Leserstimmen zu
Die Medusa-Chroniken

Stephen Baxter, Alastair Reynolds

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Paperback
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Arthur C. Clarke gilt neben Isaac Asimov und Robert A. Heinlein als einer der Big Three der Science-Fiction-Autoren. Diese drei haben unbestreitbar das Genre maßgeblich beeinflusst und waren Visionäre des eher wissenschaftlichen Zweiges der Science Fiction. Persönlich hat mich von den dreien eher Isaac Asimov angesprochen, da bei ihm die menschliche Seite noch am stärksten vertreten ist. Heinlein ist mir zu militaristisch, bei Clarke dominiert die nüchterne Beschreibung der wissenschaftlichen Seite sehr. Allen drei ist gemein, dass ihre Bücher für das breite Publikum sehr gut lesbar sind und auch komplizierte physikalische Sachverhalte gut erklären können, ohne dass für den Leser ein Doktortitel in Physik notwendig ist. Gerade Clarke hat einige wichtige Werke geschrieben, sein wichtigstes, 2001 – Odyssee im Weltraum, entstand in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Stanley Kubrick nach dem Drehbuch, nicht wie meist andersherum. Gerade die opulenten Bilder und die etwas schwierig zu verstehende Schlusssequenz sind mir noch im Kopf. Doch wie das Unfassbare, gottähnliche Wesen oder höhere Dimensionen in Worte fassen? Stephen Baxter und Alistair Reynolds, beide aktuelle und renommierte SF-Schriftsteller und auch mehr der wissenschaftlichen Seite zugewandt, haben im vorliegenden Band den Versuch unternommen, die 1972 mit dem Nebula Award ausgezeichnete Novelle „A Meeting with Medusa“ als Roman weiterzuführen und im Geiste von Arthur C. Clarke zu schreiben. Das ist ihnen sehr gut gelungen. A Meeting with Medusa beschreibt in wenigen Kapiteln den Werdegang von Howard Falcon. Als Kapitän eines großen Luftschiffes eingesetzt, kommt er bei einem Unfall desselben fast ums Leben. Die Ärzte können ihn auf Kosten seiner körperlichen Menschlichkeit retten. Mit Ersatzteilen ausgestattet, zum Beispiel Ballonreifen anstelle von Beinen, ähnelt er mehr einem Cyborg als einem Menschen. (vergleichbar mit dem SF-Film RoboCop) In den kurzen Kapiteln der Novelle verliert er immer mehr den Bezug zu den Menschen und lässt sich auf eine Jupitermission ein, bei der er fremdartiges Leben in der Atmosphäre des Jupiters entdeckt. Diese Novelle ist als Anhang an den Roman in diesem Buch abgedruckt. Stephen Baxter und Alistair Reynolds setzen am Ende dieser Geschichte auf und spinnen diese im Geiste von Arthur C. Clarke bis ins Jahr 2850, wo sie ein 2001-Odyssee artiges Ende inszenieren. Das verbindende Element in diesen über 800 Jahren ist – Howard Falcon. Durch lebensverlängernde Maßnahmen bleibt er der Charakter, der die Jahrhunderte als Beobachter und Mediator erlebt. Als halb künstliches, halb menschliches Geschöpf sieht er beide Seiten. Denn natürlich entwickeln sich die Maschinen in diesen 800 Jahren von bloßen Erfüllungsobjekten zu eigenständig denkenden Wesen. „Falcon, der weniger dazu neigte, eine Kluft zwischen biologischem und künstlichem Bewusstsein zu sehen, hatte eine simple Diagnose. Er hatte ähnliche Reaktionen bei den Menschen erlebt, die er durch die Welt der Medusen geführt hatte. Selbst der alte Geoff Webster hatte sie in gewissem Maße gezeigt – an seinen guten Tagen. Ehrfurcht. Das war es, was Orpheus empfand. Ehrfurcht.“ Orpheus war eine Maschine auf dem Weg zum Jupiterkern und sendete am Ende seiner Reise einige unverständliche Berichte, bevor ihn der atmosphärische Druck zerbrach. Howard Falcon hält zwar das Buch als überlebende Person zusammen, aber bei über 800 Jahren kann nicht auf jedes Detail eingegangen werden. Politische und wirtschaftliche Entwicklungen werden in knappen Zusammenfassungen aufgearbeitet, Howard selbst behält trotz manchmal jahrzehntelanger selbstgewählter Einsamkeit seinen menschlichen Verstand. Auch Howard ist, wie bei Clarkes Zeiten und Raum umspannenden Büchern, ein Charakter, auf den nicht besonders tief eingegangen wird. Er wirkt eher wie ein zeitloser Soldat, den man bei Bedarf aus dem Tiefschlaf holen kann. Am Ende läuten dann, ganz Clarke-typisch, die Gottes-Glocken und die Streicher setzen zu einem glorreichen metaphysischen Ende ein. Alles Pathos will ich haben und das bitteschön sofort. Baxter und Reynolds haben einen typischen Clarke-SF geschrieben, der dem alten Meister zur Ehre gereicht. Mir persönlich hat dies gut gefallen, und ich war überrascht, wie adäquat die beiden Schriftsteller die Stärken – aber auch die Schwächen Clarkes – in ein neues Buch einweben konnten. Neu erfunden wird das Genre durch dieses Buch sicherlich nicht. Durch die digitale Revolution hat sich in der Denkweise und der Art des Schreibens gerade in der SF einiges geändert. Doch ist er wissenschaftlich fundiert und kann mit einigen netten Ideen aufwarten. Als Kind hätte ich das Buch sicherlich geliebt. Vielleicht findet es ja einige jugendlichen Fans. Auf jeden Fall ein Leseereignis für Freunde des Genres.

