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Leserstimmen (11)

Riad Sattouf: Der Araber von morgen, Band 2

Der Araber von morgen, Band 2

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eBook (epdf) ISBN: 978-3-641-68893-6

Erschienen:  15.02.2016
Dieser Titel ist lieferbar.

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Rezension: Der Araber von morgen Band 2 von Riad Sattouf

Von: cover and book Datum : 31.05.2017

coverandbook.wordpress.com

Text auf der Buchrückseite:
Nach den Sommerferien kehrt der kleine blonde Junge mit seiner Familie nach Syrien zurück, um dort zur Schule zu gehen und ein richtiger Araber zu werden – wie sein Vater. Schon der erste Band der mehrteiligen, gezeichneten Erzählung über seine Kindheit zwischen arabischer und westlicher Welt wurde ein internationaler Erfolg und hymnisch gefeiert, von Kritik, Lesern und Schriftstellerkollegen. Riad Sattouf gehört „zu den besten Zeichnern seiner Generation“ (L’Obs), sein „Araber von morgen“ ist „schon jetzt ein Klassiker“ (Le Point).

Meine Meinung:
Ihr könnt euch nicht vorstellen wie sehr ich mich über die Zusendung vom zweiten Band gefreut habe. Bereits der erste Band habe ich in einem Nachmittag verschlungen und konnte die Fortsetzung kaum erwarten! Auch der zweite Band hat mich nicht enttäuscht. Wir erfahren mehr wie das Leben damals in gewissen Teilen von Syrien war. Lustigerweise musste ich beim lesen oft an die Geschichten von Rafik Schami denken, in denen ich ein ganz anderes Bild von Syrien hatte. Auch hier im zweiten Band prallen die westliche und arabische Welt aufeinander. Da ich selbst zur Hälfte Araberin bin und meine Mutter Italienerin ist, sind mir einige Dinge der arabischen Kultur bekannt aber manchmal musste ich trotzdem den Kopf schütteln über das Verhalten von Riad's Vater. Für mich wieder ein super Band den ich jedem empfehlen kann!

Zum Autor:
Riad Sattouf, geboren 1978 in Paris, ist Comic-Zeichner und Filmemacher. Aufgewachsen in Libyen und Syrien, kehrte er mit 13 Jahren nach Frankreich zurück. Er studierte Animation und wurde bald zu einem der bekanntesten zeitgenössischen Comic-Künstler. Von 2004 bis 2014 zeichnete er wöchentlich den Comic „La Vie secrète des jeunes“ für Charlie Hebdo. Sattouf wurde u.a. mit dem Prix René Goscinny und dem César für den besten Erstlingsfilm („Jungs bleiben Jungs“) ausgezeichnet. „Der Araber von morgen" gewann den Grand Prix RTL de la Bande Dessinée und den Fauve d'or beim 42. Comicfestival von Angoulême. Sattouf lebt und arbeitet in Paris. Quelle

Die Kindheit im Nahen Osten geht weiter…

Von: Juli Datum : 12.04.2017

https://juliliest.net/2017/04/12/die-kindheit-im-nahen-osten-geht-weiter/

Da ist er wieder, der kleine blondgelockte Riad Sattouf, Sohn eines Syrers und einer Französin. Der erste Band hatte es bereits angekündigt, nun ist es Wirklichkeit: Die Familie Sattouf zieht erneut von Frankreich nach Syrien, in das Heimatdorf Ter Maaleh des Vaters und Riads Befürchtungen werden wahr: Er muss dort zur Schule gehen.

Wir schreiben das Jahr 1984, Riad ist sechs Jahre alt und sein Vater noch immer Mitarbeiter an der Universität. Während sich Riad – nicht wirklich gemacht für „Survival of the fittest“ – mit gestörten Schulkameraden und noch gestörteren Grundschullehrern herumschlagen muss, sucht Vater Sattouf die Nähe zu einflussreichen Leuten, um an der Universität endlich Karriere zu machen. Riads kleiner Bruder Yahyah wächst und gedeiht und die Mutter, ja, die Mutter von Riad… sie spricht noch immer kein Arabisch und blüht förmlich auf, wenn sie mit der Frau des Generals Englisch sprechen und Urlaub in Frankreich machen kann – eine willkommene Abwechslung zu ihrem einsamen Leben mit zwei Kindern auf einem syrischen Dorf, in dem immer wieder für Stunden der Strom ausfällt und sich dicke Risse durch die Hauswände ziehen.

