Leserstimmen zu
Das Walmesser

C. R. Neilson

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Hiltruper Buchhandel

Von: Angela Bischoff aus Münster

28.06.2017

Spannend und eindrucksvoll von der ersten bis zur letzten Seite. Und - ich habe das Gefühl, nach dem Lesen schon mal dort gewesen zu sein! Einfach prima!!

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Inhalt John Callum wacht eines Morgens verkatert am Hafen auf. An den vergangenen Abend hat er keine Erinnerung mehr, aber in seiner Tasche findet er ein Grindaknívur, ein blutiges Messer, das üblicherweise zum Schneiden von Walfleisch benutzt wird. Und in der Stadt gibt es nur ein Thema: der Mord, der in dieser Nacht geschehen ist. Protagonist John Callum lebt er seit kurzer Zeit auf den Färöer-Inseln. Er konnte eine kleine Hütte anmieten, hat eine Anstellung in einer Fabrik gefunden und in der Hauptstadt Tórshavn schon einige Menschen kennengelernt. Er ist nicht auf Ärger aus, hat sich aber schon einige Feinde gemacht. Dabei wollte er nur weit weg von seiner Heimat Schottland ein neues Leben beginnen. Meine Gedanken zum Buch Eine kleine Inselgruppe im Nordatlantik. Dreihundert Tage im Jahr Regen. Die Menschen leben von Fischfang, Schafzucht und der Jagd auf Grindwale. Wer freiwillig hierher kommt, ist anderswo vor etwas geflohen. Wie der Klappentext des Buches beginnt auch das Hörbuch mit einer ausschweifenden Beschreibung der wunderbaren Landschaft der Färöer verpackt in die Ankunft von John Callum. Eigentlich ganz nett, wenn ich nicht nach drei Stunden mühsamer Hörzeit immer noch darauf gewartet hätte, dass etwas Entscheidendes passiert. Mehr als einmal wollte ich das Hörbuch abbrechen, doch ein Blick auf die Statistik der überwiegend sehr guten Rezensionen hat mich zunächst davon abgehalten. Nach einer weiteren Stunde Hörzeit habe ich mir die Rezensionen ein wenig genauer angesehen und festgestellt, dass beim Hörbuch bereits direkt zu Beginn gekürzt wurde. Durch Zufall bin ich mit einer Bekannten ins Gespräch gekommen, die das Buch gekauft und es abgebrochen hatte, weil es sie nicht überzeugen konnte. Um einen Vergleich zwischen Hörbuch und Buch ziehen zu können, habe ich mir das Buch von ihr geliehen. Auch hier zogen sich die ersten 250 Seiten, doch ich dachte, wenn ein Buch so gute Bewertungen erhält, muss die zweiten Hälfte des Buches phänomenal sein um die „ersten“ Eindrücke auszubügeln. „Phänomenal“ war aber auch der zweite Teil des Buches nicht, gut ja, aber nicht überragend. Während sich die erste Hälfte darauf beschränkt, zu erzählen, wie John auf den Färöer-Inseln angekommen ist, was er seither erlebt und wen er kennengelernt hat, passiert dann (endlich) der Mord, womit dann auch der Untertitel „Krimi“ zu seinem Recht kommt. Ginge es in dieser Krimi nur um den Mord und die Aufklärung, hätte das Buch möglicherweise sogar vier Eulen von mir bekommen, aber da ich das Buch als Ganzes bewerte, reicht es nur für 2,5 Eulen. Eine halbe Eule lege ich noch für die Covergestaltung im Innenteil drauf. Fazit Nichts für Freunde rasanter Krimis. Um Spaß an diesem Buch zu haben muss man großes Durchhaltevermögen an den Tag legen und ein Faible für die Beschreibung von Land und Leute haben. Meinen Geschmack hat dieser Krimi leider nicht getroffen. Hätte ich nicht schon so viel Zeit investiert gehabt, hätte ich mit Sicherheit abgebrochen.

