Leserstimmen zu
Gehe hin, stelle einen Wächter

Harper Lee

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Hardcover
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DER NEUE ROMAN VON HARPER LEE IST EIN ENTWURF

Von: Tanja Jeschke aus Stuttgart

02.06.2016

Rezension Harper Lee: Geh hin, stelle einen Wächter. Roman, DVA 2015, 314 Seiten. DER NEUE ROMAN VON HARPER LEE IST EIN ENTWURF Von Tanja Jeschke Die US-Autorin Harper Lee hatte einen zweiten Roman in der Schublade. Was für eine Sensation, als das im letzten Jahr entdeckt wurde! Denn wer kennt nicht ihren wunderbaren Bestseller „Wer die Nachtigall stört“, der 1962 mit Gregory Peck erfolgreich verfilmt wurde und drei Oscars bekam. Wer würde da nicht voller Neugier zu ihrem neuen Roman greifen, zumal man auch hier wieder auf Scout trifft, auf ihren Vater Atticus und das Städtchen Maycomb in Alabama? Es geht zwar das Gerücht, dass die inzwischen 89-jährige Harper Lee, die in den vergangenen Jahrzehnten sehr zurückgezogen lebte, selbst gar nicht überzeugt war von der Veröffentlichung. Dennoch schafften es die Verlage in der ganzen Welt, ihren „neuen Roman“ gleichzeitig herauszubringen und die Sensation dadurch noch zu steigern. Bei DVA ist er also unter dem Titel „Geh hin, stelle einen Wächter“ erschienen. Was ist nun dran an dieser Entdeckung? Überzieht uns wieder die Gänsehaut des Mitfieberns mit der Gerechtigkeit, der Atticus in der „Nachtigall“ so großartig seine Stimme leiht? Spüren wir wieder die Schwüle des amerikanischen Südens, vollgesogen mit den Düften üppiger Begonien? Zittern wir mit Scout und ihrem Bruder auf der Schwelle des Begreifens, wie diese Welt wirklich ist? Nein, all das ist nicht der Fall. Aber lassen wir die Sensation doch ruhig platzen, lassen wir diesen neuen Roman das sein, was er ist: Der Entwurf einer werdenden Autorin. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Dieser Entwurf ist von 1957, d.h. er ist älter als die „Nachtigall“, gleichzeitig sind auch die Figuren älter, Scout bereits 26, in New York lebend, sie kommt heim und gerät in eine tiefe Auseinandersetzung mit Atticus. Denn, und das hören wir gar nicht gern: Atticus ist hier nicht der grandiose Gerechte, der es den rassistischen Südstaatlern zeigt, nein, er ist selber ein erzkonservativer Knochen, unbelehrbar in seinem Denken über die „Neger“. Das ist ein harter Bruch, über den man nicht so recht hinweg kommt. Die Frage, wie dieser Mann, der hier in der Bürgerwehr reaktionärer Südstaatler mitwirkt, in der „Nachtigall“ als ein solcher Gentleman auftreten kann, steht ungelöst im Raum, ungelöst wie auch vieles andere. Aber genau das ist das Recht eines Entwurfs. Die vielen Dialoge zwischen Atticus und Scout leisten die mühsame Denkarbeit für die literarische Ausbalanciertheit ihres späteren Nachtigall-Romans. Deshalb wirkt dieser „neue“ Text unfertig, unorganisiert, er plaudert vom Weg ab und Scout erzählt weitschweifige Anekdoten aus der Familien- und Stadtgeschichte. Am Ende hört sie schließlich doch auf ihren Onkel, der sie väterlich belehrt, und auch das liest man nicht gern. Aber ein Entwurf darf das. Er darf sich nur nicht für einen guten Roman halten. Und das wusste Harper Lee.

