Leserstimmen zu
Unser verrücktes Gehirn

Dean Burnett

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„Über Blackouts, Aberglaube, Seekrankheit – wie uns das Gehirn austrickst“ steht ergänzend zum Titel "Unser verrücktes Gehirn" angegeben, gleich unter den Kreisen, von denen man beim Anschauen fast selbige in den Augen bekommt, weil uns die optische Täuschung Bewegung vorgaukelt. Der Klappentext verspricht außerdem, dass der Autor, der von Beruf Neurologe an der Cardiff University und nebenbei noch Stand-up-Comedian ist, kompetent, leicht nachvollziehbar und witzig, allgemein vertraute Probleme dadurch erklärt, dass ‚unser verrücktes Gehirn‘ als Steuerungszentrum menschlichen Handelns und Denkens nur bedingt tauglich ist. Ein interessantes Thema, über das ich unbedingt mehr erfahren wollte, auch wenn ich eingangs ein wenig befürchtete, dass dieses Buch zu humorvoll mit den kleineren und größeren Schwächen unseres Gehirns, beziehungsweise unserer Art zu Denken, umgehen und im Klamauk versumpfen könnte. Glücklicherweise war diese Sorge unbegründet, denn der Autor widmet sich dem Thema mit leichtem Augenzwinkern und versteht es hervorragend, mir als neugierigem an Psychologie interessiertem Leser die teils komplizierten wissenschaftlichen Zusammenhänge unterhaltsam und anschaulich zu erklären. Zum Inhalt des Buches zitiere ich das kurze Resumée des Autors auf Seite 326: „Was haben wir bislang über das menschliche Gehirn erfahren? Es wurstelt mit Erinnerungen herum, es lässt sich leicht ins Bockshorn jagen, es erschrickt über harmlose Dinge, es wirkt sich negativ aus auf unsere Ernährungsweise, unseren Schlaf, unsere Bewegung, es redet uns ein, dass wir brillant sind, wenn wir alles andere sind, es gaukelt uns die Hälfte von dem, was wir wahrnehmen, nur vor, es bringt uns dazu, unvernünftige Dinge zu tun, wenn wir erregt sind, es veranlasst uns, unglaublich schnell Freundschaften zu schließen und sie im Nu wieder aufzukündigen. Eine Liste, die beunruhigt. Noch beunruhigender aber ist, dass das Gehirn all dies anstellt, wenn es richtig funktioniert.“ Und so geht Dean Burnett abschließend auf seine ebenso unterhaltsame wie informative Weise auch auf das ein, was den Menschen ereilen kann, wenn es zu einer neurologischen oder geistigen Störung kommt. Er widmet sich Depressionen, Zwangsneurosen, Psychosen sowie den neurologischen Mechanismen, die Alkoholismus und anderen Suchtkrankheiten zugrunde liegen. Aber ich erfahre im Laufe des Buches auch, dass das Ego eines Menschen seine Erinnerungen verzerren kann, was es mit der Apophänie auf sich hat, warum unser Gehirn schlecht mit Zufälligkeit umgehen kann, dass es auch olfaktorische Halluzinationen gibt, dass wir in allem Gesichter erkennen weil wir Gehirnareale besitzen, die eigens dem Erkennen von Gesichtern dienen, dass wir uns bereits auf neurologischer Ebene darum kümmern, was andere von uns halten und dass die Geringschätzung für Menschen steigt, je geringer die Möglichkeit besteht ihnen zu helfen – vor allem Letzteres muss man erstmal sacken lassen. „Die Art und Weise, wie das Gehirn die Welt um sich herum wahrnimmt, und was davon es für wichtig genug erachtet, um ihm Aufmerksamkeit zu schenken, verdeutlichen sowohl sein phantastisches Leistungsvermögen als auch seine vielen Unvollkommenheiten.“ (S. 192) Dean Burnett wählt anschauliche Beispiele und Bilder aus dem Alltagsleben, schreibt witzig, salopp, eloquent und mit (Selbst-)Ironie, ohne dass die wissenschaftliche Seriosität darunter Schaden nähme. Ganz vereinzelt lässt mich eine für mich zu hoch dosierte wissenschaftliche Konzentration des Textes kurz aussteigen, aber das bleibt eher die Ausnahme. Das Staunen und wissbegierige unterhaltsame Lesen überwiegt bei diesem Buch für mich, weshalb ich es jedem Interessierten empfehlen kann.