Weiter geht's auf dem Blog! :-)

Faszinierende Fortsetzung

Von: Ponine T. Datum : 08.12.2016

nichtnocheinbeautyblog.blogspot.de/

Riad Sattouf ist wieder da. Ich hatte, nachdem ich über das Bloggerportal schon den ersten Band lesen durfte, nur darauf gewartet, den zweiten Band der Kindheitserinnerungen im graphic novel Formal aufschlagen zu können :-)



Immer noch ist der kleine Riad das blondgelockte Kindchen, das von seinem arabischen Vater und der französischen Mutter zwei verschiedene Welten vermittelt bekommt. In diesem Band ist es ebenfalls wieder die Figur des Vaters, die bei mir Beklemmungen ausgelöst hat. Einerseits ein studierter Mann, der im Westen gelebt hat und eine Frau geheiratet hat, die westliche Erziehungsideale hat und nur wenig arabisch spricht, und andererseits ein furchtbarer Sturkopf, der um jeden Preis zu den in diesem Fall syrischen Eliten gehören will und dafür dazu bereit ist, alle westlichen Einstellungen fallen zu lassen. Sei es in Bezug auf Kindererziehung, schulische Ansprüche oder dem Umgang mit Frauen - hier prallen Welten aufeinander, die den Leser immer wieder fordern.



Schlucken musste ich vor allem auch, wenn ich sehe, wie wenig Riads Mutter anscheinend Konter gibt. Sie lässt sich von ihrem Mann einspannen, wichtige Persönlichkeiten (beziehungsweise deren Ehefrauen) zu hofieren, sie lässt die strenge Erziehung der Kinder ohne Widerspruch zu, sie ist quasi auch nichts weiter als ein Einrichtungsgegenstand der für den Haushalt notwendig ist. War das wirklich so, ist das das Empfinden von Sattouf oder künstlerische Freiheit? ich weiß es nicht, bin aber wirklich neugierig, was da noch passiert in den Folgebänden ...



Auch diesmal ist die Farbgestaltung des Comics spannend. Hier dominiert vor allem wieder grün und rot in Hintergrundfarben, die restlichen Bilder sind schwarzweiß und sehr klar gehalten, meine Augen halten sich eher an den Flächen fest als am Detail. Dafür trägt die Erzählung mich durch die Seiten und ich will immer mehr erfahren. Ja, die Comics sind hervorragend, gerade auch, weil sie eine Sicht einnehmen, die ich als Westeuropäerin verstehen will und die mir einzunehmen doch immer sehr schwer fällt. Eine klare Empfehlung auch dieses Mal, ich finde es wahnsinnsig wichtig, nachvollziehen zu können, wie viele arabische Männer in den Achtzigern tickten, um dadurch auch die politische Entwicklung auf der arabischen Halbinsel verstehen zu lernen. Also auf jeden Fall reinschauen!!

Rezension der Araber von morgen

Von: bücher_instrument Datum : 26.08.2016

https://www.youtube.com/channel/UCg3QTe_BCDp3bf0TKJA9hpA

Ich fand dieses Buch durch die politischen Aspekte sehr sehr interessant. Ich möchte die Rolle des Vaters und empfand es als sehr realitätsgetreu. Der Schreibstil hat mich gut unterhalten können und die Zeichnungen waren sehr gut. Ich möchte den Farbunterschied der verschiedenen Abschnitte und bin schon ganz gespannt auf den 3. Teil.

Leider habe ich den ersten Teil nicht gelesen aber das werde ich nach diesem Comic definitiv nachholen. Ich möchte mich noch einmal bedanken für das Rezensionsexemplar bei dem Verlag und hoffe das ich den 3. Teil auch rezensieren darf

Der Araber von morgen (Bd. 2) – von Riad Sattouf

Von: Erika Mager Datum : 11.08.2016

https://litblogkoeb.wordpress.com/

Riad Sattouf ist mittlerweile Kult. Als ein Zeichner von „Charlie Hebdo“ und auch sonst preisgekrönter Comiczeichner hat er auch mit dem zweiten Band seiner gezeichneten Autobiographie wieder eine bewegende Geschichte vorgelegt.

