Leserstimmen zu
Regretting Motherhood

Orna Donath

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Das Thema #regrettingmotherhood hatte mich schon gepackt, als ich zum ersten mal davon las. Sobald die Sprache darauf kam, dass Mütter es bereuen könnten, Mütter geworden zu sein, war das Geschrei groß – vor allem natürlich in den sozialen Netzwerken. Ich wollte mehr wissen und war an der originalen Studie interessiert. Von Randomhouse habe ich das Buch „#regrettingmotherhood – Wenn Mütter bereuen“ von Orna Donath als Rezensionsexemplar erhalten. Dies hier wird keine klassische Rezension sondern viel mehr eine Auseinandersetzung mit dem hoch umstrittenen Thema der bereuten Mutterschaft. #regrettingmotherood – Die Studie Zuerst möchte ich die Studie vorstellen. Sie wurde 2015 von der israelischen Soziologin Orna Donath veröffentlicht. Donath selbst ist 1976 geboren und beschäfigt sich im Rahmen ihrer Forschungen schwerpunktmäßig mit den gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen, Mütter und Nicht-Mütter. Die Idee, sich mit der bereuten Mutterschaft zu befassen, kam ihr, als sie – aus eigenem Wunsch kinderlos – immer wieder zu hören bekam, sie würde es noch bereuen, nicht Mutter geworden zu sein. Die Frauen Für die Studie befragte sie 23 Mütter zwischen 26 und 73 Jahren. Alle Frauen hatten zwischen einem und vier Kindern, im Alter zwischen 1 und 48 Jahren. Fünf Frauen waren bereits Großmütter. Sie kamen aus allen gesellschaftlichen Schichten Israels und hatten mindestens eine schulische Ausbildung. Alle Frauen bekamen ihre Kinder in einer Partnerschaft, einige waren zwischenzeitlich geschieden, eine war verwitwet. 20 der 23 Frauen haben zumindest zwischenzeitlich gearbeitet. Orna Donath war es wichtig, Frauen zu interviewen, die heute am liebsten die „Mutter von Niemanden“ wären, die also ganz klar ihre Mutterschaft rückgängig machen würden, wenn sie könnten. Das gesellschaftliche Tabu Bevor ich auf die Details der Studie eingehe, möchte ich die Dimension des gesellschaftlichen Tabus aufzeigen. Die Mutterschaft gilt in den meisten Kulturkreisen als etwas Heiliges. Die Mutterschaft ist für Frauen biologisch sinnstiftend. Erst mit der Transformation von der Frau zur Mutter wird sie vervollständigt. Die Mutter ist das Sinnbild der Fürsorge, der Liebe und des Zusammenhaltes der Familie. Sie ist der Fels in der Brandung, der starke Rückhalt der Kinder. Die Kinder stehen für die Frau im Mittelpunkt ihres Lebens. Es steht einer Frau laut gesellschaftlicher Norm nicht zu, dieses Konzept zu hinterfragen geschweige denn zu bereuen. Tut sie es doch, wird sie schnell als kaltherziges, egoistisches Weib abgetan, das ihre Kinder nicht lieben kann und das ihre Kinder nicht verdient hat. Das mediale Echo auf #regrettingmotherhood war groß. Anstatt den bereuenden Müttern endlich eine Stimme zu geben, wurden sie mit einer lauten Empörung wieder zum Schweigen gebracht. Und genau deswegen schreibe ich hier keine klassische Buchrezension, sondern stelle die Studie vor und setze mich mit ihr auseinander. Warum bekommt eine Frau überhaupt Kinder? Diese Frage steht an unweigerlich am Anfang der bereuten Mutterschaft. Warum haben diese Frauen Kinder bekommen, wenn den meisten von ihnen schon immer klar war, dass sie keine Kinder haben wollten? Meistens war es einfach der nächste logische Schritt. Die Frauen hatten geheiratet und nach einer gewissen Weile stand das Thema „Kind“ im Raum. Also gingen sie diesen Weg, der vorgeschrieben und logisch erschien. Die meisten