Leserstimmen zu
Studierst du noch oder lebst du schon?

Tiphaine Rivière

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Seit langem habe ich mal wieder eine Graphic Novel gelesen - ich war recht überrascht über die Geschichte. Aber ich fange erst Mal mit den Zeichnungen an: die Bilder sind sehr einfach gehalten. Es gibt mal aufwändigere Zeichnungen, aber meistens sind sie sehr simpel gehalten. Auch was die Farben angeht, das Buch ist durchgehend farbig, aber die Farbpalette bewegt sich nur im sanften Bereich. Es gibt keine grellen Farben. Was ganz angenehm ist.  Die Graphic Novel beschreibt den Werdegang einer Studentin, die sich ohne Stipendium durchschlägt. In den ersten Seiten ist sie noch ziemlich motiviert, aber irgendwann merkt sie, dass sie nicht weiter kommt, weil sie unter anderem einen Job braucht, weil sie sich durch das fehlende Stipendium nicht finanzieren kann. Aus welchem Grund auch immer, aber Aushilfsdozenten werden nur am Ende des Semesters bezahlt, Jeanne findet das ärgerlich, kann aber nichts dagegen tun. Richtig frustriert ist sie aber, als man ihr mitteilt, dass sie keinen Lohn bekommt, weil man nur Geld für die Arbeit bekommt, wenn man noch einen Job hat. Man versucht sie zu beruhigen, da sie so etwas für ihren Lebenslauf hat und es ja deswegen nicht umsonst war. Dann nimmt sie, nach etlichen Bewerbungen einen anderen Job an. Aber durch die Arbeiterei kommt sie nicht dazu an ihrer Doktorarbeit zu schreiben. Und alles zieht sich hin. So richtig witzig fande ich die Graphic Novel eher nicht, es war eher traurig zu sehen, wie motivierten Studenten so Steine in den Weg gelegt werden. Es war auch traurg mit anzusehen, dass die Beziehung von Jeanne in die Brüche ging, aber auch, dass die Familie immer gefragt hat, was sie nun mit dem Doktor macht in dem Fachbereich. Richtig überzeugt bin ich nicht. Vielleicht gehöre ich auch einfach nur nicht zur Zielgruppe. Wer weiß. Die Graphic Novel war ok, mehr aber auch nicht.

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Jeanne hat nach ihrem Studium endlich eine Stelle als Doktorandin ergattert. Doch so eine Promotion, selbst wenn mit Enthusiasmus daran gearbeitet wird, ist komplizierter als Gedacht. Zwischen Lehrauftrag, Finanzierung und jeder Menge Bürokratie bleibt kaum Zeit für das eigentliche Ziel – die Promotion. Und dann wäre da auch noch dieses Ding namens Leben, das bei all dem nicht nur ein bisschen zu kurz kommt. Im Laufe des Comics verfolgen wir die Entwicklung von Jeanne, die glücklich in einer Beziehung steckt und beschließt, ihren verhassten Job als Lehrerin für die Chance auf eine Promotion aufzugeben. Dabei verfolgt man die Entwicklung der hochmotivierten Jeanne zur zunehmend verzweifelten und auch etwas verlotterten Jeanne, die nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht. Sehr gut fand ich dabei immer wieder die Übersichtsseiten, nach dem Vergehen einiger Zeit, wo anhand von eingereichten Formularen und Fotos der zunehmende Verfall von Jeanne dokumentiert wurde. Den Charakter Jeanne fand ich anfangs ein wenig naiv, da sich sich mit vielen Dingen der Promotion scheinbar nicht so wirklich auseinandergesetzt hatte und von vielen Information kalt erwischt wurde. Natürlich hat sie mit der Zeit dazu gelernt, aber vielleicht hätte sie sich einen Teil ihres Kummers ersparen können. Die meiste Zeit hatte ich dennoch viel Spaß beim Lesen, auch wenn man mit der armen Jeanne wirklich mitgelitten hat. Ich war die ganze Zeit so dankbar, dass die Organisation bei uns, zumindest nach meinen Erfahrungen im Naturwissenschaftlichen Bereich, wesentlich unkomplizierter verläuft, wenn auch nicht unbedingt mit weniger Phasen purer Verzweiflung. Da es sich hier ja um einen Comic handelt würde ich gern auch noch ein paar Worte zum Zeichenstil loswerden. Der hat mir nämlich nicht ganz so gut gefallen. Er hat ausgereicht um die Story gut rüber zu bringen, aber ich bin einfach mehr ein Fan von Detailreichen und realitätsnäheren Zeichnungen, und gerade wenn es um farbige Comics geht hätte es manchmal noch ein bisschen mehr Farbei sein können. Aber das ist natürlich nur mein Geschmack – ich kann mir nicht mal Spongebob anschauen, weil ich dabei die Krise bekomme. Fazit Ein unterhaltsamer Comic über die Hürden auf dem Weg zu einer französischen Promotion, der auf witzige Weise in Szene gesetzt wurde und einen mit der armen Jeanne mitleiden ließ. Gut zu empfehlen für arme Doktoranden hierzulande, denn nach meiner Erfahrung geht es uns nicht ganz so schlimm – also Kopf hoch.