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Bei der Bewertung dieses Buchs habe ich mich ehrlichgesagt etwas schwer getan, weil mir manche Kapitel wirklich gut gefallen haben und andere Abschnitte eher langweilig schienen. Hier spielt natürlich zum einen der individuelle Geschmack des Lesers eine große Rolle, andererseits ist die Schuld teilweise auch direkt bei mir zu suchen, da dies das dritte Buch zum Thema Gehirn in Folge ist und ich in der Vergangenheit schon viele Bücher zu den Themen Neurologie und Psychologie gelesen habe. In dieser Hinsicht ist es also eine Leistung, für die der Autor definitiv Anerkennung verdient, neue Felder anzusprechen, von denen ich noch nichts gelesen habe. Wenn man dieses doch recht subjektive Thema "persönliches Vorwissen" mal außen vor lässt, kann man durchaus sagen, dass die Inhalte passend gewählt sind und in einer unterhaltsamen Weise präsentiert werden. Zwischendrin gibt es natürlich ab und zu Längen, die durchaus von einem Wechsel der Darstellungsform (z.B. Einbindung von Grafiken oder Modellen) profitiert hätten. Es ist ein schwieriges Unterfangen, mit Sprache allein komplexe Sachverhalte zu erklären und gleichzeitig die Aufmerksamkeit des Lesers aufrechtzuerhalten. An dieser Stelle sollte aber erwähnt sein, dass der Autor durch seine lockere Ausdrucksweise, alltagsnahe Beispiele und kleine Witze durchgehend sympathisch ist. Dabei ist es ein großes Kunststück, die wissenschaftlichen Inhalte nicht ins Lächerliche zu ziehen - diesen Drahtseilakt schaffen nicht alle Autoren. Insgesamt fand ich das Buch rückblickend recht gut geschrieben, auch wenn es durchaus Längen hat. Es lohnt sich aber durchzuhalten - belohnt wird man in jedem Fall.

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Unser verrücktes Gehirn von Dean Burnett ist ein informatives Paperback Sachbuch über unser Gehirn. D. Burnett, ein Neurologe und zugleich Comedian befasst sich auf ca. 400 Seiten mit der Thematik Gehirn. Dabei wird das Thema nicht witzig dargestellt, sondern sehr sachlich. Eine kleine Übersicht in Themen, die in dem Buch behandelt werden: das menschliche Erinnerungssystem, die unterschiedlichen Wirkungsweisen von Lang- und Kurzzeitgedächtnis, die Bewertung von Augenzeugenberichten. Mir hat das Buch gefallen, nicht begeistert, weshalb ich 4 Sterne vergebe. Teilweise war es mir zu sachlich und zu langatmig. In meinem Leben hatte ich bislang wenige Berührungspunkte mit der Neurologie, sodass ich es zeitweilig anstrengend fand, mich zu Konzentrieren und um den Ausführungen von D. Burnett folgen zu können. Zwischendurch hätte ich mir ein „lustiges bzw. prägnantes“ Erlebnis gewünscht, damit ich das gelesene besser nachvollziehen kann. Auch hätte ich es als hilfreich empfunden die ein oder andere Skizze oder Schaubild zu sehen, damit sich mein Gehirn das Gelesene besser merken kann. Das Buch ist im C. Bertelsmann Verlag am 14.05.2018 erschienen.

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