Frauen dachten gar nicht darüber nach, ob sie Kinder wollten oder nicht. Die gesellschaftliche Norm gab dies vor und so erfüllten sie diese. Einige der Frauen versuchten mit der Geburt ihrer Kinder die eigene, zerrüttete Kindheit zu kompensieren. Sie wollten es besser als ihre Eltern machen. Ein paar der Frauen wollten mit der Mutterschaft einen Platz in der Gesellschaft zurückerlangen, denn als Mütter galten sie wieder als jemand. Andere gaben dem Drängen ihrer Ehepartner und ihrer Familien nach. Einer Frau wurde gar mit der Scheidung gedroht, sollte sie sich gegen Kinder entscheiden. Und so wurden all diese Frauen mit ihre Einverständnis Mütter, aber die wenigsten davon aus ihrem eigenen Willen heraus. Die Rolle der Mutter – ein Diktat Noch nie war die Mutterschaft etwas so öffentliches wie heutzutage. Und dabei meine ich noch nicht einmal die Mama-Bloggerinnen oder die Facebook-Mamas, die jeden Pups ihrer Schützlinge mit der Welt teilen. Es fängt mit dem öffentlichen Bild der Mutter an. Wie sie zu fühlen hat, zu leben und zu erziehen hat. Die Mutter bekommt an der Kasse im Supermarkt Tipps für das weindende Kind, auf dem Spielplatz wird sie argwöhnisch begutachtet. Alle meinen zu wissen, was für das Kind das beste sei und so verliert die Mutter ihre Individualtiät. Zweifelt eine Mutter ihre Rolle an, wird sie schnell mit der Aussage „Du hast es ja so gewollt“ mundtot gemacht.Weshalb man sehr selten die wirklich wahre Antwort bekommt auf die Frage, wie es denn sei, Mutter zu sein. Eine bereunde Mutter scheut die Stigamtisierung so sehr, dass sie lieber den Mund hält. Postpartale Depression Die Wochenbett-Depression ist in diesem Zusammenhang differenziert zu betrachten. Sie ist als Krankheit anerkannt, als vorübergehender Zustand, der auf die Umstellung im Leben und dem Hormonchaos verbunden ist. Die Depression ist heilbar und gilt nicht als dauerhaft. Die Kinder lieben – die Mutterschaft bereuen Dies ist vielleicht der wichtigste Aspekt der Studie zu #regrettingmotherhood. Die meisten befragten Mütter der Studie betonten, ihre Kinder zu lieben, aber mit der Rolle als Mutter nicht zurecht zu kommen. Dieser Unterschied ist enorm wichtig, denn gerade im medialen Echo wurden diese beiden Punkte oft ungerechtfertig zusammengebracht. Viele Mütter gaben zu, im Vorfeld völlig unrealistische Erwartungen an die Mutterschaft gehabt zu haben. Auf einmal waren sie nur noch die soziale Hülle, in der ihre Kinder aufwuchsen. Mit der Geburt der Kinder verloren sie ein großes Stück ihrer Selbst. Fakt ist, dass es meistens die Frauen sind, die in einer Familie auf einen Teil ihrer beruflichen Laufbahn, ihre Rentenansprüche und auch auf ihre eigenen Bedürfnisse verzichten müssen. Sie können nicht mehr ihren Hobbys in dem Ausmaß nachgehen, in dem sie es vorher taten. Und als würden sie darunter nicht genug leiden, so ist dieser Zustand auch noch von der Gesellschaft vollkommen legitimiert. Denn es sei doch normal, dass man sich als Mutter „etwas zurücknehmen müsse“ und „Opfer bringen müsse“. Und so schlich sich bei den befragten Frauen irgendwann das Gefühl der Reue ein. Bei den einen schon während der Schwangerschaft, bei anderen deutlich später. Vor- und Nachteile der Mutterschaft Die Frauen waren sich einig, dass nicht alles an der Mutterschaft schlecht wäre. Sie mochten es, dass sie sich weiterentwickelten, eine neue moralische Reife erreichten, weniger oberflächlich wurden und ja, auch ein stückweit ein besserer Mensch wurden (immerhin waren sie Vorbilder für ihre