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Inhalt Eine nett geschriebene, wenn auch erschreckende Story über die Umstände, unter denen an französischen Universitäten promoviert wird. Allerdings habe ich Ähnliches auch von deutschen Hochschulen und Universitäten gehört. Selbst- und gesellschaftskritisch stellt die Autorin vor, welche verschiedenen Anforderungen und Umgebungen eine Doktorandin/ein Doktorand unter einen Hut bringen muss. Da sind die ständigen, verständnislosen Nachfragen der Familie und der Freunde noch das kleinste Problem. Viel drängender ist die Frage, wie man das zum Leben nötige Geld beschafft und wie es möglich ist, neben der Jonglage all dieser Aspekte noch einigermaßen am Leben zu bleiben und nicht zu viele Freunde und Bekannte zu verprellen. Die Geschichte wird in Form eines Comics erzählt. Man muss also gar nicht viel Text lesen. Alles geht dadurch rasant schnell, sodass man auf den ersten Blick vielleicht die Bilder gar nicht recht würdigen kann. Dann ist definitiv ein zweiter Durchgang angesagt, weil in den Bildern noch einmal zusätzliches Aus- und Eindruckspotential steckt. Es ist schön, dass die Geschichte ausgeht, wie sie ausgeht, jedoch bleibt unklar, wie es zu diesem Ergebnis kommen konnte. Subjektive Eindrücke Das Lesen hat mir sehr viel Spaß gemacht. Zuerst habe ich ganz schnell die Texte gelesen und die Bilder oberflächlich nebenbei wahrgenommen. Danach habe ich mir noch einmal in aller Ruhe die Zeit genommen, mir die Bilder anzusehen. Kontraste zwischen der Hauptperson und der Umgebung, aber auch Änderungen im Hintergrund (z. B. wechselnde Bilder an der Wand des Sekretariats) unterstreichen die Textaussage in hilfreicher Weise. Traurig ist allerdings, dass es offensichtlich kein Einzelfall ist, von dem hier berichtet wird. Wird das Buch dazu beitragen können, hier Abhilfe zu schaffen? Zu wünschen wäre es allen derzeitigen und zukünftige Doktorandinnen und Doktoranden. Fazit Da es in meinem näheren Umfeld ebenfalls einige Doktorandinnen (keine Doktoranden) gibt, hat mich das Buch sehr interessant. Und leider fand ich etliches von dem wieder, was mir unsere Freunde bereits berichtet hatten. So konnte ich zwar das Lesen des Buches genießen, musste aber doch immer wieder schlucken, wenn sich Geschichte und gehörte Realität zu sehr deckten. Ich danke dem Verlag sehr herzlich für dieses aufrüttelnde Rezensionsexemplar.

