Leserstimmen zu
Mardi und eine Reise dorthin

Herman Melville

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„Nachdem ich in jüngster Zeit zwei Reiseerzählungen aus dem Pazifik veröffentlicht hatte, […] kam mir der Gedanke, tatsächlich ein Südseeabenteuer als Fantasieerzählung zu schreiben, um zu sehen, ob diese Fiktion nicht möglicherweise für wirklich genommen werden kann.“  Diesen Satz lässt Herman Melville, den die meisten Leute wohl hauptsächlich als Autor von Moby Dick kennen, seinem Roman Mardi und eine Reise dorthin vorangehen. Mit dem 1849 erschienen Roman wagt der damals 30-jährige Melville erstmals den Sprung ins Fiktionale, nachdem er zuvor die zwei realistischen Reiseerzählungen Typee (1846) und Omoo (1847) erfolgreich veröffentlicht hatte. Mit diesem Roman, der heute als Vorläufer von Moby Dick gilt, legt Melville einen Abenteuerroman vor, der doch so vieles mehr ist als das: Mardi ist eine Liebeserklärung an die Ferne, das Meer und das Unbekannte, eine Zivilisations- und Gesellschaftskritik voll philosophischer Raffinesse, in der jedoch auch die Liebe nicht zu kurz kommt. Der Manesse-Verlag hat diesen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Roman in einer hochwertigen Ausgabe mit einem ausführlichen Kommentarteil nun noch einmal neu herausgegeben. „Wir sind los! Die Untersegel und Toppsegel sind gesetzt, der korallenbehangene Anker baumelt vom Bug; und zusammen werden die drei Oberbramsegel der Brise übergeben, die uns auf die See hinaus folgt wie das Gebell eines Hundes.“ Das große Abenteuer beginnt, als Taji mit einem Kameraden von einem Walfängerschiff, das bisher erfolglos den Pazifik durchstreifte, desertiert. Als die beiden in einem kleinen Beiboot Kurs auf fremdes Land nehmen, stoßen sie auf das wunderschöne Mädchen Yillah, das sie auf einer wilden Reise mit in die Inselwelt des Archipels Mardi nimmt. Als sie jedoch plötzlich verschwindet, begibt sich der verliebte Taji mit vier Kameraden auf eine ereignisreiche Suche, die ganz unter dem Zeichen der klassischen Irrfahrt steht. Ein Abenteuer jagt das nächste und zusammen ergibt sich das Bild einer völlig fremden Welt, die zwar voller Gefahren ist, die aber doch als so unglaublich schön beschrieben wird, dass sich jede Reise dorthin zu lohnen scheint. „Über ihre Schönheit sage ich nichts. Es war die eines Kristallsees in einem unergründlichen Wald, gänzlich voller Licht und Schatten, mit flüchtigen Offenbarungen: bald tiefgründig dunkel, bald in Sonne gekräuselt, doch immer funkelnd und wechselnd und ineinander übergehend.“ Melvilles Prosa ist in diesem Roman poetischer als so manches Gedicht. Atmosphärisch beschreibt er das Meer und schildert beinahe wie ein Philosoph die existenziellen Probleme, denen man sich auf See zu stellen hat. In einem ganzen Kapitel beschreibt der Autor die quälende Ungewissheit, die mit einer Windstille einhergeht und die es auszuhalten gilt. Und Melville muss es wissen: Er selbst war ein echter Seebär. 1841 heuerte er auf einem Walfängerschiff an und unternahm später als freier Schriftsteller lange Auslands- und Vortragsreisen. Entsprechend ist sein Vokabular durch viele nautische Begriffe geprägt, die jedoch in einem ausführlichen Kommentarteil, der sich praktischerweise am Seitenende und nicht wie so oft am Ende des Buches befindet, erläutert werden. Außerdem liefern der Kommentarteil sowie das Nachwort von Übersetzer Rainer G. Schmidt wertvolle Infos zu historischem und entstehungsgeschichtlichem Hintergrund, die es erlauben, das Werk auch in seinem Entstehungskontext zu lesen. Mardi und eine Reise dorthin – ein fantastischer Abenteuerroman in einer liebevoll und sorgfältig editierten Neuübersetzung.

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