Kinder). Sie waren stolz auf ihre Kinder und auf das, was diese erreichten. Sie bewunderten die eigenständigen Persönlichkeiten der Kinder. Dennoch waren auf der anderen Seite die vielen Nachteile. Die Bürde der Verantwortung, die Aufopferung. Zogen die Frauen einen dicken Strich unter die Bilanz, mussten sie zugeben, dass die Mutterschaft ingesamt die Sache nicht wert war. Ein Lächeln Deines Kindes lässt Dich alle Mühe vergessen. Die wenigsten der befragten Mütter konnten diesen Satz bestätigen. Weil nämlich das eine mit dem anderen nichts zu tun hatte. So schön das Lächeln des Kindes ist, es hat nichts mit der Aufgabe und der damit verbundenen Last der Mutterschaft zu tun. Diese Punkte müssen komplett differenziert betrachtet werden. Sind bereunde Mütter schlechte Mütter? Reue wird schnell als Kaltherzigkeit oder Gleichgültigkeit missverstanden. Die meisten bereuenden Mütter sind sehr gute Mütter. Sie erfüllen ihre Aufgaben, fördern ihre Kinder und schenken ihnen all die Liebe, die die Kinder zum groß werden brauchen. Der einzige Unterschied zu nicht-bereuenden Müttern ist der, dass sie die Erfüllung dieser Aufgaben sie nicht glücklich macht. Ein Leben ohne die Kinder Drei Frauen der Studie gaben an, getrennt von ihren Kindern zu leben. Die eine verließ ihre Familie für ein lukratives Jobangebot, als ihr Sohn zwei Jahre alt war. Die andere verlor ihre Kinder bei der Scheidung. Der Mann bestand drauf, sie bei sich zu haben. Und die dritte erlitt irgendwann einen Nervenzusammenbruch, weshalb es ihr nicht möglich war, ihre Kinder selbst zu erziehen. Obwohl sie Mütter blieben, waren sie in ihrem Lebensmodell „Mutter ohne Kinder“ im Endeffekt glücklicher als vorher. Viele der bereuenden Mütter hatten irgendwann einmal Fluchtgedanken. Doch sie setzten sie niemals in die Realität um, meist aus Sorge um ihre Kinder. Und auch, weil sie es scheuten, von der Gesellschaft dafür verurteilt zu werden. Dabei gab vor allem eine Mutter zu, an der Erziehung ihrer Kinder gar nicht beteiligt gewesen zu sein – obwohl sie physisch anwesend war. Die Kinder wuchsen dank des fürsorgenden Vaters dennoch in einer stabilen und liebevollen Umgebung auf. Mehr Kinder – ja oder nein? regrettingmotherhood Viele Mütter bekamen trotz des negativen Gefühls weitere Kinder. Dies taten sie aus zwei Gründen. Zum einen waren sie sicher, dass Einzelkinder keine Option gewesen wären. Also erfüllten sie die gesellschaftliche Norm und gebaren weitere. Der zweite Grund war allerdings deutlich verbreiteter: Der Zug war für die Mütter eh schon abgefahren, also konnten sie wenigstens ihre Familien glücklich machen und ihnen weitere Kinder bzw. Geschwister schenken. Die wenigsten der befragten Mütter wollten nach dem ersten (Wunsch)-Kind weitere Kinder haben. Sie hatten drei Möglichkeiten: es schnell hinter sich zu bringen, die Entscheidung möglichst lange hinauszörgern oder radikal keine weiteren Kinder mehr zu wollen. Gefangen zwischen Schweigen und Reden Wie gehen diese Mütter mit ihren „verbotenen“ Gefühlen um? Einge der Frauen versuchten, mit ihrem Umfeld darüber zu reden. Sie fanden aber kein Gehör. Alleine die Erwähnung des Themas löste Unbehagen aus. Als ich meiner Schwiegermutter vor ein paar Wochen dieses Buch zeigte, meinte sie nur „lies so etwas nicht. Am Ende kommst Du auf dumme Gedanken“. Die heilige Institution der Mutterschaft zu hinterfragen gilt für viele als No-Go. Sie zu bereuen ist der absolute Tabu-Bruch. Die Mütter wählen ihre Gesprächspartner sehr sorgfältig aus, bei den meisten