, dass da ein tatsächliches, fundiertes Wissen vorhanden sein muss, sonst könnte der Autor nicht so fabulieren. Harry Freudenthal hat in seiner Kindheit bereits ein prägendes Erlebnis mit Hitler, als er mit seinen Eltern in der Nähe des Obersalzbergs Urlaub macht und dort Hitler sieht bei einem riesigen Menschenauflauf. Er sieht den Führer, dieser sieht ihn …: „[…] – und noch immer verfolgte mich Herr Hitler mit seinem Blick. Ein unsichtbares Band. Etwas hielt uns zusammen. Etwas kettete uns aneinander.“ Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Harry Dinge erlebt, die ihm irgendwann später auf wundersame Weise Türen und Tore öffneten oder ihm schlicht und ergreifend das Leben retteten. Der Hauptstrang der Story beginnt, als Harry mit ein paar Leuten Ende März 1945 getarnt als Pilgergruppe auf der Flucht ist. Er verliert die anderen unterwegs und wird plötzlich aufgegabelt von den Nazis, die ihm sicherlich sein Lebenslichtlein ausgepustet hätten, wäre nicht wieder eins zum anderen gekommen: Hier nun eben Leni Riefenstahl. Die Reichsfilmregisseurin kommt, als Harry schon hört, wie der Schlitten der Pistole des Hauptsturmführers Ehrlinger zurückgezogen wird … die Kugel ist für ihn bestimmt, doch das Schicksal hat andere Pläne. Ehrlinger schiebt in der Eile, um die wunderbare Frau Riefenstahl zu sehen, den störenden Harry vor sich her auf den Hof, Riefenstahl sieht Harry – und beschließt: „Solche wie ihn brauche ich.“ Sie will nämlich einen Durchhaltefilm drehen, etwas, was den Mutlosen Mut macht. Harry oder Paul Renner, wie er sich zu diesem Zeitpunkt bereits nennt, ist einigermaßen drahtig – so einen Kerl braucht sie für den Film. „Wir laufen für den Führer“ – die Läufer müssen von Berchtesgarden nach Berlin laufen. Und Leni wird filmen. Und der Gipfel: Frau Riefenstahl erkennt Harry wieder! Er spielte nämlich schon mal bei einem Film von ihr mit, in einer Mini-Rolle, wo er ebenfalls lief. „Olympia, Marathonlauf. Kilometer 35.“, knallt sie ihm entgegen. Eine Frau mit fotografischem Gedächtnis! Wieder ist Harry das Glück hold – aus dem Nichts heraus rutscht er in die einigermaßen komfortable Situation, für Leni Riefenstahl laufen zu dürfen – eindeutig besser, als erschossen zu werden. Abstruse Dinge widerfahren Harry auf seinem langen Lauf – doch immer, das wissen wir ja, entkommt er um Haaresbreite dem Schicksal, dem viele seiner Weggenossen nicht entgehen. Das ermüdet auf 572 Seiten erstaunlich selten, auch wenn es manchmal so abstrus wird (Ja, am Ende landet er mit Eva Braun – wen wundert’s – natürlich noch im Bett.), dass man nur noch den Kopf schütteln kann. Aufhören zu lesen wollte ich eigentlich nie, trotz der vielen Seiten, denn Harry erzählt unterhaltsam und hat für den Leser ein großes Wissen mit im Gepäck – und immer wieder muss man sich an der Nase fassen und sagen: Es ist nur ein Roman! Denn so überdreht und fantasievoll die Story um Harry Freudenthal sein mag, das Drumherum, das er erlebt, beobachtet und beschreibt – der Niedergang der deutschen Städte, wie sie bombardiert wurden, wie die letzte Hoffnung der letzten Nazis allmählich schwand und wie die ganze verlogene Gesellschaft sich dennoch noch aufrecht hielt – all das sind Fakten. Sie sind klug und feinsinnig verwoben mit dem erfundenen Wahnsinn, sodass ein unwiderstehliches Zusammenspiel entsteht, das den Leser zu faszinieren vermag! „Ich war Hitlers Trauzeuge“ von Peter Keglevic erschien bereits 2017 im Albrecht Knaus Verlag, München und 2019 im Penguin Verlag (vorliegende Ausgabe) als Taschenbuch. Weitere Informationen zum Buch über Klick auf das im Beitrag abgebildete Cover oder auf der Verlagsseite.