Mit klaren und ebenso witzigen Strichen erzählt er einen kurzen Abschnitt seiner sicherlich nicht einfachen Kindheit. Er lässt uns an seinen Erlebnissen als blondes Kind eines arabischen Unidozenten und einer französischen Mutter in einem kleinen syrischen Dorf nahe der Stadt Homs teilnehmen.

Genau wie ein sechsjähriger Junge seine Umwelt und seine Mitmenschen eher beobachtet als beurteilt, sehen wir hier das Geschehen durch die Augen eines sechsjährigen Jungen, der alles sieht, die Bemerkungen der Erwachsenen in seinem Herzen bewegt und noch keine Wertungen abgeben. Wir wundern uns da als Erwachsenen schon sehr.

Sattouf benutzt auch hier, wie schon im ersten Band, eindeutige Farben für den jeweiligen Schauplatz. Für Syrien hat er rot gewählt, für Frankreich blau. Überhaupt sind die Farben bei ihm wichtig. Während normale Sprache in neutralen Sprechblasen daherkommt, wird aggressive Sprache in schreiendem Rot hinterlegt. Grün ist eher das Mysteriöse oder Irreale. Auf dem Coverbild sehen wir den kleinen Riad als einzigen in komplettem Weiß dargestellt, wie er sich schon von den anderen distanziert und aus dem Bild laufen will.

Es ist erstaunlich, wie sehr die Welten sich unterscheiden und wie selektiv die Erwachsenen anscheinend ihre Umwelt beurteilen. Wir können über die Naivität von Riads Vater nur den Kopf schütteln und wundern uns über die Passivität seiner Mutter.

Man darf auf die Fortsetzungen gespannt sein. Das Buch wird sicher ein Klassiker werden!

Der Araber von morgen 2

Von: Andy Datum : 02.08.2016

www.dvd-fan.net

Riad Sattouf erzählt die Geschichte seiner Kindheit weiter. Das klingt zunächst nicht sonderlich interessant, doch wenn man bedenkt, dass seine Mutter Französin ist und sein Vater ein stolzer Syrer, dann wird die Brisanz allein durch das aktuelle politische Tagesgeschehen erhöht. Sattouf, der unter u.a. für Charlie Hebdo gearbeitet hat („La Vie secrete des jeunes“), vereint zwei grundsätzlich verschiedene Kulturen und diese Gegensätze sorgen für Entsetzen, für viele Schmunzler und zu der Erkenntnis, dass alle Menschen das Gleiche wollen: Sicherheit für ihre Kinder. Die Leser, die den ersten Band verschlungen haben, werden die Fortsetzung ebenfalls lieben.
Handlung
„Der Araber von morgen 2“ erzählt die wahre Geschichte von Riad Sattouf, wie er mit blonden Haaren die Schule in Syrien besucht und welche Erfahrungen er mit den einheimischen Kindern gemacht hat. Darüber hinaus berichtet er von dem Familienleben seiner Eltern und seines Bruders.
Bewertung
Der erste Band hat mich bereits sehr gut unterhalten. Die Lebensweise der arabischen und westlichen Welt unterscheidet sich zum Teil enorm. Doch es gibt auch Parallelen zu entdecken. Diese werden ausschließlich durch die Kinderaugen von Sattouf gesehen. Der Jugend ist es nämlich egal, mit wem sie im Sandkasten spielt.

Die Probleme fangen erst mit den politischen Meinungen der Erwachsenen an. In erster Linie ist es in diesem Comic der Antisemitismus, der den Kindern eingetrichtert wird. Und so ist es kein Zufall, wenn die Zukunft des Landes auf dem Schulhof den Krieg gegen Israel durchspielt. Ganz offen, es ist einfach normal, wird gegen Juden gehetzt. Bei dieser einen Grausamkeit in der staatlichen Bildungseinrichtung bleibt es allerdings nicht. Die Prügelstrafe ist ein weiteres verachtendes Mittel, die Schüler aus ihrer Kindheit zu reißen. Kleinste Vergehen werden sofort mit dem Stock bestraft. Auch der Lehrplan lässt zu wünschen übrig. Nationalismus steht ganz oben auf der Agenda. Die erste Unterrichtseinheit besteht aus dem Lernen der Nationalhymne. Wer dann nicht sein Patriotenschiffchen trägt, bekommt Prügel. Bei einigen hinterlassen diese drakonischen Strafen sichtbare Spuren, nicht nur körperlich.