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Kill your darlings

Von: Bri

27.01.2016

Die kleine Scout, eigentlich Jean-Louise Finch, aus "Wer die Nachtigall stört" ist erwachsen geworden und lebt mittlerweile weit entfernt von ihrem Heimatort Maycomb in der Großstadt. New York ist mit seiner Vielstimmigkeit, seiner Vielfarbigkeit und seinem wahren Verständnis von leben und leben lassen ihre Herzensheimat geworden. Diese Erkenntnis muss sie bei einem ihrer jährlichen Besuche schlucken wie eine bittere Pille. Die Atmosphäre in der Kleinstadt hat sich verändert - der NAACP möchte auch in Maycomb / Alabama die farbige Bevölkerung in ihrem gesellschaftlichen und sozialen Aufstieg unterstützen. Und das wiederum macht der weißen Bevölkerung, die im County an einigen Orten mittlerweile in der Minderzahl ist, schlichtweg Angst. Die Einwohner Maycombs sind keine offenen Rassisten - sie sind zwar laut Atticus Finch, dem Vater Scouts keine Mitglieder des Ku-Klux-Klans, verhindern aber auch nicht, dass der Klan sich durch sein Auftreten öffentlich lächerlich macht - fühlen sich aber bedroht. Woran nur erinnert mich das? Vielleicht an die derzeitige Situation in Europa? Und schon bin ich mitten in der Diskussion, die sich während der Lektüre immer deutlicher als Mittelpunkt des erst 2014 wieder entdeckten Romans, der Urfassung des Pulitzerpreis gekrönten Erstlings der Amerikanerin Harper Lee, darstellt. Viel wurde darüber diskutiert, ob das Buch, das Harper Lee in den 50er Jahren schrieb und dessen thematischer Fokus von den Verlagen damals als zu gewagt betrachtet wurde, als dass man es verlegen wollte, überhaupt erscheinen sollte. Die Autorin selbst ist mittlerweile hochbetagt, soll taub und blind sein - ob sie tatsächlich abschätzen konnte, was die Veröffentlichung dieses Romans für sie heißen könnte, wird häufig diskutiert. Doch ehrlich: Warum sollte man sich in dem Alter, in dem Harper Lee nun ist, über solche Dinge noch Gedanken machen. Wichtig allerdings ist, dass das Thema des Buches, in der Urfassung für die damalige Zeit als zu aufrührerisch, zu verwegen empfunden, um veröffentlicht zu werden - ein heißes Eisen ist, heute wie damals. Ist es zulässig, Verfassungsänderungen vorzunehmen, die einerseits einer Gruppe von Menschen gewisse Rechte nehmen, die als unumstößlich und nicht diskutierbar galten, aber andererseits zu einer höheren gesellschaftlichen Gleichheit führen sollen. Ist das Vorgehen, einen Verfassungszusatz einfach zu streichen - wohl gemerkt durch ein hohes richterliches Gremium, aber ohne Beteiligung der Bürger - als demokratisch zu bezeichnen? Ein nicht einfaches Thema, dessen sich Harper Lee in "Gehe hin, stelle einen Wächter" in Verbindung mit der Frage nach Diskriminierung und Rassismus annimmt. Das merkt man der sich daraus entstehenden Diskussion zwischen Jean-Louise und ihrem Vater Atticus an: Sprunghafte Argumente und Erklärungen, die man nicht ganz greifen kann, führt Atticus für seine Entscheidung, einem bekannten Rassisten eine Plattform zur Verbreitung seiner menschenverachtenden Ansichten zu bieten, an. Die Antwort auf die Frage seiner Tochter, weshalb die Entscheidung zu Gunsten des unsäglichen Redners gefällt wurde, verknappt er in unnachahmlicher Weise: "Weil er es wollte." Einzig Jean-Louises Haltung ist und bleibt klar und deutlich. Um sie herum steht ihre Welt Kopf - alles, was sie von ihrem Vater erfahren und gelernt hat, scheint nicht mehr zu gelten. Die Annahme, alle Menschen seien vom Geburtsrecht her gleich zu behandeln steht plötzlich in krassem Gegensatz zu DEM amerikanischen Grundsatz, ein Mann könne alles für sich in Anspruch nehmen, was er sich erarbeitet habe. Farbenblind nennt Atticus die Einstellung seiner Tochter. Der Konflikt, den Jean-Louise mit ihrem Vater hat, ist aber nicht nur ein gesellschaftlicher. Eltern-Kinder-Beziehungen zeichnen sich auch durch eine gewisse Ablösung oder Abnabelung aus. Im Falle der Familie Finch ist diese vielleicht überfällig. Solch eine Abnabelung geht nie schmerzfrei vonstatten und so erfährt Jean-Louise auch ganz körperlich, wie hart es sein kann, seinem Wächter, dem eigenen Gewissen, Folge zu leisten. Doch letztendlich - und das ist für mich ein gewisser Kritikpunkt - bezieht sie nicht eindeutig Position. So sehr sie gegen die Haltung ihres Vaters, gegen die duckmäuserische Lebensweise ihres Freundes Hank und gegen die latent rassistische Haltung der Bürger Maycombs aufbegehrt, sie vollzieht den Schritt des absoluten Schnittes nicht. Am Ende bleibt große Aufregung, die sich in einem "leben und leben lassen" auflöst. Jean-Louises Onkel Jack Finch allerdings erkennt, dass Menschen wie sie in Zukunft in Maycomb gebraucht werden. Dennoch ist "Gehe hin, stelle einen Wächter" ein wichtiges Buch, das aufzeigt, wie komplex manche Sachverhalte sind, wie schwierig echte Demokratie ist und wie stark man sein muss, um seinem Wächter zu folgen. Will man die gesellschaftliche Gemengelage der 50er Jahre in Amerika besser verstehen, sollte man nicht nur eines der beiden Bücher gelesen haben. Literarisch gesehen, mag "Wer die Nachtigall stört" das reifere Werk sein, seine Urfassung jedoch hat es durchaus verdient, veröffentlicht und gelesen zu werden.