Lesen Sie weiter

"Ein rasanter Schelmenroman", das steht auf der Rückseite der Taschenbuchausgabe dieses Buches. Wir schreiben April des Jahres 1945 und lernen Harry Freudenthal kennen. Ein untergetauchter Jude im naziinfizierten Deutschland. Ein Jude, der besonders eines gut kann: Laufen! Und so läuft er von Berchtesgaden aus um sein Leben, nachdem die Reichsfilmregisseurin Leni Riefenstahl ihn vor dem sicheren Tod rettet. Das Ziel: Berlin. Den der Sieger des Geburtstagslaufs für Adolf Hitler, soll diesem am Ende die Hand schütteln. "Ein rasanter Schelmenroman". Damit habe ich beim Anfragen dieses Buches überhaupt nicht gerechnet (Wobei ich nicht wirklich weiß, womit ich eigentlich gerechnet habe). Irgendwie hat mich das Buch angesprochen und meine nicht vorhandene Erwartung hat mich absolut nicht enttäuscht. Dieses Buch ist nicht immer besonders spannend. Deutschland geht unter und ein paar Männer rennen los, um den Mann zum Geburtstag zu ehren, der für Abermillionen Gräueltaten verantwortlich ist. Allein hierin zeigen sich schon der Sarkasmus und die Ironie der Geschichte. Harry Freudenthal ist eine sehr interessant gezeichnete Figur. Ein Lebensflüchtling, der nie wirklich sicher ist, immer auf der Flucht und der niemandem wirklich trauen kann, der es aber doch immer wieder schafft, auf groteske Weisen zu entkommen. Fast wie ein Till Eulenspiegel des Dritten Reichs. Gleichzeitig wurde Harry immer verschwommener und ich hatte manchmal meine Schwierigkeiten, ihm zu glauben, was jedoch unbedingt zur Geschichte passte. Keglevic´s Schreibstil war nicht immer besonders spannend. Im Großen und Ganzen verfolgt der Leser einfach nur den Lauf. Allerdings werden immer wieder Einschübe aus Harrys Vergangenheit eingebracht und besonders diese waren es, die mich faszinieren konnten. Da habe ich dem Autor die ein oder andere Länge leicht verziehen. Ich kann nicht anders, als diesen Roman weiterzuempfehlen. Jeder Leser muss jedoch mit sich selbst abmachen, ob er mit der Art und Weise klarkommt, wie die Umstände in Deutschland in dieser Zeit manchmal ins Lächerliche gezogen werden. Trotzdem geht das hier geschilderte Grauen doch unter die Haut und wird lediglich mit einer Satire verbunden, die die vorantreibenden, die im Dritte Reich das Sagen hatten ja eigentlich gut zeichnet. Ein Haufen grausamer Vollidioten, wenn ich das so offen sagen darf. Keglevic zeigt in diesem Roman aber auch, dass auch die Opfer nicht unfehlbar sind. Sie sind Menschen, die im Leben Fehler begangen haben oder immer noch begehen. Sie werden hier nicht idealisiert, verlieren aber gleichzeitig nicht ihre Rolle, die sie leider in diesem Buch haben und in der realen Vergangenheit tatsächlich hatten. Mr. Wikipedia hat mich während der Lektüre oft begleitet, da ich einige historische Personen gefunden habe, über die ich mehr wissen wollte. Der Autor spannt Fiktion also um die damals herrschende Realität, was die Geschichte noch eindrücklicher machte. Ich weiß, dass einige Leser es nicht mögen, wenn Frauenfiguren in Büchern sexualisiert werden. Hier ist dies meiner Meinung der Fall und besonders die Mitglieder des BDM. Ich bin davon zwar auch kein großer Fan, allerdings stört es mich auch nicht besonders, sofern dieser Missstand in Büchern und nicht in der Realität stattfindet. Im Allgemeinen habe ich dieses Buch gerne gelesen. Manchmal mit Schrecken, manchmal mit einem Augenzwinkern. Daher kann ich es unter den oben genannten Vorbehalten weiterempfehlen. In diesem Sinne: Lauffreudiges Lesen!