Ein weiterer großer Punkt ist das Thema Religion. Sattouf berichtet von einigen skurrilen Situationen, die den Leser ein wenig ratlos zurück lassen. Da wäre zum Beispiel eine Seite aus dem Koran, der zwischen Dreck liegt und von den Jungen gefunden wird. Damit die Seite geehrt wird, küssen die Freunde sie, bevor das Stück Papier an einen Passanten verschenkt wird. Dieser ist sichtbar dankbar für die Gabe, da er die Seite an seine Kinder weitergeben kann.

Die Unterdrückung der Frau wird ebenfalls angesprochen. Die Männer sind die Oberhäupter der Familie und haben zu bestimmen. Diese Regel trifft zumindest auf die offene gesellschaftliche Norm zu. Hinter verschlossenen Türen geben die Frauen Kontra. Unter diesem Aspekt kommt ein Punkt auf die Tagesordnung, der mich sehr angewidert zurück gelassen hat. Die Rede ist von einem Ehrenmord. Ein Mädchen hatte vorehelichen Sex und wurde zu allem Überfluss noch schwanger. Dies gilt als eines der schwersten Verbrechen in der Dorfgemeinschaft und so wurde die junge Frau von ihrer eigenen Familie umgebracht. An dieser Stelle muss der Leser erst einmal schlucken und richtet seine ganze Wut gegen die Ausübung dieser altertümlichen Tradition.

Damit sich der Comic gut und flüssig lesen lässt, achtet Riad Sattouf darauf, dass der Humor an passenden Stelle nicht zu kurz kommt. Der Leser kann sich an vielen Stellen das Schmunzeln nicht verkneifen, wenn es zum Zusammenprall Kulturen kommt. Der Mix aus ernsten Elementen und Witz macht aus „Der Araber von morgen 2“ eine absolut lesenswerte Ausgabe.

Der Zeichenstil hat sich im zweiten Band nicht sonderlich verändert. Die Darstellungen sind einfach, aber sehr liebenswert. Ingesamt gibt es zwei Farbgebungen: rötlich, wenn sich die Handlung in Syrien befindet und blau, wenn aus Frankreich berichtet wird.
Fazit
„Der Araber von morgen 2“ ist ein Comic, das von einer Welt berichtet, die für uns sehr weit weg ist. Riad Sattouf macht das nicht greifbare, anfassbar und lüftet den Schleier vom Leben einer modernen, syrischen-französischen Alltagsfamilie.
Autor: Andy

Copyright: Albrecht Knaus Verlag

Einschulung, Politik und Cousins - Sattoufs zweiter Teil seiner Biografie

Von: Lisa von 81 Stufen nach Hause Datum : 08.06.2016

81stufennachhause.blogspot.de

Es gibt immer mal wieder einzelne Werke im Bereich Graphic Novel, die es schaffen von der breiten Öffentlichkeit beachtet zu werden. Dazu gehört unter anderem der Klassiker »Die vollständige Maus« von Art Spiegelmann oder auch die Werke von Mawil (bspw. »Kinderland«). Im letzten Jahr kam dann der erste Teil von Riad Sattoufs angelegter Biografie »Der Araber von morgen« hinzu, welche in diesem Jahr endlich fortgesetzt wurde.

Im ersten Teil erzählte Sattouf die Geschichte, wie sich seiner Eltern kennen lernten, wie er seine eigenen ersten sechs Jahre verbrachte und wie er den ständigen Kulturwechsel erlebte - die Familie zog von Frankreich über Libyen nach Syrien.

An diesem Punkt knüpft der zweite Teil direkt an. Die Familie lebt jetzt fest in Syrien und Riad ist inzwischen schulpflichtig geworden. Es müssen ein Schulranzen und eine -uniform besorgt werden und dann muss nur noch die Angst vor den Mitschülern und vor allem der Klassenlehrerin überwunden werden. Mit seinen Cousins streift er durch die Dörfer, entdeckt und erforscht. Und auch die Sprache fällt von Monat zu Monat leichter, nichtsdestotrotz wundert sich Riad immer noch über das Heimatland seines Vater. Dieser ist trotz Mangelwirtschaft, und dem Personenkult um Hafiz al-Assad immer noch vom Aufbau des Landes überzeugt und dabei unfassbar positiv, fast genauso naiv wie sein Sohn. Derweilen sitzt seine Mutter im unfertigen Haus mit der kleinen Schwester und langweilt sich.