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Das Leben der Familie Finch in Maycomb, Alabama, hat sich in den letzten 20 Jahren sehr verändert. Atticus Finch arbeitet noch immer als Anwalt, doch sonst ist nichts mehr, wie es einst war. Jem, sein einziger Sohn, starb mit knapp 30 Jahren an Herzversagen, wie schon seine Mutter und aus der kleinen, rebellischen Scout wurde Jean Louise Finch. Diese hat Maycomb verlassen und lebt in New York. Zwar kehrt sie regelmäßig nach Hause zurück, doch Zuhause ist sie in Maycomb nicht mehr. Es sind die 1950er und auch in diesem Sommer wird die 26-jährige Jean Louise wieder in ihre alte Heimat zurückkehren und dort einige Zeit verbringen. Ihr Vater ist mittlerweile über 70 Jahre alt und von Krankheiten gezeichnet, so zum Beispiel Arthritis, die es ihm schwer macht, den Alltag zu bewältigen. Ihm zur Hand geht seine Schwester Alexandra, die bereits seit einigen Jahren bei ihrem Bruder wohnt und ihm den Haushalt führt und ihm zur Hand geht. Eigentlich ist alles wie immer und doch wird sich alles ändern. Während einer Bürgerversammlung, welche natürlich nur Männer besuchen, entdeckt Jean Louise, die sich heimlich hineingeschlichen hat, was hinter der Fassade der Bürger von Maycomb County steckt - sowohl Atticus, wie auch Henry, Atticus Vize nach Jems Tod und Jean Louises Verehrer, sind Mitglieder im KKK und noch dazu lassen sie Aufrührer gegen die farbige Bevölkerung vor ihrem Rat sprechen. Sind denn alle Menschen in Maycomb, alle, die sie ihr Leben lang kannte, in Wirklichkeit ganz anders, als sie sie bisher gesehen hat? Kann es sein, dass der Rassismus im County noch immer tief verwurzelt ist und sich nun seinen Weg in die Öffentlichkeit bahnt? 20 Jahre später ... Der Plot des Buches wurde anschaulich und abwechslungsreich erarbeitet, wobei ich gestehen muss, dass ich hier eindeutig sehr irritiert war. Wie bereits in der "Nachtigall" übernimmt Jean Louise den Erzählerpart und lässt uns hier an Erinnerungen aus ihrer Kindheit (zu Zeiten der Nachtigall und auch danach) teilhaben und was soll ich sagen - diese stimmen teilweise überhaupt nicht mit der Nachtigall überein, obwohl sie genau in diesem Zeitrahmen spielen und in der Nachtigall Erwähnung fanden. Die Figuren wurden authentisch erarbeitet, haben allerdings in meinen Augen, gerade auf Grund er Veränderungen, die sie durchlaufen haben, etwas an ihrem Reiz verloren. Wo ist der strahlende Anwalt geblieben, der in der Nachtigall so verbissen für seinen Mandanten kämpfte und Gerechtigkeit predigte? Wo das kleine Mädchen, dass immer ihrem Herzen folgte, ohne auf die Konsequenzen zu achten? Den Schreibstil empfand ich als angenehm zu lesen, jedoch konnte dieses Buch nicht an die Nachtigall heranreichen, ja schlimmer noch, ich hatte das Gefühl, dass dieses Buch von jemand ganz anderem geschrieben wurde. Kann es sein, dass die Autorin tatsächlich, wie bereits gemutmaßt, die Nachtigall nicht alleine schrieb und warum hat sie nicht wenigstens die Nachtigall nochmals gelesen, damit wenigstens dieser Nachfolger stimmig mit der Nachtigall ist? Ich hatte mir hier, gerade nach der Nachtigall, so viel erhofft und bleibe doch enttäuscht zurück.