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Bei einem Unfall verliert Commander Howard Falcon beinahe sein Leben. Nur durch hoch entwickelte Technologien und außergewöhnlicher Maßnahmen kann er gerettet werden. Aber der größte Teil seines menschlichen Körpers muss maschinellen Teilen weichen, so dass sich Falcon zu einer menschlichen Maschine entwickelt. Im Laufe von Jahrhunderten wird er immer mehr zu einer intelligenten Maschine, während er dennoch seine Menschlichkeit behält. Als Künstliche Intelligenzen die Macht an sich reißen wollen, begibt sich Falcon als Vermittler auf eine gefährliche, aber auch faszinierende Reise zum Jupiter. . Als großer Stephen Baxter-Fan war ich natürlich neugierig, wie eine Zusammenarbeit zwischen ihm und einem weiteren meiner Lieblingsautoren, nämlich Alastair Reynolds, wohl funktionieren würde. Das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen und entführt den Leser in, von beiden Autoren gewohnt, visionäre Welten. An manchen Stellen erkennt man eindeutig Baxters Handschrift, an anderen Stellen liest man Reynolds‘ heraus, aber insgesamt verschmelzen die beiden Schreibstile der beiden Autoren zu einem außergewöhnlichen Ganzen. Inspiriert von Arthur C. Clarkes Kurzgeschichte „Ein Treffen mit Medusa“, die übrigens im Buch als Anhang enthalten ist, führen Baxter und Reynolds die Geschichte (und vor allem den Geist der Geschichte im Sinne von Clarke) so perfekt weiter, das es eine wahre Freude ist. Anfangs ist es ein wenig gewöhnungsbedürftig, wenn man Jahrhunderte immer nur in kurzen Geschichten erlebt. Lässt man sich auf dieses Spiel allerdings ein, bekommt man im Laufe des Romans ein unglaublich intensives Bild von Falcons Leben und den Geschehnissen, die in diesen Zeitspannen in der Welt(politik) passiert sind. Es erscheint wie ein Puzzle, bei dem man erst am Ende ein gesamtes Bild zu sehen bekommt. Erst am Ende begreift man, welch einem ereignisreichen Leben und epischen Entwicklungen der Menschheitsgeschichte man beigewohnt hat. Mit visionären Ideen zeigen die beiden Starautoren realistisch, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Es ist atemberaubend, wie perfekt sich die Einzelgeschichten aus dem Leben des Protagonisten am Ende zu einem Gesamten zusammenfügen, das einen dermaßen mitreißt, das man die Welt und die Zeit um sich herum vergisst. Schreibtechnisch bewegen sich „Die Medusa Chroniken“ auf sehr hohem Niveau und beide Autoren schaffen es, unglaublich erscheinende Begebenheiten absolut glaubwürdig darzustellen. Durch den sozusagen unsterblichen Maschinen-Menschen Howard Falcon haben die beiden einen Protagonisten erschaffen, mit dem zusammen der Leser Zeitzeuge einer über siebenhundert Jahre dauernden Entwicklung auf der Erde und im Weltraum wird. Der Aufbau des Romans ist grandios, wenn man am Ende nochmal auf die Ereignisse zurückblickt und den Plot Revue passieren lässt. Atemlos macht einen aber das Finale, das wohl hauptsächlich aus der Feder (oder zumindest aus dem Kopf) von Stephen Baxter stammt, denn wie in so vielen von Baxters Science Fiction-Visionen, überschreitet auch hier der Protagonist die Grenzen menschlichen Vorstellungsvermögens. Das Ende der Geschichte gleicht einer Achterbahnfahrt, die man mit angehaltenem Atem verschlingt und sich dabei immer wieder fragt, wie jemand auf solch genialen Ideen kommen kann. „Die Medusa Chroniken“ bleiben im Gedächtnis haften. Sie führen eine preisgekrönte Kurzgeschichte von Arthur C. Clarke kultverdächtig fort und erschaffen ein Kopfkino der Extraklasse. Wer allerdings Weltraumschlachten und Alien-Invasionen erwartet, wird wohl enttäuscht sein, denn die Herren Baxter und Reynolds haben einen melancholischen, nichtsdestoweniger epischen, Blick auf die Zukunft der Menschheit und das lange Leben eines im Grunde genommen einsamen Mannes entworfen. Für mich ein Meisterwerk, das mich oft auch an die grandiosen Romane des deutschen Schriftstellers Andreas Brandhorst erinnert hat. . Fazit: Ruhig und melancholisch mit einem atemberaubenden, visionären Ende. Ein Meisterwerk zweier Meister! © 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Meisterwerk

