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Leserstimmen (5)

Peter Keglevic: Ich war Hitlers Trauzeuge

Ich war Hitlers Trauzeuge Blick ins Buch

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-8135-0727-0

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Erschienen: 18.09.2017
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Laufen für den Führer

Von: Andrea Karminrot Datum : 09.10.2017

karminrot-lesezimmer.blogspot.de

1000 km, mussten gelaufen werden, damit am Ende der Sieger, Adolf Hitler den Geburtstagsgruß überreichen durfte. Quer durchs Reich ging dieser Lauf. Täglich liefen die Athleten um die 50 km. In den “guten” Zeiten, liefen sehr viele Sportler mit. (Gab es einen solchen Lauf wirklich? Ich fand nichts heraus) Auch, als schon alles verloren schien. 1944 startete noch einmal ein Trupp von über 70 Mann. Nur Vier von ihnen waren echte Athleten. Die Anderen, zusammengesucht, entbehrlich, was der Krieg und die Verteidigung des Landes zuließ. Unter ihnen, Harry. Ein Jude, der sich bisher, als “U Boot”, vor den Narzis verstecken konnte. Einkassiert, als er mit Anderen, versteckt Lebenden, gerade das Land verlassen wollte. Die Anderen, hatten kein so großes Glück an dieser Laufveranstaltung teilzunehmen. Sie würden, ohne Federlesen, einfach erschossen werden. Leni Riefenstahl, persönlich, schob den 23 jährigen in die Mitläufer, damit genügend Männer auf ihrem Film, den sie über den Lauf drehen wollte, dabei sind.

Harry Freudenthal, ist der Erzähler und er hat einen trockenen Humor, sehr trocken! Dass er wieder in seiner Heimatstadt Berlin laufen soll, erschreckt ihn eher weniger. Obwohl, er viel lieber aus dem Reich verschwinden wollte. Er versorgt sich mit der “besten” Kleidung aus einem Kleiderstapel, der den “einkassierten” Läufern zur Verfügung gestellt wird. Er sucht sich ein paar derbe Bergschuhe heraus und vertraut auf die vier Engel, die seine Bobe (Großmutter), ihm bei seiner Geburt an die Seite gestellt hat. Denn er ist mit einer Glückshaube geboren. Auch Leni Riefenstahl scheint ein Auge auf ihn zu haben. Die Regisseurin treibt die Läufer zusätzlich an, denn sie dreht einen Film über diesen Lauf, zu Ehren Hitlers Geburtstag.

Der Roman liest sich wirklich flott. Am Anfang, kamen mir zu oft einige sexistischen Einlagen vor, die sich aber im Laufe der Story in das Gesamtbild einfügen. Je weiter die Geschichte fortschreitet, und während Harry beim Laufen seine letzten Jahre überdenkt, um so mehr gefiel mir, was ich da las. Ironisch, mit trockenem schwarzen Humor garniert, las sich der Roman schnell und spannend. Grotesk, wie der Jude Harry mit den arischen Läufern durch ein Deutschland läuft, dass sich in Teilen ergibt, zerstört und marode.
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Immer mehr, erfährt man über den Läufer Harry, der unter dem Decknamen “der Pilger” oder “Paul Renner” seine täglichen Kilometer läuft. Seine ganz persönliche Geschichte, wie er sich als Jude vor den Nazis retten musste. Wie ihm geholfen, oder er denunziert wurde. Immer mit einer gehörigen Würze von schwarzem Humor.

Der Autor, Peter Keglevic, hat 20 Jahre an diesem Roman recherchiert. Er ist selber die Strecke, die er sich erdacht hat, mal mit dem Fahrrad oder per Pedes abgelaufen. Er hat sich mit den damaligen Möglichkeiten auseinander gesetzt, die ein versteckt lebender Jude in der Naziherschaft hatte.

Ich finde es grandios geschrieben. Und es würde mich nicht wundern, dieses Buch, eines Tages, verfilmt zu sehen.

Eine gelungene, tragikomische Odyssee

Von: Bücherserien.de Datum : 27.09.2017

www.buecherserien.de/rezension-peter-keglevic-ich-war-hitlers-trauzeuge/

Ich war Hitlers Trauzeuge von Peter Keglevic.