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Wie in jedem Sommer seit sie in New York lebt fährt Jean Louise zurück nach Maycomb, um ihren Vater und den Rest der Familie zu besuchen. Ihr geliebter Bruder Jem ist leider viel zu früh verstorben und ihr Jugendfreund Dill ist in Europa. Und so ist einiges anders in der Heimat, doch die 26-jährige freut sich auf den Besuch. Besonders auf ihren Vater, der in ihren Augen nichts falsch machen kann. Zwar nervt Tante Alexandra ein wenig, weil sie Jean Louise in das enge Kleinstadtleben einbinden will. Aber es ist Sommer, bis zu dem Tag als Jean Louise mitbekommt, dass ihr Vater im Bürgerrat ist. Die Südstaaten Amerikas mit ihrer speziellen Apartheitsproblematik werden hier von der durch „Wer die Nachtigall stört“ weltbekannten Schriftstellerin Harper Lee thematisiert. Nach Presseverlautbarungen wurde das vorliegende Buch bereits vor ihrem Mega-Seller geschrieben, von den Verlagen allerdings zurückgewiesen. Nun sind wir alle an die irgendwie heile Kinderwelt Scouts gewöhnt und gerade von dieser Kinderwelt muss man sich im Laufe der Lektüre dieses neuen älteren Romans verabschieden. Jean Louise steht mit beiden Beinen im Leben, sie hat eine Arbeitsstelle in New York, sie ist die freiheitliche Gleichheit der Stadt gewöhnt und auch deren Gleichgültigkeit vermeintlichen Unterschieden gegenüber. Und so wirkt die jährliche Rückkehr nach Maycomb wie ein Rückschritt. Dennoch genießt ihr Vater in den Augen der Tochter höchstes Ansehen, einen Vorbildstatus, dem ein Mensch nur schwer gerecht werden kann. Das Entsetzen über das Verhalten des geliebten Vaters spürt man beim Lesen fast am eigenen Leib. Der Sockel wankt, es ist wie ein jähes Erwachen. Scout muss erwachsen werden und sich eingestehen, dass das Denken des Vaters nicht immer der Weisheit letzter Schluss ist. Eine Ablösung, die auch ein Aufbruch sein kann. Auch wenn dem Buch der süße Schmelz aus Scouts Kindertagen meist fehlt und nur hin und wieder in Erinnerungen aufblitzt, ist dieser Roman doch außerordentlich gelungen im Hinblick einer Ablösung der Tochter von ihrem Übervater und im Erklärungsversuch der Verlustangst der Südstaatler, welche sie so gegen logische Neuerungen eingestellt erscheinen lässt. Jean Louises Plädoyer für die Gleichheit ohne Gleichmacherei überzeugt. Sie emanzipiert sich von der althergebrachten Denkweise, letztlich ohne ihren Vater zu verlieren. Vielleicht hat sie ihn sogar gewonnen. Man könnte sich wünschen, es wäre möglich zu erfahren, was sie aus ihrem Aufbruch gemacht hat. 4,5 Sterne