Von: A.D.

17.02.2017

Die Medusa Chroniken ist eine gewaltige, Jahrhunderte umspannende Space Opera zweier großartiger Autoren. Ein Meisterwerk an Future History, eine Chronik der Menschheit, die über sich und ihre eigene Gier, die eigene Schöpfungskraft stolpert und an den Abgrund trudelt, während sie noch versucht, das Sonnensystem für sich zu erobern. Baxter und Reynolds haben keine überflüssige Zeilenschinderei betrieben. Jedes Kapitel, jede Schilderung eines Details hat ihre Berechtigung, oft genug dreht und wendet sich die Geschichte aufgrund der Details. Der Roman verströmt den zarten Duft von Realismus, auch wenn sich die Herren gewisse Freiheiten genommen haben. Die Genialität und den menschlichen Erfindungsgeist kontrastieren sie recht brutal mit der menschlichen Gier und Selbstsucht. Mit der Hauptfigur Howard Falcon haben sie einen Gimmick, der die Handlung auf Jahrhunderte ausdehnt, der ein Zeitzeuge ist und dessen Perspektive es ist, die wir hauptsächlich zu sehen bekommen. Falcon ist ein nüchterner Charakter, der in der Lage ist, seine Erlebnisse und Begegnungen analytisch zu sehen, was den Autoren die Möglichkeit gibt, all die faszinierenden Details, die diese Zukunft bereit hält, zu schildern, wobei sie ganz bewusst immer wieder Lücken reißen, die Jahrzehnte währen. Die Medusa Chroniken sind ein mächtiges, faszinierendes Panorama über die Eroberung des Sonnensystems und all die Schönheit und Schrecken, die es für die Menschen bereithält. Ein Teil ist hausgemacht, ein Teil davon wartet auf uns … wir sollten dem Jupiter mit großer Vorsicht und noch viel mehr Respekt gegenübertreten.

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„Die Medusa Chroniken“ sind eine Kollaboration von den Science-Fiction Autoren Stephen Baxter und Alistair Reynolds, die auf der Kurzgeschichte „Ein Treffen mit Medusa“ von Arthur C. Clarkes basiert. Wie der Titel schon vermuten lässt handelt es sich hierbei um eine Chronik, die episodenhaft die Lebensgeschichte von Howard Falcon erzählt. Commander Howard Falcon, der nach einem Absturz mit seinem Luftschiff beinahe stirbt und nur mit modernster Cyborg-Technologie gerettet werden kann, muss sein Leben nun als einziger seiner Art: halb Mensch, halb Maschine verbringen. Dadurch, dass seine Technik immer wieder modifiziert und auf dem neuesten Stand gehalten wird, ist es ihm erlaubt ein ungewöhnlich langes Leben zu führen, dass wir durch die Jahrhunderte verfolgen können. Das Leben nach seinem Unfall wird dabei in kurzen Episoden erzählt, zwischen denen auch schon einmal mehrere hundert Jahre liegen können. Durch diese Form der Erzählung fällt es allerdings schwer irgendwelche Nebencharaktere zu entwickeln und man ist größtenteils, in diesem 500 Seiten Buch auf den Hauptcharakter fokussiert. Allerdings fiel es mir persönlich schwer irgendeine Verbindung zu Howard Felgen aufzubauen, die mich hätte an seinem Schicksal nachempfinden können. So hat mir mehr der ganze Aufbau gefallen. Welche Auswirkungen die Handlungen unseres Protagonisten über einen so großen Zeitraum haben. Auch seine einzigartige Perspektive auf das Handeln der Menschheit war sehr ansprechend. Insgesamt haben es Stephen Baxter und Alistair Reynolds geschafft vor allen Dingen den Stil der Science-Fiction Ära von Arthur C. Clarkes einzufangen und einen doch unterhaltsamen Science-Fiction Roman zu schreiben.

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