Wir schreiben das Jahr 1945, das Dritte Reich liegt in seinen letzten Zügen, doch das Morden hat noch längst kein Ende. Harry Freudenthal, der als Jude den Nazis bisher entkommen konnte, wird von der SS geschnappt. Seinen sicheren Tod verhindert ausgerechnet die Reichsfilm-Ikone Leni Riefenstahl. Allerdings natürlich nicht uneigennützig: Harry, der sich aktuell Paul Renner nennt, soll nun an „Wir laufen für den Führer“ teilnehmen. Diese Lauf-Veranstaltung soll Riefenstahl zum Durchhalte-Film verarbeiten. Harry erlebt während der insgesamt 1000 Kilometer in 20 Etappen, die ihn direkt zum Führer-Bunker bringen, zahlreiche tragikomische Abenteuer - bis hin zu seiner Begegnung mit Adolf Hitler selbst.

Eindringlich beschreibt Peter Keglevic, wie er auf die Idee zu "Ich war Hitlers Trauzeuge" kam. Es war ein Prozess, der sich über mehrere Jahre hinzog: Von den verwirrenden polnischen Tagebüchern in einer Wohnung, in der er als Regisseur in New York einen Film drehte, über Broschüren und Zeitungsartikel, die ihm scheinbar zufällig in die Hand fielen. So enthält sein Roman durchaus kleine Reminiszenzen an tatsächliche historische Begebenheiten: In den 1930ern gab es tatsächlich ein 1000-Kilometer-Rennen, wenngleich es dabei um Autos ging, nicht um einen Langstreckenlauf; und gefilmt hat Leni Riefenstahl u. a. bei der Olympiade in Berlin 1936. Was Peter Keglevic aus solchen kleinen Fetzen gemacht hat, ist eine satirische Tour de Force durch die Geschichte - und vor allem ein amüsanter Roman.

Denn "Ich war Hitlers Trauzeuge" ist bei allem gebotenen Ernst des Themas kein Trauerspiel. Peter Keglevic schafft es vielmehr, den Wahnsinn dieser Zeit durch zahlreiche absurde Details zu vermitteln. Allerdings hätte dem Roman an einigen Stellen eine stärkere Fokussierung gut getan. Man spürt, dass Keglevic Spaß an seiner Geschichte hatte, aber bei knapp 600 Seiten ist für den Leser nicht jede Kleinigkeit genauso spannend wie für den Autor und somit gibt ein paar Längen, die den Lesefluss etwas bremsen. Sei's drum, das ist Meckern auf höchstem Niveau, denn ein beeindruckendes Werk ist der Roman trotz allem geworden: Peter Keglevic schreibt so authentisch und nachdrücklich, dass man ihm seine fiktive Hauptfigur ohne Weiteres abnimmt; man möchte zu gerne glauben, dass es Harry Freudenthal gegeben hat, dass er den Nazis immer wieder entkommen und ihnen so manches Schnippchen schlagen konnte. Doch er ist erfunden, wie vieles in "Ich war Hitlers Trauzeuge" die Realität nur streift - was dem Leser aber egal sein kann, denn der Roman ist einfach grandios unterhaltsam.

Mein Fazit.

Wer hier einen hochdramatischen Roman im Stil von "Schindlers Liste" oder "28 Tage lang" von David Safier erwartet, wird von dem amüsanten Unterton enttäuscht sein. Ebenso werden diejenigen, die einen spannenden Fluchtthriller erwarten, an diesem Werk wenig Gefallen finden. Ihm oder ihr würde dann aber auch eine mit hervorragender Recherche unterlegte, tragikomische Geschichte entgehen, die stellenweise eine echte Biografie sein könnte. Denn während die Läufer die 20 Etappen absolvieren, erfahren wir Leser viel über deren Vergangenheit.

Aufgelockert mit reichlich Absurditäten beleuchtet Peter Keglevic ein dunkles Kapitel unserer Zeit, zumal eines, das nur schwer in einen humorvollen Roman zu fassen ist. Hier ist es gelungen.

Der Lauf seines Lebens: "Ich war Hitlers Trauzeuge" von Peter Keglevic

Von: Aufziehvogel (Marcel) Datum : 25.09.2017

misteraufziehvogel.blogspot.de/

Deutschland/Österreich 2017

Ich war Hitlers Trauzeuge
Autor: Peter Keglevic
Verlag: Knaus
Genre: Satire, Tragikomödie