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Da ich selbst Studentin bin, hat mich der Titel "Studierst du noch oder lebst du schon?" sofort neugierig gemacht. Im Gegensatz zu Jeanne schreibe ich zwar keine Doktorarbeit, dennoch kamen mir bereits bei der Kurzbeschreibung gewisse eigene Erlebnisse aus dem Studienalltag in den Sinn. Daher war ich sehr gespannt wie die Autorin das Studentenleben in dieser Graphic Novel darstellen würde. Man merkt beim Lesen schnell, dass Tiphaine Rivière (zumindest teilweise) aus Erfahrung schreibt, wenn sie humorvoll gewisse Szenen aus Jeannes Leben beschreibt. Die Geschichte erzählt wirklich authentisch aus Jeannes Alltag als Doktorierende, von ihrem anfänglichen Enthusiasmus mit dem sie sich mit dem Thema ihrer Arbeit auseinandersetzt, bis zu ihrer wachsenden Verzweiflung als die Monate vergehen und sie einfach nicht vom Fleck zu kommen scheint. Besonders die Szenen mit Jeannes Verwandtschaft, die nicht besonders viel Verständnis für ihr Studium hat, fand ich super lustig und treffend dargestellt, ich denke solche Situationen kennt wohl fast jeder der studiert.  Ich würde daher die Graphic Novel auch ganz besonders derzeitigen, ehemaligen oder zukünftigen Studierenden empfehlen. Auch wenn Jeanne bereits Doktorandin ist und daher nicht genau mit denselben Problemen zu kämpfen hat, wie jemand der beispielsweise gerade angefangen hat zu studieren, gibt es doch Situationen, die jedem Studierenden bekannt vorkommen dürften. Auch wenn der Ton, besonders anfangs, ziemlich humorvoll ist, zeigt die Geschichte doch auch die "Schattenseiten", beispielsweise, wenn Jeanne sich immer mehr in ihrer Arbeit vergräbt und alles andere zu vernachlässigen beginnt.  Das Zeichnungsstil der Autorin hat mir gut gefallen. Der Hintergrund ist meistens eher einfach gehalten, während die Figuren im Vordergrund stehen und sehr ausdrucksstark gezeichnet sind. Man kann alle Figuren gut auseinanderhalten und mir hat besonders gefallen, dass man Jeannes Entwicklung auch sehr gut an ihrem Aussehen erkennen kann. Was mir leider nicht so gut gefallen hat war, dass es in der Geschichte immer wieder relativ grosse Zeitsprünge gab und ich dadurch irgendwann das Gefühl hatte wichtige Dinge zu verpassen und es die Handlung teilweise etwas verwirrend machte. Zudem wirkte es dadurch teilweise eher wie eine Ansammlung von einzelnen Episoden, als eine Geschichte mit einem richtigen Handlungsbogen.  Auch hatte ich das Gefühl dadurch ein bisschen die Verbindung zu Jeanne zu verlieren, da man ihre Veränderung dadurch nur lückenhaft mitbekommt. Die Graphic Novel deckt die gesamte Zeitspanne in der Jeanne an ihrer Arbeit schreibt ab und parallel dazu wie sich Jeanne verändert, hatte ich auch etwas das Gefühl, dass die Geschichte etwas an Humor verlor und besonders das Ende hat mir dann nicht mehr so gut gefallen, da es auch recht abrupt war.  Fazit: "Studierst du noch oder lebst du schon?" erzählt humorvoll aus dem Alltag einer Doktorandin und man merkt, dass die Autorin Tiphaine Rivière dabei viel aus eigener Erfahrung berichtet. Ich würde die Graphic Novel ganz besonders Studierenden empfehlen, da diese sicher die eine oder andere Situation, die Jeanne erlebt, wiedererkennen werden. 