Betroffenen wissen nur ein paar wenige Personen Bescheid. Wenn das die Kinder wüssten….! Dies war die lauteste Kritik an #regrettingmotherhood – zumindest in meiner Wahrnehmung. Eine klare Antwort, ob die Kinder von ihren bereuenden Müttern wissen sollten, fanden auch die betroffenen Frauen nicht. Viele zogen es vor, zu schweigen. Um ihre Kinder vor dem Schmerz zu schützen, um die Beziehung zu den Kindern zu schützen und um sich selbst zu schützen. Andere Mütter sprachen mit ihren (entsprechend alten) Kindern offen darüber. Sie sahen es sogar als ihre Pflicht an, ihre Kinder auf die Entscheidung, ob sie eigenen Nachwuchs wollten oder nicht, vorzubereiten. Denn wie Anfangs erwähnt, haben die meisten Frauen ihre Kinder aus einer gesellschaftlichen Konsequenz bekommen. Diese Mütter wollen ihren Kindern beibringen, dass sie jeden Weg gehen können, auch den in die Kinderlosigkeit. Und wenn die Bedinungen ganz anders wären…? … dann würden die betroffenen Mütter trotzdem lieber die „Mutter von Niemanden“ seien. Denn Geld, Status oder eine besser Aufgabenteilun würden nichts daran ändern, dass sie in ihrer Rolle als Mütter unglücklich waren. Mein persönliches Fazit Wenn Mütter bereuen, dann tun sie das nicht, weil sie unzureichend, krank oder gefühlskalt sind. Sie bereuen es, weil sie aus den falschen Gründen und mit falschen Erwartungen Mütter wurden. Alle Mütter wissen, wie hart der Job ist. Ich habe mich in vielen Teilen des Buches wiedererkannt. Die Aufopferung, die Einschränkung meiner Selbst – all diese Punkte konnte ich vollkommen nachvollziehen und bestätigen. Aber würde ich persönlich so weit gehen, dass ich die Mutterschaft bereue? Nein, würde ich nicht. Ich bereue es nicht, meine Tochter bekommen zu haben aber ich bereue den einen oder anderen Umstand. Ein paar der Umstände wären in meiner Macht gewesen, ein paar nicht. Für mich steht unter dem dicken Strich: ja, es lohnt sich. So schwer es manchmal ist, es lohnt sich. Nur weil die bereuenden Mütter zu einem anderen Ergebnis in dieser Rechnung kommen, heißt es nicht, dass sie deswgen schlecht sind. Anstatt sie mundtot zu machen, sollte man hinhören, sie verstehen wollen. Warum hadern sie so mit sich? Was ist die Ursache ihres Unglücks? Und kann man hier und da vielleicht helfen? Diese Studie könnte ein Meilenstein in der gesellschaftlichen Entwicklung sein, vorausgesetzt man nimmt sie ernst und verurteilt sie nicht bereits anhand des Titels. Deswegen habe ich hier so viel zum Thema geschrieben. Um das Verständnis für das Thema zu verbessern, um bereuenden Müttern eine Stimme zu geben. Natürlich ist und bleibt das Thema hochbrisant, aber richtig angegangen sollte es einen Platz in der Gesellschaft bekommen. Denn wir leben in einer Gesellschaft, die damit droht, die Nicht-Mutterschaft zu bereuen und es gar nicht erst in Erwägung zieht, dass es auch anders herum sein könnte. Die Rezenension Dieses Buch zu lesen, war nicht ohne. Orna Donath hat eine Studie in Worte verfasst. Entsprechend oft schreibt sie wissenschaftlich, sehr komplex. Nicht jeden Satz habe ich auf Anhieb verstanden. Es ist kein Buch, das man nebenbei liest. Es erfordert durchaus Konzentration. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an den Stil, ab da lässt es sich relativ gut lesen. Durch die immer wiederkehrenden Zitate der Frauen, lernt man die Interview-Partnerinnen mit der Zeit gut kennen und bekommt so eine Chance, ihre Geschichte zu verstehen. Ein sehr wertvolles Buch, das von mir eine klare Leseempfehlung bekommt.