Am 01. April 1945 hält ein SS-Hauptsturmführer dem jüdisch-stämmigen Harry Freudenthal eine geladene Waffe an den Kopf, will abdrücken und seinen anschließend leblosen Körper zu Harrys Flucht-Kumpanen deponieren, die, wie er selbst, allesamt der SS ins Netz gegangen sind. Harry hat aber schon seit Kindheitstagen mehr glück als andere. Obwohl die Waffe geladen und bereit ist, Harry das Lebenslicht auszuknipsen und er sich innerlich bereits damit abgefunden hat -"Seltsam, dachte ich, so endet nun dein Leben auf der elften Etappe einer Pilgerreise"-, da marschiert auf einmal die Filmemacherin des Dritten Reiches auf dem Hof ein und der Verlauf des Lebens von Harry Freudenthal nimmt auf einmal eine glückliche, wie irrwitzige Wendung. Vor Harry liegt nicht nur der Lauf seines Lebens sondern eine nahezu absurde Odyssee, die ihn direkt in den Führerbunker führt. Wieso Harry Freudenthal der Trauzeuge des gescheiterten Führers wurde, dies behielt er mehr als 70 Jahre als Geheimnis für sich. Und wenn man bereits über 90 Jahre alt ist, wem könnte man diese Geschichte denn einmal anvertrauen? Genau! Seinem Friseur!

Der österreichische Filmemacher und Autor Peter Keglevic hat seinem Roman einen markanten Titel verpasst. Wenn man sich für "Ich war Hitlers Trauzeuge" entscheidet, dann muss man den Worten auch Taten folgen lassen. Der Autor entführt uns hier auf seine ganz eigene Weise in ein reales Deutschland zum Kriegsende, was fiktiver eigentlich gar nicht sein könnte. Peter Keglevic macht das Berchtesgaden aus dem Jahr 1945 zu seinem Spielplatz, wo nach seinen Regeln gespielt wird. Anders als beispielsweise "Er ist wieder da" von Timur Vermes kommt der Roman von Keglevic trotz seiner beeindruckenden Seitenzahl sehr schnell zum Punkt. Es gibt eine kurze Aufwärmrunde mit Harry, der aus seiner Kindheit erzählt. Der Autor nimmt sich dabei Zeit, hält sich aber nie wirklich lange an Kleinigkeiten auf. Die Gedankengänge des Jungen Harry, der versucht, sich seine Eltern beim Sex vorzustellen und dabei an seine Schwester denken muss, mögen einen befremdlichen Eindruck hinterlassen, der freche, aber oftmals auch herrlich vulgäre Stil von Keglevic gefiel mir nach einer etwas längeren Anlaufzeit sehr gut. Und so haut der Autor auch mal folgendes Zitat raus und wird den Leser, der hier vielleicht sogar ein bierernstes Werk erwartet, regelrecht aus dem Hinterhalt erwischen:

">>Nehmen sie doch endlich den Arm runter!>>, sagte Leni Riefenstahl genervt. Da erst merkte ich, dass ich meinen rechten Arm ausgestreckt hatte und dass sie mich meinte. Schnell legte ich die Arme an und stand steif und ehrfurchtsvoll. Sie trat unter meinen Geradeaus-Blick, und ich sah, sie trug einen offenen Pelzmantel und darunter einen weißen Kittel, so wie ihn Ärzte tragen. Sie musterte mich von oben bis unten, was den Reiz ihres Silberblicks nur noch vergrößerte. <<Reichsgletscherspalte>> fiel mir ein -ihr Spitzname-, weil sie in ihren Filmen in so viele Eis-, Schnee- und Gletscherspalten gefallen war. Später hatte mich ausgerechnet meine Schwester Hilly aufgeklärt, dass mit <<Spalte>> ganz was anderes gemeint war. Ich hatte sie dumm angeguckt. <<Muschi. Möse. Spalte. Die Riefenstahl fickt mit allen, die ihr einen Vorteil bringen. Eine berechnende Fotze ist die!>> Ich war fassungslos gewesen."


Schonungslose Situationskomik wechselt sich ab mit Tragikomik und fügt sogar einen Schuss Sentimentalität (jedoch nicht aufdringlich) hinzu. Das einzige, was man dem Roman von Peter Keglevic neben einigen etwas langatmigen Passagen vorwerfen kann, ist, manchmal kann er sich nicht entscheiden ob seine Geschichte eine Satire auf das Dritte Reich, eine fiktionale Biografie oder einfach eine klassische Tragikomödie ist. Aber vielleicht liegt hier ja sogar die Stärke dieser Geschichte, denn die verschiedenen Stile wechseln sich gerne und häufig ab. Peter Keglevic hat mir Harry Freudenthal sogar so gut verkauft, dass ich den Name auf Google nachschlagen musste.