Wie im ersten Teil sind die unterschiedlichen Länder mit verschiedenen Farben unterlegt - Frankreich blau und Syrien rot. Dies spielt in diesem Teil eine untergeordnete Rolle, da die Geschichte die meiste Zeit in Syrien spielt. An einigen Stellen scheint diese Idee dennoch durch, wenn Assad beispielsweise im Fernsehen spricht, sind seine Aussagen grün unterlegt. Ich mag die Idee immer noch sehr gerne und hoffe, dass sie in den weiteren Teilen wieder häufiger verwendet wird - umziehen wird die Familie bestimmt noch einige Male.

Die Bilder und die dazugehörigen Texte sind relativ klassisch angeordnet, zwischen den einzelnen Bildern sind klare Abgrenzungen und generell ist es sehr strukturiert. Der Zeichenstil und das Lettering sind aufeinander abgestimmt und passen zur kindlichen Sichtweise.

Die ungewöhnliche, naive Sicht, die mich im ersten Teil noch störte, weil ich nicht glauben konnte, dass man sich an so viele Details aus seinem sehr frühen Leben erinnern konnte, fand ich jetzt ganz wunderbar. Im Mittelpunkt der Geschichte steht so der Alltag der Familie und das Heranwachsen des Protagonisten. Nur an einigen Punkten, ganz versteckt, erfährt man etwas über die politischen Situation, die Lebensumstände und den gesellschaftlichen Wandel. Mit diesem Coup gelingt es Sattouf einen neuen Blick auf die Geschichte Syrien zu werfen, in dem die Menschen und nicht die Politik im Mittelpunkt stehen.

Die Geschichte ist dabei so herzlich, witzig und man kann so gut mit dem heranwachsenden Riad nachfühlen - denn erwachsen werden ist immer schwer. Sattouf zeigt uns, was es heißt in verschiedenen Kulturen zu leben, Unterschiede lustig zu finden und zu akzeptieren, dabei aber trotzdem freundlich bzw. respektvoll miteinander umzugehen. Auch diesen Teil braucht die Welt ganz dringend, um andere Kulturen zu verstehen und über den Tellerrand zu schauen.

Mir hat der zweite Teil deutlich besser gefallen, weil er zum einen nicht durch die Jahre hetzt und zum anderen persönlicher und viel mehr beobachtender ist.

Und wie beim ersten Teil stand auf der letzten Seite: »Fortsetzung folgt...«.

Noch besser als der erste Band

Von: marinasworld / Books 'nd Coffee Datum : 19.05.2016

https://www.youtube.com/channel/UCle1AiLqruwI0_ETzVDEYtQ

Wie bereits der erste Band von "Der Araber von morgen" hat mich auch der zweite nun voll überzeugt.
Die liebevolle und detailreiche Gestaltung wird hier fortgeführt und ist somit ein absolutes Highlight in diesem Monat für mich gewesen.

Riad Sattouf erzählt seine Geschichte bzw. die Geschichte seiner Kindheit, welche er in Frankreich, Libyen und Syrien verlebt hat. Er geht dabei sehr auf die Kultur, Land und Leute aber auch auf politische Situationen und herrschende Diktatoren ein. All das zeigt er auf eine sehr humorvolle und unterhaltsame Art. Außerdem erzählt er die Geschichte aus einer sehr naiven und kindlichen Sicht, was dem Ganzen sehr viel Charme verleiht und die Erlebnisse authentisch wirken lässt.

Der zweite Band spielt sich überwiegend in Syrien ab und Riad erzählt wie er in die Schule kam und was er dort alles gelernt und erlebt hat. Aber auch das restliche Umfeld und das alltägliche Leben in Syrien kommen nicht zu kurz.
Wie auch schon im ersten Band werden die Ideale und Vorstellungen seines Vaters aufgegriffen. Allerdings werden im zweiten Band die unterschiedlichen Vorstellungen von Vater und Mutter (also von Syrien und Frankreich) und auch deren Erziehung besser herausgearbeitet.