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Der Roman ist wie eine Zeitkapsel, die nach langer Zeit ausgegraben wird. Ich fand das Buch sehr schwierig zu lesen, weil ich das Gefühl hatte, dass die Autorin ganz intuitiv ein Verständnis der damaligen Lebensumstände, der politischen Lage und der gesellschaftlichen Konventionen voraussetzt. Der Leser wird nicht herangeführt, sondern fällt einfach da hinein und muss dann zurechtkommen, so als würde man in ein unbekanntes Gewässer plumpsen und muss dann schwimmen, komme was wolle. Die Thematik ist natürlich nach wie vor von großer Brisanz, denn bedauerlicherweise ist die Gleichberechtigung der Afro-Amerikaner nicht überall gleichmäßig vorangekommen und bedarf auf jeden Fall einer Behandlung in der Literatur. Ein gutes Buch, aber es gibt Bücher die es übertreffen und deren roter Faden leichter zu greifen ist. Wer mehr dazu erfahren möchte kann gerne auf meinem Blog http://buchundliteratur.blogspot.de/2015/12/gehe-hin-und-lies-nicht-unvorbereitet.html den Post nachlesen. Beste Lesegrüße Caroline Schultz

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Wer die Nachtigall stört gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern und so war ich sehr neugierig auf das Vorgängerbuch, das zeitlich 20 Jahre später angesiedelt ist. Es wurde sehr viel Werbung über dieses Buch gemacht, es gab einige Specials, ich konnte gar nicht daran vorbei gehen. Die Erwartungshaltung war entsprechend hoch … … doch schon lange habe ich mich mit einem Buch nicht mehr so schwer getan wie mit diesem Buch. Viele Jahre sind vergangen und nicht nur Scout hat sich verändert. In vielen Rückblenden lässt Harper Lee Scouts Kindheit wieder aufleben und mich in Erinnerungen schwelgen. Nette Anekdoten aus der Vergangenheit rund um Maycomb runden die Reise in die Vergangenheit ab. Dennoch plätschert die Geschichte anfangs so vor sich hin, sprachlich konnte sie mich auch nicht wirklich begeistern. Lediglich die Dialoge sind brillant, vor allem wenn Scouts Onkel, Dr. Jack Finch redet. Er ist für mich die Schlüsselfigur in diesem Buch, die Atticus in den Hintergrund drängt und Scout mehr als einmal zur Vernunft bringt. Im Gegensatz zu „Wer die Nachtigall stört“ lebt dieses Buch von den Dialogen und Beschreibungen. Zwischendurch verfiel es in Langatmigkeit, manche Anekdoten ergaben für mich nicht so wirklich Sinn und mir fehlte der Bezug zum Hauptthema. Und zum Titel, der zwar erklärt wird, den ich aber dennoch nicht für gut gewählt halte. Ein weiteres Problem war für mich Scout. So cool und taff ich sie als Mädchen fand, so zickig und nervig wirkte sie auf mich als junge Frau. Für mich ist es meistens wichtig, dass ich die Hauptperson mag, da ich mich ja die meiste Zeit mit ihr beschäftige. Und mir fiel es ziemlich schwer, die junge Frau zu mögen, die mich als Kind so begeistert hat. Ich konnte viele ihrer Reaktionen nicht verstehen und hätte sie genau hingehört und geschaut, wäre es zu dem Konflikt mit Atticus erst gar nicht gekommen. So war meine Enttäuschung vorprogrammiert. Ohne „die Nachtigall“ hätte mir das Buch bestimmt viel besser gefallen, aber so war meine Erwartungshaltung einfach zu hoch.