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Als erfahrener Leser nordisch-kühler Kriminalromane ist man vermutlich schon weit herumgekommen und kennt Stockholm besser als die eigene Westentasche, hat mit Kult-Ermittlern wie Jo Nesbøs Harry Hole oder Henning Mankells Kurt Wallander vermeintliche Verbrechens-Hochburgen wie Oslo oder das beschauliche schwedische Ystad ein klein wenig sicherer gemacht und vielleicht sogar schon den ein oder anderen literarischen Ausflug in einsame Gegenden wie Lappland oder Island unternommen. Doch selbst für derart reisefreudige Krimi-Leser dürfte das Setting von C.R. Neilsons Roman „Das Walmesser“ Neuland sein, denn dieses düstere und oft schwermütige Buch hat die Färöer zum Schauplatz, eine zu Dänemark gehörende Inselgruppe im Nordatlantik, die bei weitem mehr Schafe als Menschen beheimatet – nicht ohne Grund bedeutet der Landesname wortwörtlich „die Schafsinseln“. Mord auf den Schafsinseln Mit gerade einmal 50.000 Einwohnern und einer fast nicht existenten Kriminalitätsrate scheinen die Färöer auf den ersten Blick nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für einen packenden Krimi zu bieten, für John Callum – C.R. Neilsons Hauptfigur – sind die 18 Inseln jedoch der perfekte Ort, um der eigenen Vergangenheit zu entfliehen und fernab aller früherer Verstrickungen einen Neustart zu wagen. Dass dieser jedoch nicht sonderlich erfolgreich zu verlaufen scheint, wird den Lesern bereits auf den ersten Seiten klar: Callum erwacht nach einer offenbar alkoholgeschwängerten Nacht ohne Kurzzeitgedächtnis, dafür aber mit einem dicken Kater auf einem Steinblock im Hafen Torshavns (der Hauptstadt der Färöer). Noch schlimmer wird es aber bei einem Blick in die eigene Manteltasche, der ein blutbeschmiertes Grindaknívur, das traditionelle und titelgebende Walmesser der Färinger, zu Tage fördert. Als John Callum wenig später erfährt, dass es in der vergangenen Nacht einen Mord gegeben hat, steht der Protagonist nicht nur für den Leser, sondern auch für sich selbst ganz oben auf der Liste der Verdächtigen. Flucht vor einer düsteren Vergangenheit Nach diesem blutigen Auftakt dreht der Autor die Zeit aber erst einmal um drei Monate zurück und berichtet in aller Seelenruhe von den ersten Schritten Callums nach seiner Flucht aus dem schottischen Glasgow als nun neuer Bürger der Färöer. Wovor John in seiner Heimat weggelaufen ist, bleibt dabei zunächst ein Geheimnis, man ahnt aber früh, dass der Neu-Färinger bereits dort auf irgendeine Weise mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Dabei scheint der Mann in den Mitt-Dreißigern eigentlich gar nicht so ein unsympathischer Zeitgenosse zu sein: vielleicht etwas rau und eher vom Typ einsamer Wolf, trotzdem begegnet Callum seiner neuen Umgebung aufgeschlossen und mit Demut – mit den offenbar dramatischen Ereignissen seiner Vergangenheit im Hinterkopf braucht er nicht viel, um zufrieden zu sein. Ein Dach über dem Kopf, am Tag zumindest eine warme Mahlzeit und ein kleiner Lohn für die Schwerstarbeit in der örtlichen Fischzucht – Callums neue Existenz ist vor allem von Bescheidenheit geprägt. Kriminalroman und