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Ein Buch, das beim Erscheinen in Israel einen Aufschrei ausgelöst hat, der sich gleich über die ganze Welt zog: wie können Mütter es wagen offen zuzugeben, dass sie ihre Mutterschaft bereuen? Die Autorin ist dieser Frage wissenschaftlich – sie ist Soziologin – nachgegangen und hat in zahlreichen Gesprächen mit unterschiedlichen Frauen diesem Phänomen nachgespürt. Dabei handelt es sich keineswegs nur um Frauen, die Kinder in besonders problematischen Lebensphasen haben, sondern sehr verschiedene Frauen, manche mit einem Kind, andere mit mehreren Kinder, manche sind Säuglinge, andere haben bereits eigene Familien gegründet. Nicht nur das mediale Interesse, sondern das Thema an sich hat mich zu diesem Buch geführt, vor allem, weil wie befürchtet die Berichterstattung deutlich verkürzt den Inhalt wiedergegeben hat. Es geht nicht um Frauen, die ihre Kinder hassen, ganz im Gegenteil, fast alle lieben sie und würden alles für sie tun, was sie bereuen ist die Mutterschaft als solchen und hier wird auch sehr scharf getrennt. Interessant vor allem die Gründe, wie es überhaupt zur Schwangerschaft kam, in einem dermaßen extrem pronatalen Land wie Israel ist der Druck immens größer als in Ländern mit tendenzieller Wahlfreiheit wie Deutschland. Es geht auch nicht um hedonistische Frauen, denen nur an Freizeitgestaltung läge, nein, ihre Argumente sind rational und sehr gut nachvollziehbar. Den Kindern geben sie nicht die Schuld daran, dass ihr Leben nicht so verlaufen ist, wie sie es sich erträumt hatten, sondern der Gesellschaft und den Umständen, die dies verhinderte. Ein sehr sachliches Buch bei einer hochemotionalen Thematik.

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Mutter sein ist nicht für alle Frauen die Erfüllung ihres Lebens. Mutter sein hat Schattenseiten die man in Vorfeld schön geredet bekommt. Mutter sein zu bereuen, ist keine Schande. Mich konnte das Buch komplett überzeugen und hat mich mal wieder in meinen eigenen Gedanken um meine Lebensführung bestätigt. Es werden alle Aspekte der Mutterschaft aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Durch die Einfügung der Interviews aller Frauen bekommt man einen Querschnitt der Thematik auf dem Silbertablett serviert.