Lesen Sie weiter

Bitterböse, tieftraurig, voll makabrer Komik und schwarzem Humor – mit „Ich war Hitlers Trauzeuge“ hat Peter Keglevic einen Roman mit ungewöhnlicher Perspektive über die Endphase des Zweiten Weltkriegs, über Endsiegglauben, Untergangsstimmung und das Überleben seiner Hauptfigur Harry gegen alle Wahrscheinlichkeit geschrieben. Denn Harry Freudenthal, jüngster Sohn einer Berliner Zahnarztfamilie, wäre als Jude im April 1945 eigentlich wie schon all die Jahre zuvor ein Todgeweihter. Jahrelang lebte er als Untergetauchter, mit falschen Papieren, auf einer Odyssee kreuz und quer durch Europa. Er ist der einzige, der übrig ist von seiner Familie, die sich so mit Deutschland identifiziert hatte, dass die meisten von ihnen bis zuletzt nicht wahrhaben wollten, dass ihre Heimat sie nicht nur ausgestoßen hatte, sondern ihren Tod wollte – Eisernes Kreuz aus dem Ersten Weltkrieg hin, tiefe Verwurzelung in der deutschen Musik und Literatur her. Wieder einmal ist Harry den Häschern im letzten Moment entkommen, aus Wien geflohen und mit einer Pilgergruppe unterwegs zum Jakobsweg. Doch dann wird er erst festgenommen und dann als Läufer für den „Tausender Lauf“ rekrutiert – zum Geburtstag Hitlers sollen die Läufer nach tausend Kilometer Strecke in Berlin eintreffen und der Sieger dem deutschen Diktator persönlich gratulieren können. Harry, der jahrelang um sein Leben lief, tritt nun unter seinem falschen Namen Paul Renner zum Lauf seines Lebens an. Keglevic hätte zu Endzeit-Dramatik greifen können, aber er entschied sich für schwarzen Humor, eine Art Schelmenroman in den Ruinen dessen, was vom Deutschen Reich im letzten Kriegsmonat noch übrig ist. Eine Schar von Läufern, die ständig schrumpft, angetrieben von der resoluten Hilde, einer Mädelscharführerin, dokumentiert von einem Reporter des „Völkischen Beobachters“ und der Reichsfilmregisseurin Leni Riefenstahl. An jeder Etappe gibt es Durchhalteparolen, und Bürgermeister und Parteibonzen sprechen voll Pathos vom Endsieg. Doch nicht nur Harry weiß, das Ende steht bevor. Immer wieder muss die Etappenroute geändert werden – Luftangriffe haben die Städte zerstört, in denen die Läufer eigentlich triumphal einlaufen sollten. Die Amerikaner nahen von hinten, die Rote Armee vom Osten und schnell wird klar, dass die Läufer nicht so schnell sein können wie der Vormarsch der Alliierten. Dass der Lauf dann doch noch bis Berlin führt, hat viel mit einem abgeschossenen amerikanischen Fallschirmspringer zu tunn, mit der Wettleidenschaft von General Patton und einer Eigendynamik, die zwar zalhreiche Umwege und Verwirrungen garantiert, aber Harry immer näher in die Höhle des Löwen bringt. Warum setzt er sich nicht ab wie viele andere der Läufer? Sucht Sicherheit bei den amerikanischen Truppen, gibt sich als Verfolgter des Nazi-Regimes zu erkennen? Ist es nur das Lächeln eines BDM-Mädchens, dass ihr verzaubert hat? Die wiederkehrenden Träume, in denen seine toten Angehörigen ihn mahnen, ihren Auftrag zu erfüllen? Und welches Vermächtnis haben sie ihm hinterlassen? Auf fast 600 Buchseiten entwickelt sich die Geschichte Harrys und seines Lebenslaufs, mit makaber- absurden, schrecklichen, gelegentlich urkomischen Situationen, mit Rückblicken auf Flucht und Überlebenskampf der vorangegangenen Jahre, auf menschliche Größe und Niedertracht. Als Leser fiebert man mit Harry und blickt auf die letzten Tage des Dritten Reiches aus einer ganz neuen Perspektive. Das Lachen bleibt dabei oft in der Kehle stecken. Ein Buch, das viele Leser verdient.

Lesen Sie weiter