Reiseführer C.R. Neilson braucht rund 200 der insgesamt 500 Seiten des Buches, um rückblickend die Geschehnisse bis zu jenem bösen Erwachen am Anfang des Romans zu erzählen und für Leser mit kurzem Geduldsfaden dürfte dies vielleicht zu viel sein, um diesem Werk die Wertschätzung entgegenzubringen, die es eigentlich verdient hat. Denn der Autor begegnet dem Schauplatz seiner Geschichte mit viel Ehrfurcht und nutzt die Gegebenheiten, um ein hohes Maß an Authentizität und eine ungemein dichte Atmosphäre zu erzeugen. Gerade in der ersten Hälfte ist „Das Walmesser“ dabei oft mehr Reiseführer als Kriminalroman und auch wenn der Mordfall erst ab der Mitte des Buches wieder zum Thema wird, so ist die Handlung zu keinem Zeitpunkt langweilig – zumindest, wenn man eine gewisse Begeisterung für die Natur und Kultur des hohen Nordens mitbringt. Neilson beschreibt die Sehenswürdigkeiten der Schafsinseln mit beeindruckender Bildhaftigkeit und so anschaulich, dass man die Landschaft und ihre markanten Punkte stets genau vor Augen hat. Auch die Eigenheiten der färingischen Bevölkerung werden vom Autor sehr detailliert eingefangen – mit all ihren Höhen und Tiefen. Zu den Schattenseiten zählt zum Beispiel auch der Grindadrap – der blutige Walfang der Färinger, bei dem innerhalb von wenigen Stunden Dutzende von Meeressäugern regelrecht abgeschlachtet werden. Neilson schildert dies in all seiner Grausamkeit, ohne jedoch die Einwohner der Inseln zu verurteilen und mit der nötigen Achtung vor der Tradition der Färinger – so schockierend und unverständlich diese für Mitteleuropäer in manchen Punkten auch sein mag. Nicht immer hochspannend, aber mit tollem Schauplatz und packender Atmosphäre In der zweiten Hälfte wird „Das Walmesser“ dann doch noch zum Kriminalroman, der zwar nicht das ganz hohe Spannungsniveau erreicht, aber doch gekonnt mit der ein oder anderen falschen Fährte spielt und bis zur letzten Seite fesselt – auch, weil der Autor interessante und vielschichtige Charaktere geschaffen hat, die mit ihren Eigenheiten viel zur Faszination dieses Buches beitragen. „Das Walmesser“ ist mit Sicherheit kein Krimi für Jedermann und dürfte für viele Leser zu unspektakulär, zu langsam oder zu schwermütig sein – wer sich aber vor allem aufgrund des ungewöhnlichen und unverbrauchten Settings für C.R. Neilsons Werk interessiert, der bekommt genau das, was die Beschreibung und die damit hervorgerufene Erwartungshaltung verspricht: einen packenden Roman, der das Potenzial seines Schauplatzes voll ausschöpft und mit beeindruckenden Beschreibungen von Natur und Kultur eine düstere und sehr authentische Atmosphäre erzeugt. Auch wenn Neilsons Geschichte sicherlich alles andere als vor Fröhlichkeit und Optimismus strotzt: unterhaltsamere, spannendere und begeisterndere Werbung für die Färöer könnte sich selbst die dortige Tourismusbehörde kaum wünschen und es wäre sicherlich keine Überraschung, wenn es trotz des vielen Regens und der rauen Landschaft in diesem Roman nach Beendigung dieser Lektüre den ein oder anderen Leser zumindest ein klein wenig jucken würde, in den nächsten Flieger in Richtung Schafsinseln zu steigen.