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Harper Lee ist besonders in den USA eine der größten und berühmtesten Autorinnen und das, obwohl sie jahrelang nur ein Buch veröffentlicht hatte. Aber "To Kill A Mockingbird" (auf deutsch: "Wer die Nachtigall stört") ist einfach einer der amerikanischen Klassiker schlecht hin. Ich selbst habe "To Kill A Mockingbird" für die Schule, für meinen Englisch LK gelesen und ich mochte es total! Und nun, Jahre nachdem Klassiker, wurde eine Fortsetzung veröffentlicht. Das ganze hat einen riesigen Hype ausgelöst - wie bei einer Harry Potter Premiere sind Leute zu Mitternachtsverkäufen gegangen und haben sich das Buch so bald es raus kam geschnappt. Die generelle Begeisterung ist aber sehr schnell abgeklungen und es gab viele negative Rezensionen. Ich habe beschlossen das Buch trotzdem zu lesen, einfach weil ich mir selbst eine Meinung bilden wollte. Leider muss ich mich der breiten Mehrheit anschließen: Das Buch hat mir nicht sonderlich gut gefallen. "Geh hin, stelle einen Wächter" ist die Fortsetzung von "Wer die Nachtigall stört" und es geht um Jean Louise "Scout" Finch, die inzwischen erwachsen ist und wieder nach Maycomb zurückkehrt um etwas Zeit mit ihrem Vater Atticus zu verbringen. Die einzige andere Person, die wirklich eine Rolle spielt und schon im ersten Teil vorkam ist Scouts Tante Alexandra. Dill lebt schon lange nicht mehr in Maycomb und, was mich am meisten schockiert hat: Gleich zu Beginn erfährt man, dass einer der Hauptcharaktere des ersten Buches bereits gestorben ist. Das war schon die erste Sache, die mich gestört hat. Einer der zentralen Charaktere des Original Buches ist einfach nicht mehr da und man hat nicht mal wirklich die Möglichkeit richtig um ihn zu trauern. Auch ansonsten ist wenig wie in "To Kill a Mockingbird". Zum einen gibt es irgendwie weniger Handlung in "Geh hin, stelle einen Wächter". Es ließ sich zwar vom Schreibstil her gut lesen, aber dennoch war es irgendwie langweilig und hat sich für mich auch ein wenig gezogen, einfach weil auf den 300 Seiten nur relativ wenig geschehen ist. Die Handlung sieht nämlich eigentlich nur wie folgt aus: Jean Louise (in diesem Buch wird sie kaum noch "Scout" genannt) kommt nach Maycomb um ihre Familie zu besuchen, trifft Henry auch genannt "Hank", der bei Atticus gelernt hat und mit dem sie schon Jahre lang zusammen ist und fragt sich ob sie ihn heiraten soll. Sie findet heraus, dass sowohl Atticus als auch Hank ziemlich rassistisch sind, so wie eigentlich alle in Maycomb und im Süden zu dieser Zeit, und bekommt auf Grund dessen eine Identitätskrise. Ich muss sagen, ich finde es gut, dass es um so ein wichtiges Thema geht. Damals war die Debatte der Rassentrennung in den USA von riesiger Bedeutung und ich bin auch froh etwas darüber gelesen zu haben. Nur leider gefällt mir einiges an der Umsetzung bei diesem Buch nicht. Zum einen finde ich es blöd. wenn man Charakter nimmt und sie in der Fortsetzung eines Buches ganz anders sein lässt, als sie das im Original waren. Das ist in "Geh hin, stelle einen Wächter" passiert und das ist einer der Gründe, warum es so viel Kritik bekam. Atticus ist in "To Kill a Mockingbird" ein super toller, bewundernswerter Charakter. Er ist moralisch und gutherzig und ein super Vorbild. Er verteidigt als Anwalt einen Schwarzen und macht sich nichts daraus, was die anderen darüber sagen. Er bringt seinen Kindern bei, dass alle Meschen gleich seien. Jetzt, im zweiten Teil entpuppt Atticus sich als totaler Rassist. Es gibt eine Passage, in der der darüber redet wie minderwertig Schwarze seinen und Scout fragt, ob sie es denn verantwortlichen könnte, dass ihre Kinder eines Tages mit dunkelhäutigen Kindern zur Schule gingen... Es war einfach untypisch und auch irgendwie traurig, das ausgerechnet Atticus so etwas sagen würde. Ansonsten, wie bereits gesagt, hat es mir einfach an Handlung gefehlt. Es hätte mehr passieren müssen. Ich mochte wie Scouts Onkel in die Geschichte eingebaut wurde und einfach generell sein sonderbares Verhalten. Der Schreibstil was auch wirklich schön und ließ sich gut lesen. Leider nur ist es meiner Meinung nach kein Vergleich zu "To Kill A Mockingbird" und ich finde es schade, dass Harper Lee nicht noch mehr Bücher geschrieben hat, von denen manche vielleicht so gut wie "To Kill a Mockingbird" hätten sein können. Dieses ist das meiner Meinung nach leider nicht. Ich vergebe letztendlich 3 von 5 Herzchen. Es war ein Buch, dass sich mit einem sehr wichtigen Thema auf gute Art und Weise beschäftigt und auseinander setzt und manchmal hatte ich beim Lesen auch wirklich Spaß. Aber leider konnten meine Erwartungen nicht erfüllt werden, es gab zu viele Veränderungen im Vergleich mit dem Vorgänger und hatte inhaltlich nicht genug zu bieten für mich.