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"Es ist schon sehr anstrengend, aber wenn sie einen anlächeln, ist der ganze Stress vergessen." Einen so oder zumindest so ähnlich klingenden Satz hat jeder schon einmal beim Gespräch mit einer Mutter über das Thema Elternschaft gehört. Genauer hinterfragt werden solche Aussagen meist nicht, dabei ist es umso wichtiger, dass sich besonders junge Frauen die Frage stellen: Ist es das wirklich wert? Mit ihrer Studie "Regretting Motherhood" schneidet Orna Donath ein bisher absolut tabuisiertes Thema an: Mutterschaft macht nicht immer glücklich und ist nicht für alle Frauen erfüllend. Dabei geht es nicht um Mütter von Kriminellen oder ähnliches - bei der Studie wurden ganz normale Frauen befragt, die in der Elternschaft keine Erfüllung finden und sich nun endlich trauen öffentlich darüber zu sprechen. Dabei ist der wichtigste Punkt, der auch im Buch immer wieder betont wird, dass diese Frauen ihre Kinder lieben und deren Charaktere nicht bereuen, sondern ihre Rolle als Mutter und die damit verbundenen gesellschaftlichen Anforderungen. Die genauen Begründungen sind unterschiedlich und werden in diesem Buch nach für nach beschrieben. Über die Ausschnitte der Interviewprotokolle hat man direkt Zugang zu den einzelnen Probantinnen und kann ihre Argumentationen gut verstehen. Insgesamt dreht sich die Thematik oftmals im Kreis und neigt zu Wiederholungen. Bei den knapp 260 Seiten muss man hier unbedingt Interesse an der Materie und etwas Durchhaltevermögen mitbringen. Entgegen den Vorwürfen, es handle sich dabei nur um Gejammer über Stress und wenig Freizeit, schildern die Frauen ein großes gesellschaftliches Problem. Viele von ihnen beschreiben, ihre eigene Identität verloren zu haben und nur noch als Mutter angesehen zu werden. Sie sind nicht gestresst, weil ihr Kind gerade zahnt, sondern zutiefst unglücklich mit der Rolle, die ihnen aufgezwängt wird. Dabei muss man die unterschiedliche Rolle der Frau in Israel und Deutschland natürlich ebenfalls berücksichtigen! Für mich persönlich war besonders die Stigmatisierung von jungen Frauen, die keine Kinder haben wollen, von enormer Bedeutung: "In 20 Jahren wirst du es bereuen, keine Kinder bekommen zu haben". Wir dürfen dieser Generation von selbstbewussten Frauen nicht einreden, dass sie ohne Kinder niemals glücklich sein werden. Das ist wohl der Kerngedanke des Buches, der mich noch lange beschäftigen wird. Sehr zu empfehlen!

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Im Jahr 2009 schrieb die Soziologin Orna Donath einen Artikel über das Thema "Wenn Mütter bereuen" in diesem Buch behandelt sie die Thematik noch einmal ausführlicher, führt Gespräche mit Frauen die es bereuen jemals Mutter geworden zu sein und analysiert was Frauen dazu bringt Kinder zu kriegen, wie die Gesellschaft beim Thema Mutterschaft gestrickt ist und warum es Frauen so schwer gemacht wird sich mit ihrem Problem zu öffnen und ernstgenommen zu werden ohne gleich als Feindbild zu gelten... Meinung: Dieses Buch ist eher schwierig zu rezensieren, denn es beinhaltet eine eher heikle Thematik, das ist mir vielleicht vorher schon bewusst gewesen, nach dem Lesen aber umso mehr. Es ist eine Thematik die sich nicht mal als Tabu-Thema bezeichnen lässt, denn so wie unsere Gesellschaft gestrickt ist, ist es ganz einfach eine Thematik die nicht existieren kann. Denn uns prägt ein Bild, in der jede Frau von Natur aus dazu vorgesehen ist Nachkommen zu zeugen und diese dann bedingungslos zu lieben und sich selbst dafür zu opfern, zumindest ein Stückweit und wesentlich mehr als man es je von einem Vater einfordern würde. Das Thema hat schon vor dem erscheinen des Buches seine Aufmerksamkeit auf mich gezogen, ich verfolge auf Twitter ziemlich viele Feministinnen und die aktuellen Thematiken und der Hashtag #regrettingmotherhood war dort schon einmal eine große Nummer, zwischen Frauen die sich trauen über ihre Gefühle zu sprechen gibt es darunter auch eine riesige Menge an Hasskommentaren. Menschen die es für unnatürlich