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Das Cover finde ich richtig lustig. Während die Protagonistin am Tisch sitzt und verzweifelt inter ihren Büchern klemmt, haben alle anderen um sie herum Spaß, was sie ordentlich zu frustrierend scheint. Im großen und Ganzen gleicht das Cover eine Wimmelbild, auf dem man auch noch nach mehreren Minuten ein paar neue Dinge entdecken kann, auch die Farben sind sehr schön. Das komplette Schema zieht sich durch das komplette Buch. Der Zeichenstil an sich ist jetzt nicht so mein Fall, aber dennoch sich diese wirklich sehr gut gemacht. Jedes einzelne Bild ist liebevoll colouriert worden und mit zahlreichen Details versehen. Während ich diesen Comic gelesen habe, konnte ich einfach nicht anders, als auch den Hintergrund jedes Bildes zu betrachten. Immer wieder verstecken sich dort lustige Szenen. Besonders, wenn irgendwo ein Flyer aushängt oder ein Poster an der Wand klebt: darauf sind witzige Sprüche, griesgrämige Gesichter oder andere bemerkenswerte Dinge. Die Farben passen alle sehr schön zusammen, das Ganze wirkt bunt, aber auf keinen Fall überladen. Ich finde, das ist eine schöne Abwechslung gegenüber der schwarz-weißen Mangas, die ich sonst so lese. Auch wenn es sich hier nicht um einen Manga handelt und ich bei Comics an diese Superhelden denken muss, und eigentlich eher weniger nach solchen greife, hat mir dieser hier wirklich sehr gut gefallen. Die Story ist wirklich interessant - neben viele lustigen Szenen gibt es auch Vieles, was mich zum Nachdenken gebracht hat. Ich bin kurz davor, mein erstes Semester als Literaturstudentin hinter mich zu bringen und muss sagen, dass all diese Situationen, die die Protagonistin im Comic durchlebt, in abgeschwächter Form auch auf Hausarbeiten vollkommen zutreffen, gerade dann, wenn es sich um die ersten handelt. All die Euphorie am Anfang, dass es endlich los geht, die ganzen Zweifel, Rückschläge, noch mehr Zweifel, Verzweiflung, wenn man dann merkt, dass es doch viel komplizierter wird, als eigentlich gedacht... Die Geschichte ist verdammt lustig, süß gemacht aber verdammt wahr. Ich werde niemals eine Doktorarbeit schreiben, aber das war mir auch schon vor diesem Comic klar. Ich denke, diese Graphik Novel ist auch eich richtig lustiges Geschenk für jemanden, der darüber nachdenkt, eine Doktorarbeit zu schreiben. Oder für einen Studienanfänger. Dann weiß er oder sie direkt, wie kompliziert so etwas doch werden kann. Bewertung Der Zeichenstil ist vollkommen in Ordnung, ich hab schon viel schlimmeres gesehen. Die Bilder sind alle bunt, aber nicht überladen und liebevolle, kleine Details sind überall versteckt. Die Story an sich ist erschreckend wahr und regt einen - neben all dem vielen Lachen - auch zum Nachdenken an. Wer darüber nachdenkt, eine Doktorarbeit zu schreiben oder einfach neugierig ist wie eine solche Aussieht und wie eine geschrieben wird, der macht mit diesem humorvollen Comic alles richtig. Da ich nichts auszusetzen habe, vergebe ich 5 von 5 Sternen. So, und jetzt setzte ich mich wieder an meine Hausarbeiten ;)

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Als Jeanne Dargan eine Zulassung als Doktorantion für Literaturwissenschaften angeboten bekommt, stimmt die unzufriedene Lehrerin sofort zu. Lehren an einer Uni! Weg von denen, für die die Literatur ein Fremdwort ist und hin zu denen, die es zu schätzen wissen. Voller Freude stürzt sie sich ohne ein Stipendium ins Uni-Leben, doch schnell wird sie von der Realität, bestehend aus schlechten Jobs und der nie endenden Arbeit, eingeholt. Der Doktorvater ist ein Idiot und der Unterricht an der Uni ist völlig anders als erwartet. Alles muss sich Jeanne selbst erwarbeiten, denn es gibt keine Hilfestellung und die Organisation ist eine Katastrophe! Als ob es nicht schon reicht, dass in Jeanne's Arbeitsleben nicht alles rund läuft, liegt ihr die Familie auf den Ohren und will wissen, wie es nach der Promotion weiter gehen soll. Um es kurz zu machen: Jeanne ist von allen Seiten überfordert. Meinung: Studierst du noch oder lebst du schon? bietet einen interessanten Einblick in die Welt der Lehrenden. Dass es in einer Uni nicht immer gleich geordnet zu geht, spürt jeder Student, doch wer dort arbeitet oder gar lehrt, weiß es ganz genau. Die Uni existiert in einer eigenen Welt und besitzt einen eigenen Takt. Die Charaktere, wie die Jeanne, der Idiot von einem Doktorvater oder die Eigenwillige Sekretärin, und ihre Beschreibung sind gut gewählt und umgesetzt worden. Das liegt daran, dass die Autorin Tiphaine Rivière weiß, worüber sie schreibt. Nach dem dreijährigen Versuch, ihre Doktorarbeit in Literatur abzuschließen, startete sie den illustrierten Blog Le bureau 14 de la Sorbonne und ihre Karriere als Comic-Zeichnerin. Mir waren ihre Zeichnungen schon vorher bekannt. Sie sind jung, gewagt und treffen den Kern: Dadurch hat die Geschichte eine Leichtigkeit und es macht einen unheimlichen Spaß ihr zu folgen :) Doch in Studierst du noch oder lebst du schon? gibt es einige Zeitsprünge mit größeren Zeitsprüngen, wodurch manchmal den Weg der Entwicklung von Jeanne verloren geht. Zum Ende hin hatte ich auch das Gefühl, als wollte oder musste die Autorin nun fertig werden. Deshalb und durch das (Spoiler!) gute Ende, bin ich etwas enttäuscht. Ich hatte eher etwas anderes vermutet und weniger Ende gut, alles gut. Fazit: Trotz des einfachen Endes ist es ein Muss für alle Fans von Rivière und ihren Comics!