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"Die Insel eines jeden Menschen, der Wächter eines jeden Menschen ist sein Gewissen. So etwas wie ein kollektives Gewissen gibt es nicht." Vorab ist zu sagen, dass es sich bei diesem Roman um eine Weltsensation handelt. "Gehe hin, stelle einen Wächter" ist nämlich ein verschollenes Manuskript, das Jahrzehnte in einer Schublade lag. Aus diesem entstand nach starker Überarbeitung und Veränderung der amerikanische Klassiker “Wer die Nachtigall stört”, welches 50 Jahre lang Lees einziger Roman war. Inhalt: In „Gehe hin, stelle einen Wächter“ treffen wir die geliebten Charaktere aus „Wer die Nachtigall stört“ wieder, 20 Jahre später: Eine inzwischen erwachsene Jean Louise Finch, „Scout“, kehrt zurück nach Maycomb und sieht sich in der kleinen Stadt in Alabama, die sie so geprägt hat, mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontiert, die nicht zuletzt auch ihr Verhältnis zu ihrem Vater Atticus infrage stellen. Meinung: Nachden mir "Wer die Nachtigall stört" (engl. "To Kill a Mockingbird") so gut gefallen hat war ich natürlich sehr gespannt auf dieses Werk. Man merkt beim Lesen sofort, dass dies die der Vorgänger, das ursprüngliche Manuskript ist. Viele Charaktere, die bei der "Nachtigall" wichtige Rollen spielen, werden hier kaum erwähnt, der Schwerpunkt/Fokus ist ein anderer. Und so wird auch der im "Vorgänger" so wichtige "Tom Robinson-Fall" nur kurz angeschnitten. Außerdem ist der "Wächter" aus der dritten Person geschrieben, was alles etwas distanzierter wirken lässt. So hat die "Nachtigall" atmosphärisch die Nase vorn, jedoch sollte man, meiner Meinung nach, diese beiden sensationellen Werke nicht miteinander vergleichen, da sie jeder für sich ihren Charme haben. So is es sehr interessant zu sehen, wie sich die rebellische Scout weiterentwickelt hat, jedoch eindeutig immernoch das -von den Lesern geliebte- kleine, störrische Mädchen ist. Dadurch habe ich mich vor allem über die Rückblenden gefreut, die im "Wächter" eingebaut sind. Die Geschichte reflektiert die Zeit, in der sie spielt, das darf man nicht aus den Augen verlieren. Es werden die Gefühle der lokalen Bevölkerung vermittelt, ihre Ablehnung oder Billigung der NAACP (Nationale Organisation für die Förderung farbiger Menschen), und Harper Lee ist damit aufgewachsen, was ihrer Geschichte Authentizität verleiht. Fazit: In einer Zeit, in der sich nicht nur im Süden der USA, sondern momentan weltweit zeigt, dass der Rassismus keinen Deut überwunden ist, und das Länder zu spalten drohen, ist „Gehe hin, stelle eine Wächter“ von einer unter die Haut gehenden Aktualität. Ich empfehle, dass man "Wer die Nachtigall stört" vor diesem Roman lesen sollte, da sie zusammen sehr gut funktionieren. Summer♥

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