halten und diese Frauen als kaltherzig, egoistisch und mehr beschimpft. All diesen ignoranten und engstirnigen Menschen würde ich liebend gerne dieses Buch in die Hand drücken, denn hier erzählen verantwortungsvolle und ja auch liebende Frauen über ihre Gefühle und Erfahrungen. Ehrlicherweise gebe ich zu, dass auch ich es erst einmal komisch finde zu hören, dass jemand so sehr darunter leidet Mutter zu sein und der erste Gedanke ist erst einmal: Wieso haben sie denn Kinder bekommen? Aber schon kurz darauf fielen mir doch so einige Gründe ein warum man Kinder bekommt. Und darum geht es auch, es erzählt von dem gesellschaftlichen Druck denen Frauen ausgesetzt sind und wenn man da mal drüber nachdenkt, dann kann man dem wirklich nur zustimmen. Sagt man jemanden, dass man keine Kinder will kommt oftmals erst einmal die Aussage, dass sich das irgendwann ändern wird, der nächste Schritt ist der, dass man gesagt bekommt, dass man es fürchterlich bereuen wird wenn man alt ist und keine Kinder um sich herum hat. Es wird gesagt, dass man erst mit einem Kind den Sinn des Lebens sieht und die wahre Erfüllung erkennt.. Das sind sogar Aussagen die ich vielleicht selbst eher weniger zu hören bekommen habe, aber trotzallem häufig mitbekommen habe. Wir Leben einfach in einer Welt in der das Kinder kriegen propagiert wird, von allen Seiten und auch wenn es viele Menschen gibt die darin wirklich ihre Erfüllung finden, so wäre es doch anmaßend anzunehmen, dass es bei jedem so ist. Mir persönlich hat der analytische Teil des Buches wirklich gut gefallen, Orna Donath ist die Thematik sehr professionell angegangen und konnte mich persönlich wirklich überzeugen. Ich fand es sehr toll, dass sie bereuenden Müttern eine Stimme gegeben hat. Mir persönlich hat es sehr viel anregenden Stoff zum nachdenken geliefert und noch viel mehr, hat es mir weitere Missstände in unserer Gesellschaft aufgezeigt. Daneben waren mein Highlight aber eher die Gespräche mit den betroffenen Frauen, ich habe viele starke Persönlichkeiten durch dieses Buch kennengelernt. Frauen die sich wünschen die Zeit zurückzudrehen um wieder frei zu sein, aber auch Frauen die ganz klar und deutlich sagen, dass sie ihre Kinder lieben und ganz wundervoll finden. Es klingt sehr widersprüchlich, aber das sind menschliche Emotionen, sie folgt nicht immer einer Logik, nimmt man sich aber die Zeit um ihre Berichte zu lesen, so erkennt man deutlich wie wahr es ist. Es sind sehr ehrliche und schonungslose Aussagen die, die Frauen treffen und sie erzählen ihre ganz eigene Geschichte. Man erkennt wie sehr sie sich selbst verurteilen und welchen Kummer sie durchleiden. Mich persönlich hat gerade dieser Part des Buches noch einmal stark sensibilisieren können. Zwischendurch kam die Frage auf wie offen man gegenüber seinen Kindern mit diesen Gefühlen sein kann oder darf. Im ersten Moment denkt man klar nein und stellt man sich die Situation selbst vor, dann kann man sich vorstellen wie verletzend es sein muss das zu wissen. Aber dann spinnt man das weiter und dann kommt es doch eher darauf an, wie man es Kindern rüberbringt. Ich glaube Offenheit schadet nicht immer, ich glaube offen mit diesem Thema umzugehen und es anzuerkennen hilft, um unsere Gesellschaft zu verbessern und wenn es dann als gegeben angesehen wird und nicht als ein widernatürliches Gefühl, das kein guter Elternteil hegt, dann ist es auch nicht mehr schädlich dem Kind gegenüber. Vor allem weil es nicht gleichbedeutend damit ist, dass dieses Elternteil nicht liebt. Auch wenn das für mich der spannendste Denkansatz war, so stecken in diesem Buch noch sehr viel mehr und jeder von ihnen ist es wert verfolgt zu werden. Fazit: Dieses Buch hat mich mit seiner Thematik wirklich fesseln können, es ist interessant und vor allem wirklich wichtig. Es regt zum Nachdenken an und fördert das Verständnis und das haben die betroffenen Frauen einfach verdient. Von daher hoffe ich, dass dieses Buch noch viele Leser finden wird und dieses Thema von nun an häufiger einen Weg in die Medien findet.