Resümee

Der Lauf seines Lebens wird zu seiner Lebensgeschichte. Harry Freudenthal dokumentiert seine ganz persönliche, kuriose Odyssee durch ein Drittes Reich, welches in seinen letzten Zügen liegt. "Ich war Hitlers Trauzeuge" mag auf den ersten Blick eher mit Humor betrachtet werden. Tatsächlich aber hat Autor Peter Keglevic den ernsten Kern seines Romans hinter viel Situationskomik und Satire versteckt. Der große Volkslauf von Berchdesgaden kommt einem Theaterstück gleich, einer letzten Aufführung des Dritten Reiches mit prominenten Gästen wie Leni Riefenstahl, Eva Braun und Adolf Hitler persönlich. Keglevic findet zum Ernst der Lage bei all den Absurditäten immer sehr schnell zurück. Vermutlich macht genau das diese Geschichte authentischer als so manch todernsten Rückblick auf ein Deutschland am Abgrund. Am Ende schlägt die Macht der Literatur das Original. Eine Geschichtsstunde der besonderen art.

Lebende Geschichte

Von: Rüdiger Rabenow aus Berlin Datum : 31.07.2017

Buchhandlung: Lust am Lesen Buchhandlung Rabenow

Vor der Kulisse des untergehenden Dritten Reich wird versucht, als Geschenk zu Führer's Geburtstag, wahre Größe zu demonstrieren: der große Volkslauf" wir laufen für den Führer". Um das Alles zu verwirklichen ist jedes Mittel recht und damit kommt Harry Freudenthal, ein untergetauchter Jude, ins Spiel, für den dieser Lauf zum Mittel seines Überlebens wird und durch den er auch noch zum Trauzeugen Hitlers wird. Ich habe diese lebendige Geschichtsbuch mit großer Spannung und Begeisterung gelesen, dessen Charaktere bestimmt niemanden unberührt lassen werden.

Ein Schelmenroman allererster Klasse!!!

Von: Thomas Rink, Dipl.-Bibl., M.A. aus Mildstedt Datum : 13.06.2017

schlossbuchhandlung.de

Peter Keglevic ist mit seinem Erstlingsroman ein ganz, ganz großer Wurf gelungen. Ein Schelmenroman wie er nicht besser sein kann. Gero von Wilperts Definition „Typisch … sind die Autobiographie-Fiktion, die additive Reihung e.[iner] Fülle realist.[isch] beschriebener Schauplätze, Figuren und Episoden ...“ könnte nicht treffender für die Schilderung dieser skurrilen Geschichte sein: Harry Freudenthal, alias Paul Renner, ist Berliner Jude und wird von keiner geringeren als Leni Riefenstahl vor dem Erschießen gerettet – und muss nun am Rennen „Wir laufen für den Führer“ teilnehmen. In 20 Etappen geht es von Berchtesgaden auf 1000 km durch das völlig zerstörte „Tausendjährige Reich“. Dem Sieger gebührt die Ehre Adolf Hitler am 20. April zum Geburtstag zu gratulieren. Gespickt mit jüdischem Humor und Überlebens-Witz wird nicht nur der Lauf der Gruppe, sondern auch das bisherige Leben von Freudenthal und seiner wundervollen Familie geschildert. Ohne Larmoyanz berichtet Keglevic von den schlimmen Zustände, die sich nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ergaben. Mit List und ein bisschen Glück gelingt es Harry, im Gegensatz zu seiner Familie, immer wieder den Schergen des 3. Reichs zu entkommen. Und was er als Paul Renner während des 20-Tage-Laufs (allein schon diese Fiktion ist ja irrwitzig!!) erlebt, wird so komisch dargestellt, als ob wir einen Film mit Charly Chaplin sähen. Mir hat besonders die Episode aus Bayreuth gefallen, wo die vollkommen durchgeknallte Winifried Wagner so treffend mit ihrer Sippe geschildert und verulkt wird. Und Keglevics Umgang mit dem Palindrom, Wörter und ganze Sätze, die vor und rückwärts gleich sind, zeigt die Virtuosität des Österreichischen Autors – und dem Leser ist das ein echtes Vergnügen.
Der rasante show-down im Führerbunker ist sicher der Höhepunkt des Romans, die Lösung, wie es letztlich der gruselige Mitläufer und Mörder Hagen zuschlägt: Irrwitzig komisch!
Kaufen, lesen, lachen, schmunzeln ... und nachdenken.