Die Gestaltung an sich gefiel mir von Anfang an sehr gut. Besonders die Verwendung von unterschiedlichen Farben für die verschiedenen Aufenthaltsorte und Situationen fand ich super.
Auch die kleinen handschriftlichen Anmerkungen zu Personen, Gebäuden, etc. waren wieder eingebaut, was auch wieder zeigt, dass hier mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde.

Über einen dritten Teil von "Der Araber von morgen" würde ich mich sehr freuen. Diese Comics sind in meinen Augen etwas ganz Besonderes und definitiv empfehlenswert.

Noch besser als der erste Teil

Von: kinderdok Datum : 30.04.2016

kinderdoc.wordpress.com

Der Zweite Teil der Autobiographie von Riad Sattouf ist kompakter als der erste Teil, geschuldet sicher dem besseren Erinnern der Zeit, als der kleine Riad nun in die Schule kommt. Noch mehr spielt Sattouf mit den Farben, dem blaßen Rosa in der Geschichte, dem feurigen Rot bei Gefahr, dem Blaßblau in den Szenen in Frankreich. Wie schon beim ersten Teil fasziniert die naive Sicht des Jungen auf die Gegebenheiten im patriachalischen Islam, das Nichtverstehen des Judenhasses und der Diktatur, die Schilderungen des seltsamen Essens und der Lebenskultur. Man fürchtet die “Lebensphilospophie” zu spüren, die Menschen zu Islamisten machen. Sattouf hat später sein Vaterland verlassen, und ist in seinem Mutterland zu einem berühmten Zeichner gereift (der auch in “Charlie Hebdo” veröffentlichte). — Ganz gespannt auf den nächsten Teil.

Eine tolle Fortsetzung

Von: Kopfkino-Blog Datum : 10.04.2016

kopfkino-blog.blogspot.de/

Mit dem zweiten Teil von „der Araber von Morgen“ setzt Riad Sattouf die Erzählung seiner Kindheit in den Jahren 1984 und 1985 fort. Nachdem die Familie einige Zeit in Frankreich verbracht, kehren sie nun in das syrische Dorf zurück in dem auch die Familie des Vaters des kleinen Riads lebt.

Wie schon im ersten Band gelingt es dem Autor uns aus den Augen eines naiven Kindes an den Geschehnissen teilhaben zu lassen und vermeidet es so die Motive und Handlungen der Geschichte politisch oder moralisch zu bewerten. Dieser ungefilterte Zugang zu den Erinnerungen des Autors zwingt den Leser sich mit dem Gelesenen selbst auseinanderzusetzen, es entsprechend einzuordnen und zu verarbeiten. Aufgrund dieser Erzähltechnik erscheinen die Begebenheiten in der „Araber von Morgen“ nur umso intensiver und lassen den Leser häufig erschrocken zurück.

Der zweite Band folgt dem kleinen häufig Riad auf seinen Erkundungszügen, die er zusammen mit seinen Cousins unternimmt, durch das syrische Heimatdorf. Auch der Schulalltag rückt hier als neues Erzählelement in den Vordergrund. Die politischen Zustände im Syrien der 80er Jahre werden allenfalls am Rande gestreift. Der Fokus der Erzählung liegt jedoch eindeutig auf dem Alltag der Menschen und erzählt von den Herausforderungen der syrischen Gesellschaft, die sich manifestieren in Armut, Ungleichheit, Misswirtschaft und Gewalt. All dies wird jedoch von der sehr humorigen Erzählart sowie dem witzigen Zeichenstil des Autors getragen.