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Mit großen Erwartungen habe ich der Veröffentlichung von Orna Donaths #regretting motherhood erwartet. Ein Jahr, nachdem ihre Studie zu israelischen Frauen, die es bereuen, Mutter geworden zu sein, die sozialen Medien unter dem Stichwort #regrettingmotherhood durchdrang ist nun das Buch dazu im Knaus Verlag mit 272 Seiten erschienen. Dass Frauen Mütter werden ist nicht nur in der israelischen Gesellschaft, sondern auch in Deutschland nicht nur Norm, sondern eine Selbstverständlichkeit, die für die eigentliche Frage, ob die Frau Mutter werden will wenig Raum lässt. Unter diesem Druck werden auch Frauen Mutter, die nie eine hatten werden wollen. Andere aber merken erst nach der Geburt ihrer Kinder, dass sie in der Mutterrolle zutiefst unglücklich sind. Orna Donath geht in ihrem Buch nicht nur auf die verschiedenen Gründe für eine „bereute Mutterschaft“ ein, sondern zeigt auch inwiefern diese Frauen unter der Mutterschaft leiden. Sehr gut finde ich, dass die Verfasserin betont, aus welchen Gründen ihre Studie in Israel durchgeführt wurde und welche Faktoren das Leben der israelischen Mütter bestimmen. Dadurch werden die Unterschiede zu Mutter in Deutschland klar. Auf eben diese Unterschiede geht Orna Donath ebenfalls ein und zeigt auch, dass dennoch auch hier ein gesellschaftlicher Druck auf der Frau lastet, Mutter zu werden. Gleichzeitig tritt gerade dieser wichtige Aspekt im Hauptteil des Buches in den Hintergrund, was zur Analyse der Studie verständlich ist, die Aussage als im Deutschen veröffentlichtes Buch verfälscht. Wichtig ist auch, dass Frau Donath den Unterschied zwischen der Ambivalenz der Mutterschaft, manchmal mit einer akuten Situation unglücklich zu sein, in anderen Moment aber durchaus glücklich mit dem Muttersein zu können, und der per se bereuten Mutterschaft zieht, die so weit geht, dass diese Mütter ihre Schwangerschaften sofort ungeschehen machen würden, wenn sie konnten. Ein gewisser Widerspruch besteht aber auch hier, denn zugleich beteuern diese Mütter, ihre Kinder zu lieben und alles für sie zu tun. Das Buch ist durchzogen von Zitaten, die eindrucksvoll zeigen, wodurch im Speziellen die bereuenden Mütter leiden und welche Faktoren eine Rolle spielen. Gleichwohl besteht die Verfasserin völlig zurecht darauf, dass ein Herunterbrechen des Unglücks, das diese Frauen empfinden, auf eben diese traumatischen, finanziellen oder beziehungstechnischen Probleme, den tiefen Wunsch, nicht mehr Mutter zu sein, herunterspielt und verkennt. Mitunter scheint mir Donaths Wille, der Frau einen Raum zum Bereuen der Mutterschaft zu erkämpfen, sehr dogmatisch. Die Möglichkeit, dass Frauen auch von sich heraus gerne Mutter werden oder dass die empfundene Reue zeitlich begrenzt ist, wird eher nebensächlich aufgezeigt. Gleichzeitig fehlte mir der Hinweis, dass die durchgeführte Studie aufgrund der wenigen Teilnehmerinnen keine repräsentativen Aussagen treffen kann. Vielleicht zeigt sich gerade hier, dass Mutterschaft so facettenreich ist, dass sie auch zum Unglück werden kann, dennoch hätte ein Hinweis dazu Platz haben müssen. #regretting motherhood ist meiner Meinung nach ein wichtiger Beitrag für die Debatte zur Mutterrolle und für die stetige Entwicklung dessen, was wir unter dem Begriff Mutter verstehen. Ein Schritt in die Richtung, die Mutter als Frau und Mensch zu verstehen und nicht als stetig geduldige und liebenswürdige Matrone zu verehren.

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