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Wer als Student kurz vor einem Abschluss steht, der kennt diesen unbestimmten Druck und die Fragen der Verwandtschaft, wieso man das denn überhaupt studiert und wieso es so lange dauert ect. pp. Tiphaine Rivière schafft es auf eine interessante selbstironische Weise diese Dinge darzustellen. Wirklich lesenswert und eine Empfehlung für jeden Studenten.

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In „Studierst du noch oder lebst du schon?“ erzählt Tiphaine Rivière die Geschichte einer jungen Frau, die eine Doktorarbeit über die Torhüterparabel in Kafkas „Prozess“ plant. Jeanne legt in ihrem Job als Lehrerin ein Sabbatical ein um zu promovieren. Ohne Stipendium beschließt sie, sich das Geld zum Leben nebenbei zu verdienen. Die erste Kontaktaufnahme mit ihrem Doktorvater ist schwer, die nächste wird noch schwerer. Von der Vorstellung begeistert, an der Uni statt der Schule zu unterrichten, übernimmt sie eine Vorlesung zur Literatur im Mittelalter. Zur Vorbereitung liest sie alles, was sie über das Mittelalter in die Hände bekommt. Rund um die Uhr, ständig. Vor der Vorlesung hat sie trotzdem Angst, sie kennt sich mit der Literatur im Mittelalter gar nicht aus. Als Aushilfsdozentin wird sie erst am Ende des Semesters von der Universität bezahlt. Sie nimmt einen Kredit auf, sucht einen Nebenjob, liest alles über Kafka. Gespräche mit Jeanne beginnen mit „Und dann habe ich gelesen, dass Kafka…“. Tiphaine Rivière erzählt vom Promovieren und der Universität als Arbeitgeber. Dass die Arbeitsbedingungen für Doktoranden nicht die allerbesten sind, ist ja nichts Neues. Neu ist nur die sehr, sehr komische Darstellung der Universität als Arbeitgeber. Die Sekretärin im Promotionsbüro sitzt hinter einer geschlossenen Tür und greift zum Telefon, sobald die Tür sich öffnet. Eine Szene, die vermutlich jeder Student kennt, der mal ins Prüfungsamt musste. Später fängt Jeanne selbst im Promotionsbüro an und verzieht die Mine, jedes Mal wenn es an der Tür klopft. Faszinierend ist auch die Geschichte, die hinter „Studierst du noch oder lebst du schon?“ steht: Tiphaine Rivière hat drei Jahre promoviert, bevor sie ihre Doktorarbeit aufgegeben und sich selbst zeichnen beigebracht hat. Heute arbeitet sie als Künstlerin. Ihre Zeichnungen sind lebendig. Tragik und Komik der Situation werden perfekt dargestellt. Die Gesichter oft auf die wesentlichen Gesichtszüge beschränkt, dann wieder vollkommen übertrieben emotional, etwa wenn Jeannes ganzes Gesicht sich vor Wut in die Länge zieht. Eine perfekte Mischung. Wunderschön auch die Farben, die sie gewählt hat. Verhalten koloriert mit Farbakzenten an genau den richtigen Stellen, ist „Studierst du noch oder lebst du schon?“ ein Kunstwerk unter den Neuerscheinungen in diesem Jahr. „Studierst du noch oder lebst du schon?“ ist bei Knaus erschienen. ISBN: 978-3-8135-0740-9 184 Seiten, 19.99 €.

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