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Warum verlässt John Callum Glasgow und begibt sich Hals über Kopf in die unberührte Natur der Faröer Inseln? Er kennt dort niemanden und hat auch keine Arbeitsstelle im Gepäck. Ist er auf der Flucht? Hat er ein Verbrechen begangen oder anderen Dreck am Stecken? Der Hörer ist diesbezüglich ebenso unwissend wie die männliche Hauptfigur selbst. John kann sich an nichts erinnern. Leidet er unter Amnesie, hat er schlimme Ereignisse erlebt und erfolgreich verdrängt? Oder kann er sich an nichts erinnern, weil einfach nichts passiert ist? Aber warum suchen ihn dann immer wieder diese undurchsichtigen Albträume auf? Meine Neugier war geweckt. Ich wollte wissen, was John Callum erlebt hat, und auch, wie sich sein Leben im frei gewählten Exil entwickeln würde. Denn so leicht wie erhofft ist es nicht für den Mann. Er scheint vielmehr vom Regen in die Traufe geraten zu sein. Sein Neuanfang ist nicht leicht, er dringt in die eingeschworene Gemeinschaft eines Dorfes ein. Nicht jeder dort freut sich über solche Eindringlinge. So mancher zeigt ihm offen seine Ablehnung, andere sind zurückhaltender. Und zum Glück gibt es dort auch Menschen, die John die Hand reichen und ihm eine Chance geben. So findet er Arbeit in einer Lachszucht und schließlich glaubt er auch Amors Pfeil zu spüren. Diese positive Entwicklung hält jedoch nicht lange an…. Eines Morgens erwacht John im Hafen. Ohne jegliche Erinnerung an den letzten Abend und die Nacht, dafür mit einem blutigen Messer in der Tasche. Was hat er getan? Hat er überhaupt etwas getan, oder ist der Täter ein ganz anderer und will ihm ein Verbrechen anhängen? Erneut kommen mir Fragen über Fragen in den Sinn. Und die Befürchtung, dass, egal was passiert ist, John im Zweifelsfall vermutlich immer den Kürzeren ziehen wird. Denn entweder hat er selbst das Messer benutzt, oder jemand schiebt ihm eine große Schuld in die Tasche – geschützt durch den Zusammenhalt des eingeschworenen Menschenschlags. Was wäre in diesem Fall stärker – die Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft oder die Reinheit des Gewissens? Nach und nach kommen immer mehr kleine Schnipsel der Wahrheit ans Licht, die sich zum überraschenden Bild der Tatnacht zusammenfügen. In dem Maße, wie sich die Verstrickungen auf den Faröerschen Inseln aufklären, wird John zunehmend von der Vergangenheit eingeholt und die damaligen Geschehnisse treten immer klarer zutage. Der Autor hat vor der großartgen, bildgewaltigen Kulisse der Faröerschen Inseln einen ruhigen Thriller der leisen Töne erschaffen, dem trotz seiner Gemächlichkeit ein gutes Maß an subtiler Spannung innewohnt. Die Protagonisten sind ebenso undurchsichtig gezeichnet wie Johns Schicksal. Parallel zu dessen Aufklärung begreift der Hörer, wer wirklich auf der Seite des Mannes steht und wer sich lange Zeit hinter dem Deckmäntelchen eines raffinierten Lügengeflechts zu verstecken wusste. Durch die Ich-Form der Erzählung hatte ich eine enge Bindung zur Hauptfigur und erlebte intensiv seine Zeit auf der Insel. Dabei haben mich die Geschehnisse ebenso in den Bann gezogen wie der großartige Lokalkolorit, mit dem der Krimi durchsetzt ist. Die raue Natur, die Flora und Fauna, die Traditionen, das harte Leben, das wilde Meer, das die Salzluft ebenso weit in die Kulisse schleudert wie der Autor die Schicksalsfäden Johns durch das Land ziehen lässt und am Ende schlüssig und mit Irrungen und Wirrungen garniert interessant und überzeugend auflöst. Martin Bross als Hörbuchsprecher ist eine gute Wahl für „Das Walmesser“. Mit seiner ruhigen Art unterstützt er die Langsamkeit der Geschehnisse, fördert aber auch auf ganz unaufgeregte Weise den Aufbau der unterschwelligen Stimmung. Er gibt die verschiedenen Stimmungen der Protagonisten überzeugend wider, schildert aber auch nachhaltig die überwältigenden Naturgewalten. Ich lauschte sehr gerne seiner Stimme und hätte gerne noch etwas länger in der Geschichte, auf den Faröer-Inseln, verweilt. Inhalt Fremd auf den Färöern. Blut an den Händen. Du erwachst. Klatschnass, frierend, verkatert. Dein Kopf schmerzt. Du hast keine Erinnerung an den letzten Abend. In deiner Tasche findest du ein Grindaknívur — ein Messer, mit dem am Abendbrottisch das Walfleisch zerteilt wird. An der Klinge haftet Blut. Aber es ist nicht deines … Autor C. R. Neilson arbeitete zwanzig Jahre als Journalist, ehe er sich auf das Schreiben von Krimis und Thrillern verlegte. Er lebt in Schottland. Sprecher Martin Bross spielt und spricht für Bühne, Film, TV und Radio. Seit 2006 ist er als Gast am Theater an der Ruhr beschäftigt. Man hört ihn in zahlreichen WDR-Hörspielen und Hörbüchern von Random House Audio, oder sieht ihn im TV (z. B. Späte Aussicht, Die Gustloff). Quelle: Random House Audio