Der Araber von Morgen überzeugt demnach durch seine sehr detailreiche Schilderung des syrischen Alltags, die schonungslos den Finger in die offenen Wunden der damaligen Gesellschaft legt und dabei doch nie den Humor verliert.

knüpft inhaltlich und aktuell an Band 1 an

Von: Eva-Maria Obermann Datum : 17.02.2016

Endlich ist der zweite Teil von Riad Sattoufs als graphic novel erschiene Autobiografie erschienen. Der erste Teil hat mich im letzten Sommer begeistert und das eindrucksvolle Bild eines Kindes gezeichnet, das zwischen dem Nahen Osten und Europa hin und her gerissen wird. Der zweite Band umfasst nun Sattoufs Leben von 1984 – 1985 in Syrien und ist frisch bei Knaus erschienen mit 158 Seiten.
In Syrien ist es für Riad nun Zeit, zur Schule zu gehen. In einer Welt, in der Mädchen keinen Zugang zu Bildung haben und Prügelstrafe Alltag ist, wird Riad mit gesellschaftlichen Normen konfrontiert, die er nicht versteht und lernt gleichzeitig, dass das Leben in Syrien nicht so einfach ist, wie sein Vater es allen glauben machen will. Gleichzeitig knüpft der Junge erste Freundschaften und wird mit dem Konfrontiert, was wir Ehrenmord nennen.
Der zweite Band knüpft nicht nur inhaltlich an den ersten an, sondern führt die Mischung aus kindlichen Eindrücken und realistischen Zeichnungen weiter. Dieser Blick ist faszinierend und brandaktuell, denn hier werden gleichzeitig Aussagen des Vaters und anderer Mitmenschen von Riad als glaubhaft und positiv vom Kind selbst bewertet, in den Zeichnungen aber zeigt sich die eigentliche Tragweite. Es wird keinerlei Wertung vorgenommen, was ich wirklich positiv finde. Gleichzeitig aber zeigt Sattouf in einer kleinen Episode vom Winterurlaub für das Kind wichtige Unterschiede auf und geht außerdem auf die Differenzen zwischen dem ländlichen Leben in Syrien und dem in der Großstadt auf.
Beeindruckt hat mich vor allem die Stelle, an der Riad es mit einem in Frankreich gelernten Trick schafft, in Syrien Bewunderung zu ergattern. Ein kleiner Ausblick hin zu einer gemeinsamen Zukunft für Nahen Osten und Europa wird hier schon gegeben. Daneben aber finde ich gerade das, was in der graphic novel ungesagt bleibt, wichtig für das Verständnis der Geschichte und auch für die aktuelle Situation. So berichtet er von den Wahlen 1985, an denen der Präsident Syriens mit 100 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde. Diese Information steht ohne Mutmaßungen oder Wahrscheinlichkeiten zu Wahlbetrug und gewinnt gerade dadurch an Bedeutung.
Grandios finde ich auch die Zeichnungen, die realistisch sind, ohne an den passenden Stellen die Möglichkeiten einer grafischen Darstellung zu vergessen. So wird die Angst, die Riad vor den Prügelstrafen in der Schule hat, passend zeichnerisch unterstützt und auch die farbliche Markierung dieser Stellen zeigt die emotionale Belastung. Wie bereits im ersten Teil ist die Zeit, die Riad in Frankreich verbring in einem kühlen Blau belassen, während die Bilder, die in Syrien spielen eine rötliche Färbung haben und das Haus der Familie durch den schwarzen Boden weiterhin wenig heimisch wirkt.
Die Mutter als schützende Instanz fällt im zweiten Teil langsam weg und fokussiert sich eher auf den jüngeren Bruder, dessen eigenen Problemen in seinen Albträumen angedeutet werden. Die Abgeschiedenheit und Ausgrenzung macht der Mutter zu schaffen und langsam beginnt auch der Junge zu verstehen, dass seine Mutter nicht in das Bild der syrischen Gesellschaft passt. Große Selbstzweifel treten aber nicht auf, viel mehr versucht Riad sich möglichst anzupassen und erfährt dabei widersprüchliche Signale von Vater und Mutter, Frankreich und Syrien, Außen- und Innensicht.
Dramatisch in diesem Band ist natürlich der Ehrenmord in Riads Familie, der ihn nicht nur auf gewisse Weise belastet, sondern auch den Vater als Ausgegrenzten brandmarkt, der sich dem familiären Gruppenzwang beugen muss, als es darum geht, die Täter zu bestrafen. Da gerade das Ende des zweiten Bandes darauf referiert zeigt sich hier eine bisher noch nicht derart durchgekommene Verzweiflung des Vaters, seine Heimat nicht zu verlieren und gleichzeitig mit dem in Verbindung zu bringen, was er gelernt hat, was er glaubt und was seine Frau und Kinder von ihm fordern.