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Die Färöer, Inseln inmitten einer unbändigen Natur. Launisch und wechselhaft, wie das Wetter auch die Menschen. Eine eingeschworene Gemeinschaft, in die nun der Schotte John Callum stolpert. Ein Fremder, der nicht zum Urlauben gekommen ist. Sondern geflohen ist, vor seinem Leben und auch sich selbst. Er trägt ein Geheimnis mit sich, eine Art Schuld und es dauert ewig bis man als Leser erfährt um was es geht. Doch auch andere wissen davon. Ist er deswegen zu einem Mörder geworden? „Ich weiß, wer sie sind. Ich weiß was sie getan haben.“ Diese Geschichte erzählt Callum selbst. Normalerweise mag ich diese Ich-Form, gibt es dadurch viel spürbarere Emotionen, allerdings wurde mir hier dann doch einen touch zu viel „gejammert“. Irgendetwas hatte er angestellt/erlebt, soviel konnte man recht schnell herauslesen, nur was genau das war – zum ins Buch beissen. So etwas muss ich einfach immer wissen und deswegen hat mich dieses „Etwas“ auch durch das Buch getrieben. „Mein Körper und meine Seele trugen die Narben der Schuld. Nun strömte ihr Gift aufs Neue durch meine Adern.“ Der zweite mir wichtige Punkt war dieser Mord. Die Auswahl der Verdächtigen auf solch kleinem Raum ist begrenzt. Da war es kein Wunder, dass ausgerechnet der Fremde in Verdacht gerät. Er verhält sich aber auch seltsam. Seine nächtlichen Alpträume treiben sogar seine Vermieter dazu ihn rauszuwerfen und in einer kleinen Hütte unterzubringen. Callum hat Zeit auf der Insel und die nutzt er zum Wandern, kreuz und quer über die Insel, durch Wind und Wetter. Dadurch erfährt man alles über dieses Eiland, die kaum bis gar nicht vorhandene Flora und Fauna. Man macht Bekanntschaft mit Vögel die ihre Brut verteidigen und so manche steile Klippe an derem unteren Ende das eiskalte, schäumende Wasser in spitzem Gestein wartet. Weiter kam ich immer noch nicht – ahnungslos in Sachen Callums Vergangenheit und noch ahnungsloser wegen diesem Mord. „Mit jeder Nacht, die verging, näherte ich mich der Antwort. Ich müsste nur noch lernen, Einbildung von Realität zu unterscheiden.“ Ich muss nochmal auf Callums Träume zu sprechen kommen. Man ‚erlebt‘ sie ja mit – kursiv in kurzen Kapiteln – dass gibt Raum für Interpretationen und so etwas mache ich eh gerne. Die Menschen, denen Callum begegnet sind anfänglich kühl aber doch herzlich. So dauert es nicht lange bis er einen Job findet und die erste weibliche Bekanntschaft macht. Hat sie etwas damit zu tun? Mit diesem Mord? Mit der Nacht an die sich Callum kein Stück erinnern kann und wegen der er sogar im Gefängnis landet? Wer ist eigentlich der Tote? Und – was ist das Motiv für diese Tat? Neben all diesen Verdächtigungen und Beschuldigungen, den schrägen Blicken der Einheimischen und des fast nie verschwindenen Tageslicht, empfand ich die Sprache im Buch als außergewöhnlich schön. Gerade die Darstellungen dieser Insel und auch der Menschen war sehr authentisch und bildlich gut vorstellbar. Beides zuerst grimmig und auch gefährlich aber auf den zweiten Blick, wenn sich der Nebel verzogen hat und der Regen nachlässt, dann doch wunderschön und herzlich. Wobei mir sich die Nackenhaare stellten, waren die ausführlichen Beschreibungen zu der Waljagd. Aber es gehört zu diesem Land, ist ein fester Bestandteil und damit hat es einen Anspruch auf seinen Platz im Buch. „Das Walmesser“ empfand ich beim Lesen fast schon als Drama, weniger als Krimi, auch wenn die grundlegenden Elemente – Mord, Täter/Verdächtiger und Ermittlungsarbeit der Polizei – vorkommen. Für dieses Buch sollte man sich Zeit nehmen, es ist kein Pageturner, sondern vielmehr ein langsames Heranführen an eine, nein zwei, dramatische Geschichten, in einem rauen und kühlen Land. Man sollte es genießen, denn dann erfährt man auch endlich warum Callum auf diese Insel gekommen ist. Rezension verfasst von © Kerstin

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John Callum ist ein Mann, der vor dem Leben flüchtet. Er hat Dinge erlebt, die er vergessen möchte, aber nicht kann und so zieht es ihn auf die Färöer Inseln. Klein. Abgeschieden. Niemandsland. Hier kann er einen Neustart wagen und neu Fuß fassen. Aber er ist ein Fremdling. Die fallen auf in einem Dorf, wo jeder jeden kennt. Vor allem die Alten beäugen ihn. Zum Glück gibt es Ausnahmen, die ihn mit offenen Armen aufnehmen und so findet er einen Job, wo er etwas Geld verdienen kann. Zwar ist der weit von seinem alten Beruf aus Schottland entfernt – nämlich Lehrer – doch er meckert nicht und nimmt das Leben so hin, wie es ihm entgegenkommt. Nur leider schlägt es fieser zu, als er sich je hat erträumen lassen. Denn nur durch einen Ortswechsel schüttelt man die Vergangenheit nun mal nicht einfach ab. Jemand kennt sein altes Ich und plötzlich ist da dieser Mord, wo er als alleiniger Schuldiger da steht. „Ihr Name, bitte?“ „Callum. John Callum.“ „Ah, hier stehen Sie ja. Machen Sie in Tórshavn Urlaub, oder sind Sie auf Geschäftsreise hier, Mr. Callum?“ „Weder noch. Ich will hier leben.“ (S.22) Mit diesem neuen Leben ist es dann erst einmal vorbei. Alle Indizien sprechen gegen ihn. Das Blut. Die Tatzeit. Keine Zeugen und dann noch der Streit, den er erst vor kurzem mit dem Opfer hatte. Schnell ist klar, es muss ein Racheakt gewesen sein. Nur findet man keine stichhaltigen Beweise. Weder das Tatmesser wird gefunden, noch kann man zu 100prozentig nachweisen, dass er am Tatort war. Also muss eine Spezialistin her. Schließlich will man John hinter schwedischen Gardinen sehen! Was an dieser Stelle nach einem flotten und zeitgleich nervenaufreibend, spannenden Krimi klingt, täuscht etwas. Denn all diese Ereignisse finden nicht in rascher Abfolge statt. Man wechselt ständig zwischen Erinnerungen, Träumen und der Gegenwart hin und her. Was genau damals passiert ist, kommt erst gegen Ende ans Tageslicht. Vorher kann man nur Vermutungen anstellen. Man weiß also nie, ob John Täter oder Opfer ist. Bei der frischen Tat hat man eine Ahnung und sieht sich in der irgendwann bestätigt. Dennoch beherrscht der Autor perfekt das Verwirrspiel, was gut für die unterschwellige Spannung ist. Denn aufgebrochen wird die Story durch die zahlreichen Beschreibungen und Erklärungen rund um das Inselleben. Man hat wirklich das Gefühl sich dort zu befinden. Das Rauschen der Wellen zu hören, den Wind in den zerzausten Haaren zu spüren und atmet die vom Meer gewaschene Luft ein. Ein Traum. Als Hörbuch funktioniert dies perfekt. In der Buchform stell ich mir das an einigen Stellen etwas zäh vor, da man ja mehr von John und seinen Dämonen wissen will und nicht eine Studie über die Färöer Inseln lesen möchte. Zudem kommt die melancholische Stimmung Dank Marton Bross, dem Sprecher, sehr gut herüber. Das gesamte Buch wird aus der Ich-Perpektive erzählt und John ist am Boden zerstört. Er weiß nicht weiter. Genau DAS spürt man deutlich beim hören. Am Ende kommt natürlich die komplette Auflösung und mit ihr die Erkenntnis, dass man das (Hör-)Buch trotz seiner kleinen Ecken und Kanten mochte und nicht von den Inseln verschwinden möchte. Zu gern hat man den Worten des gebrandmarkten Mannes gelauscht und ihn auf seinen Hoch und Tiefs begleitet. Wer die Färöer Inseln mag und nichts gegen eine umfangreiche Darstellung der Umgebung eines Mörders (?) hat, sollte zugreifen!

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Dieser Krimi verfügt eigentlich nur über ein großes Distinktionsmerkmal – das ist sein Handlungsort. C.R. Neilsons Krimi erzählt von John Callum, der vor ominösen Ereignissen auf die abgelegenen Färöerinseln im Niemandsland zwischen Island, Schottland und Skandinavien flieht. Dort möchte er wieder ein normales und unauffälliges Leben führen – doch seine Pläne werden durchkreuzt. Nachdem er in der lokalen Fischfabrik einen Job gefunden hat, erwacht er eines Morgens auf einem Steinklotz im Freien mit keinerlei Erinnerungen an die letzte Nacht. Doch in seiner Tasche steckt ein sogenanntes Grindaknivur, ein blutbesudeltes Messer, das von den Faröern zum Zerteilen von Walfleisch benutzt wird. Was ist in der Nacht passiert und ist John ein Mörder? Und vor was läuft er eigentlich davon? Der Plot funktioniert nach hinlänglich bekanntem Muster. Der Ich-Erzähler muss langsam alle Mosaiksteine jener verhängnisvollen Nacht zusammenpuzzeln und kann dabei niemanden auf der Insel trauen. Derweil rätselt der Leser, welche Ereignisse denn Callum nun von Schottland auf die Faröer verschlagen haben. Dabei bleibt die Auflösung hinter den Erwartungen zurück – doch die Naturschilderungen der rauen Faröerinseln entschädigen dafür umso mehr. Keine Neuerfindung des Rades, aber ein solider Inselkrimi.

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Die ersten 200 Seiten kam ich mit dem Buch gar nicht klar. Das war wirklich alles, aber kein Krimi. Stattdessen erfährt man eine Menge über die Inseln, das dortige Leben, die Personen werden eingeführt, usw. (Tipp: Ganz hinten im Buch befindet sich Kartenmaterial.) Ich wollte das Buch bereits abbrechen, habe es aber dann doch nicht gemacht, weil ich die Beschreibungen des Insellebens so interessant fand. Zum Glück, denn hat man die Einleitung überstanden, geht das Buch in eine spannende Krimihandlung über. Bis zur letzten Seite habe ich nicht geahnt, wer der Mörder ist. Fazit Man erfährt viel über das Leben auf den Färöern, die Krimihandlung steht hinten an. Dennoch entwickelt sich eine recht spannende Mörderjagd. Tipp: Der Autor hat unter seinem richtigen Namen Craig Robertson bereits Krimis veröffentlicht, wie ein Amazon-Rezensent herausfand.

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